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Full text of "Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen (1752/1906)"

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Johann Joachim Quantz 

Uersucb einer Anweisung 

die flöte traver$iere 

zu spielen 

Kritisch revidierter lleudruck 
nacb dem Original Berlin 1752 * 



mit einem Uorwort und erläuternden Anmerkungen versehen 

von 

Or. flmoß Schering 



1. Auflage 1906 

2. Auflage 1926 






€igentum des Uerlegers für alle tänder 

C. F. Kahnf, Leipzig 



Uorwort des ßerausgebers. 



Heben den theoretischen Schriften von lllattbeson, TDarpurg, Phil. 6m. Bad), 
£eop.fßozart und Cürk bildet der „U ersuch einer Anweisung die Slöte traversiere 
zu spielen" von Jobann Joachim Quantz 1 ) die wichtigste Quelle für die Kenntnis 
der IHusikübung und Hlusikauffassung im 1$. Jahrhundert. Zwei Jahre nach dem 
Code Job. Seb. Bachs erschienen, mit musterhafter Gründlichkeit abgefasst, auf jeder 
Seite den vielseitig gebildeten, ausgedehnte Sachkenntnis mit scharfem Urteil verbindenden 
musikalischen Lehrmeister des grossen Jriedrid) verratend, fasst das Cüerk die Grundsätze 
der musikalischen Praxis der Zeit so treffend und dabei weitherzig zusammen, dass ein 

1 ) Johann Joachim Quantz wurde am 30. Januar 1607 in Oberscbeden bei Gottingen 
als Sohn eines Hufschmieds geboren. Der Knabe zeigte früb musikalische Anlagen und kam nach 
dem Code des (Jäters (1707) zu seinem Oheim Justus Quantz, Stadtmusikus in fßerseburg in die 
Cebre. Die Anfange der Romposition studierte er beim Organisten 3. St. Kiesewetter in ITlerseburg. 
Im Jahre 1713 verliess er die Stadt, wanderte nach Radeberg und Pirna» wo er zum ersten male 
die Tnstrumentalkonzerte des soeben berühmt gewordenen Uivaldi kennen lernte, und trat 1716 in 
die Kapelle des Stadtmusikus Meine in Dresden, Hier, im Eldorado der Komponisten und Musiker, 
fand er Gelegenheit, seine Anlagen weiter zu entwickeln und namentlich seinen Geschmack an be- 
rühmten Hörbildern zu schulen. Reisen nach Wien, wo er aus Zelenkas und Jux' Unterweisungen 
nutzen zog und den von ihm nicht sonderlich hoch geschätzten tartini kennen lernte, und nach 
Warschau, wo der kurfürstliche Hofstaat häufig Aufenthalt nahm, förderten ihn. Hatte er bisher als 
Uiolinist, Crompeter und Oboist geglänzt, so widmete er sich alsbald unter Buffardins Eeitung aus- 
schliesslich dem Jlotenspiel. Hoch war aber seine Ausbildung nicht abgeschlossen, mit kurfürst- 
lichem Urlaub versehen zog Quantz 1724 im Gefolge des sächsischen Gesandten Cagnaseo über die 
Alpen, um durch damals weltbekannte italienische [Dustkergrössen die Sanktion seines Calents und 
seines Könnens zu erlangen. Gasparini in Rom, Scarlatti in Deapel, Uivaldi in Uenedig, Uteri. 
Bitti in Florenz und eine Reihe anderer Komponisten und Uirtuosen kreuzten seinen OJeg, der ihn 
1726 weiter über Genf und Cyon nach Paris und Eondon führte. fiten muss seine äusserst lebendig 
geschriebene Selbstbiographie in UteTpurgs „Rist-Krit. Beiträgen 14 , 1, S. 197 ff. lesen, um sieh über die 
ausgezeichnete kritische Befähigung Quantzens, seinen gesunden musiksinn und hellen Uerstand ein 
Urteil zu bilden. Ueberall aufmerksam prüfend, das ßeue leicht auffassend und auf seinen Wert 
hin abwägend, mag er 1727 mit einem nicht unbeträchtlichen Erfahrungsschatze bereichert in seine 
Dresdener Stellung zurückgekehrt sein. Als 1733 Friedrich August I. starb und eine Eingabe an 
dessen Itecbfolger um Erhöhung des Gehalts ohne Erfolg blieb, zögerte Quantz nicht, das glänzende 
Anerbieten Friedrichs des Grossen, als preussischer Kammermusikus und Hofcompositeur mit 2000 
Calern Gehalt nach Berlin zu kommen, anzunehmen. 1741 siedelte er dorthin über. Bis zu seinem 



IV UoTWort des berausgebers. 

Ileudruck gerade beute, da wir mitten in einer musikalischen Renaissancebewegung 
stehen, einer Rechtfertigung nid)t bedarf. 1 ) 

Oeder, der sieb eingebender mit der IDusikgescbicbte des 1$. Jahrhunderts 
beschäftigt bat, weiss, dass das Quantzs<he öJerk mehr ist als eine blosse Anweisung 
zum Slötenspiel etwa im Sinne einer modernen Jlotenscbule, und dass es bereits von 
Zeitgenossen wie Pb. 6. Bad) und 3ob. JL Biller als allgemeines £ebrbud) des guten 
Geschmacks in der musik anerkannt wurde, Charakterisiert die altern musikalischen 
Eebrbücber überhaupt ein inniges Zusammengehen von spezifischer Sachkenntnis und 
allgemeiner musikalischer Bildung, ein Punkt, in dem ihnen so viele neuere nachstehen, 
so tritt bei Quantz der facbtccbniscbe teil geradezu hinter dem allgemeinen zurück. 
Dur etwa ein Achtel des im Original 334 Seiten umfassenden Inhalts wendet sich an 
den Flötenspieler im besonderen. Alles übrige ist der Behandlung allgemeiner Fragen 
gewidmet. €s verdient das hervorgehoben zu werden, da der Citel des Buches das 
diesen des Inhalts nicht erschöpft und manchen um seine Bildung besorgten lllusikfreund 
von einer näheren Besänftigung abzuschrecken geeignet ist. Kaum ein zweites, die 
musik als freie Kunst behandelndes Eehrbucb des 1$. 3ahrhunderts bearbeitet den Stoff 
in ähnlid) prägnanter (Heise unter Berücksichtigung der verschiedensten Probleme wie das 
vorliegende, aus keinem wohl aud) lässt sich müheloser die Kenntnis dessen erwerben, 
was einst zum Rüstzeug eines guten ITlusikers gehörte und beute zum Uerständnis 
und zur Würdigung älterer musik beitragen kann. Dazu bat das Quantzsche ttlerk 
vor andern das voraus, dass es — gleich der Ceopold mozartseben Uiolinscbule — 
die trockene GJementartbeorie unberücksichtigt lässt, die £ehre von den Doten, dem 
Cakte und anderen musikalischen Zeichen nur streift und den für die Geheimnisse des 
Generalbasses sich interessierenden £eser auf die ein$d)lägige Citeratur verweist/ Der 
Uerfasser gebt von Anfang an auf die Erziehung des guten Geschmacks aus, er gibt 



y 
am 12. Juli 17^3 in Potsdam erfolgten Code bat er bekanntlich im vertrautesten Uerkebr mit dem 
grossen König gestanden als dessen Jlotenlebrer, unermüdlicher Ceibkomponist und Autorität in 
musikalischen Dingen überhaupt. 

Jfls Consetzer entfaltete Quantz eine erstaunliche Produktivität. 300 Slötenkonzerte und 200 
andere Stücke, Sonaten, Crios, Quartette für Slöte usw., denen sich ein Band ßboralmelodien zu 
Gellertscben Oden anscbliesst, legen Zeugnis ab für seine Scbreibgewandtbeit und musikalische 
Phantasie, die selbst dort, wo sie offenbar unter dem Druck der Uerbältnisse stand, Gebilde von 
Anmut und Formvollendung zeitigte. Tm Drude erschien nur weniges (s. Eimers Quellenlexikon). 
Die reiebste Ausbeute an handsdjriften liefert die Königl. ßausbibliotbek in Berlin (s. Katalog von 
G. Cbouret und die von seinem Urneffen Jllbert Quantz (\$77) verfasste Biographie). 

€s wäre wünschenswert, dass sich bald eine Jeder bereit fände, die das musikalische Eebens- 
werk dieses begabten, in seiner Gesinnung so echt deutschen meisters zusammenhängend an der 
Band seiner Schöpfungen analysierte. €r war keiner von den ganz Grossen, aber der Besten einer 
seiner Zeit. 

*) Bereits i. % 1900 war h. Kretzschmar in seinem Aufsätze „Einige Bemerkungen über den 
üortrag alter musik" (Jahrbuch der TDusikbibliothek Peters, 1000) für einen Deudruck eingetreten. 



Üorwort des Herausgebers. V 

eine jResthctik des Uortrags und der musikalischen Sonnen. Dies jedoch 
nicht in der encyklopädiscben Art Ulattbesons, dessen „Uollkommener Kapellmeister" 
(1739) den Kodex des musikgescbma&s der ersten ßälfte des 18. 3*brbunderts enthält, 
sondern in der Sorm ungezwungener praktischer Unterweisung, wie sie sieb aus 
dem Uerbältnis des Cebrers zum Schüler ergibt. Der Angelpunkt aller Quantzscben 
Ausführungen ist die lebendige musikalisfte Praxis, der Richter in allen Zweifelsfragen 
das musikalisch gebildete Ohr. Bierin unterscheidet sieb sein CUerk von ähnlichen 
früherer Zeit, und deshalb mutet seine Aestbetik so lebensvoll, modern an. (Dollte 
jemand die Probe machen, theoretische merke von lllattbeson oder lHarpurg auf ihre 
Beziehungen zur modernen Hlusik bin zu prüfen, die Probe würde kläglid) ausfallen. 
Die Quantzscbe Anweisung dagegen stellt Grundsätze auf, die der beutigen Praxis 
ebenso eignen wie der vor 150 Jahren. Sragen wie die im 6. Abschnitt des 17. Raupt» 
Stücks § 10 ff. über die Dynamik des Klavieranscblags, im 11. Rauptstück über die Pbrasierung, 
oder über die teebnik des Reingreifens auf der Uioline mit Berücksichtigung der 
kommatiseben Unterschiede (XVII. ßauptstück III. Abschnitt § S f.), Sragen also, deren Be- 
antwortung beute nicht selten dem „Gefühl" des Anfängers überlassen bleibt, finden 
eine gründliche systematische Auseinandersetzung und können noch beute von jedem 
eiementarmusikscbüler mit nutzen studiert werden. 

£iest man das Quantzscbe Bud) flüchtig, so könnte es scheinen, als hafte dem 
Künstler und üortragsmeister Quantz ein gut Ceil Pedanterie an. €$ gilt jedoch» die 
an sieb etwas schwerfällige Diktion des IS. Jabrbunderts, die Quantz ebensowenig 
überwinden konnte wie so mandw seiner Kollegen, aus dem literarischen Sacb, von 
der Sache selbst und ihren Kerngedanken zu scheiden. €$ wird sich finden, dass der 
Uerfasser selten Ueberflüssiges spricht oder sieb in Schönrednerei verliert. Eine kräftige 
persönliche Hote würzt seine Ausführungen auch da, wo der moderne £e$er keine 
unmittelbare Anknüpfung mehr findet und sich mit vagen üorstellungen über die klein- 
bürgerlichen üerbältnisse der Zopfzeit begnügen muss. Anderseits kann es nur mit 
Achtung erfüllen, wenn man liest, mit welch beissem Bemühen die musikalische Elite 
der Zeit um das klare erfassen ihrer Kunst rang. Rierber gehört vor allem die 
Analyse des musikalischen Gefühls, die musikalische Affektenlebre. Um sie 
widerspruchslos darzustellen, wären freilich neben Quantz noch andere musiksebrift* 
steller der Zeit, besonders Pbil. 6. Bad), zu zitieren. Quantz selbst aber gibt, obwohl 
verstreut, genug hinweise und Bemerkungen, welche einblick in das musikempfinden 
seiner Zeit gewähren. Dicht psychologische Ableitungen sind es, oder Crkentnisse, 
gewonnen mit ßülfe philosophischer Deduktion, vielmehr schlankweg aus der Crfahrung 
genommene und durch erfabrung hundertmal bestätigte Bewusstseinstatsacben. Eebr* 
reich in dieser ßinsiebt sind besonders die §§ 15—21 des elften und die §§ 5—$ 
des vierzehnten ßauptstücks. Cüer von unsern Musikpädagogen bedient sieb beute des 
so einfa<hen und unmittelbar überzeugenden mittels, seinen Schülern diese oder jene 
Stelle eines Stücks als „prächtig", „sdweicbelnd", „zärtlid) 4 *, „ wütend V»fre<b w usw. 



VI üorwort des Herausgebers. 



3 



zu erklären und sie dürft diesen Appell an ihr Gemüt an dtn sinngemässen Uortrag 
zu gewöhnen? Welche Armseligkeit des intuitiven Ausdrucksvermögens verrät es, 
wenn im Uergleid) zu Quantzens brillanter Erklärung eines dreisätzigen Instrumental- 
konzerts (S. XVIII. ßauptstück § 33 ff.) unseren Schülern das Kiesen einer Sonate 
mit trodtenen Schlagwörtern wie „erstes tbema", „zweites tbema", „Durchführung" 
beizubringen versucht wird! Es liegt in den Kapiteln, in denen Quantz ohne neben« 
rücksiebten als freier Künstler sprid)t, ein Schwung und eine Begeisterung, die so manchem 
üerfasser moderner Sdbulwerke als muster vorgehalten werden könnte. 

€in anderer ist Quantz, wenn er nicht als Künstler, sondern als Erzieher 
sprid)t. Es mag heute belächelt werden, wenn er Eltern, die talent an ihren Söhnen 
bemerken, umständlich Ratschläge erteilt und darlegt, was von einem guten ITlusikus 
verlangt werde (s. Einleitung) — zur Zeit, als dies Kapitel gesdnieben wurde, lag 
offenbar Bedürfnis dazu vor, und der Historiker weiss zudem, dass dieses Bedürfnis der 
Orientierung über musikalische Dinge mit der Zunahme des Ttlusikdilettantismus und 
des allgemeinen Iflusikinteresses in Deutschland wuchs. Die TDiene des väterlichen 
Ratgebers, der den jungen Solisten zum ersten lHale den Zufällen eines öffentlichen 
Konzerts preisgegeben siebt, nimmt Quantz im XVI. ßauptstück an. treuherzig teilt 
er ihm aus seiner reichen Erfahrung Kunstgriffe aller Art mit, die sich in langer 
Praxis bewährt haben und den Anfänger vor Unsicherheit oder Uerwirrung schützen. 
(Die tut sich mit einem Schlage das ganze Wesen des alten, auf sieb selbst 
gestellten üirtuosentums auf, wenn Quantz am Schlüsse jenes Geheimnis enthüllt, das 
vielleicht als Schlüssel seiner eignen, mehr als dreissigjährigen Erfolge am preussiseben 
Rönigbofe genommen werden kann und lautet: 

„Es ist viel vorteilhafter für einen tonkünstler, wenn er immer etwas von seiner 
Wissenschaft zum Unterhalte behält, um seine Zuhörer mehr als einmal überraschen 
zu können, als wenn er gleich das erste mal seine ganze Wissenschaft ausschüttet, 
und man ihn also ein für allemal gehöret bat/ 

Es kann kein Zweifel bestehen: Der üirtuose um 1750 war ein anderer als 
der üirtuose von heute. Dieser tritt als siegsgewisser Beherrscher seines Instruments 
mit wenigen, monate- oft jahrelang studierten Stücken vor ein tausendköpfiges Publikum, 
dessen Rollektivbeifall seinen Ruf besiegelt; jener hatte sein Ansehen bei jedem neuen 
Auftreten vor kleinem Rennerpublikum aufs neue zu erringen, nicht durch technische i 

lertigkeit allein, sondern viel mehr durd) Ausweis eines jederzeit untadeligen IHusik- 
gesd)tnack$ und durd) die Jähigkeit, sich quasi improvisando kompositorisch zu 
betätigen. Denn der ßauptreiz, den ein gewähltes Rokokopublikum einer musi- 
kalischen Produktion abgewann, bestand in dem lustvollen Uerfolgen der augenblick- ! 
lieben Einfälle und der spontan geübten Improvisationskunst des oder der Solisten. j 
Wir müssten uns, wäre es anders gewesen, von Jriedrid) IL als IDusiker ein total 
versdnedenes Bild konstruieren als wir von ihm als geistreichen Schriftsteller und 
Sreund üoltaires besitzen. Ein med)aniscbe$ Abspielen der Doten selbst bei gefühl= 



*i 



(lorwort des Herausgebers, VII 

vollstem Uortrage, tage-, wocben-, jahrelang fortgesetzt, hätte das unruhige Genie des 
Königs wohl schwerlich fesseln können. 

Cüas vielmehr im Salon zu Potsdam galt, das galt zur selben Zeit in ganz 
Deutschland und Italien: Der Uirtuose musste während des üortrags zugleid) reproduktiv 
und produktiv sein, und damit ist ein weiterer Kreis von Jragen angeschnitten, auf 
die Quantz Antwort gibt. Die £ehre von den „kleinen wesentlichen Ittanieren" 
(VIII. fiauptstütö) gehört noch nicht hierher, denn ihre Anwendung besteht lediglich 
in einer stilreinen Auflösung zeicbenmässig überlieferter Abkürzungen (üorscbläge, 
mordent, Doppelscblag usw.); wohl aber die der sogenannten „willkürlichen Tfianieren", 
denen Quantz das VIII. Rauptstüd* und triebt weniger als acht Dotentabellen widmet. 
(Die der Dame sagt, ist die Uerwendung dieser üerzierungsart der (Dillkür des Spielers 
anheimgestellt. 6r kann sie anwenden, wann und wo er will, die Regeln des Geschmacks 
als Regulative vorausgesetzt. Sie eignen sich namentlich für den Adagiovortrag und 
bedeuten hier — um einen Ausdruck Quantzens zu gebrauchen — das, was das Salz 
für die Speise bedeutet. Quantz setzt die Praxis dieser freien Ornamentik mit viel 
Gründlichkeit auseinander und zeigt an einem Beispiel (S. Anbang), wie dabei vor* 
zugeben sei. Erst wenn man aber im Auge hat, dass alle diese Uerzierungen, dk 
das Schulbeispiel hier schwarz auf weiss festhält, spontan geübt wurden, und dabei 
bedenkt, welcher Summe von Geistesgegenwart und Scblagfertigkeit es bedurfte, solche 
Stücke prima vista einem erlauchten Kennerkreise zufriedenstellend vorzublasen, wird 
man sieb das eigenartige üergnügen vorstellen können, das ein geistig angeregter 
Kreis, wie ihn ülenzel auf seinem bekannten „Jlötenkonzert" schildert, bei soldjen 
Produktionen empfand. 1 ) 

Obwohl keine Aussiebt vorbanden, dass die freie Improvisationskunst, selbst unter 
ganz neuen üoraussetzungen, sich in unserm ülusikleben wieder einbürgert 2 ) — der 
moderne Konzertsaal ist ein Jeind ihrer intimen Wirkungen und nur die Baus* und 
Kammermusik käme in Betraft — , so ist es dennoch Pflicht eines jeden für ältere 
lHusik sich Interessierenden, sich über die Grundsätze dieser alten Illusikübung aufzuklären, 
schon um einen gerechten Ttlassstab für die DUürdigung alter tonkunst zu gewinnen. 
Um Ittissverständnissen vorzubeugen, ist dabei an eins zu erinnern. Quantz ist un* 
bedingter Anbänger des galanten Stils, das beisst jener Schreibweise, die an Stelle 
der alten kontrapunktischen Polypbonie trat und als Uorläuferin der Rantabilität der 



*) man beachte u. a. lüenzels feingewäblte ßesicbtspsycbologie, die einem momente anzu- 
gehören scheint, da der Konig mit überlegener Ironie sich zur freien Kadenz anschickt. 

*) €s ist ein unfruchtbares Beginnen und kann auf Jeinempfindende nur den Eindruck des 
Stilwidrigen machen, wenn händelscbe JTrien oder ältere Uiolinstücke (2. B. in Davids hoher Schule 
des Uiolinspiels) einzig am Schlüsse mit Kadenzen versehen werden (selbst wenn diese als authentisch 
nachgewiesen sind), wenn nicht die Uerzicrungspraxis auch auf den übrigen teil der Jfrie, der Sonate 
ausgedehnt wird. Denn nur im letztern lalle wächst die Schlusskadenz als krönendes Schlussglied 
organisch aus der vorangehenden Ornamentik heraus. 



Vni Uorwort des Herausgebers. j 



mozartseben Zeit die gefällige melodie auf den Schild erhob. Wann diese Stiländerung 
eintrat, ist nicht aufs ]abr anzugeben, dod) ist sieber, dass 3ob. Seb. Bad) und seine 
Kunst von ibr niebt beeinflusst wurde. 1 ) (Denn daber Anweisungen aus dem £ager 
der „Galanten", zu denen bekanntlich auch Philipp Emanuel Bad) gehört, auf die Kunst 
Job* Seb. Bacbs und seiner mit den Traditionen des 17. Jahrhunderts zusammenhängenden 
Generation bezogen werden, so bat das mit äusserster Uorsicbt zu geschehen, namentlich 
im Punkte des Uorscblags-- und üerzierungswesens, das die jüngere Generation zwar 
von der älteren übernahm, aber erstaunlid) schnell nach neueren Gescbmacksgrundsätzen 
umgebildet zu haben scheint. 

unveränderte Giltigkeit dagegen auch für die Kunst des alten Bad) haben Quantzens 
Bemerkungen über das Akkompagnement. Sie verdienen das meiste Anrecht auf 
eingehende Cektüre und Berücksichtigung bei Aufführungen älterer lTlusik. Hiebt minder 
wichtig sind die hinweise auf Besetzung des Orchesters und Aufstellung der Spieler 
(XVII. Rauptstüdk I. Abschnitt § 14 ff.), auf üortragsart und tempo der französischen 
tanzstücke (XVII. ßauptstück VII. Abschnitt § 5$), wobei wiederum für die ältere 
Zeit ein geringer Abzug vom Wörtlichen in Rechnung gezogen werden muss. 

Uerbältnismässig gering ist die Ausbeute an rein historischen Daten. ü\t Scheu, 
noch lebende tonkünstler beim Damen zu nennen, bat Quantz zur Umsd)reibung gewisser 
Persönlichkeiten verleitet. Da aber seine Gharakteristiken scharf genug sind, Hess sich 
in allen lallen die Anonymität bebeben, ttlo geschichtliche fragen zur Erörterung 
drängen, wie im XVIII. Rauptstüdt § 54 f. über üerfall und Emporblüben der ülusik 
im ITlittelalter, oder einige Paragraphen später über berühmte Orgel» und Klavierspieler, 
drückt er sieb ungemein vorsichtig aus. Anderwärts wiederum, wo er auf dem Boden 
der Gegenwart steht, findet er Worte der Anerkennung sowohl wie der Entrüstung 
in reichem IHasse. ]ederzeit aber, im Guten und im Bösen, als Kritiker, als Künstler 
und als Aestbetiker, spricht in Quantz eine selbstbewusste Persönlichkeit zu uns, ein 
mann von lebhaftem Empfinden und rüstiger tatkraft, dessen Stil man es anmerkt, 
dass er durch eignes Können und Wollen sieb zu der bevorzugten Stellung an der 
Seite eines gekrönten Baupts emporgerungen bat. 

lieber die Editionstecbnik ist folgendes zu bemerken. 

Der Zweck der Deuausgabe, musikern, IDusikfreunden und musikbistorikern ein 
nützliebes £ebr= und Orientierungsbucb zu bieten, legte hier und da Kürzungen und 
Zusammenziebungen des Originaltextes nahe. Betroffen wurde davon namentlich der 
instrumentaltecbniscbe teil des Buches, der den praktischen Slötenunterricbt (ßaupt- 
stück II— VI) einsd)liesst. Er ist heute veraltet und unbrauchbar und konnte unbe- 
schadet der wohlproportionierten Anlage des Buches fortgelassen werden. Ueber seinen 
Inhalt geben die beibehaltenen originalen Kapitelüberschriften und kurze Exzerpte 
Auskunft. 



*) Das vierte Jahrzehnt des 1$. 3abrbunderts scheint den Uebergang vorbereitet zu haben. 



Uorwort des Herausgebers. IX 

lUit dem (Liegfall der eigentlichen „Slötenscbule" wurde Raum für eine um so 
vollständigere Wiedergabe der übrigen Kapitel gewonnen. Dur ausnahmsweise, an 
Stellen, in denen der üerfasser bereits vorher ausführlich dargelegtes wiederholt oder 
im Cone seiner Zeit Raisonnements über unwesentliches vorträgt, erfolgte Zusammen» 
Ziehung mit Inhaltsübersicht* 

Im übrigen gilt für die üeuausgabe: 

1. Alle vom Herausgeber herrührenden Zusätze, Anmerkungen, Berichtigungen 
wurden m eckige Klammern gesetzt. 1 ) 

2. Die Kapitel* und Paragrapbeneinteilung des Originals sowie dessen Ortho- 
graphie und Interpunktion sind beibehalten. Uerzicbtet wurde lediglich auf die alter» 
tümliche, von Quantz nicht mit Konsequenz durchgeführte Setzung des Semikolons statt 
Kommas, wodurch dem Eeser die Uerständlicbkeit der oft langathmigen Diktion er- 
leichtert wird. — Anfangs* und Schlussvignette sind originalgetreu reproduziert. 2 ) 

3. Um eine Zitierung nach dem Original zu ermöglichen, findet sich dessen 
Paginierung in eckiger Klammer fortlaufend dem Cexte eingefügt. 

4. Drudtfebler, die sich als Uersehen des Setzers ergaben, wurden stillschweigend 
korrigiert, ebenso die wenigen Errata, die der Üerfasser selbst am Schlüsse anführt. 

5. Heber die Ergänzung des Inhaltsverzeichnisses s. die Anmerkung am Kopfe dieses. 

6. Die als „Stempel" dem Originale beigegebenen Dotentafeln wurden zerlegt 
und die einzelnen Beispiele der bequemeren Uebersid)t halber an die entsprechenden 
Stellen des Textes gesetzt. Dur die beiden selbständigen Adagiokompositionen blieben 
im Anhang. Ihre ßeneralbassaussetzung rührt vom Herausgeber her. 

7. In Bezug auf die Anmerkungen des Herausgebers ist nur wenig zu 
erinnern. Uon einer Kritik der von Quantz vertretenen Ansichten wurde von vornherein 
abgesehen, ebenso von einer Gegenüberstellung der Ansichten anderer gleichzeitiger 
IUeister über einzelne Kapitel derselben materie. Cüer die Schwierigkeit kennt, über 
gewisse fragen der ülusikpraxis des 18. 3ahrbunderts beim beutigen Stande der 
Jorscbung definitive Antworten zu geben, weiss, dass sich das — wenn überhaupt — 
nur in form von Abhandlungen oder längeren Diskussionen tun lässt. Solche abor, 
als Sussnoten gegeben, etwa in der Art wie es Agricola bei der Cosiscben Gesangs- 
schule versucht, hätten das Buch seines Charakters als Eebrbucb beraubt und dem 
unbefangenen modernen Eeser eine Julie von schwer durchzuarbeitendem 0esd)icbtsstoff 
vorgelegt. In der Annahme, dass die eingehende, lichtvolle Darstellung Quantzens 
heute nicht minder verständlich ist als vor 150 Jahren, und unter der üoraussetzung, 



*) Davon zu unterscheiden sind die mit * oder (*) bezeichneten Anmerkungen des U er- 
fassen am $d)luss der betr. Paragraphen. 

*) €T$tere nimmt — nebenbei gesagt — Bezug auf die im THittelalter geläufige Anekdote 
von Pytbagoras in der Scbmiede, 



X Uorwort des herausgebers. 

dass nur Eeser mit musikgescbicbtlidKn Uörkenntnissen zur Heuausgabe greifen werden, 
bat sieb der Herausgeber auf Richtigstellung falscher Daten, kurze Erläuterungen und 
Quellenbinweise beschränkt, die dem Sernerstebenden die (Uege zu näherer Orientierung 
weisen mögen. — Die nebenstehend gegebene Inhaltsübersicht wird beim Heber* 
blicken des Stoffes gute Dienste leisten. 

Der Herausgeber spricht zum Scbluss dem üerlagsbause g. 5. Rabnt Dacbfolger 
seinen Dank aus für das rührige entgegenkommen in Sachen der Deuausgabe und 
gibt sid) dem Güunscbe bin» dass diese in recht viele Bände gelangen und die Jrucht 
ihrer £ektüre sid) in der zunehmenden Erkenntnis der künstlerischen Zwecke und Ziele 
der alten Conmeister und in einer wachsenden stilgemassen Wiederbelebung ihrer Werke 
äussern möge. 

IL Schering* 



Inhaltsübersicht 

(Uom Herausgeber zusammengestellt Hamen» und Sachregister am Schlüsse des Clerkes.) 



Seite 

Einleitung. üon den Eigenschaften, die von einem, der $id> der lttusik widmen 

will, erfordert werden 1 

L QatiptStfitii* Kurze Historie undBesdueibung derSlöte traversierc 15 
IL JJäiipflttjdL üon ßaltung der Jlöte und Setzung der Singer . . 17 
in. HauptSffid?« üon der Jingerordnung oder Applikation und der 

Conleiter oder Skala der Jlöte 17 

IV. fiatiptStUCR* üon dem Ansätze (embouchure) ....... 1$ 

V. Qatiptstficft. üon den Hoten, ihrer Geltung, dem takte, den Pausen 

und den übrigen musikalischen Zeichen 19 

Caktlebre $. 19 tf. — lieber die notenwerte $. 21 f. 

VI. $atipt$tflcft, üom Gebrauche der Zunge bei dem Blasen auf der Jlöte 24 
I. Jfbscbnitt: Uom Gebrauche der Zunge mit der Silbe ti oder di. — II. Jlbsdmitt: 
desgl. mit dem GUSrtcben tiri. — III. Jfbsd>nitt: desgl. mit dem CUörtcben did'll 
oder der sog. Doppelzunge. — flnbang. Einige Anmerkungen zum Gebrauche der 
Oboe und des Fagotts. 

Vn. fiauptstücfc. üom Atemholen bei Ausübung der Jlöte .... 25 
. Regeln zur Pbrasierung $. 26 ff, 

VIII. fiatiptstficft. üon den üorseblägen und den dazu gehörigen 

kleinen wesentlichen Planieren 2$ 

Die JTbzug genannten üorsebläge $. 20. — Durchgehende üorsebläge $. 29 ff. — 
Hotenbeispiele zur üerzierungslebre $. 32 ff. — fialber Criller, Pince", Doppelscblag, 
Battements $. 33 f. 

IX. IjattptSiÜCK, üon den trillern 36 

Bodtstriller, ist zu vermeiden $. 37. — Cerzentriller $. 37. — nacbscblag 1 3$, 



XII Inhaltsübersicht 

Seite 

X, fiatipMikK, ttlas ein Anfänger bei seiner besonderen Übung 

zu beobachten bat 39 

üebungsstoff $. 40. — Art des Übens $. 42. - öescbmacksbildung $. 43. - 

Ratschläge $. 44 f. 

XI. UatiptStttCk Uom Singen und Spielen überhaupt 46 

Uergleid) der THusik mit der Rede $. 46 f. - Der Uortrag soll rein und deutlich, 
leid)t und fliessend, ausdrucksvoll und leidenschaftlich sein $. 49 ff. — Rennzeichen 
der musikalischen Affekte $. 51 ff. - OJIe diese ausgedrückt werden $. 53 f. 
XII. Ijatiptstiid*. Uon der Art das Jlllegro zu spielen ...... 55 

Charakter des Jfllegros S. 55. — Zeitmass $. 56. — Die Affekt« im Aliegro $. 5$. — 
Uorschlage und willkürliche Ueränderungen S. 50. 

XIII. I$atipt$tiicK. Uon den willkürlichen Ueränderungen über die 

simpeln Intervalle ■ - • - 60 

unterschied zwischen italienischer und franzosischer Spielart $. 60. — Intervall« 
fabelle $. 61. — Regeln $. 62 ff. — Ausführliche Uerzierungstabellen $. 64 ff. 

XIV. QauptetödL Uon der Art das Adagio zu spielen ..... 92 
Der franzosische Geschmack $. 02 f. (IHusterbeispiel im Anbang). — Charakteristik 

der tonarten $. 94. — üeber die Affekte im Adagio S. 04 f. — üeber den Uortrag 
einzelner Arten des Adagios $. 06 ff. — Ausführliches über die Dynamik des 
Uortrags $. 00 ff. 

XV. Bawpi$!ÄOlU Uon den Kadenzen 103 

Erklärung und Rerkunft der Radenzen $. 103.— üeber ihren missbraud) $. 104.— 
Art derein stimmigen Radenzen und deren geschmackvolle Bildung $. 105 ff. — Zwei- 
stimmige Radenzen $. 110 ff. — Die sogenannte „halbe" Radenz $. 117. — Uon der 
Tenuate und über den Schlusstriller der Radenzen S. 11$ ff. 

XVI. l)aupt$tffc& OJas ein Slötenist zu beobachten bat, wenn er in 

öffentlichen Musiken spielt 120 

üeber das Tichtige Einstimmen S. 121. — Aeusseres Betragen des Solisten $.121 f.— 
Rücksichten auf die Oertlicbkeit und auf die Zuhörer S. 123. — Ratschlage zum 
öffentlichen Uortrag S. 124 ff. 
XVII. Bauptsfüdt, Uon den Pflichten derer, welche akkompagnieren 
oder die einer konzertierenden Stimme zugesellten Begleitungs- oder 

Ripienstimmen ausführen.: 127 

Rurze Betrachtung über den Zustand der gegenwärtigen Iflusik $. 127 f. 

I. Abschnitt Uon den Eigenschaften eines Anführers der 

lllusik 12$ 

üeber die Wahl des Anführers $. 120. — Dessen erforderlichen Renntnisse $. 130. — 
Seine Pflichten dem Orchester gegenüber $. 131 f. — üeber die Aufstellung des Or- 
chesters S. 133 f. — Dessen Besetzung $. 135 f. 

IL Abschnitt. Uon den Ripienviolinisten insbesondere . . 137 
üeber den Bogenstrich und seine Arten $. 137 f. — Gebundene und gestossene flöten 
$. 130 ff. — Anwendung in einzelnen lallen (Adagio, Allegro) $. 142 ff. — Uortrag 



Inhaltsübersicht. XIII 

Seile 

4er gebrochenen Akkorde und der IHanieren S. 146 ff. — Uortrag einzelner ßbarakter- 

J stücke S. 150. — Das Stakkato $. 151. — Dynamik des Uortrags $. 151 f. — Der Dämpfer 

s 15 3 # _ Das Pizzikato $. 153 f. — Cagenspiel $. 154. — Art der Begleitung $. 155. 

III. Jlbscbnitt. üon dem Bratschisten insbesondere .... 156 
Utas von einem ttiebtigen Bratschisten verlangt wird S. 156 f. — lieber die Art 
seines Spiels in mehrstimmigen Stücken S. 15$. 

IV. Abschnitt, üon dem üioloncellisten insbesondere . . . 159 
Kunstfertigkeit und Pflichten des Üioloncellisten $. 160 ff. — lieber die richtige 
Ausführung gewisser Bassfiguren S. 162 f. — lieber das Solospiel auf dem 
Uioloncell S. 164. 

V. Abschnitt, üon dem Kontraviolonisten insbesondere. . 165 
lieber die Ulabl des Instruments, dessen Einrichtung (Bünde) und Saiten S, 166. — 
Bogenstrich und Applikator S. 167. — lieber den Uortrag S. 16$. 

VI. Abschnitt, üon dem Klavieristen insbesondere . . . . 169 
) lieber die Ausführung des Generalbasses auf dem Klavier $. 169. — Bei voll- 
stimmigen Stücken, Crios, Solos usw. $. 170. — Dynamischer Uortrag und Aus- 
druck desselben S. 171. — Regeln über den Anschlag der Dissonanzen $. 173 f. 
(Ulusterbeispiel im Anhang). — Pianoforte und Clavicymbel $. 175 f. — Feinheiten 

in der Generalbassbegleitung S. 176 f. — Diskretion des Begleiters ist erste Regel 
$. 170. — Weitere Begleitregeln für das Adagio und Allegro $. I$0 f. — Begleitung 
des Rezitativs $. 1$2. 

VII. Abschnitt, üon den Pflichten, welche alle begleitenden 

Instrumentisten überhaupt in acht zu nehmen haben 1$3 
Gemeinsame reine Einstimmung der Instrumente S. 1$3 f. — lieber die hohe des 
Gbor- und Kammertons $. t$4 f. — Reingreifen auf den Bogeninstrumenten $. 1$6 f. — 
lieber den guten und d)araktervo!1en Orchestervortrag $. 1$$ f. — Subordination 
der Orchestermitglieder $. 190. — Deren gemeinsame Pflichten bezgl. Beobachtung 
der vorgeschriebenen und erforderlichen Constarke S. 101 ff. — Rücksichten auf dzn 
Solisten S. 104. — Das Unisono $. 104. — Uortrag der Suge $. 104 f. — Tnne- 
haltung und Beobachtung des Zeitmasses $. 105 ff. — UorscblEge, wie stets das 
richtige Cempo zu erkennen sei $. 200. — Der Pulsschlag als ltlaasseinbeit $. 201. — 
tempoangaben für die häufigsten Arten des Allegros und Adagios auf Grund des 
Pulsschlags $. 202 ff. — Cempobestimmungen für französische Charaktertänze 
$. 207 ff. — Begleitung des Rezitativs S. 210 f. — Pflichten der Komponisten 
gegenüber den Ausführenden S. 212. 

XVIII« l)aupt$tiidt* ttlie ein Itlusikus und eine Itlusik zu beurteilen sei 213 
Ehrlichkeit und Uorsichtigkeit im Urteil $. 214 f. — Der gute Geschmack $. 216. — 
Richtige und falsche Beurteilung $. 217. — Kennzeichen eines „vollkommenen" ton* 
künstlers: a) des Sängers $. 210, b) des Instrumentisten S. 220. — Kennzeichen 
einer guten Komposition S. 222. — Kirchenmusik $. 223 f. — Opernmusik $. 224. — 
Richtige Deklamation $. 225. — Die Arie $. 226. — Unterschied zwischen Kirchen-, 
Opern- und Kammermusik S. 227. — Die Instrumentalmusik S. 227. — Concerto 
grosso und Concerto da camera $. 22$. — Eigenschaften eines Instrumental- 
konzerts $. 220 f. — Uorschriften für den Bau der einzelnen Sätze $, 230 ff, 
Ueber die Ouvertüre S. 233. — UebeT die italienischen Sinfonien $. 233 f, — Das 



XiV Inhaltsübersicht. 

Quatuor S. 234. — Das trio $. 235. — Das Solo (die Solosonate), sein Bau 
$. 235 f. — lieber Gescbmacksunterscbiede $.23$.— I)istoriscber Rückblick $. 239. — 
Gbarakteristik des italienischen Geschmacks $. 239 ff.— Corelli, ßorelli, fllbinoni, 
Uivaldi (lombard, Geschmack) $. 240 f. — Cartini $. 241. — Das Spiel italienischer 
Instrumentisten charakterisiert S. 243, — Ebenso die italienische Romposition a) im 
allgemeinen $. 244, b) die Uokalkomposition (ßapelli, Pergolese, Uinci, Rasse) 
$. 245. — Instrumentalspiel und Gesang der Franzosen $. 246. — Tbre Romposition, 
namentlich die Oper $. 247. — Uergleicbe zwischen französischer und italienischer 
Oper S. 24$ ff. — Schätzung und Uerbreitung der italienischen Oper $. 251. — Zu- 
sammenfassendes über französische und italienische Hlusik $. 253 f. — Die deutsch« 
musik a) Gesangsmusik $. 254. b) Instrumentalmusik $. 256. — Cüie die letztere 
in früheren Zeiten bestellt war S. 256 f. — Deutsche Riavier- und Orgelkunst (Sro- 
berger, Pachhelbcl, Reinken, Buxtehude, Bruhns, 3. S. Bach) S. 25$ — Cüann der 
neue deutsche Geschmack aufgekommen (KJousser) $. 259. — Charakteristik des 
deutschen Geschmacks S. 260 f. — Ausblick auf die Zukunft $. 261. 






3oJ>atm 3oad)im Quan|>en$, 

STowxqI ^reufcijtyeu ÄammevmujtfuS, 

SSerfud) einer Slntpetfung 



bie 



<5*öte frat>erftere 

ju fielen; 

mit t>evf^iebenen, 

gut 93ef ite&enmg be$ guten ©efd)roatfe$ 

in ber }>raftifd>en Sülufil 

bienttd)en ^Inmetrfungen 

begleitet, 
unb mit <£rentj>eln erläutert. 

9tefcft XXIV. Äutfetrtafeltu 



§>em 
©rofjmädjtigften 

9iitften unb #erw, 

grtebertd), 

Könige in ^reufcen; 

©e$ fettigen 9*ömtf$en 9*etä)$ <£i#ämmemn 
unb ©&urfütjien; 

6om>e*atnett unb Sfrerften i^oge 

»on Scfyfeften; 

6ou*>eratnen ^ringen t>on Swmiett, 9leufd)<rfel unb 

«Batengin, wie au$ ber ©rafjtyaft ©las; 

3n ©elbcm, §u SÖfogbebutg, <£te»e, 3üli<$, S3erg, 6fetfin, Som- 
mern, ber Gaffuben unb Sßenben, ju l 2flecKenbu*g, au<$ 8» ^wffen 

Äerjoge; 

SSurggtafen ju Nürnberg; 

dürften gu Äatbe^tabt, duften, <£amin, Söenben, Schwerin, 
9*a$ebutg, OfffrieStanb unb SOtoeurS; 

©rafenguibo^enaoaem, 9*uftntt, ber 9Karf, 9taöenSberg, Äoben- 

fiein, Setftenbwg, Singen, Schwerin, "Surren unb fie^bam; 
Äerro ju 9Scu>enftefo, ber ßanbe 9?ofiod, 6(argatb, ßauenbutg, 

<33tttoto, Slrfal?, unb ^vthci. 

deinem attergnä&tgften Könige utti> #erm 



ilf ■- 

.■: 

11 

- 

1 






^ 



Wevi>uv<§lau<$ti$tev 
®vo%mä<$titftev mni$, 
2lKergnäbiöfter 



fCurer ^imtgüdjen Sölajeftäf barf f# frfermit 
Vta " in ticffter Hnferfljänigfeit, gegenwärtige Blätter 
toibmen, oft fie $n>ar, $unt S#efl, nur bic 2lnfang^ 
grünbe eines 3nftrumenf$ in fidj faffen, toeldjeg 
SHefeften §u fo befonberer SßoUiommznfyit gebracht 
^aben. 

£>er edms, unb \>k J)of)e ©nabe, n>eld)e (gute 
Jtfttigttge 3Rajef*äf bcn SöifFenföaften tiber|>au}>t 
unb ber Sonfunft insbefonbere angebeüjen laffen, machen 
mir Hoffnung, bafc (gute ^tfnigliclje 9ttajeftäf ben- 
felben &ä)u$ aud) meinen 93emü*)ungen nid)f *>er-- 
fagen, fonbern biefatel)r basjenige, n>a$ ic^ jutn SHenffe 



ber SDlufif, nad) meinen geringen Gräften, gerinne 
entworfen l>abe, ein gnäbiges Singe finben laffen werben. 
StfefeS ift bie nnfevtpnigfte 93itte, n>eld)e mit bem 
aEergetreneften 2öunfd)e für bte <£rl>aftnng £>ero 
©el>eiligten ^erfon i>erfttü>fet 

^Kerbnrdjlaucftfigfter 
©rofimäc^tigfter ,®#mg, 
Stttergnäbigfter 

Zottig nnb #err, 
(guter königlichen Sftajeftät 



atterutttert^ämgffer ge^orfamfter Ättecfyt, 

Qofyann Soatyim Stuant^ 



A 



[7. Seite] 



<33orrebe* 



3d) liefere hiermit ben Skfyäbtxn ber 9Kuftt eine 5lnn>eifung bie ^löte 
traoerfiere &u fielen. 3$ |)abe mxty bemühet, oon ben erften 'SlnfangS* 
grünben an, alles beutlid) ju lehren, tt>a§ ju Ausübung btefeS 3nftrumentS 
erfobert toirb. 

3ä) £abe m\<$) be&oegen awfy in bie fielen oom guten ©efc^made in ber 
praltif<$en 9KufiI ettoaä toeitläuftig eingetaffen. ilnb ob id) stoar biefelben 
£auptfä<$lid) nur auf bie fftöte traoerftere angetoenbet |>abe: fo Jönnen fte bod) 
au$ allen benen nüljtid) fe^n, tt>et<$e fo too^t oom Singen, als oon Ausübung 
anberer Snftrumente ^erf machen, unb fxd) eines guten muftfatifd)en Vortrages 
befleißigen wollen. <£ß barf nur ein jeber, bem baran gelegen ift, t>a$, toaS fvfy 
für feine Stimme, ober fein 3nftruntent fd^tcfet, |>erau$ nehmen, unb ftd) ju 
Stoßen machen. 

<2Bett bie gute Söirlung einer 9Kuftf, oon bemjenigen, ber fid) mit einer 
£aupt= ober concertirenben Stimme $'6xm läßt, m$t allein abfängt, fonbern 
bie begteitenben 3nftrumentiften ba$ S^rige au$ babfy in 2l$t §u nehmen 
^aben: fo Ijabe id) ein befonbereS Äauptftücf beifüget, in toetd^em \<S) seige, 
tote joauptftimmen gut begleitet toerben muffen. 

3cfy glaube nietet ^ierburd) in allpgrofe «SBeitläufrtgfetten oerfallen ju 
fe^n. ®enn ba \<fy ntcfyt btoS einen mecfyanifcfyen SWtenfyieler, fonbern aud), 
mit bemfelben sugleid), einen gefeilten ^uftloerftänbigen ju gießen bemühet 
bin: fo muß icf> fudjen, nicfyt aHein feine £typen, Sunge unb Ringer in gehörige 
Orbnung $x bringen, fonbern auefy feinen ©efc^mad ju bilben, unb feine Ve» 
urt^eitungSlraft ju fd)ärfen. ©ne Srlenntniß ber $lrt gut ju aecompagniren 
ift tym ^auptfäcpd) nßt^ig: ntc^t allein toeit tyn felbft biefe Verrichtung öfters 
treffen tarnt, fonbern auefy, toeit er feine ^nfoberungen an bie, fo tyn, toenn 
er fiel) ttfren laffen foll, begleiten unb unterftü$en, ju lernten berechtiget ift. 

QluS oben ange^eigeten Xlrfa^en ift aud) baS te^te Äauptftüd |>ergefloffen. 
3d) seige barinn, toie ein 9Äuft?uS unb eine 90fatftf beurteilet toerben muffe. 
©aS eine Jann einem ange^enben Sonfünftler gteicfyfam pm Spiegel bienen, nad; 
toeldjem er fxd) felbft unterfuetyen, unb baS Xlrt^eit abnefymtn fann, toel<$eS 



<33orrebe. 

billige unb vernünftige Kenner über tyn fällen bürften. ©a$ anbere ttrirb i£m 
bety ber ^a^l ber Stütfe, bie er fpielen will, eine 9?t<$tf$nur fe^n fönnen, 
unb tyn t>or ber ©efaljr, Schaden für ©olb su ergreifen, bewahren. 

©o$ biefe ftnb no<$ nic^t bie ilrfac^en aße, bie mid) bewogen £aben, bie 
be^ben lederen ioauptftüde £insu3ufügen. 3$ £abe fdjon oben gefaget, t>a% 
alle Sonfünftter, bie fxd) mit Äauptftimmen fjören taffen, in gewiffer 5lrt 9iu$en 
au£ biefer Qlnweifung jie^en lönnen. SDfain S&wfy wirb atfo, wie i<$ £offe, no<$ 
allgemeineren «Bortfjeit fcfyaffen, wenn biejenigen 3nftrumenttften, benen ba$ 
2lccompagnement öorjügli^ obliegt, and) barinne einen Untertritt finben, waS 
jte in Vlfyt au nehmen £aben, wenn fie gut aceompagniren wollen. 5lnge£enbe 
(lomponiften werben im legten Sagtet einen 6<*>attenrtj? finben, nad) welkem 
fie bie auSjuarbeitenben Stüde anlegen fönnen. 

3$ twll aber hiermit burcfyauS mcfyt Männern, bie fxd) fowoljt in ber 
Sompofition, als in ber 31u$fül?rung, allgemeinen ^e^fatt erworben $aben, 
@efe$e oorf ^reiben. 9Zein: i$ lege trietmeljr t£re, unb i^rer QOBerfe 93erbtenfte, 
bie fie t>on fo trielen 5lnbern unterfdjeiben, |ner gletcfyfatn Qtüd *>or 6tü<f an 
btxt 5üg, unb gebe baburd) jungen £mtm, bie fld) ber Sonfunfi wibmen, ^n» 
teitung, wie fie e£ anfangen muffen, wenn fie berglei^en berühmten Männern 
nachfolgen, unb in t£re ^ufjftapfen su treten £uft £aben. 

[(£ntf<$ulbtgt fUfy, bteioetten i>ott ber „oor|>a&enben 9Raterie" a&gefd>n>eift ju fein 
unb oft f$einbar ettoaä „btctatorifcf>" gefproc^en ju $aben. Öu. empftetytt, afö (Ergänzung 
be£ ßeJjrfcucfyä jur öoHfommenen Erlernung beä Sptötenftrietö einen £e&rmeifter ^eranäugie^en.] 

9Qßenn id) miefy in biefer Schrift juweilen einiger augtänbifcfyer Wörter 
bebiene, fo gefeilt e£ in ber Slbfic^t, um befto leichter tterftanben ju werben, 
©eutfcfye ileberfe^ungen ber mujtfatifc^en ^unftwörter ftnb noefy nic^t altent* 
falben eingefü^ret, auefy nod) ni$t alten Sonfünftlern befannt 60 lange alfo, 
bt$ biefetben üblicher unb allgemeiner werben, |>abe tefy noefy bie gewöhnlichen 
au$ fremben Sprachen entle^neten ^unftwörter beibehalten muffen. 

[S)ie J^upfertafeln ftnb aur bequemeren Q3ergleid^ung für ftdj %u binbenj 

3m übrigen zweifele i<$ ni$t an einer geneigten $tuf nannte biefer meiner 
^emü^ungen, unb biefer 9le$enfc$aft, welche %<§ juglei^ babur<$ öffentlich,, 
oon ber Slnwenbung meiner bisherigen S^ebenftunben, ablege. 



Berlin, 
getrieben im September 
1752. 



Stuan^ 






gjerfud) einet Slntoeifung 

bic 

glitte trat>erfiere 

ju fyfeletu 






! 




I j 



(ginleitttttg* 

<33int bcn (£igettfd)aftett, hit öoti einem, ber fid) ber 
SOlufif toribmett tt>ttt„ erfoberf toerbetu 



1. §. £|>e %<S) nocf> meine Elmoetfung bte ^löte gu fpielen, unb 6e^ biefer 
©etegen^eit gugteidj ein guter 9#ujtlu£ ju toerben, anfange; ftnbe idj> für nßt|>ig, 
benen, bie bie SSKuftf gu ftubiren, unb burcfy biefetbe nü^ßcfye 9Dfttgtieber beg 
gemeinen <2Befen£ gu werben gebenden, §u ©efatten, eine Einleitung gu geben, 
na<$ tpeWjer fte ftd) unterfu^en können, ob fte auc§ mit aHen, einem recfytfcfyaf» 
fenen SDlujifu^ nötigen ©genf^aften begäbet fmb: bamit fte ftd^^ in ber [2] ^Dßa^t 
biefer £eben£art nicfyt irren, unb, tpenn biefetbe übet getroffen tt>orben, Schaben 
unb Staube ju befür^ten £aben mögen. 

2. §. 3d) rebe aber |>ter nur t>on folgen, tt>et$e eigentlich bie SDZuftf gu 
i^rem &aupttt>erie mafyzn, unb in berfelben mit ber 3eit oortrefftic^ werben 
wollen. 5Ber hingegen bie 90?uft? nur als ein ^ebentperJ, p feinem Vergnügen 
treiben nritt, son bem ttrirb gn>ar in biefem Stü<fe, nid)t fo öiet, ate *>on jenen, 

l 






2 (Einleitung. 

gefobert: bo$, wofern er fxä) altes, wa£ £ier unb in fotgenbem gefaget derben 
wirb, gu 9Zu$e machen fann unb null, wirb e$ t£m befto me£r <££re unb Ver- 
gnügen bringen. 

3. §. [9*atf$läge für eitern, bie an tyren ^inbern Talent &ur 9Xuft* bemerken.] [3] 

4. §• [4] ©a$ erffe tvaß su einem, ber ein guter ^ufxtnß werben will, er- 
forbert wirb, iff: ein befonberS gutes latent, ober 9?aturgaben. ^Oßer ftcfy auf 
bie dompofttton legen will, mufi einen muntern unb feurigen ©eift, ber mit einer 
gärtticfyen (fmpftnbung ber Seele aerlnüpft ift, eine gute 93ermifd)ung ber foge- 
nannten Temperamente, in welchen nicfyt ju met SOletan^otte ift, t>iet (finbit- 
bungS-drfmbungS-^Seurt^eitungS- unb (£ntf3)etbungSfcaft, ein gut ©ebäcfytnif?, 
ein gutes unb jarteS ©e^iSr, ein fcfyarfeS unb fertiget ©eftcfyt, unb einen 
gelehrigen, altes batb unb teie^t faffenben ^opf, befitjen. SÖßer fvi) auf ein 3n- 
ftrument legen will, mufj auffer bieten t>on obengemetbeten ©emüt|)Sfräften, and) 
nad) eines jeben 3nftrumentS ßHgenfcfyaft, nocfy mit untergebenen fieibeSgaben 
auSgerüftet fetyn. 3um (ggempel: ein 'StaSmftrument, unb infonber^eit bie SWte, 
erforbert: einen wlKommen gefunben Körper, eine offene ftarfe 95ruft, einen 
langen 2ltf>em, gleite 3älme, bie Weber p lang no$ $u fürs finb, md)t auf- 
geworfene unb bitfe, fonbern bünne, glatte unb feine ßtppen, bie weber p »iet 
nod) su wenig ^leifcfy £aben, unb hm SWunb oijne 3wang juf^liefen fßnnen, 
eine geläufige unb gefeilte Sunge, woljtgeftatlte Ringer, bie Weber ju lang, 
nod) ju Iura, nocfy ju bitfftetfc^ig, nocfy ju fpi^ig, fonbern bie mit ftarfen Heroen 
t>erfe£en finb, unb eine offene Sftafe, um ben 2lt|>em fotx>o|>t leidet ju fdjöpfen, 
als t>on fxä) §u geben, ©n Sänger mufj mit bem 'SlaSmftrumenttften bie ftarle 
Vruft, ben langen 'Slt^em unb bie fertige 3unge: ein Seiten« unb 95ogenin- 
ftrumentift aber, bie gef^iften Ringer unb ftarfen Heroen gemein f)aben; ber 
erftere mu£ über biefeS nocf) mit einer frönen Stimme, ber teuere aber mit 
geläufigen ©etenfen ber ibänbe unb Qlrme itQabtt fe^n. 

5. §. S^inben ftcfy nun biefe guten (figenf^aften bep einem SDtenfcfyen, 
fo ift er 8tt>ar überhaupt jur Sftuftf gefc^ift: allein, ba bie 9toturgaben fo t>er- 
Rieben ftnb, unb feiten alle, in fo reifem SÖZaafj, be$ einem 9JJenf<$en eingu- 
froren pflegen, fo wirb ftc^ immer befinben, ba$ einer gu biefem, ber anbere ju 
jenem me|>r aufgelegt ift. 3. (£. <£S lann einer ein gutes Naturell jur dorn- 
pofition £aben, ju Äanb^abung ber 3nftrumente aber nicfyt gef^ift fe^n: ein 
anberer fann tuet ©efdjilticfyfett ju 3nftrumenten beft^en, jur dom^ofttion aber 
gar leine «Jä^gfeit fyabm: ein anberer §at me^r Naturell ju biefem, aB gu 
jenem 3nftrumente: ein anberer §at gu aßen 3nftrumenten, ein anberer su feinem 
einigen ©efc^if- [5] tic^leit. 933er aber fowo^l §ur Se^tunft, als $um Singen 
unb bm 3nftrumenten jugleid^, baS gehörige Satent §<xt; t>on biefem taxrn man 
eigentlich, im genaueren 93erftanbe fagen, ba% er sur 9D?uftf gebogen fe^. 



(Einleitung. 3 

6. §. 9?un »irb erfobert, ba% ein jeber, e|>e er fiel) in ber 9ftuftf §u et- 
»a£ entfließet, rec£)t erforfetye, »oju ftd) fein latent am meiften neiget. ©e- 
f<$ä$e biefe^ atleseit mit rechtem <23ebad)t, fo »ürbe bte £hwollfommett|>ett in 
ber 2ÄufH ni$t fo groß fe$n, als fte &ur 3eit no^ ift, unb meliert nod; femer 
fe^n »irb. ®enn »er ft<$ in ber ^Kufif auf et»a$ leget, »oju er bie ®ahm 
mä)t $at, ber bleibt Up alter guten ^»eifung unb «Semityimg bo<$ nur immer 
ein mittelmäßiger SftuftfuS. 

7. §. 3u einem gefeilten unb geteerten 9D?uftfu$ »irb nun, »ie au$ 
obengefagtem errettet, ein befonber Satent erfobert. Sinter hm <2ßorte: gef^ifter 
SRufäuS, *>erfte£e t$ einen guten 6cmger ober Snftrumentiften: ein geteerter 
9ftuftfu$ hingegen f>eißt U\) mir, einer ber bie Sompofttion grünbli<$ erlernet 
fyat <2Beil man aber mfyt lauter Äetben in ber 2Ruf» nöt^ig $at, unb aud) 
ein mittelmäßiger SDSuftfuS einen guten 9?tyieniften ober ^uSfü^rer ber Slug« 
füllungSftimme« abgeben fann: fo ift su merlen, ba% su einem, ber auf nichts 
weiter fein ^bfe^en gerietet fyat, als einen tüchtigen 9*ipiemften tjorsuftelten, 
ein fo befonber latent eben nic^t erfobert »erbe: ®mn »er einen gefunben 
Körper, unb gerabe unb gefunbe ©tiebmaßen $at, babe^ aber nur ni^t bumm r 
ober btäbeS gjerftanbe* ift, ber fann ba$, »aS man in ber SWufä mec$anif<$ 
nennet, unb »aS eigentlich §u einem 9?tyteniften erfobert »irb, bur<$ öielen 
ffleiß erlernen. Sitten »a$ £ierbe£ 31s »tffen nöt^ig ift, 5. <£. ba$ 3eitmaaß; 
bie ©ettung unb (fint^eilung ber 9Zoten, unb »a$ fonft mit biefen t>erfnü|>fet 
ift; ber «Sogenftrid? auf Se^teninftrumenten, unb ber Sungenftoß, Qlnfa^, unb 
^ingerorbnung auf Ua^ttbm 3nftrumenten, fann bur<$ 9?egeln, »et<$e man 
beutli<$ unb Doßftänbig erftären famt, begriffen »erben, ©aß t§ fo t>iele giebt, 
bie »eber t>on Um einen nod) »on bem anbern rechte begriffe £aben, ift ber 
meiften eigene Qfyulbi unb mu% man ftd) ba^er »unbern, »emt mancher 9ttuft- 
fug bat, »a$ er in einer 3eit t>on jtoe^ bte bvfy 3a£ren tyam faffen fönnen, 
noc^) in feinem männlidjen bitter f<$utbig bleibt, ofmgeac^tet eg tym an ©elegen« 
£eit ba$u p gelangen ni<$t gemangelt $Mt. <3Ran »olle aber, au$ baut »a$ 
ic$ oben gefaget §aU, feine^tt>egeö eine ©eringf^^ung guter 9tfpieniften 8u er- 
fingen fu^en. [6] 5Bie Joiete ftnb ni^t unter biefen, »et^e Salent £aben, 
fleißig fmb, unb $<§ &or anbern ^ert>ort^un, au<§ öftere toürbig unb fä^ig toären, 
einem Orc^efter mit <3lu$tn K)or8ufte|>en, babei aber baS ilngtüd em^finben 
muffen, aug ©ferfu^t, ©elbbegierbe, unb unaa^ligen anbern ilrfa^en unter- 
brüdet unb t>er£inbert su »erben, ba$ tyt Talent su leiner 9leife gelangen fann. 
9?ur biejenigen, »et(^e be^ i^rer £uft sur Wfa0, feine au$nef>menben ®aUn 
b%u beft^en, fönnen ftd) biefeö %um Srofte merken, baß »enn tyntn auty bie 
9latur ni(^t geftattet, groffe fii^ter ber SRuftt 5« »erben, fte benno^, »enn fte 
nur gute 9tyrieniften abzugeben ft(^ Umtym, fe|>r nü$tid>e ZtuU fe^n fi5nnen. 
^em aber eine gana ^öljerne unb unempflnbKcfje Seele, gana plumpe Ringer, 






4 Einleitung. 

unb gar fein gut muftfalifcl) @ef>3r su $$eil worben tft, ber tfätt beffer, wenn , 

er anftatt ber SD^uftf eine anbete 'SBiffenfcfyaft erternete. 

8. §. <2Ber in ber SEJiupf vortrefflich werben wtlt, muf ferner eine uner= 
tnübete unaufhörliche £uft, ßiebe, unb 93egierbe r Weber ^teifj nod) ^Kil^e §u 
erfparen, unb alle, be$ biefer £eben$art vorfommenben 'SefdjwerttcfyJeiten, ftanb-- 
fyaft ju ertragen, be$ ficfy empfinben. ©ie 93Zupf giebt feiten fotd>e QJorttjeite, 
als anbere <2Biffenfcfyaften geben: unb fottte eß auä) nocfy einigen bahfy gtüden, 
fo ift bocfy fold)eS ©tütf mef>rentl)ettg ber Xlnbeftänbigfeit unterworfen, ©ie 
93eränberung be£ ©efc^madS, bag 2lbne^nten ber Gräfte beS CeibeS, bie ver= 
fßegenbe Sugenb, ber Q3erluft eines £iebf>aber$ von welkem bag ©tüd vieler 
^JlufWverftänbigen abfanget, ftnb alte vermögenb, bm ^Qßad^tfmm ber Sftuftf 
gu ver|>inbem. ©ie Srfatjrung betätiget biefeö jur ©nüge; wenn man nur et« 
toaß über ein ^atbeS 3at)r|mnbert gurüdbenfet. 3Bie viele QSeränberungen ftnb 
nic^t in ©eutfcfylanb in ^nfe^ung ber Tlufxi vorgefallen? 2ln wie viel Sbfen, 
in wie viel Qt'dbtm ift nic£)t e^ebem bie «Sftuftf im ^tor gewefen, fo bafi fo 
gar bafetbft eine gute tyLn%afy gefct>id!ter £mtt erlogen worben, Wo in gegen« 
wärtigen 3eiten in biefem ^uncte nichts atß Xlnwiffen^eit £errf<$et. 5ln ben 
meiften Äöfen, welche ejjematS no<% tfjettS mit fe^r berühmten, t^eilS mit jiem« 
licfy gefeilten 2tutm verfemen gewefen, nimmt tß i^iger 3eit teiber über|)anb, 
baf* bie erften SteGen in ber "Sftuftf, mit folgen S^enfcfyen befe^et werben, bie 
in einer guten 9Äuftf faum bie legten ^tä^e verbteneten, mit ßeuten, benen ba§ 
Wmt §war be$ llnwiffenben, bie ftd) butty ben Sitet blenben taffen, einige« ^Hn« 
fe^en gu Wege bringt, welche aber Weber bem Slmte <££re machen, nodj ber 
yRufxi 93ort£eit fctjaffen, [7] nod? baß Vergnügen berer, von benen tyr ©tü<f 
abfängt, beförbern. ©ie Sftujtf, ob fie gteid) eine unergrünblicfye QBiflenf^aft 
ift, t>at bofy xxxtyt baß ©tü<S, fo wie anbere, fyzxlß |>öf)ere, t^eite i|>r gleite 
95Mffenf$affen, öffentlich getet;ret 8« werben, ©ie fmftero i?öpfe unter ben 
neuen <2Bettweifen galten tß nxfyt, wie bie SÜUtn f für eine 9lot£wenbigfeit, iie= 
fetbe )u wiffen. bemittelte fieute begeben ftc^ feiten ba^u: unb , 2lrme %abm 
tixfyt baß Vermögen gleich Anfang« gute Sfteifter %u galten, unb an fotcfye Orte 
ju reifen, Wo "SRnfxt von gutem ©ef^macfe im Schwange ge^t. 3ebo^, an 
einigen Orten Jjat bie 9)lujtf fc^on angefangen wieber em^or ju fommen. 6ie 
^at bafetbft f<^on wieber tyre ^o|>en Kenner, ?3ef(^ü^er, unb <23eförberer ermatten. 
3^)re (£|>rc fängt fdjon an f bur^) biejenigen aufgegärten ^Bettweifen, wet^e fte 
bm fronen <2öiffenfd)aften wieber sujä^len, auä) von biefer Seite ^ergefteKet gu 
werben, ©er ©efd)ma<J an biefen fernen gQßiffenf^aften, wirb in ' <£>mtftylanb 
abfonbertid), immer me|)r unb me|)r aufgeheitert unb ausgebreitet. 938er toaß 
rec^tfc^affeneS geternet $at, ftnbet aße^eit fein <23rob. 

9. §. g!Ber Talent unb £uft gur 9Jluftf $at f xau% um einen guten 3fteifter 
in berfetben beWmmert fe^n. & würbe §u weittäuftig fe^n, mnn i<$ von ben 



(Einleitung. 5 

^eiftem in alten 'Sitten ber Wlufti £ier ^anbettt wollte, ©egwegen werbe i<$ 
mid> nur, um ein <23e9fpiet gu geben, bfy bem aufhalten, ber jw Erlernung ber 
«Jtbte erfobert wirb. <£$ ift wa|>r, biefeS 3nftrument ift feit breiig bis *rier= 
§tg 3a£ren, abfonbertid) in ®eutfrf>tanb fe|>r ubtxfy worben. 9Kan leibet nic^t 
me$r, wie anfangt ba e$ empor tarn, an folgen Stücfen Mangel, woburd) ein 
Gdjotar bie gehörige ©ef$tflicf?fett, fo biefeS 3nftrument, in SlnfeJ^ung ber 3unge, 
ber Ringer, be$ ^Infa^eö, erfobert, mit leichter SOftifje erlangen fönnte. ©em 
ungeachtet giebt tß nod) fe^r wenige, bie baffetbe naä) feiner ©genfe^aft, unb 
regten *2lrt, §u fpieten wiffen. Scheint iß nict)t, at« wenn bie meiften ber heu- 
tigen SWtenfpieter, gwar Ringer unb 3ungen, aber feine 5?äpfe Ratten? <£$ ift 
unumgängti<fy nät^ig, baf* berjenige, ber auf biefem 3nftrumente etwa« recf)t= 
fd>affene$ §u erlernen gebeutet, einen guten SÖfoifter f>abe: unb icl) »erlange bm= 
felben auefy bety einem, ber ft$ biefer meiner 'Slnwetfung bebienen will, noefy auS= 
brü<Sti$. eitlem, wie t>iet giebt tß benn berer, welchen man ben Flamen ber 
gfteifter mit Siebte beilegen fann? 6mb nict)t bie meiften, wenn man fte ge- 
nau Utxafytit, in Stofefrung ber Söiffenfc^aft, fetbft no<$ Scholaren? <2ßie fdnnen 
benn [8] biejenigen bie 3ÄufB fcerbeffern, bie felbft nodj in ber Xlnwtffen^ett fteefen? 
ginben ftd? aud) ja einige, bie haß 3nftrument gut, ober §um wemgften leibti<$ 
fielen; fo fegtet iß boc^ nod? steten an ber ©abe, ba«, was fte fetbft wtffen, 
anbem beibringen. <£$ ift mßgli^, bafj einer, ber jwar gut fptetet, bod) 
fcfjtedjt p informiren wiffe. Sin anberer fann metleidjt beffer informiren at£ 
felbft fpieten. Vhxn ift ein 6(^olar x&ty fä&tg einen SReifter su beurteilen, 
ob er gut ober fd)led)t unterrichte: beSwegen ift eft ein ©IM, wenn er sufättiger 
<2Betfe ben beften erwählet <2Bte aber ein SWeifter bef^affen fe^n muffe, wenn 
er gute 6d?otaren sieben folt, ift gwar fdjwer, ausführlich m beftimmen; bod? 
wirb man iß auß folgenbem QSersei^ni^e ber S^ter, bie er aermeiben mu£, 
o|mgef<tyr abnehmen fönnen: unb ein 'Stnfanger fyut wottf, wenn er ftcl» bety 
unpartfje^ifc^en ßeuten, bie aber in bie 3Kuftf (Sittftdjt |>aben, beSwegen 9?at^ 
erholet. <£in 9Jietfter, ber *>on ber Äarmome nichts *>erfte£t, unb nur ein btoffer 
3nftrumentift ift, ber feine <2Biffenf<$aft ni^t grünbttd?, unb burd> ri^tige ©runb- 
fa$e erlernet £at, ber t>on Um Stefane, ber ^ingerorbnung, bem ^em^olen, 
unt> Sungenfto^e, feinen ri^tigen begriff £at, ber Weber bie ^a^agien im ^tle- 
gro, no(^ bie f leinen $lu$sierungen unb ^einigfeiten im Slbagio beutli^ unb 
runb au fpielen wei«, ber feinen annef>mlid)en unb beutti^en 93ortrag, unb über- 
haupt feinen feinen ©ef^mad Ijat, ber, um bie ^löte rein ju fielen, »on bem 
g3er$ältni§e ber Si5ne feine (frfenntni^ beft^et, ber haß Seitmaa^ nid^t in ber 
äufferften 6trenge au beobachten wei«, ber ni^t bie <£inft<$t |>at, einen ftmpetn 
©efang an einanber |)angenb §u fpieten, unb bie <33orfct)täge, pincemens, batte- 
mens, flattemens, doublez nx^> Triller an gehörigen Orten angubringen, ber 
be$ einem ^bagio, b^n ©efang troefen, haß ift o|)ne ^u^sierungen, getrieben 



6 (Sinteitung. 

ift, nicfyt, fo ttrie e$ ber ©efang unb bie Harmonie erfobert, t>ie nritlfiirttdjen 
Gameten ausuferen, unb nebft ben Sanieren, bmd) baß abtt>ed>fetnbe forte unb 
piano, Statten unb £i<$t &u unterhatten fä^ig tft; ©n Sfteifter, ber m$t jebe 
Sac^e, fo bem 6d)otaren nod) f$tt>er gu begreifen faßt, beutfi<$ unb grünbti<$ 
5u erWären im Staube ift: fonbern bemfelben nur atteä nad> bem ®ef>öre, unb 
burefy baß 9ia$a£men, n>ie man ettoa einen 93oget abjuri^ten pfleget, bfy%u* 
bringen fu^et; Sin SDteifter, ber bem £ef>rftnge f$mei<$ett, unb aHe <5e|>ter über- 
fielt, ber ntcfyt ©ebult §at, bem ©polaren eine Sad)e öftere gu s^igen, unb fte 
tt)ieber^>oten gu laffen, ber ni<$t fotcfye Stütfe, bie ftdj t>on 3eit p Seit für be$ 
Untergebenen ^ä^igfeitf^itfen^u toasten, unb [9] jebeS Stütf in feinem ©efd>ma<Se 
ju frieten miß, ber bie Scholaren aufhatten fucfyet, ber nityt bie (££re bttn 
@igemw$, bie <23ef<i>tt>erttcfyfett ber «Sequemticljfeit, unb bm ©ienft beS ^äcfyften 
ber <£iferfud)t unb Söitegunft t>oraief>t, überhaupt, ber ni$t bag <3Badl)$t$um ber 
SOZuftf gu feinem <£nbatt>e<ie |>at, ein fotcfyer SDieifter, fage ify, ihnn feine guten 
Sd^otaren }te$en. ^inbet man aber einen SÄetfter, beffen Scholaren nidjt nur 
reinlidf) unb beutttefy fpieten, fonbern and) im 3ettmaaf*e reetyt ftd&er ftnb: fo §at 
man gegrünbete £lrfad)e, ftety t>on biefem SOfcifter gute ioofnung a« machen. 

10. §. [& fei entyfe^en&oert, gtei$ anfangt ben „&eften Sfleifier, ben man nur 
befommen famt" au nehmen.] 

11. §. Ob nun j»or, töte |>ier geaeiget toorben, an einem guten <3Reifter, 
ber feine £e$rfinge grünbltcfy untertoeifen tann, fe£r t>iele^ liegt: fo fommt bo<$ 
faft no<$ m$ß auf bm Sd^otaren felbft an. ©enn man §at Stempel, ba£ gute 
9Jieifter oftmals fäUäftz Scholaren, fc^te^te SKeifter hingegen gute Scholaren 
geaogen £aben. SDtan n>eis, baf? ft<$ triele brafe 5onfünftter belannt gemacht, 
bie eigenttid) feinen anbmt SEMfter gehabt fyäbtn, atß i|>r grofM 9taturel)(, unb 
bie ©etegen^eit öiet ®uU§ p fybxin, bie aber bur<$ SPtttye, «Jteifj, «Segierbe 
unb beftänbtgeS 9ia<$forfd)en toeiter gekommen ftnb, att manche, bie son mef>r 
als einem 9tteifter unterrichtet toorben. ©e&pegen ttrirb »on einem Sd^otaren 
ferner: ein befonberer fftofc unb ^ufmerffamfeit erfobert. ^em e§ hieran 
fehlet, htm ift a« ratzen, ff mit ber 9^uftf gar ni<$t gu befc^äftigen; in fofern 
er fein ©tücf baburd^ a« machen gebenfet. QGßer ^aut^eit, 9#üfnggang, [10] 
ober anbere unnü^e ©inge me^r alß bie SO^uftf liebet, ber £at fic^ feinen be- 
fonbern Fortgang au öerfprec^en. 93iete, tuetd^e ftc^ ber 9Jiufif tt)ibmen, t)er» 
fe|)en e^ in biefem ©tfide. 6ie t>erabf(^euen bie bamit üerfnü|>ften ^ef^tper- 
ti^feiten. 6ie möchten too^t gerne gefd^ift toerben: Un gehörigen ^lei^ aber 
tootlen fte nid)t antoenben. Sie QtanUn bie 9Kuftf fü^re nic^t^ at$ lauter 93er* 
gnügen mit fnS), e$ fe^ nur ein Spiettoerf biefelbe a« erlernen, unb brause 
toeber Gräfte be^ £eibeö, no<^ ber Seete, t$ gehöre tt>eber ^Biffenfc^aft no<^ 
(frfa|)rung baau, unb fomme nur btoS auf bie £uft unb ein gute^ 9Zaturett an. 
(£$ ift toa^r, Naturell unb £uft ftnb bie erften ©rünbe, auf tt>el(^e eine grünb- 



Einleitung. 7 

ticfye 92ßiffenfcl)aft gebauet tverben muf. ^ttein um biefe^ ©ebäube völlig auf- 
zuführen, tvirb eine grünblicfye $lmveifung, unb von Seiten beS ßernenben viel 
<^Iei^ unb Sfaic^benfen unumgängtid) erforbert. ioat ein ße^rbegieriger ba§ 
©lü<f, gteicfy anfangs einen guten SDZeiffer angetroffen §u %ofotn, fo muf er ein 
vollkommenes Vertrauen §u if>m f äffen. (£r mufj nicfyt ttriberfpenfttg, fonbern 
in allem folgfam fe^n, baf* er baS, maS if>m fein SEfteifter aufgiebt, nicfyt nur 
in tvä^renber ßection mit attem ©fer unb 93egierbe auszuüben unb na^juma^en 
fuc^e: fonbern er muf fotd^eS and) vor ft<$ allein, mit vielem ^teifj oftmals 
ttrieber^oten, unb fofevn er ettvaS mcfyt recfyt begriffen, ober vergeffen fwben fottte, 
mu§ er ben SOZeifter bety ber fotgenben ßection barum befragen. (£in ße^rbe- 
gieriger muf ftcfy nicfyt verbriefen laffen, tvenn er tvegen einerlei Sac^e öfter 
ermahnet ttrirb, fonbern er muf fot$e Erinnerungen für ein übteS 9fter<Smaat 
feiner Slnacfytfamfett, unb für beS SReifterd Scfyulbigfeit, btn SEReifter fetber 
aber, ber if>n fo öfters verbeffert, für bm beften Ratten. (£r muf beStvegen auf 
feine ^e^ter tvo^t 'Slcfytung geben: Senn tvenn er fotcfye ju ernennen anfängt, 
£at er fefyon £atb gewonnen. (Erfobert eS aber bie 9iot|>tt>enbigfeit, bafj ber 
SQfaifter i$n über einerlei Sacfye öfters verbeffern muf, fo fann er gettrif »er* 
feiert fe^n, baf* er eS in ber SDhtfif nicfyt tveit bringen ttrirb: toeit er barinne 
un^ä^lige ©inge ju erlernen f>at, bie tf>m fein Sfteifter seigen tvirb, noefy aeigen 
fann, fonbern bie er gteicfyfam abfielen mu% ©iefer erlaubte ©iebfta^t mac^t 
eigentlich bie größten ^eifter. ©aSjenige toaS tym öfters verttriefen tvorben, 
mu$ er nicfyt e£er verlaffen, bis er eS fo fptelen fann, tote eS ber SOfcifter »er- 
langet. (Er muf btm SOieifter nifyt vortreiben, tt>aS für Gtüde er tym auf- 
geben foll: ©enn ber SSJleifter mu§ am beften toiffen, tvaS bem Scholaren vor- 
teilhaft fe^n fann. $>at er, tvie [11] i<§ voraus fe$e, baS ©lud gehabt, einen 
guten Sfteifter ju treffen, muf er benfelben fo lange $u ermatten fucfyen, als er 
einer Slntertveifung nöt^ig |>at <£S iff nichts f^äbtidjer, als tvenn ein 6efyotar 
fxfy balb be^ biefem batb be$ jenem SEfteifter in bie Hntertveifung begiebt. ©enn 
tvegen beS öerfc^iebenen Vortrages unb ber serfcfyiebenen *2lrt ju fpielen, mad)t 
biefeS be^ einem Anfänger 93ertt)irrung, inbem berfelbe, fo &u fagen, altegeit 
von neuem nrieber anfangen mu% SS finb jttar Diele, bie f%<$ n>aS befonbereS 
brauS machen, n>enn jte, von vielen grofen SKeipem geternet ju |>aben, fid) 
rühmen fönnen; allein man finbef feiten, bafy jte auefy jugtei^ von benfelben 
vieles profitiret ^aben. ©enn tver von einem SDleifter jum anbern läuft, bem 
gefällt eS be$ feinem, unb er §at su feinem ein Vertrauen: ju tvem man aber 
fein Vertrauen fyat,- btfon ße^rfä^e pflegt man nxfyt gerne anjune^men. $>at 
man aber einmal §u einem guten SDleifter ein rechtes Vertrauen gefaffet, 
unb täfjt i^m bie gehörige 3eit, feine ^iffenfcfyaft offenbar su ma^en, fo 
tvirb man, tvenn man bahfy bie tva^re 93egierbe |)at ju einer ^JoUfommen^eit 
ju gelangen, von 3eit ju 3eit immer me^r 93ortf)eile entbeefen, bie man vor* 



8 Einleitung. 

f>er emjufe&en nirf)t fSps gewefen, bie aber ju weitem 9ia$forfd)en ©etegen* 
$ett geben. 

12. §. ©iefeS weitere 9*ad)forfd)en muß ftdj aud) ein ange|>enber 90?uft» 
fu$ treuer empfohlen fe^n {äffen. 2lud) ber <£teiß mad?t eS nodE> nic^t altein 
au& Watt fann ein gutes Naturell, gute ^nwetfung, großen <5tetß, gute 
©etegen^eit tuet fcf)öne$ 31t tjören, |>aben, unb bo$ immer mittelmäßig bleiben. 
3!ftan fann t>iel componieren, riet fmgen, unb oiet fpielen, o$ne in ber (frfennt- 
niß unb ©efcfytfticttfeit suäunefwen. ®enn altes tt>a$ in ber «ajiußl ofme 9*ac(?= 
benfen unb o^ne ilebertegung, gteid^fam nur §um Seitsertreib gefegt, tft ofme 
<3lu%m. ©n Steiß alfo, ber eine brennenbe £iebe unb unerfättti^e <23egterbe 
jur SJtoftl aum ©runbe ^af, muß mit einem beftänbigen unb eifrigen 9*ad;>* 
forfdjen, unb reifem 9lad)benfen unb llnterfuc^en »erfttüpfet werben. ®l muß 
ein ebter (Eigenftnn babe^ £errfd)en, welker nid)t ertaubet, baß man fogteid) in 
alten Stüden mit ftcfy fetbft aufrieben fe$, pnbern immer »otlfommener ja werben 
traute, ©enn wer bie 9Äuftt nur auf ba$ ©erat|>ewo|)t, ni<$t at$ eine <2öiffen- 
fdjaft, fonbem nur at$ ein ioanbwetf treiben Witt, ber wirb lebenslang ein 
Stümper bleiben. [12] 

13. §. <23e9 bem ^Semü^en weiter ju fommen, muß fx<§ aber nid)t etwan 
eine llngebult einmieteten, ia% man £uft befäme ba anjufangen, wo anbere 
auf^ren. (Einige begeben biefen Set;ter. Sie erwählen ^nttv^tv fold>e fdjwere 
Stüde ju tyrer Hebung, benen fte no<$ nidjt gewadjfen fmb, unb woburd) jte 
ftd) gewinnen, bie 9*oten 5U überrufdjetn, unb unbeutttcfy »orjutragen: ober fte 
wotten »or ber 3eit galant tljun, unb »erfatlen auf attsutetc^te Stüde, wetdje 
weiter leinen 93ort^cit geben, aU bem ©e|>3re 5U fcfymeidjetn: ©iejenigen Stüde 
hingegen, bie ben muftfatif^en <23erftanb fc^ärfen, bie einfielt in bie Harmonie 
beförbern, btn <33ogenftrid), Sungenftoß, <2infa$, unb Ringer gefdjtft machen, bie 
jum 9iotentefen, gint^eitung ber 9ioten, unb im (Erlernung be$ SeitmaaßeS 
bequem ftnb, bie aber ntd)t fogteid) bie Sinne fo fütjetn wie jene, fot^e Stüde 
fage i<$, »erabfäumen fte, unb Ratten fte wo^t gar für einen Seit&ertuft: unge- 
achtet man o^ne fotd>e Stüde, Weber einen guten Vortrag, nod) einen guten 
©efcfymad in ber 3luSfü£rung erlangen fann. 

14. §. (Sine große ioinberniß be$ gtetßeS unb weitern 9Ja<$benfenS ift 
eS, mnn man ftd> §u mel auf fein latent »erläßt, ®te (Erfahrung teeret, t><^ 
man unter benjemgen, wetdje befonberS gute 9iaturgaben bef^en, me|)r iln= 
wißenbe antrifft, ®ü unter benen, bie i^rem mittelmäßigen Satente burc^ ^teiß 
unt> 9*ad)benfen §u Äütfe gekommen ßnb. SKan^en gerei^et ba^ befonber^ 
gute Naturell mdfa gum Stäben at^ §um 93ort^eite. 2öer bat>on ^Sewei^ 
»erlanget, ber betraute nur bie meiften Gom^oniften natf) ber 9Jlobe, i^iger 3eit 
^ie t>icle ßnbet man unter tyntn: bie bie Se^funft nad) btn Regeln erlernet 
£aben? Sinb nid)t bie meiften faft pure Statur atifien? ^enn eö £oct> f5mmt, 



Einleitung. 9 

fo oerfte^en fte etroan bm ©eneralbafi, unb glauben e$ fe$ in einer fo tief 
finnigen «KJiffenfcljaft, aU bie ßompofxtion ift, nichts mefjr m ttriffen ni>t|>ig, als 
ba$ man nur fo mel (Emftcfyt befttje, verbotene Quinten unb Octasen su *>er- 
meiben, unb etn>an einen Srummelbaf, unb gu bemfetben eine ober §n>o magere 
gftittelftimmen ba§u %a fe^en; baS übrige fe$ eine fcfyäblicfje ^ebantere^, bie 
nur am guten ©efd^made unb am guten ©efange Rubere, <2öenn leine c 2Biffen- 
fc^aft nöt|)ig, unb baS pure ^atureö hinlänglich toäre, ttrie fömmt e£ benn, 
baf? bie Stücfe oon erfahrnen Componiften me|)r ©nbrutf machen, allgemeiner 
werben, unb ftcfy länger im drebit ermatten, als bie *>on felbft gett>ad)fenen 
^aturatiften, unb baf* eines jeben guten domponiften erftere [13] Ausarbeitungen, 
ben tetjtero nic^t bekommen? Sff biefeS bem puren 9iatureH, ober pgteicfy ber 
<2öiffenfd)aft gusuf^reiben? ©aS Naturell ttrirb mit angebogen, unb bie 
9Stjfenfcfyaft ttrirb buxti) gute llntertoeifung, unb buxd) fteifigeS 9tacfyforf$en 
erlernet; betybeS aber gehöret ju einem guten (Eomponiften. ©urcfy bm Operffyt 
|>at tfvav ber ©efc^matf ju, bie < 3Btffenfc^aft aber abgenommen, ©enn tt>eit 
man gegtaubet §at, ba% ju biefer Art SDZuftf, me$r ©erne unb (Erfmbung, als 
<2ßiffenfcfyafe ber Se^ftmft erfobert tt>ürbe, aucfy roeit biefetbe gemeiniglich be$ 
bm SRujtöieb^abern me£r 'Beifall ftnbet, als eine j?ir<$en- ober 3nftrumentat« 
gjtuft?: fo £aben jtcfy me^rentljeitS bie jungen unb fetbft gett>a^fenen Gomponiften 
in Stalien bamit am erften befestiget, um fott>o|)l batb einen drebit gu erlan- 
gen, als auä) in lurjer Seit *>or SJteifter, ober, na<$ tyrer Art, Maeftri ju 
paaren. <£S §at aber bie unjeitige ^Semü^ung na$ biefem Sitet serurfadjet, 
ba% bie meiften Maeftri niemals Scholaren getoefen: inbem jte anfänglich feine 
nötigen ©runbfä^e erlernet Jjaben, unb naefy erhaltenem ^3e9faH ber Slnöerftänbigen, 
ftcfy ber ilnteweifung nun frönten, ©eStoegen ahntet einer bem anbern nadi>, 
fdjreibt feine Arbeit auS, ober giebt tx>o^>t gar frembe Arbeit für feine eigene 
auS, tote bie (Erfahrung teeret, §umal ttenn bergtei<$en 9taturattften ftc^> ge= 
neiget ftnben, tyt ©tütf in fremben ßanben ju fuefyen, unb bie (frfmbungen 
nid)t im $opfe, fonbero im Koffer mit ftcf) führen. Joaben fte auefy allenfalls 
nod> bie ^ä^igleit ettoaS auS i^rem ^opfe gu erfinben, ofme ftd) mit fremben 
Gebern §u fcfymüden, fo ioenben fie boefy fetten bie gehörige 3eit an, bie ein fo 
toeitläuftigeS SBetf, aU eine Oper ift, erfobert: fonbern eS toivb oftmals für 
eine befonbere ©ef^iflic^ieit gehalten, n>enn einer bie ^ä^igfeit befi^et, in §e^n 
ober gtpßlf Sagen ein gans 6ingefpiet ^injufc^mieren, unb nur barauf bebatyt 
ift, baf e$, toenn eS au^ toeber fcfyön nod^ vernünftig fe^n follte, bofy jum 
toenigften ttti>a$ neueö fe$. <£$ lä^t ft^ aber fe|>r leicht begreifen, n>aS in fol^er 
©l für gutes |>ervorgebra^t toerben fi>nne. ®ie ©ebanfen muffen ja, fo p 
fagen, nur in ber £uft erfcfynappet toerben, ttne tttvan ein 9?aubt|)ier einen 
QSoget er^afd)et. ^o bleibt ba bie Orbnung, ber 3ufammen|)ang, unb bie Säu- 
berung ber ©ebanfen? (£nbti<$ ift eS benn auty bafrin gefommen, bafy gegen- 



10 Einleitung. 

u>ärttg in 3taücn nicfyt me£r fo viel vortreffliche Somponiften anzutreffen ftnb, 
als vormals. 'Je^tet e£ aber an erfahrnen Gomponiften: wie fann ba ber gute 
©efd)ma<i erhalten, ober fortgepflanset werben? <2Ber ba weis, toaß §u einer 
vollfommenen Oper gehöret, ber ttrirb gefte^en [14] muffen, baf? ein fotc^eS 2öerf 
nicfyt einen Anfänger, fonbem einen erfahrnen Gomponiften, unb mef>r 3eit aU 
wenig Sage erforbert. allein bk (Eomponiften £aben me£rent|)ett$ baß Hngtücf, 
ba$, n>enn fte anfangen vernünftig ju fc^retben, unb baß < 2Bitt>e unb Steche 
abzulegen, man fte befcfyulbigt, fte fyatttn baß ^euer verlogen, fte fy&tttn ftd) er- 
fcfyöpfet, fte backten nityt mef>r fo ftnnreicfy, fte wären arm an (Srfmbung. (£$ 
fann fe^n, bafj fotdjeS bep bieten eintrifft: wollte man aber bie (5a$e genau 
unterfucfyen, fo würbe man ftnben, bafy bergteicfyen Xlngtütf nur bm oben be- 
triebenen (Eomponiften wieberfä^rt, welche bie Setjfunft niemals grünbticfy erler- 
net £aben. ©enn wo fein guter ©runb vor^anben tft, ba tann aufy baß ©e- 
bäube nicfyt lange SSeftanb ijaben. 3ft aber Satent, Söiffenfcfyaft unb (Erfahrung 
mit einanber vereiniget, fo ttrirb barauS ein fotdjer 93runnen, ber nid)t letcfyt su 
erfcfyöpfen ift SS wirb ja in allen «fianbtungen, in alten QBiffenfc^aften, unb 
^rofefjionen bie (Erfahrung fo fef>r geartet: warum bmn ntdjt and) in ber 
SSJluftf, uxib infonber^eit in ber (Eompofttion? 5ßer ba glaubet, ba§ eS in ber- 
fetben nur auf ein @eratf)ewof>t unb auf einen btinben (Einfall anfomme, ber 
irret ftcfy fef>r, unb §at von biefer Sadje nicfyt bin gertngften begriff, ©ie (fr- 
ftnbungen unb (Einfälle ftnb jwar anfällig, unb lönnen burcfy 5lntt>eifung nicfyt 
erlanget werben: bie Säuberung unb 9?einigung, bie ^a^t unb 93ermifc^ung 
ber ©ebanfen aber, ftnb nic^t jufäKig, fonbem fte muffen burd? 'Sßiffenfc^aft 
unb (Erfahrung erlernet werben: unb biefe ftnb eigentlich baS Äauptwerf, wo- 
burct) ftd) ber SÖfeifter vom Schüler unterfd)eibet, unb woran eS nocfy einer 
großen %tja£t von (Eomponiften mangelt, ©ie Regeln ber (Eompofttton, unb 
toaß jum Sa$e gehöret, fann ein jeber erlernen, o^ne tbtn allzuviel 3eit barauf 
ju wenben. ©er (£ontrapunct behält feine unveränberlidjen Regeln, fo lange 
alß vielleicht SRujtf fe^n wirb: ®ie Säuberung, Reinigung, ber 3ufammen£ang, 
bie Orbnung, bie 93ermif(^ung ber ©ebanfen hingegen, erfobern faft be^ einem 
\tbtn Stüde neue Regeln. <£ß pfleget atfo benenjenigen, bie ft<$ auf baß 5luS- 
treiben legen, oft fe£t au fragen: fo baf? man balb merfen fann, ob bie ©e- 
banfen auß einem einsigen <&opfe fyvm Hrfprung fjaben, ober ob fte nur auf 
eine med)anifd)e 2lrt jufammen gefe^et tt>orben ftnb. 

15. §. 3n vorigen 3eiten tvurbe bie Se^funft nic^)t fo gering geartet, 
tvie in gegenwärtigen : <£ß tvurben aber aucfy nxtyt fo viel 6tümper in berfet- [15] 
&en angetroffen, als i$o. ©ie "Sitten gtaubeten nicfyt, ba$ man bie ©e^funft 
tym Xlntern>eifung lernen fdnnte. SKan hielte, bm ©eneratba^ §u ttriffen, für 
itöt^ig, aber nid^t für sutänglid), bie £ompofttion babuxti) ofme weitere "Slntvei- 
fung, ju erlernen. (£ß waren nur wenige, bie ft<$ mit ber dompofttion p 



Einleitung. 11 

fc^affen matten, unb bie, fo eß unternahmen, bemühten fxty biefelbe grünbtitf) 1 

§u erlernen. &mt §u Sage aber, will faft ein jeber, ber nur ettt>a$ mittetmä^igeß 
auf einem Snftrumente §u fpieten weiß, su glei^er 3eit au<$ bie Gompofition 
erlernet £aben. Äterburcfy lommen eben fo iriele Mißgeburten §ur QBelt, fo ba% 
eß fein 3Bunber fepn würbe, wenn bie ^ttuftf me|)r ab, atß gunä^me. Qmn, 
tt>enn bie gelehrten unb erfahrnen <£ompomften naefy unb nafy abgeben, wenn 
bie neuern, wie t$o &on trieten gefegt, jtd) auf baß pure Naturell fcertaffen, 
unb bie Siegeln ber Ge^ftmft ju erlernen für überflüfiig, ober wo^l gar bem 
guten ©efcfymatfe, unb guten ©efange, für fcfyäblicfy galten, wenn ber, an fx<§ 
fetbft ttortrefffid^e, Öperofttyl gemißbrau^et, unb in Stücfe eingemifcfyet wirb, 
wol)m er nicfyt gehöret, fo ba% wie in ^etfcfytanb bereite gefegt, bie ^irc^en= 
unb bie 3nftrumentatmuplen nad) bemfetben eingerichtet tt>erben, unb atteß nad) 
©pernarien fdjmetfen mufj: fo £at man gegrünbete £irfad)en gu befürchten, bafj 
bie 9)lufif i^ren vorigen ©lang nati) unb xtaä) verlieren börfie, unb baf* eß mit 
biefer ^unft be$ ben ©eutfcfyen, unb bety anbem 93ötfem, enbticfy ergeben mödjte, 
wie eß mit anbem verlohnten fünften ergangen ift ®ie Statianer §abm in 
vorigen 3eiten bm ©eutfcfyen alte§ett bm 9lu£m beileget, bafj, wenn fte auefy 
nicfyt fo viel ©efcfymad befäfjen, ftc boefy bie Regeln ber Sei^unft gründlicher 
verftünben, atß if>re 9tacfybaro. Sollte nun bie beutfdje Nation, be$ welcher 
ber gute ©efcfymatf in bm ^iffenfcfyaften fxfy immer weiter ausbreitet, fx<§ nicfyt 
beftreben, einem Vorwurfe, ber x$r, wenn i^re ange|>enben (Eomponiften bie 
Slnterweifung unb em fteifigeß 9tad)forf<$en verabfäumen, unb fxd) bem puren 
Naturelle gang unb gar anvertrauen, vielleicht mit ber 3eit gemalt werben 
Knute, vorzubeugen, unb foHte fte ft<$ nxtyt bemühen, ben 9?u£m tyrer 93or« 
fahren gu ermatten? benn nur baburd), wenn ein ijervorragenbeß Naturell, burd) 
grünbli^e Qlnweifung, bur$ iPWjfe ^Olixfyt, unb 9Zad)forfcfyen unterftü^et wirb, nur 
baburd), fage i$, lann ein befonberer ©rab ber 93oHfommen^eit erratet werben. [16] 
16. §. (£ß wolle niemanb auf bie ©ebanfen geraden, alß wenn tefy ver* 
langete, ba£ ein jebeß muftlatifcfyeß Stürf naefy bm fteifen Regeln beß boppetten 
üontrapunctß, baß ift, nac^ ben Regeln, wie bie Stimmen einjuridjten ftnb, 
wetd^e sugleid) mit einanber, auf eine wofrtftingenbe %*, umgefe|>ret, verwed)fett, 
unb verfemet werben fotlen, abgeme^en werben mü^te. 9Zein, biefeß wäre eine 
t>erwerfft$e ^ebantere^. 3^ behaupte nur, ba$ ein jeber €omponift fold^e 
9?egetn ju wiffen fd^utbig fe^, bie Mnftete^en aber ba f wo eß ber gute ©efang 
erlaubet, fo ju untermif<^en fu<^en muffe, ba§ Weber am frönen ©efange, noefy 
an ber guten Slußna^me, irgenb einiger ^bbru^ verfpüret werbe, unb ba§ ber 
3u|>5rer leinen ängftticfyen "Jtei^ bäbfy bemerle: fonbern ba$ überall bie ?Tiatur 
^ervorteud^te. ©aß ^Cßort: dontrapunet, pfleget fonft bfy benen, bie nur bem 
bloßen Naturell ju folgen gebenfen, mef>rent|)eitß einen wibrigen ©nbrud §u 
machen, unb für überflü^ige Sc^ulfü^fere^ gehalten ju werben. ®ie ilrfadE)e 



^;::im^k^.,:.:.: t .,: ,,,,,,,,,,,,;,,,.,,,,,,..,,,,,:,;«:,;«;,..,,., ...... _. ..... _....._.... ......... , : . .............. . , 



12 (Einleitung, 



iff, weil ifmen nur ber ^ame, nxd)t aber Me <£igenfd)aff unb ber ^u^ett bax>on, 
befannf iff. Sbättm fte nur eine Heine (£rfennfni$ batton erlanget, fo würbe 
t|men tiefet ^Sioxt nid)t fo fürd>ferlid> Hingen. 3d) will eben feinen £obrebner 
aller 'Slrfen ber boppetfen (Eonfrapuncte überhaupt abgeben: obgleich ein jeber 
batton, in gewtffer 2lrt, unb $n red)ter 3etf, feinen 9?u$en fmben fann. ©od> 
fann i$ auefy nld)t umfyin, abfonbertiefy bem ßonfrapunet aW Ottawa fein 9?ed)t 
wieberfa|)ren ju taffen, nnb bie genaue ^enntnif beweiben, als eine unentbehr- 
liche Sad>e, einem jeben ange^enben domponiffen anzupreisen: weil biefer don« 
frapunet nid)t nur bfy Saugen unb anbern fünfftt^en Sfüden ^ö^ff n'6fyx$ iff, 
fonbern and) bety fielen galanten 9tod)a£mungen unb 93erfei?rungen ber 6tim= 
tuen freffli^e ©ienffe ifyut ©a# aber bie 'Sitten in bm mufifatifd>en fünfte« 
le^en fx<§ ju feljr vertiefet $aben, unb gu weit barinne gegangen fmb, fo bafj 
fte barüber ba$ 9}otl)Wenbigffe in ber SKufif, xd) me^ne ba£ 9?üf>renbe unb 
©efältige, faff tterabfäumef ^aben, iff an bem. Willem, n>a$ fann ber Gontra- 
punef bafür, wenn bie (Eonfrapuncfiffen mit bemfelben nicfyf redjf umguge^en 
wiffen, ober einen Wifötaud) bavau$ machen, unb wenn bie fiiebijaber ber 
SKuftf, an$ Mangel ber grfennfntf*, feinen ©ef^matf batan ftnben? Joaben t§ 
nxd)t alle übrigen <2ßiffenfd)affen mit bem Contrapuncfe gemein, baf* man 
ofme bie ^enntnifj berfetben, and) fein 93ergnügen batton |>aben fann? 3. £. 
QBer fann fagen, baf* er an ber Trigonometrie, ober ber Algebra ©efdjmad 
ftnbe, wenn [17] er gar nichts batton erlernet Ijaf? SÜiit ber (Srfennfmfj unb 
<Einftd)t aber, wädtff and) bie ^l^tung unb fiiebe gu einer Sad>e. 93orne^me 
^erfonen tafien i^re ^inber wo|>l nxd)t allemal in ber W>ftd)t in ttielerle^ 
^iffenfd)affen unterrichten, nm 5ßerf batton gu machen: fonbern e£ gefd>ie|>f 
ttielme^r beSwegen, bafj fie in ttielerle^ 5ßi|fenf^affen eine ©nftc^f erlangen follen, 
nm bety ©etegen^eif batton fpre^en $u fönnen. 'SBären nun äße SDJuftfmeiffer aud> 
jugleicfy SDZuftf tterff anbige, wüfft en fie i^ren Untergebenen tton einer f ünff tid>en SOZuftf 
ridjtige begriffe beibringen, tieften ftebiefetbenbety§etfen wo^lauSgearbeifefe 6tüde 
fpieten, unb erfläreten tarnen ben 3nlj>att batton: fo würben flebie£ieb^aber nxd)t nur 
nad) nnb nad) an fot^e <2lrfen t>on SKufif gewönnen, fonbern bie ßieb|>aber würben 
and) überhaupt mef>r <S.xnfxd)t in bie SD^uflf erlangen unb, me£r Vergnügen 
baran finben. ©ie SKufif würbe babur^ in eine grßfere ^Idjfung fommen, als 
fte nic^f iff: unb bie wahren Sonfünffter würben für i^re 2lrbeif me|>r ©attf 
öerbienen. ©a aber bie meiffen fiieb^aber bie SWuftf nur mec^anif^ erlernen: 
fo fällt biefer ^ort^eit weg, unb bie SÖiufif bleibt in beffo größerer XlnöoH« 
fommen^eit: weil e$ fowo^t an guten SKeiffern, al§ an fotgfamen 6d)otaren fegtet 
17. §. <2BiIl man wi^en, toa§ benn nun eigenflid? ber ©egenffanb be§ 
weitem 9?ad)forfd)en^ fe^n fotl, fo bienef pr Antwort: SBenn ein ange|)enber 
Gomponift bie Regeln ber Äarmonie, n><dd)t, ob e$ wo^t bieten an ber J^ennf» 
ni§ berfelben fehlet, bvd) nur, wie gefagf, baß wenigffe unb leid>feffe in ber 



(gittleitttttg. 13 

Sompoßtion jtnb, grünbtid) erlernet £at, fo muß er ftcfy befleißigen, eine gute j 

'Stofrt unb 93ermif$ung ber ©ebanfen, nad) ber ^lbftd>t eines jeben StüdeS, 1 

vom anfange bis ans (fnbe bereiften, ju treffen, bie ©emütf>Sbewegungen ge- 
hörig auSgubrüden, einen ffießenben ©efang §u erhalten, in ber Sftobutation 
gwar neu, bod) natürttd), unb im Metrum richtig p fepn; £i$t unb Schatten 
beftänbig §u unterhatten, feine (Erßnbungen in eine gemäßigte £änge einsuf^ränlen, 
in ^nfe^ung ber «•Zlbfdjnitte, unb ber ^ieber^otungen ber ©ebanfen, leinen 
<3ftiSbraud) ju begeben, fowo^t für bie Stimme als Snftrumente bequem ju 
fe^en, in ber Singmußf nicfyt wtber baS Stytbenmaaß, nod> weniger tt)iber bm 
Sinn ber 3Borte §u fcfyretben, unb fowo|>t von ber 6ingart, als von ben ©gen« 
fcfyaften eines jeben 3nftrumentS, eine $intängti$e (Erfenntniß &u erlangen, (Ein 
Gänger ober 3nftrumentift aber muß ß<$ angelegen fe^n taffen, ber Stimme 
ober beS 3nftrumentS vollkommen mächtig [18] gu werben, bie 93er|>ättmße ber 
Söne lernten su lernen, in Haltung beS 3ettmaaßeS unb im Sftotentefen re^t 
feft gu Werben, bie Harmonie ju erlernen, unb vornehmlich, aßeS was gu einem 
guten Vortrage erforbert wirb, rec^t in 2luSübung gu bringen. 

18. §. [3>aS «aJluftfffubmm fotf „nidjt 5u ft>ät" begonnen toevben.] 

19. §. (Ein SEftußfuS muß ß$ ferner nicfyt mit aKgu vielen anbern ©ingen 
befcfyäfttgen. ffaft eine jebe 9Biffenf$aft erfobert i^ren eigenen Sftann. dß ift 
gwar fykv keineswegs bie SKe^nung, als ob eS eine £tnmögtid)feit fe$, in me^r 
als einer SBtffenfcfyaft gugtet^, vortrefflich gu fepn. (Es wirb aber ein gleich 
fam aufferorbentli^eS Talent bagu erfobert, bergteicfyen bie Sftatur nur feiten 
hervorbringt Q3iete verfemen eS gerinne, (Einige fyabm bie 93egierbe alles gu 
erlernen, unb fallen, tf>rer veränberticfyen @emüt|Sbef$affen|)eit gufolge, von einer 
Sad)e auf bie anbere, batb auf biefeS, batb auf jenes Snftrument, batb auf bte 
dompoßtion, batb auf anbere ®inge auffer ber Sftußf, unb erlernen, wegen 
i^rer QBattfetmuty, Weber etnS notfy baß anbere aus bem ©runbe. (Einige, bie 
ftd? anfänglich etwa einer ber i>ö|)ern ^ißenfdjaften wibmen, treiben bie Sftußf 
viele 3af>re atß ein 9fcbenwer£ Sie lönnen m^t bie gehörige Seit, fo bie 
9Äußf erfobert, barauf wenben, unb %abin weber ©etegen^eit nocfy Strittet gute 
93Zeifter gu galten, ober etwas gutes gu giften. OefterS lernen fte nichts me$r 
als etwa 9ioten tefen, unb burd) einige Schwierigkeiten, o^ne guten 93ortrag 
unb ©efc^mad, i$?en 3uf>örern einen blauen ©unft vor bie klugen gu malen: 
unb fofern ße baß ©lud $aben, im 2anbt ber ^tinben einäugige Könige gu 
werben, unb einigen ^etyfatt gu ermatten, geraden ße, auS fanget ber £rlennt-- 
niß, leicht auf ben fallen 9Ba|m, als ob ße wegen tyvtx übrigen ^Bißenf^aften, 
vor anbmt SonÖinfttem, bie gwar ni<^t auf £of>en Sdjulen ftubiret, aber boc^) 
me^r 9DZußt als fte erlernet Ijaben, einen 93or5ug verbieneten. ©nige treiben 
bie SKußf btoS auß 9ftanget beS Unterhalts, ot;ne bm geringften [19] ©efatlen 
bvan su ^aben. Rubere |>aben bie SOZußf in $rer 3ugenb me^r bur^ eigene 



m 



14 Einleitung. 

ilebung, al§ buxä) richtige ©runbfei^e erlernet «Se^ ern>a<$fenen 3a£ren fc^ä* 
men fte pcfy be$ £lnterrt<$t$, ober glauben fetner Slntoeifmtg me|>r benötiget gu 
fetyn. ©eStoegen taffen fie ft<$ nic^t gerne »erbeffem, fonbern »ollen trielmefjr 
unter bem tarnen ber £teb|jaber £ob öerbienen. ^üget t§ aber ba§ S<$i<ffat 
enblicfy nicfyt, baf fte burefy i|>re anbern QBiffenf^aften ju einer ^eförberung 
gelangen, fo ergreifen fte au£ 9Zot|) bie Söfatjtf; me£rentf>eitg aber bleiben jte, 
toegen beg QJerluftS ber Seit, bie pe auf anbere ^if enf^aften $aben toenben 
muffen, au$ Mangel be3 Patents, toetdjeä gu anbern «Jßtfjenfc^aften nic^t frin= 
reic^enb gewefen, unb nun mettetcfyt jur SDZuftf noefy toeniger julängtic^ ift, ober 
au$ Q3orurt£eit unb fatfcfyer ©nbitbung, toet<i)e *>on anbern feine 93erbefferung 
ertragen fann, *>on ber einen Seite nur tyalbe ©ele^rte, t>on ber anbern aber, 
faum £atbe 99?uftfoerftänbige. ©enn toer sunt 6tubiren feine hinlänglichen 
SflatuxQdbm befttjt, ber §at beren *riellet<$t no<$ toeniger pr Sftuftf. ©od) aber, 
f)at ein folc^er, ber jugteic^ t>om Stubiren 2Berf machet, ein auretcfyenbeS latent 
§ur SJtufBf, unb toenbet be£ biefer tbm ben ^leijj an r toie er bety jenem getrau 
£atte: fo §at er nityt nur t>or anbern Sonfünfttern einen ^ort^eil t>orauS, fon* 
bern er fann and) in ber SDhtjtf überhaupt me^r 9fct§en ftiften, aU anbere: 
toel$e$ mit bieten «Setyfpieten bargetfjan toerben fann. ©enn toer ba toeig, nrie 
triel (finflufj bie Sftatljematif, fammt benen unter i^rem <Bejirfe fte^enben 3Bi^en= 
f^aften, bie 3Betttt>ei$$eit, bie ©ictjtfunft, unb bie 9Jebefunft, in bie 9Äujtf 
jjaben, ber ttrirb gefte^en muffen, bafc bie Sftuftf m$t nur einen großem Slm= 
fang |wbe, als öiele glauben: fonbern auti), ba§ ber be$ ben meiften 9ftujtft>er= 
ftänbigen t>erft>ürte Mangel obenbemelbeter SBtj^enf^aften, bie größte Äinberoifc 
an weiterem ^ortfommen, unb bie Slrfac^e fety, toarum bie Ttufxi noefy ni<$t au 
einer großem QMfommenljeit gebracht toorben ift. ^QBic fann e$ aber anberS 
fe^n: ba biejenigen, fo bie S^eorie beft^en, feiten in ber Ausübung ftarf flnb: 
unb bie, fo ftcfy in ber SluSübung &ert>ort|mn, fetten 9fteifter in ber Sporte ab= 
geben fömten? 3ff e$ möglich bie Sftuftf, be$ fo geftattten Sachen ju einiger 
93ottfommen£ett p bringen? <£$ ift bemna<$ nöt|>tg, jungen 2tutm, bie ft<$ auf 
bie Vflufxt legen, emftlic^ an$uxafym, ba§ fte tfcfy bemühen m'ötyttn, toenn i^nen 
auty bie 3eit nic^t ertaubet, ftcfy in alten Stubien au üben, benno^ in ben oben* 
gemetbeten 93Bi§enf^aften, unb ^iema^ft auefy, in einigen ber au^tänbifd)en 
Sprachen, feine Siremblinge [20] ju bleiben. £lnb tt>er fxä) bie 6om|)ofttion au 
feinem ^ugenmerfe ertt)äf)let; bem ttrirb eine gritnbti^e ©nfi^t in bie Qtyau* 
fj)ietfunft nityt unbienlid) fe^n. 

20. §. [Tarnung an ben ange^enben Huftier »or attjugroger Eigenliebe, bie in 
ber «attuftf tne^r 9lcu)rung finbe at^ in anbern ^rofefftonen, öor friu^aeitiger äber^efcung 
unb falfd^er 6ell)ftaufrieben^eit.] 

21. §. [3urüdU)eifuttg beö Vorurteil«, ba§ ba$ Olafen auf ber g^öte 93ruft ober 
£ungen fd^äbtic^ fei.] 



f 



[23] <£>a§ I. $>auptftü& 

Muv& Sytftoviz unb 93efdjreffcuttg ber ^löfc fraöerficre. 



1. §. <23ei fabelhaften unb ungetoiffen ©Ölungen t>om ürfyrunge ber 
flöten fo itt bte quere t>or ben 9Kunb gehalten tterben, tt>\U ity m%6) nifyt auf* 
Ratten. <2Beit toir feine ganj friere Stacht bat>on £aben; fo fann e$ un$ 
gteid) aiet fe$n, ob ber ^^rpgif^e ^önig Sö^&aS, ober ein anberer, biefetben er= 
funben |>abe. Ob ein ausgelöster, oben abgebrochener 6tamm eine* Äotunber» 
ftrau<$g, in toel^en an ber 6eife eine Heine Oefnung etngefaulet getoefen; bar- 
auf juft ber 3ug be$ SBmbeS getroffen; ober fonft n>a$ anberS ju biefer <&• 
ftnbung bm erften Slnla^ gegeben fyabt: tann \<fy gleichfalls ni<$t entf^eiben. 

2. §. ©afc aber, in bm «Slbenbtänbern, bie ©eutfe^en bie erften getoefen, 
n>el<$e ben ©runb jur glitte tra&erftere nebft sielen anbem 'EtaSmftrumenten, 
tt>o triebt öon neuem geleget, bo<$ &um toenigften nrieber #ert>orgefud>et fyabtn; 
ift au^er allem Steifet, ©ie (fngtänber nennen btefeS 3nftrument be&oegen: 
the German Flute, (bie beutfd)e ^iSte.) ©ie Sransofen bmmnm eg ebenfalls 
la Flute alemande. (f. Principes de la Flute Traverfiere, ou de Ia Flute 
alemande, par Mr. Hotteterre le Romain.) [24] 

3 - §• — 5. §. [TOdjael ^raetoriuS nenne btefe fftöte in feinem Theatro Instru- 
mentoram, 1620, Querflöte, aum Slnterf^iebe t»on ber aon ben Golbaten $ur Trommel 
benoten „G^toe^erpfeiffe" (3). ©iefer fflöte traserjüere $afce jeboef) no$ bie unentf>e$rtid?e 
©iS-ÄIa^e gefegt, bk fräfer t>on ben Sranjofen ^injugefügt toorben fei (4). ©iefe <£r- 
fmbung fei „sermufltc^ noc$ fein S^r^unbert alt (5).] 

6. §. ©er erfte, ber ft<$ auf ber aerbefferten fftöte traaerftere, in tfxant- 
retd), befonberS f>ert>or getrau, berühmt unb beliebt gemalt $at f ift ber, toegen 
gennffer befonbern ed)tcEfale, merftoürbige ^pifceri hierauf fam: (a SSatre, 
unb JDOtfefem le Domain, ©iefen fotgeten ^üffatfnn unb %lo»tt; 

brachten tß aber in ber WußühunQ triet toeiter aU if>re 93orfa£ren. 

7. §. <2Bie nun biefe i$t eilten franaöftfd)en Sonfünftter bie erften 
gen>efen ftnb, fo biefeS Snftrument nac£> feinen ©genfefjaften gut gemietet £aben: 



16 $a$ I. ibauptftüd 

fo §abm e3 bie ©eutfct)en wn tarnen, unb stt>ar in ber öerbefferten ©eftatt, 
nämlid) mit Der einen Etappe, feit ofrngefä$r funfsig ober fe^jig 3af>ren £er, 
lieber frommen. ®er befonbere «Bepfatt, unb bie [25] grofe Neigung, fo bte 
©eutfd>en allezeit gegen bie <33ta$inftrumente ge^eget £aben, fyat serurfac^et, baf* 
bie glitte traserfiere nunmehr in ®eutfd>lanb eben fo allgemein Sorben, att fte 
in «Jranfreicfy ift. 

8. §. 9MJ ^ie^er fyattt bie glitte nod) immer nur eine klappe. 9tad)bem 
id) aber nacfy unb nad) bie (figenf^aften tiefet 3nftrument£ einfe^en lernete; 
befanb id>, ba£ immer no<$ ein «einer Mangel ber 9?einigleit genrifcer Söne 
sor^anben toar: »eifern aber auf feine anbere Slrt, als burd) 3ufe$ung ber 
Straten Etappe, abgeholfen werben fonnte. S# |)abe alfo biefe gtoe^te Etappe 
im Sa^re 1726 ^insugefüget* Xlnb alfo ift ^ierauS biejenige $Wte trauerftere 
entftanben, beren Slbbitbung man Sab- I <5ig. 1 fe^en fann. 

* ©ic ürfad) biefer atoe^ten Etappe erftäre i$ weitläufiger int 8. §. beS IIL &auptfttt<feS. 

9. §. [Betreibung ber neueren ffiöte traöerftere. 6ie befte^e mö einem „&opf- 
ftüä, ttorinnen ftd) ba$ <3Kunbto$ befhtbet", einem 9Xitteiftücf mit 6 £ö$ero unb bem 
„Siegen, mxan & ie Äi^c &u fmben ift"] ©iefe bre$ Stücf en würben and) sutäng- 
li<ä> getoefen fe^n: tt>enn man aller Orten einerlei Stimmung fyattt. ^Beit aber 
ber Son, na$ welkem man ftimmet, fo fe^r &erfd)ieben ift; ba£ nifyt nur in 
einem jeben £anbe, fonbern and) me^rent^eitS in einer jeben ^roöinjunb Qtabt, eine 
anbere Stimmung, ober $errfd>enber Son, eingefügt ift; 5ugefd?n>eigen, baf? 
ber etasic^mbat, an eben bemfelben Orte, bur$ unadjtfame Stimmer, balb $o<$, 
batb tief geftimmet toirb: fo $at man, *>or o£ngefäf>r breiig 3af>ren, bie glitte 
mit meiern 'zDttttelftüefcn fcerfe^en. [Sine S3eränberung ber etimmung wirb bur<$ 
Einfügen neuer TOttctftüde beroercfteUigt] 

10. §. — 16, §. [$ortfe$ung ber Beitreibung beS fftöteninffrumentS.] [26—28] 

17. §. Buffer ber gett>i$nltcf)en ^lijte traserftere f>at man tu>d) unter- 
gebene anbere, n>ien>o^l mfyt fo gen>ö|mlicl>e, entmeber größere ober Heinere 
Wirten wm flöten. €«" giebt tiefe Quartflöten; gißten b'amour; fteine Quart- 
ftöten, u. f. tt>. ©ie erftern fwb um eine Quarte; bie ^tt^ten um eine fteine 
Serge tiefer; bie britten aber um eine Quarte |>ö|>er, als bie gen>i$fmltd)e ^töte 
traüerftere. Sinter biefen fmb bie flöten b'amour nod? bie beften. Sitte aber 
fommen fte jur Seit ber orbentlic^en Plta traserftere, an 9ieinigfeit unb Sdjön- 
J)ett, md)t bety. <2Ber im übrigen auf einer &on biefen aufferorbentKcfyen Wirten 
f4 üben ttriH, ber tarnt, tt?enn er ftc^ nur einen anbern S<^tü^et ber 9loten 
einbilbet, fte im übrigen alle fo toie bie gen>ö^nti(^e ^löte traserftere forti* 
J^>aben. [29.] 

18. §, — 19. §. [Material unb 3nftanb£altung beö Snftrutnentö.] 



III. icmuptftütf. SJon ber gmgerorbnung ufw. ber Sftöte. 17 



®a$ II. $>auptftüä. 

93oit Haltung bet glitte, uxfo 6c^ung ber Ringer. 



1. §. — 9. §. [Sec&mft&e Slnweifungen. 6. 29—32]. 



©a$ III. Sattptftütf. 

3$ott ber ^ingerorbmmg ober 5fy£ticartotv unb ber 
Sontetter ober 6caia ber glitte* 

1. §. — 12. §. [ftortfe^ung bei: tecfmifäen Slnwetfungen. Qu. erflört, ft$ burc§» 
gängig bei ber Benennung ber $öne ber großen beutf^en 2lnfang$bu$fiaben gu bebienen 
unb „tt>o e$ nötyig ift, bie Octaöe morinnen fte fte^en mit SBorten" anzeigen. (Srflärung 
ber $romattf$en §5ne unb bereu ©riffart] [32—37] 

8. §. ©ie Stefane tt>et<$e mi<$ t>erantaf et |>af, ber SWte no<$ eine ^ta^pe^ 
tt>etd)e öortyin nicfyt geroefen ift, frinsusufügen, rühret Don bem Slnterfcfyiebe ber 
großen unb «einen falben Söne Ijer. SBenn eine 9iote auf eben berfetben 
£inie, ober auf eben bemfetben 3ttrifd)enraume burefy ein 5?reus erf>öf>et, f. Sab. IL 
(k)[*)], ober burd> ein b erniebriget nrirb, f. (1); fo beftefct ber llnterfc^ieb jtt)if(^en 
biefer unb bem ioaupttone, au$ einem Keinen falben Sone. <2ßenn hingegen 
eine 9Zote auf ber ßinie, bie anbere aber eine Stufe $3|>er fte^t, nnb bur<$ ein 
b erniebrigt tt>irb, f. (m): ober toenn eine 9^ote auf ber £inie fte|>t, unb burd) 
ein $reuä er^ö^et ttrirb, bie anbere aber auf bem 3fc>if$enraume, eine Stufe 
fytytv ift, [38] unb natürti^ bleibt, f. (n): fo beträgt ber llnterfc^ieb atmfdjen 
biefen bfybtn ^oten, einen grofen fyalUn Son. ©es grofe $albe Son %at 
fünf Kommata, ber Heine aber §at beren mer. ^olgücfy mufj £« um ein 
J?omma £i$er fepn aU ©i$. ioätte man nur eine klappe auf ber ^töte, fo 
mixfäm bitybt ba§ (ES unb ba$ ©i$, tt)ie auf btm (Etafciere, ba man fie auf 
einem Safte greift, fdjwebenb geftimmet »erben: fo bo% toeber ba$ (ES au btm 

[*) S)te 9totenbeift>iele ttntrben &ier, ttetl überflüfftg, toeggetafien.] 



18 



III. Äauptftücf. IV. Äauptftücf. 93on bem Slnfa^e. 



33, als Quinte t>on unten, no<$ ba^ ©is gu bem &, als grof?e Serge öon oben, 
rein ftimmen würben. £lm nun biefen £lnterftyteb gu bemerken, unb bie Sitae 
in i^rer 93er£ättnif rein gu greifen, war nötljig, ber ^töte nocfy eine Etappe 
^ingusufögen. ©tefem $u «Jolge »erben bie falben Söne, fo baS b gegen bie 
joaupttäne machet, anberS gegriffen, aU bie, welche burd? baß J?reuj angebeutet 
werben. 3. <£. ©aS emgeftricfyene 93 wirb anberS gegriffen al§ 5li^; t>aS jweö* 
geftricfyene <E anberS, als Ate; ba$ swetygeftrtcfyene ©eS (be$ welchem bie <5löte 
außtvöxtß gebre^et wirb) anberS aU Qxß; baß <5tß anberS als S; baß jwe^ge» 
ftric^ene @e£ anberS, als ffte; baß swetygeftrtc^ene %$ (mit ber «einen Etappe) 
anberS, alß ba^etbe ©i£ (mit ber großen klappt); baß bre^geftrtcfyene QLtß am 
berS, alß baß awepgeftricfyene &., u. f. w. <£ß ift §war wafjr, biefer ilnterfdjieb 
lann auf bem Clatriere, wo man alte biefe Söne, bie £ier untergeben ftnb, auf 
einem Safte greift, unb fxä) nur burd) bie Gd^webung berfelben Reifen mu% 
n\<S)t gemalt werben, ©em ungea^tet aber, ba er bocfy in ber 9latur ber Söne 
gegrünbet ift, ba i£n Sänger unb 93ogeninftrumentiften, o^ne Sflitye beobachten 
fönnen: fo ift tß billig, benfelben aufy auf ber ^töte anzubringen, welkes o|me 
bie swe^te Moppt nidjt gefcfye^en lann. 3ßer baß muftfalifc^e ®e^5r redtf xnß 
^eine bringen will, bem ift eine <£rfenntni£ bat>on nStjjig. 93ielleic^t wirb mit 
ber 3eit auö) ber Wufym ba$on nod> größer. 

9. §. Xlngeacfytet icfy btn ©ebraud) biefer jwo klappen fcfyon *>or etlichen 
unb swangig Sauren begannt gemacht ^abe; fo ift er bocfy bi^er noc^ nid)t all- 
gemein worben. 93ielleic^t ^aben rod)t alle ben 9to$en bason eingeben: mel« 
leidet £aben jte fvty eine gro§e Schwierigkeit im 6pieten babe$ fcorgeftetlet. 
[©iefe G^tmerigtot fei jebo# nur eingebilbet] [39] 



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®a$ IV. $auptfificL 

9Son bem $lttfa^e, (Embouchure.) 



1. §. — 22. §. [93ergleid) ber etruftur ber fflöte .mit ber" £uffr5$te, tyre* Son« 
mit bem ber SRenfc&enftimme. §e$nif$e Sltttoetfuttgen unb Übungen im Stefane] [40—50] 

23. §. [50] ©ie ftföte f>at ben SZaturfe^ler, ba§ einige mit ^reu^en bejeid)-- 
nete Söne, nidjt gan& rein, fonbern feaf etliche baöon ein wenig §u tief, etliche 
ein wenig gu §oü) ftnb. ©enn be$ ^bftimmung ber ^töte fyat man barauf §u 
fe|>en, ba^ tyauptfäc^licty bie natürlichen Söne na^ i^rer 93er^)ättni^ rein ge= 
ftimmet werben. 9ftan muf alfo, fo tnet aB möglich ift, fu^en, burd) Joülfe 



V. fiauptftucE. 93on ben STCoten, ibrer ©eltung, bem Qdttt ufw. 19 

beS «anfa^eS, unb nacb bem ©e&öre, bie mangelhaften sein su fbieten. <£S tft 
stoar fcbon im »origen ÄaubtftMe etwas bawon erwähnet worben: bamit man 
aber wi#e, auf welcfce man am meiften «ilcbtung ju geben baU; fo will i$ fol^e 
£ier namhaft machen. Kolgt Angabe berfelben.] 

24. §. — 26. §. [Secbnifcbe Slnweifungen.] [51] 



®aß V. $>auptftüä. 

gSon ben 9totett, fyxzx <Mtung, bem Sacte, bcn 
Raufen, unb ben übrigen ntnfiMifcljen 3etd)en. t 52 l 

1 8 — 11 §. [grftätung ber Gcblttffel (1, 2), ber ®ut- unb 9XoItonart (4-7), 
ber ©ettung ber Sloten (8, 9), ber Raufen (10), beS Satte* (11) unb Der Sattarten (12 ff.).] [55] 

12. §. ©er Sact überhaupt tft sweöerie»: gerader unb ungerader. 
©er gerabe (oft fteb. wieber in gleite Steile jertbeiten; bei) bem ungeraben 
aber ift bie Leitung ungleich ©en ungeraben bieget man insgemein ±X\ptk 
fact p nennen. <2Benn ein Sact ju <£nbe ift, pfleget man, im 6cfcretben, steiften 
bie 9loten einen «Serticatfttic^ 8» föw- «tfo macben fo biet Sfloten, <M ftcb 
jmifeben jweenen biefer 6trtcbe fcefmben, nacb bem, su anfange eine« 6tücfe$ 
hinter ben 93erfe= [56] $ung$8et$en, gefegten Sactjeicben, einen Sact au«, »on 
welcber <2lrt er aueb feb. f- Sab. II $tg. 6. [*)] 

13. §. ©er gerabe Sact ift Wieber swe^ertett: "Siewiert^eUtact, unb 3weö= 
»iertbeittact. ©er <23ter»iert$eiltact, welchen man aueft ben gemeinen geraben, 
ober fcblec^ten Sact p benennen pfleget, wirb $» anfange eine« Qtääe§ mit 
einem großen C angebeutet: ©er 3wei)öiertbeiltact hingegen mit V*. <8et> bem 
qjiermert^eiltact ift wo&t 8« werfen, bafc, wenn bureb ba§ C ein Strtcfe aebt, 
tote Sab. II $ig. 10. [$] 8ufe|>en ift, foleber 6tri<$ bebeute, ba% atSbenn bie SKoten 
fo ju fagen, eine anbere ©ettung bekommen, unb noeb einmal fo gefebwinb ge= 
fjrielet werben muffen, all fonft, wenn baS C feinen ©urcbftrtcb, bat. 9ftan 
nennet biefe Sactart: atfofaeöe ober alla &W^ «* abct be * ber ^ 
gemelbeten Sactart, »on bieten, au§ Stawtffenbeit, gebier begangen werben: 
fo ift einem jeben ansuratben, biefen llnterfcbieb ficb wobt belannt m machen, 
©enn biefe Sactart ift im galanten 6tbl Wger 3eit üblicher, aU fte in »ongen 
3eiten gewefen ift. 

[*) ®a« SSeifeiel 6 »erjei^net ganje (a), balee (b), Wertet- (c), Slcbtelnoten (d) ufw. 
im % Saft.] „ 



20 V. Äouptpüd 

14. §. S)er Srtyettact ift aon öerf^tebener 2lrt, nrie f>ier bie überetnanber 
gefegten Siffero geigen, at3: 3 /i ©re^emt^ett, V* ©rc^tpe^t^ett, % ©«9- 
«kttJMKr e A Sed>$mert|>eil, 3 / 8 ©re^ac^eil, 6 / 8 Ge$*a$tt$ett, % 9?eunadjt= 
tyeit, 12 / 8 3tt>ötfatf>tt|>eittact u. f. ». 

15. §. <£$ giebt eine ^rt t)on Figuren, tt>o bre$ gleiche 9Zot en jufammen- 
geftric^cn toerben, unb folglich bem Srtyeltacte äfmti<$ fe^en; jte fommen aber 
fbtafft in geraber at$ ungeraber Sactart t>or. Solan nennet biefe Figuren: 
Ertöten» £ter matten bre^ etstgeföteSttgte 9?oten ein «Sterlett, f. Sab. IL 
Wg. 7. (1), [*)] bre$ sttje^gefc^mänjte ein ^tt^eit, f. (m); bre$ bre^gefdjtocmate 
ein Secl^efmt^eit, f. (n), nrie bie barüber beftnbli<$en 9toten auStoeifen. SOZan 
pfleget and) tt>o£l, sum £leberfluf$, bie 3tffer 3 barüber ju fe$en, nrie bei (l) 
§u fe^en ift. 

16. §. ©a tefy nunmehr bie ©ettung ber 9ioten mb Raufen, ingteicfyen 

bie *>erfd)tebenen Sactarten gettriefen fyabe, fo ttrirb nod) nöttyig fetyn, ju geigen, J 

ttrie jebe 9?ote unb ^aufe in ben Sact gehörig eingeleitet tt>erben muffe, unb I 

ttrie man biefeS auf eine leiste $lrt erlernen Btone. ®ie meiften fe£en fotd^e^ I 

al§ etoag leicf>te$ an f unb glauben, ha% man e$ bur<$ [57] iiebung nad) unb 

naefy erlerne. 3Beil eS aber Dielen, bie fkfy bod) lange 3eit bamit abgegeben ] 

fyaUn, nod) baran fegtet, fo folget barauä, bafj e$ nicfyt eroeS ber tei^teften 

®inge in ber SD^uftf fe^n muffe. <£§ fjängt »on biefer €rfenntni§ »iet ab f um 

ein StM n>ol)Ktingenb aorautragen: unb toer fte nidj>t bep 3eiten burefy richtige Tr 

©runbfätje erlanget, ber bleibt in einer beftänbigen Slngettrif$eit; ftnbet awfy i 

öftere be^ i?temigletten, fo i£m ni^t täglid) t>orfommen, einen ^nftofj. & ift 

nic^t ju löugnen, ba§ ein münblid^er Slnterridjt, n>enn er grünbtid) ift, frierbe^ 4 

beffere ©ienfte fyut, aU eine f^rifttic^e ^ntoeifung. 9Bett e$ aber aud) fielen, 

bie anbere unteweifen foKen, in biefem ^unete an ber rechten £ef)rart festen 

tonnte: fo ttriß id) ^ier eine 9^et^obe aeigen. 

17. §. ^an gen)ö|)ne ftc^ erfttid^, mit ber Spi^e be£ ^uf e^ gleite 6d>töge | 
&u mad^en, tt>op man ben ^)uBf^lag an ber Äanb §ur g^ic^tf^nur nehmen fann. ! 
^t^benn t^eile man ben gemeinen geraben, ober 93ieririert£eiltact, na§ Anleitung l 
be$ ^ul^fc^tage^, mit bem ^rufyt in ^l^tt^eite ein. ^e^ bm erften Silage ' 
fto^e man bie toeifje 9^ote o^ne 6tri(^, f. Sab. IL ^ig. 6. (a) [**)] mit ber 3unge 

an, unb unterhatte ben Son fo lange, bi£ man in ©ebanfen, nac^ bem Silage 
be^ ffujjeS, 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. geartet §at: fo n>irb biefer Sact feine ge- 
hörige Seit bekommen. SOZan fa^re fort in biefer $lrt mit bem ^uf e su fra- 
gen, uxü> aä^te be^ ber erften weifen 9fo>te mit einem Striche, f. (b) 1. 2. 3. j 
4; be^ ber tmptm ebenfalls: 1. 2. 3. 4: fo tt)irb e$ mit biefen atpeenen falben 

[*) §>ie 9^oten&eif^iele Würben |>ier, tt>etl überpfftg, weggetaffen.] 
[**) 6. ^nmerftmg ^u 6. 19.] 



93on ben 9?ofen, tyrer ©ettutig, fcem Safte ufn>. 



21 



Sacten and) feine 9tt$ttgleit Ijaben. «Sety ben 93iert£eiien, f. (c), fommen 
§tt>eene Schläge auf jet>e Sftote. Q3e9 ben ^tt^eilen, f. (d), fommt auf jebe 
9Zote ein Schlag. 53e^ ben Se^je|)nt^eiten f. (e) lornmen jtt>o 9foten auf einen 
Schlag: unb toenn man ba$ «Jiuffjeben beg <5u£eg fotoo^t att baß 9iieberf<$ta» 
gen bejfetben jagtet; fo feilet fotcl)e$ bte Sed)5ef>ntf>eüe sättig ein. <23e9 ben 
3n>e9 unb be^tgtfjeilen, f. (f), fommen 5^0 9ioten äum 9tteberfct>tage, unb jn>o 
%um ^uf^eben. 

18. §. ®iefe ©nt|>eitung in adjt Schlage, fann in allen tangfamen Saiden, 
nad)bem tß baß 3eitmaa§ erfobert, jur 9?egel genommen werben. 3n gefc^ttrin* 
bm Stüden aber, fann man bm gemeinen geraben Sact in t>ier Steile, attoo 
benn ba$ 9tteberfd)tagen unb ^ufteben beö ^ugeS Streite ausmalen; ben 
Sripeltact aUv, in bre$ Steile einleiten. [58] 

19. §. 3m ^tlabreaetacte bekommen bie Ijatben Sacte fo fcriel 3eif, als 
im gemeinen geraben Sacte bie <23iert£eite fyabtn; unb bie Q3tert£eile fo öiet, at$ 
im gemeinen Sacte bie ^cfytt^eite einnehmen: folglich toerben nur bie falben 
Sacte mit bem ^n^e marfiret. 

20. §. ©ie tt>ei£ e 9*ote mit bem fünfte, f. Sab. H. gig. 7. (a), befitatmt 
Sab. IL $tg. 7. 

a) b) c) d) e) 




fedj$ 6^täge mit btm ffuße; unb bie barauf folgenbe fdwarje 9iote, jtoeene 
Schläge, ©ie fdjtoarae 9iote mit bzm ^unete, f. (b), bäommt bre^ 6d?läge; 
unb bie folgenbe nur einen Schlag. 

21. §. <33e$ ben Streiten, Sed^nt^eilen, unb 3fce9 unb breifigt&et» 
ten, mit <£uncten, f. (c) (d) (e), ge£t man, n>egen ber £eb|>aftigieit, fo biefe 
9loten auSbrüden muffen, t>on ber allgemeinen 9?egel ab. <£ß ift Irierbe^ in-- 
fonber^eit gu merlen: ba% bie 9?ote na^ bam ^punete, be^ (c) unb (d) eben fo 
Jurj gefielet toerben mu% aU bie be^ (e), tß fe$ im tangfamen ober gef^tpin- 
bm 3eitmaafje. JoterauS folget, bafj biefe 9ioten mit ^puneten be$ (c) faft bie 
3eit son einem gan§en 93iert^eite, unb bie bfy (d) bie 3eit *>on einem ^d^tt^eile 
bekommen: tt>eit man bie 3eit ber furjen 9?ote na<$ bm <£uncte eigentlich wfyt 
reetyt genau beftimmen fann. ©iefeö beutti^er §u begreifen, fptete man bie un« 
terften STCoten be^ (f) unb (g) tangfam, bo^ ein jebeg ^ernpet na<$ feinem ge- 



mszm mmm: m 



22 



V. Souptftüd. 



mm 3efonaafce, nämlicb ba* bei) (d) nocb einmal fo gefcbnnnb, att jene* bej> 
(c), unb ba$ bei) (e) nocb einmal fo gefcf>tt>inb, a» baS bett (d): unb PW 
in ©ebanlen bie oberen 9*oten mit ^>uncten öor. 9lad)|>er fcf* man folcbeS 
um; fbiele bie oberften Sloten; unb batte eine jebe 9lote mit bem «puncto fo 
lange, Ut bie 3eit »on ben unteren 9*oten mit ben ^mieten öerflofcn tft. 
©ie 9?oten mit ben <£uncten macbe man eben fo turs, als bie barunter befmb- 
licbe »iergefcbwänate SRote eS erfobert. %tf tiefe 2lrt ttnrb man fe^en, ba% bte 
oberffen ^oten mit ben ^uncten be$ (f), bie 3eit »on bre^ 6ed) ä ebnt^«lett, unb 
einem 3wett unb breöfcigt^eite mit einem ^uncte belommen: unb \>a<j> bie be$ 
(g) bie Seit oon einem 6ec&äe$nt&eite unb einem punctirten 3toe» unb bre^= 
fcigt&eite; bie bet> (h) aber, weit be» ben unterften Sioten stoeene ^uncte fteben, 
unb bie folgenben 9*oten nocb einmal gefc^wänjet fmb, nur bie 3eit »on einem 
3»e9 unb bre^tgt^eile, nebft anbert^albem <£uncte ermatten. [59]. 

22. §. ©iefe 9?eget ift ebenfalls su beobachten, wenn in ber einen 6timme 
<£rtolen ftnb, gegen meiere bie anbere Stimme punetirte 9ioten $at, f. (i). SDfom 
ff* 7. i) k) 1) m) ") 

^m mm , i- ^^ 




«tyf bemnac^ bie furje SKote naef) bem gurtete nxfyt mit ber brttten 9Zote um 
ber Sriote, fonbem erft naä) berfetben anfragen. <2ötbrigenfaiB toürbe fotc^eS 
bem 6e$«a$tt$eil- ober 3tt>ötfad>tt£eittacte ablief) Hingen, f. (k). «e^be 
Wirten aber muffen bod> fe^r serfdjieben fe^n: inbem eine eingefettete Sriole, 
ein <23iert£eit; eine jtoe^flefötoänjte, ein <2lc^tt^c«; unb eine bre9gef<$tt>änste, 
ein 6ed)5e£ntijeil ausmalen: n>ie bie barüber ffe^enben eingelnen SRoten, bet, 
(1) (m) unb (n) ankeifen: ©a hingegen, im 6e$*a$tt&eit- unb 3»Mfa$tt$etl- 
tacte, bre^ eingefd)n?änste SKoten ein QStert^etl unb ein W0$®& ma<$en, f. (k). 
<2$Mte man nun, btefe, unter Srioten &efmWi<$en, punetirten 9*oten atte nafy 
tyrer orbentttdjen ©eltung ftrieten: fo tt>ürbe ber SluSbrutf bason nifyt brillant 
unb prächtig, fonbem fe$r ta^m unb einfältig fe^n. 

23. §. 9Jtft ben Quoten be$ <5tg. 8, tt>o ber <£unct hinter ber stoe^ten 
Sig. 8. a ) b) c) 



|i 



i 1 1 * i i iu w f 



* 



* 




j 



gjon ben STCoten, ifcrer ©ettung, ben» Satte ufw. 23 

ttote Mt, hat e$ wegen her £ange beS ^uncteS, unb ber 5?ür 8 e ber erften 
Sc SeW mit bctt oI>en Semetbetcn punctirten Sloten. 6te fte 9 en 
nufumTe eftTet. «He **ten © «nb 6 beö (a) muffen eben fo rur 3 fe 9 n, a» 
11 bettle), e* feö im tangfamen ober gefcbwinben Settmaa&e. JWtt ben 8 Wo 
gefcbwinben *oten bett (b) «nb (d) »erfäbrt mfl „ auf gleiche «SJetfe; unb be> 
?ommen bier jwo *oten nicbt mebr Seit, «K bort eine, «et, (e) unb (f) *«- 
ben bie Sftoten nad? ben ^uncten eben fo gefcbwinb unb »raamtant gefttetet, 
oU bie »or ben fünften beö (b) unb (d). 3e ftir ä er man bie erften Sttoten beb 
(a) (b) (c) (d) machet: ie tebbafter unb freier tft ber SluSbruci 3e länger man 
hingegen bei? (e) unb (f) bie <£uncte bätt: ie fcbmeicbetnber unb annebmltd>er 
Hingen biefe Wirten oon 9toten. 

24 § SJon ben Raufen ift bereit« gefaget toorben, bof man ba wo )xe 
fteben fo lange ftiUfcbweige, als bie 3eit ibrer ©ettung erfobert. <23on einem 
ober mebr Sacten, wirb nicbt nötbig fetm, eine Srßärung s« ntacben, wert man 
ftcb nur nacb bem Saetfcbtage richten barf. f. Sig. 9. (a) (b) £). [*)] £*t man 
aber einen balben Sact 3 u öfteren; fo 5 abte man, nacb bem Scbtage beS JtJeS 
mie bet> einer weisen «Kote: 1. 2. 3. 4, [60] unb ftofce mit bem fünften <Sd,ta= 
ae bie folgenbe 9*ote an, f. (h). <23e» einem «Biertbeite 8 äbte man: 1. 2 unb 
ftolje bie folgenbe 9*ote mit bem britten ed)tage an, f. (i). <23eti etnem Siebt- 
tbeite fage man: 1, unb ftofee bie SKote mit bem 8 weöten Scblage an, f (k). 
4» einem 6ecb 5 ebntbeite fage man aucb: 1, unb ftofce.bie ^ote mtt bem *uf= 
beben be$ $ufceö an, f. (1). <23eb einem 3web unb breifcigtbeile fage ™«?>™° 
falls- 1 ^COeit aber bier jwo 9toten im 9tteberfcbtage, unb jwo tm aufbeben 
leg »S tommen, fo mufc bie ttote nacb ber ^paufe nocb im Smeberfeblage 

angeftofcen werben, f. (m). .«*««. 

25 § &at man ftcb nun im langfamen 3ettmaafce auf btefe Sfe* genug* 
fam geübet, fo föiete man biefe <g ? em»el immer ein wenig gefcbwinber, W man 
einige «gleit erlanget bat f ein mebreres 8 u unternehmen, (fnblicb wtrb bte 
©tttbeitung ber 9loten einem fo geläufig werben, ba% man be$ ©cblagens bes 
SacteS mit bem Sufce, ganj unb gar wirb entbebren rönnen. 

26 § ©ne genaue unb gewiffe "Seftimmung ber »erfcbtebenen Wirten bes 
3eitmaafes, finbet man im XVII. Äauptftficre, unb beffen VII. Slbfcbnitte t>om 

45. biS 59. §. _ 

27. §. ©er ^öiebc^otung^ci^en giebt es unterfcbiebene ©attungen. 
^öenn jweene gerabe etricbe, obne ^unct, neben einanber fteben, f. fftg. 5. (b), 

m 5. a) b) c) d) e) f) 



i 



Ü 



[*) 6. Sinmetfung auf 0. 17.] 



24 V.— VI. Äauptpd. ' 

fo bebeuten fte, baf 8»« ** ® m au8 * tt,ecnett ^ cilen 6e ^ e ' unb ^Jfi ' 

S&eil beffelben toteberbotet werben müfce, bocb nicfet eber, o» btS baS Stuä 

»om anfange W »um (Snbe gemietet worben. SllSbenn wirb ber erfte %%M 

nocb einmal ttt an bie jweene Striae, ober, wetcbe« einerlei tft, btS an bte 

»orberge^enbe Otote, über weiter em b«tber Girfet mit bem <£uncte ftebt, f. (a) 

wieberbolet. <23eb fotd>en Stüclen fcbreibt man, 311 <&**>« *>e$ 5»^ $& cil5: 

®a ßctÜO. Sßenn binter einem Striae oier ^uncte ftc^cn, f. (c), fo bebeuten ^ 

fte, ba$ bie fotgenben 9loten, oon ba an, bis an einen anbern 6trid> ber bie 

<?mncte »or fl<$ bat/ 8« wieberboten ftnb. Solan pfleget aucb Wobt, über fottye 

ju »ieberbolenbe 9*oten, ba« <2ßört$en: bis, ju fcbreiben. <2öetm neben j»ee- 

nen Striaen auf einer jeben Seite jweene <£uncte ff eben, f. (d), fo bebeuten 

fte, t>«% baS Stüd auä jweenen Sbeiten beftebe, unb bafj ein jeber §b«t %wfy* 

mal wieberbotet »erben muffe. ^Benn aber jute$t ein [61] ober sweene tyalbe 

gtrfel mit <£uncten fteben, f. (e), fo b^tutsn fte b<% ba$ etücf attba fcbliefc. 

©aö 3eid>en auf bem ©, f. (f), ^eiffct SuftöS, unb geiget ben Ort an, auf 

wettern bie erfte STCote ber fotgenben fünf fiinien ftebt. 



«Born ©ebrauc^e ber 3unge, be$ bem Olafen auf ber ©töte. 

1, §. _ 2. §. terftärung be« SungenftoffeS. 93enu$ung ber brei Silben Ü oöer 
bi, tiri, unb bib'B.] [61-62] 



§>e$ VI. $>auptftM$ 

L Slbfcbnitt. 
93om (gebrauche ber 3unge mit ber 6^>tbe: tt ober bi. 

1. §. _ 13. §. [Se$iüf<$e Slnweiftmgen.] [62—65] 

£)e$ VI. ^au^tftildö 

II. Qlbfcbnitt. 

93om ©ebrauc^e ber 3unge mit bem SBörfctyen: tiri. 

1. §. — 9. §. [$e#mf$e 2lnweifungen.] [66—68] 



VI., VII. ioauptpcf. Q3om 2lt$etn$oten, bei SluSübung ber fftöte. 25 

©es VI. ^aujjtftütfg 

III. «atf^nift. 

33om (gebraute ber 3««gc mit bem <2öörttf)en: btb'ß, 
ober ber fogenannfen ©oppelgunge. 

1. §. — 16. §. [S:e$ttif$e 2ln»eifungen.] [68—71] 



©es VI. #atM>tftiitf$ 

Qln|)ang. 
einige ^ronetfimgen jutn ©efaaucfye beS £oboe, unb beS 33affon& 

1. §. — 6. §. [iointoeiS, ba§ fon>o£t iboboifien nrie 35affomfien infolge ber 'Styn» 
ttdtfeit ber Sanb^abung u)rer 3nftrumenfe mit ber ber Stöte jt<$ bie ßet;re »on ber SJtöte, 
fotoeit fte nidjt bie ffmgerorbnung unb ben Slnfatj betrifft, au Smutje ma<$en können.] [71—73] 



% <?:*:?:?.?•?. /,>■; ;*j j^jJ^w^^j^h 



5>a$ VII. #au$>tftü& 



[73] 



1. §. ©en ^em ju redetet 3eit ju nehmen, ift be$ «StaSinftrumenten 
fo tirie betym Singen, eine fe^>r nötige Sadje. ©urd) beffen 9ftipraud), n>el* 
d;en man boefy bep fielen tpajjrmmmt, tt>erben SKetobten, toetcfye an emanber 
Rängen fotten, öftere gereiften, bie (Eompofttton nrirb aerftümmett, unb ber 3u= 
£5rer eines S^eiK t>on feinem Vergnügen beraubet. (ES ift eben fo fcfytimm, 
toetm man etliche 9Zoten, bie jufammen gehören, gertrennet, aU tt>enn man im 
fiefen, e|>e ber Sinn au£ ift, ober gar jnrifcfyen einem SBorte t>on gtoo ober brep 
Selben, ^It^em |>oten tpottte. ®a£ letztere gefd>ie£t gttwr im fiefen triebt, bag 
erftere aber im Olafen fe£r oft. 

2. §. ©a aber auefy nicfyt altemal möglich ift, alles toa$ jufammen ge= 
$8ret, in einem $lt^em &u fptelen: toetl enttoeber bie Sompojttion nidjt immer 
mit gehöriger ^e^utfamfeit bagu eingerichtet ift, ober tt>eit ber, tt>elcl)er fie aufr 
führet, röcfyt ^c$ig?eit genug beft^t, ben ?lt£em ju fparen; fo ttriU i$ tyix einige 



26 



VII. äauptftüd. 



(gjempet anführen, au$ welchen man wirb abnehmen formen, be$ wa£ für 9*o* 
ten am fügti<$ften Slt^em fönne genommen werben. fiierauS §ief>e man ftc^ in 
ber <5otge allgemeine Regeln. [74]. 

3. §. ©ie gefd)Wtnbeften 9?oten &on einerlei ©eltung, in einem Stüde, 
muffen tttoaS ungleich gemietet werben; wie fotcfyeS im XL joauptftüde, unb 
beffen 11. §. weitläufiger abge^anbett wirb, welches man ^ierbety nad)lefen wolle. 
ÄierauS flieget bie Sieget, bafj man bm ^em jwif^en einer langen unb 
frühen 9Zote nehmen muffe. Niemals barf e£ nacfy einer fur§en, trietweniger 
na$ ber tet3ten 9Zote im Sacte gefeiten: benn man mag biefetbe aucfy fo fttrj 
ftofjen als man will, fo wirb fie bod) burci) t>a$ $lt|>em|>oten lang. &iert>on 
werben bie Srioten aufgenommen, wenn fie ftufenweife auf ober meberwärtS 
gef>en, unb fe£r gefcfywinb gemietet werben muffen. 93ety biefen erfobert eS 
SfterS bie Siot^wenbigfeit, nad) ber testen 9*ote im Sacte «2ltl)em §u nehmen. 
«Jinbet ft$ aber nur ein Sprung fcon einer Serje, u. b. g. fo fann e£ jwifdjen 
bem Sprunge gefcfye^en. 

4. §. <2Benn ein Stüd mit einer 9Zote im <2lufljeben be$ SacteS anfängt, 
bie '•ZlnfangSnote mag nun bie te^te 9?ote im Sacte fe^n, ober e$ mag »or ber* 
fetben nod? eine ^Jaufe im 9Zieberfd)tage fte^en: ober Wenn eine Gabens gemacht 
worben, unb fxty ein neuer ©ebanfe [anfängt: fo muf man be$ 5öieber|)otung 
beS Joauptfa^eS, ober be^m anfange beS neuen ©ebanfen, t>or|>er 'Sltfjem £oten, 
bamit bie (Snbigung beS vorigen, unb ber Qlnfang be$ folgenben, t)on einanber 
gefonbert werben. 

5. §. £>at man eine 9?ote t>on einem ober me|>r Sacten anhalten, fo 
fann man sor ber |>attenben 9tote Slt^em £oten, wenn aufy gleich eine furje 
9fote t)or$er ge^t. <2Benn an biefelbe lange Sftote nocty ein «Sldjttljeit gebunben 
iff, unb auf biefeS §we^ Sedföe^mteite, unb wieber eine gebunbene 9iote folgen, 
f. Qab. V. ^ig. 16, fo fann man au$ bem erften 2l^tt^eite jwei Se^s^nt^eite 



Sab. V. 



ffifl. 17. 



Wg. 18. 



i 1 1 wm 



£ 



bod? auf tUxt bemfelben Sone, machen, f. Sab. V. <5tg. 17, unb gwif^en Un= 
fetben ben ^em nehmen. 9luf gleiche 5lrt fann man bfy allen gebunbenen 
9*oten, (fiigaturen), fte mögen 93iert|)eite, Slc^ttfjeite, ober ee^se^eile fe^n, 
fo oft e$ nöt^ig ift, *>erfaf>ren. folget aber auf biefe <23inbung nad) ber falben 
SKote, weiter feine anbere me|>r, f. 3% 18, fo fann man nad) ber, an bie lange 
gebunbenen 9*ote, ^tfjem |>oten, o|me fte in swo 9loten p jert^eilen. [75]. 

6. §. Uta lange ^affagien su fielen, ift nötfrig, ba% man einen guten 
93orrat|> t>on ^em langfam in fx$ jte^e. 90Zan mu^ ju bem €nbe ben S>aU 



Q3om 3tt$em$o(en, be$ $lu$übung ber filött. 27 

unb bie 'Sruft n>ctt au$be£nen, bie Steffeln in bic «&i$e stehen, ben «2lt|)em in 
ber 93ruft, fo t>iet als möglich tft, aufspalten fucfyen, imb i$n alSbenn gan§ 
fparfam in bic ^löte blafen. ^inbet man fvfy aber benno<$ genötfnget, gtpifc^en 
gef<$ttnnbett ^oten ^em su £olen: fo mufi man bie 9iote, nac^ freierer e$ 
gef<$e£en fott, fe^r Jur§ machen, ben ^em in ber ©efdj>tt>inbigteit nur biß an 
bie ©urget gießen, unb bie fotgenben jtoo ober brety 9*oten ettoaS übereilen: 
bamit ber Sact nicfyt aufgehalten tt>erbe, unb auä) feine 9Zote fcerto^ren ge^e. 
©lautet man aber im 93orauS, nicfyt im Staube ju fe$n, bie ^affagie in einem 
<Ht£em auS§uf|rieten, fo fyut man too^t, toenn man gl nicfyt aufg auf erfte an- 
kommen täfjt, fonbern bety 3eiten mit 93ort|>ett 2lt£em $olet ©emt ie öfter 
man in ber ©efc^tmnbigteit *2lt^em nimmt, ie unbequemer nrirb berfelbe, unb ie 
weniger tyitft er. 

7. §. — 9. §. [QBeitere te^>nifcf>e 9*atfä)täge betrefft beS 2lt$em$ofen*. 93etfi>iefeJ 
10. §. q&mn e£ ber 9?aum ertaubete, serbienete biefe Materie t>om 
Vlfymfyokn M$(, mit nod) meiern (Stempeln erläutert gu werben: tt>eit fo 
tt>o^t [76] Sänger als 93ta$inftrumentiften gerinne fo f>äupge ^ler begeben, 
allein, tt>er toottte alle ffälle beftimmen, too man öftere mit einem <2tt|>em nicfyt 
fo lange anhalten tann, aU tß toofrt fetyn foHte. ©ie Slrfad>en bat>on finb fo 
fcerfdjieben, bafj tß mcfyt atlemat möglich ift 31s fagen, ob ber dompomft, ober 
ber ^lugfityrer, ober ber Ort tt>o man fingt ober ftrietet, ober bie Swdjt, toetcfye 
eine ^etlemmung ber 33ruft serurfacfyet, Scfyutb bavan fe^n, baf* man xtxfyt 
allemal ben ^em p rechter 3cit nehmen lann. 60 t>iet ift gettrifj, ba% man, 
toenn man t>or fxd) allein fmgt ober ftrietet, jum toenigften tto nic^t jtoe^mat 
bod) nod) einmal fo öiet in einem ^tfjem ^erauS bringen lann, at£ n>enn man 
in ©egentoart Dieter 3u|>ärer fingen ober fpielen mufj. 3m letztem 9alle ift 
e$ nun nöt^ig, ba% man ft<$ alter mögti^en Äunftgriffe §u bebienen toiffe, toetc^e 
nur immer bie einfielt in bie ^uSfüijrunggfunft ^ier barreicfyet. 9ftan bemühe 
fxd) atfo, t>ollfommen einfe^en unb begreifen §u lernen, tt>a^ einen mufilalif^en 
6inn au^ma^e, unb folglich sufammen Rängen muffe. SD^an l)üte fi<^ eben fo 
forgfättig, baS mß sufammen gehöret, 3U zertrennen , at§ man ftc^ in tyityt 
nehmen muf , baß n>a^ me£r at^ einen 6inn in ftd) begreift, unb fotgti^ t>on 
einanber abpfonbem ift, fettentt>ei^ sufammen ju Mengen: benn hierauf 
fömmt ein großer S^eit beö toa^ren SluSbrudS in ber ^u^fü^rung, an. ©ie- 
jenigen Sänger unb ^taöinftrumentiften, toelcfye nid)t fä^ig ftnb bm Sinn btß 
ßomponiften einjufe^en, (berer giebt eS aber eine grof e 99?enge,) ftnb immer ber 
@efa|>r auSgefe^et, ^ier ^ter gu begeben, unb i^re Sd)toä^e 5U t)errat|)en. 
£leber$aupt aber ^aben bie Seipteninftrumentiften, in biefem Stütfe, einen großen 
93ortf>ett fcor \tnm oorauö, tt>ofern fte ft$ nur nacl) ber oben erfoberten (Einfielt 
beftreben, unb ft(^ burefy bie f^lec^ten ^Sepfpietc bererjenigen, bie alles, o|)ne 
Hnterf^ieb, auf eine te^ernbe 5lrt sufammen Mengen, nicfyt »erführen laffen toolten. 



28 VIII. Jöauptfiücf. 



®a£ VIII. $>anptftüd+ 

<33ott ben ^orf^iägen, unh ben bagu gehörige« 

llemen toefetttßdjett Sanieren* [77] 

1. §. ©ie <33orf erläge (3tat. appoggiature, ffrons. ports de voix) finb 
im Gerieten fo roo^l ein 3ierratf>, aU eine notJjtoenbige eadje. Ö^ne btefelben 
toürbe eine 9JMobie öfters fe$r mager unb einfältig Äingen. Soll eine 9Kelobie 
galant ausfegen, fo lommen immer me^r Gonfonanjen als ©ifionansen barinne 
*>or. ^enn ber erftero iriete nad? einanber gefe^et werben, unb na<$ einigen 
gefdjttrinben 9ioten eine confonirenbe lange folget: fo lann t>a& ©e£ör babur<$ 
lei^t ermübet werben. ©ie ©tffonan&en muffen eS alfo bann unb toamt gleich 
fam lieber aufmuntern. Äierju nun fönnen bie <23orfd)läge triel beitragen, n>ett 
fte, tt>emt fte sor ber $erse ober 6e$te t>om ©runbtone an geregnet, fielen, pdj 
in ©iffonansen, att Quarten unb Septimen aertoanbeln, bur$ bie folgenbe 9^ote 
aber, i^re gehörige 'Sluflöfuug bekommen. 

2. §. Sie werben burd? gan§ Heine VlMfym angebeutet, um fte mit t>m 
orbentlidjen 9*oten nxdjt su öerttrirren, unb belommen tyre ©eltung x>on bm 
gjoten t>or benen fte ftefjen. <£$ liegt aUn nic^t öiet brau, ob fle me^r als ein- 
mal, ober gar nid)t gefc&toänset ftnb. ©od» toerben fte me^rent^ette nur einmal 
gelänget, ©ie jtoe^mat gefefytoänseten pfleget man nur sor folgen 9loten 
ju gebrauten, benen an i^rem 3eitmaa# e nichts abgebrochen werben barf. 3. (t 
93e^ j»)0 ober me^r langen 9ioten, fte mögen 93iert^eite ober ^atbe Sacte fe^n, 
toenn jte auf einerlei £one sorfornmen, f. Zab. VI. <5ig. 25, 

Sig. 25. 



werben biefe «einen anomal gefdjtpänjeten 9*oten, jte mögen t>on unten ober 
*>on oben p nehmen fepn, gang Iura auggebrüdet, unb anftatt ber Äauptnoten 
im ^ieberfc^tage angefto^en, u. b. m. [*)]. 

3. §. ©ie QSorf^täge ftnb eine <2luf£attung ber vorigen 9lote. 9#an 
lann fte alfo, na<$ <Befinben ber Stelle too bie vorige STCote fte^t, fott>ol;t öon 

[*) QUfo tt>ie bie fpäteren bur$ftrid)enen SSorfctyläge.] 



=8on ben «Botfötägen unb ben baju gehörigen «einen wefentti^en Sanieren. 

[78] oben, al$ »on unten nehmen, f. Sab. VI. Sig. 1. unb 2. 

gig. l. Stg- 2. 



29 



§ % ii i h 



<2Senn bie »orbergebenbe 9tote um eine ober gwo 6tufen böber ftebt, aU bie 
fotgenbe, »or wetzet fö ber 93orfcbtag befmbet: fo wirb bec 93orfcblag »on 
oben angenommen, f. Qäb. VI. <5ig. 3. 

$»g. 3. 



f^trtni 



ettfyt aber bie &o$ergef>enbe 9iote tiefet att Die fotgenbe: fo mu£ au$ ber 
93orf$tag *>on unten genommen werben, f. <5tg. 4, 



i 



i 



unb wirb mebrentbeitS jur Slone, welcbe ftc& in bie Serje, ober S ur Quarte, 
wet^e ftd^ in bie Quinte über f«b, auflöfet. 

4. §. 9ftan mu§ bie <23orf3>täge mit ber 3unge wetcb anftofen, unb wenn 
eS bie Seit erlaubet, an ber 6tärfe bed Soneä warfen taffen, bie fotgenbe 9iote 
aber ttnat fcbwacber bran fcbteifen. ©iefe Slrt ber Sanierungen wirb ber 
2li>ä«9 genennet, unb fyat »on ben 3tatiänern ibren Strfprung. 

5. §. <£S giebt jweöerte^ Wirten ber 93orf<$täge. einige werben als an- 
fcbtagenbe 9*oten, ober im 9tteberfcblage, anbere att bur<^gebenbe 9*oten, ober 
im Slufbeben beS SacteS angeflogen. SKan tonnte bie erften: anf$lagetl&e, 
bie anbern aber: fcurcfygetyettbe 33orf$töge benennen. 

6. §. ©ie bur^gebenben 93orf^Iäge finben ft^, wenn einige Sftoten »on 
einerteö ©ettung burc& Sersenfprünge unter ft<$ ge^en, f. Sab. VI. [*)] 5ig. 5. 

ffig. 5. 




6ie werben im 6»ieten auggebrMet wie bei? «Jig. 6 




[*) 3m Original fätf#K$ Sab. IV.] 



30 



VIII. Äauptftüd. 



ja fe^en ift. 3)ie ^uncte werben lange gehalten, unb bte 9fa>ten wo ber SSogen 
anfängt, nämtiefy bie stt^te, vierte unb fechte, werben angeflogen. Sfflan mu# 
biefe *2lrt nicfyt mit btnm 9Zoten vewecfyfetn, too hinter ber §tt>e9ten ein tyuxxtt 
fte^t, unb welche faft eben biefetbe SDtaobie auSbrüden, f. <5ig. 7. 

ffifl. 7. _ 



i 



U ' ü- fJ' H 



3n biefer ^igur fommen bie g^e^te, vierte, unb bie folgenben fttrjen 9Zoten, 
,at$ SMffbnangen gegen hm Sßafy, in ben 9tteberftf>lag; fte werben im Spielen 
aufy fre$ unb lebhaft vorgetragen: ba hingegen bie Q3orf(^täge, wovon £ier bie 
9?ebe ift, einen fcE)meicfyetnben %*£brutf »erlangen. QBotlfe man nun bie Keinen 
9ioten be$ ^ig. 5. lang machen, unb in ber 3eit ber folgenben Joauptnote an- 
ftofjen: fo würbe babuxfy ber ©efang ganj veränbert werben, unb fo Hingen, 
wie bfy <5ig. 8. 

ffig- 8. _ 



I 



ff 






3U erfeljen ift. ©iefc* würbe aber ber franjöftfdjen Spielart, au$ welcher biefe 
gjorf^täge ijerftammen, unb fotgti^ bem Sinne tyrer (frfinber, welker in biefem 
Stade einen faft allgemeinen ^etyfaH erhalten §at, pwtber fe$n. OefterS 
finben f«$ aud) sweene 93orfd)täge vor einer 9*ote, ba ber erfte bur<$ [79] eine 
Heine, ber anbere aber burd) eine mit pm Sacte gerechnete 9lote ausgebrütet 
wirb [*)], bergteic^en be$ ben ©nfc^nitten vorlommen, f. $%" 9. 



ffig. 9. 



i 



fe 



JU 



^ 



®ie Heine 9*ote wirb atfo ebenfalls tnvh angeftofjen, un b in bie 3eit ber vorigen 
9Zote im $luf|>eben pluftaft] geregnet. SD^an fpielet bie 9ioten be$ <5ig. 9. fo, 
tt>ie be^ ^ig. 10. 

Wo. io. 




5U erfe^en ift. 

7. §. <2lnfd)lagenbe, ober in bm 9iteberfcl)tag treffenbe 93orf$täge, ftnbet 
man vor einer langen 9?ote im 9fteberfd)tage, bie auf eine Htrse im 2luf|)eben 



[*) Keffer: S3or$aIt mit 93orf#lag.] 



93on ben 93orf erlägen unb ben t>a&x gehörigen f leinen wefentli^en Sanieren. 31 
folget, f. Sab. VI. ffig. 11. 
ffig. 11. 



i 



fÄ 



j-r r i J e-i-n 



ioier toirb ber 93orfcl)tag £alb fo lange gehalten, als i>ie barauf folgenbe &aupt= 
note, unb ttrirb gemietet, lote bety ^tg- 12. 

ffig. 12. 



i 



m 



m 



$ 



§u erfe^jen tft. 

8. §. Ste£t ein gurtet be$ ber burd) ben Q3orfd)lag au^usierenben 9Zote, 
fo t^ettet fte ftd) in bre$ Steile, ©aoon befömmt ber 93orf<$tag gtoeene Steile, 
bie 9lote felbft aber hur einen $f>eil, nämlidj fo triet als ber ^unet aufträgt 
®ie 9ioten bep <5ig. 13. toerben folglich gemietet, tote be$ $ig. 14. 



ffig. 13. 



i 



5i9- w._ 



5 



£ 



=£ 



£ 



5U erfe|>en ift ©iefe, unb bie im vorigen §. gegebene Regeln, fmb altgemein, 
bie 9ioten mögen fe^n oon toetdjer $lrt fte toollen, unb bie «Borfctyläge mögen 
lj>ö|>er ober tiefer ftefjen, als bie barauf folgenben 9loten. 

9. §. SBenn im Se$$a$tt|>eil* ober Sec^triert^etttacte, 5100 9£oten auf 
einem Sone an einanber gebunben ftnb, unb bie erfte einen ^unet hinter fxd) 
§at, nrie im [m] ©iquen oorfömmt: fo toerben bie 93orfcf)täge fo lange gehalten, 
als bie erfte 9?ote mit bem ^unete gilt, f. <Jig. 15. unb 17. 6ie toerben ge- 
mietet nrie bei <5ig. 16. unb 18. 



ffig. 15. 



^^ 



fftg. 16. 



Wo- 1 

Ol 



Wo. 18. 



^w ^itt^v\ \ \y\^)\^MyQ'^ ^ 



fc 



fc- : 



3u erfef>en ift, unb gef>en atfo oon ber vorigen 9*egel ab. SOfan $at in 51«. 
fefmng biefer Q3orf^läge, biefe Sactarten nic^t als ungeraben, fonbern kä geraben 
Sact anjufe^en. 

10. §. «JBenn über 9ioten, fo gegen bie ©runbftimme ©iflonanjen machen, 
e$ mag bie übermäßige Quarte, ober bie fatfcfye (b. &. öermmberte] Quinte, ober 
bie Septime, ober bie Secunbe fepn, dritter fte^en, f. <5ig. 19. 20. 21. 22, 



32 



VIII. äauptftücf. 



Wö- 19. 



ffig. 20, 



fftg. 22. 




fo mu# ber QSorfc^tag t>or bem dritter gans fürs fetytV um ni$t bie ©iffonansen 
in Sonfonansen 51t öerwanbetn. 3. €. man Riefte be$ <5ig. 21. ben QJorfc^tag 
21 £atb fo lange, at£ bag barauf folgenbe ©ig mit bem Triller: fo würbe man 
anstatt ber Septime <5 $u ©te, bie Se^te <5 §u % unb fotgti<$ feine ©tffbnans 
mef>r |>ören, wetdjeS man aber, um md)t bie Scfybn* [80] £eit unb Slnnetymlic^ 
feit ber Joarmonie su »erberben, fo triet at§ mßglt^> ift, sermeiben mu£. 

II* S» ffolfltf uad) einer 9iote eine ^aufe, fo befämmt ber QSorfcfytag, 
wenn eS anberö bie 9?o4wenbtgfett be$ 2lt£em£oten3 nifyt serfrinbert, bie 3eit 
t>on ber 9?ote, bie 9lote aber bie Seit t>on ber ^aufe. ©ie bre$ Wirten 9ioten 
be$ <5ig. 23., werben atfo gemietet, wie bety <5ig. 24. in ber <5otge 



ffig. 23. 



$ig. 24. 



I - 1 g 1 1 m pw^j 1 jj 1 ij*) 11 



ju fe^en ift. 

12. §. <£g ift nitf)t genug, bie <23orfcl»läge in ifjrer 3lrt unb <£int£eitung 
ftrielen ju fönnen, wenn fte t>orgesei<$net ftnb. 90ian mu% aud) fetbige an if>ren 
Ort su fe§en wiffen, wenn fte ni$t getrieben jtnb. Um fotc^eS $x erlernen, 
neunte man biefeg %uv 9?eget: 5öenn na<$ einer, ober etlichen fttrgen 9ioten, 
im 9iieberf$lage, ober 2luff)eben be$ $acte$, eine lange 9tote folget, unb in 
confonirenber Äarmonie liegen bleibt, fo mu% »or ber langen, um bm gefälligen 
©efang beftänbig su unterhalten, ein QSorf^tag gemacht werben, ©ie *>or|>er* 
ge^enbe 9fa>te wirb seigen, ob er t>on oben ober unten genommen werben muffe. 

13. §. 3$ will ein Hein (Stempel geben, welches bie meiften Wirten ber 
<23orfcl)täge in ft<$ f>ätt, f. <5ig. 26. 




93on fcen 93orf$lägen unb bcn bagu gehörigen Keinen toefentfid&en Sanieren. 33 




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EtETtfl 



<2öitt man ft$ öon ber ^ot^toenbigfeit, unb ber guten 'SJitfung ber 93orf^)täge 
überzeugen, fo fpiete man biefeS (Stempel erfttid) mit btn ttabfy fcefinblic^en 
^orfcfyfägen, ^ewaefy o^ne biefelben. 2[ftan tx>irb ben Hnterfd)ieb beS ©eftymad e3 
fe£>r beuttief) tvafyvntfymm. 3ugtei$ ttrirb man au3 biefem Sjempet erfe^en, baf* 
bie QSorfc^läge meiftent|)etf3 t>or folgen 9ioten fte^en, toetcfye gefetyttrinbere 9loten 
entoeber t>or, ober nad> ftd) £aben: unb $>a% auefy, bct> bem größten Steile ber 
Triller, Q3orfd)täge erfobert werben. [*)] 

14. §. SiuS bm Q3orf erlägen fliegen nod) einige anbere Keine Justierungen, 
biefe finb: ber ^alfee 5triKer f. Qab. VI. £ig. 27. unb 28, baS Pinc<§, (ber 



Wg. 31. 




Vorbaut) f. Qig. 29. unb 30, unb baS Doublt ober ber ®Oppe(fd)lag, f. 9ig. 31. 
n>eW)e in ber fransöftfcfyen Qpktavt, um ein Gtütf brillant gu fielen, übticl) finb. 



[*) S)a3 93eifpiet würbe alfo au^ufü&ren fein: 




34 



VIII. ÄauptfKW. 



©ie Ratten dritter ftnb x>on swe^erle^ Art, f. ©ig. 27. unb 28. unb IStmen 
anffatt be$ ftmpetn Abzugs ben <23orfd>tägen t>on oben ange^enget werben, ©ie 
Pincez ftnb gleichfalls [81] swepertep, fic fönnen, fb wie bie Doublez, ben 2Jor- 
fd>lägen &on unten ange^enget werben. 

15. §. ©ie battemens, f. ©ig. 32. unb 33. 



ffig. 32. 




lönnen be$ fpringenben 9Zoten, wo leine ^orfc^täge ftatt ftnben, angebracht 
werben, um bie 9Joten lebhaft unb fd)tmmemb (brillant) ju machen. ®a$ erfte 
traf auf ber ©löte burd) einen Schlag mit bem Ringer, unb einen Stof* ber 
3unge sugteiefy, gefcfye^en, unb fann fowofrt bep gef<$winben als langfamen 
S^oten angebra^t werben. ©a3 anbere fcfyidet fxä) beffer ju etwas langfamen, 
aU su gef<$winben 9*oten: bod) muffen bie bretygefc^ wandten 9^oten in ber 
größten ©ef<$winbtgfeit gemacht werben: weswegen man ben Ringer nidjt £ocfy 
aufgeben barf. 

16. §. ©iefe Musterungen ober Sanieren, welche td) im 14. unb 15. §. 
betrieben £abe, bienen, nad? SSefcfyaffen^eit eineS StüdeS jur Aufmunterung 
unb ©röpdjfeit: bie ftmpeln 93orfd)läge hingegen, pr (Erweisung unb Sraurig« 
leit 3öett nun bie 9Äufrf bie fieibenfe^aften balb erregen, balb wieber füllen 
fotl, fo errettet barauS ber 9tu$en unb bie 9*ot£wenbtgfeit biefer SKanieren, 
bfy einem natürlichen ffmpetn ©efange. 

17. §. SBitl man nun tiefe im 14. unb 15. §. betriebenen Sanieren, 
bep bem (Stempel Qab. VI. ©ig. 26. mit Un puren 93orfd^tägen untermif<$en, 
unb nad) iljnen anbringen: fo tarnt eS bety benen 9Zoten, worüber bie SSud)» 
ftaben fteljen, na$ fotgenber Anleitung gefeiten, ©ie SOianier be$ ©ig. 27. 
fann Ut) ben 9*oten unter (c) (d) (f) (i) unb (n) angebracht werben, ©ie be$ 
©ig. 28. flieget ftd) unter bie 9tote (k). ©ie be^ ©ig. 29. ma^e man be$ 
bm Sftoten unter (g) unb (m). ©ie be$ ©ig. 30. laffe man hfy (e), bie be^ 
©ig. 31. aber, be^ (b) £ören. ©ie be$ ©ig. 32. !ann man bm 9*oten unter 
(a) unb (I), unb bie be$ ©ig. "33. ber 9Zote unter (h) jugefetlen. <I# *>erfte|>t 
f\§ öon fetbft, ba% bie Sanieren an jebem Orte in btn Son serfe^et werben 
muffen, wetzen bie 93orfd)täge ju ernennen geben. [*)] 



[*) §>etnna$ geftattet ft$ ber Q3ortrag nunmehr fotgenbermafen: 

a) 32. b) 31. c) 27. 



d) 27. 



Sßm fcen Q3orf$*ägen unb ben bc^u gehörigen fteinen tt>efenttt$en Sanieren. 35 

18. §. <23e£ biefer <23ermifct)ung ber fxmpdn <33orf erläge mit i>en Keinen 
SWameren, ober frangöfifcfjen ^ropr etat en, ttrirb man fmben, baf ber ©efang 
buxd) bie ledern t>iel lebhafter unb fdnmmernber nnrb, al$ o|me biefetben. Wart 
mu^ nur biefe QSermifdmng mit einer vernünftigen 'Seur* [82] Teilung unter- 
nehmen, ©enn hiervon |>ängt ein anfe^nttetjer ^eil be3 guten Vortrages ab. 

19. §. ©nige begeben, fo n>ie mit ben ttrilKü£rtid)en Sanierungen, atfo and) 
mit tf<tn £ier befd)riebenen ^orfc^tägen, unb übrigen tt>efentli<$en Sanieren, triet 
3RiSbraud). Sie {äffen, fo p fagen, faft feine 9*ote, too eS nur irgenb bie 
Seit, ober i^re Ringer geftatten, o^ne 3ufa$ |)ören. Sie machen ben ©efang 
entn>eber bur$ überhäufte <23orfd)Iäge unb Slbgüge ju matt, ober bur<$ einen 
iteberflufj fron gangen unb falben drittem, SRorbanten, ©oppetfeftfägen, hatte- 
mens, u. b. gl. ju bunt Sie bringen biefelben öftere bfy 9?oten an, toobe^ 
boef) ein nur £atb gefunbeS mufBaUfd^eS @e£ßr begreift, ba£ fte fid) nid)t £in= 
fdjiden. Aat ettoan ein berühmter Sänger, in einem fianbe, eine me£r al£ ge- 
meine 2tane$mK$feit be^ Anbringung ber <23orfcpige: ©leid) fängt bie Joätfte 
ber Sänger feiner Nation an ju beulen, unb auty ben leb^afieften Stüden, 
bur<$ tyv abgefd>ma<Jte$ geße^Hagen, ba£ Seuer m benehmen: unb £ierburcf> 
glauben fte. ben 93erbienften jenes berühmten SängerS na£e §u Jommen, tt>o I 
nicf)t gar, fte jit übertreffen, fS ift tta^r, bie oben betriebenen Sierrat^en j 
jtnb gum guten Vortrage ^öc^ftnöt^tg. ©effen ungeachtet muf man bo<$ fpar» ] 
fam mit iljnen umgeben, toenn man be$ ©uten nicf)t §u viel t^un ttrilt. ©ie | 
rarefte unb fc^maef^aftefte Steife machet un$ ©fei, toenn ttrir tfjrer ju t>xel ge- 
nießen muffen. <S.bm fo ge^t e3 mit t>m Äußerungen in ber SDlufH, toenn 
man mit benfeiben p *>erfd)tt>enberif<$ umgebt, unb ba$ ©e|)ör m überfcfmtten 
fud>et (Ein prächtiger, erhabener unb lebhafter ©efang, lann burcl) übel ange- 



e) 30. 



27. 




9ta$ Quan$ (f. ftäter 14. Sauptftütf . § 2) ift bieg auf foltf&e SBeife »edierte ^3eift>icl ein 
dufter für ben frangöftfc&en 2tbagiot>ortrag.] 



3* 



36 



IX. Äaiqrtftücf. 



brachte 93orfcfyläge niebrig unb einfältig^ ein trauriger unb järtticfyer ©efang 
hingegen, burd) überhäufte dritter unb anbere Keine Sanieren §u luftig unb 
p frecf) gemattet, unb bie t>ernünftige ©enfart be3 dompontften t>erftümmelt 
derben. iöierauS nun ift gu eiferen, ba% bk Musterungen fotto^t ein Stüd:, 
tt>o eg nßt|>ig ift, »erbeffern, als aud>, toenn fie §ur llngeit fommen, t>erfcfytimmem 
lonnen. diejenigen, tt>elc£;e fxfy ben guten ©efd)ma<S gtoar toünfc^en, i£n aber 
nid?t befi^en, falten am teid)teften in biefe3 93erfel)en. £lu£ Mangel ber järt- 
tidjen (Smpfmbung, tsiffen fte mit btm fimpeln ©efange nid)t um§uge£en. ileber 
ber eblen Sinfatt toirb xfynm, fo gu fagen, bie 3eit gu lang. 3Ber nun ber-- 
gleicfyen gelter mcfyt begeben ttritl, ber getoötpne ftd) itp Seiten, toeber §u ftmpel, 
nod> 51t bunt, $u fingen ober §u fielen, fonbern ba£ Simple mit bem brillanten 
immer p oermifcfyen. 9)2it ben [83] Keinen Musterungen ge|>e er um, toie man 
mit bem ©etoürge bep ben Speifen §u tfmn pfleget, unb ne£me bm f an {eber 
Stelle f>errfd)enben Effect, ju feiner 9?td)tfcl)nur: fo toirb er toeber ju *riel no$ 
p tpenig fyun, unb niemals eine £eibenfcl)aft in bie anbere t>ern>anbetn. 



mBl? L* ;2 L* ,? :?}?:?:? ,k? )*..* :V ?V)y tfi* 



©a£ IX. S>auptftit<l 

Q5on bm drittem. 



I 



I 



1. §. ©ie Triller geben bem Spielen einen groffen ©lang, unb finb, fo 
n>ie bie Q3orfd)läge, unentbehrlich <2öenn ein Snftrumentift, ober Sänger, alle 
©efd^flicfyfeit befäfje, freiere ber gute ®efd)ma<S in ber MuSfü^rung erfobert, 
er iönnte aber feinen guten dritter f erlagen: fo ttnirbe feine gan^e ^unft un-- 
fcollfommen fetyn. ©em einen fömmt t;ierinne bie 9^atur ju ftatten: ber anbere 
muf bm SriUer burd) bieten Steif* erlernen. 9Jian$em gelingt er mit allen 
Singern: manchem nur mit ettid>en: unb mandjtm bleibt ber Triller 3eitteben£ 
ein Stein be3 MnftofjeS, tt>etd;e$ oermut^tid) mefjr t>on ber 95ef^affen^eit ber 
Heroen, at3 t>on bem ^Bitten be£ 9Kenfd>en abfängt ^an tarn aber burd) 
Steif trieteS baxan erfe^en unb serbefjem: tt>enn man nur nid)t wartet, ob ber 
Triller t>on ftd> felbft fommen tootte, fonbern bei 3eiten, toenn bie Ringer nod> 
im ^Bad^ume ftnb, bie gehörige 9EJii$e antoenbet, unb benfetben §ur 930H- 
fommen^eit gu bringen fud>et 

2. §. 9ü$t alle Sritter bürfen in einerlei ©efd^ttrinbigfeit gefd)tagen 
werben: fonbern man mufj fid) gerinne fo too^t nad> bem Orte tt?o man fpietet, 



93on *>eti drittem. 37 

als nad) ber Sadje fettff, t)ie man auszuführen $<rt, rieten. Spielet man an 
einem großen Orte, |tt>o eS fe|>r fraßet, fo toirb ein ettt>a3 tangfamer dritter 
freiere <2ßirfung fyun, atS ein gef<$ttrinber. ®mn burcfy ben ^teberfcfyaß gerät^ 
bie aÜ3ugefd)n>inbe «Setoegung ber Söne in eine QSerttrirrung, unb fotgtict) nrirb 
ber gefd)ttnnbe Srtßer unbeutticfy. Spielet [84] man hingegen in einem flehten 
ober tapegirten Simmer, tt>o bie 3ul;örer na|)e bahfy fielen: fo ttrirb ein ge* 
fd)tt)inber dritter beffer fepn, at$ ein tangfamer. SOfon muf$ ferner gu unter- 
fcfyeiben ttnffen, toaS für Stücfe man fpietet, bamit man nicfyt, tt>ie sriete tt;un, 
eine Sacfye mit ber anbern vermenge. 3n traurigen Stüden mufj ber dritter 
tangfamer, in luftigen aber gefd?ttnnber gefd)tagen werben. 

3. §. SKan mu§ aber bie ßangfamieit unb ©efdjttnnbigfeit gerinne md)t 
aufs äufjerfte treiben, ©er gang tangfame dritter ift nur be$ bm ^rangofen 
im Singen üb tief), er tauget aber ^bm fo tsenig, aU ber gan§ gefcfy ttrinbe 
^ittembe, meieren bie ^rangofen chevrote (medernb) nennen.[*)] SDZan barf pcfy 
nid)t verführen ta^en, toenn auefy einige ber größten unb berü^mteften Sänger 
btn dritter abfonbertid) auf bie teuere 2lrt fdjtügen. SJiancfye galten biefen 
meäemben dritter, au£ £frm>iffenf)eit, tt>o|)t gar für ein befonbereS 93erbienft; 
fte ttriffen aber nicfyt, ba% ein mäfjig gefd)tt>inber unb gteic^fcfytagenber dritter 
$iet feigerer ju erlernen ift, aU ber gan§ gefd)tt>inbe §itternbe, tt>etd>er folglich 
vielmehr für einen S^ter gehalten toerben mufj. 

4. §. ©er ^ergentriKer, ba man anftatt be3 näd)ft über ber Äauptnote 
liegenben SoneS, bie Ser§e anfd)tägt, ob er n>o£t t>or ^tterS üblich tt>ar, auefy 
fymt p Sage noefy bety einigen itatiänifcfyen 93iotiniften unb Äoboiften SÖlobe ift, 
barf bennoefy, tt>eber im Singen, noc^ auf 3nftrumenten, (eS müf?te benn bie 
Sacfpfeife fe^n) gebrauchet derben, ©enn ein jeber Srißer barf nic^t me|>r at£ 
ben 9?aum von einem gangen ober t;alben Sone einnehmen, nad)bem e$ nämtid) 
bie Sonart, unb bie 9tote t>on n>etdj>er ber Srißer feinen Urfprung nimmt, er» 
fobert. 

5. §. Soll ber dritter recfyt fd)ön fetyn, fo muf er egal, ober in einer 
gleichen, unb babep mäßigen ©efd)nrinbigfeit, gef^tagen toerben. "üluf 3nftru» 
menten nutzen belegen bie Ringer bep feinem Schlage f)5|>er, at£ bety bem 
anbern aufgehoben werben. 

6. §. ©ie redete ©efcfyttrinbigfeit etneS orbenttid)en guten SrtßerS genau 
ju bestimmen, bürfte tt>o|>t ettoaS ferner faßen. ©od) glaube tefy, ba% e§ toeber 
ju langfam nod^ gu gef^toinb fe^n n>ürbe, tt)enn man einen langen Srißer, 
ber sum Scfyluf e vorbereitet, fo fd^lüge, ba% ber Ringer in ber 3eit [85] eines 
^ulöf^tageö ni<^t t>iel me^r aU t)\tx ^emegungen, unb fotgtiefy aifyt folc^e 
9?oten machte, nrie Qab. VII. 9ig- 1. 



[*) Hnter bem tarnen „SßoäStxiUtv" betannt] 



38 



IX. Äauptftücf. 



P§. L 




SU erfe^en ftnb. 3n gef^wnbeti unb luftigen Qtü&m hingegen, können bie 
ftirjen dritter etttmS gefcfyttrinber gefcfylagen werben. QJlan fatrn |rier ben Ringer, 
in ber Seit eines ^utSfc^tageS, no$ ein-- ober aufs £i$d>fte swe^mat me^r auf- 
geben. ©o<$ ftnbet biefe letztere $lrt nur be$ Jürgen 9Zoten, unb wenn beten 
etliche auf einanber folgen, ftatt 

QBegen ber ©ef$winbig?eit ber dritter überhaupt, Sonnte sunt Heberffufje notf> bemerfet 
werben, ba# man ftd) belegen nac§ ber 5bö$e unb §iefe ber ^öne ju rieten $abe. 
3$ will bie bier Öctaben be£ (Elabic^mbalS jur 9tf$tfdj>nur nehmen, unb glaube, ba§ 
wenn man ttn Triller in ber eingefrorenen Octabe in ber obenbefcfyriebenen ©e» 
f^winbigfeit ftf>lägt, man benfelben in ber swebgeftric^enen Octabe um ttntö gef<$wmbeiv 
in ber ungeftricfyenen aber, um fo m'el langfamer, unb in ber tiefften Öctaoenocfy etwas 
langfamer, als in ber ungeftricfyenen, fotogen fönnte. 3$ f^lüfje ^ierauö nocl) weiter, 
ba% be$ ber SKenf<$enfttmme, ber Sopran ben Triller gefc^winber aU ber Sltt, unb 
ber §enor unb 93aft benfelben, in gehörigem 93er$alte, langfamer als ber Sopran 
unb "211t, fragen fbnnten. ©ie Triller auf ber 93ioline, 33ratf$e, bem 93iolonceH unb 
bem (Sontrabiolon fönnten mit ben trillern ber bier Singftimmen übereinkommen. 
•2luf ber SWte unb bem Jooboe fönnte ber dritter fo gefd&winb gefc^tagen werben, al£ 
u)n ber Sopran fdjlägt, unb ber dritter auf bem 33affon ronnte mit bem Triller beg 
SenorS einerlei ©efcfywinbigteit $aben. 3$ fteße einem jeben fre$, biefe SKepnung 
entweber anjune^men ober su berwerfen. Sollten berglet$en Subtilitäten bon t>m 
wentgften für etwa3 nü^lirf) gehalten werben: fo wirb mir genug fe^n, wenn aucf) nur 
einige wenige, welche einen feinen ©ef$macf, eine reife 93eurt^eilungö!raft, unb biel|(£r* 
fa^rung £aben, mir gerinn nt<$t gan& unb gar entgegen febn werben. 

7. §. 3eber Sriller nimmt &on bem, Joor feiner 9Zote, entweber t>on oben 
ober t>on unten 311 ne^menben, unb im vorigen Sauptftüde erklärten 93orfc§lage, 
feinen Anfang. Sie (fnbigung jebeä SritterS befielt au£ 5W0 Meinen 9?oten, 
fo na<$ ber 9?ote be£ SrillerS folgen, unb bemfelben in gleicher ©efct)Winbigfeit 
ange^enget werben, f. $ab. VII. 8% 2. Sie werben ber 9tad)fe^(ag ge- 
nennet, ©iefer 9*aci)f3)tag wirb bisweilen burd) eigene 9Zoten ausgebrütet, 
f. ffig. 3. ^inbet ftd) aber nur bie ftmpte 9Zote allein, f. <5ig. 4, fo t>erfte£t 
ft<$ fowo^t ber <23or= aU 9?a$fd)tag barunter, weil o^ne biefe ber dritter nxfyt 
öottfommen unb brillant genug fepn würbe. 



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Sig. 3. 
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ffig. 4. 
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X. Äauptftütf. 2Ba£ ein Anfänger ufto. ju beobachten £at 39 

[86] 8. §. ©er 93orfcf)tag be£ SrilterS ift aufteilen eben fo gefd>nrinb, als 
feil übrigen 9^oten, toorauS ber dritter befte^t: 3. <£. tt>enn ein neuer ©ebante, 
nad) einer <paufe, mit einem Sriller anfängt, ©iefer 93orfcl)lag mag aber lang 
ober fur§ fetyn, fo tt>irb er boefy allezeit mit ber 3unge angeftofjen: ber dritter 
nebft feinem 9?ad)fd)tage aber, tt>erben an benfelben gefcfyteifet. 

9, §. — 12. §. [$e$mfcf>e ^Imoeifung, tote beim trillern mit gegriffen falben 
Sonett auf ber Siöte unreine Sntonatton gu oermeiben fei (9, 10). Eingabe empfehlens- 
werter gingerfä^e bei ftlötentrittern. (11, 12.)] [88,] 

13. §. 3Bemt nad) bem dritter ein Sd)tu§ (Sabens) folget, e£ fep in ber 
SDtötte, ober am 6nbe be£ StüdeS: fo ftnbet na$ bem 9}ad>f$lage beS SrißerS, 
t>or ber Sd)tuf note, lein 93orfcfytag me^r ^tatt f abfonberlicfy, tuenn bie 9Zote be£ 
Trillers um eine Stufe £o>r, aW bie S<$tufmote, [89] jteft 3. <£. ^an 
fd)lüge ben dritter über bem §tt>e^geftrid)enen ©, um im £ ju fd)tiefjen, unb 
machte x>or biefer Sd;)tufwote ben 93orfcfylag ©: fo ttmrbe fot^e^ nic^t nur ein* 
fältig Hingen, fonbern man ttmrbe fief) aud) gerinne bem muftfalifd>en ^öbel 
gteid) ftellen: tt)cil biefer S^ter, t>on leinem, ber feinen ©efcfymacf tn£ fitinz 
gebraut §at, begangen ttrirb. 



©a£ X. %aüptftüd+ 

3öa3 ein Anfänger, hfy feiner befonbern Hebung, 
ju beobad)fen l)ai 

1. §. 3d) §abe bereite gefaget, unb toieber^ote e£ frier nod) einmal, baf 
ein Anfänger, ber bie Stöte traserfiere grünbti^ &u erlernen gebeutet, neben 
biefer meiner Antteifung, no$ beS münblid)en unterrichte eines guten 9)tetfter3 
nijtfrig l?abe. ©ie fcfyrifttidje ^Intoeifung geiget tt>of)l einen richtigen 5Beg, toie 
man eine Sadje erlernen foll, fte serbeffert aber bie S^ter nic^t, n>eld>e bei; 
ber Ausübung, abfonbertiefy im anfange, häufig begangen toerben. ©er An- 
fänger felbft ttrirb beren ntcfyt aöejeit getoaf>r, unb n?enn jte nidtf t>on bem 
Sfteifter beftänbig angemerfet tperben, fo toerben fte be$ bem fiernenben jur 
®ett>ofm|>ett, unb enbttd) jur anb^xn 9tatur. <B foftet alSbenn in ber ^otge 
me£r 9EJlü^e unb ^tei§, fxfy be3 SSöfen ttrieber gu entf^lagen, aU baS ®uU 
anjune|)men. <2Bet3 aber ein £ef>rbegieriger fiel) bety feiner befonbern Hebung 
nid)t ju Reifen, \)at er ba$, fo tyn fein SOZeifter gete^ret, enttoeber ni^t recfyt 



40 X. Äauptpütf. 

begriffen, ober gar nrieber sergeffen, wären ettoan, pm Hngtüde, gar bie ©runb= ■ 

fä$e feinet SEfteifterS nid)t richtig: fo tann er ftd) burd? gegenwärtige 2lm&eifun& 

aus feinem 3rt|mme reiffen, unb auf bem regten SBege bleiben. Su bem ftnb 

in einer i&m < 2Btffenfd>aft, bte md>t pur mit bem Q3erftanbe allein gefaffet 

werben tm% fonbern 5U ber aud) bie äuffertidjen Sinne, unb bte ©lieber, ba£ 

irrige beitragen muffen, einige fogenannte Äanbgriffe |>ö$ft nöt|)ig. 

2. §. 3d) will erftlid) baS nott;tt>enbigfte *>on bem, xt>a$ i# größten 
3^eit£ in ben vorigen Äauptftüden toeittäufttg erltäret $abe, $ter in ber Äürje 
tt>teber=[90]f>oten: bamit man fcü$cf mit befto größerer ^equemtidjMt betyfammen 
finben, öfter übertefen, unb atfo befto leichter in3 ©ebäd>tmfi faffen tonnt. 

3. §. — 10. §. [$urse 3Biet>er|)otuttg fcer ttrid)tigften, fceim fflötenftriet $u fce» 
o&ad;ten£>en ted)nifd;cn 9Regetn.] [93] 

11. §. (£$ ift leinem Anfänger ju ratzen, ftd) öor ber Seit mit galanten 
Stüden, ober gar mit bem «Zlbagio einptaffen. ©ie wenigften Öebtjaber ber 
gftuftS erlernten biefeS, fonbern bie meiften fyabm eine 93egierbe t>a anzufangen, 
tt>o anbere aufhören, nämtid) mit doncerten unb Solo, tporinn ba$ *2lbagio mit 
bieten Sanieren, wetdje fte bod) no$ nid)t begreifen, auSge^ieret toirb. Sie 

galten n>o$t benjenigen 3Mfter, melier t;ierinne freigebiger ift atö ein anberer, ' 

für ben beften. Sie gelten aber ^ierburet) etjer hinter fid), als üor ftd), unb 

muffen öfters, wenn fie fid) fd)on »tele 3al;re gemartert |>aben, ttrieber t>on flow, 

nämtid) bie erften ©rünbe gu erlernen, anfangen. £>ätttn fte anfänglich bie ge= 

porige ©ebulb, wetd)e gu biefer 2Biffenf$aft erforbert wirb, fo würben fte in ein 

paar 3al>ren weiter fommen, aU fonft in öieten. 

12. §. ©S ift belegen aud) übet getrau, wenn ein Anfänger, e^e er ffe§ 
nod) eine Sid>er|)ett im Sacte unb im Sftotenlefen auwege gebracht fyat, p# 
öffentlid) Witt f)ören taffen. ©enn bur<$ bie <5urd)t, welche an$ ber [94] Un- 
gewißheit entfte^t, wirb er ftd) xriete <5et;ler angewöhnen, wooon er fid? nid)t fo 
leid)t wieber befreien fann. | 

13. §. 9Zad)bem ftd) nun ein Anfänger eine geraume Seit, auf bie oben 
betriebene $lrt, mit ber 3unge, bm Ringern, unb im Sacte geübet £at, fo 
nefnne er fol^e Stüde öor, bie me^r ftngenb ftnb aU bie obengebad)ten, unb j 
wo ftd) fowofrt 93orfd)täge als Triller anbringen taffen, bamit er einen ©efang 
cantabet unb nouriffant, ba§ ift mit unterhaltener SOZetobie, fpieten lerne. iöterju 
ftnb bie franjöftfcfyen, ober bie in biefem ©efd)tnade gefegten Stüde triet t)or- 
t^eit|)after, als bie itatienifc^en. ©enn bie Stüde im fransöjtfd^en ©ef^made 
ftnb meiftent^eite d>arafteriftret, audj> mit 93orfc^tägen unb trillern fo gefe^et, 
ba§ faft nid)tS met;r, aB toaS ber Componift getrieben ^)at, angebracht toerben 
fann. ^ety ber ^JZuftl na^ itatiänifc^em ©efc^made aber, tt>irb t>iele^ ber < 33ßitC- 
ftyv nnt> <5'äi>iQU\t beffen ber fpietet, übertaffen. 3n biefem «Betrachte ift aud^ 
bie fransöftfd^e Sftuftf, toie fte in i|)rem ftmpetn ©efange mit Sanieren getrieben 



SBaS ein Anfang« be 9 fein« befördern Hebung 5« bcobac&ten bat. 41 

«,,r hte <£affaaien aufnimmt, ffiaoiftber «nb fcbwerer au«3ufübren, 
ift, wenn man "^JWJ Jalianifd/e. Ä ba 5«r <H««fübr«ng ber 
? "$* m °J£ 5 WWW ©eneralbaffe«, «cd, eine ©nficbt in 
fiTomtTiticn rfobS S ba im ©egentbeil biefetbe 8 «r italiänifd>en gd,| 

?Ä2el «nb Cden Ät S rben, «m bem 2l««fübrer bie *ctf« 8 « 

StaL WM einem Anfänger nicbt 5" ratben, ftd, »or ber 84 eb er nod> 
ffijffi ber Harmonie erlanget bat, mit 60I0 nad) bemjtattamfd>en 
SS^Ä »ofern « « «^ W « * inem ***«*«"« » mbW * 

"* f U §\ nebme atfo, nad) ber im »orige« §. gegebener«] ttttriftej ,WJJ 
«n«aearbeitete, «nb »on grünblid)en ^elftem «erfertigte ©netten unb Srto, M- 
S Sn »orlommen, 5 «< Hebnng »or, «nb balte fid, eme geranme 3* 
Stt 2f« ™*> ibm 5 um ^otentefen, j« Äattmtg be» «acte«, «fj 
Sauftref febr bienlicb fett« <Dor 5 üglid> will id) SelemattttS, tm fran 5 oftfd>en 

feSgeTba? sofern man ibrer, meit [95] ffe nid>t ta «ujfte ge^en JtaJ, 
TaS »erben tarnt, 5« biefer ileb«ng »orfcblagen. « fd^etnt gm» *e fj- 
!SL aSitete Wt[* ], «nb befonber« bie S«gen, i#ger Seit, fott>obl 

s;. oi*f P rttätet *« fett«, »ielletcbt t»eil nur »emge ben <2öettb «nb »en Jcunen 

ÄS « Jan« »ielmeb* »erfd)ert fe* ba* ibm biefe ^em«b«ng p 
S SsS ^ortbeile gereichen merbe. Senn Mb »ernünfttger SKufir«« 
tTlä«a«e« baTbie g«te fogertannte gearbeitete Stopt eine« »on ben &««bt= 

SttTnatürliL «nb an ftd> gnten ©efang g«t »orä«tragen, «nb nod) ferner 
ri&rben i babne ^a« lernet a«cb bierb«rd) beöm erften 2lnblt«Je 
L^fTber wie man Taget, t>om statte (ä livre ouvert) fielen: tt>o 5 « em 
anfem Ä t^Ä melobibfe Stüde, f« ba« ©ebacbtni^ W f«ffen 
ÄtS gelangen, fonbern lange Sett ein 6«a e be« Ql««toe«btg= 
^«Verbleiben rL. &n ^btenift ^at s«mal weniger ©elegm^ »om 
«S! Melen w lernen, al« ein anberer 3nftr«mentift: benn bte Stofe »trb, 
Se b £ ml 7m Solo, «nb p eoneertirenben, ai« ä u Wenftimmen ge= 
iSTotiT* P i-Ä «ofern er bie ©eiegen^eit bar 5 « babe« 
ST«4 be» öffentlichen Wb^m bie cRipienftimmen mit 5« freien. 



P) ®a« ©egentett ber „galanten" =Kui«J 



42 & fiauptftfid. 

15. 6. <23e» SluSübung ber ©netten, Srio, u. b. S t wirb einem Anfänger 
febr nüi>tid> fmwam er toecbfetötoeife batb bie erfte, batb bie »togte ©ttmme 
SwT^J* We 5t»epte Stimme lernet er «icbt nur, toegen ber 3«M^ 
lern «ortrage feine« SReifierS am beften nacb 5 «abmen, fonbertt er geebnet f£ 
aud) nicht an ba* SluSmenbigternen, welche« am 9totentefen btnberltd? tft. <Lr 
2 b«?©ebör beftänbig auf MeU fo mit ibm fpiete«, befonber* a« bte ©ru *• 
Sme rtcbten, Jburcb er bie Äarmonie, ben **. unb }* 9a*** ber 
Sone befto letzter wirb erlernen tonnen. <2Bofern er aber btefeS »erabfaumet, 
bleibt fein Spielen attejeit mangelbaft. 

16 § €« wirb einem Anfänger ein großer 93ortbetl sumacbfen, wenn er 
ftcb in ben Magien bie Strien ber Sranöpofttionen, in wetzen ein «act trot 
lern anbern eine 2lebntid)teit ^t r Wobt berannt mad)et. ^J"«**" 
man öfter! eine Sortfetjung berfelben, »on etilen Sacten, »org6£u$_ wtffen 
obne jlbe 9iote befonber* anpfeben, wetcbeS beö einer großen ©efcb»tnbtgtett 

niebt aHe*ett moglid) ift. _ _. _ . . 

17 § $>at ftd> nun ein Anfänger eine geraume Seit mit <£affagten, unb 
gearbeiteten Stüden geübet, bie 3unge unb bie Singer geläufig, »* b«*, »«« 
ich bte*« getebret b«be, ftcb fo Wannt 9emad)t, b«$ ej tfm gtetdrfam 8 ur 
onbern Sttatur geworben: fo tan er ottbemt einige im itattämfeben ©efdjmade 
gefegte Solo unb Goncerten »ornebmen, bod> fotebe, in benen baä JHbagto jriJC 
gar m tongfam gebt, unb bie Slttegro mit tur 5 en unb teilten ^affagtett gefegt 
ftnb. (fr ftke ben ftmpetn ©efang im Slbagio, mit 93orfd>tägen, Srttlern, unb 
«einen Sanieren, fo mie in ben bepben »origen Äauptftüden getebret morben, 
«uferen, unb fabre bamit fo lange fort, bis ibm ber ©ebraud) baoon geläufig 
mirb, unb er im Staube ift einen ftmpetn ©efang, obne meten tmttfttbrttd)en 
3ufa*, proper unb gefältig p fielen. Scbeint ibm aber tiefe ** ber JtoJ 
Sie ung, beö mand)em Stbagio, t>a$ etman febr platt unb troden gefegt : tj, 
uid)t Mb) 5« 1*4 fo »itt icb ibm auf ba# XIII unb -XIV. **£* 
»on ben wititübrlicben <23eränberungen, unb »on ber Slrt ba« Slbagto gu fielen, 
«enviefen b«ben, »orauS er ftd) mebrern 9*atbS wirb erboten tonnen. 

18. §. Sterbe» wirb er S u befto größerer 93olttommenbeit fa*m> »««" 
er nebft ber $Wte, wo nid)t bie Setjtunft, bod) 8™ wenigften bie Sßtffenfcbaft 
be* ©eneratbaffe* erlernet. S>at er ©etegenbeit bie Singtunft entmeber »or, 
ober »entgften« gteid, mit ber fflöte p erlernen, fo will id) ibm biefeS befonberS 
onratben. <£x wirb baburd) befto letzter einen guten Vortrag im Spielen er* 
langen, unb be» vernünftiger Sinterung eine« Slbagio, toirb tbm bte <Stnftcbt 
in bie Singtunft befonber« großen 93ortbeit geben. £r toirb atfo ntd)t ein purer 
Slötenfpieter aßein bleiben, fonbern baburd) ftd> aud> ben <2Beg babnen, mtt ber 
3eit ein SSttuftfuS, in eigenttid)em «erftanbe, ju »erben. 

19. §. ©amit aber ein Anfänger aud) »on bem llnterfd)tebe be« ©e» 



<2öaS ein Anfänger bfy feiner befonbern Hebung 51t beobachten $at 43 

fc^madeS in ber «äftuftf einen allgemeinen begriff erlangen möge, iff nid)t ge- 
nug, ba§ w nur Sfüde, fo für bie #I8te gefe^et ftnb, in Hebung bringe: er 
mufj' ftd) vielmehr aud) *>erfd)iebener Nationen unb ^romn^en t|>re djarafteriftrten 
Stüde belannt machen, unb jebeS bat>on in feiner 2lrt [97] fpieten lernen. ©iefeS 
wirb tym mit ber 3eit mef)r 93ort£eil fdjaffen, als er gleich im anfange ein- 
5ufef>en öermögenb ift ©ie 93erfd)ieben£eif ber cfyarafteriftrten Stüd e finbet ftd) 
bety ber franjöfif^en unb beuff^en SRufH me|)r, als be^> ber ttaliänifcfyen, unb 
einigen anbern. ©ie itattänifcfye SO^ufif iff weniger als alle anbere, bie fransi>fifd)e 
aber fafr gar §u triet eingefd)rän!ef: woraus trietteicfyf flieget, ba% in ber fran- 
^öftfe^en SEftuftI baS 9ieue mit bem Sitten öfters eine 2le$ttfi<$!eit §u £aben 
fdjeinet. ©od) ift bie fransi5ftfd>e SIrt im Spielen nt$t §u x>erad>ten, fonbern 
einem Anfänger vielmehr anpratfjen, i^re ^ropretät unb ©eufttcfyteif, mit ber 
italianif^cn ©unietyeit im Spielen, welche mei)rent£eilS burd) ben «Sogen* 
ffrid), unb ben überftöfftgen 3ufatj t>on Sanieren, worinne bie itatiänif^en 
Snffrumentiffen ju triet, bie ffrattjofen überhaupt aber ju wenig t^un, tterurfadjet 
nrirb, §u t>ermifc^>en. Sein ©efdjmad wirb baburd) allgemeiner werben, ©er 
allgemeine gute ©efdjmad aber ift nid)f bety einer einzelnen Nation, wie gwar 
jebe ftd> beffetben fcl)meid)elt, anzutreffen, man mu£ i^n melme^r burd) bie 23er- 
mifcfyung, unb burefy eine vernünftige 'SJatyl guter Oebanfen, unb guter Wirten 
5u fpielen, *>on serfdjiebenen Nationen jufammen tragen, unb bilben. Sebe 
Nation $at in tyrer mufifalifd)en ©enfart fowo^l etwas angenehmes, unb ge- 
fälliges, als aud> etwas wiberwärftgeS. 958er nun baS 93efte gu wählen wetfj, 
bm wirb baS ©emeine, fiebrige unb QfyUfyU nid)t irre mad>en. 3m 
XVIII. jbauptftüde werbe id) hiervon weitläufiger ^anbeln. 

20. §. £in Anfänger mu£ beSwegen aud) fuc^en, fo triet gute ^uftlen, 
welche einen altgemeinen <23e9fatl finben, anju^ören, als er nur immer lann- 
Äierburd) wirb er fief) ben <2öeg gum guten ©efcfymade in ber 9!ftuftf, fe£r er- 
leichtem. (£r mu# fud)en nid)t allein s?on einem {eben guten 3nffrumentiffen, 
fonbern aud) t>on guten Sängern §u profitiren. ®r mu# ftd) beSwegen erfftid) 
bie SBne wo^t inS ®ebäd)tnifj faffen, unb wenn er 5. (£. iemanben auf ber 
<5l5te fielen £i$ret, mufj er foglet^ ben ioauptfon, woraus gemietet wirb, be- 
merken, um bie folgenben beffo leichter beurteilen ju tonnen. Um ju wiffen 
ob er bzn 5on erraten I?abe, fann er juweiten auf bie Ringer bcS 6pietenben 
fe^en. ©3 wirb i£m biefeS ©rrat^en jeber Sbne no(^ leidster werben, wenn er 
\iö) juweilen, t>on feinem SKeiffer, gan§ Heine unb lur^e ^)affagien vorfielen 
l'd% um fotd>e, o^ne auf beffelben Ringer gu fe|)en, na^sumac^en: unb hiermit 
mu| er fo lange fortfahren, bis er im Staube iff alles waS er ^5ret glei(^ 
nad)5u-[98]fyieten. 2luf biefe Slrt wirb er atfo baS ®uU fo er t>on einem unb 
bem anbem $öref, nac^a^men, unb fi^ ju 9tu$e ma^en lönnen. Woä) letzter 
wirb i^m biefeS werben, wenn er sugteid) von bem Glasiere unb ber 93ioline 



44 X. Sauptßüd. 

efipag »erftebt: weil bod) fetten eine SRuftl obne tote gebauten 3nftrumente 

aufgefübret wirb. . . . f 

21 § 23on guten tnufifatifc£)cn 6tücten fammle ftd) ein anfanget fo »tel, 
cd« er nur immer $aben rann, unb nebme fte p feiner täglichen Hebung »or: 
fo wirb ftd) aud) baburd) fein ©efd)macf, nad) unb nad), auf eme gute Wst 
Üben unb er wirb i>a$ <23bfe »om ©uten unterfd)eiben lernen. SBÖte jebe« 
Stüct, wenn e* gut fettn fott, befcbaffe« fetjn muffe, baöon wirb man tm 
XVIII &au»tftücce biefer Slnweifung bie notbigften 9iad)rid)ten ftnben. ttra 
Anfänger tyut wobt, wenn er lauter etüdt w feiner Hebung erwäblef, bxe 
bem 3nftrumente gemäß, unb »on folgen 9Xeiftem »erfertigef worben fmb, 
öeren «erbtenfte man an mebr at« einem Orte fennet. ffir barf ftd) nicbt bran 
febren, ob ein Stüct ganj neu, ober fd)on ttw<x§ alt ift. 6« feg tbm genug, 
wenn e« nur gut ift. ©enn nid)t alle« naß neu ift, ift belegen aud) gugtetd) 
fd)ön. <Sr ^fite ftd) »ornebmtid) für ben 6tüccen ber felbft gewad)fenen dom- 
»oniften, wetd)e bie Se^tunft Weber burd) münbticbe, nod) burd) fcbriftticbe 2ln= 
weifung erlernet baben: benn barinne fann Weber ein 3ufammenbang ber SOMobie, 
nod) vid)tige Sarmonie anzutreffen fe^n. ©ie meiften taufen auf einen 9Xifd>= 
ntafd) oon entlehnten unb 3 ufammen getieften ©ebanfen binau«. «tele öon btefen 
fetbft gewaebfenen ßorn^oniften machen nur bie Oberftimme felbft, bte übrigen 
laffen fte ftd) »on anbern baju feöen. <£« ift bemnad) teid)t ju erad)ten, baß 
weber eine orbenttid)e «erbinbung ber ©ebanren, nod) eine orbenttid)e Sftobu- 
lation beobachtet worben fet>: unb ba% fotgtid) bie übrigen Stimmen, an üieten 
Orten, baben bineht gejwungen werben muffen. Slud) ben Stücfen ber neu- 
angebenben Somponiften ift in biefem <£uncte nid)t aUguoiet ju trauen. Soat 
aber einer bie Setstunft orbentlid), unb jwar »on einem folgen, ber bie Säbtg- 
Uxt i)at anbere au unterweifen, erlernet, unb »erftebt oierftimmig rein ju fe^en, 
fo fann man pt feinen arbeiten ein beffere« Vertrauen faffen. 

22. §. Sin Anfänger muß ftd) befonber« befleißigen, Stf er atteö wa§ er 
föietet, e« mögen gefd)Winbe <£aßagien im Sltlegro, ober Sanieren im Slbagio, 
ober nod) anbere STCoten feim, beuttid), unb runb füieten lerne. [99] ioterunter 
wirb »erftanben: t>a% man nid)t über bie 9*oten weg ftotpere, unb etwan anftatt 
eine« Ringer«, beren jweene ober brett gugleic^ aufbebe, ober niebertege, unb 
atfo ettiebe SRoten »erfebtuefe: fonbern t>a% jebe 9*ote burd) m ganje Stücr, 
nad) ibrer wabren ©eltung, unb nad) bem red)ten 3eitmaaße gefwetet werbe, 
^urs, er muß ftd) bemüben einen guten «ortrag, wooon in ben folgenben 
<öau»tftücfen weittauftiger gebanbelt werben wirb, m erlangen, ©tefer gute 
Vortrag ift baß SRötbigfte, aber aud) ia§ 6d)Werefte im Spielen, bebtet e« 
bieran, fo bleibt t>a$ ©bieten, e« mag aud) fo fünfttid) unb »erwunbern«- 
würbig fd)einen, al« e« immer Witt, bod) atteseit mangetbaft, unb ber 6öteler 
erlanget niematö ben "BeöfaU ber Kenner, ©eiwegen muß ein Anfänger fem 



<2BaS ein Anfänger bei) feiner befonöern Hebung ju beobachten $at 45 

Spielen mit einer beftänbigen Slufmerffamfett perfnüpfen, unb «*j *<*■,«* 
TU iebe Note fo bore, wie er fte mit ben klugen ftehf, unb wie tf,re ©et= 
una unb 2luSbru<r erfobert. ©aS Singen ber Seele, ober bte tnnerltcbe 
emtfmbung, giebt frierie* einen großen 93ortpeil. ®* Anfänger mu# bemnacb 
fuchen, nach unb nad) tiefe ©mpfinbung be» ftch p erwecfen. ©enn fofern er 
»on bem maö er fielet nicht fetbft gerübret wirb, fo i>at er nicht allem Pon femer 
93emübung feinen 9lu*en p hoffen, fonbern er wirb auch niemals temanb 
onbern burcb fein Spielen bewegen: weites bocb eigentlich ber gntsweä fetm 
foU Nun tann jwar biefeS Pon leinem Anfänger in einer 93olKommenbett ge= 
fobert werben, weil berfetbe noch su »ict auf bie Singer, bie 3unge, unb ben 
hlnM äu beuten %aU ®*$ m $ v Seit als ein paar 3abre baju gehören. ©em 
ungeachtet muf, hoch ein Anfänger ftch bep 3eiten bemühen baran m gebenJen, 
um in feine ^altfmnigteit 5 u »erfalten. £r muf ftcb ity feinen Hebungen 
immer porftellen, er habe fotcbe 3ubörer oor ftch, bie fein ©lütf beforbern Jönnen. 
23 § ©ie 3eit, wie lange ein Anfänger täglich ju freien nbtbtg Wr 
ift eigentlich nicht m beftimmen. ©iner begreift eine Sache leichter, als ein 
anberer SS mufc ftch alfo pierinne ein jeber nach leiner Säbigtett, unb nach 
feinem Naturelle richten, ©och ift S« *M>ett, t>a% man auch gerinne entweber 
lu »iel, ober S u wenig tbun tonne. <2BoIlte einer, um halb 8 u feinem 3wecfe 
!u gelangen, ben ganjen Sag fielen: fo tonnte t* nicht nur feiner ©efunbhe.t 
nachtheilig fepn, fonbern er würbe aucl), Por ber 3eit, fowohl bte Heroen att bte 
Sinne ahnten. Sollte er e$ aber beb einer Stunbe be$ Sage« bewenben 
laffen- fo möchte ber Nutjen febr fpät erfolgen. 3d) halte bafür, ba$ eö Weber 
*u »iel , noch 8« w«»8 fe^, wenn [100] ein Anfänger ä wo Stunben Vormittag*, 
unb eben fo Piele Nachmittag«, ju feiner Hebung auöfe()ete, aber auch unter 
»ahrenber Hebung, immer ein wenig auöruhete. <2ßer es aber enbttcb babttt 
aebradbt bat r baf^ er alle porfommenbe ^affagien, ohne SJcühe, retnltch unb 
beutticb heraus bringen tarnt: für ben ift p feinen befonbern Hebungen eme 
Stunbe beS Sage« aulanglich, um ben Stafa*, bie 3unge, unb bie Smger tn 
aehöriger Örbnung ju erbalten, ©enn burcb m überflute Spteten, aumal 
n>Tnn man fcbon gewifa 3ahre erreichet hat, entkräftet man ben £eib, man nutset 
bie Sinne ai r unb öerliehret bie £uft unb 93egierbe eine Sache mtt rechtem 
<£ifer aufführen, ©urch *a$ aHsutange anhattenbe Schlagen ber Sntter, 
werben bie Nerven ber Ringer fteif: fo wie ein Keffer- fcharti^t wirb, wenn 
man eS immerfort fchleift, ohne 8 uweiien bamit ju fdjneiben. 2ßer ftch nun m 
aUem biefem 5 u mäßigen wei«, ber genietet ben 93ortbeil, bie ^löte emtge 3ahre 
länger, alt fonft, au fpieten. 



^ss 



46 XL äauptftüd 



®a$ XL $)auptftü& 

9Som guten Vorfrage im ©ingen unb ©fielen 

überhaupt 

1. §. ®er muftfatifcfye 93ortrag lann mit bem Vortrage eineS 9?ebner£ 
verglichen tverben. <£in 9?ebner unb ein SSRuftfuS ^aben fotvoljt in Anfelmng 
ber Aufarbeitung ber vorjutragenben Sachen, aU be£ Vortrages felbft, einerlei 
'Wbfvfyt su ©runbe, nämtid): ftd> ber Serben gu bemetftero, bie fieibenfcfyaften 
gu erregen ober ju ftilten, unb bie 3u|)örer batb in btefen, batb in jenen Effect 
5U verfemen. <£$ iff vor betybe ein 93ortf>eit, tt>enn einer von ben ^flicfyten beS 
anbern einige (Erfenntniß £at. 

2. §. SSÄan tveiS, tt>a£ be$ einer 9?ebe ein guter Vortrag für QBirfung 
auf bie ©emittier ber 3u£örer t$ut, man tt>ei£ aud), tote viel ein fdt>ted>ter 
Vortrag ber fünften 9lebe auf bem Rapiere f^abet, man tveiS nicfyt tveniger, 
ba% eine 9?ebe, tvenn pe von verfd^iebenen ^erfonen, mit eben benfelben ^Borten 
gehalten tverben foltte, boefy immer von bem einen beffer ober fcfyttmmer ausü- 
ben fetyn mürbe, aU von bem anbern. Sfttt htm Vortrage in ber StJiuftf §at 
e3 gleite 93etvanbtniß: fo t>a%, tvenn ein Stütf enttveber von einem ober bem 
anbern gefungen, ober gemietet ttrirb, e3 immer eine verfcfyiebene SQßtrfung her- 
vorbringt. 

3. §. 93on einem 9iebner tt)irb, xoaß ben 93ortrag anbelanget, erfobert, 
baß er eine taute, Hare unb reine Stimme, unb eine beutlid)e unb vollkommen 
reine AuSfpracfye fyabt, baß er nicfyt einige 93ud)ftaben mit einanber vertvecfyfele, 
ober gar verfcfytucEe, baß er ftcf> auf eine angenehme Sftanmgfattigfeit in ber 
Stimme unb Sprache befleißige, ba% er bie (finfärmigteit in ber 9£ebe ver* 
meibe, vielmehr ben Son in Selben unb QBärtern batb taut batb teife, batb 
gefc^tmnb batb tangfam pren taffe, baß er fotgttd? be^ einigen Wörtern bie 
einen 9Zad)bru<i erfobern bie Stimme ergebe, hfy anbern hingegen lieber 
mäßige, baß er \&m Effect mit einer verfcfytebenen, bem Effecte gemäßen 
Stimme auSbrütfe, unb ba^ er fid) überhaupt nact) bem Orte, rvo er rebet, 
nafy ben 3u£örem, bie er vor ftc^> £at, unb nad) bem 3nn£atte ber 9?eben bie 
er vorträgt, richte, unb fotgtid), j. (L unter einer Srauerrebe, einer fiobrebe, 
einer f<$er$aften 9lebe, u. b. gt. bm gehörigen Hnterfcfyieb au mad)en ttriffe, 
baß er enbticfy eine äufferttcfye gute Stellung annehme. 



3$om guten Vortrage im Gingen unb 6*>ielen überhaupt 47 

4. §. 3$ nrilt tnid> bemühen JU jeigen, ba^ alteg tiefet au§ bfy bem 
guten mufilalif^en Vertrage erfobert tverbe, ttemt i^ vorder von ber 9"£ot^ 
rvenbigfeit biefeS guten Vortrages, unb von ben Skiern fo babe^ begangen 
werben, no<$ ettvaS tverbe gefaget £aben. 

5. §. ®ie gute <2ötrfung einer SDlufH |>ängt faff eben fo tuet von ben 
^uSfü^rern, aK son bem Gomponiften fetbft ab. ©ie befte eompofttion fattit 
bur$ einen f$ted?ten 93ortrag verftümmett, eine mittelmäßige Gompofttion aber 
bur<$ einen guten Vortrag verbeffert, unb erhoben tverben. SEKan giftet öfter& 
ein Stütf fingen ober ftrieten, ba bie Gompofttion nid)t §u veralten tft, bie 
«•Hu^ierungen be3 «2lbagio ben Regeln ber joarmonie nicfyt jutviber flnb, bie 
cpaffagien im ^lltegro auet) gefd)ttrinb genug gemacht tverben, e£ gefällt aber 
bem ungeachtet ben tvenigften. «SBenn e$ [102] aber ein anberer auf eben bem» 
felben 3nftrumente, mit eben benfetben SlRanieren, mit nid)t größerer «Jertigteit 
Mietete, tvürbe eS vielleicht von bem einen beffer at§ von bem anbern gefallen. 
9ft<$t£ aU bie <2lrt be$ Vortrages fann alfo hieran Xlrfad)e fetyn. 

6. §. (gütige glauben, tvenn fte ein 2lbagio mit fielen Sanieren au*au» 
ftopfen, unb biefetben fo su »ergießen tt>iffen, i>a% oftmals unter se^n flöten 
laum eine mit ber ©runbftimme l;armoniret, auty von bem Äauptgefange tventg 
§u vernehmen ift, fo fe$ biefeS gelehrt. allein fie irren ftd) fe£r, unb geben 
baburd) ju ernennen, baß fte bie tt>al>re (Srnpfinbung be$ guten ©efd)tna<Se3 nici)t 
f>aben. 6ie benJen zbm fo tvenig auf bie Regeln ber Set3funft, tveldje erfobern, 
baß jebe ©iffonans md)t nur gut vorbereitet derben, fonbern au<$ if>re gehörige 
<2lufli$fung bekommen, unb alfo baburc^ erft tf>re ^nne^mlidtfeit erhalten muffe, 
ba fie aufferbem ein übetlautenber ^tang fepn unb bleiben tvürbe. Sie toiffen 
enbli<$ ntd>t, ba^ ü eine größere 5?unft fe$, mit wenigem mcl, als mit vielem 
wenig m f a Ö en - ©efäßt nun ein bergtei^en Slbagio md)t, fo liegt abermals 
bie 6d>ulb am Vortrage. 

7. §. ©ie Vernunft tetpret, baß tvenn man burd? bie bloße 9lebe von 
}emanben[!} ettvaS verlanget, man ftc^> fotcf>er SluSbrüde bebienen muffe, bie ber 
anbere verfte^t. 9?un ift bie 9JlufW md)t3 anberg als eine tünfttid)e Sprache, 
tt>oburd> man feine muftfattfdjen ©ebanten bem 3uf)i$rer befannt machen foll. 
^oKte man alfo btefeS auf eine bunfete ober bijarre ^rt, bie bem 3u£örer 
unbegreiflich tväre, unt> leine (£mpfmbung machte, ausrichten: tvaS fmtfe atSbenn 
bie ^emityung, bie man ftd) feit langer Seit gemacht fyättt, um für geteert 
angefe|)en ju tverben? ^Sollte man verlangen, baß bie 3ul#rer lauter Kenner 
unb ^uftlgele^rte fe^n follten, fo tvürbe bie ^a^l ber 3u^örer ni($t fe$r 
groß fe^n: man müßte fte benn unter ben Sonlünftlem von ^rofeffton, tvietvo^t 
nur einaetn auffud)en. ®a^ f^timmfte tvürbe babe^ fe^n, baß man von biefen 
Wn tvenigften 93ort^eit ju hoffen fy&ttt. ©enn fte fönnen allenfaE^ nichts 
anber§ t|)un, ate burd) i^ren ^e^fall bie ©ef^idli^leit be^ ^uSfüfjrerS ben 



48 XII. Äouptpüd. 

£iebl;abem %u ernennen geben, <2ßte fäfrnäbS) unb fetten aber gefd>ie|>t biefeS! 
tteit bie meiften mit Effecten unb abfonberli^ mit <£iferfu<f)t fo eingenommen 
fmb, baf? fte ntd;t allemal baß ®uU mm ^mk gleichen einfe^en, no$ e$ anbern 
gern bdannt machen mögen. SBüfjten aber and) atte £teb£aber fo mel [103] 
m ein gWttfttttö tPiffen fott, fo fiele ber 3>ort|>eit gleichfalls tt>eg: tt>eit fte aB- 
benn toenig ober gar feine Sonfünftler von ^rofeffton me^r notfrig Ratten. SBte 
nöt|>ig ift atfo nic^t bafj ein 9ttufifo$ JebeS Stüd beutlid) unb mit folgern 
2luSbrud vorzutragen fucfye, ba£ es fomo^t bm ©ele^rten aB Ungelegten in 
ber SPtuftl verftänbttd) werben, unb i^nen folglich gefallen fönne. 

8. §. ©er gute Vortrag ift nid>t allein benen, bie ftd> nur mit &aupt= 
aber concertirenben Stimmen £ören taffen, fonbern auä) benenjenigen, bie nur 
9ftj>iemften abgeben, unb ftd) begnügen jene §u begleiten, unentbehrlich unb feber 
§at in feiner *2lrt, auffer bm allgemeinen, noci) befonbere Regeln §u beobachten 
nöt^ig. Q3iele glauben, toenn fte vielleicht im Staube ftnb, ein ftubirteS Solo 
^u fielen, ober eine fynzn vorgelegte Qftptenftimme 1 , o^ne Joauptfe^ter vom 
^Statte tveg §u treffen, man fönne von tynen tvetter nichts me|>r verlangen. 
<Htlem id) glaube bafj ein Solo nnllfityrtid) su f fielen leichter fety, aU eine 
9?i}rienfttmme au^gufü^ren, tvo man weniger «Jre^eit $at, unb ftd) mit bieten 
vereinigen muf?, um ba« Stfitf nad) bem Sinne be$ Gomponiften aufyubxMm. 
Joat nun einer feine richtigen ©runbfä^e im Vortrage, fo tvtrb er au<$ ber 
Sad)e niemals eine ©nüge leiften iönnen. £$ ttäre belegen nöt|)ig, ba$ ein 
jeber gefd)i?ter 3Äuft!metffer, befonberä ein <23iotinift, ba^tn fä|>e, ba$ er feine 
Scholaren ni$t e^er sunt Sotoftrielen auftrete, bB fte fc^on gute 9*tyteniften 
tvären. ©ie ^iergu geprige ^Biffenf^aft bahnet o$ne bem bm 3Beg §um 
Sotofpieten: unb tvürbe mandj abgefpietteS Solo ben 3u|>örern beutlic^er unb 
annehmlicher in bie Sinne fallen, wenn ber ^u^fü^rer beffetben eg fo gemacht 
fyattt, ttrie man in ber SÖMerfunft p tl;un pfleget, ba man erftlid) bie richtige 
Sei^nung beS ©emälbeS machen lernen m\x$, e^e man an bie ^uSsierungen 
$ebenfet allein bie toentgften Anfänger Iönnen bie 3eit ertoarten. £lm balb 
unter bie ^Inga^t ber 93irtuofen geregnet §u derben, fangen fte e£ öfters »er- 
fe^rt, nämlid) bfym Solofpieten an, unb martern ft<$ mit vielen au^gefünftetten 
3ierrat|)en unb Sd)tt>ierigfeiten, benen fte bod) nid)t gen?ad}fen ftnb, unb babuxti) 
fte bod) vielmehr bm Vortrag oewirrt, aU beuttic^ matym lernen. OefterS ftnb 
auc^> tt)o^t bie 3Keifter fetbft S^utb bran, tvemt fte geigen holten, baf fte im 
Staube fmb, ben S^otaren in lur^er 3eit einige Solo beibringen: tocl^c« 
i^nen aber, im ^aH biefe att 9lipieniften foHen gebrauchet werben, nic^t allezeit 
t>iet e^re mafytt ©en guten Vortrag [104] ben bie 9*tytemffen in^befonbere 
5u beobachten $aUn, ftnbet man im XV1L Äau^tftücfe biefer 2lntt>eifung n>eit-- 
läuftig erfläret. 

9. §. ©er 93ortrag ift faft U\) (einem 9!Kettfd)en tote be^ bem anbern, 



QSom guten Vortrage im Singen unb Gpielcn ül>er$aupt 49 

fonbern be$ ben meiften untergeben. 9ii<$t attejett bic llnterweifung in ber 
SKuftf, fonbern ioiettne^r au<$ sugtet$ bic @emüt|)$befd?affen|>eit eines jeben, 
woburc^ P| immer einer t>on bem embero unterfdjeibet, ftnb bie ilrfac^en bat>on. 
3$ fe$e ben «Jatt, e$ Ratten tf)rer tnete be$ einem Sitteifter, p gleicher 3eit, 
imb bur$ einerlei ©runbfä^e bie SEJiufH erlernet, jte Mieteten aud) in ben erften 
bre$ ober t>ier 3af>ren in einerlei %*. Ottern tt>irb benno<$ nad^er erfahren, 
baj? wenn jte etti^e 3a£re fyxtn SOteifter nid)t metjr geboret £aben, ein jeber 
einen befonbem Vortrag , feinem eigenen Naturelle gemäf?, annehmen »erbe, 
fo fern fie nicfyt pure dope^en i|)re$ 9fteifter$ bleiben wollen, (finer wirb immer 
auf eine bejfere 5lrt be£ Vortrages t>erfatlen als ber anbere. 

10. §. <2ötr wollen nunmehr bie fcowe^mften (Eigenschaften be£ guten 
Vortrages überhaupt unterfudjen. (Ein guter Vortrag muj? junt erften: rein 
unb beitfß<$ fe^n* 9Äan muj? nid)t nur jebe 9iote £ören taffen, fonbern 
aud> jebe 9?ote in t^rer reinen 3ntonatton angeben, bamit fie bem 3u$5rer alle 
x>erftänbtt<$ werben, 5?eine einige barf man ankläffen. SKan muj? fud>en ben 
3?tang fo fc^ön aU möglich herauszubringen. 93or htm ^atf^greifen mu$ man 
jtd> mit befonberm ^lei^e t)üten. «SBaS tnersu ber 3lnfa$ unb ber 3ungenftoj? 
auf ber ^töte beitragen fann, ift oben getetjret worben. 9ttan mu£ ftd^> $üten, 
bie 9?oten ju fc^leifen, wetd>e geftojjen werben folten, unb bie au fto^en, welche 
man fdjteifen fott. <E 3 barf md)t fdjeinen als wenn bie 9toten pfammen ftebeten. 
©en 3ungenftojj auf Blasinstrumenten, unb ben 93ogenftri<i> auf Bogen» 
inftrumenten, mujj man jeber^eit, ber 'Jlbjtdjt, unb ber t>ermittelft ber Bogen 
unb Striche gefd)e$enen ^nweifung beS Somponiften gemäf, brausen: benn 
J)ierburd> betommen bie 9?oten if>re £ebf>afttgfeit. 6ie unterfd>eiben jtd) baburd? 
son ber 3lrt ber Sadpfeife, weldje ofme 3ungenftoj? gefptetet wirb. ®ie Ringer, 
fie mögen jtd) au<$ fo orbenttid) unb munter bewegen, als jte immer wollen, 
tonnen bie mujtfatifd;e ^uSfpradje für jtd) altein ntcfyt auSbrüden, wo ntcfyt bie 
3unge unb ber Bogen, bur$ gehörige, unb ju ber Dorptragenben 6a$e ge- 
fegte Bewegungen, baS irrige, unb &war ba$ meifte bar§u beitragen, ©ebanfen 
welche an einanber [105] fangen fotlen, mu$ man nxtyt gert^eiten: fo wie man 
hingegen biejenigen jert^eiten mu^, wo ft<$ ein muftfalifd^er Sinn enbiget, unb 
ein neuer ©ebanfe, ol;ne ©infd^nitt ober ^>aufe anfängt, jumat wenn bie 
€nbigung^note t>om *>orf>erge!)enben, unb bie ^Infangönote t)om' fotgenben 
©ebanfen, auf einerlei 5one fte^en. 

11. §. (Ein guter Vortrag muf* ferner: mnt UXib öoltftänbig fetytu 
3ebe 9lote mu§ in tyrer wahren ©ettung, unb in iljrem regten 3eitmaa§e au^* 
gebrüdet werben. 'SSBürbe biefe^ allezeit red^t beobachtet, fo müßten aud) bie 
9Joten fo Hingen wie jte ber dompomft gebaut |>at: weil biefer nichts o^ne 
Regeln fe$en barf. 9lic^t aKe ^uöfu^rer fe|)ren jt<$ hieran. 6ie geben öftere, 
au3 ilnwiffen^eit, ober au§ einem »erborbenen ©efd^made, ber fotgenben S^ote 

4 



50 



XL Äaiqrtfittc*. 



et»ag von ber 3eit, fo ber vorhergehen gehöret ®ie aufgehaltenen unb 
f^meic^elnben 9ioten muffen mit einanber verbunben, bie luftigen unb tjüpfenben 
aber abgefegt, unb von einanber getrennet werben. ®ie dritter unb bie Keinen 
Sanieren muffen alle rein unb lebhaft geenbiget »erben. 

12. §. 3ä) mu£ hierbei eine not$»enbige ^Inmerfung ma^en, »etc^e bie 
3ett, tt>ie lange jebe 9lote gehalten »erben mu£, betrifft. 9Kan muf unter ben 
ÄaupfttOfen, tvetd)e man au<$: anfdjlagettbe, ober, nad> 3lrt ber 3tatiäner, 
gute 9Zoten §u nennen pfleget, unb unter bm burcfyge^ettben, tveldje be^ 
einigen ^tuStänbern fcpmme £ei§en, einen £interfd)ieb im Vortrage §u machen 
tt>iffcn. ©ie Äauptnoten muffen aUegeit, »o e$ fi<$ t$utt tä£t, metjr erhoben 
»erben at$ bie burd)ge£enben. ©iefer Sieget gu «Jotge muffen bie geftyttrinbeften 
9Zoten, in einem i&tn 6tütfe von mäßigem ^etltpO, ober aud> im ^ibagtO, 
ungeadjtet fte bem ©eft^te na$ einerlei ©ettung $ahm, bennod) ein »enig 
ungleich gemietet »erben, fo bafj man bie anfcfytagenben 9^oten einer jeben 
«Jtgur, nämtid) bie erfte, britte, fünfte, unb ftebente, et»a$ länger anhält, cXi 
bie burdjge^enben, nämtic^, bie 8»e$te, vierte, fedtfte, unb ad)te: bod) mu£ btefeS 
Statten ntdjt foviet ausmalen, aU »enn <£uncte babe$ ftünben. hinter 
biefen gefd?»inbeften 9*oten verftefje i^: bie <23iert|>eite im ©re%»e9t$etttacte, 
bie ^tttjeite im ©retyöiert^eil- unb bie ee^se|)nt^eite im ©re^adjttljetttacte, 
bie 5Id)tt|>eite im Sltlabreve, bie Sed^ntfceite ober 3tve$ unb bre$jigt|>eite im 
3n>e9Vtert£eit= ober im gemeinen geraben Sacte: bod» nur fo lange als feine 
Figuren von nod? [106] gefd>»inberen ober noefy einmal fo furjen 9toten, in 
ieber Sactart mit untermifc^et ftnb, benn aKbemt müßten biefe ledern auf bie 
oben betriebene «2lrt vorgetragen »erben. 3. ®. hoffte man £ab. IX. $ig. 1. 
bie atyt Sed^nt^ette unter ben <23ud)ftaben (k) (m) (n) 




langfam in einerlei ©ettung ftrieten, fo »ürben fte nic^t fo gefällig Hingen, als 
»enn man von vieren bie erfte unb britte et»a£ länger, unb ftärfer im Sone, 
als bie s»e$te unb vierte, ^ren täfjt[*)] <33on biefer 9*eget aber »erben aus- 
genommen: erfttid) bie gef<$»inben ^affagien in einem fe£r gefd)»inben 3eit~- 
maa§e, bep benen bie 3eit nityt ertaubet fte ungleich vortragen, unb »o man 
atfo bie £änge unb Starte nur be$ ber erften von vieren anbringen mufj. ferner 
»erben aufgenommen: alte gefc^»inben ^affagien »etcfye bie Singftimme gu 
machen %a.t, »enn fte anberS nid)t gef^teifet »erben fotten: benn »eil jebe 9Zote 
von biefer ^rt ber Singpaffagten, burd) einen getinben 6to£ ber fiuft m$ ber 

[*) Slgogffäer ^entl] 



93om guten Vortrage im Singen unb Spielen ü&e^aupt 5j 

93ruft, bmtlxfy gemad>et unb marfiret derben muß, fo finbet bie Ungleichheit 
babety feine Statt. Reiter werben aufgenommen: bie 9ioten über welchen 
Striae ober ^uncte fte^en, ober von n>etd)en etliche natyzmanbtv auf einem Sone 
vorkommen, ferner wenn über me£r als jt»o 9?oten, nämtid) über zieren, fed;fen, 
ober ad)ten ein «Sogen fte^t, unb enbttd) bie ^tt^eite in ©iquen. 2ltte biefe 
9ioten muffen egal, ba$ ift eine fo lang afö bie anbere, vorgetragen Serben. 

13. §. ©er Vortrag muß aud>: leidet unb füefenb fe^tt. Söären 
aud) bie au^ufüfjrenben 9?oten nod> fo fd)tver: fo barf man bod) bem 2luS- 
fü^rer biefe S<$tt>ierigfeit ni^t anfe^en. 2lUe* rauf>e, gelungene SSefen im 
Singen unb Spielen muß mit großer Sorgfalt vermieben derben. 93or allen 
©rimaffen muß man fxfy £üten, unb fiel) foviel afe mbglid) ift in einer beftänbigen 
@etaffenf>ett 311 ermatten fuc^en. 

14. §. ©n guter Vortrag muß nid>t weniger: mannigfaltig fe^n, 
£id)t unb <5<§atttn mu% bahfy beftänbig unterhatten werben. <2ßer bie Sßne 
immer in einerlei Stärle ober Scf>wä<$e vorbringt, unb, wie man faget, immer 
in einerlei garbe Rietet, wer ben Son nid)t gu rechter 3eit p ergeben ober §u 
mäßigen weis, ber wirb niemanben befonberS rühren. & muß atfo eine ftetige 
^bwee^felung be$ ^orte unb ^iano babfy beobachtet werben. <2öie biefeS be$ 
jeber 9?ote in$ ^erf gerietet derben muffe, will id), n>eil e£ eine Sadje von 
großer 9iotf;wenbigfeit ift, ju <£nbe brt XIV. JoauptftüdS, burd? (ffempet 
Seigen. [107] 

15. §. ©er gute Vortrag muß enbtid?: ait^brMenb, ttttb jeber ÖOt* 
fonmtenben £etbenf$aff gemäfj fe$m*[*)] 3m m$m* «nb aUm ba^in 

gehörigen muntern Stüden muß Cebijiafrtgfeit, im <2lbagio, unb benen i£m 
gteid)enben Stüden aber, 3ärttid?(ett, unb ein angenehmes Sieben ober fragen 
ber Stimme $errfd)en. ©er 2lu$füf)rer eines StüdeS muß ftd? felbft in bie 
Äaupt- unb Sfobenteibenfcfyaften, bie er auSbrüdcn fott, p verfemen fud>en. 
£lnb weil in ben meiften Stüden immer eine fieibenf^aft mit ber anUvn ab* 
wedtfelt, fo mu^ au$ ber <2lu3fül;rer jeben ©ebanfen ju beurteilen wtffen, tt>a§ 
für eine £eibenfc^aft er in ft$ enthalte, unb feinen Vortrag immer berfetben 
gtei^färmig ma^en. 2luf biefe <2lrt nur wirb er bm Slbft^ten be3 Compomften, 
unb ben <23orftel(ungen fo ftd> biefer bfy Verfertigung be$ StüdeS gemalt |>at, 
eine ©nüge teiften. <£$ giebt fetbft verfd>iebene ©rabe ber fietyaftfgfefc ober 
ber Sraurigfeit. 3. <E 3Bo ein wütenber Effect ^errfc^ef, ba muß ber Vor- 
trag weit me£r geuer f;aben, M be^> fcf)erjenben Stüden, ob er gleich bep 
be^ben lebhaft fe^n muß: unb fo au<$ bfy bem ©egent^eüe. SERan muß ft^ 

[*) Quan^ fe$t $kv unb in bm folgenben Paragraphen bie mufifalif^e ^Iffeftenle^re 
feiner 3eit auöeinanber, auf beren 9Bid;tigfeit nacJ)briidlic^ ^ingett>iefen fei. Cf. XII. SaitVtff. 
§§ 24-26, XIV. Äottpffc §§ 5-8, u. a.] 



52 XI. Äcmptftttä. 

aud? mit bem 3ufat;e ber Sanierungen, mit betten man ben »orgefcbriebenen 
©efang, ober eine ftmfcte 9JMobie, p bereitem, unb nocb mebr 3» «$*« 
fucbet, barnacb ridjten. ©iefe 2lu«sierungen, fte mögen notbmenbtg ober wtU= 
tübrlid) femt, muffen niemat« bem in ber iöauptmelobie berrfcbenben Effecte 
miberforec&en, unb fotgtid) mufc ba« Slnterbaltene unb ©ejogene, mtt bem 
Sänbelnben, ©efältigen, Äatbluftigen unb ßebbaften, ba« £red>e mtt bem 
Scbmeicbelnben, u. f. w. nid)t »erwirret werben, ©ie 93orfd)täge machen bte 
Gelobte an einanber bangenb, unb »ernteten bte Harmonie; bie Sriller unb 
übrigen «einen 2tu«aierungen, al«: balbe dritter, SKorbanten, ©o»»elfc&täge unb 
battemens, muntern auf. ©a« abwecbfelnbe <£iano unb Sorte aber, erbebt 
tbeüS einige 9loten, tbeitg erreget e« 3ärttid)rett. Scbmetcbelnbe ©ange im 
<21bagio bürfen im Spielen mit bem 3ungenfto$e unb 93ogenftrid)e nid)t p bart, 
unb bingegen im SlUegro, luftige unb erhabene ©ebanten, nid)t fd)lep»enb, 
fdrfetfenb, ober p weid) angeftofjen werben. 

16. §. 3d) Witt einige $emtäeid>en angeben, <axi benen jufammen ge- 
nommen, man, wo nid)t aOegeit, bod) meiftentbetB wirb abnebmen tonnen, t»a$ 
für ein Effect berrfd)e, unb wie folglid) ber Vortrag befdjaffen feön, ob er 
fd)meicbetnb, traurig, prtticb, luftig, fred), ernft^aft, u. f. w. [108] fetjn muffe. 
SOlan rann biefe« erlernten 1) au« ben Tonarten, ob foldje bart ober weid> ftnb. 
©ie |)arte Tonart Wirb gemeimglid) 5« SUtSbrücEung be« fiuftigen, Sredjen, 
grnftbaften, unb erhabenen: bie weid^e aber 8ur QUt«brficrung be« Sd)meid)elnben, 
traurigen, unb 3artltd>en gebrandet, f. ben 6. §. be« XIV. äauptftüd«. ©od) 
leibet biefe 9*eget ü)re Sluönabmen: unb man mufj beSwegen bie fotgenben 
^ennaeid)en mit p Äülfe nebmen. =Dlan lann 2) bie fieibenfcbaft erlernten: 
au« ben oorlommenben 3nters>a0en, ob folcbe nabe ober entfernt liegen, unb ob 
bie %>ten gefd)leifet ober geftofan werben follen. ©urd) bie gefcbteifeten unb 
na^e an einanber liegenben 3nteroaUe wirb ba$ Scbmetcbetnbe, traurige, unb 
3ärtlid)e, burd) bie fürs geflogenen, ober in entferneten Sprüngen beftebenben 
9foten, ingteid^en burd> fold>e Figuren ba bie <£uncte altegcit hinter ber peöten 
=noten fteben, aber, wirb ba« Suftige unb grecbe au«gebrfidet. ^uncttrte unb 
anbaltenbe 9?oten brüden ba« (frnft^afte unb <£atbeftfd>e, bie llntermifcbung 
langer 9toten, at« falber unb ganjer Sacte, unter bie gefd>wtnben, aber, t>a§ 
^räd)tige unb (frbabene au«. 3) i?ann man bte fieibenfcbaften abnehmen: au« 
ben ©iffonanjen. ©iefe tbun nicbt alle einerleö, fonbern immer eine oor ber 
anbern »erfd)iebene <2Btrfungen. 3<b bafee biefe« im VI. <Hbfd>nirfe be« 
XVII. Äauptftüd« weitläuftig erttäret, unb mit einem <£rem»el erläutert. Sßeit 
aber biefe <£rtenntni& nid)t ben Stccompagniften allein, fonbern aud) einem jeben 
■2lu«fübrer p wiffen unentbebrlid) ift, fo will id> mid> tytv auf ben 13. unb 
folgenbe bi« jum 17. §. be« gebacken «Zlbf^nitte« bejieben. ©ie 4) Qlnjeige 
be« berrfcbenben Äau^taffect« ift enblid; ba« 5« anfange eine« jeben Stüde« 



33om guten Vortrage im 6ingen unb BpkUn überhaupt. 53 

bcftnblict)e <2öort, aW: SWegro, 'Slllegro non tanto, — affai, — bi molto, — 
moberato, °prefto, Slttegretto, Vlnbantt, 'sllnbantmo, Slriofo, Santabile, Spiritofo, 
^ffettuofo, ©rave, 'Slbagio, $lbagto affai, £ento, SD^effo, u. a. m. Sitte bicfe 
Wörter, wenn fte mit gutem 93eba$te vorgefe$et fmb, erfobern jebeS einen be* 
fonbern Vortrag in ber SluSfü^rung: sugef^tveigen, ba%, tvie td) fcfyon gefaget 
fyobi, jebeS Stüd von oben bemetbeten (E^arafteren, unterfdjiebene 93ermif($ungen 
mm pat|>etif$en, fc£)meid)etnben, luftigen, prächtigen, ober fd)er^aften ©ebanfen 
in ftd) Mafien fann, unb man ftd) alfo, fo ju fagen, bfy jebem Sacte in einen 
anbern Effect fe^en mn% um fvfy halb traurig, balb luftig, balb ernftfcaft, u. f. tv. 
ftelten 5U fönnen: tvetdje 93erftetlung be$ ber SPlufi! fe^r nöt^ig ift. <2Ber biefe 
J?unft red)t ergrünben fann, bem nrirb eS m<$t leicht an bem ^e^fatte ber 3u* 
£örer [109] fehlen, unb fein Vortrag ttrirb alfo allezeit rifyrettb fein. 9Kan 
wolle aber nid)t glauben, bafj biefe feine £lnterfd)eibung in lurjer 3eit lönne 
erlernet werben. 93on jungen £euten, tveld)e gemeimglid) hieran 5Ü flüchtig unb 
ungebulbig finb, lann man fte faft gar nictjt »erlangen. Sie fömmt aber mit 
beut «Söad^t^ume ber Smpftnbung unb ber ^eurt^eilung^fraft. 

17. §. <££ muf* ftd) ein jeber ^ierbety aud) nad) feiner angebo^rnen ®e= 
müt^befc^affen^eit richten, unb biefelbe gehörig §u regieren tt)iffen. ©in flüdjtiger 
unb ^iger SEftenfd), ber £au}>tfäd>ltcfy jum ^räd^tigen, (SrnftJjaften, unb p 
übereilenber ©efd)tvinbigfeit aufgeleget ift, mu# be$m Slbagio fud>en, fein Steuer 
fo viel als möglich ift ju mäßigen. Sin trauriger unb niebergefcfylagener 
9Äenfcfy hingegen ffyut tvo^t, tvenn er, um. ein Slllegro lebhaft ju fpielen, ettvaS 
von jene£ feinem übermütigen «Jener anjune|)men fucfyet. Unb tvenn ein auf» 
geräumter ober fanguinifdber SSftenfd), eine vernünftige 93ermifd)ung ber ©emütijS-- 
befd)affen|>eiten ber hfybm vorigen be$ fx<§ p machen tvete, unb ftcfy nic^t bur$ 
bie i^m angebo^rne Selbfttiebe unb ©emä$licpeit, ben $opf ein tvenig anm* 
ftrengen, ver^inbem lä£t: fo ttrirb er eS im guten Vortrage, unb in ber SKuftf 
überhaupt, am tvetteften bringen, SSety tvem ftd) aber von ber ©eburti) an eine 
fo gtüdltd)e ^ifd^ung beS ©eblüteS befmbet, bie von ben ©genf^aften ber bre^ 
vorigen, von jeber ettvas an ftd) fyat, ber |>at alte nur ju tvünfc^enben ^ort^eile 
§ur cßlufxt: benn ba$ (Eigent^ümlic^e ift allegeit beffer, unb von längerer ®auer, 
aB ba$ Sntle|)nte. 

18. §. 3c^ §obt oben gefaget, ba$ man burd) ben 3ufa$ ber Sanieren 
bie <3ftetobie bereitem, unb mtfyv ergeben müfle. 9Kan ^üte ftc^ aber, bafi man 
ben ©efang baburci) nifyt überf^ütte, ober unterbrüde. ©a$ aUju bunte Spielen 
fann eben fotvo|)l aB ba^ allju einfältige, bem ©e^5re enblic^ einen ©fei er* 
n>eden. SD^an mu^ belegen nityt nur mit ben ttriEfüljrficfyen Slu^ierungen, 
fonbern auc^ mit ben tvefentttcfyen Sanieren, nic^t p verf$tvenberif$, fonbern 
fparfam umgeben, ^bfonberli^ ift biefeä in fe|)r gef(J)n>inben ^ajfagien, tvo 
bie 3eit o^nebem nid)t viel 3ufa$ erlaubet, ju beobachten: bamit biefelben ni^t 



54 XI. Äouptftücf. 

unbeutli<$ unb wtberwärtig werben, einige Sänger, benen ber Triller nid)t 
fd)Wer au machen wirb, follte er aufy nifyt allemal ber befte fe^n, fyahm biefen 
gelter be$ allsufjäuftgen SrttternS ftarl an jtd). [110] 

19. §. Sin jeber 3nftrumentift mufj ftd) bemühen, ba§ (Eantabte fo vor- 
jutragen, wie e£ ein guter Sänger vorträgt ©er Sänger hingegen mu§ im 
ßebfwften, baß fetter guter 3nfirumentiften, fo viel bie Singftimme beffen fäfrig 
tft, gu erreid)en fud)en. 

20. §. ©iefeS ftnb alfo bie allgemeinen Regeln be$ guten Vortrages im 
Singen unb Spielen überhaupt 3cfy will nun biefelben auf bie «Sauptarten 
ber Stüde befonberä anwenben. JoterauS werben bie fotgenben bret) Sbaupt* 
ftüde, vom '•Megro, von bm wilKü|>rlicfyen «Seränberungen, unb vom £lbagio, 
beftefjen. ^uefy ba§ XVII. ioauptftüd t>on bm ^ftidjten ber Slccompagniften, 
wirb grofen W$mt§ t;ier^er gehören. 3$ will alles mit (Rempeln erläutern, 
unb biefelben, fo viel als miSgttd) fetyn wirb, erklären. 

21. §. ©er f$ted)te 93ortrag ift baS ©egent^eil von bem, was jum guten 
Vortrage erfobert tt)irb. 3d> will feine vorne^mften ^ennsei^en, bamit man 
fte befto leid)ter mit einanber überfeinen, mxb folglich befto forgfältiger vermeiben 
fönne, f>ier in ber 5?ürge gufammen f äffen, ©er Vortrag alfo ift fd?ted)t: wenn 
bie 3ntonation unrein ift, unb ber $on übertrieben wirb, wenn man bie 9?oten 
unbeutlid), bunfel, unverftänblicfy, mcfyt articuliret, fonbern matt, faul, fd^teppenb, 
fd)läfrig, grob, unb troden vorträgt, wenn man alle 9ioten o|me £lnterfd)ieb 
fc^leifet ober ftöft, wenn baS 3eitmaaf* nid)t beobachtet wirb, unb bie 9^oten 
i|>re wa^re ©ettung nityt bekommen, wenn bie Sanieren im $lbagio §u fe^r 
ver§ogen werben, unb mc^t mit ber Äarmonie übereintreffen, wenn matt bie 
galanteren fdjtec^t enbiget, ober übereilet, bie ©iffonan§en aber Weber ge^rig 
vorbereitet, nod» auflöfet, wenn man bie ^affagien nic^t runb unb beuttic^, 
fonbern fc^wer, ängftlid), fd)leppenb, ober übereilenb unb ftotyernb machet, unb 
mit aller^anb ©rimaffen begleitet, wenn man alles fattfmnig, in einerlei <5arbe, 
ofme «Slbwedjfetung beS <3>iano unb ^orte ftngt ober ftrietet, wenn man ben 
auSgubrüdenben £eibenfd>aften juwiber ^anbelt, unb überhaupt wenn man alles 
o^ne emppnbung, o|me Effect, unb o^ne felbft gerü^ret &u werben, vorträgt, 
fo ba£ e$ ba$ Slnfe^en £at, als wenn man in Sommiffton für einen anbern 
fingen ober ftnelen mü^te: woburcl) aber ber 3u|)örer e^er in eine Sc^tafrigfeit 
verfemet, als auf eine angenehme [111] *2lrt unterhalten unb beluftiget wirb, 
mithin froty fe^n mufj, wenn baS Stüd ju (Snbe ift. 



QSon ber ^rt ba3 SlUegro §u fatelen. 55 



®a$ XII. §auj>tp<l 

QSott ber 5kt baS Slttegro jtt ftrietett* [in] 

1. §. ©a$ <2Bort: ^UtegtO, £at im ©egenfa^e mit bem ^bagio be$ 
^Benennung mujtMtfd)er ßtücfe, einen »etttäuftigen 93egriff: unb »erben in 
biefer 53ebeutung meierte^ Wirten $>on gefcfy»inben Qtüäm, aU: 'ilttegro, 
2lttegro affai, QlUegro bi motto, $Iltegro non prefto, ^Ittegro ma non tanto, 
<Megro moberato, 93foace, «Slttegretto, ^refto, ^reftifftmo, u. b. gt. öerftanben. 
gOBtr nehmen e£ frier in biefer »eittäuftigen 93ebeutung, unb $erfte|>en barunter 
alte Wirten »on lebhaften unb gefc!)»inben ©tücüen. «SEßir teuren uns frier im 
übrigen nicfyt an bie befonbere 33ebeutung, »enn e$ eine eigene Vlxt ber hurtigen 
^etoegung dj>araftertfiret 

2. §. ^Qßeil aber bie oben ersten ^e^toörter, fcon trieten (£omponiften, 
öfters mef)r au$ @e»ofm£ett, aU bie Sac()e fetbft recfyt ju <$aralteriftren, unb 
bem ^luSfü^rer baS 3eitmaa§ beuttict) p machen, |>ingefe§et »erben: fo Sinnen 
gälte t>orlommen, ba man ftdE) nic£>t aEemat an biefelben ixnb&x barf, fonbern 
trietmef>r ben 6inn beS (Eomponiften au$ bem 3n$atte $u erraten fudjen mu#. 

3. §. ©er Joauptcfyaralter be$ Qlltegro ift 90iunterfeit unb ßebf>afttgleit: 
fo »ie im ©egent^eit ber t>om Slbagto in 3ärtlt$feit unb Sraurigleit befte^t. 

4. §. ©ie gef$»inben ^affagien muffen t>or alten ©ingen im ^tlegro 
runb, proper, tebfwft, articutiret, unb beuttid) gefpielet »erben, ©ie £ebf>aftig* 
feit be$ 3ungenftof*e$, unb bie ^»egungen t>on 'Sruft unb £ip=[112]pen, auf 
SStaStnftrumenten, auf «Sogeninftrumenten aber ber 6trid) be£ Cogens, tragen 
§kt%u t>tet be$. 2luf ber glitte muf? man mit ber 3unge batb fjart, batb »etd> 
fto^en, nac^bem e$ bie Wirten ber 9ioten erfobem: unb ber Stof? ber 3unge 
muf jeberseit mit ben Ringern sugtei^ o$tn, bamit nityt frier unb ba in 
^affagien etliche 9ioten auSgetaffen »erben. Wan muf? be$»egen bie Ringer 
alte egat, unb ja nidjt ju f>o<$ aufgeben. 

5. §. Wlan mufc fx<5) bemühen jebe 9lote nacf) ifjrer gehörigen ©ettung 
ju fpieten, unb fvfy forgfättig f>üten, »eber ju eilen no<$ ju jögern. Sftan mu% 
SU bem Snbe, be$ jebem 93iert£ette auf baß 3eitmaaf gebenden, unb ni$f 
Qlaubm, e£ fety fc^on genug, »enn man nur be^m anfange nni) ber (fnbigung 
btß $acteS mit ben übrigen Stimmen zutreffe, [^e^ler^afte^ ßtten taxm bur<§ eine 
geringe ^arfierung ber erften 9^ote in fdjneUen Figuren t>ermieben werben.] 



56 XII. ftauptftiUf. : 

6. §. [ffe^te^afteg (Eilen entfte&t oft infolge fallen 3ungenfto^e8.] 

7. §. <3Kan mufc ftß befonberS »orfeben, langfame unb fmgenbe gioten, 
fo swifcben ^affagien eingeflößten fmb, ni^t su übereilen. 

8. §. man mu§ ba$ Slttegro nißt gefßwinber foielen wollen, att man 
bte «fcaffagien, in einerle» ©efßwinbigfeit, 8 u maßen im Stanbe ift: bannt man 
nißt genötbiget fet>, einige ^»affagien, fo etwan fßwerer aU <£f***' l ™*° 
famer ju Rieten, welßeS eine unangenebme «Henberung beS 3ett-[113jmaa^e« 
»erurfaßet. SRan mu& beswegen baS Semöo naß ben fßwereften ^affagten j 

f äffen. 

9. §. <2ßenn in einem mttegto nebft ben ^affagien, fo auß Seßjebn- 

Reiten ober 3we» unb brettfigtbeilen befteben, auß Stielen, weiße einmal | 

weniger gefßwanset ftnb als bte ^affagien, mit untermifßet ftnb: fo mufc man, [■ 

in «itnfebung ber ©efßwinbigf eif, fiß nißt naß ben Ertöten, fonbern naß ben , ; 

epaffagien fetbft rißten, fonft fömmt man im 3eitmaa^e m fürs: weit feßjebn | : 
gleiße 9*oten, in einem «acte, mebr Seit erfobern, «Ö »ier Srtoten. tfotgliß 

muffen bie ledern gemä^iget »erben. j 

10. §. <23eb ben Stielen mufj man ftß wobt in W^t nehmen, bafj man | 
fte reßt runb unb egal maße, nißt aber bie 5W0 erften bieten baoon übereile: ^ 
bamit biefe nißt Hingen, ali wenn fte noß einmal mebr gefßwänaet wären, 

benn auf fotße Qlrt würben fte feine Sriolen mebr bleiben. <2Ran famt be$= j 

wegen bie erfte 9*ote einer Stiele, weil fte bie Äauötnote im Slccotbe ift, ein i 

wenig anhalten: bamit baß 3eitmaafc baburß nißt übertrieben, unb ber 93or= 
trag folglich mangelhaft werbe. 

11. §. <23eö alter Eebbaftigfeit, fo pm Slllegro erfobert wirb, mufc man 
fiß beffen ungeaßtet niemals au$ feiner ©etaffenbeit bringen laffen. ©enn alles 
wag übereilet gefeielet witb, »erurfaßet beö ben 3ubörern eber eine Slengftliß* 
feit aU 3ufriebenbeit. 9Kan mu§ nur attejett ben Effect, weißen man auö= 

gubrücfen ^at, nißt aber baß ©efßwinbfpielen ju feinem Äauptjwecfe maßen. « 

Sftan fönnte eine muftfalifße SKafßine burß 5?unff suberetfen, ba% fte gewiffe 

etücfe mit fo befonberer ©efßwinbigfeit unb 9*ißtigfeit foielefe, weiße fein 

Sftenfß, Weber mit ben Ringern, noß mit ber 3unge naßäumaßen fäfcig wäre. < 

©iefeS würbe auß wobl <23erwunberung erwecfen, rubren aber würbe iß niemals: | 

unb wenn man bergleißen ein paarmal geboret bat, unb bie «Sefßaffenbeit ber | 

Gaä)(. weif, fo boret auß bte <23erwunberung auf. <2öer nur ben ^orjug ber 

9lübrung bor ber SRafßtne bebaubten Witt, ber mufc awar jebeS 6tücf in feinem 

gebörigen <5euer fpielen: übermäßig übertreiben aber muf} er e« niematö, fonft 

würbe bat 6tücf alle feine "Slnnebmlißfeit oerlieren. j 

12. §. 'Seö ben furjen Raufen, weiße anstatt ber Äaubtnoten im lieber- 
fßlage eorfommen, muf man ftß Wobt in 2lßt nebmen, ba£ man bie 9Zo=[114]ten 
naß ßnen nißt »or ber 3eit anfange. ' 3- ©• ^c«" »°« »tec 6eßjebntbeilen 



Q3ott ber Slrt baö SlUegro 51t fptclen. 57 

baß erfte ju paufiren tft, fo mu§ man no$ $alb fo lange, att bie ^aufe bem 
@eftd)te nad> gilt, warten: »eil bie fotgenbe 9?ote fürjer fe^n mu£, aU bic 
erfte. Sben fo mffilt tf P# mit ben 3»c9 unb bre#igt|>etten. 

13. §. ®en 2lt$em mu£ man immer §n rechter 3eit nehmen, audj ben« 
fetben forgfältig fyaren Urnen: bamit man einen an emanber ijangenben ©efang 
burd? wattiges ^em^oten nid)t zertrenne. 

14. §. ©ie dritter muffen hfy luftigen ©ebanfen munter unb gef<$tt>inb 
gef^Iagen tverben. Hnb fcvenn in ben ^affagten einige SRoten ftufentveife 
untertvärtS gef?en, unb e3 bie 3eit erlaubet, fo tann man bann unb tvann, bet) 
ber erften, ober britten Sftote, tyatbe dritter anbringen: ge^en aber bie 9ioten 
aufwärts, fo tan[n] man p| ber battemens bebienen.R] <23e$be Slrten erteilen ben 
^paffagien nod) meljr Eeb^aftigfeit unb Stimmer, ©od) mu£ man fte nifyt 
mißbrauchen, tvenn man ntdjt einen ©fei verurfad>en nritl, f. baß VIII. £>aupt* 
fM 19. §. 

15. §. <2Bie bie 9loten, tvetd)e vor 93orf^tägen ^erge^en, von benfelben 
abgefonbert werben muffen, ift im VI. &anpt% LSUbfönitt, 8. §. gete^ret tvorben.[**)] 

16. §. 93e9 ^affagien ba bie Äauptnoten untertvärtS, unb bie burefy* 
ge^enben auffoärt* ge|>en, muffen bie erftem cttt>a« angehalten unb marßret, 
and) ftärfer aU bie letztem angegeben tperben, tt>etl bie <3ftelobie in ben erftern 
liegt, ©ie ledern hingegen fönnen an bie erftem fachte angefcfyteifet werben. 

17. §. 3e tiefer bie Sprünge in ^affagien fmb, je ftärfer muffen bie 
tiefen 9foten vorgetragen werben: tJjeitS tt>eit fte pm 3lccorbe gehörige &anpt* 
noten ftnb, tfcetö tveil bie tiefen STöne auf ber Slöte nid^t fo fdjneibenb unb 
burcfybringenb ftnb, als bie t;oljen. 

18. §. ßange 9*oten muffen burd) baß 3öad)fen unb ^bne^men ber 
Star Je beß Soneß auf eine erhabene 91rt unterhatten: bie barauf fotgenben ge- 
ll 15] fönrinben 9Zoten aber, burd) einen muntern Vortrag von jenen ttrieber 
unterfc^ieben tt>erben. 

19. §. QBemt auf gefdjtvinbe 9toten unvermutet eine lange folget, bie 
ben ©efang unterbricht, fo muf biefelbe mit befonberm 9*ad>bru<Se marfiret 
tverben. 93ei bm folgenben 9ioten fan[n] man bie Stärfe beS 5one3 tvieber 
ettvaS mäßigen. 

20. §. folgen aber auf gef<$tvinbe 9Zoten etliche langfame ftngenbe: fo 
mufj man fogteid) baß «Jener mäßigen, unb bie langfamen ^oten mit bem bargu 
erfoberlidjen Effecte vortragen, bamit e$ nidt>t fd)eine, als ob einem bie 3eit 
brüber lang tvürbe. 

[*) 6. baju VIII. äauptft. § 15, mxb IX. iöauptft. § 6.] 

[**) „& ift eine aßgemetne Sieget, ba% gtoiWen bem 93orf*lagc, unb ber 9tote, bie 
vor ü)tn ^erge^t, ein Keiner Hnterf^ieb fein muffe, abfonberlic^ tt>enn Bepbe 9toten auf 
einerlei ^one fielen: bamit man htn 93orfc$tag beutli^ $ören fönne/] 



58 XII. &auptftü<£ 

21. §. Schleif enbe [gebunbene] Sftoten muffen fo gefpieiet »erben »ie fie 
angebeutet fmb: »eil öfter« barunter ein befonberer <2iu«brutf gefu^et »irb. 
hingegen muffen a\x% bie, fo ben 3ungenftofc »erlangen, mtf>t gef^letfet »erben. 

22. §. <2ßenn in einem SWegro affai bie s»e9gefd)»änsten 9Zoten bte 
gef$»inbeften fmb: fo muffen mefcrent^eit« bie Streite mit ber 3unge birg 
geftofcn, bie viaQO* hingegen fmgenb ober unterhalten gemietet »erben.* 3n 
einem «Slllegretto aber, »o bre9gef<$»än&te Sriolen sorfommen: muffen bte 
6e$8e|mt!>eUe Iura gefto^en, bie 9l#tt$eite aber fmgenb gemietet »erben. 

* qöenn *on fursen Stoten at« Streiten ober Ged^ntfjeiten bie 9*ebe ift, ba% fie ge- 
ftofien werben follen: fo »erfte^t fi$ auf ber $löte allemal ber $arte 3ungenfto§ mit 
ti häbfy. 93e9 langfamen fmgenben 9toten aber ttirfc ber 3ungenftofc mit bi oer- 
ftanben: »eld)e« iä) ein für allemal erinnert $aben »itt. 

23. §. «Senn ber &auptfa$, Omenta) in einem Slttegro öfter« »icber 
»orfömmt, fo muf fol^er burd) ben Vortrag son ben STCebengebanfen immer 
»o|>l untergeben »erben. <£r mag prächtig ober fd^meic^etnb, luftig ober fre<$ 
fepn, fo lann er bo<$ burd) bie £eb|>aftigleit ober ^ä^igung ber <23e»egungen 
ber 3unge, ber «ruft, unb ber ßippen, »ie aud) bur^ U$ ^tano unb Sorte 
bem ©e|)öre immer auf oerfdjicbene *2lrt empftnbli^ gemacht »erben, <33e9 
<2ßteber£olungen tfcut überhaupt bie $lb»ed>felung mit bem ^iano unb Sorte 
gute ©ienfte. [116] ( 

24. §. ©ie £etbenfd?aften »e^fetn im SUlegro tUn fomo^l al« im ^bagto 
öfter« ah. ©er amffflfrrer mufc fni) atfo in eine jebe p verfemen, unb fte 
gehörig au«äubrü<Jen fu^en. <£« ift bemnad) nöt^ig, ba% man unterfud)e, ob 
in bem su fyietenben 6tüde lauter luftige ©ebanfen fcorfornmen, ober ob aud) 
anbere ©ebanfen von vergebener <2lrt bamit öerfnüpfet fmb. 3ft ba§ erftere, 
fo mu£ t>aß etixä in einer beftänbigen fieb^aftigfeit unterhatten »erben. 3ft 
aber m teuere, fo gilt bie obige Siegel, ©a« fiufttge »irb mit furjen 
9ioten, fte mögen, nadjbem e« bie Sactart erfobert, au« ^tt^eiten, ober 
Sed^nt^eiten, ober im Slltabre&etacte au« 93iert|>eiten befte^en, »etc&e fo»o£t 
fprmgenb, al« ftufen»eife ftd» be»egen, vorgeftellet, unb burd) bie £eb£aftigfeit 
be« 3ungenftofce« au«gebrü(Set. ©a« ^rä^fige, »irb fo»o|>t mit langen 
9toten, »orunter bie anbern Stimmen eine gefd)»inbe 93e»egung machen, at« 
mit punettrten 9ioten vorgeftellet. ©ie punetirten 9*oten muffen von Um 2tu«= 
fityrer f<$arf gefto^en, unb mit ßeb^aftigfett vorgetragen »erben, ©ie <£uncte 
»erben lange gehalten, unb bie barauf folgenben 9*oten fe|>r fürs gemacht, 
f. V. JoauptftM. 21. unb 22. §. 93e$ ben ^uneten tonnen auä) bann unb 
»ann Srtßer angebracht »erben, ©a« <5red)e »irb mit 9?oten, »o hinter 
ber tfvtytm ober britten ein °punct fte^t, unb folgtid? bie erften präci^itiret 
»erben, oorgeftellet. Äierbe^ mu^ man ft$ ^üten, baf man fvi) txxfyt aU^ufe^r 
übereile: bamit e« nic^t einer gemeinen SangmufK ä^nli^ Hinge. 3n ber 



Q3on ber *21rt bau SMegio 3U fpietcn. 59 

ßoncertftimme fann man e$ abfonberlid), bur<$ einen befctyetbenen 93ortrag etwas 
mäßigen, unb angenehm machen. ®a£ Sd)meidj>etnbe, wirb burc§ fd)teifenbe 
9^oten, welche ftufenweife auf ober nieber ge|>en, ingteidjen burd) fynJopirete 
9toten, bei) benen man bie erfte ioätfte fcfywad) angeben, bie anbete aber burd) 
«Bewegung ber 93ruft unb ber Sippen verftärfen fann, au3gebrüdet.[*)] 

25. §. ®te Äauptgebanlen muffen von ben untermifcfyten wo^jt unter» 
fcfyieben werben, unb ftnb eigentlich bie vome^mfte 9li<$tfdmur beS 'SlugbrudeS. 
6mb alfo me^r luftige, at£ prächtige ober fc()meid)elnbe (S&anhn in einem 
*2lttegro, fo mufj aud) baffetbe ^auptfäcpd) munter unb gefcfywinb gefpietet 
werben. 3ft aber bie tyvatyt ber ß^araüter ber Äauptgebanfen, fo mufj t>a$ 
Stüd überhaupt emft|>after auSgefü^ret werben. 3ft bie Scl)meid)£te9 ber 
ioauptaffect, fo muf me$r ®etaffenij>eit ^errfcfyen. [117] 

26. §. ©er fimpte ©efang muf? im ^lltegro, eben fo wof>t als im «Slbagio, 
burcf) 93orf$täge, unb burd) bie anbem Keinen wef entließen Sanieren, au$* 
gegieret unb gefälliger gemacht werben: nad)bem e$ jebeSmal bie vorfommenbe 
ßeibenf^aft er^eifc^ct- ®a$ ^räcfyttge leibet wenig 3ufa$: tt>a$ fvfy aber ja 
noct) ettoa baju fd)idet, muf* ergaben vorgetragen werben. ®a3 Sdjmeicfyetnbe 
erfobert 93orfcl)läge, fcfyteifenbe ^oten, unb einen 5ärtltd)en SluSbrucf. 3)aS 
ßuftige hingegen verlanget nett geenbigte dritter, Vorbauten, unb einen fd^erg* 
^aften 93ortrag. 

27. §. 93on wilKü|)rlicfyen 93eränberungen leibet ba$ 'Slltegro nid>t viel, 
weil e$ me^rentl;eitg mit einem folgen ©efange, unb folgen ^affagten gefe^et 
wirb, worinne nicfyt viel ju verbeffern ift QBill man aber bennocfy tva§ ver» 
änbern, fo muf* e£ nid)t efjer ate be$ ber 99Bieber^olung gefeiten, welches in 
einem Solo, wo i>a$ *2lHegro au$ 5W0 9?eprifen befte^t, am fügtid)ften angebt. 
6d)5ne ftngenbe ©ebanlen aber, beren man nicfyt teid)t überbrüfjig werben lann, 
ingleic^en briEante ^affagien, Welche an ftcfy fetbff eine |>inrei$enbe gefäßige 
SSJietobie f>aben, barf man nxfyt veränbern: fonbem nur fotcfye ©ebanlen, bie 
eben feinen großen (Sinbrud machen. ®enn ber 3u|)5rer wirb mcfyt fo wof)l 
burcty bie ©efd)tÖid)lett beS 'SlugfüljrerS, als vielmehr burd) ba3 6d)i5ne, 
weites er mit ©efdriHtcfyfett vorzutragen weiä, gerüljret kommen aber burd) 
baS 93erfe|)en be£ (Somponiften, aHjuöftere SBieberljotungen vor, welche leicht 
g3erbru§ erweden tonnen: fo ift in biefem $atle t>er 'SluSfü^rer befuget, folc^e^ 
bur<^ feine ©efc^iflic^leit ju verbejfem. 3d) fage verbeffem, aber ja nityt ver-- 
ftümmeln. 9Äanc^e glauben, wenn fte nur immer veränbern, fo fe^) ber Sacfye 
fc^on geholfen, ob fte gleicfy baburd^ öftere me^r verberben, als gut machen. [118] 

[*) 6. ba§u XL Äauptft § 15 ff. 



6 XIIL Äouptftüd. 



rmi ? y msm? y $mTm?lW$? } !P v r r "* r ^^^mim?l^^lJ^}l^iM^iM^iÄ 



®a$ XIIL $>auptftüd. [1I8] 

QSon ben toiEfityritdjett SSerättbmmgett über bte 
fim^eln Sttfemtte. 

1. §. ©er ilntc*fct>ici> gttnftyen einer nad) bem itatiänifeben, unb einer 
netd) bem fransöftfeben @efd)macfe gefegten SRelobie, ift, fo weit biefer Xlnter- 
fd>ieb ftd) auf bie Sanierungen be« ©efange« erftretfet, im X. Äauptftücte bei- 
läufig gejeiget worben.[*)] Wan wirb barauS erfeben, t><% bie SKelobie, »on 
benen, fo nad) bem itatiantfd)en @efd>made comboniren, nid>t tote »on ben 
fransöftfeben Gom»ottiften gefc^ic^f, mit allen Sanieren bergeftalt auSgeffibret 
ift, baß nid>t nod> tttoai rönne barju gefegt, unb »erbeffert werben: unb baß 
eS fotglid) auffer benen im VIII. unb IX. &au»rftücfe getreten wefentlid)en 
Sanieren, nod> anbere SluSjierungen giebt, melcbe »on ber @efd)iflicb?eit unb 
bem freöen Tillen beS SluSfübrerS abhängen. 

2. §. <5a\t niemanb ber, sumal aufferbalb granfteieb«, bie 9(RufW ju er- 
lernen ftd) befleißiget, begnüget ftd) mit 2ltt$fübrung ber wefenttid)en Sanieren 
altein, fonbern ber größte Sbeil embftnbet bett ftd) eine «Segierbe, bie i^n 93er- 
änberungen ober wiUtübrlid)e 2lu«sierungen 3U mad)en antreibt, /©iefe «Segierbe 
ift nun jwar an ftd) fetbft ntebt ju tabeln: bod) fann fte, obne bie Somwofttion 
ober wenigftenä ben ©eneralbaß ju »erfteben, niebt erfüllet »erben. <2Beil e« 
aber ben meiften an ber baju gebörigen Slnwetfung febtet: fo gebt fotgtid) bie 
ead>e febr langfam 5u, unb eS tommen baburd) »iele unnötige unb ungefd>tfte 
©ebanten jum 93orfd)etne: fo ta% eS öfter« beffer fettn mürbe, bie SRetobie fo, 
mie fte ber domöonift gefe$et $at, p fbielen, al« fte mebrentbetß burd) ber- 
gleiten fd)ted)te "Seränberungen ju »erberben. [119] 

3. §. liefern <3ttiabraud)e nun in tmai abhelfen, miß id) benen, fo 
eS an ber bier&u nötbigen ©rtenntniß noeb mangelt, eine Einleitung geben, wie 
man be». ben meiften unb allgemeinen 3nter»allen über ftmble 9toten, auf 
»ieterte». Slrt, obne »iber bie Harmonie ber ©vunbftimme a« banbeln, 33er> 
anberungen mad)en fönne. 

4. §. 3u bem ©nbe babe td) bie meiften Wirten ber 3nter»atte, nebft bem 
barju gebörigen <23affe, in eine Säbelte gebraebt, f. Sab. VIII, aud) bie Harmonie 

[*) 6. oben e. 40 f.] 



g$on *>en tinttfü&tfi^en 93eränbenmgen ü&er bie ftmpetn 3«tett>aße. 



61 



baju, über bern 'Baffe beziffert: ba man benn, nad) ben babe$ befmbttc^en 
Turnern ober Figuren, in ber ^otge ber Säbelte, bie barauS natürlich flie^enben 
cßeränberungen, ganj beuttid) wirb erfe|>en, unb fotdje nadjge^enbS, in atte Ton- 
arten, barauS man ju fpieten |^ teid)tticfy öerfe^en fönnen. 



Sab. VIII 



$ig. 2. fttg. 3. ftig. 4. 



fftB. 5. 



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Sig. 9. Sig. 10. S'3- 11. 

jwr~n Mir r r j 



( ) j j J i y j j liii j j J i ii J j r Ml r r ' M ES^a 



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<5ig. 12. 



Sig. 13. 



ffig. 14. 



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oij|pi|i fir hm ^rm" 1 n^i^ri^ ^^^ 



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Sig. 16. 



I -irffr |r f-n -i r i f rr | i ' r -il -*r l r rr I Ü I M - S 



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^ifri^ ii i^ i r f i^ 



56 56 
6 56 5 6 ^ 



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62 XIII. Jöauptftüd 

5. §. ©o<$ begebe ify ni<$t, burcl) biefe wenigen (Stempel [*)], alle 
<23eränberungen, fo über bie Snter&alle p ftttben möglich ift, erfc^öpfet ju £aben: 
fonbern t<$ gebe fotd)e$ nur &or eine Einteilung für bie Stnwiffenben au$J QBer 
fo weit ift, baf* er fetbige gehörig anzubringen weis, bem tt>irb atSbenn nicfyt 
f<$wer fallen, mehrere bergteicfyen §u erfmben. 

6. §. <2Beit aber biefe (Stempel, um Sßeitläuftigfeit ju sermeiben, nur 
me^rent^eifö in bie ©urtöne gefe^et, nichts befto weniger aber ebenfalls in ben 
9Äotlti$nen gu gebrauten fmb: fo ift nöt^ig, bafj man biejenige Sonart, worinne 
mobutiret wirb, ft<$ wo^l belannt macfye, um ftet) bie nötigen b, ober ^reu§e, 
welche naefy <23efd)affen$eit ber §onart, aorgefe^et fetyn müßten, gteicE) einbitben 
5u tonnen: bamit man bfy ben 93erfe§ungen, nic^t ganje Säne t>or |>atbe, unb 
folbi t>or gange neunte, unb fotgtid) wtber bie 93er$ättmffe ber Sonarten fcer* 
fto$e. "Sttan mu# and) auf ben ^afj n>of)t Elc^tung geben, ob über ber ©runb* 
note bie gro^e ober Keine Serje ffatt finbe: unb wenn berfetbe bie 6e$te gegen 
bie Oberfttmme l)at, ob felbige grofc ober Kein fe$, weites in Qab. XIII, be$ 
©ig. 13, unb in Sab. XIV, be$ #tg. 14, [S. §§ 26 u. 27] mit mehreren su erfe^en ift 

©ie grempet, fo befc jeber ffiguv unter einen 33ogen eingebrannt fmb, erfobern einerlei 
QSeränberungen, toett folc^e eben benfetben 93afj sunt ©runbe $aben. aufgenommen, 
toenn ber «Bof* burc$ ein ^reu& er$<tyet nrirb, benn atöbenn muß bie Öberftimme ber- 
gleichen t$un. [120] 

9ftan muß Slc&tung geben, ob bie Bewegungen ber Stoten, im gtnflange fte^en bleiben, 
ober ob bie SnteroaUe zim Gecunbe, Serje, Quarte, Quinte, Gerte, Septime, über 
ober unter ft$ machen, tt>et$e3 be^ bem erften §acte eine$ jeben (Stempels &u erfe^en 
ift, t>a$ alfo bie 3nter&aHe, bie Hrfa^en ju ben 93eränberungen geben. 

7. §. Heber^aupt mufj man hfy ben QSeränberungen allezeit barauf fefjen, 
ba% bie ioauptnoten, worüber man bie Q3eränberungen machet, nic^t serbunlett 
werben. SBßenn 93eränberungen über 93tert|>etlnoten angebracht werben: fo mu$ 
auty me£rent|>ei{$ bie erfte 9iote ber jugefe^ten tUn fo £ei£en wie bie pmpte: 
unb fo *>erfä&rt man be$ allen Slrten, fte mögen me^r ober weniger gelten, als 
ein ^iert^eil. 9D£an fann auefy wo^t eine anbre 9*ote, au$ ber ioarmonie beg 
^affeS erwählen, wenn nur bie jöauptnote gleich wieber barauf gehöret wirb. 

8. §. fiuftige wi> freche 93eränberungen, muffen in feine traurige unb 
mobefte SWelobie eingemenget werben: ober man muffte fucfyen, fot^e burd^ htn 
Vortrag angenehm su ma^en, wel^eö atebenn nic^t ju verwerfen ift. 

9. §. ©ie 93eränberungen muffen nur allegeif erft unternommen werben, 
wenn ber ftmpte ©efang f^on gehöret worben ift: fonft fann ber 3u|>i$rer ni^t 
wiffen, ob eS 93eränberungen fe^n. ^u^ mu§ man leine wo^lgefe^te 9Äelobie, 
weld^e aUeS surei<$enbe ©efällige fc^on in ft^ fyat, »eränbem: eS fep benn bafj 
man glaubete, fte noc^) §u »erbeffern. ^enn man xoa$ seränbem will, fo mu§ 

[*) ©emeint fmb bie Bctfiriele in ben §§ 12, 13, 14 u. folg.] 



93on ben xoiUUi)vUö)tn Q3eränberungen über bie flmpeln 3nteröatte. 63 

e$ auf eine fot^e *2lrt gefc^en, N* be * 3ufa$ im Singenben nod) gefälliger, 
unb in ben ^affagien no<$ brillanter fep, öÖ er an ft$ felbft getrieben fteftf. 
Sierju aber gehöret nid)t tpenig (Einfielt unb (Erfahrung. 0$ne bie Settfunft 
gu perftefjen, latm man nicfyt einmal t>a%u gelangen. SBem eS nun hieran fehlet, 
ber fyut immer beffer, toenn er bie (Erfinbung beS (Eomponiften feinen eigenen 
(Einfällen poräiefjt. SJiit fielen auf einanber fotgenben gefc^nrinben 9toten ift el 
ni<$t allezeit ausgerichtet. 6ie fßnnen tooJjl 93ertt>unberung Perurfacfyen, aber 
nid)t fo tei^t, tt>ie bie ftmpetn, ba$ ioerg rühren: tPetdjeS boef) ber n>a|>re (Ent- 
jtoetf, unb bad fdjtoerefte in ber SOlufil ift. ©tetd)tt>o|)t ift tnerinne ein großer 
9KiSbraucf> eingefetteten, ©e&pegen rat^e icfy, fv§ in ben 93eränberungen mcfyt 
5u fe^r 5U pertiefen: fonbern pielmef>r p<$ p befleißigen, einen fmtpetn ©efang, 
nobel, retnltct> unb nett [121] gu fielen, Jöängt man Por ber Seit, e|)e man 
nod) einigen @ef<f>ma<i in ber 9?htftf erlanget §at, ber 93eränberung^fuc^t all- 
gufefjr nact>, fo getPöfmet man bie 6eele baburdt) fo fef>r an bie Pielen bunten 
flöten, $>a$ fte enbticl) feinen fmtpeln ©efang me$r leiben lann. (ES ge^t ber- 
fetben in biefem ^atte tpie ber 3unge. <2Benn man biefe einmal an ftarf getpürgte 
Greifen getPö^net f>at, fo fcfymedet t£r feine fonft gefunbe einfache 6peife me|>r. 
QCßenn aber ber noble fimpte ©efang benjenigen, fo i$n Porträgt, felbft md)t 
rühret, fo fann er au<$ bety t>m 3u£örero tpenig (Einbrud machen. 

10. §. Ungeachtet ic$ nun glaube, bafj bie meiften ber in ben ^ierju- 
gehörigen Säbelten gegebenen (Ejempel beuttiefy genug fmb, gu bereifen, tpie piet» 
fältig bie 3nterpalle fönnen peränbert tt?erben: fo foC bod) nod) gum Heberfluffe, 
ein jebeS (Er,empel nati) feiner ^Jlrt, in ber Äürge, um eS ben fieljrbegierigen 
nü^ticfyer unb begreiflicher gu machen, befonberS erfläret werben. 

11. §. SOtfan ne^me alfo bie (Er.empet ber 93eränberungen, nebft bem bargu 
gehörigen ^ajfe, auS ben Tabellen, na<$) if>rer Orbnung gur Sanb, um gteid) 
nacfygufe^en, ttrie folcfye fotpo^l gu perftetyen, als gu gebrauchen finb. 93e9 einem 
leben Qlbfcfymtte, n>eifen bie 9lumem auf bie (E^empel ber pmpeln ©änge, au# 
bem anfange ber QabtUt, fo au£ 93iert^eilnoten, unb tporäber peränbert ttrirb, 
befte^en. Sie bo^pett über einanber gefetteten ^oten o|)ne Strich, zeigen ben 
^Iccorb einer jeben gu peränbernben S^lote, toaS felbige por 3nterpatte, fotoo^t 
unter als über ft$ \at, unb tPorauS bie ^eränberungen i^ren Hrfprung nehmen, 
©ie Sfoten mit einem 6trid)e in bie ioölje, fo fi^ in ber SDfttte ber ^ccorbe 
jinben, finb bie fiauptnoten beS fimpetn ©efangeS. ©ie übrigen 9?oten, wo- 
rüber bie ^ucfyftaben fte^en, finb eigentlich bie 93eränberungen, über bie 93ier- 
Zeitnöten §u anfange eines yü>tn SjempetS, tt>ie folgenbermaßen ju erfe^en ift. 

9Kan tnerfe ^ierbe^, ba§ toenn ic^, in "Sef^reibung ber Äauptnoten beö 'SlccorbeS, bie 
SnterPaHe, n>eld^e berfelbe in fi<^ $af, anführe, i^ feiere ni^t na$ htm ©eneralbaffe 
pon ber ©runbnote au$, rechne, fonbem Pon ber in ber Oberftimme au peränbernben 
9tote, entn>eber über ober unter fidj, absäble. 



64 



XIII. äauptftüd. 



©tejenigen, toeldje tum ber Harmonie unb bem ©eneratbaffe gar nichts oerfte^en, unb 
nur na$ bcm ©efjöre t>eränbern muffen, als betten $auptjacp$ gu ©efatlen id) $ier 
etwa« toeitläuftig bin, f&nnen fi$ bie 3nteroatte auf ber XVI. «Sab. be$ Sfuj. 27. 28. 
begannt machen, bamit fte fold>e sunt toenigften nacf> bem ©eftc^te fmben lönnen. <3ie 
fonnen foid;e aus ber §>iftans ber ^oten, bie enttoeber auf ber £tme, ober bem 
3wifci)enraume fielen, unb tote toeit bte 6prünge ge^en, [122] erfe^en. Q3on einem 
3fcnfa)enraume auf ben anberu, ift eine ^er&e, oom 9*aume auf bie 5tt>e$te ßinie eine 
Quarte, big auf ben britten 9laum eine Quinte, Dom 9toume U$ auf bie bvitt^ ßinie 
eine &e$te, hi$ auf ben vierten 9*aum eine 6eptime, oom 9taume big auf bie vierte 
ßinie eine Octaoe. ilm ftcfy biefe (Stempel re$t einjubrütfen, tjmt man tt>o$l, wenn 
man biefetben einen §on $ö|)er ober tiefer tranSpontret: ha benn bie 9lotm, fo $ier 
auf t>m SRaume fte^en, alöbenn auf bie ßinien, unb umgefe^rt bie auf ben Linien, auf 
ben 9*aum lommen. Äierburd) fann man fid) bie SnteroaUe einer Jeben $lrt leicht 
befannt machen. S)od) ift aUejeit beffer biefelben oermittelft Erlernung beö ©eneral« 
baffeä fennen p lernen. 

12. §. Safe. IX. ffifl. 1- 

<£ab. IX. $tg. 1. 



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2ton ben n>itttüf>rtfcl>en 93ercmberungen über bie fimpetn 3nterx>aae. 65 



®er (ginftang leibet, wie £ier ju fe^en ift, feine anbem <23eränberungen, als bie, 
weld)e im ^Iccorbe liegen, wenn nämlici> ber ^af auf ber ©runbnote fte^en 
bleibt, ober ftufenweife unterwärts ge|)t. &at aber ber <23a£ metobi&fe ©loten, 
welche entweber fpringenb ober ftufenweife burcr; ^tt^eile ober 6e<fyaefmt£eite, 
über ober unterwärts gefjen, fo fann oon biefen SJeränberungen feine anbere 
gebrandet werben, m (a) (h) (s) (t) (u) um ni^t übellautenbe klänge §u t>er= 
urfa^en. 

13. §. Stg. 2. 
&&. ix.] 9* 2. 



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XIII. Äauptftüct 



93on biefcn bre$ 9u>ten, welche au« bem ©runbtone G bur<$ bie 6ecunbe © 
in bie Serge £ aufwärts ge^en, £at bie erfte, in i^rem «Siccorbe, bie Serge unb 
Quinte über, unb bie Quarte unb 6e£te unter ft<$, (welches te$te nur eine 
^öieber^otung ber Serge unb Quinte tft.) linb weit ber 5lecorb au$ bre^en 
Sänen, nämlirf) au« ber Serge unb Quinte über bem ©runbtone befte^t, fo ge- 
fc^ie^t bie «Bieber^otung bur<$ bie Qctaoe, entweber tiefer ober ^ß^>er: welches 
\<fy ein m allemal erinnert fyabm will, ©ie gwe^te 9*ote ©, £at bie Serge 
unb Quinte, (wet<$e Quinte bie ©runbnote be$ 93affe3 ift,) unter, bie Quarte 
unb Sejte aber, über ftc^. ©ie britte 9*ote <£, (als bie Serge über bem ^affe) 
§at Serge unb <ot%tt fowofrt über, als unter fi<$, unb werben auf biefe $lrt, 
bie QJeränberungen gemalt, wie (n) bie oberften, unb (z) bie unterften 3nterfc>atte 
be£ ^ccorbe«, geigen. 
14. §. ffig, 3. 



[Sab. IX.] ffig. 3. 




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33on bert tt>itift$rtt$en 23eränbenmgert über bie fimpefa 3ntewatle. 

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67 



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«Sep triefen brepen unter fidj geljenben 9Zoten, |öf e£ nid>t gleite «Setpanbtmfr, 
tt>eü fetbige in ber Quinte über bem <23affe anfangen, unb ftufemseife in bie 
Serge ge^en, ba benn bie erfte 9fa>te © bie Serge unb Quinte, (tt>et«^e Quinte 
bie ©runbnote im 93affe ift,) unter, bie Quarte unb Sefte aber über fxti) fyat 
©te §tt>c9te 9?ote G $at bie Serge, [123] Heine Quinte, unb 6eptime (freiere 
U%tt bie ©runbnote be$ «SaffeS ift,) unter, bie übermäßige Quarte, unb Se^te 
aber, über ftd). ©ie britte Sftote & (als Serge über htm «Baffe,) |>at bie Serge 
unb Sejtefotooitf über, at$ unter ftd). (v) f. Sab. X. geiget bie oberften, unb 
(w) bie unterften 3nter&alte be£ ^ccorbS an. 

15. §. Sab. X. $ig. 4. 
§ab. X. 5ig. 4. 



j.i.ffrn^i??^^;^ 




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68 



XIII. Äauptfiücf. 



9b gteid) bicfe wer 9?oten, ben bre^en, be$ SHg. 2, ä^nüd) ju fetyn fcfyeinen: 
fo machet bocfy ber barunter befmbficfye ^af einen £lnterf$teb, tt>txl biefe in 
ber 5er&e, jene aber im ©runbtone anfangen, altoo ba$ Snterfcaft bfy ber erften 
SKote, bie Quarte unter fvfy, f. in ^ig. 2. (e), biefeS aber be$ jeber SKote, bie 
^erje fott>o^t unter alß über ft<$ £at, f. (a) (b), tt>e£tt>egen bety be^ben ntcfyt 
einerlei 93eränberungen ^tatt ftnben. ©ie erfte 9?ote (2 ^at atfo ju i^rem 
Siccorbe, fon>o$t bie Serae unb Sejte unter, aU über ft<$. ©ie jtpe^te SKote <$ 
fyat bie Ser§e unb Keine Quinte unter, bie übermäßige Quarte unb Sejte über 
ft$. ©ie britte 9fote © £at bie Serje unb Quinte unter, bie Quaxt^ unb 
Se^te über ftd). ©ie vierte 9^ote 21 fyat bie 5er§e über, bie ^erge, Quinte unb 
Seyte unter ftcfy: toeit ba$ Snter&all »on 51 tn$ & untertoärtg eine Septime 
ausmachet, toofcon be$ <5ig. 13, ein niedreres berichtet werben foH. 

16. §. ffig. 5. 
[Sab. X.] f%, 5. 



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93on t>en toilKü6rfi$en "Seränbenmgen übet Sie fitnpeln 3ntev»alte. 

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69 




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©iefe fünf untertt>ärt3 ge^enben flöten, £aben eben fo tt>enig @teid)f>eit mit 
ben brepen bep ffig. 3, at$ bte vorigen be$ <5ig. 4. mit benen be$ <5ig. 2. 
9bf<$on bie erfte «21, über ber <23a|note <?, ber §er$e ift, fo mufc bodj 
fetbige aU eine Se^te *>om ©runbtone d angefef>en werben, tt>eit biefer ©ang 
in ber Sonart £, unb nic^t im ^ mobutiret: ba fonft anftatt ber burefy- 
ge^enben 9Zote &, jtoifc&en <2l unb €, müßte 93 genommen werben, ©ie erfte 
9Zote $1, $at p tyrem ^ccorbe fotoofrt bie Serje unb Se^te unter, aU 
über ftrf). ©ie stte^te 9*ote @, £at bie Ser^e nn^ Quinte unter, bie Quarte 
unb Sejte über p#. ©ie britte 9?ote ff, |>at bie Serge unb «eine Quinte unter, 
bie übermäßige Quarte unb 6ejte über ftd?. ©ie vierte 9lote <£, £at bie Serge 
unb Sejte fotoo^t unter, atS über £$. ©ie fünfte 9*ote ©, %<xt bie Serge unb 
Quinte unter, bie Quarte unb Sejte über ft<$, unb ift bfy (1) ber jcber 9lote 
gehörige Skcorb bur$ Se$se£nt£etfe auögebrüdet ju finben. [124] 



17. §. <£ab. XI. 
Sab. XI. $ig. 6. 



ffig. 6. 



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70 



XIII. Äauptpcf. 
ii) +r m m) 



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®iefe bret) Sftoten, muffen mit betten fcon 'Jig. 4. ebenfalls nidjt toerwecfyfett 
werben. Ob fte fcfyon be^be i^ren Einfang in ber Serge nehmen, unb ftufen* 
weife aufwärts getjen: fo ift bocfy ber £lnterfd)ieb, baß jene in i^rem natür= 
liefen Sone mobutiren / biefe aber burefy baS SH3, atg bie übermäßige Quarte, 
in bie Tonart © ausweichen. £lnb tt)eit ber $ßa%, inbem bie öberftimme 
auS ber Serge in bie Quarte ge|>t, auf bemfelben Sone fte^en bleibt, fo tann 
anftatt ber Quarte fowotjt bie Se^te als Secunbe über bem 93affc, e$ fe$ 
in ber Siefe ober ioi^e, genommen werben: weit fetbige gu ber fiarmonie 
über bem 93affe gehören, f. (h) (11). Sie erfte 9Zote im 33affe, fann fowo^t bm 
puren ^ccorb, als Quinte unb Sejte in ber Sarmome, o^ne 9lacl)t|>ett ber 
93eränberungen, über ftd) $aben: unb §at atSbenn bie erfte S^ote <£ bie Serge, 
Quinte unb ßejte unter, unb bie Serge, Quarte unb Sejte über ftd> Sie 
gwetyte 9lote SiS, §at fowof>t bie Serge unb Seyte unter, als über fid). ©ie 
britte 9iote ©, fyat bie Quarte unb Se^te unter, bie Serge unb Quinte aber 
über fiefy. ©ie gwo 9Zoten © unb % welche in htm 2lccorbe ber erften Sfote £ 
ftetfen, machen im ©eneratbaffe Quinte unb 6e£te, unb folglich eine ©ifjonang, 
fo man auf einem btafenben 3nftrumente nicf>t anberS atS mit gebrochenen 92oten 
auSbrüden fann, f. (m) (q), ba bety (m) bie gwe^te 9?ote © bie Quinte, bie 
inerte 9iote % bie Sejte, bety (q) hingegen bie britte 9tote bie Sejte, unb bie 
vierte bie Quinte über bem 'Saffe ift. 

18. §. SBeit bie übermäßige Quarte, (t>om 93affe gu rechnen) gemeiniglich 
bie 6ecunbe nebft ber 6e#e gur ©efettfcfyaft Ijat: fo JSnnen bergteic^en 93er* 
änberungen wie über biefem %\% gu finben, be^ alten »orfaltenben ä^nti^en 



1: 



93on fcen tt>illfil^rttcf>cn OSercmberungen über bie fimpeln Sntersatte. 



71 



©etegen^etten, xvtnn man nur auf ben *Sa§ fie^t, ob felbigcr me^r ober toemger 
at$ eine 93iert|)eitnote &u machen ^af, angebracht werben. Aiernad) muf man 
^t<$ benn mit ben 93erönberungen rieten, bafj biefetben enttt>eber gefc^ttrinber 
ober tangfamer gefjriefet, ober tt>o ftc^S tfmn Wfct, bic Sfoten auef) tt>of)t 
nrieberfiotet toerben: n>orju bie be$ (c) (f) (g) (1) (t) (u) (v) biefer $\quv fvfy 
fcfyitfen. 

19. §. Hm biefe brei 9?oten, alß: Secunbe, Quarte unb Se^te fcon ber 
ioarmonie, teid)t ju fennen, ift aU eine (Erleichterung t>or bie Anfänger ju 
merten, baf* felbige enttoeber auf, ober stoifc^en ben fiinien fteljen, [125] toeil e$ 
3Ter§enfprünge fmb. <2Ba3 nun in ber &ö£e auf ber fiinie fte£t, ba£ fömmt 
orbentlic^er QBeife, in ber Octaöe tiefer, 8ttrifrf>en bie ßinien, tt>etd)e£ man, be$ 
ben unter einanber gefegten 9?oten, beuttid? fe^en fann. ®iefe 9^oten machen 
an unb *?or ftd), o^ne ben Sßafy ba§u, einen reinen *2lccorb, mit bem ^affe 
aber eine ©iffonanj, toett fotdjer um einen 5on tiefer aU ber ^ccorb fte|)t. 
©eStoegen mu£ berfelbe unter, bie Öberftimme aber über fid) refofoiret »erben. 

20. §. $ig.7. 
[$afc. XL] fftg. 7. 



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<23on biefen jwo ^"ten, frt bic erfte € fowofel bie Serje unb 6e$te unter, 
at* über ftcb. ©ie 5*><*>te 9*ote © 1)at bie Serje unb Qutnte unter, bte 
Quarte unb <3e& über ft$, unb fann bte 93eränberung ber erften tntt g* 
fcrocbenen 9*oten auSgebrütfet »erben, wie be? (c) (e) p feben tft. <8letbt 
bie Äarmonie 5 u bem <£ länger, atS bte 3ett einer <23iertf>ei(note beträgt, fte&en, 
fo rennen bie <23eränberungen, nacb <23etief>en, entweber langfamer gemalt, ober 
äucb »ieberbotet werben. 3ft tat erftere nöt&ig, fo barf man ft^ nur »^en, 
aU wenn bie flöten einmal weniger gefd>wän 3 et wären. &* ^ »»• 
öotung rönnen bie be» (a) (b) (c) (e) (f) (g) (h) (i) (k) (1) (H) (m) (n) (o) (u) 
bicncn. 

21. §. Sab. XII. 5tg. 8. 
[%ab. XIL] Wg. 8. 



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«on Den roitßüferBcoen <23eränberungen Ober bie fttnpcltt 3ntert>aHe. 73 

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Obgleich bie Sprünge in biefen unter einen 'Sogen eingetränkten krempeln, 
au« breöerteö »ergebenen 3nter»aUen, als Quinte, Septime, unb Octaoe 
befielen: fo baben bod> felbige alle einerleö <23aftnoten sunt ©runbe, fotgticb 
aucb. einerteö *2lccorbe, wie bie jwe^mal übereinanber gefegten 9toten seigen: 
aufgenommen ber Sprung in bie Septime, aU wetcbe beö Snbigung ber 
Lanier, »or ber 9?efolutton in bie Serje, befonberS mufc geboret werben, 
um folc^e »on bem 9cta»enfprunge su unterfcbeiben. Buffer biefen tonnen 
bie bier befinblicben 93eranberungen, fo wobt über bem einen, als über 

[*) 3tn Original h faWtcfc qSterunbfecfoigftel.] 



74 



XIII. ÄouptfWitf. 



htm anbew 3nter&atte gebraud^et werben, £lm ber Qrbnung nriEen f>abc 
icfy einem jeben Stempel fecfyS 93eränberungen betygefüget, ba bernt über ben 
Sprung in bie Quinte, bie bep (a) (b) (c) (d) (e) (f), über ben in bie Septime, 
bie Ut) (g) (h) (i) (k) (1) (11), unb über ben in bie Qctaae, bie be^ (m) (n) (o) 
(p) (q) (r) gehören. Sollte be^ biefen brepen (Stempeln, anstatt ber erften 
Sfarte ©, eine <=paufe fte^en, fo behält bo<$ bie gtpe^te 9?ote x>on jebem, ali 
©, ff, ©, eben benfetben $lccorb; unb iann man alSbenn bie <23erättberungen 
über bie 9tote, an beren ftatt bie [126] °paufe fte^t, toeglafien, unb bie über 
ba$ gtoe^te 93iert|)eU gehörigen, nad) 93efc^affen^eit ber 3nteröalte, tote nicfyt 
weniger folgenbe, nämlich bie be$ (s) (t) (u) (v) (w) (x) über © xn§ (£, bie bfy 
(y) (z) (aa) (bb) (cc) (dd) über ff in$ (£, unb bie be$ (ee) (ff) (gg) (hh) (ii) 
(Ick) über ® in§ (£ gebrauchen. 



22. §. ffig. 9. 
[Sab. XII.] ffig. 9. 



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©ie gtoo erften 9Zoten, |>aben einerlei ^ccorb, toetl ber 'Saf? barunter auf 
einem Sone fte^en bleibt, unb bie <23ett>egung ber Qberftimme au$ bem ©runb« 
tone in bie Serge aufwärts gef)t. ©ie erfte 9iote bason §at bie Quarte unb 
Se#e unter, unb bie Serge unb Quinte über fu$. ©ie stt>e^te 9^ote S, aU 
Serge über bem 33affe, fyat fo n>o^t bie Serge unb Sejte unter als über fvfy, 
unb ift tt>egen ber 93eränberungen mit ffig. 7. gleicher Ölrt. 



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'Son $>en toitttü&rfic&en 93etänbevungen über bie ftmpetn SntenmHe. 



75 



23. §. <£ah. XIII. SHg. 10. 
[5ob. XIII.] Sig. 10. 



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©iefe 3^)0 erften 9Zoten, liegen in ber Tonart <5, |>abett and) einerlei 5&a$: 
unb tt>eit bie erffe t>ie Quinte über Sem Q3affe tft, fo $at fettige bie Ser^e unh 
Quinte unter, unb bie Quarte unb Gejte über ftcfy. ©ie gn>epte £at bie Quarte 
unb 6e£te unter, bie Serge unb Quinte über fid). ©ie britte als Ser^e *>om S 
£at fo too^l bie Serje unb 6e£te unter, als über fi<$. 

24. §. £ig. IL 
[Sab. XIIL] £ig. 11. 



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33e$ biefen bre^en 9toten $at e$ nic^t gleiche ^etoanbtnijj: tt>eit ba^ erfte 
3ntert>alt eine Quinte auf-, unb ba$ anbere eine Serge untertt>ärt$ machet. 
Slnb tt>eit fotcfyeS au3 bem ©runbtone flieget, fo fönnen be^be 9?oten nityt 
einerlei 93a£ f)aben, fonbern bie gtoepte SKote ©, tt>et$e einen Sergenfprung 
in£ (£ lieber gurücJ machet, mu#, über bem Q3affe, orbentlidjer ^eife bie 
Ge$te, unb bie fotgenbe 9tote <£ bie Serge fe^n. ^2lu^ ben Slccorben ift 5U 
fe^en, ba£ ba£ £ bie Quarte unb bie Seyte unter, unb bie Serge unb Quinte 
über fi$, ba$ ©, bie Quarte unb Sejte unter, bie Serge unb Quinte über ftd;>, 
t>a$ <£ fo n>o^t bie Serge unb Sejte unter, als über fv$ f>at. Sttefe gtt>o testen 
9Zoten, © (£ ftnb mit benen im britten (Sfempet hei) ^ig. 8, ft>enn anffatt ber 
erften 9Zote eine °paufe t>orfömmt, von gleicher ©genf^aft, unb leiben audj 
einerlei 93eränberungen. 



25. §. Pg. 12. 
[Sab. XIII.] Sig. 12. 



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<2Jon ben wilUübrlidjen g3eränberirogen übet bie fttnpetn Sntewatte. 77 

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qßon biefen *tt>o 9*oten, welche einen 6ertenf»rung unterwärt« machen, tft bte 
erfte bic Quinte über bem 93affe, folgte bat [127] biefelbe in ibrem Stccorbe, 
bie Serse unb Quinte unter, bie Quarte unb Gerte aber über ftcb. ©te mjtt, 
atS Serje über bem «äffe, W fo toobt bie Serje unb ©erte unter at* über 
ftcb <2Bo bett biefen 3nter»aüen bie erfte 9*ote ftebt, e$ fett auf bem 3«nfcben- 
raume ober ber £inie, fo rommen bie baju gehörigen fiauptnoten auf eben 
fotcben Qrt f (b). 2BUI man biefeS 3nter»aU mit meiern Sioten auöfuüen, 
fo fxnb bie Wen auf ben fiinien, nämlicb <3<B burcbgebenbe, f. (c). 6oU bte 
Ausfüllung burcb jwo Srioten gefeiten, fo tonnen bie S n>o Wirten bett (0 (n> 
5um "Settftttele bienen. 
26. §. $XQ- !3- 



[Sab. XIII.] $tg. 13. 



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3u biefen 9?oten Slio, tt>et$e in bie Septime untertpärtg fpringen, §at ber 
^afj orbentlicfyer «JBeife bie Serge, ioeldje me£rent£eü£ mit Quinte unb Se^te, 
tote in ber VIII. Sabette gu fe^en, begiffert ttrirb. ©ie gtoo 91oten machen 
Sergen gegen bie ©runbnoten; bie erfte 1)at in i|>rem ^ccorbe bie Serge über, 
bie Serge, Quinte, Seyte unb 9ctat>e unter ft$, bie jtoe^te §at bie Serge unb 
Sejte fo tt>o|>t über, als unter jt<$. ioierbei ift gu erinnern, ba% öftere bie 
93afnote bur$ ein 5?reug er^öfjet ttrirb: tt>orna$ bie Qberftimme ftcf) richten 
mu% um mctyt 5 mit fite gu *>ermif$en: tt>el$e3 fonft einen ttribrigen $tang 
serurfacfyen toürbe. SOfan ne^me bie gtoo Q3eränberungen be$ (m) (n) ba bie 
eine % bie anbere <${$ in fvi) §at, belegen gum 3ftufter. ^tnn bfy biefem 
3ntert>atte bie 9?oten enttoeber auf bem 3ttrifcf)enraume, ober auf ber Curie fte^en, 
fo lommen bie, fo gum Slccorbe gehören, (ttrie be£ ^ig. 12.) auf eben folgen 
Ort, tme bie erfte, (a) (c). 3u Ausfüllung biefeS 3ntert>altS gehören fe<$S, 
ftufentoeife nacf) einanber ge^enbe, 9*oten, f. (k), toetdjeS aud) mit gtoo Srioten 
gef$e£en fann, f. (11), tngtet^en mit afyt 9Zoten fo too|>l ftufentoeife, f. (f) (g), 
als aufy mit Sergenfprüngen, f. (i). 
27. §. Sab. XIV. ffig. 14. 
Sab. XIV. f%. 14. 



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93on ben «rilttfi&rfic&en 93etäntievungen über bie jtmpeln 3ntemtte. 79 




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©iefeS (Stempel, ift toegen ber 3nteroaöe, mit füg* 13. einerlei: nur bafj jenes 
im <2)ur, unb biefeS im 9Rott mobutiret llnb tt>eit ju ben erften gtoep 3nter= 
saHen einerlei 93a^ ift, fo fönnen felbtge aud? einerlei QSeranberungen fwben. 
93e9 bem britten t>on biefen bre^en 3ntert>atten, attoo ber ^ßaf burd) ein «&reus 
n$fl(tf, f. (t), nnb bie Öberfttmme folglich an$ ber großen gur Keinen <5<%tz 
ttrirb, mu§ in berfelben fo tooljt ba$ © in$ (Bis alß ba$ % in & öertoanbett 
werben, f. (u). Jim nun überhaupt biefeS Sjttemll, tt>eld)e$ t>or ben <£in* 
f$nitt*[128]ten fe^r öftere sorlommt, fiefy red)t befannf machen, neunte man ba$ 
gegenwärtige unb öor£ergef>enbe (Stempel gutn SO^ufter. Sßenn nämtiefy fotcfye 
8tt>o Sftoten, fo einen Serjenfprung untertoärtS machen, auf ben ßinien ffe^en, 
fo fommen bie Äauptnoten ber Sanieren ebenfalls auf bie fiinien: ftef)en fie 
auf bem 3ttuf$enraume, fo lommen bie ioauptnoten and) auf benfetben. 3ur 
erften 9^ote ^at ber 'Bafj orbentticfyer c 2öeife bie Sejte jur ioarmonie. 3ft e$ 
bie gro£e Se^te, unb ber 93a§ ge^t einen gangen $on übertt>ärt$: fo f>at bie 
Öberftimme bie Keine Serje über fxd), unb fann and) um eine Lanier ju 
machen, nod) eine Serge fyifytx ge^en, n>el(^c t>on ber erften 9tote an, eine 
Quinte ausmacht ®iefe Quinte ift bie Serge über bem 93affe: unb tt>enn bie 
Serge Hein ift, mufj bie Quinte auefy Kein fe^n, f. (m). 3ft aber in ber Äarmonie 
bie Seine Sejte &orf>anben, unb ber «Safj, welcher in biefem Stempel burd) ein 
i$reug ixtyfytt toorben, ge£t nur bnvfy einen fjatben Son übewärtS, fo mu§ 
■biefe erwähnte Keine Quinte ebenfalls er£öf>et, unb in bie öoHfommene Quinte 






80 



XIII. iöauptftütf. 



*>ern>anbett werben, f. (n). ©tcfe üerf^iebenen Wirten fommen nur in ^ttolftimen 
fcor. 33e9 ben ©urtönen gehöret gu ber ^uSgterung ber 9Jote in ber Ober* 
fftmme aHejett bie grofie Serge unb reine Quinte. 

28. §. 9%. 15. 
[Sab. XVL] ffig. 15. 



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33ety ben £igafuren, ober «Binbungen, m ber «Safc bur<$ bie 6eptime btnbef, 
unb enttoeber in bie Se^te ober Serge, tt>el<$e$ in ^Infe^ung ber Sberffitmne 
einerlei i% ff$ auflöfet, fann nad> ber gebunbenen Sftote, bie erfte 95en>egung 
gemeiniglich einen Quartenfyrung, freieres bie Serge über bem «Safe ift, in bie 



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3}on oen »iUKibrlicben gSeränberungen übet tue fimpetn SnfewaUe. 



81 



Söbe machen, fotdjeS aud) wobt swc^mat fo fortfetien: bol brittemat aber, mufc 
anstatt ber Quarte bie Serie genommen »erben, f. (a). SERan fann aucb, anffatt 
ber Quarte, bie Septime, ober Quinte öon unten nehmen, f. (e) (k), unb je 
öfter man mit biefen Snteröatlen, »on oben ober unten, wecöfetsweife oerfäbrt, 
je angenebmer ift e$ bem ©ebore. =0ian rann aucb. bep biefen ftmpeln 3ntei> 
»aUen ber Lanier, ben äwifci>en benfetben tiegenben 9*aum, nacb <23etteben, mit 
9*oten ausfüllen, ©ie übrigen Q3eränberungen, fönnen wittfübrlicb, angebracht 
»erben. 

29. §. gtg. 16. 
[Sab. XIV.l $tg. 16. 



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82 XIII. Äouptpütf. 

©tefer ©ang, welcher mit Quinte unb 6ejte abwedelt, würbe bem ©e^öre, 
o£ne ettoaS suäufetjen, in bie Sänge serbrüpct) fallen. ©eSwegen fönnen biefe 
93eränberungen t>on (a) bis (e) jum 9Jiufter bienen. 9#an wirb fykvhfy su- 
gleufc fef>en, Np *** SJeränberungen [129] in ber <5olge nic^t allezeit t>on einerlei 
2lrt fe^n muffen, welches |«|*fS#ßd| be$ ^Bieber^otung ber ©ebanfen p be= 
obacljten ift: bamit man pm jweptenmate, entweber tttt>a$ jufe^e, ober abnehme. 
Sßenn j. (£. bie jtpeene Sacte be$ (f) ju wieber^olen wären, unb man fotcf>e 
jum awetytenmate eben fo fpielete, wie fte getrieben fmb, fo würbe ber 3u£örer 
babur<$ nicfyt fo befriebiget werben, als wenn man, anffatt beö ftmpetn ©efangeS, 
eine von ben fotgenben <23eränberungen, unter (g) (h) (i) (k) erwartete, ©enn 
wenn bat §:£ema, ober ber Joauptfat*, burd) bie §rangpojttion verlängert wirb, 
fo muffen bie 93eränberungen ni<$t in einerlei Slrt Sioten fortgefe§et werben: 
fonbem man mufj ba&on balb abgeben, unb in ber <5otge ttxt>a§ su machen 
fucfyen, welkes bem Vorigen nid)t ä^nlid? ift ©enn ba§ Ö£r wirb mit bem, 
wa$ e$ fcfyon im SJorau* vermutet $at, ni$t gerne befriebiget, fonbem will 
immerfort betrogen fe^n. 

30. §. <£ab. XV. £ig. 17. 
Sab. XV. ftig, 17. 



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Söenn im fiangfamen etliche gezwängte 9loten ftufenweife auf ober unterwärts 
gefjen, fetbige aber be£ gewiffen ©elegen^etten nxfyt cantabet genug au fe^n 
feinen, fo fann man naty ber erften unb britten SRote, eine «eine aufe$en, um. 
ben ©efang befto angenehmer su machen, f. (a) (c), unb muffen fot^e mit bem 



9301t i>en nullrityrli^en 93cränbcrungcn über bie fimpeln 3nteroaHe. 



83 



3ufa$e auggebrücfet »erben, tx>ie Up (b) (d) 3« fe^en ift; (e) (f) fmb 93er« 
änberungen über biefen ©ang. SOföt ben unter ft<$ ge|)enben 9Zoten, |>at e$ 
gleiche ^ettjanbtnif, unb muffen bie be$ (g) (i) nrie be$ (h) (k) gemietet werben. 
(I) (II) (m) fmb Q3eränberungen über biefe faHenben 9ioten. 

31. §. ffig. 18. 
[Sab. XV.] fftg. 18. 



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^effe^en bergleic^en 9loten au$ fattenben, f. (a), ober ffeigenben Serjenfprüngen, 
f. (i), fo fann man na<$ einer föm 9fa>te, eine Seine, n?eld)e man auf fransöftf<# 
port de voix nennet, jufe^en, f. (b) unb (k). 93om (c) bis (h) fmb anbere 
9DZameren über bie faöenben, unb t>on (1) bis (p) über bie fteigenben Serjen* 
fprünge. ®iefe 2Irt 9ioten mögen meljr ober weniger gefc^tpänaet fe^n; toenn 
fte nur cantabel ftnb, fo lann man bocl) allezeit fotdjer 93eränberungen fxty 
barüber bebienen. Steine 2lbpd)t ift nur ttegen bev StttersaHe n>et$e in 
cantabeln 6tücfen am meiften öor^ufornmen pflegen. Söenn bergleidjen öiete auf 
einanber folgen, unb man fe^et nic^t etu>a£ ju, fo ttrirb ber 3u£ßrer leicht er» 
mübet. ©ie an>o 9?oten be^ (q) ftnb mit bm p>o legten 6ecf>5e|mt|>etfen be$ 
(a) einerlei: folglich fönnen aud) bie 93eränberungen, fo über [130] bie 3eit be£ 
ZXQfyttn yitytfytitß t)on (a) bif? (h) gehören, barüber gemacht toerben. ©ie sn>o 
9?oten be^> (r) fyabm mit benen t>on (i) bif (p) gleite ^etoanbtnif . 



84 

32. §. fftg. 19. 
[Sab. XV.] $i0. 19. 

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<2Benn im ßangfamen etliche Srtolen ftufenweife auf ober unterwärt« ge^en, 
ba bie britte 9*ote »on ber einen, unb bie erfte SRote »on ber fotgenben Sriote, 
entweber auf eben bemfetben Sone, ober bie erfte ber fotgenben Sriote, um 
einen Son bober at« bie »or&ergebenbe ffebt, fo tarnt man »or bie erfte aOejett 
einen 93orfci)(ag macben, f. (a). ©eben aber beren viele nacbeinanber unterwärts, 
fo lann über bet,*rften. aUejeit ein batber dritter ofme 9?a<i>fcbtag, (ba ber 
Singer nur S we»mal nieberfcbtägt) gemacht, unb bie 3 wo fotgenben 9loten baran 
geföleifet werben, f. (b). <2BHt man bie Srtoten in gefdjwinbere 9*oten »er= 
wanbetn, fo ftetie man ftcb bie beö (c) »or, aß wenn e*, anftatt 3we»»ter= 
tbeittacte«, SecbSacbttljeittact Wäre, unb fe$e p einem jeben 3ld)ttf>eite noeb eine 
9tae ju, wie bie ©eebse^ntbeite beö (d) 5 eigen. Sltfo lann man be» »erfebiebenen 
«Jlrten ber Srtoten, nachdem eS bie 3nter»alle teiben, »erfahren. 

33. §. <33e» 9?oten, bie niebt beftänbig natf> einanber ftufenweife unter 
ober über ftcb ge^en, fonbern wo beren jwo auf etnerte» Sone ftcb beftnben, unb 
bie erfte baoon im Slufteben be$ Sacte« ftebt, lann man »or bie sweöte, im 
SWeberfötage, entweber einen <23orfcbtag, f. (e) (g), ober über biefetbe einen 
dritter machen, unb bie fotgenbe 9*ote anfe^teifen, f. (f) (h). <2Benn aber 
beren etliche ftufenweife unterwärt« geben, lann »or einer jeben ein "Sorfötag, 
f. (i), ober über ber im SWeberfcblage ein SriEer, f. (k), gemacht werben. 

34. §. $ig. 20. 
[<$.ab. XV.[ $ig. 20. 

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«3on ben n>tU«ibrlic&en 33eränbeMmgen übet bie fimpetn 3nter»atte. 85 




SBenn ba§ 3nter»aII in bie Quarte über ftcb im Sluf^eben beS SacteS anfängt, 
unb im £angfamen, t>a ber <Bafc pauftret, »ortömmt, fo tonnen bie <23eränberungen 
bett (a) (b) (c) (d) (e) barübet; gemacht werben. Stnbet bie Keine Serje in ber 
Sonart $att, fo tann man ftd) ber falben Söne bebienen, f. (f) (g). Söenn 
jwo ^oten, im ßangfamen, ftufenweife nacb einanber binauf ober herunter gelten, 
fte mögen eine "^aufe, ober eine 9iote »on mehrerer ©eltung »or ftei) |>aben, 
aueb mag bie britte 9*ote, mit ober obne <¥>unct, unter- ober aufwärts geben: 
fo fann man aUejeit eine Heine 9lote jwifeben beöbe fe$en, [131] wetebe beö 
bem heruntergehen, f. (h), eine Stufe böljer, bei? bem Äinauffteigen aber, f. (i), 
5W0 6tufen fyfytt tömmt. 

35. §. Sig- 21. 
[Sab, XV.] <5iQ. 21. 




93eö ben ©nfebnitten, im ßangfamen, wo ber ©efang bureft eine <£aufe unter- 
broeben wirb, unb wetebe au« einer, f. (a), ober jwo 9loten, f. (b), wetebe 
ledern einen Sersenfarung unterwärts macben, (es mag bie grofce ober «eme 
Sern, im Slufteben ober 9tteberf$tagen beS SacteS fe^n), befte^en, ift m 
merren, U% bie ein 8 etne 9*ote, f. (a), nebft bem <8orfc*)tage einen dritter »er- 
langet. 93e» bem Sersenfbrunge, f. (b), »erfährt man auf gleite SBetfe: boeb 
mu$ man ben dritter o&ne 9*acbfcbtag machen, unb fann, an beffen ^tatt r bte 
baswifeben fe^lenbe 9iote bem dritter angefebteifet werben, ©iefen Sersenfrrung 
mufj man faft alteseit fo betrauten, als wenn bie «eine 9lote bajwifcben ftünbe: 
wie benn aueb bie i^igen domboniften e« mebrent^ettS fo ju fe$en pflegen: weit 
biefer Sprung an ftd) fetbft, im ßangfamen, nid>t fmgenb genug ift. 



86 



XIII. Äauptftütf. 



36. §. Qtefyt über ber ^aufe ein 93ogen mit bem ^uncte, tt>etd)e$ eine 
Fermate, ^aufa generalig, ober ah libitum genennet nnrb, aud> fo too^c 
im Sltlegro als Slbagio öotfömmt: fo fann ber dritter, nad) belieben, tttoa$ 
lange gefcfytagen tt>erben, bocfy not^toenbig o£ne 9?acli)fd)tag, toeit eS bie fotgenben 
9toten nicfyt erlauben: inbem fotcfye in einer gelaffenen unb fdjmeicfyelnben Slrt, 
geenbiget werben muffen, f. (c). ©a aber fotc^cö in ber Ausübung fcfytoerer 
ift, als e3 bem Singe and) fd^eint, and; nidtf ein jeber bie gehörige Sinftc^t Ijat, 
ttrie eS eigenttid), nad) ber &on fielen 3eiten $er eingeführten 9?egel foll ge- 
mietet werben, fo finbe xd) öor nöttyig, fotdjeS erftticl) mit 9ioten au$subrüden, 
f. (d), unb foxnad) invd) einige Slnmer&mgen &u erltären. ©iefe ftnb folgenbe: 
9ftan neunte bie 5tt>e9 Keinen Sed)gef>nt$eile, t>or ber n>ei£en 9tote vorüber ber 
dritter ftef)t, in gleicher ©efd;n>inbigfeit be$ SritlerS, laffe im Son, unter 
n>äf)renbem dritter, nad> unb nad) in- unb abnehmen, unb ftelle fxd) bie 3eit 
be$ Sritlerg t>on trier langfamen Sichtweiten t>or. <2öenn nun fotd)e serffoffen, 
fo laffe man im Singer, mit toetdjem gefcfylagen ttrirb, unter 93ertierung be3 
SoneS liegen, aber and) md)t länger, als e£ bie 3eit ber bre^mal gefd)tt>änsten 
Sftote erfobert, tt>el$e£ alSbenn bie $tt)e$te t>on ben fotgenben fcier 3toety unb 
bre^igt^eiten macljet. 93e$ bem Q3orf^tage &or ber britten 9iote, gebe man 
einen Meinen ®rud ober &aud) mit ber [132] 93ruft, unb enbige bie übrigen 
5too 9loten mit einem t>erlierenben ^iano. 3u ben übrigen <£mfd)mtten, be$ 
( e ) (0 (S) (h) toeldje fonft mef>rent£eilg nur 93orfd)täge ober dritter »erlangen, 
fönnen and) bie fotgenben (Stempel unter <5ig. 22. 23. 24, fo über bie 3nteroatle 
in bie Serje, Quarte unb Quinte unter fxd) gerietet ftnb, im fiangfamen, aU 
93eränberungen angetoenbet tt>erben. 

37. §. ffig. 22. 
[Sab. XV.] g% 22. 



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d) e) 



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93on ben ttritflü$rtic§en 93eränberungen über bie fimpetn 3nferx>aUe. 



87 



Obgleich btefe gtoo fxmpeln Quoten <£(E au§ ^iert^eücn befreien, fo iann man 
boefy bie fotgenben 93ercmberungen aud) über btn (£infcl)nitt be$ (e) au$ ^ig. 21. 
toelcfyer au$ $ld)tt£etlen befreit, gebrauchen. SO^an mufj fxä) nur t>orfteöen, at£ 
ob bie 9ioten ber 93ercmberungen nod) einmal me^r gefc^njängt toären. -lieber 
ben (Sinfc^nitt bety (f) an§ bemfetben (Stempel, tt>o ba$ 3ntert>alt nur einen Son 
unter ft$ ge^t, fmben gleichfalls biefe 93eränberuttgen ftatt, aufgenommen bie 
be9 (a) (b) (f) (o), unb ttrirb atSbenn nur bie ftmpte 9?ote £ in © fcertoanbett 
93ßiD man fx<S) aufy allenfalls ber stoo 93eränberungen bep (f) (o) bebienen, fi> 
mu£ man anftatt" ber legten 9Zote © t>a$ barüber befmblicfye f? nehmen. 

38. §. Sab. XVI. flg. 23. 
^ab. XVI. ffig. 23. 



d)^ e) _ f) 




h) 



k) 



II) 



j.c£ir f iE£]f f ir tr f ngrrg7nfl t 




©iefe QJeränberungen, fönnen über bem <£taf<$nttte bety (g) <t?tg. 21 auf gleiche 
<2lrt angebracht werben: toetl ber 93af me^rent^eilä in ber ioarmonie ber erften 
SRofc 5 Men bleibt. 
39. §. Sifl. 24. 
[Sab. XVL] ffig. 24. 

i 



88 



XIII. Scmptpcf. 




©iefe <33eränberungen über ben Quintenförung, fann man über bem gtnfdmttte 
be» (h) fftg. 21. mad>en. fftabat frtb öie 5100 erfreu 9loten au« biefen breiten 
(fremöeln, all: <£<£, $<$., ©«, in einer Gelobte nad)einanber: fo fann man 
au« einem jeben <2rem»et folebe <33eränberungen barüber auffueben, bie »ort 
einerleö Strt ftnb, unb mit benfetten abtt>ed)feln. ©a nun bie jwe^te SRofe & 
in biefen bretten Simpeln feine <33eränberungen tyü- fo fann man at«benn, 
wenn e« nBt&ig ift, bie 9toten ber über bem »origen Sone gemalten 93eranbe= 
rung, (boeb bie erfte 9lote ba»on aufgenommen,) wieberbolen. 3. <£• 3K«« 
wollte bie 93eranberungen bett (e) au« $tg. 22. anbringen, ba bie erften 9*oten 
€ © (2 beiden, fo mad)e man au« ber QSiertbeilnote 6 ein <2lcbttbeit, unb ttueber- 
böte bie 5 wet) Secbsebntbeite ©<£. 33eJ> (e) au« £ig. 23, macbe man e« eben 
fo unb be^ (d) au« Sig. 24, wieberbote man bie bre$ testen 6ed)äebntbetle 
nad) ber 9?ote <£, (»etd)e« C ebenfalt« sunt 6edH133] ä ebntbeite wirb,) fo be- 
bätt biefer oeränberte ©efang einen 3ufammenbang. Qluf folebe <2lrt, rann man 
M alle biefe -Eeränberungen 3" 9to*e magert, wenn man nur bie Wirten ber 
9*oten, fo ftd) auf einanber fd)icten, beobad)tet, au« jebem ©remöet, ba«jemge 
erwäget, roa« man 3U ber 6telle, bie man äußeren Witt, ba« füguebfte ju 
fepn glaubet, unb atfo, wie bie dienen, »on t>erfd)iebenen Blumen ben ioontg 
Sufammen trägt. 

40. §. <5ig. 25. 
[Sab. XVI.] Sig. 25. 
a) b) 




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§ 



h) 



cßon ben wmX$m** 33etänt>erungen ®m bfe ffmgetn Sntewotte. 89 



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6ebr langfame @«^#«pf« mit ^uncten, tonnen bem ©ebore tetcbt N*rff- 
tid) fallen befonber« wenn fold>e au« lauter Gonfonan ä en beftebetv al« «x«. 
«mm Quinte, Serte, Qctaöe, welche feie ßeibenfd)aften ä tt>ar in 9?ube fe*en, 
burch bie £änge aber einen ©et üerurfad)en, fo ferne nicht bann unb wann 
einige ©iffonan 5 en, oU: 6eeunbe, Quarte, Septime, gtrne «i« »d*m bte 
SSW 5S arfrnmg haben, «nb bie anleiten «nt halbe» Srtllern ^ ober 
Sbanten p enbigm ftnb, mit untermalet werben. W Jtefem W . tf 
u flbe«, au mag für %t bie punctirte« *oten, melcbe fonft mehr 3 ur ^rad>t 

unb Lftb« Um * IW «abetn MP^U» SÄiFS 
»erben. 3)lan muß nämlich bie %>te, hinter welcher etn <£unc ftebt, unb 
«eiche folglich am tangften geboret wirb, an ber Starte macbfen toffen, unter 
Z Vuncte 'aber ben «j» mäßigen. Sie «M Mi bem ^unete muß 
aUaei Tfebr fürs ferni. Steht ein <23orfcblag baoor, fo muß man mit bemfetben 
SefÄl ber langen *ote gefaget worben: weit er antatt ber 
Se wobor er ftebt, geilten wirb, ©ie 9trti fetbft ^«örnrnt aBbenn b« 
Seit oon bem ^uncte, unb muß atfo fcbwäcber fettn o» ber ^orfdjlag, f. fe). 
qßon ben bret? «einen 9toten be» (b) welche ein Vorbaut ftnb, muß bte erfte 
mit bem ^uncte fo lange gehalten werben, 'ott M bie Seit ber barauf fotgenben 
großen 9tote erfobert. ®ie übrigen 3 wo «einen, nebft to^^&J« 
Lbenn in bie Seit be* ^uncte«, unb gefcbiebt folcbe« tn ber ©^wtnbtgJett 
b„rd> 5 we 9 m«lige* 0* unb 3umacben be* StngerS. ® M» «J, unter 
biefer Bewegung, ber 5ltbem gemäßiget werben. ®k »er «etnen 9^jM& 
mad,en einen ©o^etf^tag, «nb fßmmt bie lejte baoon t„ bte Sett m^m 
muß auch an^tt beffen gehalten werben, She STCaßtgung be* Sltbem muß 
ebenfalls unter ben «einen 9*oten gefcbeben. 98t ben übrtgett oon (d) bte" <U> 
hat e$ gleiche <23ewanbtniß, aufgenommen, ba$ bie Keinen flöten bei) (e) unb 
(f) fealbe dritter machen. [134] ©ie =TCoten beö (m) (n) fommen öfter« be» 
Gabensen oor, attwo bte ©oppelfchläge ftd) fehr wohl hinfchiden. 



90 



XIII. fiauptftüct. 



41. §. SHg. 26. 
[Sab. XVI.] Sig. 26. 



i 



a) b) c) d)^ e) f) . g)fl 



©iefe |w «einen Sftoten, f. (a) (b) (c) (d) (e) (f) (g) fo au§ Ser^enforüngen 
beftefjen, nennet man ten 'Slnfdjtag, unb bebienen fE# beffen, be^ weittäuftigen 
6prüngen, bie Sänger, um ben £o$en Son ftct)er 8U faffen. Sottet fann be$ 
ben ftetgenben 3ntert>atten, att in ber Secunbe, Ser^e, Quarte, Quinte, Se^te, 
Septime, unb Qctaoe, t>or langen 9?oten, fo wo^l im $lufl?eben oW 9iieber= 
fragen, wo man fonft feine Sanieren machen will, angebracht werben. tf 
muf aber feljr gef<i)Wmb, iebo<$ fdjwad), mit ber Sttote serbunben werben, 
©ie 9*ote fetbft mu£ ittt>a$ ftärfer a(« bie 5W0 «einen fe^n. ®er in bie 
eecunbe, Quarte unb Septime, f. (a) (c) (f), ift gefälliger ata ber be^ bm 
übrigen 3ntersalten, unb fyut t§ atfo beffere <2ßirfung, wenn bie erfte Keine 
gegen bie folgenbe ibauptnote, nxtyt einen gangen, fonbem falben Son aus- 
malt, f. (c) (f). Ob nun wo^t biefer ^nfdjtag, im Gingen unb Stielen, einen 
5ärtlid>en, feufsenben, unb gefälligen Effect auSbrütfet, fo rat^e ify bod) ni<$t, 
ba% man mit bemfetben altjut)erfd)Wenberif^ umgebe, fonbem ba$ mani^n riet- 
mejjr feiten anbringe: weit ba$, toa§ bem ©e^öre fe£r gefällig ift, bem ©e= 
bä^tniffe befto e^er befannt wirb, ber Heberftu£ in einer Sac^e aber, wie fc|8i 
fte auty immer fetyn mag, in bie £änge einen Sfet t>erurfa<$en fann. 

42. §. ffig. 27. 
[Sab. XVI.] Big. 27. fc 



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<2Benn lange 9toten in Sprüngen ftetjen, unb man fonft feine <23eränberung 
machen Witt, fo fönnen biefelben burct) bie, swifd)en biefen Sprüngen tiegenben, 
Äaupt- unb burd>gel?enben 9?oten, aufgefaltet werben. ©ie Keinen gefc^wänsten 



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93on ben »tWityrlk&ett gkränberungert über bie ftmpetn 3ttteröalte. 



91 



«EKoten beuten bfy (a) t)ie burd>ge|>enben, unb bie 93iert£ette bie 5um «aiccorbe 
gehörigen Äauptnoten an, ttrie benn bie erftern in bie 3eit ber sorljergeljenben 
gelten, and) fettigen Iura angefd?teifet werben muffen. <23e9 (b) bis (g) ftnb 
fo tt>o£t bie burd>gef>enben, als bie ioauptnoten, in i^rer ©eltung, ttrie fote^e in 
Un Sact eingeleitet werben muffen, auSgebrüdet ©te $m% 3ntersaae: Serge, 
unb Quarte, fyabm feine ioauptnoten auS bem $lccorbe jn?if^en $ü$* fonbern 
nur burc^gefjenbe. [135] 

43. §. ^ig. 28. 
[Sab. XVI.] fff. 28. 



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<23e$ ben unter ft<$ fallenben 3nter&allen, fyrf e$ mit ben burdjgeljenben unb 
jsauptnoten bie «Setoanbtnifi, bafj bie Keinen ober burcfygefjenben 9Zötd)en in 
bie Seit ber fotgenben gehören, unb and) an biefetben gefdjteifet werben muffen. 
®te aber gttrifcfyen bm Quartenfprüngen, gehören fo tt>o|>t bety ben fteigenben 
als fallenben, in bie 3eit ber t>or£erge£enben. ©ie sorfjaltenben Keinen 9foten 
ge^en be$ biefer <2irt t>on SnteröaKen, tt>o fein ^ufent^att nod) dritter ftatt 
finbet, x>on ben im VIII. Sauptftüde enthaltenen 9legetn ab: unb toie jene bie 
Äälfte ber folgenben 9tote gelten, fo muffen biefe hingegen fe^>r fürs gemacht 
tt>erben. 

44. §. *2ltte biefe t>on bm 93eränberungen gegebenen 9?egetn nun, ftnb 
gtoar ^auptfäd>Ii<^> nur auf ba$ 'Slbagio gerietet, tt>eit man in bemfelben bie 
meifte 3eit unb ©elegen^eit au seränbero f>at ©effen ungeadjtet nrirb man 
bod) aud) Diele baöon im Slöegro brausen fönnen. ©ie im «2lltegro überlaffe 
ic$ eines jeben feinem eigenen 9*ad)benfen. 2Bxe aber einige öon im ob* 
betriebenen 93eränberungen in einem *2lbagio anjutoenben ftnb, fotd)e$ geige id> 
im Äauptftüde t>om 'Slbagio, in einem befonberS bargu verfertigten (fjempet. 
<2Ba$ für eine <2lrt be$ Vortrages, abfonbertid) in ^nfe^ung ber 93erftärfung 
ober Sd)toäd)ung be$ SoneS, bep 2luSfft$rung alter biefer, bep jeber £igur 
gezeigter 93eränberungen, Statt %aU: ttnrb man am (£nbe beg fiauptftüdS 
vom 'Slbagio, vom 25. 6Ü gutn 43. §. bepfammen finben fonnen. 



92 XIV. &auptfiü<l 



®aß XIV. %auptftü&+ m 

QSott ber %lvt $>a$ Slbagto ju fyieietu 

1. §. ©aS ^bagio mad)et gemeinigtid) ben bto^en £iebf>abern ber SDluft! 
t>a$ toenigfte 93ergnügen, unb finb fo toofrt bie meiften fiiebljaber, aU au$ oft 
gar bic ^luSfü^rer ber ^ufit fetbft, toofem eS ifmen an ber gehörigen Smpfmbung 
unb ©nftd)t fehlet, frolj, toenn baß 5lbagio in einem Stütfe §u (Enbe ift ©n 
toa^rer SKufifuS aber fann ftct> im 2lbagio fef>r £ert>or t|>un, unb Kennern feine 
SBiffenfdjaft jeigen. Qöett e£ aber nichts befforoeniger ein Stein be£ ^nffofceS 
bleibt, fo »erben Kuge Sonfünftter ofme mein ^nratJjen fid) nai) tf>ren 3uf)örerh 
unb £ieb|wbero bequemen, um |)ierburd) fo öiel leichter, nic^t nur bie tf>ren 
<2Biffenfd)aften äufommenbe ^tung ju erwerben , fonbern aucfy i^re ^erfon 
beliebt ju madjen. 

2. §. 9ftan fann ba% <2ibagio, in 5infe|)ung ber $lrt baffetbe ju fpieten, 
unb ttrie e3 ttöt^ig ift, mit SOtanieren au^usieren, auf ^e^erlet) $lrt betrachten, 
enttteber im franjöftf^en, ober im ttaticmifcfyen @efd)ma<fe. ®ie erfte 5lrt er-- 
fobert einen netten unb an einanber fwngenben 93ortrag be£ ©efangeS, unb eine 
^u^sierung beffelben mit bm tt>efentttd)en Sanieren, ate ^orfc^tägen, gangen 
unb falben drittem, Vorbauten, ©oppetfcfylägen, battemens, flattemens,u.b.g( v 
fonft aber feine toeittauftigen ^affagien, ober großen 3ufa§ tt>ittfü$rti$er 93er« 
Sierungen. 2Ber ba£ (Stempel Qab. VI. <5ig. 26. [6. 6. 34, 35] langfam fpietet, 
ber £at baxan ein dufter biefer 2lrt §u fielen, ©ie att>etyfe, nämtidj bie 
ttatiänifcfye ^rt befte^e barinne, ba£ man in einem $lbagio, fo tt>o|>t biefe Keinen 
franjöjtfc^en $lu$aterungen, aU au§ ttmttauftige, bod) mit i>er Harmonie über» 
einfommenbe gefünffette Sanieren angubringen fucfyet ©a£ (Stempel Sab. XVII. 
XVIII. XIX. [6.$ln$ang] too biefe tt>iKfi$rti<$en ^u^ierungen atte mit [137] 9?oten 
ausgebrütet finb, unb tt>ooon ttrir tt>eiter unten toeittäuftiger ^anbetn werben, 
fann |>ierbe^ jum dufter bienen. SSM man ben fimpeln ©efang baoon puv 
mit bem 3ufa$e ber toefenttid)en, fd)on öfters genenneten Sanieren fpieten, fo 
Jjat man nod> ein QJe^ftriet ber fran§i)|tfc^en Spielart JJlan ttrirb aber jugtei$ 
getoa^r tt>erben, bafj fie bty einem fo gefegten 2lbagio nic^t f)inreicf>enb ift 

3. §. ©ie franjöfif^e 2trt ba$ Slbagio au^5U$ieren, fann man bur$ gute 






Q3on ber $lrt baä ^bctgio ju fielen. 93 

^mveifung, o^ne bie Harmonie ju verfte|>en, erlernen. 3ur itattämfc^en £in-- 
gegen ttrirb bie 933iffenfd^)aft ber Äarmonie unumgänglich erfobert: ober man 
mü§te, tpie bie meiften Sänger nacfy ber Sftobe, beftänbig einen 9fteifter jur 
iöcmb £aben, von bem man bie 93eränberungen über ein jebe§ $tbagio erteroete; 
moburd) man aber niemals felbft ein 9Jleifter werben, fonbern 3eitteben3 ein 
Scholar verbleiben umrbe. Sfje man fid) aber mit ber ledern 2lrt einlädt, 
mufj man bie erfte. fcfyon ttufjen. ©enn tver bie Keinen Sanieren tveber am 
reifen Orte anzubringen, nod) gut vorzutragen tveiS, ber tvirb aud) mit bm 
großen ^u^ierungen wenig ausrichten. *rllu^ einer folgen Q3ermifd)ung aber 
von Keinen unb grofjen $lu3äterungen, entfte^t benn enbltcfy ber vernünftige 
unb gute ©efefymad im Gingen unb ©fielen, tvetcfyer jebermann gefällt, unb 
allgemein ift.[*)] 

4. §. ©afj bie frangäftfcfyen (Somponiften bie 'SluSsierungen me£rent$eit£ 
mit |>in fcfyreiben, unb ber 'SluSfüfjrer atfo auf nichts tveiter ju bmUn §abt, 
afö fte gut vorzutragen, ift fd)on gefaget tvorben. 3m italtämfcfyen ©efcfymade 
nmrben, in vorigen 3eiten, gar leine ^u^gierungen bargu gefe^et, fonbern alles 
ber < 3Bittlü^r beS ^uäfü^rerS übertaffen: ba benn ein *2lbagto o£ngefä|)r atfo 
auSfa^ tote ber ftmple ©efang be^ bem (^empel Sab. XVII. XVIII. XIX. Seit 
einigen 3eiten aber, §äbm bie, tvetdje ftc^ naci) ber italiänifcfyen Qu* richten, 
au$ angefangen, bie not^tvenbigften Sanieren ausbeuten. 93ermut|)lidj be$= 
tvegen,tt>etl man gefunben §at, bajj ba$ Slbagio von manchem unerfa|>men 2lu^ 
fiterer fe|)r verftümmelt tvorben, unb bie fiomponiften baburd) wenig <££re er- 
langet £aben. QBie benn nid>t ju läugnen ift, bafj in ber itatiänifdjen SWufif 
faft eben fo viel auf ben ^uäfü^rer, als auf bm domponiften, in ber fran- 
Zöftfcfyen aber, auf bm domponiften weit me|)r als auf bm ^uSfüljrer anlomme, 
wenn ba$ Stütf feine vollkommene 'Sßtrftmg tym fott. [138] 

5. §. Xlm nun ein ^bagio gut gu fpieten, mufj man ftcfy, fo viel at§ 
mögttd) ift, in einen gelaffenen unb faft traurigen Effect fe^en, bamxt man baß* 
jenige, fo man zu ftneten ^at, in thm fot^er ©emütpverfaffung vortrage, in 
welker eS ber Gomponift gefetjet $at Sin wahres ^bagio mufj einer f^meicfyeln- 
t>en 93ittfd>rtft &$nlic$ fe^n. ®enn fo wenig aU einer, ber von jemanben, 
welchem er eine befonbere @I)rfurcfyt fc^ulbig ift, mit freien unb unverfc^ämten 
©eberben ettvaS erbitten ivotlte, §u feinem 3tvecf fommen tvürbe: ^btn fo tvenig 
wirb man ^)ier mit einer fredjen unb bigarren 2lrt %u fielen ben 3u^i5rer ein» 



[*) W& 90^ufterbeifpiele fte^e 3- @. ^5a^^ 93ersierungen italienif^er Slbagien von 
ü 95ivatbi unb 93. 9UlarceKo in ben 16 ^lavierübertragungen italienifci&er 93iolinfonjerte 
(93ac^ ©ef.-^luög. ^b. 42). §>a$ unverjierte Original be^ SlbagioS von ^0larceUo in 
Gammelb. ber 3«tero. 9D2ttf.«©ef. IV, 6. 239. Weitere ^eift>iele jur freien 93eraie?ungg- 
te^nif f. in öamtnelb. ber 3- ^.-©. VII, Äeft 3J 



,,, 



94 XIV. Äottptpütf. 

nehmen, ertt>eitf)en, unb särttid) ma<$en. ©enn tt>aS nid>t t>om Äe^en fömmt, 
ge^t aud? ni<$t teid?tti$ lieber jum Serben. 

6. §. ©ie Wirten ber tangfamen StücEe finb untergeben. (Einige finb 
fe£r langfam unb traurig, anbcre aber ettoaS lebhafter, unb belegen me£r 
gefällig unb angenehm. 3u bepben mixten trägt bie Tonart, in tt>el$er fie ge* 
feiet ftnb, fe£r t>iet bety. 2lmolt, (Emolt, ©iSbur, unb ^mott, brütfen ben 
traurigen Effect triet tne^r au$, aU anbere SDMtöne: tt>eStt>egen fiel) benn au* 
bie domponiften me£rent£eilS, ju biefer «aibftrftf, gebauter Sonarten ju bebienen 
pflegen, hingegen toerben bie übrigen 90M* unb ©urtbne, ju ben gefälligen, 
fingenben, unb ariofen Stüdten gebrandet. [*)] 

2öegen ber, getoiffen Tonarten, fte mögen ©ur ober 9HoU femt, befonberS eigenen 
SBirtungen, ift man nid&t einig, ©ie Eliten toaren ber 9Heönung, ba% eine jebe Sonart 
i|>re befonbere <£tgenfd&aft, unb tyren befonbem SluSbrud ber Effecten fyättz. Qöefcl 
bie Tonleitern tyrer Tonarten nid>t alle einanber gleich toaren, ba nämltdj) gum Tempel 
bie ©orifcfye unb ^r^gtfd&e, als jtoo Tonarten mit ber «einen §erae, ftc(> bergeftalt 
unterfc^ieben, bo$ jene bie große 6ecunbe unb große Gerte, biefe aber bie «eine 
(Secunbe unb Heine ©erte in tyrem 93eairte fyatte; toetl folglich faft jebe Tonart ü)re 
befonbem «Hrten ju cabenairen batte: fo toar biefe Sfte^nung hinlänglich gegrünbet 
3n ben neuem Seiten aber, ba bie Tonleitern aller großen, unb bie Tonleitern aller 
Keinen Tonarten einanber äbnlicb fmb, ift bie ffrage, ob eS ft$ mit ben gtgenfd&aften 
ber Tonarten noa) fo »erhalte. Einige pflichten ber 9fteömmg ber eilten nod) beö: 
anbere hingegen bewerfen biefelbe, unb toollen behaupten, baß jebe £eibenfcbaft in einer 
Tonart fo gut als in ber anbern auSgebrücfet toerben tonnte, toenn nur ber Sompomft 
bie gäljigteit ba&u befäße. €S ift toa^r, man $at (Stempel ba&on auftun>eifen, man 
bat groben, baß mand&er eine ßeibenfd&aft, in einer Tonart, bie eben ni$t bie bequetnfte 
baau febeint, febr gut auSgebrütfet §at SWein tt>er toetS, ob baffelbe [139] 6tücf niebt 
eine noeb beffere SBtrtung t$un würbe, wenn eS in einer anbern unb s« ber 6acbe 
bequemern Tonart gefe^et toäre? 3u bem tonnen außerorbentlid&e $älle {eine allgemeinen 
Regeln abgeben. <£S würbe au weitläuftig fe^n, wenn \§ biefe ^rage ^>ier aus bem 
©runbe au entfe^eiben fud&en wollte. 3$ will aber eine ^probe aorfcblagen, weld&e ftcf> 
fowo^l auf bie (Srfabrung, aU auf bie eigene <£tro>fmbung grünbet. 9^an tranöponire 
5. <S. ein toof)lgeratf)eneg im ^woll gefe^eteS etüä inö ©, -521, <£, unb ©rnoU, ober ein 
anbereS im €bur gefe^eteg 6tüd m$ % @, mii, ©, unb Gbur. Qfyun nun biefe a»e^ 
Btixdt in einer jeben Sonart einerleö QSirfung : fo &aben bie ^ac^folger ber bitten Unrecht 
ffinbet man aber, ba% biefelben 6tüde in einer jeben Tonart aud^ eine t>erfc^iebene 
QBirtung ^eroorbringen, fo fuc^e man ji^) biefe <£rfabrung üielme^r ju 9Zu^en au machen, 
alö fte su beftreiten. 3cb wiK mjvoif^en meiner Srfa^rung, toeld^e mic^ ber unterfd^iebenen 
Qöirtungen unterfd^iebener Tonarten berfic^ert, fo lange trauen, bis id& beS ©egent^eitö 
»erbe überführet toerben tonnen. 

7. §. 3m Spielen mu# man ft<$ folgtid) ebenfalls nad> bem |)errfc^ettben 
Effecte rieten, bamit man nic^t ein fe|)r trauriges 2lbagio ju gefd^tt)inb, unb 

[*) Äiergu voie ^um folgenben »ergleid^e bie ^bagioS ber bemnä^ft in ben £>enf- 
malern beutfe^er ^ontunft jur Q3eröffentlic^ung tommenben ^onaerte »on 3o§. SL ioaffe, 
G&r. ©raupner, ©. <p$. ^elemann, f»|. 8. $&w§ f ©. ä. 6tölael unb So*. ©. ^ifenbel.] 






93on ber Slrt t>a$ 'Slbagio gu ftneten. 95 

hingegen ein cantabeteS gu tangfam fpicte. 2ltfo muffen tiefe <2lrten t>on lang* 

famen Stufen: Sanfatrite, ^riofo, £iffetfuofo, Slnbanfe, 2lnbanfino, 
£atgo, £atg^ettO, u. f. tt>. t>on einem pat^etifcfyen 5lbagio, fe£r untergeben 
derben, 'SJaS jebeS Stüd *>or ein Sempo ober 3eitmaa$ erfobere, mufj man 
au$ feinem 3ufammen|>ange xwfyl beurteilen, ©ie Tonart, unb bie *2lrt be$ 
SacteS, ob folget gerabe ober ungerabe tft, geben ^ierju einiget £tc£)t. ©em 
obengefagten ju Sotge muffen langfame Sätje au$ bem ©mott, 2lmoK, Gmotl, 
©iSbur unb ^moll, trauriger, unb folglich tangfamer gefptelet werben, als 
bie auS anbern ©ur= unb "SRotltönen. (£xn langfameS Stütf im 3tt>e^t>ier- 
t^eil ober Se$3a<$tt$eittacte, fpietet man ettt>a$ gefcfytoinber, unb eines im 
<Zlöabreioe- ober ©re^toetyt^etttacte, tangfamer, als im fcfytec^ten ober ©rety* 
triert^eittacte. 

8. §. 3ft ba$ *2lbagio feljr traurig gefe^et, toobety gemeinigttcfy bie SCBorte: 
SlbagtO bi mottO ober ßetttO affai fte^en, fo mu$ folctyeS im Spielen, 
me|>r mit f^leifenben 9ioten, als mit toetttäufttgen Sprüngen ober Srillern auS= 
gejieret toerben, inbem bie letztem me^r jur ^rölicfylett aufmuntern, als jur 
Sraurigfeit belegen, ©ocfy mu$ man bie SriHer nic^t ganj unb gar »ermeiben, 
bamit ber Su^örer nicfyt eingeschläfert tt>erbe, fonbern man mufj immer eine 
gef^ifte ^btt^cfyfetung treffen, um bie ^raurigleit batb ettt>aS me£r ju erregen, 
balb ttrieber in ettoaS ju beimpfen. [140] 

9. §. Äier§u Jann and) baS abtt>e$fetnbe ^iano unb Sorte fe^r 93ieteS 
beitragen, als toetc^eS nebft bem, t>on Keinen unb großen Sanieren üermifd)ten, 
gef^ift abtoe^felnben 3ufa$e, |>ter, t>a$ bur<$ ben Spieler auSjubrücEenbe 
muftfalifcfye ßic^t unb Statten, unb son ber auf erften 9?ottoenbigleit ift. 3ebod> 
muff fol<$eS mit vieler Beurteilung gebrauchet toerben, bamit man nid^t mit 
attjugrofjer ioeftig!eit *>on bem einen jutn anbern ge|>e, fonbern unoermerft ju 
unb abnehme. 

10. §. Joat man eine lange 9lote enttoeber &on einem falben ober gangen 
Sacte 5u Ratten, toetcfyeS bie 3talianer messa di voce nennen, fo muf man 
biefetbe t>orS erfte mit ber 3unge toeiefy anftofjen, unb faft nur fjaucfyen, alSbenn 
ganj piano anfangen, bie Starte beS SoneS bis in bie SDfttte ber SRote toac^fen 
laffen, unb x>on ba eben ttrieber fo abnehmen, bis an baS (£nbe ber 9^ote: aufy 
neben bem näcfyften offenen ßocfye mit bem Ringer eine Hebung machen, ©amit 
aber ber Son in tpä^renbem 3u= unb Sibne^men nifyt |>i>|>er ober tiefer toerbe, 
(n>elc^er Setter auS ber (figenfcfyaft ber ^töte entfpringen lönnte,) fo mu§ man 
^ier bie im 22. §. be£ IV. fiauptftüdS gegebene 9?eget in Hebung bringen: fo 
tt>irb ber Son mit t>zn begteitenben 3nftrumenten in beftänbig gleicher Stimmung 
erhalten, man blafe ftarl ober f^tt>a^. 

11- §. ©ie auf eine lange 9tote folgenben ftngenben S^oten, I5nnen etnwS 
erhabener gefpietet tuerben. ©oc^ mu£ eine jebe 9lote, fte fe$ ein Q5iert|)eit, 



XIV. Äauptfiüd. 
96 



e* bie Seit leibet, ff»*» W ^ÄTteCW^ *» «** 

s^sr &r ä &ä S " ärfe w -* mu * 

S SU ***** ** ^S 9 Ä* ©efang beftänbig «Ratten 
12. §. ferner « 5« »*f&^ «Sftl U ■» * c * be " 
«erbe, «nb man nijt S«r Og SfeÄ ■•«£* fonbem bie Mft *** 
»otfommenben Raufen ben Sott ^IJgJJfgJii erfobert: [141] « 
lieber «Ml langer batte«, dtt ^JJ^3,jJKL &* «**• *» 
wä re benn, ba£ ber 93a* unter beffm «^< a ~ , C r öberfttntme «rtfr» 
©eböre M «festen , ma* eS »»*»« «JJ ^ 9berftimm e ben testen 
^^t.ftoW^^^^^^^^^ «Bbenn bie 
Son, burcft ein »« tw ^*J£?™ ^Srt «nb na* oben ertoäbnter Sto 
folgenben tnit erhabener ^^gf^Ji "■ ® eÄS » 0rfäUt - 
fortfet>et, m toieber ».■^JJjWfiSL fsTW*/ carefftret «nb ge= 
13. §• 3m Slbagio «^ * ^'JJÄ! ««ben: 5 f« benn, 

bunfelt, «nb ber ftmble ©efang ««rennte » «*^*J j&fc C r öfter« 
Äaubtf«* gteicb Anfang* fo fbteten, we « ^**JfSÄ, 5 «m 5»e»tenmate 
lieber bor: fo Im «tan j«m «0»2*£ • Cenbe ober b«r* eine, burcb 
„ cb mebrere, entmeber b«r* etne »^^ m / man > icm „ 

S^Ä^^^ÄT^ 3«.brer in bef«ger ttf 

bc* man fcbläfrige, nabe an etnanber l f en ^ e X' Sen abme^fete. Stnb 
iöarmonte gegebenen, ^«^gÄ «nb min fogleid) 

C* bas\>iano, d« b«rcb gefcbleifte *oten, erfe|en. 

STnp M biefer *e 9 et m*t e»tf»re*e«be ^e^erun^eif^ in eamme«, 
ber 3nt. =Kuf..©ef. VII, fteft 3. (<$ifenbel?)] 



93on &er 2lrt ba& Slbagio §u fpictcn. 97 

16. §. 9ttit ben Sanieren mu§ man fxfy im 3eitmaa£e triebt übereilen, 
fonbern biefetben mit Bietern ^tei^e uttb ©elaffen^eit enbigen: tt>etl burcl) bie 
Sleberetlung bic fünften ©ebanfen unfcotllommen »erben. ©e£tt>e=[142]gen iff 
fe^r nöt^tg, auf bie 'Bettegung ber beglettenben Stimmen too£t $ldj)tung su 
geben, unb fvi) t>on benfetben lieber fort[t]reiben ju taffen, als bo% man tfmen 
ju&or fomme. 

17. §. <£in ©raöe, ba ber ©efang au$ punetirten 9toten befielt, [*)] mv$ 
ettoaS ergaben unb lebhaft gemietet, au§ breiten, mit, bur$ bie joarmonie 
gebrochenen, 'paffagten, auSgesieret werben. Sie flöten mit bm ^uneten, 
mu§ man bis an ben ^unet immer oerftärfen, unb bie barauf fotgenben, tt?enn 
ba3 3ntert>atl nid)t allgugro^ ift, an bie t>or£erge£enbe lange Q^ote, fur§ unb 
fcfytoadfy auf Steifen: be$ fe|>r weiten Sprüngen aber, mufj eine jebe 9Zote, 
befonberS angeftofen toerben., ©e£en berglei^en 9*oten ftufentoeife auf- 
ober unterttärtS, fo fann man t>or bie langen 9*oten, toetcfye me$rentf>eit$ 
Sonfonanjen fmb, unb bem ©e^öre in bie Sänge mißfallen bürften, 93orfd)täge 
mad>en. 

18. §. Sin SUbagtO fpiritpfo ttnrb me£rent£eil$ im Sripeltacte, mit 
punetirten SKoten, audj öftere mit fielen ©nfcfynitten gefetjet, tt>etcfye$ im 
Spielen noefy mefjr fieb^aftigfeit, als fcom vorigen gefaget toorben, erfobert. 
©e$tt>egen muffen bie 9loten mef>r gefto^en atö gefcfyletfet, au<$ weniger 
Sanieren angebra^t »erben: unb tonnen alfo, bie burefy f>albe dritter geenbigten 
93orfdjt8ge, ^iergu befonberS angetuenbet »erben. Sollten aber, au£er biefer 
«2lrt, einige cantabte ©ebanfen, fo n?ie e$ ber in$ feine gebraute ©efd)macf 
in ber Se^lunft erfobert, mit untergemif^et fe$n, fo muf* man ft<$ aläbenn 
im Spielen auä) bamac^ rieten, unb baß <£rnft£afte mit bem Sc^mei^elnben 
ab »ecfyfetn. 

19. §. ©afj biefe unb bie übrigen Wirten öon tangfamen Stüden, at£: 
Santabile, <2lriofo, anbaute, ^nbantino, $lffettuofo, £argo, ßarg^etto, u. f. ». 
t>on einem traurigen unb pat$etif<$en ^agio, im Spielen fe$r ju unterf^eiben 
fmb, ift, »eil e£ fd>on oben gefaget foorben, £ier ni^t ni$t£ig %u nrieber^oten. 

20. §. Sinb in einem (£<mfat>ite ober Slrtofo im ©re^ad^eiltacte, 
triele Se^ae^nt^eile, fo ftufenraeife auf- ober unterȊrt$ einanber folgen, befinb- 
liefy, unb ber ^afj ge£t in beftänbiger 93e»egung, t>on einem Sone %um anbem 
fort, fo lann man ni^t, ttrie be£ einem platten ©efange, t)iel sufe^en, fonbem 
man mu§ fol^e <2lrt 'Koten, auf eine ftmpte unb f(^mei-[143]^etnbe 2lrt, mit 
abtoec^felnbem ^iano unb ^orte »orgutragen fu^en. ginben fxfy fpringenbe 
Slc^tt^eile mit barunter, tt>obur<$ ber ©efang troden, unb nidfjt unterhalten 
toirb: fo lönnen bie S:er8enfprünge mit ^orf^tägen ober Sriolen au^gefütlet 



[*) 3. 93. in ber Einleitung einer franaöpfc^en Ouvertüre.] 



98 XIV. Äauptßtttf. 

werben, bleibt aber ber SSafj MSweüen, mit einerlei 9*oten, Sacttoeife, auf 
einerlei Sone unb ioarmonie: fo betömmt bie Qberftimme bic Qre^^eit, mehrere 
SDlameren gu machen; bo<$ muffen fol<#e niemals t>on ber 2lrt, in toetdjer man 
5u fpielen ^af, abtt>ei<$en. 

21. §. ©n einbaute ober £arg$etfO im ©re^oiertljeittaete, in n>etd)em 
ber ©efang au$ fpringenben ^iert^eiten befielt, unb t)on bem 93affe, mit 2l$t- 
feilen, beren me^rent^etlS fe<$£ auf einerlei Sone ober ioarmonie bleiben, 
begleitet wirb, tarnt man ettoaS ernftljafter, unb mit meiern Sanieren (fielen 
als ein 2lriofo. ©e|)t aber ber 33a§ ftufentoeife £in unb £er, fo mu£ man fiefy 
fcfyon me|>r mit ben SOlameren in ^cfyt nehmen: um nid)t oerbot^ene Quinten 
unb Octasen gegen bie ©runbfttmme §u machen. 

22. §. <£in atta Stcttiana im 3tt>i>tfad)ttf)etttacte, mit punetirten SRotett 
unternufcfyet, mu£ fe^r ftmpel unb faft o^ne Triller, auefy nicfyt gar §u langfam 
gemietet werben. (£$ laffen ftcfy tyierbe^ toenig Sanieren, aufgenommen einige 
fcfyleifenbe Geci)5efmtl?eite unb 93orfcfytäge anbringen: tt>eit e$ eine 9}acfyaf)mung 
eines ftetttanifcfyen irirtentanaeS ift. ©iefe 9?eget fann auefy bety ben fransftjtfcfyen 
Büfetten unb 'Sergerieen ftatt ftnben. 

23. §. Sollte biefe 93efc^)reibung nxtyt einem jeben genug fepn, um barauS 
begreifen §u fönnen, auf toai *2lrt ein ^bagio mit Sanieren tonnt auSgejteret 
werben: fo lann baß in ber XVII, XVIII, unb XIX SabeEe befinblid)e (fjempet 
[6. Strang] biefe «Sefcfyretbung nod) me^r erläutern. S<3) fyäbt auS ben Tabellen, 
von IX. big XVI. biejenigen 93eränberungen fierauS genommen, bie ftcfy &u bem 
£ier befmbltdjen pmpeln ©efange am beften fcfyitfeten, unb barauS eine an 
einanber fjangenbe auSge^erte Gelobte verfertiget Sßlan fann baran ein 93e9» 
fpiet nehmen, ttrie biefe einseinen 93eränberungen jufammen gefe^et »erben 
fönnen. ©er ftmpte ©efang fte£t auf ber erften, unb ber mit ben 93eränberungen 
auf ber jtt^ten Seile, ©ie 3iffem fo unten fte^en, jeigen bie dummem ober 
Figuren ber (Stempel auS btn t>orf>erge|>enbett Nabelten, unb bie barüber 
befmblic^en < Su^*[144]ftaben, ben Ort ber ^eränberungen, an. Hnter biefen 
ftnb etliche nid)t auf zUn benfelben Sönen, ttrie fte in ben Säbelten fte^en, 
fonbern enttoeber $öf>er ober niebriger gefe^et: um §u toeifen, bafj toie oben 
bereits gemetbet toorben, bie 93eränberungen, fo tt>o^>I in SJiobutationen mit 
ber großen, als mit ber (leinen Serge *>erfe$et toerben fönnen. 

24. §. ©iefe 2lrt ju »eränbern ttrill xä) nun atoar leinem puren ^n* 
fänger, ber nod) nxfyt einmal ben fimpeln ©efang rec^t %u fielen toeiS, ju» 
mutzen: fonbern \d) gebe fot^e nur btn fd^on ©eübten, tt>eld>en e^ aber, an 
ber toa^ren ^Infü^rung gefe^let $at, %um 92acl)forfcfyen, um ftd^ ^ierburcl) immer 
me^r unb me^r t>ottfommener &u ma^en. 3d) »erlange auc^ nicfyt, ba§ man 
atte ^Ibagio tt>ie biefeS einri^ten, unb fo mit Sanieren überhäufen folle: fonbern 
e$ ift berglei^en nur ba, tt>o es ber platte ©efang, toie |)ier, erfobert, anju* 



: 



93on i>er Sirt baß $lbagio gu fielen. 99 

bringen. 3d) bleibe im übrigen be$ ber QÄe^nung, wie tefy fc^on aor^er 
gemetbet fyabt: je fimpler unb properer ein ^Ibagio mit Effecte gefptetet wirb, 
jeme^r nimmt tß ben 3u^>5rer ein: unb je weniger werben be3 (Eomponiften 
feine guten ©ebanfen, fo er mit tfUtf} unb 9ia<$ftnnen erfunben, aerbunfett 
ober QtvnxtyUt <$)mn e$ ift tttoaß rares, fo gteid) im Spielen tttoaß befferS, 
als ein anberer, ber metteicfyt lange barauf gebaut §at, %a erfinben. 

25. §. 3$ tnufy nun aufy noefy geigen, wie jebe ^ote in biefem Stempel, 
abfonbertiefy in ^nfefmng be$ abwecfyfetnben ^orte unb ^iano, gut t>or§utragen 
fe^. 3<fy gebe frierburd) bie im 14. §. be£ XL JoauptftüdS tterfprocfyene <B> 
läuterung ber ^annigfatftgfett btß guten Vortrages : unb weit icfy glaube, 
bafj e3 bm £teb|>abern biefeS guten Vortrages nic^t guwiber fetyn wirb, fo will 
i<$ alle bie 93eränberungen, bie icfy über bie jtmpeln 3ntert>alte gegeben $abe, 
auf biefe ^rt burcfyge^en, unb wa$ burd) 'JBorte au^ubrüden möglich ift, 
baitp bemerken, baö übrige aber ber SSeurt^etlungSfraft, unb ber eigenen 
Smpfinbung eines aufmerffamen ^luSfü^rerS überlaffen. ©ie 3iffern weifen 
auf bie Säbelten, unb auf bie Äauptejempel ober Figuren be$ jebem 3ntert>alte: 
bie 'Buc^ftaben aber auf bie barinn befmbticfyen ©änge, wot>on bie 9?ebe fe^n 
wirb. 3m 93orau£ erinnere %<fy noty, ba% fo lange nichts &om 3lttegro gemetbet 
wirb, attejeit baß langfame 3eitmaa§ bäbfy t>erftanben werbe. ®ie abgefürjeten 
<2öorte finb fotgenber ©eftatt §u oerfte^en: Wü. ttmcfyfettb, ober mit sune^menber 
Stärle btß SoneS; dbtt. abnehmen*), ober mit [146] abne|>menber Starte 
btß SoneS; fta* ffatf; fiä- ftätfer; fd)tt>CL f$tt>ad^ 33ei ben Porten: 
ftarf unb fcfywacfy, mu§ man ftc3E> in ber 2lu$übung mit bm 3ungenftofje ober 
«Bogenftricfye bama$ rieten, um jebe 9?ote entweber me|)r, ober weniger p 
marfiren. SDfan muf aud) ^bm biefe "^Borte nifyt jeberseit im äu^erften ©rabe 
nehmen: fonbern man mu£ fjierbety wie in ber 'SJlalere^ »erfahren, allwo man 
um £id)t unb Schatten au^ubrücfen, fxä) ber fogenannten mezze tinte ober 
3wtf$enfarben bebienet, woburdj baß ®unHe mit btm Sitten uwoermerft 10er» 
einiget wirb. 3m Singen unb Spielen muf man atfo gteicfyergeftatt fi<$ be$ 
ttertierenben ^iano, unb ber wacfyfenben Stärfe be$ SoneS, aU ber 3wif$en« 
färben bebienen, weit biefe SDlannigfattigfeit, jum guten Vortrage in ber 9Kufif, 
unentbehrlich ift 9iun jur Sa$e. 

26. §. <£ab. IX. gtg. 1. [6. 6. 64.] ^3e^ (a) bie bre^ gef<$ wandten 
9^oten f(^wa. bie 93iert|)eitnoten (£, 6, <£, tt>a. 'Sei? (b) baß 6 mit bem ^unete 
toa. bie fotgenben furjen 9Zoten unb ba^ erfte (E, fd^w. baß fotgenbe fta. baß 
93iert£eil toa. 93e^ (c) in berfetben 2lrt. 93e9 (e) bie Äauptnoten toa. bie 
Seinen fc^wa. 93e9 (h) ber Sriller fta, ber 9lac^f^tag fc^wa. 93e^ (1) d, toa. 
<5, (£, abn. <£, fta. ©, f^wa. &, fta, £, f^wa. ^e^ (11) d, <£, toa. % f(^wa. 
©, (f, g, toa. Sie flehten 9loten fdjw. ^e^ (o) £, wa. unter bem fiaufe 
abn. £, e, (I, fta. ^e^ (p) bie erfte fta. bie fotgenben bre$ f^wa. ©, fta. 

7* 



100 XIV. &auptftü<£ 

ff, <£, ©, ftytoa. <£, »o. 33et (r) bie erfte fta. bie gBOte unb brttte f#«t 
unb fo bie übrigen Srioten. 

27. §. Sab. IX. ffig. 2. [©. ©. 65.] <33et (b) fännen bicfe 2lrt yioten 
fo auS bre^en befielen, allezeit sunt Buffer btenen, ba% fte auf eine f$mei<$etnbe 
21rt vorgetragen werben muffen, nämlicf): bie erfte tva. ber <£unct abn. bie pf 
fotgenben gefd>tvinb unb fd>tt>. angefdjteifet 93e$ (c) bie erfte unb trifte tva. 
bie stve^te unb vierte föüfl. unb bie be$ (d) in berfetben 2lrt. SSctj (f) bie 
mit bem <£uncte tva. bie vier gef<$tvinben f$tv. 93ep (g) <£, tva. bie vier 
gefd)tvinben fdjtva. <2, fta. unb fo bie übrigen. <23e9 (1) bie erfte fta. bie Srtote 
p|m unb egal 93e9 (11) bie Srioten fta. bie eecfoe$ttt$eUe fc^tva. <23e9 (m) 
bie erfte fta. bie fünf fotgenben fc^tv. <23e9 (o) bie erfte fta. ®. <S, ©, abn. 
£, fe^tva. unb fo bie übrigen. <33e9 (p) bie erfte fta. bie gefc^tvinben fd)tva. 
<23ep (q) <£, tva. <£, fifm unb fe^r fürs, ber 93orfd>tag tt>a. % fc^tv. ff. fta. 
[146] <£, f#toa. ©ie 2lrt 9toten be$ (r) tonnen allezeit sunt Sttufter btenen, 
nämlid?: bie erften gtvo fcf)tva. unb präcipitiret; bie Stote mit bem ^uncte tva. ©ie 
be$ (s) lönnen in ber 2irt fo tvo^t im ©efd)tvinben atS ßangfamen jum dufter 
bienen, nämtid) bie erften fe£r fur§ unb ettvaS fta. bie mit bem ^uncte abn. unb 
angehalten, ©ie hty (v) gepren me£r jum ©ef<$tvinben atS ßangfamen, unb 
mu£ atSbenn bie erfte von vieren marfiret tverben. ©ie be$ (y) auf gleiche 2lrt. 

28. §. Sab. IX. fftg. 3. öS. e. 66.] <23ep (b) ©, tva. ber <£unct nebft 
@, €, abn. ©, tva. ber &Sritler abn. 6, tva. S>, abn. <33et? (d) ©, tva. 
ffi, p§, @, fc^tva. % fta. S, fc^tva. <23e$ (f) ©, fta. G, £, fötva. unb fo bie 
fotgenben. <33e9 (g) ber dritter fta. ber ^>unct nebft bm jtvo flöten abn. 
Sab. X, ffig. 3. [6. 6. 66.] 93e9 (1) ®, fta. $>, unb © nad) ber <£aufe f^tva. 
unb fo bie fotgenben. <8e9 (n) ©, fta. io, fdjtva. <£, © tva. bie fotgenben tUn fo. 
95e9 (o) bie erfte fta. bie jtve^te fcfytva. unb fo bie fotgenben. 93e^ (p) ©, fta. 
©, ffiS, @, fc*)tva. ©, tva. unb fo bie fotgenben. 93e9 (q) bie erfte von einer 
jeben Sriole fta. bie ätve^te unb britte f^tva. <Be9 (t) ©, fta. bie vier 
gefc^tvinben fc^tva. unb fo bie fotgenben. 

29. §. Sab. X. fftg. 4. [6. 6. 67.] <23e9 (e) <£, fta. ff, fätva. unb tva. 
©, 2t auf gleite 9to. d, f^tva. ^Se^ (f) e, f^tva. unb bis an bm ^unct 
tva. ff, ©, Jtytoa, unb tva. 21, €, fd)tva. ©iefe bepben Syempet fmb eine 
2lrt vom SempO tufeato, tvet^e §u mef)rerem 9la^benfen 2lnta£ geben 
lönnen. 3m erften tvirb anftatt ber Serse, bie Quarte gegen bie ©runbftimme 
vorausgenommen, unb im jtvepten, bie 9Jone anftatt ber Serje iuxüd gehalten, 
unb in biefetbe aufgetöfet; f. <Zab. VIII. ffig. 4. ^e^ (m) bie erfte fta. bie 
vier fotgenben abn. unb fo bie übrigen. <Be$ (n) bie erfte bis an bm ^unct 
tva. bie bre$ fotgenben fd)tva. unb fo bie übrigen. 

30. §. Sab. X. ffig. 5. [6. 6. 68.] gDZit biefen bt\)bux Rempeln bfy 
(a) (b) §at eS gleite ^etvanbtni^ tvie mit bem bei ffig. 4. (e) (f); jene ftnb 



; 



93on ber Slrt baS Slbagio gu Rieten. 101 

ftetgenb, unb tiefe faltenb. SSe^ (a) nrirb anffatt ber Serje, bic Secunbe voraus- 
genommen, unb burd) bie ©runbftimme in bie Serje aufgetäfet; unb be$ (b) bie 
Quarte anstatt ber Serse jurüd gehalten, unb in btefeibe aufgetöfet; f. Sab. VIII. 
gig. 5. p. 6. 61]. ©er Vortrag ift mit jenem ebenfalls einerlei- [147] SSe^ 
(e) bie erfte fta. bie brep fotgenben fdjtva. unb fo bie übrigen. <23e9 (1) bie 
erffe unb vierte fta. bie ^tve^te unb britte fefytva. Spielet man btefetben 9ioten 
gefdjttrinb, fo mufj bie britte, tt>eil fte am tiefften herunter fällt, ftärfer marftret 
tverben, al$ bie anberen. 93e$ (n) bie erfte fta. bie jtvetyte unb britte fel>tva. 
bie vierte fta. 3m ©efd)ttrinben, mu# bie erfte ein tvenig angehalten, unb bie 
vierte fe^r Iura geftof en tverben. <23e9 (p) bie erfte fta. bie jtve^te f<$tva. bie 
Keine Sfote fcfytva. unb bie übrigen tvie bie erften atvo. ^8e^ (q) bie erfte 
Sriote fta. bie ^tve^te f$n>a. unb fo bie übrigen. 

31. §. Sab. XL <5ig. 6. [<5. 6. 69.] <23e9 (a) <£, tva. #te, fc^tva. unb 
furj angefc^leifet ber fftt-SriUer fte. @, f*»a. 93e9 (b) <£, fta. 6, fd>tva. 
ber g^-Sritter fta. @, fötva. <23e9 (d) unb (e) bie vier eedföe|>nt|>eite egal an 
einanber ^ogen; ber giS-Srtller fötoa. @, ftä. <33e9 (h) ber Sriöer fta. 
©, 6, Ä, fd)tva. % <5te, fta. ©er <23orfd?tag mit einem pince in« © geenbiget 
<8e9 (i) bie mit bem ^uncte tva. bie furzen f^tva. <23e9 (11) €, fta. baß $o£e 
<E, ®, fd)tva. gejogen, 9Ü fta. ©, f#ÜO. <23e9 (q) <£, fta. 6, 21, fc^tva. ©, 
£i$, fta. 2t, ©, fätva. SW, ©, tfärfer. 

32. §. — 39. §. [ffortfe^ung ber Regeln über ben b^namifäen Vortrag. Quan$ 
ge$t weitere ffiguren auS t>m Tabellen XI W XIV bur$ unb erläutert fte in ber an- 
gegebenen, tt>emg überft$tti#en <2Betfe. 9*eue °f)xmtte »erben babei ni$t geftreift. 3« 
§ 41 ff. unb ber baju gehörigen Tabelle finben ftc$ atte u>efentU$en Momente ber b^natmf^en 
93ortrag3ie£re, bie augleid> »tätige £üm>eife auf bie QluSfityrung ber Sanieren enthält, 
nod) einmal aufammengefafjt] [148] 

40. §. ©ie übrigen (^empet, unb tva$ id) £ier übergangen £abe, ftnb 
entn>eber f(^on in Um Joauptftücfe von ben nrit«ü$rli<$en 93eränberungen [149] 
erftäret tvorben, ober fommen no<$ in bem fotgenben (Sjempet vom Slbagto vor, 
tvel^eg in Un Säbelten XVII. XVIII. unb XIX. beflnbtt<$ ift 9Kan fu^e 
atfo in Qab. XVII. be$ ber atve^ten Seite, worauf bie Q3eränberungen fte^en, 
bie «Sudtftaben über ben 9*oten, unb bie 3iffem unter benfetben, tvet^e an- 
zeigen, aus tvelcfyer gigur bie <23eränberungen genommen fxxti), auf. 

41. §. <$ab. XVII. [6. 5hu)ang.J ©ie erfte 9tote ©, tta. S3e9 (c) (26), bie jmo 
Keinen Sfoten f^n>a. €, ftä. unb t»a. 93e^ (11) (9) <£ mit Um dritter fta. unb abn. ©, d. 
Wn>a. 93ei (d) (28) ©, fta. <£, Wt»a. io, fta. 51, © mit bem dritter, Wt»a. 93e9 (0 (8) 
©, f^toa. io, 5), ftä. 95e^ (f) (26) bie #oo Keinen 9loten f#wa. 5, 5, voa. 93e^> (aa) (8) 
% ©, Wtt)a. ff, (f. ©, ftä. 53e^ (e) (26) bie jtwo fteinen 9toten Wtt)a. ^3e^ (b) (28) ig, fta. 
©, fc^twa. e, fta. unb abn. <£, n>a. <23e$ (a) (3) 0, toa. ff, €, Wtoa. ©, t»a. 6, mit bem 
dritter unb 9k$Wtage, f^»a. ber QSorf^lag (S, fta. ä, f^tt>a. ^5e^ (f) (?) 6, fta. <£, fd&n)a. 
© fta. <£, fct)tt>a. ^3ep (k) (3) ©, fta. ©, toa. 5), <£, Wtoa. 51, tt>a. ^, W«>a. bie fleine 9lote 
€, tt>a. ib, mit bem SriHer abn. 93e^ (v) (8) ®, toa. 6, Ä, <E, ©, Wn>a. 93e^ (c) (6) <£,n>a. ffiö, 



102 XIV. Äauptftüce. 

©, fc&toa. S3e$ (g) (6) ffig, fta. £>, G, f<$wa. ffig, ffa. ©, % f$wa. 93c^ (b) (23) © mit 
bem Triller fta. ffig, G, fcfcwa. ©, fta. 93et> (f) (8) <£>, fta. G, S>, G, fd?tt>a. ff, fta. 93e9 
(v) (6) ff, fta. % f$tt>a. G, % G, abn. G, fta. ffig f<$tt>a. 5), 51, fftg, abn. ffig fta. ©, 
fa)toa. 93e$ (d) (20) ©, &, 51, n>a. ©, &, Ä, abn. G, toa. 33e$ (11) (25) bie sier «einen 
9U>ten f#»a. 93e^> (m) (25) 51 unb &, fta. unb $arf geftofjen, bie trier «einen 9toten fd)n>a. 
6, fta. unb $art geftofjen, &. f$toa. 51, mit bem Triller, n?a. ©, f$tt>a. 93e9 (g) (20) ©, 
tt>a. bie trier Keinen Stoten abn. 95e^ (g) (20) it, 33, £, G, Gig, »a. 93e$ (b) (2) S>, 
f$tt>a. unb ma. G, ff, fc^toa. 93e$ (k) (2) G, fta. ©, ff, ftyoa. G, fta. ff, ©, fcf>tta. ff, mit 
bem dritter fta. G, f$toa. ff, n>a. ©, fta. <33e$ (b) (23) ber STrWer fta. unt) abn. ©, ff, 
f$tt>a. 93et (1) (14) G, fta. 93, ©, G, f$tt>a. S), tt>a. ber Gxg-Sriller abn. 53eö (x) (8) 
G, tt>a. 0, ®§, Ä, Giö, ^ abn. ff, 51, to>a. 93e$ (c) (13) 51, fta. ©, ff, 6, f#m S), fta. 
G, fd)toa. ber <23orfc&tag G, toa. io mit beut drillet abn. 33e$ (p) (18) S>, Jura unb fta. 
®, G, ff/ Wtt>«. ber G-Sriller fta. <$), G, f$tt>a. <23ei (c) (5) ff, fta. 3), ttm. ff. f$n>a. G, 
fta. G, »a. G, ftyoag. [150] 

42. §. Sab. XVIII. 93e$ (e) (22) ber (dritter fta. ©, G, fd)toa. ©, fta. 93et (z) (8) 
% toa. G, ®, £. abn. bie 93orf$täge f$tt>a. G, 51, toa. S3e$ (e) (14) ff, §), ff, ig, ftf>tt>a. 
S), G, £, 51, fta. 51 mit bem drillet fta. ©ig, f$tt>a. 33et> (a) (8) G, ©ig, &, »a. G, <5>, 
fd)tt>a. ber G«Sriller fta. &, f$tt>a, fta. unb abn. <8e9 (k) (8) G, fta. ©ig, &, ©ig, f<$n>a. 
©, ©ig, £, 51, ©ig, fta. ff, % ©, f^wa. ber G-Sriller fta. 55, f^n>a. 51, fta. 93e9 (ff) (8) 
51, toa. ©, ff, G, Wtt?a. ber <23orfd)tag (f, tt>a. ff, f$tt>a. <f, €), G, G, fta. <23e^ (p) (14) 
bie fe$* 9ioten Wtt)a. unb f^mei^etnb; ber ©ig-^rißer fta. 93e^) (i) (19) ff, ff, <£, <g, ©, 
ganj fc^n>a. «Bei? (u) (3) bie gtoo ^riolen nebft bem &«§ritter fta. 51, abn. 93e^ (e) (11) 
Ue öier Idolen nebft bem ff-^ritter, unb bie fotgenben sn>o 9^oten gang f$ro. unb o^ne 
grof e Bewegung ber 93ruft. 93e^ (q) (8) bie äfyt 6e^se^nt|)eile, nebft hm dritter, big 
ing G, fta. boc$ eine jebe Wott tt>a. ©, tt>a. bie t)ier «einen 9loten f^n>a. 93e^) (c) (5) 51, 
fta. io, 6, fdjwa. ©, fta. &, G, f^toa. <33e9 (d) (5) ff, wa. 51, ©, ff, f^ttja. (£, G, tpa. 
53eö (c) (25) 0, tt>a. bie öier fletnen 9toten abn. G, ff, fta. bie «einen 9loten f^n>a. ©. fta. 
S3e$ (m) (13) 51, fta. ff, ff, % f$toa. 55e^ (n) (13) ©, ffig, 51, fta. 6, fc$n>a. 93e^ (d) 
(21) n>ie in bem XIII. äauptftütfe, 36. §. be^> ffig. 21. (d) augfübrK$ ift er«äret Sorben, 
tvtl<fyt& man, um $ier feine unnötige Qßieber^olung 5U machen, attba nac^lefen fann. 53e^ 
(c) (20) ©, m. bie übrigen abn. 53e^) 0) (9) 6, fta. ©, G, f*»a. <£, ff, ©, fta. €, ff, ©, 
fc^roa. G, ©, (£, fta. ^e^ (o) (24) big © mit bem dritter fta. <33e$ (f) (27) ©, tr-a. bie 
übrigen abne^menb. 

43. §. Sab. XIX. ©ie Srioten be$ (s) (1) unb (cc) (8) fd&toa. ©, fta. ff, f$n>a. ber 
€-Sritter unb <S, fta, % tt>a. 95e^ (c) (15) 51, &, G, ©, fta. ©, f<$n>a. unb n?a. <£, Ä, G, 
€, ©, ff, f$tt>a. u. n>a. ib, ©, ff, fta. S, Wwa. unb ma. ©, ff, €, f$raa. 93e^ (kk) (8) 
S), unb bh fotgenben gefc^toinben 9floten fta. ff, unb bie folgenben gefcf)tt>inben 9^oten 
fc3^tt>a. 51, fta. G, fc^toa. ^e^ (h) (4) ber Jo-Srilter nebft 51, ©, fta. 93e^ (m) (25) 00m <S, 
nebft ben folgenben 9loten unb bem SriHer big G, fta. ba^ folgenbe G, f^tva. &, toa. d, ©. 
Wtoa. 93e$ (0) (14) ©, Ä, 0, G, fta. ©, ff, fc^toa. ber G-Srilter, ff, ©, fta. G, unb beö 
(m) (23) G nebft be^ben Srioten f^toa. 55e^ (11) (8) bie ac$t 9^oten big in ben G-SriEer 
fta. 53e^ (b) (20) ©, 51, ©, ff, ©, toa. Ä/.G, Wtoa. unb big [151] be$ (d) (16) G, <5>, G, 
toa. Ä, G, 51, abn. % ma. 95e^ (o) (16) ib, G, 0, fta. SSep (e) (26) ©, ff, G, Wtt>a. unb 
tt>a. 93e$ (a) (16) ©, ff, % f^toa. ff, ff, toa. 51, ©, ff, fta. <23e$ (hh) (8) ©, fta. ©, tt>a. 
ff, fd)tt>a. ber G-Sriaer nebft 3), G, fta. 93e$ (m) (5) bie ac^t flöten fc$tt>a. 53e^) (n) (22) 
ff, G, fd)tt>a. G, ©, G, ©, pa. ©, unb bie folgenben (Secfoe^ntbeife nebft ben ^orf^lägen 
be$ (a) (18) fo^toa. unh f^meic^elnb. 93e^ (o) (5) bie trier Srioten fta. unb gejogen. Unb fo 
fö^rt man fort big an bie Gabens, unb enbiget bie le^te 9lote bur4) nn »ertierenbeg °piano. 



93on ben (Saben^en, 103 



<2>a§ XV. $<m*>tftücE. 

QSott ben <£abettjen- 

1. §. 3$ t>erfte$e unter bem 3öorte Habens |>ter nid)t bie Sd)lüffe ober 
Abfätje in ber SOMobie, no<$ toeniger ben dritter, toetc^en einige ^ranjofen 
cadence nennen. 3$ ^anbete £ier Don berjenigen tt>iltfi$rltd)en ^Sgierung, toetcfye 
t>on einer concertirenben Stimme, bepm Scfytuffe be£ Stüd'3, über ber oorte^ten 
9iote ber ©runbftimme, nämtiefy über ber Quinte ber Sonart tt>orau3 ba£ Stüd 
ge|>t, tta^ bem freien Sinne unb ©efatlen be$ Auäfü^rerS, gemacht ttrirb. 

2. §. <£* ift inetteic^t nod) fein ^atbeS Sa^unbert £er, baf biefe 
Gabengen be$ bm 3tatiänem aufgenommen, nac^er aber son ben ©eutfetyen, 
unb oon anbtm, welche ftd? befKffen $aben im itatiänifc^en ©efd>ma<Je au 
fingen nnb &u fpieten, nachgemacht Sorben ftnb. ©ie 'Jransofen £aben ftei) 
t^rer no<$ immer enthalten, ©ie Sabenjen muffen ju ber 3eit, ba ßütlt) 
<2Betfc()tanb aertaffen $at, nvmufylid) nod? nifyt ^obe getoefen fe^n, benn tt?er 
tt>ei$ ob er biefen 3terrat£ fonft xtxfyt aud) bei btn ^ranjofen eingefügt fyattt. 
<£$ ift &ielme|>r ju glauben, ba§ bie (labenden erft nad) ber Seit, ba Sorelti 
feine in Tupfer gefto^enen 12 Solo t>or bie [152] 93ioIine herausgegeben $at, 
in ben <33raud) gefommen finb. * ©ie fi^erfte 9?ad)rt<$t bie man fcom ürfprunge 
ber dabrnzm geben fännte, ift biefe, ba% man einige 3a$re sor bem (£nbe be$ 
vorigen 3a£r$unbert$, unb bie erften je^n Saljre beg i^igen, ben S$tu£ einer 
concertirenben Stimme, burtf) eine Keine ^affagie, über bem fortge^enben <33affe, 
unb buxfy einen baran ge|>engeten guten dritter gemalt §at: bafy aber o$n- 
gef% sttrifdjen 1710. unb 1716. bie i^o üblichen 6aben§en, be$ benen ftd? ber 
93a£ aufhalten mu£, ^obe geworben finb. [*)] ©ie Fermaten, ober fo 
genannten Aufhaltungen ab ßibitum in ber 9Jiitte eine* StütfS aber, mögen 
tt>o^>l ettoaS altern llrfprungeS fe^n. 

* 33alb na$ ber erften QluSgabe erfc^ienen biefe öonaten, unter beS Hr^eberS 9kmen, 
öon neuem in Tupfer, unb be$ btn gtt>ölf Abagio ber erften feep Sonaten befanben 
ft$ bie <23eränberungen babeö geflogen. [**)] ®$ war aber feine einzige Habens ab 

[*) ©tefelben 3a£re giebt 3- ffr. Slgricoja in ber Slmnerftmg 6. 197 feiner Heber- 
fe^ung ber SofTf*«* ©efangSfc^nle CBerttn, 1757) an. G. iebod) ba^u 21. ©gering, ©e- 
f$id)te beö Snftrumentalfonsert^ £eü;8tg. 1905, 6. 111 f.] 

[**) 6. ffr. G^fanberg 9^euan^gabe ber SoreHif^en Qöerfe, 33b. III, ßonbon, 
^lugener & (So.] 



104 XV. Äauptftüd 



J 



fitbitum barbeip. füip Seit barauf fe^ete ber efytmaU in Öefterreid)ifä)en 3)ienften * 

geftanbene, berühmte 93iottnift, Nicola hattet no$ anbete Sanieren §u eben 

biefen jntflf Slbagto. SMefet $<xt &oav ettt>a$ me^t get^an aU gorelli fetbft, y 

inbem et biefetben mit einet $lrt fcon tutget SluSgtetung befrf>loffen. 6ie ftnb abet n 

no<$ feine (Sabenjen ab ßibitum ttne man i^iget 3eit machet, fonbetn fte ge^en naä) bet 

ettenge beS SacteS, o^ne Stafetten be3 93affeä fort S3e^be Template f)aU iä) fa>n 

feit btefcfjig unb me|)t 3a|>ten in £änben. ; 

3. §. Ob bie (labenden, mit i^rer @eburt|>, sugleicfy au$ Regeln, froorinn | 
fte eigentlich befreien follen, mitgebracht $aben, ober ob fte nur, »Ott einigen 
gefeilten Stutm, xviUttyvlxfy unb o^ne Regeln erfunben tt>orben ftnb, tft mir * 
unbefannt ©ocfy glaube icfy baß Untere, ©enn fcfyon üor etlichen unb jtoan^ig 

Sauren eiferten bie (Eomponiften in Statten, tt>iber bm 90li3braucl), ber in biefem 
^uncte, in Opern, fo häufig son ben mittelmäßigen Sängern begangen ttmrbe. 
©ie (Eompomften befcfytoffen belegen, um bm ungefcfytften Sängern bie ©e= 
tegen^eit jum ßaben^iren ju benehmen, bie meiften Strien mit 'Saumäßigen 
©ängen, im Hnifon. [*)] \ 

4. §. ©er SEftiSbraud) ber Gabenjen beftefrt nt<$t altein barinne, tt>enn ? 
fte, tt?ie gemeiniglich gef<$ie£t, an f*| felbfi nid)t triel taugen: fonbem aucfy 

toenn fte be$ ber 3nftrumentatmuftf, be$ folgen Stütfen angebracht werben, V 

»o^in p| gar feine fc^iden, 5. 9* be$ luftigen unb gefci)ttrinben Stufen bie 



& h h % Utt *> f ^acte gefegt ftnb. Sie finben [153] nur in pat£etifcf/en 



unb tangfamen, ober in entsaften gefdjttrinben Stücfen ftatt 

5. §. ©ie Qlbftcfyt ber Sabeng ift feine anbere, als bie 3u$örer nocty 
eimal be$ bem <£nbe unüermut^et su überragen, unb nod) einen befonbem 
©nbrutf in tyrem ©emüt^e gurü<S §u taffen. ©e&oegen toürbe, biefer $lbftcr;t 
gemäß, in einem Stüde eine emsige Gabenj genug fetyn,/ <£ß ift folglich tt>o£l 
als ein SOftSbraud^ anjufe^en, toenn ein Sänger im erften Steile ber 3lrie 
3W0, unb im jtoepten Steile aucfy no<$ eine 6aben§ mattet: benn auf biefe ^rt 
fommen, toegen beS ©a £apo, fünf (Eabensen in eine <2lrie. (Sin fot^er Heber« 
f(uß fann nid)t nur ben 3uf)örer leicht ermfiben, jumal tt>enn bie dabmitn, 
wie fe^r oft gef<^ie|)t, einanber immet äf)nli^ fef)en: fonbem er giebt au<$ einem 
an Srfinbung ni<^t gar §u reiben Sänger ©etegen^eit, fid^ befto tfyix su 
erfd)ityfen. 9D^a^et aber ber Sänger nur be^m ioauptf^tuße eine 6aben&, fo 
bleibt er im 93ort|>etfe, unb ber 3u|)5rer be^ Appetite. 

§. 6. (fS ift ixoax nifyt ju läugnen, baß bie dabenaen, u>enn fte fo 
geraden, toie eS bie Sac^e erfobert unb am regten Orte angebracht werben, [; 

5u einer Sierbe bienen. 9£Jian tt)irb aber aucfy einräumen, ba^ fie, ba fte feiten | 

i?on re<^ter *2lrt ftnb, gtei^fam, unb aumat bfym Singen, nur 5U einem nofy* j 

-.*—— — — _— , 

I*) 6. ^ietju unb sunt ffolgenben ba$ entf^ted)enbe Kapitel in ^. fft. ^ofiö 
„Einleitung &ut Gingtunft", inS Qtutfät übetfe^t »on 3- 5r. Elgricola, Berlin, 1757.] 



QSon ben (Eabensen. 105 

n>enbigen Siebet gebieten ftttt>. SBenn feine gemacht werben, fo frntt man e$ 
für einen großen fanget. SDiandjer aber toürbe fein Stüd mit meljr (££re 
befd)tie#en, toenn er gar leine (Eabena machte. 3nbeffen Wtlt ober muf ein 
jeber, ber jt<$ mit Singen ober Solofpieten abgiebt, dabenaen machen. <2ßeil 
aber ni<$t alten bie 93ort^eite unb bie rechte 2lrt berfetben befannt ftnb: fo 
fällt biefe 3Kobe bem gröften Steile jur ßaft. 

7. §. 9?egetn t>on Sabenjen jtnb, ttrie \<§ f^on gefaget $aU r no$ nie- 
mals gegeben korben. SS würbe aud) fcfytoer falten, ©ebanfen, bie ttntlfü^rlidj) 
ftnb, bie leine förmliche SOletobte ausmachen folten, gu welchen leine ©runb= 
ftimme ^tatt finbet, beren umfang, in ^Infe^ung ber Tonarten, tt>et$e man 
berühren barf, fe£r Kein ift, unb bie überhaupt nur aB ein Ofmgefä^r Hingen 
folten, in 9legetn ein^uf (^tiefen, ©odl) giebt eS einige an§ ber Se^Iunft fliefienbe 
93ort^eite, beren man ftc^ bebienen fann, wenn man nic^t, ttrie 93iete $un, bie 
dabensen nur nacfy bem ©e^öre, [154] ttrie bie 93öget tyvm ©efang lernen, o|me 
ju ttriffen worinn fte befte^en, unb tt>o|)in fte fvfy fd^iden, auStoenbig lernen, 
unb biStseiten in einem traurigen Stüde ettoan eine luftige, ober in einem 
luftigen ttrieber eine traurige QLab<tn% §ören taffen null. 

8. §. ©te (labenden muffen auä Um ioauptaffecte be£ 6tütfe$ fliegen, 
unb eine furje SBieber^otung ober 9iad)a|>mung ber gefätligften dtaufetn, bie 
in bem Stütfe enthalten ftnb, in ft# fajfen. 3utt>etten trifft faß, baf man 
wegen 3erftreuung ber ©ebanlen nid^t fogteid) etwas neues ju erfinben wetS. 
ioier ift nun fein beffer SÖttttet, aU ba% man pf, auß bem 93or|)erge^enben, 
eine t>on ben gefätttgften dtaufetn erwähle, unb bie <£aben§ barauS bitbe. ioier- 
bur<$ fann man nic^t nur &u alten 3eiten ben Mangel ber Srfmbung erfetjen, 
fonbern man wirb au<$ jeberjeit ber |>errf<$enben £etbenf$aft be$ 6tü<SeS eine 
©nüge tfmn. ©iefeS tt>iU ic§ einem leben, aU einen ni<$t gar p betannten 
93ort|)eil, empfohlen tjaben. [*)] 

9. §. ©ie (labenden ftnb entweber ein- ober swe^fttmmig. ©ie ein- 
ftimmigen öorne^mtid^ ftnb, Wie oben fd)on gefaget worben, wittlüljrticl». Sie 
muffen Iura unb neu fe^n, unb Un 3uf>5rer überragen, wie ein bon moi 
^otgtic^ muffen fte fo Hingen, at$ wenn fte in Um ^ugenbtide, ba man fte 
machet, erft gebogen würben. SPten ge£e bemnad) ni^t ju *>erfd?wenberif<$, 
fonbern als ein guter 2öirt£ bamit um r befonberS tt»enn man SfterS einerlei 
3u|>örer t>or ftc^ £at. 

10. §. c 2Beil ber ilmfang fe^r Hein, unb leidet a« erf^öpfen ift; fo fällt 



[*) @mc g3crarl>eituttg ber ÄauptgebanJen beS Qt&dtä in ber Sabena, tote fte 
bie SÖtoaartfctye 6^>ule einführte, toav in ber älteren Seit nt$t ü^li^. ßabenaen in <5orot 
»on felbftänt>igen 6olocapricen (<?>. fiocatettt in feiner „L'arte di Violino", 1730) bilbefcn 
^uöna^men.] 



106 



XX. Äouptflütf. 



e3 ferner bie ^nttc&fett gu fcermeiben. SOian barf belegen in einer Sabens 
ni<fyt ju öietertety ©ebanlen anbringen. 

11. §. Söeber bie Figuren, nod) bic fimpetn Snf ersaüe, toomit man bie 
Gabeng anfängt unb enbiget, bürfen in ber SranSpofttton me^r att srcepmat 
ttrieber^otet werben, fonft tt>erben fte pm €fet. 3<$ tpitt hierüber gtt>o dabenjen, 
in einerlei <2lrt sum dufter geben; f. Sab. XX. <5tg. 1. 

Sab. XX. Sig. 1. 



f ff ^ j j i'i ^ r L N' i 





*r 



jj^ § 1 1 - ^ 



unb ^ig. 2. 
[<$ab. XX.] ffig. 2. 



«yge^WLJji'^J 





3n ber erften ftnben ft$ §tt>ar stoe^erte^ Figuren, <2Bett aber eine jebe <5igur 
mermaf gehöret ttnrb, fo empfinbet baS ©e^ijr einen ^erbruf barüber. 3n 
ber stpe^ten hingegen werben bie Figuren nur einmal ttneber^otet, unb lieber 
burd) neue Figuren unterbrochen. Sie ift [155] belegen ber erftern t>or|u= 
Sie^en. ©enn ie me£r man bat Ö|>r bur^ neue (frftnbungen betriegen tarnt, 
ie angenehmer faßt t% bemfelben. <£$ muffen folglich bie Figuren immer in 
»ergebener <2lrt mit einanber abn>ed)fetn. 3n ber erftern Sabeng ftnbet ftcf> über 
bem no<fy ber <5e£ter, b<x% jte t>om anfange bis sum (fnbe immer auS einerlei 
Sactart, unb gint^ettung ber Sftoten befte^t, tt>et<$e$ gleichfalls toiber bie <£igen= 
fc^aft ber dabenjen läuft. <2BilI man auS ber jtoe^ten Habens fimpte 3nter- 
t>alle ma^en, fo barf man nur t>on jeber <5igur bie erfte 9iote nehmen, f. ^ig. 3. 



[Sab. XX.J ff«* 3, 




ba fni) t)mn biefe sunt *2lbagto, jene aber sum Qlttegro f fielet. 



93on &en Gaben^en. 



107 



12. §. ©a man in ber SranSpofttion bie Figuren ober (£laufeln nicfyt gu 
oft tt>ieber|)oten barf, fo barf man fotc^eS no<$ weniger auf einerlei Sone t^un. 
Wan muf bei ben ßabensen überhaupt ft<$ $üten, bie Sitae toomtt |# bie 
dtaufeln anfangen, al* freiere ft$ bem ©ef)öre me|>r als bie anbern etnbrüden, 
md)t ju oft £ören p taffen: befonberS am <£nbe, n>o man ft<$ in ber Sejte 
ober Quarte *>om ©runbtone an geregnet, immer ein ttenig aufhalten pfleget, 
©enn biefeS nmrbe bem Ö^re eben fo ttribertoärtig x>orfommen, als toenn man 
in einer 9lebe serfcfytebene ^erioben nadj einanber immer mit bemfetben QBorte 
anfangen ober enbigen tt>ollte. 

13. §. Ob bie dabengen gteic^ toilHü^rlic^ fmb, fo muffen bod? bie 
Snteröalle barinne i|>re richtige Sluftöfung bekommen : befonberS tpenn man burefy 
©tffonanjen in frembe Tonarten auStoetcfyt, toetdjeS burd) bie Sprünge in bie 
falftye Quinte, ober in bie übermäßige Quarte gefeiten fann, f. Qäb. XX. <5ig. 4. 

[Sab. XX.] gHß. 4. 



f i 7rn f "V r rii l| ? ""ffrrTf 



^ 



14. §. Sn bm Tonarten muß man xtifyt gar su tt>eit auSfdjtoeifen, unb 
feine Sdne berühren, bie mit bem iöaupttone gar feine 93ertt>anbtfd)aft $aben. 
<£ine furje dabens muß gar nieftf au$ if>rer Sonart tt>eid)en. ©ne etwa* 
längere fann am natürlichen in bie Quarte, unb eine no^) längere in bie 
Quarte unb Quinte au$tt>eid>en. 3n ©urtönen. gef<$ief>t bie SJluStPeic^ung in 
bie Quarte bur$ bie fleine Septime, f. <5ig. 5. baß ©iS unter bem 93ud)= 
ftaben (a); bie SluSttei^ung in bie Quinte gef^ie^t bur<$ bie übermäßige Quarte 
f. baß & unter ^m <33ud)ftaben (b), unb bie 9iüdU$v in ^n Äauptton bur<$ 
bie orbentltdje Quarte, f. baß 33 unter bem ^uc^ftaben (c). 



[Sab.* XX.] ffig. 5. 




3n 99Mtimen gefd>ief>t bie ^uStoeic^ung [156] in bie Quarte serouttetft ber 
großen Serge, f. ^ig. 6 baß & unter bem 33ud)ftaben (a); bie ^uStoeicbung 
in bie Quinte, unb bie 9lMh$x in ben Sauptton aber, gefeiten eben fo n>ie 
be^ ber großem Sonart, f. ©3 unb <£ unter ben 93ud)ftaben (b) unb (c). 



108 

[Sab. XX.] <3xq. 6. 
a) 



XV. ibauptpcf. 



l^^äL 




^uS ber grient Tonart Jann man n>o|>t in bie Heinere ge^en, boefy mu§ e£ 
nur in ber J?ürse, unb mit Bieter 93e$utfamlett gefeiten: bamit man mit guter 
•ilrt nrieber in bie Sauptnote fommen möge. Sn ben Heinern Tonarten fann 
man bur$ Ijatbe Söne, ftufenn>eife, auf ober niebern>ärt$ ge^en: bod) muffen 
beren über bre$ bis sriere nicfyt nad? einanber folgen, fonft fönnen fie, ttrie alle 
anbere ftcf) ä^mttcfye (Elaufeln, §um SJet werben. 

15. §. <2Bie eine luftige Habens au« toeittäuftigen Sprüngen, luftigen 
dtaufetn, Untermieten Sriolen unb Srittern u. b. gl. gebitbet n>irb, f. Sab. XX. 
Sig. 7; 

[Sab. XX.] $ig. 7. 

^//[egra], 

/TN 




fo befte^t hingegen eine traurige faft au$ lauter na^e an einanber tiegenben, 
mit ©iffonan^en t>ermifd)ten 3nteröallen, f. <5tg. 8. 



[Sab. XX, 




ad[agiö\. 



©ie erfte baoon fd>i<fet ftc^ 5U einem muntern, bie anbere hingegen su einem 
fe£r traurigen Saide. 5Kan mufi ft^ ^ierbe^ tooljt in 2ld^t nehmen, bamit 
man ni^t in ungereimte SDiengereipen unb 93ertt>e^felungen bei Suftigen unb 
traurigen herfalle. 

16. §. Sine orbentti^e Sactart tt)irb feiten beobachtet, ja ftc barf nid)t 
einmal beobachtet werben, ©enn bie Gabenjen foHen ntc^t au« einer an einanber 
fjängenben SSMobie, fonbern fcietme^r au£ abgebrochenen ©ebanfen befte^en, 
wenn fte nur bem t>or£erge£enben 'SluSbrutfe ber £eibenfcfyaften gemäfj ftnb. 



31 






93on bett (Saben^en. 109 

17. §. ©ie Gabenjen für eine Gtngftimme ober ein <23laSinftrument muffen . 
fo befc&affen fe^n, ba% fte in einem 2lt$em gemalt werben Wimen. <£m Se^ten- 
inftrumentift fann fte fo lang machen, als i£m beliebet, fofern er anberS reid) an 
grfmbung ift ©o<$ erlanget er me^r 93ort^eil burefy eine billige Äfirje, als 
buxfy eine serbrüßlic^e £ange. [*)] 

18. §. 3$ gebe bie £ier befmbltdjen (Stempel ni^t für soltfommene unb 

ausgearbeitete Sabenjen auS, fonbern nur für SWußer, woburcl? man einiger 

maaßen bie ^uSwetdjungen ber Tonarten, bie 3urü<Ile^rungen in ben Äauptton, 

bie <23ermifc^ungen ber Figuren, unb überhaupt bie ©genf^aften ber (£aben§en 

begreifen lerne. <23ieltei^t mö^te mancher [157] wünfe^en, t>a% i# eine 9tojaf>t 

t>on aufgearbeiteten (labenden beifüget fyättt. ^ttein weil man nid>t »er- 

mögenb ift, alle Gabengen fo ju fc^reiben, wie fte gemietet werben muffen: fo 

würben aufy alle Stempel son aufgearbeiteten (labenden nxfyt £inretcl)enb fetyn, 

einen sotlftänbigen begriff batton §u geben. Sftan muß alfo, bie SM gute 

Sabensen §u machen, fielen gefcfyiften £euten absurren fucfyen. $>at man nun 

§uoor einige grfenntniß *>on ber Gaben§en (£igenfd)aften, fo wie td) fte $ter 

mitaut^eilen mt<$ bemühe, fo fann man baS, waS man von anbern f>öret, befto 

beffer prüfen: um baS ©ute sunt eigenen 93ort$eile ansuwenben, baS «Söfe aber 

5u aermeiben. OefterS werben, aufy t>on fe^r gefaxten Sonfünfttern, in ^n- 

fe^ung ber Sabenjen, 6$wad$eiten begangen, entweber auS übel aufgeräumter 

®emüt$Sbef$affen$ett / ober auS attjwrieter fieb^aftigfeit, ober aus ^altftnnigteit 

unb 9*acfytäßtgfeit, ober auS Srocfen^eit ber (frfinbung, ober auS ©eringf^ä^ung 

ber 3u£ärer, ober auS allsumeler Mnftele^, ober nod) au$ anbern ilrfac^en, 

bie man nid»t alle beftimmen fann. Solan muß p<$ bemnad? ni$t bur<$ baS 

93orurt^eil aerblenben laffen, als ob ein guter SJftuftfuS «#* au( $ bam \ uttb 

wann eine fd)le$te, ein mittelmäßiger hingegen eine gute datm^ hervorbringen 

Kirnte, ©ie Saben^en erfobem, wegen tyrer gef^winben (frfinbung, meljr 

«Jertigfett beS <2öt$eS, als ©elefyrfamfett. 3£re größte G<$ön$eit befte^t 

barinn, baß fte als etwas unerwartetes ben 3u£örer in eine neue unb rü^renbe 

93erwunberung fe^en, unb bie gefugte Erregung ber £eibenf$aften gleidtfam 

aufs $»<$jfe treiben folten. Wart barf aber nid)t glauben, baß eine SDienge 

gef^winber ^ajfagien fold>eS allein p bewerffteiligen öermögenb fep. 9*etn, 

bie £eibenf<$aften fßroten wel e£er burc^ etlt^e ftmple 3nteroaUe, unb geföidt 

barunter »ermif^ete ©iffonansen, als bureb öiele bunte Figuren erreget werben. 

19. §. ©ie gwe^ftimmigen Saben^en ftnb ni^)t fo wiEfü^rli^ als bie 
einftimmigen. ©ie Regeln ber Ge^funft ^aben no<^ einen großem ©nftuß 



[*) 6. ba 8 u bie in Gammelb. bev Snt. 3fotf. ©ef. VII, Äeft 3 mitgeteilte ^abena 
8 u einem 93it)albif^en Slbagio »on ^ifenbel (?).] 






HO XV. ÄauptftM 

barem: fotgltd) muffen biejenigen, fo ft<$ mit <£abengen biefer «2trt abgeben wollen, 
gum wenigften Die Vorbereitung unb <2luflöfung ber ©iffonangen, unb bie ©efe^e 
ber 9fad)a£mungen verfte^en, fonft lönnen fte unmöglich tt>a§ gefcfjeibeS hervor- 
bringen. <33on t>tn Sängern werben bie meiffen von bergteicfyen Gabengen vorder 
ftubiret, unb auSwenbig geternet: benn e$ ift eine gro£e Seltenheit gweene 
Sänger gufammen angutreffen, bie tttoaä von ber ioarmonie ober ber Se^funft 
verfte|>en. [158] ©ie meiften geben, au$ einem fortgepflangeten Vorurteile, 
welches bie fiautytit gur Butter, unb gur <£rnä|>rerinn $at, vor, baf? bergtei^en 
33emü!jung ber Stimme nacfyt^eilig fe$. Unter ben 3nftrumentiften ftnbet man 
nod) e^er einige, welken e£ an biefer (frlenntnij? nicfyt fegtet. 

20. §. ®ie gwe^ftimmigen Gabengen tonnen tttoa$ länger gemacht werben, 
alß bie emftimmigen: toeil bie barinne enthaltene ioarmonie bem ©eijöre mcfyt 
fo leicht verbrüpcfy fällt, au$ atebenn t>a$ ^tfjemljolen ertaubt ift. 

21. §. ©iejenigen welche nicfyt viel von ber ioarmonie wiffen, bereifen 
fxd) me|)rentl)eilg nur mit Serben« unb Seiten-® ängen. ^Wein biefe ftnb ntcfyt 
hinlänglich ben 3u£ärer in Q3erwunberung gu fetjen. 

22. §. So leidet aber bie geboppetten (labengen gu erfinben, unb auf ba$ 
Rapier gu fcfyreiben ftnb, fo fcfywer jntb fte hingegen o$m Verabrebung gu 
machen: weit leiner be$ anbern ©ebanfen im Vorauf wiffen fann. ioat man 
aber bie Vorteile, wel<$e bie 3tnitationen unb ber ©ebrauci) ber ©tffonangen 
an bie ioanb geben, nur in ettoaS inne, fo ift biefe Sd^Wterigfeit leicht gu 
überwinben. ©ie (frfinbung ber Gabengen au£ bem Stegreife ift Ijter §aupt° 
fäctyltcfy mein 2lugenmerf. 3<fy will beSwegen einige (Stempel gum dufter bei- 
fügen, welche man als einen ©runbrifj 5u betrauten $at, worinne man bie 
verriebenen < 2lrten ber Sftac^mungen, Wie aud> ber Vorbereitungen unb 2luf* 
löfungen ber ©iffonangen, welche tyiergu bienen fotten, entworfen ftnbet. ©ie 
«2lu$gierungen aber, welche au£ ber GrftnbungSfraft fliegen, unb mcfyt in etliche 
wenige Gjempet eingefcfyränfet werben ßmnen, übertaffe icfy eines jeben feiner 
eigenen Grfmbung unb ©ef^macEe. 

23. §. Buffer ben in geraber Bewegung mit einanber fortge^enben 
Sergen unb Sejtengängen, befte^en bie gwetyftimmigen Gabengen überhaupt au£ 
3mitationen, ba# eine Stimme vorträgt, unb bie anbere na$af>met ^n biefen 
3mitationen fyabtn bie 93inbungen großen S^ett. 9Kan binbet nämlic^ entweber 
bie Secunbe au$ ber Serge, unb tßfet fte in bie Serge ober Sefte auf: ober 
man lehret biefeS um, fo ba| au§ ber Sejte bie Septime gebunben, unb in 
bie Sejte ober Serge aufgelöfet wirb. Ober man ge^t au3 ber Serge in bie 
Übermäßige Quarte, unb um*[159]gefe|>rt, au3 ber Se^te in bie fatfcfye 
Quinte* Ober man verzögert auf ber falf^en Quinte in ber Oberftimme bie 
^ufWfung in bie Serge, worauf bie orbenttic^e Quarte entfte|)t, bie fu$ 
na^^ero in bie Serge aufläfet. ^ew nun gtt>o ^erfonen biefe Q3ort|)eite inne: 



4- 



Q3on ben Sabengen. 



111 



fyabm, fo Jönnen fte p^ne ^erabrebung, unb ol?ne bie Regeln ber Se^funft §u 
überleiten, öon einer ©iffonans sur anbent ge|>en. 

24. §. 93e9 einem Se^tengange, too man feine ©iffonan§en berühren 
tPitl, mu# eine ber be^ben 6timmen eine ^ote öorauS nehmen, e£ fety im 
Steigen, ober im Ratten, bamit bie anbere ftcfy beimaß rieten fönne; f. Sab. XX. 
ffig. 9. 



[Sab. XX.] ffig. 9 

=1 



üü 



e* 



j,*i jj/jji jjifl jjj j i j T; 



atfoo bie unterffe Stimme bie «Belegung §at, unb §u ernennen giebt, ba§ bie 
Öberftimme im erften Sacte ftetgen, unb fjernad) ttrieber unternmrtS ge|>en foße. 
<23e9 <5ig. 10. 

PUL xxj fffe. 10. 



t?t ff ff i rEftärrr nr rr l 



i 



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£ 



=£ 



5 



3^3 



^ 



machet bie Öberftimme bie Bewegung, unb bie unterfte folget berfetben. <2öemi 
man in biefen be^ben ©fingen bie oberfte Stimme in bie unterfte, unb bie 
unterfte in bie oberfte öewanbett, fo ftnbct man bie *2lrt be£ SerjengangeS. 

25. §. ®er mit ber Septime t>ermif<$te Sejtengang ift von ätoe^erte^ 
«Hrt, nämti<$ fteigenb unb fattenb. <33e9 bem fteigenben ge^t bie Öberftimme 
in bie Öctaöe, uxib bie ilnterftimme au$ ber Sejte in bie Septime; f. Sab. XX. 



[<&ab. XX.] fftö. 11. 



N a) tr 



112 



XV. Äauptfiücl 



<Be9 bem fattenben Septimengange binbet bte unterfte Stimme, unb bie oberfte 
refoftriret: auä) taxtn bie unterfte binben unb auftöfen, tt>ie im gwepten Sacte 
be$ @£empel$ <5Hg. 12. 5U erfef>en ift. 



[Sab. XX.] ffig. 12. 



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ppffjfff ;■ f " 



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d) 



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<2Benn man be^ ben be^ben vorigen Rempeln bie erfte Stimme %ux ^e^ten, 
unb bie imtyt jur erften machet, fo f>at man ben Sergengang, n>o au$ ber 
Serge bie Securöe gebunben, unb in bie Serje ober Sejte aufgetöfet ttrirb. 
26. §. ©ie erfte Stimme, freiere gemeinigti^ btxt Vortrag t^ut, mu£ 
t>er %mf)Uxi nid)t nur ©elegen|>eit au antworten geben, unb auf biefetbe nmrten, 
fonbern fte mu£ au<$ öftere, unter ber 2lntn>ort, ein fotcf>eS 3ntersatt, tt>etd>e$ 
5U einer neuen <23mbung 2lntaf giebt, p tobten Riffen: bamit bie 93inbungen 
uicl)t alte auf einerlei 5lrt £inau$ taufen. 3n bem Campet be$ ^ig. 13. 

[Sab. XX.] $ig. 13. 

/TN 




*efte^t bie erfte «Binbung au$ ber Keinen Secunbe, bie fotgenbe au£ ber mangel- 
haften Septime: unb inbem bie 5tt>et)te Stimme bie <5igur ber erften nad^mac^et, 
bereitet p| bie erfte bur<$ ba$ & 5«* foigenben Septime, unb Kfet biefe in 
bie Se#e auf. [160] ©ie gtpepte Stimme binbet hierauf »ermittetft be$ & bie 
Septime no<$ einmal, bur<$ ta§ fü gegen t>a$ @, aU bur$ bie fatfc&e Quinte, 



■V; 



QSon ben (labenden. 



113 



ge^t fte gur ^inbung ber Quarte ©, u. f. tt>., tt>oburclj> ba& Qfyv auf t>er* 
fd)iebene < 2öeife fcctrogen n>irb. 

27. §. ©ie Saben^en fönnen au$ na<$ $lrt eines (SanonS eingerichtet 
werben, nrie Sab. XX. be$ ^ig. 14 



[$a*. XX.] £ig. 1* 

/TN 



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p erfef>en. ©iefe machet bie ^acfya^mung in ber Quarte tiefer, ©ie auf 
Sab. XXI. <3ig. L 



[<Zab. XXIJ $ig. 1. 




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imitiret burdj Quinte unb 6e£te; bie be$ ^ig. 2 



[Sab. XXL] <5ig. 2. 



Wrtrr,r 



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^ 



m) tfr, 




114 XV. Äaiptptüd. 

bur<$ bie überffeigenbe, in bie Serge fö auftöfenbe Secunbe. ©ie be$ -gig. 3. 



[Sab. XXIJ ftig. 3. 




te ifff rir trl | , n*f , ^ f ffff 



O) * /TN 



j / i . i . i g. i ji *• g ! Ulli n iTttn^ 



imitiret tt>e^>fetött>ei^ t>\xxti) bie übermäßige Quarte unb falftye Quinte, »ie 
au$ burcfy bie Quinte unb Sejte. ©ie be^ SHg. 4 



• j. 

V 



[Sab. XXL] ff§. 4. 



j^ j'rir JJr 



P) r-^ ) fr 



q) a) fr 




I 



binbet au$ ber Serge bie Secunbe, unb aui ber Sejtfe bie Septime, ©ie erftere 
tßfet ftd) in bie Se^te, unb bie gtoe^te in bie Serge auf. ®l lann aber biefer 
©ang, tt>egen bei Quartenfrrungei, in ber Sranipofttion tti#t über gtpe^mat 
angebracht toerben. 

28. §. 3n ben fta angeführten Rempeln nun, finb bie meiften ©änge 
enthalten, tt>obur$ eine Stimme ber anbem, o^ne 93erabrebung nahmen 
fann. 9Zur iff babfy nodj gu merfen, baf? ei auf bie erffe Stimme, toelc^e 
orbenttic^er gQßetfe ben Antrag machet, $auptfä$li$ ankomme, bie ©änge fo 
einzurichten, ba% ei bie gtoe^te, fo tooty toegen ber ©entließt, ali aud> 
infonber^eit toegen ber Siefe unb S5$e ber Söne, nadjmadjen fönne. 93erfte|)t 
aber ber erffe mtf>ti x>on ben ^ier erfoberlicfyen Regeln, fo fann au§ bei 






93oit ben (Eabenjen. 



115 



atoetyten feine <2ßtffenf$aft £ter nichts weiter Reffen. <£r muß nur fudjen, fo 
gut al§ mögtitf), bem erften in puren Sergen unb Seiten nadfougeljen, unb bie 
©iffonansen gu fcermeiben: tt>eü e$ eine fe£r übte <2Öirfung t^ut, ©iffonan§en 
o|me 2luf0>fung p |>ören. 

29. §. <2Begen ber 9?ü<Ke£r jum 6d)tuffe ber gabenj ift p merfen, 
baß bie Quarte t>om (EnbigungStone, ober bie Septime t>on ber ©runbnote ber 
<£abm%, xodä)& einerlei ift, bie (fnbtgung ber Gabenj anbeute. 6ie fömmt 
me^rent^ettt in ber oberften Stimme t>or, toenn nämtid) bie Gabens burc& bie 
Serge im ©nttangc pPffl ©ie jtoe^te Stimme fjat ftd) fobcmn ^iema^ ju 
rieten, unb muß unter biefer Quarte bie falftye Quinte öon ber obern Stimme 
herunter geregnet, anzubringen fud)en, [161] um burd) bie <2luf{5fung in bie 
Serge ftd» jum Sd)luffe ju bereiten: tt>ie bei ben oben betriebenen (Stempeln 
beobachtet korben. 93e^ <5ig. 11 <§ah. XX. im »Orienten Sacte fünbiget bie 
gebunbene 9*ote 6 in ber erften, f. (a) unb <5i$ in ber jtt^ten Stimme, f. (b), 
t>a$ (£nbe an. <23e$ gig. 12 fyut e$ $ mit ber Septime ©, f. (c) (d); hfy 
ffig. 13. unb 14. © mit @i$, f. (e) (f), (g) (h); Sab. XXI, bei) ffig. 1. <£§ 
mit 51, f. (i) (k); bei) $ig. 2. © mit ©*, f. (1) (m); bei) #ig. 3. mit S, 
f. (n) (o); unb be$ ^ig. 4. € mit 8te, unb 95 mit CS, f. (p) (q) (r) (s): 
vorauf aKemat bie dritter folgen. ^Oßemt aber bie dabeng burd^ bie Se#e in 
bie Qctase fcpeßt: fo fömmt bie Quarte be$ J5aupttone$ alSbenn in bie jtoe^te 
Stimme, unb bie übermäßige Quarte t>on ber untersten Stimme herauf geregnet, 
aU bie umgele^rte fatfcfye Quinte, in bie erfte Stimme. 

30. §. 93e9 bm Vorträgen unb 9ia<$a£mungen, tngleidjen bei ben Vor- 
bereitungen nxtb Slufföfungen ber Vinbungen, tan man bie Figuren, ober 
Siu^ierungen, nad) belieben verlängern ober verfürjen. SDfom betraute 
Qab. XXI. fö, 5. unb 6. 



fl&fc XXI.] fffe. 5. 




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116 



XV. Äauptftüd. 





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[«ab. XXL] ffig. 6. 



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ba bie eine lang, unb bie anbere fürs ift SSe^be Cjempel frnb au§ bem be£ 
S^g. 2 genommen. ©a3 be$ "Jig. 5. ift buret) bie Figuren verlängert, unb ba£ 
be$ <Jig. 6. burefy 93erfaffung berfetben serfüräet korben, ^uf fote^e ^rt 
fann man mit ben übrigen verfahren: fo ba% burefy bie ^erönberung unb 93er* 
mifcfyung ber Figuren, tbm biefelben (Sänge immer lieber fremb txnb neu werben. 



93on fcen GaDenscn. 117 

31. §. Wtm i)at ni<$t nöt|>ig, fi<$ be$ ben ©oppelcaben^en immer, wie 
tfoav be$ obigen (Rempeln gefeiten, an eine orbentticfye Sactart ju binben, 
aufgenommen in benen Figuren, tsetc^e ber eine t>orgemacl)t §at: benn biefe 
muffen in eben bemfelben 3eitmaaf*e, unb in eben ber Slnaafcl ber Sftoten, wn 
bem anbern nac^gemadpet derben. 3e weniger Orbnung man im übrigen in 
ben (labenden beobachtet, ie beffer ift e$: toeit baburd) äugteitf) ber Schein, aU 
ob btefelben t>or|>er auSgefonnen tt>ären, öermieben ttrirb. ©ocfy tootfe man 
hierunter nid)t *>erfte|>en, als müßten bie (labenden überhaupt blo£ au§ einem 
unbeutticfyen ©etoirre ber Stnfatte befielen, unb gar nichts metobifdjeS in fxä) 
£aben. ©iefeS ttmrbe ben 3u£örern n>enig Vergnügen ertoetfen. 9DZeine 
g^e^nung ift nur, toie oben fc^on be$ ©ekgen^eit ber einfachen Gabenjen ift 
berührt rnorben, bafj bie (labenden nicfyt au3 einer förmltd) an einanber ^angenben 
9JMobie, als [162] ein <2lriofo, fonbern au# stoar unterbrochenen, bocfy gefälligen 
<£laufetn befielen folten, toel<i>e eiaufetn fo n>o£t mit bem geraben als ungeraben 
Sacte eine 2le$ttß$!eit £aben tonnen. 9fam muf man ni$t ju lange be^ 
einerlei <2lrt bleiben, fonbern beftänbig auf eine angenehme Mbtoec^felung 
btbatyt fein. 

32. §. 9?un ift noet) übrig, bie $alt>e <£abett5, bei freierer bie Ober- 
ftimme bur<J> bie ©runbftimme t>ermittetff ber großen Septime gebunben, unb 
burdj bie Se^te in bie Qctafce, * aufgetöfet toirb, p betrauten. ©tefe £albe 
Gabenj pfleget in ber SEKitte ober am <£nbe eines tangfamen StütfeS a\x$ ber 
Keinem Tonart sorsufommen, f. Sab. XXI. ^ig. 7. 



[Sa*. XXL] <5ig. 7. 



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©ie ttmrbe in vorigen 3eiten befonberS im JSirdjenftyte bis jum <£Jel getrieben, 
unb ift belegen faft au$ ber <3Äobe gekommen, ©od) fann fte auty nod> in 
i^igen Seiten eine gute Söitfung t^un, toenn fte nur feiten unb an i^rem 
rechten Orte angebracht toirb. 
* ©iefe Octaoe ift bte Quinte ber Tonart a\x$ xotlfytt ba$ 6tü<f ge$t, unb erfobert 
immer bie grofte ^er^e in i^rem Slccorbe. 

33. §. ©ie Musterungen tt>eld>e über eine folc^e £atbe (Sabenj, toenn fte 
einfach ift, angebracht toerben fönnen, $aben einen fe^r Keinen Umfang, ©ie Äaupt- 
noten muffen au$ bem «2lccorbe ber Septime, t>on ber ©runbnote an geregnet, 
genommen werben, unb befte^en au$ ber Serje unb Quinte, tt>el$e über ber 
^ebunbenen Septime in ber Oberftimme eine Quarte unb Se^te ausmachen. 



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118 



XV. Äauptftüd. 



Sftan fann biefe Sftoten fo tr>o^)t x>on unten a(£ i>on oben nehmen, f. Qab. XXL 
Pf. 8. 



Rat. XXL] fffg. 8. 



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9^ur fömmt eg barauf an, ob man i>ie Slu^terung lang ober fur§ machen toitt. 
Sott jte lur§ fetyn, fo lann man nur bie Quarte aufwärts berühren (f. bie 
9?ote © unter bem 93u<$ftaben (c) btefer 'tfigur,) unb t>on ba gum Sd)tuffe 
gef>en. Sott fte ettva$ länger fetyn, fo fann man bie Quarte unb Se^te nacfe 
einanber berühren, f. unter bem <23u$ftaben (a) unb (b). «^Bitt man fte aber 
nocfy me^r. verlängern, fo fann man bis in bie Septime herunter fteigen, tme 
bety biefer 8. Sigur, toelc^e bie Äauptnoten geiget, §u erfef>en ift. ®ie ioaupt- 
noten aber tarnten bur$ Figuren von 9Zoten, auf öerfcfyiebene $lrt veränbert 
unb vermehret derben. [163] 

34. §. ©oppett fommt biefe £albe (Eabeng oftmals im Srio vor. 3£re 
3ierrat^en befte^en aug eben ben 3ntert>atten, ttrie bfy ber einfachen. 9Zur ift 
SU merfen, ba# biejenige Stimme, gegen toetcfye bie ©runbftimme bie Septime 
binbet, ben Antrag p machen %atx bie anbere hingegen mufj auf ber Serge fo 
lange toarten, bis bie erfte if>re <3Hgur geenbiget §<xt, unb auf ber Sejte hm 
dritter fcfylägt. QlUbenn lann bie jtoe^te Stimme, biefelbe ^igur, toetcfye bie 
erfte |>atte |>i>ren taffen, in ber Quinte tiefer nad)ma<$en, ttrie ba£ Stempel bety 
^ig. 9. auf ber XXL Sabette geiget. <2Benn aber bie Septime in ber gtoetyten 
Stimme liegt, fo mufi auc^ bie gttetyte Stimme bm 93ortrag tl?un, unb bie 
erfte, in ber Quarte £ö^er tyr nacfya^men. 3Jian fe§e in bem (Stempel bei) 
'Jig. 9. bie jtoetyte Stimme eine Öctaoe ^er, unb macfye fte jur erften Stimme, 
fo ttrirb man bat>on ein Sanfter fytibtn. 



[Sab. XXL] ffig. 9. 




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35. §. 93©n ber ^crmafe ober ber 2lufJ)dfung at> ßbttum, tt)eld>c 
ptweiten in Singfa<$en, bepm anfange einer 2lrie, in ber Singfrimme, fefcr 
feiten aber bety einer concerrirenben 3nfttumentatffimmc, etroan im 'ilbagio eines 
Soncertä, »orWmmr, ift aud) nocb etwas ju bemerfen. Sie befreit me$ren£f>eil3 



QSort ben (Soben^en. 



119 



au$ fctooen, einen Quintenftrung unter ftd) macfyenben 9ioten, über beren erfterer 
ein <33ogen mit bem ^unete ftef>t, f. Sab. XXL <3ig. 10, 

[$a*. XXL] ffig. 10. 






Vado. 

unb tt>irb belegen gefe^et, bamit ber Sänger, reeller ein jtoe^falbigeS, mit 
einem bequemen langen Setbfttauter oerfe|>eneg QOBort, al$ vado, parto, u. f. tt>. 
barunter au$§ufpred)en f)af, ©etegen^eit £aben möge, eine Qlu^gieruug babe^ 
anzubringen, ©iefe Slu^ierung muf nur au£ folgen Äauptnoten befte^en, 
tt>eld>e im 2lccorbe ber ©runbftimme ftatt finben, unb erlaubet leine $lu$- 
Weisung in anbere Sonarten. ©a$ Tempel Qdb. XXL <5tg. 11 

[Sab. XXL] $ig. 11. 
a) b) c\ 




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tarn pm dufter bienen. Sin Sänger fann ftd) t>orftetten, aU tt>enn e$ in 
bem feiner Stimme eigenen Schaffet getrieben toäre. ®ie erfte 9tote unter 
bem 93ogen mit einem ^unete, fann <&$ eine ioattung, (messa di voce) fo 
lange als ti ber 2lt^em erlaubet, mit 3u* unb «abnehmen beS SoneS gehalten 
werben, bod> fo, baf man no$ fo t>iet ^em übrig behalte, aU nSt^ig ift, bie 
fotgenbe ^u^ierung in bemfelben 2lt|)em ju enbigen. <2Bill man bie Figuren, 
toorauS biefer gange 3ierrat£ befielt, jergtiebern, fo fann fold)er in oerfd)tebene 
Steile geleitet, unb immer um eine gigur »erfürget werben, tote bie barüber 
befmbtic^en <Bu<$ftaben jeigen. 3. S. 9Äan [164] tarnt enttoeber bie Figuren 
unter bm ^u^ftaben (b) (c), ober bie unter (a) (b) (c) (d), ober bie unter 
(a) (b) (c) (d) (e), ober bie unter (a) (b) (c) (d) (e) (f) »egtoffen, ofme t>a% eS 
aufhöret eine ^uSgterung ju bleiben. 3Bie nun ^ier bie 3nteroatle burd) ben 
'Slccorb in bie &5$e fteigen, fo fann man aud) bur<$ benfetben <2lccorb in bie 
Siefe ge^en, toenn man nur bie Figuren fo einrichtet, ba£ man gum toenigften, 
bep gnbigung be£ 3ierrat^, bie «ihtfang&tote ttrieber berühre, unb nieftf *>on 
unten, fonbern t>on oben in bie le^te ^igur mit bem Triller, falte: toeil biefer 
SriHer über ber Serge, nid)t t>on unten, fonbern fc>on oben feinen ilrfprung 
$abm muf. 9Zacfy biefem Sriller mu# lein 9lad)f<$tag gemacht toerben: unb 
menn fot<$e§ auä) fcon ben größten Sängern begangen toürbe, fo ift unb bleibt 
e$ bemtod) ein Sedier. £$ mu$ metme|>r biefer Sc^luf fo gefungen ober 



120 



XVI. fiauptftürf. 



gefielet werben, wie fym in 9?oten au«gebrü<fet ift. 3m äauptftüde t>on ben 
wittfü|>rli<$en <33eränberungen, im 36. §., ift t)ieroon weittäuftiger ge|>anbett 
worben. 

36. §. ©er S^tu^tritter ber Caben^en, in Stücfen, bie au« ber Keinem 
Sonart ge^en, wirb guweiten, bo<^> me|>rent|>eit« nur be^m Singen, anftatt auf 
ber Quinte, auf ber Sejte gef^tagen. SEftan t>erf%t bamit wie im XIII. Saupt- 
ftüde, 36. §. ^ab. XV. ffig. 21. (d) [6.6.85] ö@n bem (finf^nitte in bie 
Ser§e ift geleitet worben. Ob nun wo£l biefe 3lrt bie ßabenj ju befd)tte$en, 
wenn fte au rechter Seit, unb mit guter <2lrt angebracht wirb, eben feine übte 
<3öirfung fyut, fo ift bo<$ nid>t §u ratzen, bamit aÖ8ut>erf<$wenberifd) um%u= 
ge^en: wie e« einige Sänger s« machen pflegen, wenn fte faft allezeit im §we^ten 
Steile ber ^rie, tomn fotcfyer in ber Keinem Sonart fdjtteft, t>m S^tu^trißer 
auf bie obenbef^riebene <2lrt machen, ^m (fnbe eine« StücJ« ftingt ein ber- 
gteicf>en dritter etwa« einfältig, unb fo gebräuchlich ber im 36. §. be« XIII. Äauptft 
betriebene, in ber ^Kitte be« Stüci« i$o no<$ ift, fo fe^r ift biefer be^m Snbe 
beffetben hingegen, faft au« ber SSftobe gefommen, unb t>errät£ fotgtid) ba« 
^ftert^um. ©ie Saupturfa^e aber warum man tyn nur bep fe£r fettenen 
gälten brauchen mu$, ift, weit tjterju bie Sejte unb Quarte im Qtccompagne- 
ment erfobert würbe. < 2BeU nun orbentti^er Sßeife i>or bem Sd)tuffe eine« 
Stütf« bie gro£e Ser^e unb reine Quinte angefangen werben muft, Wetter 
$tccorb aber mit bem dritter auf ber Sejte feinen 93er^alt $af : fo Würbe biefe« 
am <£nbt be« Stücle« einen Jlebetftang jurütf taffen, unb folglich bem ©e^5re 
mef>r 93erbruf* at« 93ergnügen erweden. 



®a£ XVL %auptftü& 



[165] 



SöaS ein glofentft $u beobachten $at, toerot er in 
öffcnflt^ctt gjliiftfett fielet 

1. §. [Qucm$ *>erft>nct>t, bem angef>enfc>ett «Jlötiften für öffentliche 9ttuftfen no# 
einige ptättifät QBmfe ju gebe«.] 

2. §. 93or aßen ©ingen mu§ er auf eine reine Stimmung feine« Sn- 
ftrument« bebaut fepn. 3ft ein (Eforic^mbat bep bem ^ccompagnement ju- 
gegen, wie me^rent^eit« einer zugegen ift, fo mu§ er bie ^t5te barnadj ein- 



<2öa« ein ^lötenift §n beobachten £at, wenn er in öffentlichen SRufften fielet 121 

ftimmen. ©ic meiften nehmen gtt>or t>a$ att>e9geftrid)ene © gerinn sunt 9tt$ter, 
unb jum ©runbtone: allein id> rat|>e, bafj er, toemt anber« bie glitte in ft<$ 
felbft fo rein geftimmet iff, als fte fe^n fotl, öietme^r ba« an^geftric^ene ff 
ba§u ern>ä£te. 

3. §. 11. §. R3eim (Sinftimmen ift bie Temperatur be« Orte« &u beachten (3). 

Sin einem großen Orte (Opernhaus, (Baal, jtoei ober me|)r geöffnete Statuier) toerbe ftet« 
in ber 9Zcu)e eingeftimmt, ba mit june^menber Entfernung (na$ Qu.' Slnftctyt) ft$ bie Söne 
erniebrigen (5). <5inb bie 93tolmen anfällig $öt)er geftimmt al« ba« Gembalo, tt>a« leicht 
öortommen fotm, fo richte fta) ber Slötift in ber 9*ot na$ ben im allgemeinen ftärfer 
beröortretenben Violinen, tro$ ber übten Qöirtung, bie babet su ftanbe fommt Vernünftige 
unb erfahrene $onfe$er pflegen ba$ freiließ §u sermeiben (7). 3ft ba$ Slftompagnement 
fe§r aa$lreicf>, fo möge bie Slöte atoeef« ftärleren Slnblafen« im SlHegro ettt>a« tiefer, im 
Slbagio hingegen fo geftimmt »erben, baf* fie bequem auftritt (8). Sind) n><u)renb be« 
Gpieten« ift bie 9$eüu)eit ber 3«tonation beftänbig im Siuge au behalten (9). [*)] Wan n>cu)le 
ben Stanbpunft fo, t>a$ ber Söinb ungetyinbert in bie <5erne ge^en fönne (10). Qöer ftd? 
angetnölmt £at, ben <$.ätt mit bem S^e 8 u markieren, t>ermeibe t>a$ an ber Oeffentlid^eit; 
er tat e« enttoeber f>eimltd) ober $ebe bie guten 'Saftseiten bur$ Betonung ^eroor (11).] 

12. §. Sollte bi«tt>etten ein burefy t>iele ^erfonen begleitetet (Eoncert ent* 
toeber gefcfyurinber, ober langfamer, at« e« fe^n fott, angefangen werben, unb 
babfy burd) gelinge «Seränberung be« 3eitmaafje«, tt>enn man fte atfobatb 
verlangen sollte, eine ilnorbnung unb 93ertt>irrung au befürd)ten fetm: fo tt>ut 
ein doncertift, toofern nur ber Hnterf^ieb nid)t gar su grofi ift, toof>t, n>enn er 
ba§ 9fttornett fo enbigen laftt, tt)ie [168] e« angefangen Sorben. 93e$ ber 
barauf folgenben Solopaffagie aber, fann er bur$ einen beuttic^en unb recfyt 
mariireten Anfang berfetben, ba« rechte Sempo ju ernennen geben. 

13. §. 3p ber ^föteniff, ber jtd> öffentlich ttnlt £8ren laffen, furc^tfam, 
unb noc^ nxfyt gett>ofmt, in ©egemsarf oieler Sftenf^en au fpieten, fo muf* er 
feine ^ufmerffamfeit, in n>ä|>renbem Spielen, nur altein auf bie 9Zoten, bie er 
sor fxä) Ijat, p richten fu^en, niemal« aber bie klugen auf bie ^ntoefenben 
tt>enben: benn ^ierburcfy toerben bie ©ebanfen jerftreuet, unb bie ©elaffen^eit 
ge^t öerto^ren. (£r unternehme ni^t fol^e fd)tt>ere Sa^en, bie tym be^ feiner 
befonbern ilebung noc^) niemal« gelungen fmb, er ^atte ftd^ t>ielme$r an fote^e, 
bie er o^ne ^nfto^ tt>egfpielen fann. ©ie <5urd)t »erurfad^et eine QBaHung be« 
©ebtüt^e«, vpobur^ bie £unge in unglei^e ^etoegung gebraut tt)irb, unb bie 
3unge unb Singer ebenfall« in eine ioi^e geraten, fiierau« entfielt not^-- 
tt>enbiger ^Beife ein im Spielen fe^r ^inberli^e« 3ittern ber ©lieber: unb ber 
glßtenfineter tmrb alfo nid)t im Staube fe^n, toeber lange ^afagien in einem 
2lt$em,'tto$ befonbere Sd^toierigfeiten, fo ttrie be^ einer getaffenen ©emüt^)«- 
aerfaffung, heranzubringen. Äierju fömmt auc^ no<$ tt>o^l, ba§ er be^ folgen 



[*) 9^ä^ere« über ba« Sinftimmen f. XVII. Äauptft. VII. Slbfdjn. § 1 ff.] 



122 XVI. Joauptftüd 

Hmftänben, abfonberli<$ bep Partnern Hefter, am <2ftunbe feilet, unb bie 
glitte fotglidt) nic^t am gestrigen Orte feft liegen bleibt, fonbern untewärtS 
gtitf<$et: n>obur<$ baS 9Kunblod) berfelben ju siel htUdtt, unb ber Sott, tt>o 
er ni<$t gar aufien bleibt, bod? pm toenigften §u fd)tt>ad) ttrirb. ©iefem U%Uxxt 
Hebet batb abju^elfen, nrifd>e ber glßtenift ben «SJUmb unb bie glitte rein ab, 
greife nad)bem in bie ioaare, ober ^erüde, unb reibe bm am Ringer flebenben 
feinen ^uber an ben 9D f iunb. Äterburct) werben bie Scfytoetftöcfyer aerftopfet, 
unb er Jann ofme grofje Joinbernif* weiter fpielen. 

14. §. %lu§ biefen HrfacE)en ift einem jeben, ber fcor einer großen 93er=. 
fammlung fpielen mufj, §u ratzen, ba§ er mcfyt et)er ein fd)toere$ Qtixä §u 
fpielen unternehme, als b\$ er fügtet, baf* er ft<$ in einer fcolKommenen ©elaffen* 
$eit befinbe. ©ie 3u|)ßrer fännen n\6)t ttriffen n>ie i^m ju SOlutfyz ift, unb 
beurteilen i^n atfo, jumal xotnn e3 ba$ erftemal ift baf* er t>or i^nen fpielet, 
nur natf) bem toaß fle fjßren, nid)t aber nad) bem n>a£ er *>or ftcfy auszuführen 
fä^ig ift (££ gereichet über|)au^t altejeit §u grö^erm [169] ^ort^eite, toenn 
man ein teidjteS 6tüc? reinlid), unb o^ne geiler, at£ tt>enn man ba$ aller* 
fd)tt>erfte Gtütf mangelhaft fpielet 

15. §. QBenn unferm gtittemften be$ ber öffentlichen 'SluSfüljjrung feinet 
StütfS einige ^affagien nid)t follten gelungen fetyn, fo fpiele er felbige fo lange 
t>or ftc^> ju Äaufe, fo tt>oi)t tangfam als gefd&fcrinb, buvä), bis er fte mit tbm 
berfelben gerttgfeit, at£ bie übrigen, JjerauS bringen tarn: bamit bie 2lccom* 
pagniften tnSfünftige fiel) nic^t genittfriget ftnben, i^m $ier unb ba nachgeben, 
benn biefeS ttmrbe bzn 3u^)örern tt>eber Vergnügen bringen, nod) bem gtöteniften 
£|)re machen. 

16. §. Joat einer, burc^ triete Hebung eine gro^e gertigfeit erlanget, fo 
muf? er berfelben bo$ nidjt mi$braud)en. Se$r gefdjtoinb, unb sugleic^ auefy 
beuttic^ fpielen, ift jtt>ar ein befonbereS 93erbienft, e£ tonnen aber gteicfytpo^l 
5fter3, ttrie bie Srfa^rung lehret, grofje gelter bavau§ entfielen. SfRan tovcb 
bergleid)en infonber^eit be$ jungen ßeuten, bie toeber bie rechte reife 95e= 
urt^eitungSfraft, _no$ bie n>a^re ©mpftnbung ^aben, ttne jebe^ <2>tixd naty 
feinem eigentlichen 3eitmaa§e unb ®ef(^ma(Je §u fpielen fe9, gett>a^r. 6ot<^e 
junge 2tutt fpielen me^rent^eite aHe^ tt>a§ ifmen öorfömmt, e^ fe^ ^refto, 
ober ^ttegro, ober ^Uegretto, in einerlei ©ef^toinbigfeit 6ie glauben tt>o|)t 
gar ftcfy babur^) öor anbern befonberS ^eröor ju t^un, ba fte boci>, burd) bie 
übertriebene ©efcfyttrinbigteit, nid)t nur ba$ Sc^önfte ber (Eompojttion, \6) me^ne 
ba§ Untermiete Cantabile, t>erftümmeln unb x>ernic^ten, fonbern aufy, be^ 
Hebereilung be« 3eitmaa§eS, fi«ä) angett>ö^nen, bie 9^oten falfd) unb unbeutli^ 
ioorgutragen. 9Ber ftd) nun gerinne nid^t be^ 3etten §u öerbeffern fuc^et, ber 
bleibet in biefem S^ter, toel^en ba$ ^euer ber 3ugenb »erurfa^et, tt>o ni^t 
immer, bod^ §um tpenigften biö n>eit in bie männlichen 3a^re, ftetfen. 



QBaS ein ftlöteniff gu beobachten $at, n>enn er in öffentlichen SQUtftfen ftrielet 123 

17. §. Be^ ber <2öa£t ber Sfücfe n>omif ftd? ein glötenift, unb jeber 
goncerttft nrill £ören ta^en, mu£ er ft<^ nid)t nur na<$ ftrf> felbft, nad? feinen 
Gräften unb feiner gä^iglett, fonbern and) na<$ bem Orte too er ftrietet, nad) 
bem ^ccompagnement toel<$eS i^n begleitet, nad? ben ilmftänben toorinn er 
fpielet, unb nad) bm 3u|>örern t>or benen er ft<$ ttnlt £ören laffen, richten. [170] 

18. §. «2ln einem großen Orte, too e$ jtarf fraßet, unb im ba£ «2iccom= 
pagnement fe^r galjlretd? tft, machet eine gro#e ©ef^toinbigleit tne^r Bernnrrung 
aU Vergnügen, (fr muj? atfo bfy folgen ©elegen|>eiten doncerte ernsten, 
wet^e prächtig gefegt, unb mit Bietern ünifon t>ermtfc^et ftnb, Soncerte, be^ 
benen jt<# bie £armonif<$en Sä$e nur immer §u ganzen ober au falben Sacten 
änbem. ©er an großen Orten attegeit entftefjenbe Sßieberfctjall vertiert ft$ 
ni<$t fo gefd>tt>inb, fonbern i>ertoi<f elt bie Söne, totnn fte gar §u gefd^ttrinbe mit 
einanber abtt>ect>feln, bergeftatt unter einanber, ba% fott>oi>t Joarmome als Gelobte 
un&erftänblid) nrirb. 

19. §. 3n einem fteinen 3tmmer, too menig Snftrumente pr Begleitung 
ba finb, fann man hingegen (Eoncerte nehmen, bie eine galante unb luftige 
Sftelobie £aben, unb Törinnen bie Äarmonie fiel) gefetynrinber änbert all m 
falben xxnb gangen ^acten. ©tefe laffen fxd) gefc^ttnnber fpielen, als jene. 

20. §. 3Ber fid? öffentlich toilt pren laffen, ber mufj bie 3uf>brer, unb 
abfonbertid) biejenigen barunter, an banm if>m am meiften gelegen ift, too^t 
in Befrachtung gießen, (£r muf* überlegen, ob fte Remter ober leine Kenner 
ftnb. Bor Kennern tann er eftoaS me|>r aufgearbeitetes fielen, toorinne er 
©elegen|>eif ffat, feine ©ef<$ttli$fett fott>of>t im Slltegro als Wm§® ju geigen. 
Bor puren £teb£abern, bie nt$f£ t>ott ber 2Ruf« oerffeJjen, fyut er hingegen 
beffer, tt>enn er folc^e 6fMe vorbringt, in tt>eld?en ber ©efang brillant unb 
gefällig ift. ©a$ ^bagio Sann er atebenn aud? ettt>aS gefc^ttrinber als fonff 
fielen, um biefer *2lrf t>on ßieb^abern nic^t lange <2Beile gu machen. 

21. §. 3ftit Sfütfen bie in einer fe£r feieren Sonart gefe^et ftnb, muf 
man fxfy nidjt t>or jebermann, fonbem nur oor folgen 3uf>örero £ören laffen, 
bie ba$ 3nftrument öerffe^en, unb bie S$tt>ierigleit ber Sonart auf bemfetben 
einaufe|)en sermSgenb flnb. Wlan tann nifyt in einer \tbrn Tonart bat Brillante 
unb ©efäHige, fo toie e^ bie meiften £ieb|)aber »erlangen, reinlid^ ^erauö bringen. 

[171] 22. §. Hm tfd) be^ ben 3u£ßrero gefällig ju ma^en, giebt e$ 
einen grof en Q3orf|)eit, tt>enn man bie ©emüf^neigungen berfetben fennet. €in 
(^oterif^er SKenf^ fann mit prächtigen unb emft^aften 6tütfen, ein jur 
Traurigkeit geneigter mit tiefftnnigen, (^romatif^en unb au^ ^olltönen gefegten 
etüäm, ein luftiger, aufgetoeefter <2ttenfcl) aber, mit luftigen unb fd)er^aften 
Gtücfen, befriebiget derben. Beoba^tet nun ein ümpfal biefe^ nxfyt, »oferne 
er fann, ober fyut er tt>o^t gar ba§ ©egenf^eil: fo ttrirb er bep leinem 3u- 
^örer t>on biefer *2lrt feinen (£ntjtt>e<i t)oltfommen erreichen. 



124 XVI. £<roptj*tttf. 

23. §. ©iefe 9vegei ber ^üiQfjeif nrirb gemetnigtid) Don benen, bie man 
tt>ir«Ud) wr geteerte unb gefd)ifirSonmnftler erlernten mu$, am atlememgften 
beobachtet. Slnftatt ba% fte ftci> %u erft, bur$ gefällige unb begreifliche StMe, 
be^ tyren 3u£örern emf#met$eln fotlten, f<$re<fen fte biefetben melme^r, au$ 
©genftnn, gleich Stnfang«, mit i^rer ©ele^rfamfett, fo nur für bie Kenner 
gehöret, ab; toomit fte bo<$ »per« nichts me£r, aU ben Vlamux eine« geteerten 
gebauten baoon tragen. Sollten fte fid) aber auf eine billige «2lrt bequemen: 
fo nmrbe ifmen me£r ©erecf)ttgfeit, als insgemein gefd)ief>t, ttrieberfaljren. 

24. §. <2ßegen ber ^lu^ierungen im 'Slbagio, mufj fi<$ ber SWtenift, 
au^er bem toa« oben gefaget toorben, awfy na<$ ben Stüden, ob fotcfye jtoep- 
bre^- ober me^rfttmmtg gefe^et ftnb, rieten. 93e9 einem Srio taffen fv§ toenig 
Sanieren anbringen, ©er jmepten 6timme muf bie ©etegen^eit nic^t be- 
nommen werben, bat 3^rige gleichfalls gu machen, ©ie Sanieren muffen t>on 
fotdjer Slrt fepn, ba# fte ftct> fotoo^t jur 6a^e fetbft föitfen, att aud) fcon 
bem 5lu3fü$rer ber anbern Stimme fönnen nad>gemacf)et werben. SKan mu$ 
fte nur bfy folgen ©ängen anbringen, bie au« 9^a^a^mungen befte^en, e« fei) 
in ber Quinte $ö£er, in ber Quarte tiefer, ober auf tUxt bemfetben Sone. 
joaben beqbt Stimmen, in Seiten ober Serben, einerlei SDMobie gegen einanber: 
fo barf m$t* pgefe^et werben, e« fe$ benn, bafj man florier mit einanber 
abgerebet l;ätte, einerlei 93eranberungen gu machen. SOZit bem ^piano unb 
<5orte mufj ftd> immer einer nacfy bem anbern rieten, bamit baß W>* unb 3u- 
ne^men be« Sone« p gleicher 3eit gef^e^e. &at aber einer t>on bepben bann 
unb wann eine gftittetftimme, fo ba§ bie 9foten $auptfäd)lt<$ gefegt ftnb 
um [172] bie Sarmonie anzufüllen: fo mu^ biefer fd)toä<$er fateten att ber 
anbere, welcher §u ber 3eit bie Äauptmelobie $at: bamit bie ©änge, welche 
feine SDletobie £aben, nid)t §ur Hnjeit $ert>or ragen. ioaben bfybt Stimmen 
entweber 9*ac^mungen gegen einanber, ober fonft einen äfmttcfyen ©efang, eS 
fe$ in Sergen ober Seiten, fo fönnen Upbt in einerlei Stärfe fielen. 

25. §. yflafytt einer im Srio eine Spanier, fo mu$ fte ber anbere, wenn 
er, it>ie e* fe^n foltte, ©elegen^eit \)<xt fte nacfouma<$ett, auf gleiche «2lrt vor- 
tragen. 3ft er aber im Staube no<$ ttxoaß ©ef^ifte« me|>r ausuferen, fo t|me 
er eS am <£nbt ber Lanier, bamit man feK ba% er biefelbe fo tt>o|>t ftmpet 
na^mad^en, aB au§ veränbern Wime, benn e$ ift leichter ttxt>a$ öor- at« 
nac^)5umacl)en. 

26. §. ©n ange|)enber (Soncertift unternehme nic^t, mit jemanben, bem 
er nid)t getoaci)fen ift, ein Srio p fpielen, tt>o er ni^t t>erftd)ert ift, ba& ber 
anbere fv$ ^erabtaffen, unb i^m bequemen toerbe, fonft fömmt er getoi^ §u 
fürs. ®a* Srio ift eigentti^) ber ^robierftein, an toel^em man bie Stärfe 
unb ©nft^t stooer °perfonen am beften beurteilen lann. £in Srio, toenn e^ 
anber« gute ^©irfung t^un fotl, erfobert au$, ba£ m t>on %w ^erfonen, 



göag ein Siötenift ju beobachten §at, wenn er in öffentlichen Rupien Rietet. 125 

tt>etd>e einerlei Vortrag fyabtn, auSgefü^ret werbe: unb tt>etm biefe^ gefeilt, 
fo £alte i$ e£ für eine ber fünften unb fcoltfommenften ^rfen t>on ^Jiuftf. 
©n Quatuor ift biefem gtetcfy, unb an ioarmonie noef) reifer, wenn e£ anberS, 
wie es wo£t follte, mit t>ier Stimmen obligat, ba$ ift, bafj feine Stimme o^ne 
Stäben beS ©an^en wegbleiben fann, gefegt ift ioier ift fW3# weniger <5re9« 
$eit ztm$ *>on wiOfürti<$en Sanieren aujufe$en, aB im Srio. ®ie befte 
<2Birfung §at man gu gegarten, wenn man ben ©efang reintid) unb unter» 
galten fpietet 

27. §. 3n einem (Eoncert fyat man, jumat im 5ibagio, in <21nfef>ung ber 
Sanieren, me£r <5re#eit, als im Srio: bod> mu# man beftänbig auf bie 
begteitenben Stimmen «Sl^tung geben, ob fte metobifc^e Bewegungen ober nur 
blofje Äarmonie f>aben. 3ft ba$ erfte, fo mu§ man ben ©efang ftmpet fpteten. 
3ft aber ba$ anbere, fo fann man tton «SluSsierungen machen wa£ man will, 
wenn man nur nicfyt tt>iber bie Regeln ber ioarmome, beS ©efd)ma<fe3, unb 
ber Vernunft Rubelt. 9Kan ift sor ^e^-[173]Iern me^r gefiebert, wenn man 
im «2lbagio, in ber 9?otle ber (Eoncertfttmme, bie ©runbftimme mit unter bie 
obere fc^reibt: benn man fann bie übrigen Stimmen befto letzter barauS 
erraten. 

28. §. <2ßenn ber ^tötenift ein wof>tgefe$te$ 9?itornell, in einem $lriofo, 
n>et<$e$ mit ©ämpfern, ober fonft piano gemietet werben folt, unb beffen 
<3Relobie im Solo ju anfange ttrieber oorfömmt, mit ber Slöte mttfpielen 
tt>ollte: fo würbe fotcfyeS tUn bie <2öirfung t$un, als wenn ein Sänger t>a& 
9tttornell einer $lrie mitfänge, ober at$ toenn einer in einem Srio, anftatt ber 
Raufen, be$ anbern feine Stimme mitf|rietete. SBenn man aber ba$ 9tttoroelt 
Un Biotinen aHein überlädt, fo wirb t>a$ barauf fotgenbe Solo ber ^töte tnet 
beffern ©nbrud machen, als fonft gefeiten würbe. 

29. §. 3n einem Solo fyat man eigentlich bie meifte 'Jre^eit, feine 
eigenen einfalle, wenn fte gut fmb, fyixm ju laffen: weil man e$ ba nur mit 
einer ©egenftimme ju t^un $at ioier lönnen fo t>iele ^u^ierungen, als ber 
©efang unb bie Harmonie leibet, angebra^t werben. 

30. §. &at ein ^lötenift mit einer Singftimme §u concerttren, fo mu£ 
er fuc^en, ft<$ mit berfetben, im Sone unb in ber <2lrt be$ 93ortrageS, fo triet 
als mögti<$ ift, p vereinigen. <£r barf nichts üeranbem, als nur ba f wo i$m 
burd) 9la^aimungen ©elegen^eit ba%u gegeben wirb. ®ie Sanieren muffen 
r>on fot^er *2lrt fe^n, ba§ fte bie Stimme nad)macfyen fann: weswegen er bie 
weitläufigen Sprünge »ermeiben mu§. Äat aber bie Stimme einen jtmpetn 
©efang, unb bie ^löte befonbere Bewegungen barüber: fo fann er fo viel su- 
fe^en, aU er für gut befmbet ^)auftret bie Stimme, fo fann er mit no$ 
mehrerer <5re^eit fpieten. 3ft bie Stimme fd)Wad>, unb man mufteiret in einem 
3immer: fo mu^ ber ^lötenift me^r fd^wa^ att ftarf fpielen. *2luf bem 



126 XVI. fiflttptpücf. 

Sweater hingegen Icmn er ttma§ ftärfer btafen: tvett ba ba& °piano mit ber 
fftöte nicfyt viel QBiriung t£ut ©o<$ mu§ er ben 6änger nid?t mit gar §u 
fielen 93eränberungen überhäufen: bamit berfetbe, tveit er auStvenbig fingen 
mu% nifyt in -ünorbnung gebraut tverbe. 

31. §. (£3 ift viel vorteilhafter für einen Sonfünftler, tvenn er immer 
ettvaö von feiner QSiffenfdjaft jum Hinterhalte behält, um feine 3ul)örer [174] 
me|)r al§ einmal überragen gu fönnen: als tvenn er gtetcfy ba$ erftemat feine 
ganje ^Btffenfcfyaft ausfluttet, unb man tfm atfo ein für allemal gehöret £at. 

32. §. ^enn er von jemanben erfucfyet tvirb, ftd) £ören ju laffen, fo 
t^ue er e$ halb, unb oljne viele ©rimaffen ober verfteltete 93efcfyeibenf>eit. £>at 
er aber fein Stüd geenbiget, fo bringe er ftd) nicfyt auf me^r, 5U fpieten, aU 
von i£m verlanget tvirb: bamit man ifm nicfyt nrieber fo viel hittm muffe 
aufhören at3 man ifm bitten muffte anjufangen: nne man insgemein ben 
93irtuofen nadjfaget. 

33. §. Obtvofrt ber *23c^fatt ber 3u|)ßrer gu einer Aufmunterung bienen 
lann: fo mufj man, beffen ungeachtet, burcfy ba£ überflüfftge £oben, tvetdjeS 
bety ber 9DZuftf §um SOttSbraucfye Sorben, vielleicht tveit e§ einige p|>antaftifcfye 
3gnoranten unter bm tvetfdjen Sängern, bep aller i^rer £lnttriffent)eit, faft atß 
rine ^flid)t, bie man t|>rem bloßen 9Zamen fcfyutbig fe^n fott, verlangen, ftd) 
nid)t »erführen taffen. 9D2an mufj fotd)e£ vielmehr, jumat tvenn man e£ von 
guten ^reunben erhält, eljer für eine Sctymeicfyetety, als für eine SÜBaljr^eit an- 
nehmen. ®ie rechte 9!Ba|)rf)ett fann man eljer bur$ vernünftige ^einbe, at$ 
burcfy f<$meicfyterifcfye Steunbe, erfahren, <5inbet man aber einen verftänbigen, 
treuen, unb von ber Schmeichelei? entferneten ^reunb, tvetcfyer gleich burc^ge^t, 
ba§ tt>a$ §u loben ift, tobet, unb ba£ tvaS su tabdn ift, tabdt: fo £at man 
folgen billig als einen großen Scfya$ angufe^en, feinen ÄuSfyrücfyen §u trauen, 
tmb na<§ benfetben enttoeber ein Äerj ju faffen, ober auf 33efferung bebadyt ju 
fepn. Sollten ftcfy hingegen sutveiten einige finben, tvetcfye nur tabetn, niemals 
aber loben, welche, vieltetdjt au3 verborgenen Abfluten, alles tt>a$ ein anberer, 
ben fte für geringer galten als ft<$ fetbft, vorbringt, gu verwerfen fuc^en: fo 
tnu| man ftd) baburd) abm aud) nityt gang unb gar meberfd)tagen taffen. 
SKan fuc^e vielmehr feiner Sa^e immer gett>iffer ju tverben, man erforfcfye mit 
^tei^ in tvie tveit fie 9le^t ^aben, man befrage anbere 93erftänbigere barum. 
^inbet man ettvaS ba$ beffer fepn fönnte, fo verbeffere man & forgfättig, unb 
vertrage im übrigen eine übertriebene Sabetfu^t, mit einer großmütigen 
<§etaffen|)eit. 



93on ben 'fpfftc^ten berer, tt>et$e accompagtriren uftü. 127 



®a$ XVII. $>auptftüä. 



[175] 



QSon bcn ^fttd^en bcrer, fc>eld)e accontyagtttren, 

ober bie einet concertirenben (Stimme gugefetteten «Begleitung^* 
ober SKiptenftimmen ausführen* 

1. §. ^Qßer bie o&ti 'zfRufit gegen bie neue, unb ben Hnterfcfyieb, ber fi<$ 
nur feit einem falben 3a£r|mnberte ^er, t>on jefm §u je^n 3a£ren, barinne 
geäuffert |>at, betrachtet, ber wirb ftnben, ba% bxi Gomponiften, in (frfinbung 
ber, §u lebhafter Slugbrüdung ber £eibenf<$aften, erfoberlid^en ©ebanfen, feit 
i>erfcfyiebenen 3a£ren, me$r aU jemals nacftfucfyen, unb fte in£ ^eine ju bringen, 
ftc^> bemühen, ©iefeä 9ia$fuct)en in ber Se^Junft aber, würbe t>on wenig 
9tu$en fe^n, fo ferne eg nic^t and) ju gleicher 3eit, in Qlnfe^ung ber %lu§* 
fityrung (execution) gefcfyäl^e. 

2. §. (£in jeber ©ebanfe fcmn auf t>erfcl)iebene ^rt, fcfylec^t, mittelmäßig, 
unb gut vorgetragen werben, (Sin guter nvb beuttt^er, unb jeber Sacfye 
gemäßer Q3ortrag fann einer mittelmäßigen (Eompofition aufhelfen, ein unbeut* 
U<$er unb f$teci>ter hingegen, Jann bie befte dompofttion serberben. 

3. §. ©a nun bie (£rfaf>rung geiget, t>a% t%, burd) ber Sompomften 
'Bemühen neue ©ebanfen §u erfmben, baljm gekommen ift, baß ben 9ltyien- 
ftimmen i^iger 3eit weit me^r jugemut^et wirb, als *>or biefem, unb t>a% in 
gegenwärtigen 3eiten mand?e 9?ipienftimme fc^werer p fpieten ift, aU t>or 
«JUterS öiefteicfyt ein Solo war: fo folget nott;wenbtg hieraus, baß au$ bie 
^ugfü^rer ber 9?tyienftimmen, fo ferne bie (Eomponiften t|>ren (£nt=[176]§we<f 
erregen folten, gegenwärtig triet ein me^rereS ju wtffen n$t!i>tg £aben, a(3 oor 
Otters mdj>t erfobert würbe. 

4. §. «Setracfytet man aber ben 3uftanb ber meiften ^uftfen, fo wof>l 
an fiofen, aU in 9?epubttfen unb Qtäbtm, fo ftnbet ft<$ im 5lccom^agnement, 
t>orne|>mti$ wegen ber großen Hngletc^eit im Spielen, eine fo große Hm>ott» 
fommen^eit, bie jtcE> deiner einbiföen fann, er £abe fte benn fetbft erfahren: 
woraus nichts anberS &u fc^tüßen ift, at§ t>a% manche fd)one dompofttion t>er- 
ftümmelt werben muffe, unb t>a^ bie ^uSfü^rung beSWegen einer 93erbeferung 
not^wenbtg bebürfe. 



128 ®e$ XVII. Sxroptjitücfa I. Wbfömtt. 

5. §. 3u btefer 93erbefferung fann bur<$ nicbt« anbei«, at« entweber 
bur$ einen münblicben ober febrifttieben ttnterricbt, ber ©runb gelegt werben, 
©a nun ba« erftere feiten gef Riefet: weit eS beö ben meiften SSKufifen an emem 
guten Slnfübrer, ber bie geborige <£inftd>t $at, fegtet, ba$ teuere aber, meme« 
<3öiffen«, nod> niemal« gegeben ift: fo babe icb mieb 8« ^em Snbe entfcbloffen, 
biermit einen Anfang unb <23erfucfe p machen, benen, fo eine aufrichtige "Se» 
gierbe £aben, iljren <£fßct)ten im "Slccompagnement eine ©nüge p tetften, 
mit meiner wenigen, boeb au« langer Srfa&rung unb Jlebung erlangten ©inftdjt, 
5u bienen, unb ba«, roa§ bei? bem Slccompagnement am meiften beobachtet 
werben mufj, fo »iei at« mögtieb ift, 8« erflären. 

6. §. [Äurje 3nf>altganga&e beS näcbfien &<uwtftü<fg.] 



2)e£ XVII- $>auptftüü$ um 

QSoti bat egenf^aften etneS &ttfü|>rerg bet Sölufii 

1. §. £$ ift triebt mögltcl), ba^ ein ^nfityrer, fo gut er auc^ fe^n mag, 
bie gute ^u&ta^me ber 9Xuf« allein betoerfftelltgen fönne: m nifyt ein jeber 
ber tym sugeorbneten, bat 6einige aud> gehörig beitragen nrilt. 3$ %<&* aber, 
an öerfdjiebenen Orten, hfy großen Ordjeftem, malgenommen, ba% toenn eben 
biefetben ^erfonen, batb t>on einem, balb wn einem anbern ftnb angefügt 
toorben, bie Sßirfung bo<$, unter be$ einen <2infüf>rung immer beffer, aU unter 
be$ anbern feiner, erfolget ift. Set) fc^tü^e alfo heraus, ba£ man biefe un^leic^e 
^irfung, nic^t bm 9*tyiemften, fonbern ben <2lnfü^rern auftreiben tniiffe: unb 
ba§ folglich ein ©ro£e$ auf bm ^nfü^rer anlomme. 

2. §. <5)a nun bem atfo ift: fo toäre 51s toünfd)en, ba% um bie 9?iuftf 
ie me|>r unb meljr in eine allgemeine ^ufna^me ju bringen, an einem jeben 
Orte, tpo eine <#iuftf aufgerichtet ift, sunt toenigften nur ein gefeilter unb 
erfahrner <3Kuftfu§ ftd> befänbe, ber ni<$t allein bie ©nft^t eine* beutli^en 
Vortrags fydttt, fonbern au$, nebft ber Äarmonie, ettt>a$ son ber Se^funft 
serftünbe, um bie <2lrt toomit ein JebeS Qt&d auggefu^ret werben mu§, re$t 
treffen gu lönnen: bamit bie Sompofttion nic^t auf fo mandjerte^ 3Betfe t>er- 
ftümmelt unb serberbet tt>ürbe. Vflan follte [178] ftd> um einen SOfamn be» 



93on fcen <Sigenf$aften eine* 5lnfil^terö ber Sftuftf. 129 

mü^en, ber fo tt>o|>t bie ©abe, als bie *2lufri(^>tigfcit, anbern bie i^nen nötigen 
Söiffenfctjaften beibringen, befäfje. <£* toürben fobann, in fur^er 3eit, fo 
tDo^l beffere Sotoftneter, a(^ 9?ipieniften, sunt Borfcfyein fommen. ©enn es 
iff nid)t §u läugnen, t*a$ jum ^ad^ume, ober bcr 93erbefferung eines 
QrcfyefterS, eben ntcfyt |)öd)ftnot£tt>enbig fety, an einem jeben Orte, ober bety 
einer jeben SEftuftl, einen befonberg guten €omponiffen au lj>aben. (£3 fegtet 
nicfyt an fefjr fielen guten mufWatifd)en Stütfen: wenn man fotcfye nur ver- 
nünftig unb tooljt 8u toasten toete. &§ fömmt vielmehr, unb jtoar |>aupt- 
fä^ttcfy, auf einen, mit obengemetbeten ©genfc^aften getreten, guten ^nfü^rer 
an. Altern, fo werben, leiber, öftere nur fot<$e §u ^nfü^rem ertt>a£let, bie 
enttoeber burd) ba$ 93orre$t ber 3a$re in einem Orcfyefter hinauf rüden: ober 
e$ nrirb ettoan einer eingegeben, ber baS ©tü<S §at, fxtf) mit einem metteicfyt 
au£h>enbig gelernten Solo ober Goneert einjufcfymetdjetn: ofme weiter ju unter* 
fucfyen, ob er aucfy bie gehörige <2öiffenfd)aft, anbere anjufü^ren, befi^e. 93i$- 
teilen ttrirb bie ^aty gar sufätliger ^Cßeife getroffen, llnb btefeS ift um fo 
triet weniger §u üertounbern, toenn bie SBSafyl, ttrie nicfyt fetten gefcfyiefrt, folgen 
2^utm aufgetragen nrirb, bie toenig ober gar nichts t>on ber Sßhxfxt t>erftef>en. 
3ft nun einer von biefen ^e^Iern be$ ber SGßafjt oorgefatlen, fo fann man fv§ 
be^ einem bergteicfyen Orc^efter, efjer einen Verfaß, aU eine Berbefferung t>er- 
fprecfyen. ünb toemt man ftdj öftere be$ ber ^Saty be£ Slnfü^rer^, auf btn 
bocfy fo triet anfömmt, fo übel vorfielt, fo ift barauö abjune^men, toie bie 
<2Ba£t ber anbern ^Dtttgtieber eme$ Ör<$efter3 befcfyaffen fe^n fönne. SSftan 
toürbe bemnad) tt>o£t t^un, toenn man fxd) befonberS einen 9Jlann jum $ln- 
fü^rer ju toasten bemühte, ber einige 3a!jre, in großen unb berühmten Örc^eftern 
mitgefpietet, unb fxd) barinne, im guten Vortrage unb anbern nötigen ^ßiffen» 
fcfyaften, geübet fy&ttt. (23 ift gettrifj, bafi fid) in grofjen Orcfyeftern, öftere 
fieute befinben, tt>et$e mef>r ©nftcfyt in bie 3lu3füf>rung £aben, alß be^ man^em 
Orcfyefter ber 2lnfü^rer: unb ift ttrirfticfy S(^abe, ba$ foldje 2mtt nicfyt eine^ 
beffem ©lüd^ t^eil^aftig »erben foßen, toobur^ fte me^r ®utt$ ftiften fönnten, 
<d$ toenn pe beftänbig, hinter ber Äanb, at$ 9Rij)ieniften, fi^en bleiben muffen. 
3. §. Ob ein "Slnfü^rer biefeS ober jeneö 3nftrument fpiele, fönhte aUm* 
fall^ gleich öiet fe^n. ^Qßeil aber bie Biotine jum ^Iccompagnement ganj 
nnentbe^rli^, auc() burcfybringenber ift, aU lein anbereö von benen 3n-[179] 
ftrumenten, bie am meiften sur Begleitung gebrandet toerben: fo ift e^ beffer, 
toenn er bie Biotine fpielet. ©ocfy ift e^ eben feine bringenbe 9totf>tpenbigfeit, 
ba$ er bie ^ä^igfeit bejt^en muffe, befonbere S(^tt)ierigfeiten auf feinem 3n* 
ftrumente ^eroor ju bringen: benn biefeS fönnte man allenfalls imm über- 
jaffen, fo jtcfy nur bur<^ 1>a$ gefällige Spielen ju unterfc^eiben fuc^en, bereu 
man aud) genug finbet. Beffcjt aber ein ^Infü^rer au<^ biefeS 93erbienft, fo 
ift er befto mehrerer (S^re toert^. 

9 



130 ® e8 XVIL Äüuptftüd* I. 2lbfcbmti. 

4. §. ©er böcbf*« ©rab, ber »Ott einem Qtnfübrer erforberlt<fcen SBiffen* 
fc^aft, iff: bafc er eine »olffommene ©nft<$t b«H alle Wirten ber Gompofttion 
na$ u)rem ©efebmatfe, Effecte, Qlbftcbt unb reebtem 3ettmaafce p fielen. ©« 
nutfc berfetbe alfo faft mebr <£rfabrung »om Stoterfcbiebe ber 6tü<fe f>aben, 
al« ein Gompontft fetbft. ©emt biefer bekümmert fid) öfter« um ni<$t3 anber«, 
at« mi er fetbft gefegt b«t- <3Ran%ev weis aueb wobt juweiten feine eigenen 
Saiden ni$t altemal im gebörigen 3eitmaa$e aufoitfa$ren: entweber au« <%*■ 
großer Äattjtnnigleit, ober au« überbaufter äi$e, ober au« Mangel ber <£r= 
fabrung. einem Kugen 2lnfü$rer aber tft e« lei<bt biefen gebier m »erbejfern, 
befonber« wenn er in einem »o^tgejogenen Qr^effer, unb unter einem guten 
Slnfübrer, wo er meierte^ Wirten »on SOfoiftf mitgefirielet l)ot, ift erjogen worben. 
joätte er aber biefe ©elegenbeit niebt gebabt, fo mufc er jum wenigften an 
»ergebenen Orten, wo er gute =0tufrfen boren fonnen, gewefen femt, unb 
ba»on Sttu^en gesogen b«oen, unb fo ferne e« ibm ein <£rnft ift, feinem Statte 
wobt öorjufteben, tarnt er aud> bureb Hnterrebungen mit erfahrnen ßeuten, üiet 
profttiren: weit bie ibm nötige <2Biffenfcbaft, bierburd) mebr, at« bureb ba& 
«Semüben grofje 6<$wierigfetten ju finden, erlernet wirb. 

5. §. (£r mufj ju bem <£nbe ferner: ba$ 3eitmaajj in ber größten Voll- 
lommenbeit p $aften wiffen. <£r muf bie ©ettung ber 9taten, in«befonbere 
aueb ber turjen Raufen, fo au« 6ecbsebntbeiten, unb 3web unb breifigtbeilen 
begeben, auf in» genauefte in 2tcbt ju nebmen »erfteben, um Weber ju eilen, 
noeb ju sögern. ©emt wenn er bierinne einen gebier macbet, fo »erfübret er 
bie übrigen alle, unb »erurfad>et eine Verwirrung be$ ber 9Kuftf. 9tacb ben 
tarjen Raufen würbe e« weniger feboben, wenn er fpäter anftenge, unb bte 
fotgenben tarjen 9ioten ettoai fibereilete, al« wenn er fte oorau« näbme. 95e= 
»or er ein etüd anfängt, mu£ [180] er baffetbe wobt unterfueben, in tvai »or 
einem 3eitmaaf e e« gemietet werben foU. <2Benn c« ein gefäwinbe« unb tbm 
unbetannte« QtM ift, tbut er beffer, wenn er ju tangfam, at« wenn er s* 
gefebwinbe anfangt: inbem man teiebter, unb obne grofe «Uenberung au§ bem £ang* 
famen in« ©efebwinbe, at« au« bem ©efebwinben in« ßangfame geben tamu 
©oeb b«< er bieferwegen bauptfäcbticb barauf ju feben, ob bie 9*ipiemften mebr- 
pmeiten at« jum 3aubem unb 9tacbfcbteWe« geneigt fmb. ©a« erftere gefebtebt 

leicbtticb beb i"n9«V » no bai te # ere fce ^ atten £eutelu ® e * we 9 en J??-'"' 
fueben, biefe in« tfeuer ju bringen, jene aber barinne ju mäßigen, m® er 
aber ba« reebte Sempo gteieb p faffen, fo ift e« befto beffer, unb fällt btef* 
Vorforge al«benn weg. ©amit aber aueb bie anbern, befonber« U\) gefebwroben 
^oten, mit ibm jugteieb anfangen Jönnen, mu^ er fte gewoben, ba^ Jte ben 
erften Sact be« etüd« in« ©ebä^tni^ faffen, ben "Sogen nabe U\) ben Seiten 
batten, unb auf feinen Sogenftricb ^ebtung geben. qßibrigenfaU« würbe er 
UX) ber erften 9Zote warten muffen, bi« bie anbern nahmen, unb alfo bte 



Q3on fcen (figenfc^aften eines SlnfüfcrerS ber SÖfotfti 131 

9iote3 baburd) verlängern: tvetdjeä aber be$ gefd)ttrinben 9ioten eine üble 'KMrfung 
t^ut. (£r fetbft muf md)t e£er anfangen, bis er fte^t, baf bie übrigen < 3D f Juftci 
alle in «öereitfc^aft ftnb, befonberg tvenn jebe Stimme nur einmal befe^ef ift: 
bamtt ber Anfang, weiter ben 3u£örer überragen, unb &u einer $iufmerffamfeit 
antreiben foll, niä)t mangelhaft fe$. ©a$ ausbleiben ber ©runbfttmme tvürbe 
£ierbe$ ben meiften Sd)aben verurfa^en. 

6. §. ©aS ©ejtcfyt unb ©etyßr muf er öftere fo n>o|>t auf ben ^luS-- 
fü^rer ber ioauptfttmme, als auf bie Begleiter richten: im «JaU e£ nöt^ig tväre, 
bem einen nachgeben, unb bie anbern in ber Orbnung ju ermatten. 2lu£ be£ 
Soncertiften feinem Vortrage muf er füllen, ob er baß tt>aß er fptetet gefc^ttrinber 
ober tangfamer fyabzn tvotle: bamit er, ofme fonberbare 'Setvegungen, bie anbern 
ba^in teufen fönne. ©em (Eoncertiften aber muf er bie Ste^eit f äffen, fein 
Sempo fo ju faffen, nrie er e$ für gut befinbet. 

7. §. Sin guter $lnfül)rer mufj heiter: bety btm Orcfyefter einen guten 
unb gleichen Vortrag einzuführen, uxtb su ermatten fuc^en. So tvie er fetber 
einen guten Vortrag fyäbzn mu£, fo muf er awfy fuc^en benfetben bfy feinen 
Mitarbeitern atigemein, unb bem feinigen allezeit gleich ju machen. 3u bem 
(fnbe mufj er eine vernünftige unb billige Suborbination [181] einzuführen 
ttriffen. Äaben feine QSerbienfte i£m &od)ad)tung, unb fein freunbttd)e3 'Se- 
geigen unb teutfeliger Umgang i^m ßiebe erworben, fo urirb fotcfyeS nicfyt 
fcfytver fe^n. 

8. §. ^ür richtige unb gleite Sinftimmung ber 3nftrumente muf er 
befonbere Sorge tragen. 3e allgemeiner ber Mangel btß richtigen; 3ufammen= 
ftimmenS ift, ie me^r Stäben richtet er an. ©er Son be§ OrdjefterS mag 
t>o$ ober tief fte^en, fo ttrirb er bo<$ nic^t vermögenb fe^n, bie 93er^inberung, 
fo eine ungleiche Stimmung an ber guten ^uSnafjme machet, $u erfe^en. ©er 
^nfü^rer muf alfo, tvenn er eine richtige Stimmung ermatten ttrilt, fein 3n» 
ftrument, be$ «2luffü£rung einer SOZuftf, juerft nad) bem dtaviere rein ftimmen, 
unb barauf, nacfy bemfetben, einen jeben 3nftrumentiften inSbefonbere einftimmen 
laffen. ©amit aber bie 3nftrumente, fo ferne bie "SJlufW md>t fogtetcfy angebt, 
nid)t tvteber verftimmet tverben, muf er nid)t geftatten, ba% ein jeber bie Sre^- 
£eit fwbe, nacfy eigenem ©efaHen ju prätubiren unb su p^antafiren: tvelc^eS 
o^nebem fe^r unangenehm ju frören ift, unb verurfadjet, ba% öftere ein jeber 
fein 3nftrument nocfy nac^ftimmet, unb enblid) von ber allgemeinen Stimmung 
abtveid)et 

9. §. Sollten unter bm 9Sipieniften jtd> einige befinben, beren Vortrag 
von anbern nod) unterfdjieben tväre: muf er foldje in^befonbere §ur Hebung 
vornehmen, um i^nen bie re^te $lrt be^ubringen: bamit ni<^t einer 5. <£. einen 
Sriller f)infe^e, tvo anbere jtmpet fpieten, ober 9ioten fd)leife, tvet^e von anbern 
geftof en tverben, ober nad) einem 93orf$lage einen SKorbanten mac^e, ben bie 



1 



j32 ©eS XVII. ÄmwtfiücfS I. Slbfönitt. 

anbern weglaffen: n>eit bocb * VW <S« ett ber <U»*fübrung barimte j 

beffebt, baft alle in einerlei ^rt ftrieten. y 

10 §. €r «4 babin feben, b«# alte feine ©efabrte«, mtt £ «acbbem 
e* jebe Jacbe erfobert, «lte 8 eit in gleicher Stätfe ober 64»a*e JJfeta, 

efonber* S be 9 bem SBecbfel be* <?>i«no «nb Sorte «nb ^ **^ 
Stufen, fotc^e bei, benen *oten, wo fte getrieben fteben, alle 8 ugl«$ ««* 
brücfen <£r felbft muß ftcb nacb ber concertirenben Stimme, ob WWjf i 

£ fcbwacb £ Ue« ilnb weit er anbern S um dufter «nb gm» Rubrer 
bienett foll, fo wirb e§ ibm rübmlicb fe»n, wenn er jeber S ett gletcbe Stufmerl-- 
famfeit bejeiget, unb eine jebe GomöofH182]tion, fte feö »on Wem fte wolle, 
Une ^artbeöticbteit, mit eben bemfetben (Srnft unb ©fer auSfübret, al« wenn 
e* feine eigene wäre, ©er <23erfajfer be« ©tu« feö gegenwärtig ober ab- 
wefenb, billig ober unbillig, fo wirb er, wenn er e« aucb, »telletcbt au« fallen , 

<Ubftcbten, öffentlich nicbt funb macben will, ibm bocb wenigften« b^tmltcb, für j 

feine . 9teMWbfett, unb für bie gute <Huffübrung feiner Slrbett, ©an! fagen j 

muffen: weil fo wobt bie Sugenben, ate bie £after, ibre <23eft$er belohnen. f 

11 § Slm feine 3nftrumentiften nocb mebr im guten Vortrage feft ju , 
feften unb gute Stccomöagniften mit 8 u er 8 ieben, W ein Slnfübrer wobt, »enn ,! 
er außer nocb öielen anbetn Qlrten »on SKuftr, aucb öfter« Ouvertüren, 
cbarafteriftrte Stücle, unb Sänje, metcbe marfiret, bebet», unb entweber mit 

einem fctrjen unb leisten, ober mit einem ferneren unb fcbarfett «ogenftrtcbe 
qeföietet werben muffen, pe Hebung »ornimmt. ©r wirb bie ^ccombagtttften 
baburcb gewöbnen, ein jebe« Stüci nacb feiner ©igettfcbaft, »räcbttg, feurig, 
iebfeaft, fcbarf, beutlicb, unb egal p fielen, ©ie (Srfabrung bewetfet, iaf 
bietenigen, wetcbe unter guten 3TCuftfanten-93anben erjogen fittb, unb »tele 3ett 
8 um Sanje gemietet baben, beffere 9«bieniften abgeben, als ^ »dcbe W 
nur allein in ber galanten Spielart, unb in einerlei Slrt »on SN8 geubet 
haben, ©enn wie, pm €remöel, ein feiner <£infetftricb, beö emer tbeatraltfcben 
Malere», bie man nur be» ßicbte, unb »on weitem feben mu^, ntcbt fo gute 
SBirfung tbut, al# be^ einem Gabinetftücte: alfo tbut aucb, tn einem aablretcben 
Örcbefter, beö bem Qtccompagnement, bai <&w galante e^ielen, unb em langer, 
fcbleppenber, ober fägenber <23ogen, nic^t fo gut, als beö einem 60I0, ober tn 



einer Keinen ^ammermuftf. 

12 § ©er ©lans eine« Orcbefter« wirb aber aucb befonber« »ermebret, 
wenn ftcb gute eotofbieler, auf »erfcbiebenen 3nftrumenfen, in bemfelben be= 
finben. Übt Slnfübrer mu^ ftcb alfo bemüben: gute Soloföieler mwf*- 
3u bem (Snbe muß er benen, fo im ©tanbe ftnb, ftcb aUein boren 8« laffen, 
öfter« ©elegenbeit geben, ftcb vMft nur inöbefonbere, fonbern aucb beö öffent» 
lieben ^uftlen, ber»or m tbun. ©oeb muß er ftcb jugleicb bemüben, & »er= 
binbem, baß nicbt einer ober ber anbere, wie abfonberlicb beö jungen Uuten 



f 



gSon fcen ßigenf^affcn eitteS ^nfityterS ber 9Kufi£ 133 

fe$r leicht gefeiert fann, baburdj 5« einer fallen (Sinbilbung verleitet werbe, 
als ob er fd>on berjenige gro$e 9Kuftfu$ wäre, ber er erff mit ber 3eit no<$ 
werben folt. Sollten aud) [183] ja einige einen fo unvernünftigen Stots be$ 
ftd) f äffen: fo würbe bod) ein «Slnfü^rer übel ttjun, wenn er um jener teilten, 
anbere wollte leiben laffen, weiche biefe ®etegenf>eit p# öffentlich gu geigen als 
eine <2Bo$tt|>at, gu tljrem heften, ernennen, unb sunt 9?u$en anguwenben be- 
mühet fmb. 

13. §. (fnbticf) mufj aufy ein %tfüf>rer: bie Snftrumentiften, be^ einer 
SDtuftf, gut einbetten, ju ftelten, unb anguorbnen wiffen. $luf bie, na$ 
gehöriger QJer^ättni^ eingerichtete, gute ^efe^ung uub Stellung ber 3nftrumente, 
fömmt viel an. 3m Örcfyefterplatje eines Qpern^aufeS, fann ber erfte <£tatri» 
combat in bie 9Jiitte, unb gwar mit bem breiten <£nbe gegen ba3 parterre, unb 
mit ber Spi^e gegen ba$ Sweater gefe^et werben: bamit ber Spieler beffetben 
bie Sänger im ©eftc^te fwbe. (6. 6. 134 Sinm.) 3u fetner 9*ed)ten fann ber 93io= 
toncett, sur Einten ber dontraöiolon feinen <3>ta$ £aben. WtUn bem erften 
Gtatric^mbat, gur 9?ect>ten, fann ber ^nfül^rer, ein wenig vorwärts, unb ert>%t 
ft^en. ©ie Q3iotiniften unb ^ratf^iften fönnen von tym an einen engen täng= 
listen Streif* formiren, fo baf* bie testen mit bem 9?ütfen an ba§ Sweater, unb 
bis an bie Spi^e be§ Gtamc^mbatS fommen: bamit fte hm 2lnfü^rer alte fetjen 
unb pren fönnen. 3ft aber ba$ Ör^efter fo geraum, ba£ vier ^erfonen, in ber 
breite, neben einanber ^)ta| f>aben: fo fönnen bie ^uäfu^rer ber j weiten Biotine, 
gu jweenen unb jweenen hinter einanber, in ber 3Kitte, jwifdjen Un «SluSfü^rem 
ber erften Biotine, unb ben, mit bem 9lüätn am Sweater ft^enben 93ratfdjtften, 
ft$en: benn ie ntytv bie 3nftrumente be^fammen fmb, ie beffere Söirfung t£ut 
e& 2luf berfelben Seite, am €nbe, wo bie 93iotiniften aufhören, fann no$ 
ein «Sioloncett, unb ein grofjer 93ioton <pta$ ftnben. «2luf ber tinfen Seite be$ 
erften etairic^mbatö ftelte man ben $m\)Un, bie Sänge am Sweater |mt, unb 
mit ber Sjri^e gegen ben erften jugefe^ret: bo<$ fo, bafj bie ^affonä no<$ 
ba^inter ^tat* ftnben fönnen, woferne man jte nxtyt, ju beS ^weiten <£tavi* 
cpmbatS rechter Seite, hinter bie flöten, bringen ttritt. 95ep biefem tfofytm 
(Etavic^mbal, fönnen nod) ein paar <23iotoncetle i^re Stelle J?aben. $luf biefer 
tinfen Seite beg Örc^efterö, fönnen bie Soboen unb gSßatb^ömer, mit bem 
9?ü<fen na<^ hm 3u^örem gefe^ret, wie auf ber regten Seite bie erften 
<23iottnen, tn einer 9*eif>e ft^en: bie flöten aber, na|>e bfy bem erften Stasi* 
combat, in bie Quere poftiret werben, fo ba§ fte t>a& ©eft^t gegen ben dtoi- 
combat, unb ba§ untere (Snbe ber gtöte gegen ba^ ^ar-[184]terre wenben. 
©0^ werben an einigen Orten, wo §wifd)en bem Ör^efter unb im 3u|>örem 
no^ ein teerer ^ta^ beftnbti^ ift, bie flöten mit bem 9?ü(Jen gegen ba$ 
parterre, unb bie iooboen in bie Quere, swifcfyen fie, unb t>m ymtym £lat>\* 
combat gefe^et. ©ie Äoboen tfynn abfonberltd) be§ bem Sutti, sum ^u^fülten, 



134 



$e$ XVII. äauptfiücfä I. Slbfönitt. 



eine treppe SBtrfung, unb tyr GdjaU fcerbtenet atfo billig einen freien plug- 
gang ju fyabm, wetzen bie flöten, alSbenn, tt>enn niemanb na^e hinter ifmen 
fte^t, toofero i^>re SluSfü^rer ftd) nur ein Kein toemg auf bte Seite toenben, 
au<$ ermatten: unb biefeS um fo triel mtfyv, tt>eit fte ben 3uprern aläbenn 
nä£er fmb. ©ie S^eorbe ftnbet hinter bem 5tt>e$ten Gtamc^mbat, unb Un 
tym jugeorbneten 93ioIoncettiften, bequemen ^tatj. [*)] 

14. §. 93e9 einer ja|)lreic^en Sftuflf, bie enttoeber in einem Saate, ober 
fonff an einem großen Orte, tt>o lein Sweater ift, aufgefü^ret ttnrb, fann bie 
Spi^e be£ (Etatric^mbate gegen bie 3u£örer gerietet toerben. ©amit feiner ber 
SDtuftcirenben tm 3u£örero t>m 9lü<Sen %uitf)vt: fo fönnen bie erften QMotiniften, 
na|e am ©lamctymbat, in einer 9?e$e naefy einanber f>in ftefjen, unb jnjar ber 
^nfü^rer, bfy bem Glatriertften, tt>etd)er bie be^ben mit i^m fpietenben ^afj- 
inftrumente ju be^ben Seiten neben fic^> fyat, jur rechten ioanb. ©ie jtpetyte 
93ioüne frmn hinter bie erfte, unb hinter biefe, bie 95ratfc^e fommen. hieben 
bie 'Sratfcfye, gur 9*ed)ten, fteHe man in eben ber 9?eif>e bie iooboen, unb 
Printer biefe 9?eif>e bie SBalb^örner, unb bie übrigen <23äffe. ©ie flöten, toenn 



[*) S)ie *>on Quant* in biefem unb im fotgenben § t>orgef$lagene Orc^efteraufpettung 
ergiebt fomit fotgenbeS 93tlb: 

S^eateraufffellung. 



^öioia 




©cKo. 
SJtoCone 



Sköo. u. 5$eot$e $ 



Äörner Ofcoen # 



eonttcwiolon 



^onaeriaufftetfung. 



# I 



I* f j§ I* 

HR 3. I O | 

s« s* ®* B & 

IT IT ^T 4 



SJctfo. QJiolone 

* * 




flöten 
(eotiftcn) 



S. ba$u t>^n fcon SRoufieau im Dictionnaire de musique mitgeteilten GttuationSplan be£ 
§)regbener ÖperoorctyefterS i. 3. 1754J 



<23on ben (Sigenföoften eine« 2lnfü&rerS ber ^uftf. 135 

fte eftpa^ gu concerttren |>aben, f^tcEen ft<$ am beften tot) bie Spi^e be$ etaot- 
ctjmbatg, t>or bic elfte «Biotine, ober auf bie ttnle 6eite be« ftlfigel*. ®enn 
wegen ber Sd?wä<$e tyre* SoneS, würben fie, wenn fte weifer surütf ftünben, 
ro#t geästet werben. <£ben benfetten <£ta$ fönnen au^> bie Sänger nehmen: 
weit fte fonft, wenn fte fxd) hinter ben (Etatrieriften ftetten, unb au$ ber ^artitur 
ftngen, ni$t nur bm «Btotoncettiften unb Gontramotoniften ^inbern, fonbern 
and), wenn fte ft<$ tman wegen btöben ©eftcfytS büden muffen, baß 2lt$em« 
£oten ser^inbew, unb bie Stimme unterbrüden. 

15. §. 33e9 einer Keinen ^ammermuftf fann ber Ctatnctymbat an bie 
<2Banb gefe^et werben, bie feinem Spieler jur tinfen ioanb iff: bod> fo weit 
x>on berfelben abgerüdet, ba% atte aceompagntrenben 3nftrumentiften, bie «Bäffe 
aufgenommen, gwif^en tym unb ber <2öanb ^ta^ ^aben. Sinb nur trier 
Biotinen öor^anben, fo fönnen biefetben in einer 9leif>e, [185] an bem (Etatri-- 
c^mbat $tn, unb bie <Bratfd)e hinter benfetben fielen. Sinb aber ber «Biotinen 
fed)3 ober a$t, fo Würbe e3 beffer fe^n, wenn bie ftWtyte Biotine hinter bie 
erfte, unb bie «Bratfcfye hinter bie swe^fe «Biotine geftettet würbe: bamit bie 
SOttttetftimmen nicfyt *>or ber Äauptfttmme ^eroor ragen: weit fotd>eg eine übte 
QBirfung tljut. ©ie Soncerfiffen tonnen, in biefen hätten, tyren «pla* m bem 
<5tüget auf fot^e 5lrt nehmen, ba# fte bie Begleiter feitwärtS im ©eft^te ^aben. 

16. §. «2Ber eine 9Kuftt gut aufführen Witt, mufc brauf fe^en, bafj er 
ein jebeS 3nftrument, na<$ feinem «Ber^ättnif , gehörig befe^e, unb nic^t son 
ber einen *2lrt $x iriet, »on ber anbern ju wenig neunte. S# toitt ein «Ber* 
ptai| aorfcptgen, wet^eS, wie xfy bafür ^atte, jurei^enb, unb am beften 
getroffen fe^n wirb. [*)] ©en <$Xo»ki)mbal aerfte^e id> be$ alten 9WttjHcn, fte 
fetyn Heine ober grofje, mit bäbfy. 

[*) S)aS $olgenbe tft feiner <2Bi*tigteit falber t>on Qu. fetbft in fettem 3)rutfe nrieber- 
gegeben unb »erbient als $ingeraeig für bie Ör*efterbefe$ung bei Aufführungen älterer 
gftuftt $eute ni*t tninbere Beachtung wie früher, obwohl ft* ba$ ^tangöerpttm« swif^en 
Bioline unb Bratf^e (— 4 (6) : 1, f. faäter XVII. äauptft. III. 2ibf*n. IL §.) geänbert 
%at $ie Söiberfmnigfeit, ältere SKuftf ™* bem großen tnobernen Örcfcefter auSauflujren, 
wirb bur* Qu.' Bemerkungen f*arf beleu^tet 3)ie unbebingte 9Kitttrirftmg eine« Slftom» 
^agnementinftrument« (ßeinbato, Glasier, ^tügeQ, t>on Qu. f^on oben G. 120 jugeftanben, 
fa§t <£$. S. <%*$, 93erfu^ über bie wa^re Art bat ^laöier ju firieten (II, 2), in bie Söorte 
„<$lan fann o^ne Begleitung eine« eiaüierinftrument« fein etixd gut aufführen". Heber 
bie ältere Aflompagnement^rarte im allgemeinen f. u. a. $. <^r^fanber, Sa^rbü^er für 
tnuf. Qöiffenf^aft, I 1863, 408 ff.; II 1867, 249 ff.; «=)>$. Gpitta, 3- 6. 95a*, I 1873, 827 ff.; 
Ä. SSre$fd)mar, Einige Bemerlungen über ben Vortrag alter 90^ufif, 3a^rb. ber SRufW- 
bibl. ^eter« 1900; 9BL Geifert, ßembalo ober fftüget?, 9Zeue 3eitf*rift f. ^ufxt, 71. 3a^>rg- 
9ir. 10; berf., ^raftif*e Bearbeitungen Ba*f#er ^om^orttionen, Ba^ja^rbu* 1904. 
Äinweife auf bk ftftgetreue Befe^ung unb Qr*efter-2lufftetfong bei mobemen ^luf 
fü^rungen in <2R. Geifert« ^raftif^en ^uögaben &anbetf*er Orgel- unb Gtreic^fonserte 
(Breitfo^f & Partei).] 



j36 ©es XVII. &au»tflficB I. Slbfönitt. 

3u trier m$sm nebme man: eine 93ratfdje, einen 93ioloncell, 
unb einen (Sonfrattioton, »on mittelmäßiger ©röfje^ 

3u fecto Biotinen: eben baffetbe, unb noefe etnen -öqion. 

3u Ut Colinen geboren: 3 n>o 23raff3>en, gwene ^lonccOe 
no$ ein SonttcWtolon, ber aber etwas größer ift als ber erfte, gtoeene 
£ot>oen, 3 tt)0 Stöten, unb 3 n>eene ^affonl. 

3u *ebn Violinen: eben baffetbe, nur no$ em ^tolonceü mebr. 

3u mW Biotinen gefette man: bre^ 33ratfd)en, wer 93tolonceUe, 
aweene 6onfta»iotone, bre» 93affonS, »ier Äofcoen, ttier SJoten, 
unb wenn eS in einem Orcbefter ift, no$ etnen Sfoget mfyt, unb etne 

©ie SBalbfjömer ftnb, nacb 93efcbaffenbeit ber etücte, unb ©utbefinben 
be« 6om»oniften, fo wobl su einer «einen als großen SOluftt nijtbtg. 

17. §. 9<acb tiefet (Sintbettung, wirb eS ntebt ferner falten, aueb bte 
«aersabtreiebfte STCuftf in ein gebörigeS «Serbättniff ju bringen: wenn man nur 
bie <23ermebrung »on »ieren p ad)ten, »on aebten ju swölfen, u. f. w. tn Vlty 
nebmen Witt, ©tefe <23orftcbt ift um fo »iet notbiger, ba ber gute [186] erfolg 
einer Sttuftr, md)t weniger »on einer in gehörigem <33erbatte ftebenben ^eg> u «8 
ber 3nftrumente, o» »on ber guten 2lbf»ietung felbft, abbängt. SJlancbe mm 
würbe eine beffere Söirrung tbun, wenn e« niebt an ber gut eingeteilten «öe- 
fe^ung feblete. ©enn wie tarnt eine 9Kuf« gut Hingen, wo bie Äau»tfttmmen 
»on ben ©runbftimmen, ober wobl gar »on ben Sttittetftimmen übertäubet unb 
unterbrücfet werben, ba boeb bie erftern »or alten anbern beröorragen, unb bte 
<3flittetftimmen am allerwentgften gehöret werben fottten. 

18. §. 3ft nun ein Slnfübrer mit alten btöber angeführten ©aben aus- 
gebet, ^at er bie nötbige ©efebifliebfeit, beö einem Qrcbefter alle bie guten 
©genfebaften, fo »on bemfetben erfobert werben, niebt nur bebürfenben ^altS 
einjufübren, fonbern aueb ju erbalten: fo gereiebet eS bem Orcbefter swar jur 
ebre, bem Slnfübrer felbft aber, ju einem ganj befonbern 9*ubme. ©enn 
weil, wie oben febon gefaget worben, ein Orcbefter, unter be$ einen Slnfubrung, 
beffere SBirtung beworbringt, alß unter beS anbern feiner: fo folget bterauö, 
bafj niebt alle Sonfünftter »um Slnfübren gefebift ftnb. Unb weit f^tebene, 
wetebe, wenn fte gut gefübret werben, febr braf ftnb, boeb jum <2lnfübren felbft 
niebt bie geringfte $äbtgfett baben: fo tarnt man bataui bie 9*ecbnung macben, 
wie »iet an einem SKanne, ber atte ju bem kirnte eine« guten muftfoftfeben 
^Infübrer« erfobertieben ©genfebaften beft^t, gelegen fe$, unb wa* für gro&e 
Q5orsüge ein foteber in ber 9Jcuftf »erbiene. 



qSon fcen 9^tpiett*93ioliniften inS&efonfcere. 137 



3)e$ XVII. §auptftM# am \ 

II. Sl&fänttt 1 

I 

QSon ben 9*tyien*S3ioftttiftett tttSfrefonbere. j 

1. §. 60 wobt atte <23ogeninftrumente überhaupt, ati aueb inäbefonbere j 
bie Violinen, muffen mit fotyai Seiten bejogen fe»n, wetebe eine, ber ©röfce j 
beS 3nftrumenf3 gemäße etärfe §aben: bamit bie 6eöten webet p ftraff, noc£> >j 
p fcbla»» angefoannet »erben. <2öenn fol$e m bitfe ftnb, wirb ber Son j 
Öumtftcbt, ftnb fte aber p bünne, fo wirb ber Son p jung unb 5« f*»«$. j 
©eS»egen mu£ man fl# bierinne nacb bem eingeführten Sone, ob foteber ttef, j 
ober £ocb ift, rieten. [ 

2. §. SöaS bei nötiger 6timmung ber Biotine p beoba^ten ift, wirb, j 
»eil e$ alte <23ogeninftrumente pfammen angebt, im testen Slbfänttte mit j 
abge^anbelt. 

3. §. "Be» ber "Eiotifte unb ben U)r ä^ntieben 3nftrumenten, lömmt e$ 
eigentliib, »egen be$ 93ortrage«, am meiften auf ben <23ogenftri$ an. [•)] ®«*$ 
benfelben »irb ber §on au« bem 3nftrumente entWeber beffer ober fcblecbter 
berauSgebra^t, bureb benfelben bekommen bie 9toten iljr ßeben, bureb benfelben 
»irb ba« <=piano unb #orte auSgebrütfet, bureb benfelben »erben bie Effecten 
erreget, bureb benfelben wirb ba$ traurige »on bem Suftigen, ba« ©rnftyafte 
»on bem e^erjbaften, ba« erhabene »on bem 6cbmetcbetnben, unb ba$ 
3ftobefte »on bem <5recben unterfd&ieben: mit einem <2ßorte, er ift bat SSRittet, 
»obureb, wie bett ber <&ütt mit ber "Sruft, Sunge unb £iö»en, bie muftMifd>e 
■2tuSf»racbe gef^iebt, unb woburtf) ein ©ebanJe auf mancherlei Qlrt fann »er- 
änbert werben. <B »erfte^t ftcb jwar »on ftcb fetbft, ba# bie Singer ba« I 
3&rige aueb basu be»=[188]tragen muffen, bafj man ein gut 3nftrument, unb » 
reine Seöten fcaben muffe. «Mein weit beö aüen biefen ©ingen, wenn man j 
noeb fo rein unb gut greift, wenn baS 3nftrument noeb fo wobl Hingenb, unb ,; 

[*) Sunt Solgenben »ergl. bie entfere^enben Kapitel oon Seopolt» SKojart« SJiolin. l 
föule (1. Sluff. 1756, 2. »erat. 2lufl. 1770).] 



138 $e$ XVII. &auptfttttf$ II. Slbfömtt 

bie Seiten no$ fo rein fmb, bod) ber Vortrag fe£r mangelhaft fepn fann, fo 
folget barauS natürlich, ba% auf Un <3tv\<fy, in <2lnfef>ung beS Vortrages, ba$ 
meifte anfommen muffe. 

4. §. 3d> tt>itt btefeS burd? ein <23eifptet erläutern. 9Kan fpiete bie 
<£affage Sab. XXIL $ig. 1. 

[§<ti. XXIL] ffig. 1. 



pm 



m 



in einem getaffenen Sempo, mit lauter langen bis §u @nbe beS SSogenS 
gesogenen Gtri<$en. SDian mäßige ^ernad) bie fiänge beS Stri^S, unb fpiete 
eUn biefetben 9ioten, einmal um baß anbre immer mit fürjern 6trtd>en. Wafy 
£ero gebe man einmal bep einem jeben Striche einen ®rucS mit bem 33ogen, 
ba§ anbremal fpiete man e$ abgeftofjen (staccato), unb mit bem 'Sogen ab- 
gefegt. [*)] Hngead)tet nun eine jebe 9lote tljren befonbern Strich belommen $at f 
fo nrirb bo<$ ber Vortrag ein jebeSmat anberS fe$n. Wlan verfuge e£ gtei<$= 
falls burct) verriebene Wirten beS e^teifenS, unb fpiete biefe afyt 9*oten alle 
mit einem Striae, ober als tvenn sugteid) <puncte, nebft einem <23ogen, über 
ben 9ioten ftünben, ober jtt>o 9*oten mit einem Striche, ober eine gefto^en/ 
unb brep gef^leifet, ober bie erften brep gef^teifet unb bie vierte geftojjen, ober 
bie erfte unb vierte geftofcen, unb bie stvepte unb britte gefcfyteifet, ober bie 
erfte abgefegt, unb bie fotgenben alte ju jtvoen unb jtvoen mit einem Striae 
gefd)teifet: fo tvirb ber Vortrag tUn fo verhieben, tt>ie im Vorigen fepn. 

5. §. ©iefeS (Stempel fann genug fepn, p bereifen, ttrie fä'ablxd) ber 

SEJiiSbraud? beS Cogens fepn, unb tvie verriebene <2Btrfungen hingegen fein 

rechter @ebraud> hervorbringen lonne. AierauS folget, bafj eS bep einer 9ttpien* 

ftimme nid)t in ber SßitKüfnr beS ^iotiniften, ober irgenb eines anbern <23ogen- 

inftrumentiften fte^e, bie 9loten nac^ feinem ©efalten ju f^leifen ober abgu- 

ftofen, fonbern bafc er verbunben fep, biefetben mit bem 93ogen fo ju fpieten, 

n>ie fie ber ßomponift, an benen Orten, bie von ber gemeinen 2lrt abgeben, 

angejeiget §at 

SRan merle &ier beiläufig, bafj, wenn viele $ iguren in einerlei Slrt na$ einanber folgen, 

unb nur bie erfte bavon mit «Bogen begegnet ift, man auä) bie übrigen, fo lange 

feine anbere Slrt 9toten »orfömmt, eben fo fpielen muffe, Sluf gleite Slrt verölt ft<^S 

mit bert Stoten, vorüber 6tri<$e fielen. 2Benn nur etwa #00, [189] bre^ ober vier 



[*) 93gl. fnerau bie Slntoeifungen Martinis in bem bekannten Briefe an 3Kab. £om- 
barbini-eirmen, abgebrucft bei 3- 21. dritter, fiebettSbef^reibungen berühmter ^ontünfttcr (1784) 
unb 955. 3. tt. QBartelett)Sfi, ®te Violine unb tyre SDieifter (4. Oluff. 1904, G. 145 ff.>l 



<33on t>en Sttyien-^ioliniften inSbefonbere. 



139 



9Zoten bamit beaeid)net ftnb: fo »erben boo) bie übrigen 9loten t>k barauf folgen, 
unb rjon fetbiger 2lrt unb ©elrung ftnb, ebenfalls staccato gemietet O^ne biefeS ttürbe 
nid)t allein bie »erlangte QBirfung nia)t i>er&orgebraä)t werben, fonbem auä) bie 
©leiä)$eit be£ QSortrageS niemals gu einer 93oU!ommen|)eit lommen. 

6. §. <££ fliegt aber hieraus nocfy weif er, bafj bie gute ^u&ta^me beS 
'Slccompagnementg, mef>r auf bie 93iotimffen, als auf bie übrigen Snffrumen- 
tiffen anfomme: weit jene bie SDMobie in t^rer ©ewalf atteine £aben. SCßenn 
fie fc^täfrig ober na<I)f|iläg fpieten, fönnen bie anbern bem Vortrage be$ $lccom-- 
paguemenfS gar wenig aufhelfen. ©eSwegen folt aud) ber «Sogenffrirf), aU 
ba$ t>orne$mffe bety bem Vortrage, in biefem Slbfd^nitte sufammen ab= 
ge^anbetf werben, unb in ben anbern, wirb man ftcfy auf biefen besiegen. 

7. §. Wii fielen $om Q3ogenffrt<$e abgu^anbeln, würbe nic^f biefeS 
OrfeS fetyn: n>eit \ti) fner f$on einen £efer, ber bie 93iotine, unb fotgtid) aucfy 
ben Strich tterffefrt, sorauSfe^e. 3ci) will atfo nur gewiffe gwetfet^afte, unb 
folcfye 6telten unterfud)en, wobety efwaS befonberS §u bemerken iff, welches ber 
dompomff nicfyt atleseit anbeufen fann. *2lu3 biefen wirb man auf bie meiften 
anbtxxt ä^nli^en «Jätte fd^lie^en fönnen. ©arauf will id) aeigen, tva$ für eine 
2lrt t>on Striche be$ jeber *2lrt loon Sfücfen ^errfc^en foll. ilnb enbtiet) will 
\<fy ba$, was weiter nocf) babe^ §u beobachten iff, mit beibringen. 

8. §. Sie ioau^feigenf^aft eines gut geführten «Sogenffrid^ iff bemnac^: 
baf bie Sorten, fo in ben hinauf ober ioerunferffric^ gehören, fo t>iel als 
mögttcfy iff, auä) atfo gefielet werben. 

<2Benn etliche 9lofen auf einerlei? Sone »ortommen, unb mit fynfojrirten 
9ioten t>ermifd)ef finb, mu£ eine jebe i^ren befonbern Strich $aben, ober ber 
«Bogen mu£ na<§ ber f^nfopirten 9iofe abgefegt werben, f. <&(&. XXII. ^ig. 2. 



[Sab. XXIL] ffig. 2. 



$ig. 3. 



=§=& 



m± 



ffig. 4. 



S 



W=1=FJLUlff=? 



£ 



Sollte man bie %$tfyt\li £ier o^ne «SJteberfjotung ober o^ne 2lbfe§en be$ 
93ogenö fpielen: fo würben fotdje ni(^f allein fe^r fdf)läfrig Hingen, fonbem eS 
würbe aud^ ein ganj anbrer 6inn barau^ entffe^en. ©ie au^ *2lc^t- ober Se<$= 
Se^nt^eilen beffe^enben gef<^winben 9Zoten biefer 2lrf, muffen gtei^fato ni^f 
mit einem ©rüde be£ ^ogen^ [190] mafftret werben, fonbem burd^ beffetben 
9Sieber^otung if>re fieb^aftigfeif befommen. 

©iefe $l<$f freite : f. Qab. XXIL gig. 3. muffen alte mit bem ^Sogen 
marliref unb fürs gemietet werben, unb wenn 93orfcfyläge auf bergleid^en 9loten 
folgen, mu£ bie 9lote t>or bem Q3orfd^tage ebenfalls mit bem 'Sogen abgefe^ef 



140 



©e$ XVII. Sauptpdä II. Slbfdjmtt 



»erben: um bie jwo 9Zoten, fo auf eben bem Sone fteben, beutficb. unb unter= 
(«Rieben tyßren ju taffen. 

<3Benn im gefd>winben 3eitmaafce auf ein Q3ier^eU tm Siteberfcblagen 
etliche <H$rt&eite ober Ge^ntbeüe folgen, e$ fe^> auf einerlei Sone, ober im 
Springen, fo tbur e$ gute <2Birrung, wenn hai 93tertbeü im Äerunterfrricbe 
marttrer, unb ber "Sogen abgefegt wirb: bamit baS folgenbe Wfytfytil ebenfalls im 
•oerunrerfrric^e gefielet werben tonne, f. Sab. XXII. <5ig. 4. bett 6, G, unb ©, ©. 

<3ßenn gwo Stören auf eben bemfelben Sone »orfommen, unb fein 93ogen 
barüber ftebt, f. Sa&. XXII. 5ig. 5. 



[Sab. XXII.] $tg. 5. 



3% 6. 



5% 7. 



i 



3E 




<3i$-9 



<5tg. io. 




$ 



wo. ii. 



ffifl- 12. 



E 



3= 



^^ 



^^P P 



ffig. 13. 



Sifl- 14- 




fo muffen folc^e nicfyt sufammen gebunben, fonbern bur<$ ben <Bogenftrtc!) unter* 
Rieben werben. 

<23et> biefer 9lrf Sloten: f. Sab. XXII. <5ig. 6 mu$ bie le$te tm Sacte 
mit bem «Sogen ein toentg abgefegt »erben, um fotdje son ber im Stfeber» 
fcljlage absufonbern. ®ie stte^te 9iote im Sacte, fo an bie erfte gef steifet 
nrirb, fann man ettt>a$ fd)tt>äd)er als bie übrigen auSbrütfen. 

3n luftigen unb geführten etixdm, muf ba$ te^te Sl^tt^eit »on einem 
jeben falben Sacte, mit bem <33ogen marftret toerben, f. Sab. XXII. <5tg. 7 
i>a§ erfte @, ba$ gtoepte <£, unb ba$ 9- 

<2ßenn eine lur^e 9?ote an eine lange gebunben ift, f. Qab. XXII. tftg. 8. 
fo mufc bie lange 9iote, unb nid)t bie furse, burd) einen ©rutf mit Um <23ogen 
marfiret tt>erben. 



93on ben Q^ien-QSiotiniften inäbefonbere. 



141 



<2öemt auf ein ^tt^eit s»ep 6e$je$nt$eüe folgen, fo mufj ba# Sl^ttyeil 
mit bem <23ogen marßret, unb abgefegt werben, als »enn ein Strich barüber 
ftünbe, f. Sab. XXII. $ig. 9. 

33e9 ^ig. 10. »erben, im 'Slllegro, bie 3»e$te unb brüte 9tote im ioinauf- 
ftridje, jebod) be$ bem ^unete mit einem (Sinfjatten ober 2lbfa$e gemalt, bie 
folgenben 5»e^ © aber befommen bfyH t>zn Äerunterftrici). 

^e^ ffig. 11. tt>irt> ber Äerunterftrtd) be$ bem jtDe^ten <S ttriebert)otet, 
unb fo au<$ be$ bem G, na<$ bem <£ im vierten 93iert$eite. (Sben bergleicfyen 
gefegt, »enn naefy einer »eifen SKote Sed^etynt^etle folgen. 9Sefte^t aber 
t>a§ erfte unb britte «Btert^eit au$ vier Secfyse^ntfjetten: fo mu% [191] mufj 
alSbenn, na<$ bem 5»e$ten unb britten QSiert^eile, ber <23ogen abgefegt, unb 
»ieberijotet »erben. 

33e9 93iert^eiten, ober ^cfyttljeiten, fo mit Raufen von eben ber ©ettung 
verminet finb, ba bie Raufen voran fteljen, unb in ben 9tteberfcl)tag tommen- 
f. Qab. XXIL <5tg. 12. muf* Jebe 9lote mit bem Äinaufftrtcfye gemietet »erben/ 

3m gefd)tt>inben 3eitmaafte, fpietet man bfy ber «2lrt 9*oten: f. Sab. XXII. 
<5tg. 13. bie erfte im Joerunterftri^e, bie folgenben bre$ aber im Jomauf- 
ftric^e. Sm langsamen Sempo hingegen, ift bie <3Birfung viel reigenber, »enn 
alle Pier 9loten in einem Striche, jeboc^ mit einer Keinen Slbfe^ung be3 93ogen3 
mö) ber erften 9iote, vorgetragen »erben, ©ie folgenben vier 9*oten »erben 
auf gleiche QBeife im Joinaufftrictje genommen. 93et ber erften «2lrt, im ©e- 
f^toinben, »trb ein Strt<$ über bie erfte, unb ein 95ogen über bie bre^ 
folgenben, be$ ber 5»e$ten 2lrt, im fiangfamen, aber, nod) ein <3ogen mtyx 
über vier 9foten gefetjet, »ie btefeS Stempel au$»eifet. 

9. §. ©ie 9loten bei S*g. 14. Qab. XXII. »erben 6tri<$ vor Gtrid) 
geftrielet, unb nid?t mit ^öieber^olung be$ SerunterftricH eS muf aber t>a$ © 
im erften Sacte tUn einen folgen ©rud im irinaufftricfye befommen, »ie ba$ 
erfte G im Äerunterftri^e, unb fo auty im s»e$ten Sacte ba$ ©. 

<2luf gleite Strt »erben be$ gig. 15. Qah. XXIL 



l^ab. XXII.] Sig. 15. 



3ig. 16. 



§ j ii ff m ii & 



¥* 



bie SKoten ebenfalls Strt<$ vor Strich gefielet: jebo<$ mit bem ilnterfcfyiebe, 
ba§ bie vierte 9tote \>tn ©ru<J befomme, »ie bie erfte. 

©ie 9?oten, Sab. XXIL <5ig. 16. fönnen auf ^»e^erte^ %*, gleich gut 
vorgetragen »erben: »enn nämlicfy ber ^iotinift im Äinaufftri^e fo geübet ift, 
»ie im Äerunterftricfye. £nt»eber lann man jebe 9Zote biefe^ (f^empete mit 
einem eigenen 6trid)e verfemen, ober man mact>e t>a$ erfte *2l unb G im Äinauf- 



142 



§>e$ XVII. ÄauptfiücfS IL Sl&fönitf. 



ftricH jebo<$ Upbt 9ioten wo^l unb Iura marfiret: fo tt>irb gwar bie <2öirfung 
gleich gut fe^n, bie testete *2lrt sorsutragen aber, ift be$ öieten anbern unb 
neuem Vorfällen fe|>r nü$ti<$. 

©et «Beweis Pierson ift gteid) im fotgenben (Stempel Sab. XXIL ^ig 17. 



[Sab. XXIL] ffig. 17, 



fft* 18. 




SU ftuben. Joier mu£, ber 9oIge wegen, ba$ £ unb © im erften, unb baß © 
unb fi im jwe^ten Sacte, im ioinaufftricfye gefpielet werben: wenn anberS bie 
Wußnafymt gut fepn fott. [192] 

eben biefe «Befdjaffenljeit £at i# mit benen 9toten Sab. XXIL £ig. 18. 
n?enn nämttc^ baß Sempo fe^r gefd>winb ift, befonberS wenn bie 9*oten auß* 
einanber liegen, wie bei? ben sweenen testen Sacten. dß ermübet biefe 2lrt 
auty be$ weitem nic^t fo, als wenn 9iote sor 9iote geftri^en wirb. 

©iefe 2lrt 9ioten: f. Sab. XXIL <5ig. 19. lönnen auf jwe^erte^ 2lrf au* 
gefüljret werben. (Einmal Strich $>or Stri<$, ofme, SSMeber^otung btß «Sogeng, 
wenn ncimlitf) ba* Sempo fe$r gefdEjwinb ift, unb teine ^affagien öon Se<$- 
Sefmtf>ei!en mit untermifcfjet ftnb. ginbet ftc$ aber biefe «Sermiftyung, fo mu$ 
nafy ber britten 9Zote, im erften Sacttfjeite, ber «Bogen abgefegt unb wieber- 
^otet werben. £lnb weil in biefer Sactart, bie Begleitung me^rent^ettS fo 
befdjaffen ift, wie in einem Sicitiano, namlic^ fjhtfenb, ober atla 3oppa [*)], ba 
nad> einem jeben <23iert|>eile ein 3ld>tt|>eit folget, weites im gef^winben 3eifc 
maa£e tttvaß f>ebenb gemietet werben mu§, fo fe^ man bemühet, biefen ^oten 
baß re^te ©ewic^t ju geben, unb f)üte fxfy, ba% man bem «Sterlette ttxfyt 
etwa« abbreche, unb fold>eS bem fotgenben <2ld)ttljeite sutege: benn babur<$ 
würben bie <23tert$eite unb «Hd^eite einanber faft gleich unb ber 6e#Sa$t- 
t^eittact, in bm 3we$*riert£eiltact serwanbett werben. 9Zo<$ me$r &üte man 
ft<$ baß <23iert|>eil ju lang, unb baß ^tt&eit }u Jurj ju machen; fonft würbe 
tß f^einen alß wären tß punetirte 9Zoten in einer geraben Sactart. Hm aber 
be^beS ju aermeiben, barf man ft<$ nur be$ bem 93iertf>ette jwe^ $l$ttf>eite, 
t?on ber ©efd)WinbigIeit btß folgenben Vlfytfytilß, in ©ebanfen *>orftellen, fo 
wirb man biefe ^etyter nicfyt begeben. 



*) [Zoppo = la^m f ^infenb.] 



95on ben 9ttjrien-93iolmifien inS&efonbere. 



143 



10. §. ©ie oben erfoberte gleite Starte unb Hebung be« Sinaufftri<$$ 
fo »o$l att beü £erunterftri$$, ift, be^ ber i^igen mufttatifc^en 6d>retbart, 
|@#f^@#i@- ©enn wer bergtei<$en in« feinere gebrachte ©ebanten, fo barinne 
sortommen, fielen nritt, unb ben obigen 93ort£eit nid)t i)<xt, ber ttrirb anffatt 
eine« gefälligen unb teilten Vortrage«, nichts als eine ttribrige£ärte £ören taffen. 

11. §. Hm aber bm 93ogenftrid) egal, unb jf# feiner im fimauf» unb 
&erunter5ief)en gteid) mächtig ju madjen, ne^me man eine ©ique, ober Ganarie, 
im Se<$$a<$ttt)eittacte,tt>orinne lauter emgefcfywänsete 9toten befinbttdj fmb,unb 
hinter ber erften wn bre^en ein ^unct fteljt, §ur Hebung t>or. Wart gebe jeber 
9*ote tyren befonbem Stridj, fo baf bie erffe unb [193] britte Sftote einer jeben 
gigur, o£ne <2Bieber$olung be$ <33ogen$, balb in ben iöerunter* batb in btn 
Jomaufftrt<# tomme: bie 9Zote nad) bem ^uncte aber, friete man allezeit fe$r turs 
unb f<$arf. Ober man übe ein Stütf t>on oben gebauter Sactart, in wettern 
ber erfte Sacttljeit au3 trier 9Zoten, nämtid), jtt>e^ Secfoe^ntljeiten anffatf be$ 
mittelften 'Sld^eilS, ber jtoe^te aber au« bre$ flöten befiele, bamit in einem 
jeben Sacte, eine ungerabe 3a$l t>on 'Sftoten öortomme. 

Stadler »erfudje man tbm baffelbe Stüd, o£ne ^uncte, bo<$ o$ne 
gQBieber^olung be$ <23ogen$, toie ^rioten, ober n>ie gefc^nrinbe 2ld)ttf>eite im 
6ecfy£ad)tt|)eiltacte. 

3Ran neunte ferner ein (^empet im festen Sacte sor, ba entweber auf 
ein jebe« 93iertf>eit oier Se^el^eile, ober auf ein jebeS Qld^eit jtoe^ Sed)- 
ae^nt^eite folgen, bie Sioten aud) batb fyrmgenb, batb ftufentoetfe ge^en. SÖttt 
biefer Hebung fatjre man fo lange fort, bis man wahrnimmt, ba% bie Figuren, 
toetdje ft<$ mit bem Äinaufftri^e anfangen, eben fo Hingen, als bie mit bem 
&erunterftrid)e. Sftan tt>irb bur<$ eine fotc^e Hebung einen großen Vlufcn t>er- 
fpüren, unb btn 2lrm ju altem toaS t>ortommen tann, gef<$t<ft mad)en. ©enn 
obwohl genriffe 9toten, not^toenbig im ioerunterftri^e genommen derben muffen, 
fo tarnt bo<$ ein erfahrner 93iotinift, ber bm <33ogen »otltommen in feiner 
©etoatt $at, biefetben ebenfalls im fimaufftridje gut auSbrüden. ©od) aber 
mu£ and) nid)t ein jeber, au« biefer Ste^ett beS 93ogen«, einen SKiSbrau^ 
ma<$en: weit be$ gegriffen @etegenf>eiten, wenn nämti<$ eine 9*ote t>or ber 
anbern eine befonbere 6<$ärfe erfobert, bennod) ber Äerunterftrid) t)or bem 
&inaufftrid)e einen 93orjug behält. 

12. §. 3m 'Slbagio, muffen bie fd)teifenben ^oten, ni^t mit bem ^ogen 
gerüdet, ober todiret toerben, e$ wäre benn, ba§ jugtei^ °*puncte unter Um 
<23ogen aber bm 9ioten ftünben, f. <&ab. XXII. <5ig. 20. 



[^ab. XXII.] ^ig. 20 v 



ffifl. 21. 




144 



$ig. 22. 



<£>e$ XVII. Äouptftüd* H. Slbfönitt 
Wo. 23. _ 




$ig. 26. ffig. 27. 



i 1 1 1 ii „T^"Pl e if^jLU^J^M^ ^ 



f| muffen au<$ feine fogenannten pincemens babety angebracht werben, 
am wenigften wenn fte nicfyt angebeutet fmb: bamtt ber Effect, btn bie f<$tet= 
fenben 9ioten auSbrfitfen fotten, auf leine Sßeife *>er$inbert werbe. Jptä)®* 
aber an ftaft ber ^Öuncte, Stricbe^ wie bfy ben #oo legten 9toten in biefem 
(fyemfcet m erfeben tft, fo muffen bie 9?oten In Ithem ^ogenftri^e Warf ge- 
ftofcen werben. <0enn, wie s^tfe^en ben ©frii^en unb fmneten, wenn auef> 
fein 33ogen barüber fte|>t, ein ilnterf^ieb su machen ift: ba% nämltd) bie 9ioten 
mit ben 6tri$en abgefegt, bie mit ben Ernteten aber, [194] nur mit einem 
furjen <23ogenftrtcf)e, unb unterhatten gemietet werben muffen: fo wirb auc^ ein 
gleicher Unterfd^ieb erfobert, wenn <33ogen brüber fte^en. ©ie Striae aber 
fommen meljr im 2lttegro aU im 2lbagio i>or.[*] 

<2Benn biefe <2lrt t>on Gereimtsten : f. ^ab. XXII. <Jig. 21. im lang- 
famen 3eitmaa§e, fc^ön vorgetragen werben fotten, fo mufj attejett ba$ erfte 
t>on jwe^en, fo wo|>t im 3eitmaa§e, afö in ber 6tärfe, f^werer fe^n als ba$ 
folgenbe: unb |)ier mufc t>a# S> im britten Sactgtiebe be$ na^e "fo gemietet 
werben, als wenn hinter bem & ein ^unet ftünbe. 

13. §. Söenn im 2lbagio über punetirten 9loten, 'Sogen fte|>en, f. <£ab. 
XXII. ffig. 22, fo mu% bie 9lote na<$ htm ^unete nxfyt gefto^en, fonbern 
burdj ein t>erlierenbe$ ^Mano, an bie erfte gef^teifet werben. 

SSenn hinter ber $mt)tm 9tote ein ^unet fte£t, mu£ bie erfte, im «2lltegro, 
fie mag jwc?- ober brepgefc&wänjet fepn, fe|>r fürs, vtvb mit bem <23ogen ftarf 
gemietet, bie mit bem ^unete aber gemäfjtget, unb mit bem <Bogen big jur 
folgenben unterhatten werben. 3m Slbagio muf bie erfte ebenfalls fo fürs, wie 
im Slttegro, bo<i> o£ne fote^e 6tärfe gemietet werben, f. Sab. XXII. gig. 23. 
gSBenn biefe SKoten if>re rechte <2Birfung fyun fotten, fo muf atteseit au s^oen 
unb §woen ber 'Sogen wieber^olet werben, fo t>a% immer 5W0, nifyt aber trier 
auf einen 6trid^ fommen. 

[*) 6. baau § 27 btefeS SlbfdjmttS.] 



93on ben 9^ipicn*93ioUniftett inä&efonbere. 145 

Üft ber, Sab. XXII. SHg. 24. beftnbli^en «2lrt bieten, |af eS gleite 
93ewanbtni§. 9Zur mu£ man fxd) habt)), nid)t eines langen, ^affigen, unb 
fcfyteppenben, fonbero eines gelaffenen, unb furjen 'Bogenftrtc^S bebienen: Sonft 
Würbe ber 'SluSbrucf §u free*) unb wiberwärttg Hingen. 

3n tangfamen Stücfen, muffen bie mit ^uneten serfe^enen ^cfytt^eile uno 
6ecbäebnt|>eite mit einem fcfyweren Striae unb unterhalten ober nouriffant 
gemietet werben, ©en 93ogen muf* man nicf)t abfegen, als wenn anftatt ber 
^punete Raufen ftünben. ©ie ^unete muffen bis ju bem äufierften €nbe t$rer 
©eltung gehalten werben: bamit eS nicfyt fcfyeine, als ob einem bie Seit barüber 
lang werbe, unb baS 3lbagto fic^ nicfyt in ein einbaute öerwanbele. ^Berni 
Stricbe brüber fteben. fo bebeuten folebe. bafi bie Sftoten marfireU&erben muffen, 
©ie nach bem^unete lommenben boppelt gefdjwansten SRoten, muffen fo Wobt 
im lanalamen als aefebwinben 3eitmaafce. allezeit febr fürs unb febarf gejjnelet 
werben: tt>eil bie bünctirteit 9tfoten. überbauet etwas ^räc^tigeS unb S^abjeneS 
auSbrücfen, ba^er eine jebe S^ote, fofern feine 93ogen barüber fteben, [195] 
i^ren befonbern 93ogenftrid) erfobert, tx>eil fonft nid)t mägltcb ift, bie Hirse 
Sftote naefy bem ^unete, burefy einen 9?u<S beS Cogens fo fcfyarf auSpbrücfen: 
als eS burd) einen neuen Joinaufftricfy gefcfye^en fann. 

14. §. <2Benn im tangfamen 3eitmaafce Heine |>albe Söne unter bm 
©efang oermifebet ftnb, f. Qab. XXII. <5ig. 25. fo muffen biejenigen, fo burd) 
ein Äreuj ober <ffiteberf)erftellungS--3eicben erljityet finb, tttoa$ ftärfer als bie 
übrigen gehöret tt>erben, welches bureb ftärfereS 'Slufbrücfen beS Cogens, bfy 
6e9teninftrumenten, bei bem 6ingen unb ben ^taSinftrumenten aber, bureb 
^Berftärfung beS QBinbeS bewerfftelliget werben fann. 'JBenn 5W0 9ioten t>or= 
fommen, beren le$te um einen falben Son er|>5^et ober erniebriget wirb, bie aber 
einen «Bogen über ftd) ^aben, f. Qab. XXII. gig. 26. fo t£ut eS beffere 
'SHtfung, totm bie gtpetjte 9iote mit bem folgenben Ringer genommen, unb 
8ugteicb ber «Bogenftrid) $u berfelben t>erftärlet wirb, als wenn man fle bureb 
baS Äinauf ober Äerunterfc^ieben beS Ringers angeben wollte, ^mn im 
£angfamen mufc eS Hingen, als wenn eS nur eine 9tote wäre. Heber^aupt 
merfe man, ba% aueb be$ einem gefc^winben 3eitmaa#e, wenn etliche 9loten su 
93iert|>eilen ober falben Sacten bureb baS <£r£<tyungS5eicben erbötet, ober bureb 
baS b erniebriget werben, befonberS wenn bergleicfyen etliche ftufenweife 
nacb eiuanber, entweber auf ober abwärts folgen, f. Sab. XXII. <5ig. 27. 
man biefelben unterhalten, unb mit mehrerer Starte unb Äraft als anbere 
fielen muffe. 

15, §. SDlit gleicher Stärfe unb Unterhaltung btß SoneS muffen auc^ 
biejenigen langen 9?oten gefpietet werben, Welche unter gefc^winbe unb lebhafte 
gemifc^et fmb. 3. S. f. Sab. XXII. #ig. 28. [e. nö^fte Seite.] 

10 



146 

[Sab. XXII. 
Sig. 28. 



$e$ XVII. ÄauptfiücfS II. 2tbf<$mtt. 



ffig. 29, 



p p ^,^ih- r ^ ttar p^ § 



3ig. 30. 



ffig. 31. 



$tg. 32. 



j 1 j ET IM p jg e I I 1 1 ^Pgf 



$ig. 33. 



$ig. 34. 



ffig. 35. 



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ö=e 



{'{,■! 



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=£=£ 



16. §. ^öenn nacfy einer langen 9Zote, unb furzen ^aufe, bre9gef<$ wandte 
9*oten folgen, f. Safe. XXII. <5ig. 29. fo muffen bie te^tero altejeif fe$r gef^winb 
gemietet werben, e$ fety im 2lbagio ober 5lllegro. ©eSWegen muf* man mit ben 
gefdjwinben Sftoten, bi£ jum äuferften <£nbe be$ 3eitmaafie$ warten, um ba£ 
©teicfygewicfyt be$ SacteS nic^t ju öerrüden. 

5Benn im langfamen Slltabreöe, ober au$ im gemeinen geraben 
Sacte, eine Se$ae|mt£eifyaufe im 9Ueberf<$tage ffe^t, worauf punetirte 9*oten, 
f. Sab. XXII. ^ig. 30. 31., folgen, mu# bie ^aufe angefe^en werben, aU 
wenn entWeber no<$ ein Erntet, ober no<$ eine §ätb fo *>iel geltenbe [196] 
^aufe ba^inter ftünbe unb bie barauf fotgenbe 9fote, no<$ einmal me^r ge= 
fcfywän§et wäre. 

17. §. ^enn ein langfameS unb trauriges Stütf mit einer 9?ote im ^uf* 
^eben be3 SacteS anfängt, fte fe^ ein 5lci)ttf>eil im gemeinen geraben, ober ein 
93iert|>eit im ^tlabrefcetacte, f. Sab. XXII. $ig. 32. 33, fo mu£ biefelbe 9tote 
nicfyt fo $aftig unb ftarf, fonbern mit einer getaffenen unb langfamen Bewegung 
beg Cogens, au<$ mit june^menber Stärle be£ SoneS, angegeben werben: um 
ben Effect ber Sraurigfeit gehörig auSjubrMen. Sßlan mu£ jtd) aber be$ einer 
folgen Sfote ntcfyt länger aufhalten aU e$ ba$ 3ettmaa§ erfobert, bamit bie 
übrigen 3nftrumentiften baburdj ttaß redete Sempo gleich faffen fönnen. 3m 
weitem Fortgänge beS StütfS, faxm man mit bergleicfyen langfamen 9^oten tbtn 
fo »erfahren. 

18. §. ©ie gebrochenen «2lccorbe, wo bre$ ober trier Seiten mit einem 
<23ogenftrid)e auf einmal berühret werben, ftnb *>on jwe^erte^ 2lrt, f. Sab. XXIL 



<33on ben 9li^ien»Q3ioUmftcn inSbefonbere. 



147 



«Jig. 34, 35. <23e9 ber einen, wenn eine ^aufe folget, mu§ ber <23ogen abgefegt 
werben: bfy ber anbern aber, wenn feine <£aufe folget, bleibt ber 95ogen auf 
ber oberften Se^te liegen. 33e9 be^ben <2lrten, muffen bie unterften, fo wo$t 
im langfamen aU gefcl>wmben Sempo, nid)t angehalten, fonbern gef<$winb na<$ 
einanber beruhet werben: bamit tß nicfyt Hinge, at$ wenn eS, bur^ einen 
<2lccorb gebrochene, Srioten träten. £lnb weit biefe ^ccorbe gebrandet werben, 
ba$ ©efjör un*>ermut|>et burd) eine ioeftigfeit ju überragen, fo muffen bie= 
jenigen, auf todfyt Raufen folgen, gans fürs, *wd> mi * *> er S^ö^cffcn Stärfe beS 
Cogens, nämlicty mit feinem unterften Steile geftrielet werben, unb fo triel at£ 
beren naä) einanber folgen, jeber mit bem Äerunterftricfye. 

19. §. 93on ber t>erf<$tebenen 3lrt ber <33orf<$täge, unb i^rem 3ettmaa$e, 
ift swar bereits im VIII. Äauptftütfe ge^anbett worben. <2Beit aber ni^t ein 
jeber 93iotinift bie 2lrt beS 3ungenftofjeS »erfte^t, um ben Q3ogenftricfy barnacty 
einjuric^ten: fo ift nßt^ig, £ier biefer wegen eine (frftärung beifügen, unb 
überhaupt eine 9*eget fefte ju fetjen, nämti<$: ©ne jebe t>orgefe$te Heine 9lote, 
fie fe^ lang ober fürs, erfobert i^ren befonbem «Bogenftrid?, unb mu$ niemals 
an bie X>orgef)eni>e ioauptnote gefd)teifet werben, weit fie anstatt ber fotgenbett 
iöauptnote angeftofjen [197] wirb, ©ie ileberseugung bat>on ift aus ber Sing- 
muftf su nehmen. <3Ran wirb finben, t><% ein Sänger, wofeme er be$ fol<$er 
©elegen^eit SBorte auSsufpred)en §at, biejemgen S^ben, fo unter bie Saupt* 
noten gehören, nt<$t unter benfetben, fonbern unter ben Dor^altenben Keinen 
9Zoten auSfimcfyt. 

20. §. ©te langen <23orfd)täge, fo i$re 3eit mit ber fotgenben 9Zote 
Reiten, mu% man im <2Ibagio, o^ne fie $u marfiren, mit bem «Bogen an ber 
Stärfe warfen taffen, unb bie fotgenbe 9*ote fachte bran fdjfeifen, fo t>a% bie 
<33orf<$täge ctwa^ ftärfer, als bie barauffotgenben 9ioten Hingen. 3m Qlttegro 
hingegen fann man bie 93orf<$läge ein wenig marfiren. ®ie fursen 93orf<$läge, 
su wetzen bie, fo 5toif <^ en ben unterwärts ge^enben Steuerungen fte^en, 
gerechnet werben, muffen gans fürs unb wei<$, unb fo s« f a 8*K tt **r wie im 
«Sorbeten berühret werben. 3. <£. biefe, f. Sab. XXII. ^ig. 36. 37. 



[Sab. XXIL] 
ffig. 36. 



ffig.37. 



Aje 



$ig. 38. 



Stg.39._ 



j.ftftJi nur f ft I r fr j t ■ I 



bürfen ni$t angehalten werben, gumat im tangfamen Sempo: fonft Hingt eS, 
aK wenn fie mit orbentü^en 9*oten auSgebrüdet wären, wie <5ig. 38. 39, ju 
erfe^en ift. ©tefeS aber würbe nidf)t nur bem Sinne beS (Eomponiften, fonbern 



10" 



148 



§>e$ XVII. ÄaupfftücfS IL Slfcfönttt 



aucfy ber franaöflfcfyen Qlrt ju fyielen, *>on toetdjer biefe 93orf<$äge bod? ifjren 
Sirfprung §aben, sutoiber fcpit. ©enn bie «einen 9ioten gehören no<$ in bie 
3eit ber öor£erge£enben 9*ote, unb bürfen atfo nid)t, ttrie be$ bem jtoettfen 
Sfempet ftef>t, in bie 3eit ber folgenben fommen. 

21. §. <2öenn im tangfamen Sempo jtoo Reine emgefc^toänjte 9ft>td>en oor* 
iommen, hinter bereu erfterer ein <3>unct ftef>et, f. Sab. XXIL <5ig. 40, fo befommen 
fetbige bie 3eit t>on ber barauffolgenben Äauptnote, bie ioauptnote felbft aber, 
nur bie Seit oon bem ^uncte. 6ie muffen mit fciet Effect geftrielet, unb auf 
bie Slrt auSgebrücfet »erben, toie bie 9ioten be$ ^ig. 41. geigen. SSJlan muf? 
bie mit atoeenen ^uncten »erfe^ene 9Zote im ioerunterftrid^e nehmen, unb ben 
Son an Stärfe toacfyfen Xaffen, bie gtoo fotgenben, bur<$ ein oerlierenbeS ^iano, 
an bie erfte fdjteifen, bie le^te lurje aber mit bem Sinaufftridje lieber ergeben. 

22. §. «SBenn aber bergteicfyen Sanieren mit orbentti^en 9loten au$* 
gebrückt pnb, f. ^lab. XXIL <5tg. 42. fo muffen fetbige, in einem 9?itornetf, 



[Sab. XXIL] 
SJig. 40. 



i 



Sig. 41. 



5ig. 42. 



fcfc. 



^3 



3E 



Sig. 43. 



5ig. 44. 



i_f 1 II r j 



fftg. 45. 
tr 



W§> 46. 
/r tfr */• *r 



&• 



QL^ II 



I 



Sig. 47. 



Ü 



Sig. 48. 



S4g. 49. 



5=p: 



ffl j^ 



I ii p i g a ^?=?j 



na$ i^rer gehörigen ©eltung gemietet »erben: sumat »enn bie Stimme me^r 
at$ einmal befetjet ift, ober toenn eine anbre (Stimme biefelbe Sägur [198] in 
Serjen ober (Seiten, mit ber erften auf gleite $lrt mit machet ©ie erftem 
9fa>ten, »orüber ein <23ogen fte^t, muffen im herunter* unb bie gtoo le^tern, im 
Jöinaufftrtcfye genommen »erben. 

23. §. ©ie a»o Keinen 3»e9gef<$»änsten 9*oten, f. <§,ab. XXIL $ig. 43. 
toetd^e me^r im frans^ftfdjen atß italianif^en ®efdj>ma<£e üblich jtnb, muffen 
nic^t fo langfam tote bie oben betriebenen, fonbern präcipitant gemietet »erben, 
toie ^Fig. 44. gu erfefjen ift 



93on ben Qttpien-QSiolmtftett ittS&efonbere. 149 

24. §. 93on ben Srißern ift im IX. ioauptftüde überhaupt gefwnbett 
rcorben: n>e£tt>egen id) mi$ frier barauf be§icfje. ioier n>ilt id) no<$ anmerfen, 
baf?, toenn über etliche gefcfyttrinbe ^cfen Srißer gefcfyrieben ftnb, ber 93or* unb 
9*ad>f$tag, toegen $ür&e ber 3eit, triebt allezeit ftatt fmbe: fonbem ba% öftere 
nur |>aI6e Srtßer gef^tagen werben. 3ft ber 35or* unb 9fod>f<$tag nur be$ 
ber erften 9ft>te ange^eiget, f. Sab. XXII. <5ig. 45. fo »erfteftf fid), baf$ man 
bie fotgenben dritter auf gleite 2lrt fragen muffe. 

6te$t ein dritter über einer Sriote, f. ^ah. XXII. $ig. 46. fo machen 
bie §n>o teufen 9^oten ben 9fat<fyfd)tag au& 

3Benn etliche Sfoten, auf eben bm Sone, an einanber gebunben ftnb, unb 
über ber erften ein dritter fteftf, mu§ ber dritter biß gum <£nbz, o^ne ^Bieber* L 
Rötung be$ QSogenftri^S unterhalten tserben: f. Qab. XXII. <5ig. 47. 

'JBenn t>or jtoo gefd)tt>inben tylottn ein QSorf^lag, unb hinter ber britten 
ein ^)unct ftetyt, f. Qäb. XXIL ^ig. 48. fo mufs biefe Stgur bis an bie (e$te 
Sfote, in einem ^ogenftridje, fe^tr gefd^ttrinb unb präeipitant gemietet tt>erben. 
6te£t aber an ftatt be$ ^unets eine ^aufe, fo nrirb ber 93ogen abgefe$et. 

<2öemt oor punetirten Vlotm <33orf<$täge ftef)en, f. Sab. XXIL gig. 49. 
fo muffen roeber Srißer no$ SÄorbanten angebracht tt>erben. Stehen aber über 
bergleic^en 9?oten, fte mögen fteigenb ober faltenb fetyn, dritter, ober, anftatt 
ber ^unete, Raufen: fo tterftefrt fid), bafi man bie Srifler ofme 9focfyfdjtag 
macfye, unb bei) ben 'puneten ben 95ogen abfege. 

3öenn aße 3nftrumente mit bem 93affe im llnifbn ge£en, &a$ ift, aße Am \ 

biefetben 9?oten fpieten bie ber 'Bafj fpietet, e3 mag eine ober mehrere Octauen 
fytytv fe^n, fo fyxxt ein tangfamer dritter, n>enn er *>on aßen [199] in einerlei 
©efcfyttrinbigfeit gefdjtfagen ttrirb, beffere ^irfung, aU ein gang gefdjwnnber. 
©enn bie fe£r gef<$tt>inbe 'Belegung, toenn fte mit fielen 3nftrumenten äugteid) 
gefd)ie£t, serurfacfyet mefjr 93ertt>irrung cü& ©eutlidtfett, befonberS an einem 
Orte tt>o e$ fraßet, ©egtoegen mu% man alSbenn bie Ringer, in einer madigen 
©efdjnrinbigfeit, egal, boefy ettoaS f>ß$er aU fonft aufgeben. 

25. §. 93il £ief>er f>aben ttrir bm ^ogenftri^, an fid) fetbft, unb tme 
einzelne 9foten in benfetben eingeleitet, unb buvify tyn ausgebrütet werben 
muffen, betrachtet. 9fam ift n&t^ig abju^anbeln, tpaS für Slrten beS ^ogen* 
ftri<$3, ein jebeö Stüd, ein febeS 3eitmaaf , unb eine jebe auSjubrütfenbe ©e^ 
müt^betpegung erfobere. <S)tnn biefe teuren ben 93iotiniften, unb aße bie ftd) 
mit ^ogeninftrumenten befd^äftigen, ob ber Strich lang ober Iura, fetter oter 
leicht, f^arf ober gelaffen fe^n foße. 

26. §. Xleber^aupt ift ansnmerfen, t>a% im ^ccompagnement, infonber^eit 
be9 lebhaften Stüdfen, ein, nac^ 21rt ber ^rangofen geführter, furjer unb 
articutirter ^ogenftric^, Diel beffere QBirfung tf)ut, atö ein italiänifd^er, langer 
unb fcfyfeppenber 6trid). 



150 ®ea XVII. j&ouptftüd* II. Slbfönitt. 

3>a« SMegro, Slßegro afiai, SWegro t»i motio, <£ref5to, SJtoace, 
erfobern, befonber« im «Uccompagnement, wo man be» biefer 2lrt »on ©tucten 
mebr tänbemb at« emft$aft finden mufc, einen lebhaften, gans leisten, totfirten, . 

unb fe&r tosen «Bogenftrid»: bocb mufc eine gewiffe SRa&igung be« Sone« 
bobe^ in Slc&t genommen werben. 

3ft ba« SlUegro mit Staifon untermif<$et, fo mu& e« mtt einem fcbarfen 
"Bogenftric&e, unb aiemtit^er ©türre be« Sone« gefielet werben. j 

ein SlttegrettO, ober ein «Ztttegro ba« burcb f otgenbe bobeö fte^enbe <3Borte, 4 

at«: non »refto, non tanto, non tro»»o, moberoto, u. f. w. gemäfjiget wirb, muf? 
etwa« emftfcafter, unb mit einem swar tttoaä fcfyweren, bo<$ muntern unb mit 
Siemticber 5?raft »erfe&enen <Bogenftri$e, au«gefiu)ret werben, ©ie 6ec&8e$n= 
t^citc im «ailegretto, fo wie im «Megro bie Slcbtt^eite, erfobern infonber&ett 
einen gans xursen "Bogenftridj: unb mujj berfelbe nicbt mit bem gangen ^rrne, 
fonbern nur mit bem ©etenie ber Äanb gemacbet, aucb mel>r totfiret aß gesogen 
werben, fo ba$ fo wo$t ber Stuf» at« 9Keberftricb, burcb einen ©rud, einerte» < 

<£nbigung beromme. ©ie gefcbwhtben «^affagien hingegen, muffen mit einem f 

leisten Bogen gemietet werben. [200] [ 

€in Striofo, <£<mta&t(e, 6oaöe, ©olce, poco Slnbanfc, wirb ge- 
tanen, unb mit einem leicbten <Bogenftric$e, »orgetragen. 3ft aucb gleich ba« 
«Zlriofo mit »ergebenen Slrten »on gefd)winben SRoten untermiföet, fo »erlangt » 

e« bocb ebenfalt« einen leisten unb getaffenen 6trf# be« Bogeng. { 

©n SÄaefiofo, =pom^ofo, Slffettuofo, Sfoagio ftmfofo, will 

ernft&aft, unb mit einem etwa« fc&weren unb fd)arfen Striae geftnetet fe»n. _ ,| 

ein langfame« unb traurige« <Stü<x, welcbe« burcf) bie "Sorte: 2U>agtO | 
affat, Wante, ^^O r ^argo affat, SKeftO, angebeutet wirb, erfobert 

bie größte SRäfcigung be« Sone«, unb ben längften, getaffenften, unb fc&wereften r 

■Bogenftrtity. g 

ein SoftCttUtO, welche« ia^ ©egent^eit »on bem Wetter unten »orrom- 
menben ©taccato ift, unb au« einem an einanber ^angenben entsaften $ar- 
moniöfen ©efange beftebt, worinne »iete »unctirte, s" 8»"en unb swoen an 
einanber gefc&tetfete ttoten mit angetroffen werben, »fteget man me^rentbetl« 
mit bem Söorte: ®ra»e s« betiteln. ©e«wegen mu& e« mit einem langen unb 
fcbweren <Bogenffrid)e, fe&r unterhalten unb ernft&aft, gefielet werben. \ 

3n atten tangfamen ©türfen muf infonber&eit t>aS 9tttornetl, »orne$mttc» 
wenn »unctirte 9*oten »orfommen, emft^aft gefbielet werben: bamit bie com 
certirenbe Stimme, wenn folc^e benfetben ©efang $" wieber^oten |>at, ftcb »on 
bem Surri unterf^eiben lönne. 6inb aber fctmteicHnbe ©ebanren mit unter- 
menget, fo muffen felbige auf eine angenehme Qlrt »orgetragen werben. <23e» 
aßen, infonber^eit aber be» tangfamen etücfcn, muffen ftc^> bie 2lu«fitt)rer ber- 
fetben immer in ben Effect be« Gomponiften fe^en, unb fotc&en au«subru<fen 



gjon ben 9?i^iei«-93ioümftett inSbefonbere. 151 

fachen. Jöierau rann nebft anbern, oben befundenen, €rfoberniffen, auch ba« 
9tt- nnb 3unebmen ber etärfe beS SoneS »iel beitragen, wofern eS namltcb 
mit ©elaffenbeit, unb nicht burcb ein heftige« unb unangenehme* ©rüden 
aefcbiebt SOttt aber ein fotcbeS Stücr bog Slngtücl, bafc ber 6om»ontft be» 
beffetben Verfertigung, fetbft »on wenig ober »on gar feinem Effecte gerübret 
werben wäre: fo wirb freöticb, bei? alter <2Kübe ber giuSfübrer, hoch lern be- 
fonberer SluSbrucf su erwarten fehn. 

Von ber «2lrt be« Strich«, ber be» ber franjöftfcben «Sanämuftf ju braueben 
iff finbet man im 58. §. be« VII. SlbfcbnirtS biefe« £au»tftücc$, Nachricht. [201] 
' 27. §. SBenn beb einem Stücte: ftacCOtO ftebt, fo muffen bie STCoten 
alte fürs gemietet, unb mit bem «Sogen abgefegt werben, ©a man aber, in 
gegenwartigen 3eiten, feiten ein Stücf »on einerlei) Slofen au fe$en »fleget, 
fonbern auf eine gute «Sermifcbung berfelben ftebt: fo werben über biejenigen 
9*oten, welche ba$ ftaccato erfobem, Stricbetcben gefebrieben. 

<2Jian mufc ftcb aber be» biefen 9loten, nach bem 3eitmaaf e, ob ba$ Stütf 
febr langfam, ober febr gefebwinb geftoielet wirb, richten, unb bie 9loten im 
Slbagio nicht eben fo.furä, aU bie im 2Ulegro r abfto&en: fonft würben bte tm 
<2lbagio allptroclen unb mager Hingen. ®« allgemeine <&egel fo man ba»on 
geben fann, ift biefe: Söennüber etliche «3loten Stricbelcben ftehen, müflen Die- 
selben halb fo lange Hingen, «I* fe an unb »or ftcb aelten. (Steht aber nur 
Über einer SZote, auf Welcoe etliche »on geringerer ©eltung folgen, ein Stricbelcben: 
fo bebeutet folcheS, nicht nur bafc bie 9lote halb fo fürs fehn foü, fonbern 
t>a% fte auch jugletcb, mit bem «Sogen, bureb einen ©ruef marfiret werben mufc. 
Sllfo werben aus <23iert&eüett, Slc&tt&eife, wnb auS «arbeiten eecfoebntljeite «. f. W. 
Oben ift gefaget werben, ba% be» ben Sioten über welchen Stricbetcben 
ftehen, ber «Boaen »on ber Se»te ttmai abaefeset werben muffe, ©iefeS »er- 
flehe ich nur »on lolchen SKoten, be» benen e« bie üett leibet. «211(0 »erben 
im Slltegro bie Slcbttbetle, unb im Slllegretto bie Sechsebntbeite, wenn bereit 
»iele auf einanber folgen, baöon ausgenommen: benn biefe muffen swar mit 
einem ganj lurjen «Sogenftricbe gefirietet, her «Soaen aber niemals abgefegt, 
ober »on ber Sehte entfernet werben, ©enn wenn man ihn alleseit fo weit 
aufheben wollte, als jum fogenannten Slbfe$en erfobert wirb, fo würbe ntety 
3eit genug übrig fe»n, ihn wieber ju rechter 3eit brauf 8u bringen, unb btef« 
%vt 9?oten würben Hingen att wenn fte aebaefet ober geheitfehet würben. 

3n einem Slbagio rönnen bte SKoten, fo unter ber concerttrenben tottmm« 
eine «Bewegung machen, wenn auch leine Stricbetcben brüber ftünben, bennoc^ 
atS ein halb ftaccato angefehen, unb folglich ixoifäen einer jeben <3*ote, ett 
Hein Sttttfcbwetgen beobachtet werben. 

«2Benn über ben STCoten «puttete ftehen, fo muffen fotehe mit einem furjet 
«Sogen toeftret, ober geftöien. aber nicht abgsfe^et werben. <2t$t über ben 



152 £>eö XVII. SauptftücE« II. Sibfdmitt. 

Matteten no$ ein «ogen, fo muffen bie Sftoten, fo viel [202] beten ftnb, in 
einem <Sogenftri3>e genommen, unb mit einem ©rucie marfiret werben. [*)] 

28. §. 9Zid)t allein bie richtige (£tntt;eilung ber <33ogenftri<$e, nid)t allem 
ba« ju regtet 3eit §u braudjenbe ftarfe ober f<$wa$e Siufbrüden be« «Bogen« 
auf bie Gelten, fonbern aud> ber Ort an wettern bie Seiten bamit berühret 
werben muffen, unb wa« ein jeber $£eit be« <23ogen« für 5?raft f>abe, ift benen* 
jenigen gu tt>iffen nöt^>ig, bie Un <23ogen red)t führen, unb bamit gute ^Btr» 
lungen hervorbringen motten. <£« fömmt viel barauf an, ob ber 93ogen na^e 
am Stege, ober weit von bemfetben gefügt wirb, au<$ ob man bie Seiten 
mit bem unterften S^eik, mit ber SO^itte, ober mit ber Spi^e be« «Sogen« 
auftreibet. Seine größte Stärfe liegt im unterften Steile, ber ber regten Äanb 
ber nackte ift, bie mäßige Starte liegt in ber 9Jlitte, unb bie fc^wäcitfte be$ 
ber Spi$e be« 33ogen«. ^Birb nun berfetbe attjuna^e be^m 6tege gefügt, 
fo wirb ber Son jwar f^neibenb unb ftarf, aber au<$ jugteid) bünne, pfeifenb, 
unt> ftratjenb: befonber« auf ber begonnenen Seljte. ©enn bie Seiten ftnb 
gan§ na^e am Stege ju ftarf gewännet: folglich §at ber «Sogen bie (Sewatt 
nict>t, biefetben in einen, mit bem übrigen langen Steile ber Se^te in gehörigem 
«Behalte ftef>enben, gleiten Sd>wung ju bringen, um bie erfoberti^e 3itterung 
ber Setyte ju erregen. 

®a nun biefe« be^ ber 93ioüne feine gute <2Btrfung t^ut: fo ift leidet ju 
erachten, ba% e« be^ ber «Sratfc^e, bem <23iotoncell, unb (lontravtoton, nod) viel 
fd)led)ter Singen muffe: befonber« weil auf biefen 3nftrumenten bie Seiten um 
fo t>iet biefer unb länger fmb, o» auf ber «Biotine. Hm aber barinne bie rechte 
<%laafa su treffen, £atte ici> bafür, t>a%, wenn ein guter 93iotinift, um einen 
bitfen männlichen Son Ijerau« p bringen, hm «Bogen einen Ringer breit vom 
Stege abwärt« führet, ba% at«benn ber «Bratfc^ft bie Entfernung von $h>eenen, 
ber 93iotoncetlift von i>re$, bi« t>kx, nnb ber eontravtotinift von fecfyS 
Ringern breit nehmen müjfe. <2Kan merfe, ba£ auf ben bünnen Seiten eine« 
leben 3nftrument«, ber «Bogen tttoa* nä^er am Stege,^ auf bm bitfen Seiten 
aber, etwa« weiter von i^m abwärt« gefü^ret werben fönne. 

<2ßitt man hm «Son in ber Stärfe warfen taffen, fo fann man, in wä$» 
renbem Streiken, ben «Bogen fefter aufbrühen, unb etwa« näfjer gum Stege 

[*) g tt t>en SKanuffrtyten be$ 18. 3a$r$unbert« erföeint pufig über 9*oten von 
gleicher S3e»egung in ben (meift begteitenben) 93iolittfttmm en eine SBettettlime 

777 ir r r r f 

Gie bebeutet eine teilte etaftierung auf einen 23ogenftri<$, im Sinne von 

J J J 1 J J J J J 

«)ie Qlnna^me, e^ »erbe bamit eine „Hebung" geforbert, läft fl# nifyt na^tt>eifen unb 
»iberf^ri^t meift bem (Sfjarafter ber betr. Stellen.] 



1 



Vj 



9Son ben 9ltyien»9Siotmifien in#&efonbere. 153 

fübren tt>obur$ ber Sott ftSrler unb fdmeibenber wirb, 'Set? [203] bem <£iano 
aber totm ber «Bogen, auf einem jeben Snftrumente, nod? tttoa* »eifer, att 
oben gefaget morben, »om 6tege abtt&rtt gefügt werben: um bie Seiten mit 
ber 9XäfHgung beS Cogens beffo leichter in S$»rotg ju bringen. 

29. §. 33e9 einigen 6tü<fen pfleget man ©ämpfer ober Gorbmen auf 
bie gsioßne) 93ratfd)e, unb ben 93totoncell ju fe^en: um fo W|I ben Slffect 
ber £iebe, 3ärttid)feit, e^meidjete^, Sraurigfett, au$ **#!, »erat ber (Som* 
ponift ein 8MH barnad> einzurichten toetS, eine toütenbe ©emütSbetoegung, att 
bie Verwegenheit, 9tafere$ unb Versteif etung, befto lebhafter au^ubrüden: 
ttjosu gettriffe «onarteit, att: <£ moll, € mott, $ moll, €* bur, fi moll, 91 bur, 
unb (£ bur, ein 93iete$ beitragen ttroten. ©ie 6orbinen werben au« unter* 
fd)iebenen Materien, att: £ot$, «ta>, SKeffmg, ^Slec^ unb Sta|>t gemacht. 
©ie t>on Äols unb 9?£efftng taugen gar nichts, »eil fte einen f^narrenben Son 
öerurfadjen. ©te t>on eta^l ftnb eigentlich bie beften, rotnn fte nur if>r gehörige«, 
ben 3nftrumenten gemäss ©ettric^t £aben. ©ie ©ämpfer jur <23ratfd)e unb 
&um 93ioloncelt muffen mit ber ©röf e biefer 3nftrumente in richtigem <23er|>atte 
fte^en, unb folglich immer ju bem einen 3nftrumente größer aU sunt anbern 
fe^n. S4 erinnere $ier beiläufig, ba% bie blafenben Snftrumentiften beffer tfmn, 
wenn fte, anstatt Rapiere« ober anberer Sachen, ein 6tütf feuchten 6<$!Pamm 
in bie Oeffnung tyrer 3nftrumente hinein fteden, wenn fte biefelben bämpfen 
wollen. 

30. §. <8e9 Un ©ämpfern ift w merken, ba$ man in tangfamen 6tü<fen 
mit Sorbinen, ttt#t mit ber größten Starte be$ <23ogen$ fielen, unb bie bloßen 
Seiten, fo ml att mögltd) ift, ttermeiben muffe, <23e9 gesteiften 9*oten lann 
man ben 93ogen ettt>a$ fefte aufbrühen. <2Bemt aber bie SJletobie eine öftere 
<2Bieber$otung be$ 93ogen3 erfobert, fo t^ut ein furjer, unb burd) einen ©ru<f 
belebter, letzter Strid), beffere SBirfung, att ein langer, gesogener, ober fötep» 
penber Strich bod) mu£ man ftc^> gerinne nad? ber Sadje, bie man au fpteten 
i)at, rieten. 

31. §. ©iefe Stelle be$ 93ogen$ vertreten suweiten bie Ringer, bur<$ ba$ 
9?eiffen ober Kneipen ber Seiten, welches bat fogenannte ^igjicatO ift. 
©iefeS madjen bie meiften me^rent^eitt mit bem ©aumen. 3<$ toitt nxfyt in 
<2ibrebe fe^n, ba% ein guter 93iottntft, fotdjeS ni<$t auf eine an*[204]genefcme 
Qlrt su ma^en, unb fo su mäßigen »iffen fottte, ha% man ba« ^luff^tagen ber 
Se^te auf baß ©riffbret nid)t bemerfe. gCßeit aber nid)t ein jeber gerinne eben 
biefelbe ©efdjtftic^eit beft^t, inbem man öfter« »abnimmt, baf e« t>on mannen 
fe^r ^art ttingt, unb bie barunter gefugte ^Birfung ni«^t allejeit erfolget: fo 
befmbe i^ für nöt^ig, meine SKe^nung hierüber §u entbed en. [Qu. empfle^f, bie 
6aite beim ^issifato, um e« aß natürliche 9^ac^a^mung beö ßautenf^iel« empfmben ju 
taffen, nic^t mit bem ©aumen, fonbero mit bem 3etgefmger fetttoärt« ansurei^en. 9lur 



154 



5>e* XVII. ibauptffütfS II. Slbfömtt 



bei breiftimmigen Slfforben fönne jener gebraust werben.] 93eJj einer Keinen 9Jluft( 
in ber Kammer, bürfen bie Seiten iri#f ju ftarf geriffen »erben, toenn e$ mdE>t 
unangenehm Hingen fott. 

32. §. 93om ©ebraudje ber Ringer ber Knien &cmb ift ju merfen, ba§ 
bie 6tär!e be$ «HufbrütfenS berfelben, jeberjeit, mit ber Starte be$ 93ogenftricH 
in rechtem 93er|>atte fielen muffe. 2ä%t man ben §on in einer Äattung 
(tenuta) an ber Starte warfen: fo muf au<$ ber Ringer, june^menb auf ge- 
brütet werben. Hm aber ju t>ermeiben, baf* ber $on ntcfyt $i>f>er toerbe, mu£ 
man ben Ringer gteic^fam mwermerft jurüdi gießen, ober biefer ©efa|)r burrf) 
eine gute unb ni$t gefcfyttrinbe Hebung abhelfen, diejenigen, n>etd)e bie Ringer 
attju^od) aufgeben, Pflegen gtt>ar einen fcfyarfen dritter §u fragen, pe finb aber 
babe^ ber ©efa^r au£gefe§et, [205] ba£ fte gar leicht fatf<$, unb gemeiniglich 
ju §oä) greifen, befonberS in ben SDMtbnen: nrie benn auefy bety tyntn ba$ 
fiaufroert mefyvmityiiU ungleich unb nid>t runb Hingt, weit fie bie Ringer, wegen 
£lngteid$ett tyrer £ünge, ungteid) abwecfyfetn. ©er Heine Ringer ift o^nebem 
gemeiniglich f<$n>äd)er <M bie axibtxn brety, belegen muf man fuc^en ein 
Mittel 5U finben, bie Starte in ben brety langem Ringern &u mäßigen, bagegen 
aber bem Keinen Ringer bnvd) eine 2lrt t>on fcfyneöem (Silage au Äütfe ju 
fommen, um atfo ba$ gehörige 93er$ättni£ mit bm anbern ju treffen. Heber- 
fyaupt fotlten atte jungen 93ioliniften ben Heinen Ringer fleißig üben: unb jwar 
mefjr als etneS £öcfyftnöt£igen QSort^eitS wegen. 

33. §. ©a$ fogenannte mezzo manico, ba bie ioanb um einen falben, 
gangen, ober mehrere Sbne weiter auf bem ©riffbrete hinauf gefettet wirb, giebt einen 
großen 93ortf>eil, nicfyt nur um bie btofjen Seiten, welche anberä Hingen, als 
wenn bie ^iuger barauf ftef>en, bety gewiffen ©etegen^eiten §u Dermeiben, fonbern 
auct> nod» in bieten anbern Ratten, f>auptfä$ücfy im (Eabenjiren. 3. <E. 33e9 
benen Qab. XXII. $ig. 50. 51. 



[Sab. XXII.] 

Sig. 50. 
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Sig. 51. 



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angemerkten Säuen, finb bie dritter mit bem britten Ringer gemeiniglicfy beffer, 
aU mit bem Heinen, gu machen. 

9ERan berfuc^e bie bre$ <£rempet, Sab. XXII. #ig. 52. a) b) c) in ber 
gewöhnlichen £age, unb rücfe barauf bie ioanb einen Son ^ö^er, fo baf* man 



Q3on ben SRfpien-^ioUniften inSbefonbere. 155 

bfy a), anstatt t>eö dritten ^ingerg, ben tft>fytm, unb bei? b) unb c) anftatt 
be£ atoe^ten fltatpwl ben erften brause: fo ttrirb man batb, toegen be$ ©leid^>* 
lautg, einen großen llnterf<$ieb in ber ^u&ta^me bemerken. [*)] 

34. §. SJÖenn bie concertirenbe Stimme nur t>on Biotinen begleitet ttrirb, 
fo mu§ jeber 93totinift n?o|>I 2l^tung geben, ob er eine pure SDttttetfttmme, ober 
eine, in genriffen Keinen Sä$en, mit ber concertirenben abtoecfyfetnbe Stimme, 
ober ein «Baffet^en, ju fptelen £abe. [**)] <23e9 ber 9Jlittetftimme muß er bie 
Stärfe be$ SToneS fe$r mäßigen, ^enn er etioaS abtoec^fetnbeg £at, fann er 
ftärfer, btö 93aff et^en aber nod) ftärfer fpieten: abfonberttc^, toenn er t>on bem 
(Eoncertiften, ober au<$ öon i>m 3u$ßrern, toeit entfernet ift $>abm bfybt 
93iolinen nur Sftittetftimmen, fo muffen fte auty in einerlei Stärfe fpieten. 
&at bie ätoe^te Violine im [206] 9?itoroetl, gegen bie erfte eine ä£ntid>e SPtelobie, 
eg fe$ in ber Serge, Sejte, ober Quarte, fo fann bie gtoeljte mit ber erften in 
einerlei Starte fpieten. 3ft eS aber au$ nur, nrie im obigen gälte, eine 
9Dttttelftimme, fo muß bie gtoe^te 93iotine ebenfalls ben Son ettoaS madigen: 
toett bie ioauptftimmen attegeit mef>r als bie SOttttetftimmen gehöret derben muffen. 

35. §. <2öenn bie ^Jioliniften eine f<$tt>a$e concertirenbe Stimme gu be- 
gleiten £aben, fo muß fol<$eS mit vieler Mäßigung gefc^c^en. Sie muffen bie 
5lrt beS ^ccompagnementS tt>of>l betrachten: ob bie ^etoegung beffelben, au$ 
gefdjtoinben ober tangfamen, au* gleiten ober fpringenben 9^oten befiele, ob 
fotcfyeS tiefer, ^ö£er, ober mit ber (Eoncertftimme in berfelben ©egenb gefe^et 
fe^, ob e$ jtoe^ bre$-- ober trierfttmmig fe$, ob bie Goncertftimme einen fc^mei* 
d>elnben ©efang, ober ^affagien gu fpieten Ijabe, ob bie ^affagien au$ toeit- 
täuftigen Sprüngen, ober au& rottenben 9?oten befte^en, unb ob biefe 9ioten 
in ber Siefe ober Äi5|>c ftd^ befmben. ©iefeS alte* erfobert eine große <33e* 
^utfamfeit. 3. <£. <£ine glitte ift in ber Siefe rti<$t fo bur^bringenb, ate in 
ber &%, befonberS in SOMtönen; fte ttrirb auä), t?on re$t$tt>egen, ni<$t attegeit 
in einerlei Stärfe, fonbem, nad)bem e£ bie Sac^e erfobert, batb f<$toa<$, batb 
mittelmäßig, batb ftarf gefpietet (fin gleiches faßt and) bep f^toad^en Sing* 
ftimmen, unb anbtxn ni<$t atlguftarfen 3nftrumenten t>or. ©ie 93iotiniften muffen 
atfo beftänbig 2l(^tung geben, ba§ bie concertirenbe Stimme niemals unterbrütfet, 
fonbem aHejeit t)or anbern gehöret toerbe. 



[*) ffür eine rationcKe 2lm»enbung ber stoeiten Sage ober falben ^^Ucatur^ tvitt 
nament«<^ ßeopolb m>%<ivt (gSioltnfc^ute, 2. ^uff. e. 159 ff.) ein, was auf bie ^iolintoerfe 
feinet 6o|»ne« f^embar nic^t o^ne €inf(u§ blieb.] 

D „93affet$en* ift ^ier ni^t ein «eines ^aßinftcumettt, fonbem nac^ Ä. <L Äo^, 
9^ufital. ße^on (1802) „biejemge etitnnte, bie, fo lange bie eigentliche <&<x% ftimme W»eigt, 
fcie ©runbftimme mac^t ©iefe« gefc^ie^t gemeimg«$ in einer ^ö^ern Octaoe; 5. & wenn 
hh QStole be$ fc^weigenbem ^affe bie ©nmbftimme fü^rt."] 



156 



©eg XVII. Sauptftüifg III. 2tf>f#nitt. 



ü V<V,V^ : V^:V,V.,V. .^:\*\*.^ .?..*. ■>'.■:*'.■> 



©e$ XVII. §<mptftüm Po?] 

III. Slfcfc^mtt 
QSott bem Q3ratf<^iftcn inöfcefottbere* 

1. §. ©ie 93raffcf)e rotrb in ber SDßujtf me|>rentf)eitS für etwas geringes 
angefefjen. ©ie £lrfad)e mag wo!)l btefe fetyn, weit biefetbe öfters son folgen 
^erfonen gefpietet wirb, bic entweber nod) Anfänger in ber Sftuftf ftnb, ober 
bie feine fonberticfyen ©aben $aben, ft$ auf ber 93iotme |>eröor ju tjjun,. ober 
auc^ tt>cit biefeS 3nffrument feinem Spieler attsuwemg 93ort^eil bringt: weS* 
wegen gefeilte £eute fid) nitf)t gerne baju brauchen laffen. ©em ungea$tet 
f>atte i$ bafür, ba£ ein SSratfc^ift eben fo gefeilt fetyn muffe, als ein swe^ter 
93iolinift: wofern baS ganje $lccompagnement ni$t mangelhaft fe$n foß. 

2. §. <£r mufj nicfyt aHein einen eben fo guten Vortrag im Stielen §äbm, 
als ber ©iolinift, fonbern er muf* gleichfalls etwas t>on ber Äarmonie serfte^en: 
bamit er, wenn er, Wie in Soncerten übti<$ ift, juwetten beS 93afftften Stelle 
vertreten, unb baS 93affetcfyen fpielen muf, mit «Be^utfamfeit ju fpteten wijfe, 
unb ber doncertift ni$t mefn: Sorge für i$n, als für feine eigene Stimme 
fyabm bürfe. 

3. §. <£r mufj in feiner Stimme beurteilen fönnen, welche Sftoten fangbar 
ober trocfen, ftarf ober fd;wa<$, mit einem langen ober furzen 93ogen, gemietet 
werben muffen: imgteict)en ob er nur jwo tövc me^r 93iotinen, siet ober Wenig 
SSäffe gegen ftcfy fyabt: unb fo er bie ©runbftimme 5u fpieten $at, ob bie con-- 
certirenbe ftarf ober fcfywacfy fpiete, ob baS Stütf traurig, luftig, prächtig, 
fd)mei<$etnb, mobeft ober fre<$ gefe^et fe$: [208] inbem er, bety einem jeben 
Effecte, fvfy mit bem 33affetcf)en bamacfy rieten, unb ber Öberftimme be-- 
quemen muf*. 

4. §. (Er mu£ unterfdjeiben, ob er 2lrien, (Eoncerten, ober anbere Wirten 
»on SÖtufif ju begleiten f>abe. 93e^ ( 2lrien fßmmt er leicht bur$: weit er attba 
me^rent^eitS nur eine pure SDföttetftimme, ober tttoa ben <23afj mit gu fpieten 
§at. 3n (Eoncerten aber giebt eS öfters ein me^rerS p tJjun, inbem bisweiten 
ber 93ratfcfye, anstatt ber yvfytm Biotine, bie 9?a<$a|>mung, ober eine ber 
öberftimme äfmlic^e SOtoobie gegeben wirb: gugef^weigen baf bie ^ratfcfye 
au$ wof>t bisweiten ein fx ngenbeS 9tttoroett mit bm 93iolinen im ünifon fpieten 



93on fcem SSratfdjtften inSbefon&ere. 157 

mn% weldjeS be$ einem ^bagto befonberS gute «Söirfung t£ut ioat nun ber 
^Sratfcfyift, be$ bergleicfyen Slmftänben, feinen beutlicfyen unb angenehmen Vortrag, 
fo wirb burd) i$n bie fünfte Gompofition serborben: befonberS wenn in einem 
folgen Stüde eine jebe 6timme nur einmal befe^et ift 

5. §. < 3a3itt man noefy weiter ge£en, fp wirb öon einem guten «öratfe^iften 
erfobert, i>a% er au<$ im 6tanbe fe$, felbft eine concertirenbe Stimme, eben fo 
gut als ein 93iotinift, ju fielen: jum <2f erntet, ein concertirenbe^ Srio, ober 
Quatuor. 955er weis, ob nicfyt biefe fcfybne 2lrt x>on < z8l\x$t i§o eben belegen 
mtyt me^r fo, wie tfytbtm, in ber Sftobe ift: weil nämtiefy bie wenigften SSrat» 
fc^iften auf i$r <2öerf fo *riel ^tei^ wenben, als fie follten. 93iele glauben, bafc, 
wenn fie nur ttuoa$ weniges t>om Sacte unb ber <£int£eilung ber 9loten t>er* 
ftünben, man »on i^nen alSbenn nid)t3 me^rereS »erlangen fönnte. ©o$ btefeS 
<23orurt£ett gereichet gu tyrem eigenen Schaben, ©enn wenn fie ben gehörigen 
<5leif anwenben wollten, tonnten fie in einer großen Sftufif leicht i^r ©lud *>er- 
beffero, unb naefy unb na<$ weiter hinauf rüden: anftatt bafj fte me^renteifö, 
bis an i^r <£nbe, ber 93ratf(^e nicfyt loS werben. 3a man fyat SSe^ftriele, ba$ 
£eute, bie ftcfy in ber SKufif befonberS $ert>orget|>an, in i^rer 3ugenb bie SSratfdje 
gefpielet ^aben. 5luc^ nad)ge£enb£, ha fie fcfyon §u etwas niedrerem tüchtig 
waren, fyabm fie ftcfy tnelleicfyt nityt geftf^ämet, biefeS 3nffrument, wenn eS bie 
9£ot erfoberte, gu ergreifen. 3um wenigften empfinbet berjenige, fo aecom» 
pagniret, me|>r Vergnügen »on ber SKuftf, als ber, welcher bie Goncertftimme 
fpielet: unb wer ein wahrer 'SOluftfuS ift, ber nimmt Qlnteit an ber gangen 90tufW, 
ofme fidj) gu befümmern, ob er bie erfte ober te$te Partie fpiete. [209] 

6. §. <33or allen wtllfü^rßcfyen 3ufä§en ober *2luSgierungen in feiner 
Stimme, mu§ jicfy ein guter *3ratfc^ift giften. 

7. §. ®te 2ld)tt^eite in einem Slllegro muf* er mit einem gang fargen 
SSogenftri^e, bie Q3tert£eile hingegen, mit einem etwas längern fielen. 

8. §. ioat er mit ben 93ioliniften einerlei *2Irt 9toten, fte mögen gefd^leifet 
ober geftofjen fe^n, fo mufjj er ft<$ naefy tyrer *2lrt gu ftrieten rieten, eS fe$ can* 
tabet ober lebhaft, ©iefeS wirb abfonbertid) nöt^ig fe^n, xt>tnn er ein 9tttorneU 
mit ben 93iolinen im Hnifon gu fpieten £at: benn ba mu% er eben fo cantabet 
unb gefällig fpieten, als bie Ö3ioliniften felbft: bamit man nityt gewahr werbe, 
ba% e^ oerf^iebene 3nftrumente ftnb. Aaben aber feine ^oten eine 2le£nli$feit 
mit bem ^Saffe, fo mufj er fotd^e tbm fo emft^aft alö ber 95a^ vortragen. 

9. §. 3n einem traurigen Gtüde, muf er feinen ^Sogenftri^ fe^r mäßigen, 
unb benfetben nic^t mit Äeftigleit ober allaugro^er ©ef^winbigteit bewegen, 
feinen garten unb unangenehmen ©ruef mit bem 'Slrme ma<^en, nicfyt ju ftarf 
auf bie 6etyten brüden, ni$t gu na^e am Stege fpielen, fonbern ben ^ogen, 
befonberS auf ben biden Seiten, wotyt %mmt Ringer breit baioon abwärts 
führen: f. ben IL 2lbf<$nitt, 28. §. ©ie ^c^tt^eite im gemeinen geraben, ober 



158 $e$ XVII. ÄmiptftücfS III. ^bfönitt 

bie 93tert£eite im Sittabreaetacte, mu§ er, in biefer 2lri tangfamer Stü<fe, nid?t 
p furj unb trotfen, fonbern alte unterhatten, angenehm, gefällig, unb mit ©e= 
laffen^eit fpieten. 

10. §. 3n einem cantabetn Slbagto, fo au$ Sichtweiten unb Sed^efm- 
teilen befielt, au<$ mit fd^aften ©ebanfat untermif^et ift, mu£ ber <23rat- 
fd>ift alte furjen 9foten mit einem teilten unb fur§en ^ogenftridje, unb jtoar 
mcfyt mit bem gansen Slrme, fonbern nur mit ber iöanb, burdj bie ^etpegung 
be$ erften ©elenfeS, ausführen, and) babep weniger Stärfe at$ fonft gebrauten. 

11. §. 3Beit eine <3ratf<$e, toenn e$ ein gutes unb ftarfeS 3nftrument 
ift, gegen i>ier, and) tt>o£l fec^ö 93totinen gutängti^ ift: fo mu§ ber ^ratfcfyift, 
sofern nur ettoo jtoo ober bret> 93iotinen mit tym firieten, bie Stärfe be$ 5one$ 
mäßigen, bamit er nidjt ben übrigen überlegen toerbe: befonberS [210] toenn 
nur ein 93ioloncetl, unb Jein Gontramoton ft<f> babe$ befinbet. ©ie bittet- 
ftimme, toetc^e, an unb &or fxd), bem 3uf>örer ba$ rcenigfte Vergnügen machet, 
barf niemals fo ftarf al$ bie imuptftimmen geboret toerben. ©einlegen mu§ 
ber 93ratf<$ift beurteilen, ob bie 9ioten, fo er §u fpieten fyat, melobiöS ober 
nur ^armoniSS pnb. ©ie erftern lann er mit t>m 93iotinen in gleicher Stärfe, 
bie anbern aber ettoaä fct>tt>äd)er fpieten. 

12. §. £>at ber «Sratfcfytft aufteilen bie ©runbftimme, fo tann er fte 
etn>a$ ftärfer aU bie übrigen 9Kittetftimmen vortragen, ©ocf> mu£ er alteseit 
auf ik Concertftimme työren, bamit er fpte^e nxtfyt übertäube. Xlnb wenn 
biefelbe batb ftärfer batb f^toa^er fpietet, mufc er jtd) gleichfalls mit ber 
Stärfe unb S<$n>ä$e bamad) rieten, unb ba$ 51b- unb 3une£men be£ SoneS 
mit alten gugleid^ beobachten. 

13. §. kommen 9Zac$a£mungen gettriffer Sä§e ber $>anpt* ober ber 
©runbftimme i>or, fo muffen folc^e mit ber Stimme toet^er fte nahmen in 
gleicher Stärfe gemietet »erben, (fin fogenannteS S^ema ober ioauptfa^ einer 
<5uge aber, imgteic^en fonft jeber ©ebanfe in einem ßoncert ober anbern Stütfe, 
ber öftere nrieberfjotet wirb, mn% bnvd) hk Stärfe be£ £one3, mit 9ta$brutf 
erhoben unb marfiret toerben. Äier^er getreu auefy bie langen 9fc>ten, fte fetyn 
^{er^eile, $atbe, ober ganse Sacte, fo auf gefc^nrinbe 9Zoten folgen, unb einen 
%tfent|>att in ber £eb|>aftig!eit magern befonberS bie, sor benen ein Äreuj ober 
^ieber^erftetlungäjeicfyen fte^t. 

14. §. 2öirb *>on bem ^ratfe^iften verlanget, ein Srio ober Quatuor ju 
fpieten, fo mu£ er tooltf beobad)ten, tt>a$ t>or Wirten t>on 3nftrumenten er gegen 
\xd) Ijat: bamit er fxd) r toegen ber Stärfe nnb S<^n?äc^e feines SoneS, borna^) 
rieten Knne. ©egen eine Biotine tann er faft in einerlei Stärfe fpieten, 
gegen einen 93iotoneeUo unb ^affon, in gtei^er Stärfe, gegen einen iooboe 
ettoa« fc^toä^er: toeit ber Son gegen bie ^ratf^e bünne ift. ©egen eine gtöte 



<33on bem SMotonceflifien inSbefonbere. 159 

aber, befonberS wenn fte in betr Siefe faietet, muf er bie größte S<$wäc!)e ge- 
brauten. [211] 

15. §. ileber^aupt lömmt, be$ SluMbung ber «Sratfd^e, üiet auf eine 
proporttomrtidje Starte unb S<$wä$e beS SoneS an. <£$ würbe fcfywer fallen, 
wenn man alle öorfaUenbe ilmftänbe betreiben fottte. ©eSWegen wirb *>on 
einem «Sratfc&iften zhm fo met <Beurtf)eitung$fc;aft erfobert, als t>on einem ber 
bie ©runbftimme fpietet. 

16. §. Sßenn ber «Sratfc&tft, in <2rmangetun§ beS ^iotoncettS, ein Srto 
ober Solo begleitet, mu£ er, fo triet als möglich ift, allejeit eine Qcta&e tiefer 
ftrielen, at$ fonft, wenn er mit bem ^affe im Hnifon ge^t, unb wof>t Slcfyt 
$aben, t>a% er bie Qberftimme nic^t überfteige: bamit bie Quinten in ber ©runb- 
ftimme ni$t in Quarten aerwanbett werben. (Er wirb alfo tt>o|)t tun, wenn er, 
Ut) einem Solo, immer ein Sluge auf bie Qberftimme richtet, um ft$, tt>enn 
fte in ber Stefe ftrielet, au<$ barnacfy rieten p tonnen. 3. €. @efe$t, bie 
Qberftimme fyättt t>a$ eingeriebene 21, unb ber 93a$ fein £öd?fte$ ©: wollte 
ber <23ratfd)tft baffetbe auf ber fleineften Se^te nehmen, fo würbe an$ ber Quinte, 
fo bie Stimmen gegen einanber madjen, bie Quarte werben, unb alfo md)t 
biefelbe SQßirfung ifynn. 

17. §. ^öaS übrigen« Dorn ^ogenftric^e, $>om Stoßen nnb Schleifen, 
t>om 2lu$bru<fe ber 9loten, t>om 6taccato, t>om ftarf unb fc^wacfy Spielen, Dorn 
Stimmen, u. f. w. im vorigen, unb im legten Slbfdjnitte sorfömmt, fann ftci> 
ber 93ratftyift, tUn fo wo^l, aU bie ^tyien^iotiniften ju ^u^en machen: m$ 
attein, weit tym fot<$e$ alles ju wtffen nöt^ig ift, fonbern au$, weit td) »er- 
müde, ba£ er nidjt immer werbe «Sratfd&tft verbleiben wollen. 



3)e$ XVII. #au£tftü<fö m 

IV. Slfefdjniff. 

QSon bem QSioIonccttiftcn ingfcefonbere* 

1. §. SKkr auf bem QSioloncell rncbf nur accompagnitet, fonbern aufy 
6oto fielet, tbut fe^t wobt, »erat er jwe^ befonbete 3nfftumente bat, eine« 
8um Soto, ba$ anbete pm 9tynenfpielen, beö großen Söhtftten. ©a« ledere 
mufj gtöfcet, unb mit btdetn Seiten bejogen feiw, als ba$ etftete. «3Bottte man 
mit einem Seinen unb fcbtt>a$ bejogenen 3nfttumente betybeS »etticbten, fo wütbe 



160 ©e3 XVII. ÄauptfliWK IV. Slbfönitt. 

bai Slccombagnement in einer 8 ablreid>en W« 9« «eine «2ßitfung t&utu ©er 
um <*i»ienftieten beftitnmte «Sogen, mufj aud> ftärler, unb mit fdjwarsen 
Äaaren, al« »on welchen bie 6e»ten fd>arfer, al« *>on ben wei&en angegriffen 

tperben, belogen feiw. , f 

2. §. ©er «Sogenftricb mufj vMft p na$e be»m Stege, fonbern wobl 
bre» m »ier Ringer breit baoon abwärt« gefügt »erben, f. ben II. JU&ftyntt, 
28 § einige (treiben mit bem -Sogen fo, wie e« bei? ber «Siota ba ©amba 
üblich ift, nämlicb: anftatt $e« äerunterftricb«, »on ber lini en jur rechten Äanb, 
be» ben Äauptnoten, macben fte ben Äinaufftrich, »on ber rechten 8 ur fallen, 
unb fangen mit ber 6^e be« «Sogen« an. 2lnbere hingegen macben e« wie 
bie «Siotiniften, unb fangen benfelben Strich mit bem unterften «Shell be« 
«Sogen« an. ©iefe teuere 2trt ift beb ben Statiänern üblich, unb tbut nicht 
nur be»m Golofpieten, fonbern auch »ornehmlicb be? bem Slccombagnement, 
beffere «2ßirfang al« bie erfte: weit bie Äaubtnoten mehr Stade unb «Dfctchbruct 
erfobern, al« bie burchgebenben: welche ihnen aber, mit ber Spi$e nicht fo, al« 
mit bem unterften Steile be« «Sogen«, gegeben werben tonnen. ileberbaubt 
mufj ber «Sioloncellift bemühet femi, einen bieten, runben, unb mannten -ton 
[213] au« bem 3nftrumente gu bringen: wo 8 u bie Slrt, wie er ben «Sogen führet, 
unb ob er benfelben nahe ober weit »om Stege hält, ingleicben auch, ob er 
benfelben fte* ober fcbwacb auf bie Gelten brücfet, »iel beiträgt, mm er 
be» einer ftarten «SKuftf bie 3äriticbiett fo weit treiben, unb ftcb fo »emg hören 
laffen, bajj er, anftatt be« «Sogen«, bie Seiten mit einem $leberwifche p 
berühren fcbiene, fo würbe er wenig £ob »erbienen. ©ewiffe Heine «Serbreb- 
ungen be« Ceibe«, bie be» biefem 3nftrumente nicht aUeseit »ermieben werben 
iSnnen, wirb man ihm hoffentlich ju ©ute galten. 

3. §. Sin «Sioloncellift mufj ftch fluten, bafj er nicht, wie ebebem etmge 
grofie «Sioloncelliften bie üble ©ewobnbett gehabt haben, ben «Safj mit «Sanieren 
5 u »erbrämen, unb S ur unrechten 3eit feine ©efcbiflicbteit 5 u jeigen fueje. ©eroi 
wofern ein «Sioloncellift, wenn er bie ©ettfunft nicht »erffeht, im «Saffe wtll- 
rübrlicbe Sanieren anbringen will, fo tbut er noch mehr Schaben, al« ein «Sio- 
linift be» ber 9*i»ienftimme: befonber« wenn er folche «Söffe »or ftcb hat, über 
welchen bie Äaubtftimme in beftänbiger «Sewegung ift, um ben fimpetn ©efang 
mit 3ufä*en au8su 8 ieren. S« ift nicht möglich t>a$ einer be« anbern ©ebanten 
aUejeit erraten rönne, unb wenn auch belebe Stiche ©nfiebt Ratten. Xleberbem 
ift e« ungereimt, ben «Safj, welcher bie 3ierrat$en ber anbern Stimme unter» 
ftü^en unb ^armonib« macben foH, felbft m einer 2lrt oon Öberftimme ju macben, 
unb i^n feine« ernft^aften ©ange« ju berauben, babureb aber bie not^wenbigen 
3ierrat^en ber Öberftimme ju »er^inbem, ober §u »erbunfein. S« x\t »war 
nict)t su leugnen, bafj einige metobiöfe unb concertirenbe «Säffe be? einem <5oto, 
^txvaS »on 3ufa^e leiben, wenn nur ber 2lu«f#rer be« «Saffe« genugfame 



. 



93on bem 93ioloncetttften inSbefonbere. 161 

©nfi$i §at, unb tt>ei$, an freiem Orte eS fic^ tfmn täf t: unb tt>enn be£ fotc^er 
©etegen^eit, ettoaS »on 3ierrat£en auf eine gefeilte £lrt ^inpgefüget totrb, fo 
tt>irt> t)ie Sa<$e befto t>oMommener. ©od) toenn ber QStotonceHift fi<$ auf 
feine SQBiffenfc^aft ni$t f>inlängti<$ t>ertaffen fann: fo tft xfym ju ratzen, t>a% er 
lieber ben «Saf fo ftriele, nrie tf>n ber Somponift gefe^et %at, atö ba£ er ax\$ 
Xlntmffenfjeit fxd) in bie ©efa^r begebe, lotete ungereimte unb übetömgenbe 9Zoten 
P3ufe§en. ©in gefeilter 3ufat> ®m 3terrat£en ftnbet nirgenbS als bep einem 
Solo ftatt. ©od) muffen p ber 3ett, toenn bie .Sauptftimme, be$ ftmpetn 
9ioten, not^tpenbig etioaS pfe^en muf, bie 9loten be$ ^affeS ganj o£ne alten 
nrittlü^rtidjen 3ierrat|> vorgetragen toerben. &at aber ber 93a§ 9Za$aH214] 
mungen, fo lann ber ^iolonceöift eben biefetben Sanieren, bie tym t>orgema<$et 
toorben fmb, nad>mad)en. &at bie fiauptftimme Raufen, ober ^altenbe 9Zoten, 
fo lann er gleichfalls t>m «Safj auf eine angenehme 2lrt Joeränbem: toenn nur 
bie Äauptnoten im «Saffe mc£>t serbunfelt derben, unb bie 93eränberungen fo 
befd>affen ftnb, bafj fte feine anbere £eibenf$aft auSbrütfen, als ba& Stütf er* 
fobert. ©eStoegen mu§ ber Q3iotonceltift beftänbig fud;>en, bem Vortrage beffen 
fo bie Äauptfttmme fptetet, fo n>o$t in ber Stärle unb S$tt>ä<$e be$ SoneS, 
alö in Sluöbrücfung ber 9ioten, nad>jua£men. <33e9 einer ttottfttmmigen SJlujif 
aber, ift ben 93ioloncelliften gans unb gar nityt erlaubt, ttnltlü^rlid) ettt>a$ ju* 
gufe^en: nid)t allein, tt>eil bie ©runbftimme ewftfwft unb beutlicfy gemietet werben 
mu£, fonbern aud), toeit fotc^eS, toenn e£ bie übrigen pfiffe tUn fo matten, 
.eine grofe Q3ertt>irrung unb Xlnbeutlic^leit tterurfacfyen würbe. 

4. §. <23e$ einem traurigen <2lbagio, muffen bie langfamen 9?oten, nämtid> 
bie ^c^tt^eite im gemeinen geraben, unb bie ^iert^eile im ^Uabreöetacte, mit 
dnem getaffenen «Sogenftridje geftrielet toerben. Wan mu§ babfy md>t mit 
bem 93ogen, in einer Aaftigfeit unb (fit, bis an feine Spi^e fahren: benn biefeS 
n>ürbe btn Effect ber Traurigkeit t>er£inbern, unb bag ®e£ör beleibigen. 3m j 
^lllegro muffen bie 93iert^eite unterhatten, ober nouriffant, unb bie ^ttfjeite 
Sana lurj fleftrielet werben. 3m SIEegretto fo im «Slllabre&etacte gefegt ift, geljt 
£$ tbm fo. 3ft aber bai ^lllegretto im gemeinen geraben Sacte gefe^et, fo 
derben bie Qlc^tt^etle unterhatten, unb bie ©ec^e^ntfjeite furj gemietet, ©ie 
lurjen 9?oten muffen ni^t mit bem ganjen 2lrme, fonbern nur mit ber ioanb 
altein, unb stoar bur^ bie 93ett?egung beS erften ©etenfö berfelben gemietet 
tt>erben: n>ot>on im gtoe^ten unb fe^ften ^bfc^nitte ein me^rereö ju erfe|)en ift. 

5. §. 2ltfe flöten muffen in ber £age, fo toie fte' gefegt fmb, gemietet, 
unb nityt einige balb eine Öctaöe ljöt)er, batb eine tiefer genommen toerben, 
befonberS biejenigen, mit ti)etd)em bie übrigen Stimmen im ilnifon mit ge^en. 
©enn bergtei^en ^rten t>on 9Jlobutationen befte^en au$ einer förmigen ^al» 
welobie: unb biefe lann unb barf auf leine <2lrt aeränbert n>erben, Würben 
ibergteid)en 9?oten auf bem 93iotonceß eine Octaoe tiefer gefpietet, als fte gefe^et 

ll 



162 



$e* XVII. äauptftfci* IV. 2lbf$nitt. 



fmb: fo toürbe bie Entfernung gegen bie <23ioU-[215]nen nid&t nur ju tt>eit fe^n, 
fonbern bie 9*oten würben and) sugtei<$ bie gehörige Schärfe unb ßeb^afttgfeit, 
fo barinne gefu<$et wirb, vertieren. *2lnbere «Saroten, bie nxfyt mit bm übrigen 
6timmen im Slnifon ge^en, leiben nod) e£er, baf* man bann unb tt>ann, toenn 
fein (Eontra&iolon jugegen ift, eine Octaoe tiefer fpiele: boefy muffen e$ nicfyt 
metobtöfe, fonbern nur ^armomöfe, ba$ ift, fotetje ©änge fe^n, tt>et<$e für ft<$ 
leine eigene SWetobie machen, fonbern nur jum ©runbe ber oberften ^Dlelobieen 
bienen. ©ie Sprünge, in bie Serse, Quarte, Quinte, Se^te, Septime unb 
öctaoe, auf* ober untewärtS, muffen ntcfyt umgefe^ret toerben: toeit biefe 
Sprünge öfters gu ^ilbung einer getmffen SÖZetobie bienen, and) fetten ofme 
2lbjtd?t t>on bem Gompomften gefe^et werben, f. Sab. XXIL <5ig. 53. <£ine 

l<$ab. XXIL] ffig. 53. 



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gleite 93etpanbtni^ £at e$, toenn ein ©ang i>on einem falben ober ganzen 
Sacte öftere ttrieberfjotet toirb, bod> fo, ba% biefelben 9ioten einmal um ba& 
anbere, eine Octa&e tiefer ober £öl?er gefe^et fmb, f. Qäb. XXIL ^ig. 54. 



ffig. 54 



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^ § , jrjt-^ft ', n cj i ^r ; ^a 



©n fotd&er SSafj mufc gefptetet werben ttrie er getrieben ift. ©enn wenn man. 
biefe Sprünge unteren tooltte, tsürbe ein ganj anberer Sinn £erau3fommen. 
6. §, < 2BeiI ber 93iolonceU, unter alten 93äffen, bm fd^ärfften Son tjat, 
unb feine Stimme am beuttid;ften auäbrütfen fann, fo ^at fein Spieler auefy 
*>or anbern ben 93ort£ett fcorauS, ba§ er, be$ SluSbrütfung be$ £\d)t§ unb 
Sd^attenS, ben übrigen Stimmen Reifen, unb ber ganjen Sac^e einen 9^ac^bru(f 
geben lann. Q3on tym f)ängt am meiften ab, in einem Stüde ba$ Seitmaaf* 
Up feiner 9?i^tigfeit, unb bie fiebfwftigfett ju unterhatten, ba$ ^iano unb 
gorte jur gehörigen 3eit auSaubrüden, bie öerfd^iebenen £eibenf<$aften, tt>el<$e 
in einem Stüde erreget »erben folten, ju unterfd^eiben unb imniax %u machen, 
unb alfo bem ßoncertiften fein Spielen gu erteiltem, (fr muf alfo Weber eilen, 
nod) nac$f<$teppen, fonbern feine ®tbanfm mit beftänbiger 5lufmerffamleit, fo 
tt)o^t auf bie Raufen, als auf bie 9toten richten: bamit man nic^t genöt^tget 



QSon bem 93iotoncelKften inäbefonbere. 163 

toerbe, tyn p erinnern, toenn er na$ einer ^paufe toieber anfangen, ober toenn 
er f<$tt>ac^ ober ftarf firieten foH. ©enn eS ift be$ einer 9KujtI fe$r unangenehm, 
tt>enn nacfy einer ^aufe, tep einem neuen (Eintritte, nic^t alte Stimmen pglet^ 
mit <£roft anfangen, ober tt?enn baS tyxano ober ^orte ni$t btp ber 9*ote, 
n>o eS getrieben ift, beobad)tet toirb: befonberS toenn eS an bem «Baffe fegtet, 
toel^er ber Sad)e ben größten SluSfe^tag geben muß. [216] 

7. §. 2Bofern ber 93iotoncetlift bie Setjfunft, ober pm toenigften ettoaS 
t>on ber Sarmonie verfielt, fo ift eS tym ein £eid)teS, bk t>erf<$iebenen fieiben- 
fc^aften, tt>et<^e in einem Stütfe t>on bem domponiften ausgebrütet finb, mit 
bem doncertiften auglei<$ p ergeben unb fennbar p machen. SHefeS ttrirb &on 
ber begteitenben Stimme eben fo too^l als &om (Eoncertiften gefobert, unb ift 
eine öoraügli<$e S$5n|>eit beS ^ccompagnementS. ©enn tt)enn nur einer feine 
Stimme gut, ber anbere aber fattftnnig unb nac£)täfftg vorträgt, fo ttriberfpridjt 
ber eine, fo ju reben, bm r tt>aS ber anbere bejahet: unb bie Su^örer f>aben, 
tt)0 nicfyt 93erbruß, bocfy nur baS |>albe Vergnügen. Joierp fann ber 93ioton* 
cellift letdjt gelangen, ioemt eS if>m ni$t an ber (Smpfmbung fehlet, unb toenn 
er nicfyt auf feine Stimme allein, fonbern auf baS ©ange bie gehörige $lufmerf* 
famfeit rietet. (Er muß ftd> $iernä<$ft biejenige Qlrt 9^oten belannt machen, 
n>el<$e öor anbern marüret unb erhoben tt>erben muffen, ©iefe finb, erftti<$ 
biejenigen, toetdje ©iffonanjen über flcfy fyahm, alS: bie Secunbe, bie fatf$e 
Quinte, bie übermäßige Sejte, bie Septime, ober bie 9Zoten, welche burd) baS 
^reuj ober baß ^teberljerftellungSäei<$en außerorbentttc^er toeife erf>i>£et, ober 
buxd) btefeS, unb baß runbe b, emiebriget »erben. Slud) gehöret £ier£er, toenn 
bie Öberftimme eine dabenj machet, unb ber «Baß orbentti^er 90ßeife eine Quarte 
über ftd), ober eine Quinte unter ft<$ p fpringen §at, um mit ber Oberjümme 
in bie Octat?e p ge^en, berfetbe aber burcfy einen betrug ober fogenannten 
inganno, nur eine Stufe £i$er ober tiefer ge^t: j. £. bie Öberftimme cabenjirte 
inS (E, unb ber 33aß fy&ttt anftatt ber Qcta&e mm (E, bie Serje öon unten, 
als % <&§, ober bie falfd^e Quinte <$%$, nacfybem eS bie Sonart erforbert, 
f. Qab. XXII. $tg. 55. üMer fyut eS nun eine fef>r gute SBirfung, totnn bie 
£ier ertPä^nten S^oten: % ^S, ^iS, mit bm 93iotoncelt marfiret, unb ettoaS 
ftärler als bie t>or$erge£enben 9loten angegeben tt>erben. ^enn eS aber in 
einem Stüde, befonberS in einem Slbagio, jur Äauptcabens ge^t, fo !amt ber 
93ioloncettift mit ben »or^erge^enben 5too, bre$, ober t>ier 9loten, auf gleiche 
( 3Beifc »erfahren, um bie 'Slufmerffamfeit ber Su^Brer auf biefelbe p lenlen, 
f. Sab. XXII. #ig. 56. 

[Sab. XXIL] Sig. 55. ffig. 56. 

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164 9eS XVII. äauptftatf* IV. 2t&f3>mtt. 

8. §. 93e^ Sigaturen ober gebunbenen 9ioten, tarn er bie jme^te, vorüber 
me£rent|)eil$ bie Secunbe unb Quarte gefe$et tvirb, burcf) bie 93erftärfung be$ 
SoneS tvadtfen taffen, bod? barf er ben <23ogen nidjt babfy rüden. [217] 

9. §. 3Benn in einem <?>refto, tvet<$e£ mit vieler ßeb^aftigleit gemietet 
werben muß, verriebene ^tt^eile, ober fonft fur^e 9Zoten, auf einerlei Sone 
vorkommen, fo iann er bie erfte im Sacte bur$ einen ©rud mit bm 'Sogen 
marfiren. 

10. §. ^unctirte 9?oten muß er atte&eit ernft^after unb fernerer mit bem 
<23ogen Rieten, aU ber 93iotinift: bie fotgenben boppelt gef^tvänjten hingegen, 
muffen gan§ fur^ unb fc^arf vorgetragen werben, e$ fe$ im gefcfytvinben ober 
tangfamen 3eitmaaße. 

11. §. ^Benn an einem 93iotoncell 93änbe [33ün*>e] ftnb, n>ie be$ ber 
93iota ba (Samba ublity ift: fo muß ber QJiotonceltift, be$ benen mit b beseid)* 
neten Sönen, bie Seiten, mit bm ungern, ein toenig über bie 93änbe hinaus, 
unb stvar ettvaS ftärfer nieberbrüden, um fotd>e fo viel £ö|>er §u greifen, aU 
e£ i^r Q3er|)att, gegen bie mit j?reu§en be^ei^neten Söne erfobert, nämtid) um 
ein ^omma. 

12. §. ©a£ 6otofpieten ift auf biefem Snftrumente zbtn nicfyt eine fo 
gar leiste 6ad)e. 30er ficfy gerinne ^ervort^un tvill, ber mvfy von ber 9latur 
mit fotdjen ungern verfemen fetyn, bie lang ftnb, unb ftarte Nerven |>aben, um 
tveit aus einanber greifen ju tonnen. 3Benn ficfy aber biefe notf)tvenbigen <£igen= 
f^aften, nebft einer guten 2lnit>eifung sugteid) bepfammen fmben, fo fann, auf 
biefem Snftrumente, fef)r viel Sd)ßne£ hervorgebracht tverben. 3$ f>abe fetbft 
einige große SOleifter gehöret, bie auf biefem Snftrumente bep na£e 'SBunber 
getrau ^aben. 3Ber bm 93iotonceH als ein £ieb|)aber ausübet, bttn fte^t e^ 
mit 9?ecfyte fre$, baäjenige am meiften barauf su treiben, toaß tym ba$ meifte 
Vergnügen machet: tver aber fein ioaupttverl bavon gu machen gebeutet, ber 
tfut tvo|)l, tvenn er jtcfy vor alten ©ingen erft btmtyet ein guter 2lccompagnift 
§u tverben: benn baburc^ ttrirb er be$ ber SDiuftf nü^Kc^er unb brauchbarer fe^n. 
Qßottte er aber, e|>e er no$ einen 9ftepienbaß re$t auszuführen tvüßte, fo gteicfy 
5um Solofpieten eilen, unb vielleicht belegen fein 3nftrument fo fcfytvacfy 
begießen, ba% man t£n be$ bem ^ccompagnement ntc^t föxm Unnit, fo tvürbe 
i^m bie 9Kufif tvenig ©auf fc^ulbig fe^n. (Er ttmrbe vielmehr von einem unb 
bem anbem £ieb|)aber ber 9Kuft!, ber fxfy fo tvo^t im 6olofpieten aU Qlccom* 
pagmren ^ervor t^ut, bekämet tverben. [218J ©a£ gute *2lccom|)agnement ift 
ba$ vorne^mfte, fo von biefem 3nftrumente eigentlid) erfobert U)irb. ^Benn nicfyt 
btö "2lccompagniren unb 6otoft>ieten in gleidjem ©rabe ber QSortreffli^feit 
fte^en, fo fyut ein guter Stccompagnift be^ einem Ord)efter me|)r ©ienfte, aU 
ein mittelmäßiger 6otofpieter. ®ie ^unft tvo^t su begleiten aber, läßt fid> 
n>eber für ft$ allein, noc^ auc^ bloß in großen ^Ölufifen erlernen, ^ßer jtcfy 



Q3on bem (Sontrattioiomften inöbefonbcre. 165 

barinne wSß feft fe^en tritt, mufc »tele gefeilte £eute inSbefonbere aecompagniren: 
unb toenn er ftrf> triebt t>erbrü§en täfjt, breiten Erinnerungen an^une^men, fo 
n>irb fein barauS p ^offenber <33ort£etf befto größer ftp. ©enn e$ ttrirb bod? 
fein SCReifter gebogen: fonbern ed mu§ immer einer öon bem anbern lernen* 



Tä*vüflfrv«HfrY 



®e£ XVI I. Satt|)tftü^ 

V, 2i6f$nttt 
Q5on betn (£onfrat)ioiomfteti ingbefonbere* 

1. §. SDftt bem großen 93ioton ge|>t e$, ttrie mit ber 93ratfd)e. <& nrirb 
ebenfattf üon 93ieten, nidjt in bem <2öert£e, unb i>on ber 9Zot$tt>enbigfeit ge- 
halten, tt>eld)e er boefy, tt>enn er anberS gut gemietet nrirb, in einer großen Sftuftf 
t>erbienet. <£ i fann fetyn, ba£ bie meiften, tt>e(tf)e p biefem 3nftrumente gebrandet 
werben, irietteicfyt nitf)t ba$ gehörige Satent £aben, ft| auf anbern 3nftrumenten 
bie foit>of>t «Jertigfett als ©efdjmatf erfobern, ^erttor 311 t^un. 3nbeffen bleibt 
e$ boefy eine aufgemachte Sacfye, baf ber ßontrainotonift, fottte er auef) ben 
feinen @efd?ma<J be$ Spielend nidjt fo gar ftSfpg £aben, bennod) bie Sarmcnie 
t>erfte£en, unb fein fd)ted)ter <3)Zuftfu$ fe^n mu§. ©enn er ift nebf* bem 93ioton- 
cetttften gteid)fam ba§ ©tet$getmcf)t, um bat 3eitmaa§, in einer [219] großen 
SRufK, befonberS in einem Ord)efter, too einer izn anbern ntcfyt attejeit fef)en, 
noefy red)t ^Bren fann, $u ermatten. 

2. §. ioierju ttrirb eine befonbere ©entließt im Spielen erfobert; tt>et(^c 
aber bie toenigften auf biefem Snftrumente befi^en. 93iete$ fömmt bahfy auf 
ein gutes 3nftrument an, 93ieleö aber auefy auf bm Spieler. 3ft ba$ 3nftru» 
ment aflsugro^, ober attsuftarf belogen, fo Hingt e$ unbeutttty, unb ift bem 
(gehöre nicfyt fcernefjmtid?. SßetS ber Spieler mit bem «Sogenftridje nic^t fo, 
n>ie e$ ba$ 3nftrument erfobert, umjuge^en, fo bleibt berfelbe $je£ler. 

3. §. ©a$ 3nftrument an fvfy, t^ut belfere <2ßirfung, »enn e$ t>on mittet* 
mäßiger ®rö§e, aud) nicfyt mit fünf, fonbern nur mit *>ier Seiten belogen ift. 
©enn bie fünfte Septe müfjte, toenn fie mit ben anbern in rechtem 93erf>atte 
fte^en foltte, fcfytoäcfyer at# bie vierte fe^n, unb toürbe fotgtid) einen triel bünnern 
Son, aU bie anbern, t>on fxä) geben. Solches tuürbe aber ni<$t nur be£ biefem 



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166 3>e$ XVII. ÄauptftücfS V. Slbfönitt. [ 

3nftrumente f<$äbli<$ feijn, fonbern aud) auf bem 93ioIoncett unb ber Biotine, f 

im «Jatt man fotd)e mit fünf Seiten bejte^en wollte, ©er fogenannte beutfe^e j 

93ioton t>on fünf big fec^ö Seiten, ift alfo mit 9?ec§t abgefd)affet worben. j, 

Sinb bfy einer SEftuftf jweene Sontra&iotone nötfng, fb fann ber tfot^U ttxoa§ J 

gröfer, aU ber erfte fe^n: unb waS bemfelben an ber ©entlief ett abgebt, erfe^et 
er atSbenn an ber ©ra&ität. 

4. §. (Sine gro§e Äinberung an ber ©eutticfyfeit machet e$, wenn auf 
bem ©riffbrete feine <23änbe [93ünbe] fmb. einige Ratten swar biefeS für einen 
ileberflufj, unb wobt gar für fcfyäbltcb. 2lltein biefe fatf^e Sfte^nung wirb burdj 
fo siele gefeilte £eute, welche mit «Bänben alle* nur mägtic&e auf biefem Snftru- 
mente rein unb beuttief) f>erau$ bringen, fattfam ttriberteget. ©ie unumgängliche 
9Zot$wenbigfeit, ba% auf biefem Snftrumente, wenn e$ anber* beutttcfy Mingen 
fotl, ^Sänbe fe^n muffen, ift ganj leidet gu erweifen. SSftan weis, ba£ eine furje 
unb bünne Seljte, wenn fte ftraff gewännet ift, bie Vibration, ober btn Schwung 
tnet f<$netter unb enger machet, als eine lange unb btcfe Se^te. ©rütfet man 
nun eine lange unb biefe Se^te, bie ntyt fo ftraff als eine furse gefpannet 
werben fann, auf ba$ ©riffbret, fo fdtfägt bie Se^te, weil i£re 3itterung einen 
weitem ilmfang einnimmt, unterwärts auf ba& fiots- [220] ©iefeS gemutet nun 
ni$t allein bie Vibration, fonbern serurfac&et aucfy nod) über biefeS, bafj bie 
Se^te nacfyfmget, unb nod) einen 9lebenton £8ren täfft, unb alfo ber Son 
bumpfi<$ unb unbeutticfy wirb, ©ie Seiten liegen jwar, vermöge be$ Stege* 
unb Sattete, auf bem 93ioton f<$on $ö$er als auf bem 93iotonceH, bamit ber 
9*ücff<$tag ber Seiten baS ©riffbret nicfyt berühren fotl: altein biefe« ift atS- 
benn, wenn bie Seiten mit bm SFingern niebergebrfitfet werben, nod) m<$t £in» 
töngtt<$. 6inb aber <3änbe auf bem ©riprete, fo wirb biefe joinbernif* ge- 
hoben, ©ie Seiten werben alSbenn, burd) baS 93anb, me£r in bie J5&!?e 
gehalten, unb fännen alfo il)re Vibration unge^inbert machen, unb folgtid) bm 
natürlichen Son, ber im Snftrumente liegt, fcon ft<$ geben, ©ie SSönbe geben 
and) no<$ biefen 93ort£eil, bafy man bie 5öne reiner als ofme biefelben greifen 
fann, unb bafj bie Söne, be$ welchen man, um fie anjugeben, bie Ringer auf- 
fegen mufj, mit b^n bloßen Seiten im Stange me£r ^nlicfyfeit behalten. 
SBollte man l^ierwiber einwenben, ba^ bie 53ünbe wegen ber Subfemitone, bie 
man atöbenn nicfyt unterf^eiben fönnte, ^inbertic^ wären: fo bienet jur Antwort, 
ba§ fot<$e$ auf bem dontraöiolon ni^t fo fc^äbtid) aU auf bem 93iolonce0 ift, 
weit man ben Sinterfdjrieb, fo fx^ jwifc^en benen mit Äreuj ober b bejeid^neten 
Sönen befinbet, in ber äu^erften $iefe, ni^t fo, wie be^ bm f>o£en ^8nen auf 
anbern 3nftrumenten, bemerfet 

5. §. ©er 'Sogenftridj mu§ auf biefem Snftrumente ofmgefä^r gegen 
fe^ö Ringer breit fcom 6tege äbtt>8xt§, unb fe^r furj gefü^ret, unb wenn e« 
bie 3eit leibet t>on ber Se^te abgefe^et werben: bamit bie langen unb biäm 



<23on htm Gontraöiotoniften inöbefonbere. 167 

Seiten tyren gehörigen Gattung matten fännen. (Er mv% auä) mef>rent£eit$ 
mit bem untcrften Steile, bis in bie SKittc be$ ^ogeng, unb mit einem 9?utfe 
gemacht, ni<$t aber £in unb £er gefäget werben: aufgenommen in gans traurigen 
Qtüäm, atfoo ber 93ogen jtoar t urg, bodj aber nicfyt mit fotcfyer Äaftigfeit gebrauchet 
nrirb. ©ie 6pit>e be£ ©ogen^ fyut überhaupt, auf er bem ^tano, toenig 3Birfung. 
<2Benn eine 9Zote befonberä marRret werben fott, muß fotcfyeS mit bem 93ogen 
rüdfoärtS, öon ber Knien jur regten iöanb gefcfyefien: tpeit ber ^Sogen atSbenn, 
um einen 9iad)bru<f au geben, mef>r i^raft §at ©od) null id> bie oben Q&atyUn 
turjen «öogenftricfye, tt>elc£)e n>egen ber ©euttid)feit beS SoneS erfobert werben, 
nur bety 9toten tt>etd>e Sprayt unb £eb£aftigfeit erfobern, Derftanben ttriffen. 
3d> neunte aber $ie$on auä: [221] bie langen 9toten, at£ |>atbe unb ganje 
Sacte, toetdje öfters in gef^n>inben 6tüden mit untermifd)et »erben, e$ mag 
ein &auptfa$, ober folcf)e 9toten fe^n, toetcfye einen befonbern 9faid)bru<f ver- 
langen, ferner bie gesteiften 9*oten, bie enttoeber einen fd)meic£)etnben ober 
traurigen Effect auSbrüden foUen, unb toetcfye ber Gontratriotonift tUn fo unter* 
Ratten unb getaffen, aU ber 93toloncetlift, auSbrücfen muß. 

6. §. ©er 93iotonift muß fvfy einer guten unb bequemen ^Ippftcatur, 
ober ileberfe^ung ber Ringer befleißigen, bamit er t>a$, tt>a$ in bie &d£e gefe^et 
ift, fo, ttrie ber 93ioIonceEift mitfpteten fann, um bie metobiöfen QSäffe nic^t 5U 
»erftümmetn, befonberS ben Hnifon, aU toetctjer in eben ber £age, tpie er gefe^et ift, 
auf einem jeben Snftrumente, unb folglich aud) auf bem (lontratrioton, gemietet 
werben mu% SOfan befefie belegen ba& (fjempet be$ bem 5. §. im 2ibfc^nitte 
üon bem ^iotonceUiften, Sab. XXII. £ig. 53. unb 54. [6. 6. 162.] Gottte ein 
bergleidjen «Baß ettoa $5£er gefegt fe^n, at$ ber SSiotomft mit feinem 3nftrumente 
fommen ISnnte, toiemo^l er fdjtoerticfy bte über ba$ eingefallene © ge^en nrirb, 
welches bo<$ einige brafe 93iotoniften rein unb beutli<$ angeben unb brausen 
tonnen: fo muß ber 93totonift, in folgern SaHe, lieber bie ganje 6teUe überhaupt 
eine Octaae tiefer frieten, aU bie SOletobie auf eine ungefüllte Slrt jertrennen. 

7. §. <2Benn in einem «Baffe fotc^e Spaffagien t>orfämen, bie ber 93iotonift, 
n>egen großer ©efc^ttrinbigfeit, beutli^ ju fpieten nicfyt im Staube tpäre, fo fann 
er von einer jeben <5igur, fte mag stoe^* ober brepmat gefc^tpän^et fe^n, bie 
erfte, britte, ober le^te 9lote fpieten. <£r muß fid) nur attejeit mä) ben ioaupt- 
noten, fo eine ^aßmetobie auima^en, ju rieten fu^en. ^otgenbe (Sjempet 
geben barju Anleitung, f. Sab. XXIII. ^ig. 1, 2, unb 3. [6. folg. Seite.] 
^ußer bergleid)en, in großer ©efd&nrinbigfeit nityt einem Seben bequemen 
Spaffagien aber, ift ber SJiotonift »erbunben alteS mitsufpieten. Sollte er Joon 
vier auf einerlei Sone t>orfommenben 2l(^tt|>eiten, n>ie einige aufteilen tfmn, 
aumat ftenn fte ein Stüd accompagnircn muffen, baö fie nid^t fetbft gefe^et 
^aben, immer ba$ erfte anklagen, unb bre$ vorbei ge^en taffen, fo tt>ei$ i<^ 
md)t tote er ber 9tad)rebe einer ^aul^eit ober Sütf e entgegen S5nnte. 



168 

§at>. XXIII. Sig. 1 



3>e3 XVII. iöauptftüc^ V, Sfcftynitt. 




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[222] 8. §. üebertyaupt mu# ber Vortrag be3 Gontratriofoniften ernft^after 
fe^n, atg bei; übrigen 95äffe i^rer. ©ie Keinen feinen 2lu£jierungen werben gtoar 
t>on i£m mcl)t gefobert: bagegen aber mu% er ftc^> beftänbtg bemühen, bem, toaS 
bie anbern (fielen, einen Sftacfybrutf unb ©enric^t gu geben, (fr mu£ ba$ ^iano 
unb Sorte gu re^ter 3eit ausbrächen, ba$ 3ettmaa$ genau beobachten, toeber 
eilen, nocfy gögem, feine 9Zoten feft, ftcfyer, unb beutlid) vortragen, fxd) t>or bem 
^ra^en be$ Cogens in tyLtyt nehmen, toetd)e3 abfonberli<$ bfy biefem 3nftrumente 
ein £äpd)er llebetftanb ift, unb tomn er f>öret, baf* batb ernftljaft, batb fd>ers= 
f>aft, balb fcfymeufyetnb, batb traurig, batb luftig ober fre<#, unb ttrie eS au<$ 
fe^n mag, gefpielet ttrirb, mufj er atte^eit aucE) ba$ Genüge mit beantragen 
bemühet fe^n, nid)t aber auS 5?attfinntgfeit, biejenigen ^irfungen, toeldje man 
im ©angen ^er&orpbringen fucfyet, öer|)inbern. 2lttegeit, abfonberti<$ aber in 
€oncerten, mu$ er richtig paufhren, bamit er, toenn bie 9?itometle eintreten, gu 
gehöriger 3eit mit bem Sorte mit 9tad;>brutf einfallen tonne, unb nid)t, ttrie 
einige fyun, erft einige 9loten »orbe^ ge^en taffe. 9BM übrigen* in biefem 
gangen fiauptftütfe, fo tooljl inSbefonbere aU überhaupt abge^anbett ttrirb, ba* 
$on fcmn er fi$ no<$ 93tele$, toelcfyeö £ter gu ttrieber^olen ber 9taum mcfyt leibet, 
in 9?u$en machen. 



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Q3on bem (Staöienften inSbefonbere. 169 



SeS XVII. #auj>tftMS m 

VI. tSpftitti 
QSon bcm (Hatneriften tnöbefonbere* 

1. §. 9föd)f alte, bie ben ©eneralbaf? t>erfte£en, ftnb aud) belegen jt:-- 
gleich gute Slccompagniften. (£ine£ muf burci) Regeln, ba3 anbere au£ £rfaf)rung, 
unb enbtid) au§ eigener Empftnbung erlernet toerben. 

2. §. 3n ba£ erftere mief) einplaffen, ift meine *21i>ftcJ>t nic^t: n>eil e£ 
barinne an ^ntoeifung md)t fegtet [*)] ^egen be£ (entern aber, ttnll \<fy, toeit 
e3 $u meinem 3tt>e<Se gehöret, mit (frlaubnif* ber ioerren Gtatrieriften, nur in ber 
^ür^e ettoaS toenigeS erinnern, ba£ übrige aber, einem jeben gefeilten unb 
erfahrnen (Etatrierftrieter, sum heitern 9?act)benten anfjeim ftetlen. 

3. §. (£3 ift, ttrie oben gefagt toorben, mögtid), ba£ einer ber bie < 5öiffen- 
fcfyaft be£ ©eneralbaffeS auS bem ©runbe inne ^at, bennoefy ein fd)(ecfyter 
^ccompagnift fe^n fßnne. ©er ©eneralbaf erfobert, ba% bie Stimmen, freiere 
ber Spieler über btn 93afj, au£ bem Stegreife, unb na<# Anleitung ber Signaturen 
Iringufe^et, nacE) ben 9?egetn, unb aU toenn folcfye auf bem Rapiere getrieben 
ftünben, gemietet werben muffen, ©ie ^unft ju begleiten, erfobert nicfyt nur 
biefeS, fonbern aud) nod) triet ein me^rerS. 

4. §. ©ie allgemeine 9?eget t>om ©eneratbaf ift, bafj man allezeit trier-- 
ftimmig fpiele: toenn man aber re$t gut aecompagniren nritl, t^ut e$ oft beffere 
«SJirfung, tt>enn man fxä) ni<$t fo genau hieran binbet, tt>enn man t>ietme£r 
einige Stimmen toegtä^t, ober toofrt gar ben 93af mit ber re<$*[224]ten 
Äanb, burefy eine 9ctat>e £ö|>er, t>erboppett ©enn fo tt>enig ein Somponift p 
alten SWetobieen, ein brety* trier* ober fünfßimmigeS 51ccompagnement ber 3n* 



[*) 2US (grgänauttg f. bie ©eneralba^ulen t>on 3- §>. ib einigen (1711; 1728 um- 
gearbeitet), 3. 9)tatt&efon (©ro^e [1731], «eine [1735] ©eneralba^ute), $.3B.9ftarpurg 
(1755), ®. WL Gorge (1760), unb bie $latrierfc$utert öon SSRarpurg (S)ie Amtfl ba$ 
Gtoter &u firieten, 1761), <£>$. <£m. <3acf>, (93erfu$ jc. IL Seit, 1762), 6. £ö|>tein 
(1765 u. fa.), 3). ©. Qüvt (1789). <£tne ban*m$tt>erte ileberftcfct über 3n^alt unb Qöert 
biefer unb anberer gleichzeitiger ^lainer»6c§ufa>erfe gtebt 9SB. 9Riemann in ber 4. $lufl. t>on 
<H. ^utla^ „Sleftyettf be* 5?la*ierfpieß", 0. 53 ff. ((L 5- ®<$nt 9^a^>f.)]. 



170 3>e$ XVII. SifPi VI. Slbfönitt. 

ftrumente fe$en tarnt no<$ mu§, wofern biefelben nidjt um>erflänbticl), ober 
öerbunfelt werben fetten: eben fo wenig leibet and) eine jebe SDMobie ein 
beftänbigeä t>oltftimmige$ 'Slccompagnement auf bem Glasiere: weswegen ein 
5lccompagnift fid) me^r nad) ber Sa<$e felbft, äl$ nad) ben allgemeinen 9?egeln 
beä ©eneratbaffeS rieten mn% 

5. §. ©in lootlffimmigeS unb mit trielen Snftrumenten begleitetes Stü<S, 
erfobert auefy ein t)oltftimmige$ unb ftarfeS ^ccom^agnement. (Sin mit wenig 
3nftrumenten befe^teS (Eoncert, verlanget in biefem Stüde fcfyon einige SftäfHgung, 
befonberS unter ben concertirenben Stellen. SOlan mufc al&bmn %ld)t tyaben, 
ob biefelben Stellen nur mit bem ©äffe altein, ober and) mit btn anbern 3n= 
ftrumenten begleitet werben, ob bie concertirenbe Stimme fcf)Wad) ober ftarf, 
in ber 5iefe ober £öf>e fpiete, ob fte aneinanber f>angenbe unb fingenbe, ober 
fpringenbe 9ioten, ober ^affagien auszuführen fyabt, ob bie ^affagien gelaffen 
ober feurig gemietet werben, ob biefelben confonirenb jtnb, ober ob fie, um in 
eine frembe Tonart auSjuweicfyen, bijfoniren, ob ber 93a^ eine langfame ober 
gefcfywtnbe Bewegung barunter $at, ob bie gef<$wmben 9ioten beS ^affeS 
ftufenwetfe ober fpringenb gefe^et finb: ober ob fie gu trieren ober achten auf 
einerlei Sone ttorfommen, ob Raufen, ober lange unb furje 9ioten unter 
einanber t>ermif<$et ftnb, ob baS Stüd ein «Slllegretto, 5lttegro, ober ^refto ift, 
ba&on bat erfte, be^ 3nftrumentalfa^en, ernft^aft, ba§ anbere lebhaft, bat 
britte aber flüd)tig unb tänbetnb gefielet werben mu#, ober ob e$ ein Qlbagio 
affai, ®rat>e, SOtefto, (Eantabtle, Slriofo, einbaute, fiarg^etto, Siciliano, Spiri* 
tofo, u. f. tt>. ift, t>on benen ein jebeS, fo wie in ber Äauptftimme, atfo and) im 
^ccompagnement einen befbnbern Vortrag erfbbert. ^irb fol<$er t>on einem j 
jeben red)t beobachtet: fo fyut and) baS Stücf be$ ben 3u£örero bie gefugte 
'SBtrfung. 

6. §. <23e9 einem Srio mu§ ber (Elatrierift fxd) nadj ben 3nftrumenten, 
bie er ju begleiten fwt, rieten, ob fotcfye fd?wa<$ ober ftarf finb, ob bfy bem 
Gläoiere ein 93iotoncell ift, ober nicfyt, ob bie Gompofttion galant ober gearbeitet ift, 
ob ber (Elaoic^mbal ftarf ober f<$wad>, auf* ober jugebed et ift, unb ob bie 3u£örer 
na^e ober entfernet ftnb. ©enn ber (Elatric^mbat rauftet unb Hingt jwar ftarf 
in ber 9W$e, in ber ^erne [225] aber wirb er nid)t fo ftarf als anbre 3nftru- 
mente gehöret. ^OÖenn ber <£ta*rierift einen 93ioloncelt neben fxd) §at, unb fc^wadje 
3nftrumente begleitet, fann er mit ber regten Joanb einige SDtäfngung gebrauten, 
befonberS bei einer galanten <£ompofttion, unb no$ me£r wenn eine Stimme 
pauftret, unb bie anbere allein ftrielet: be$ ftarf en 3nftrumenten aber, nnb wenn 
bat Stütf fe^r ^armomöS unb gearbeitet ift, and) totnn bfybt Stimmen sugteid? 
finden, fann er fctel t>ollftimmiger greifen. 

7. §. <33e9 einem Solo wirb eigentlich bie größte ©i^cretion ober 93e= 
f^eiben^eit erfobert: unb fömmt allba, tvmn ber Solofrteter feine Sacfye gelaffen, 



.:•! 



Q3on bem Gtaöierifien mSbefonbere. 171 

o£ne Sorge, unb mit einer 3ufrieben£eit fielen fotl, fe$r Joiet auf ben 2lccom» 
pagniften an, weit biefer Um Sotofpieter fo wo^t einen ^ülutf) machen, als t£m 
benfelben benehmen fann. 90ßenn ber 'Slccompagnift im Seitmaaf e ni<$t redjt 
jtcfyer ift, ntib fxä) entweber be$ bem Sempo rubato, unb burcfy baS gjergiefjen 
ber SEKanieren, weites eine S<$önf>eit im Spielen ift, jum 3ögem, ober, wenn 
anftatt einer ^aufe bie fotgenbe Stote vorausgenommen wirb, jum ©ten &er* 
leiten läßt, fann er ben Sotofpieter nic^t nur auS feinem Goncepte bringen, 
fonbern er »erfe^et i$n aucfy in ein SOtiStrauen gegen i£n, ben 'Stccompagröften, 
unb mafyt tyn fur<$[t]fam, weiter etwas mit Verwegenheit unb ^re^eit ju unter- 
nehmen. 5luf gleiche 2lrt ift ber Slccompagnift ju tabetn, wenn er mit ber 
regten Äanb §u t>ict Bewegung machet, ober wenn er mit berfelben, am un- 
rechten Orte, melobißS fielet, ober |)arpeggiret, ober fonft Sachen, bie ber 
Äauptftimme entgegen jtnb, mit einmenget, ober wenn er baS ^iano unb 
<5orte mit bem Soloftrieler nt<$t gu gleicher 3eit auSbrütfet, fonbern alles o^ne 
Effect, unb in einerlei Starte fjrietet. 

8. §. ^SBaS frier von ber Begleitung ber Snftrumentalftüde gefaget worben 
ift, fann größtenteils awfy auf bie Begleitung ber SingftücCe angewenbet 
werben. 

9. §. ®aS ftarf unb f<$wacfy Spielen fann jwar auf bem Glatrie^mbat 
ober Flügel, befonberS wenn berfetbe nur ein Gta&ier %<xt f ni$t fo ab« unb ju« 
ne^menb auSgebrütfet werben, als auf bem 3nftrumente, welkes man ^iano* 
forte nennet, aUwo bie Seiten nidtf mit Gebern geriffen, fonbern burc§ Äämmer 
angef erlagen werben: beffen ungeachtet aber, fömmt bo<$, bep bem Flügel, viel 
auf bie ^rt beS SpietenS an. 9Kan fann [226] ft<$ beSwegen auf bemfelben, 
be$ bem ^iano, fo wo£l buvü) bie Mäßigung beS «SlnfcfytageS, als burdj bie 
93erminberung ber Stimmen, unb bep bem ^orte, burd) ftarfereS Schlagen, unb 
burefy bie Vermehrung ber Stimmen in be^ben Aänben, Reifen. 

10. §. 93erfcfyiebene 9toten, fo einen Sftacfybrutf erfobern, muß ber 2iccom* 
pagnift mit me$r £eb£afttgfeit unb Stärfe ausschlagen, unb von anbern 9ioten, 
welche biefeS nicfyt »erlangen, ju unterbleiben wijfen. Aier^er gehören bie längen 
9?oten, fo unter gef^winbere t>ermif$et ßnb, femer bie Sftoten mit welchen ein 
&auptfa$ eintritt, unb benn $auptfä<$U<$ bie ©iffonanjen. ©ie langen 9ioten, 
8U wetzen bie Octat?e tiefer augleid) mit angefcfytagen werben fann, unterbrechen 
bie £ebf>aftigfett ber Sftelobie. S)aS $f>ema erfobert allezeit eine (fr&ebung in 
ber Stärfe beS SoneS, um feinen ©ntritt befto beutti^er ju machen: unb bie 
©iffonanjen bienen eigentli<$ jum bittet, bie untergebenen £eibenf$aften 
abjuwe^feln. 

11. §. <£S fommen jwar im Slccompagnement öfters nod> anbere lange 
Sftoten »or, fo eigentli^ feinen befonbern 2luSbru<l erfobern, fonbern nur bie 
SD^etobie begleiten, ober in 9?u£e fe^en. 93on biefen ift frier bie 9lebe ni<^t. 



172 S>e3 XVII. ÄauptftüdS VI. <H&fd)nitt 

<£$ mm p* vielmehr auf biejenigen Sioten an, tvet<$e eine gef<$ttrinbe unb 
heftige <23en>egung, fo trifft burd> Sonfonansen a» ©iffonanaen, -untertreten, 
bo$ aber in ber £otge gteid) lieber burc^ anbere gefd>ttnnbere 9toten afcge- 
n>ed>fett werben, ferner geboren ^ier^er bie <ttoten, mm$M$ tvetdjer ber 
<23a$ bie Habens ber Äauptfttmme untertritt, um einen fogenannten betrug 
(inganno) gu begeben, weiter bie 9loten fo §ur Äauptcabeng vorbereiten, ferner 
biejenigen Sttoten, tvetd>e burc^ ein ^reuB, ober SBieber^erftettung^ei^en, um 
einen «einen falben Son, tfyfytt werben, unb bie gemetmgtid) bie Heine Quinte 
unb ee^te über ftd) $aben, unb benn femer bie, tvetc^e burd» ba$ runbe b er* 
niebriget tverben, tote bereite im vorigen ^bfc^nitte bem Viotoncettiften gefagt 
tt>orben ift 2lu« bem nun tvaS tjier angefügt tvorben, fönnen nod> me|>r 
anbere bergteidjen Vorfälle entbedet werben: tvenn man nur ein JebeS Stüd 
in feinem 3ufammen£ange, unb mit rechter ^ufmerffamfeit, betrautet, unb ha§ 
<2lbfe£en ber gjtojtt, tvetd)e bie ßeibenfdjaften beftänbig erregen, unb lieber 
ftitten folt, nt#t aw$ bem ©ebäd)tniffe fommen Wjjk [227] 

12. §. eben biefe Erregung ber abtsec^felnben £eibenf<$aften, ift aud> 
bie Hrfadje, tvarum bie ©iffonanaen überhaupt ftätfer aW bie donfonangen an- 
gefd)tagen tverben muffen, L©ie donfonanaen fe^en U$ ©emütf) in eine voll- 
kommene 9*u$e, unb 3ufrieüen^eit: bie ©iffonanaen hingegen ertveden im @e- 
ranfyt einen Verbruf*. 9Bie nun ein niemals unterbrochenes Vergnügen, e$ 
fep von toetd)er 2fct e$ tvotte, unfere <£mpfmbung3feäfte bermaafjen f$tt>äd)en 
unb erfc^pfen tvürbe, bajj baS Vergnügen enbtic^ aufhören tvürbe ein Ver- 
gnügen su fcpn: atfo würben aud) lauter donfonangen, in einer lange auf einanber 
fotgenben ^etye, bem ©e^öre enbti<$ einen (fiel unb Verbruf verurfadjen, tvenn 
fte nid>t bann unb tvann mit itebelKängen, bergteid^en bie ©iffonanaen fmb, m* 
mifd)et tvürben. 3emef>r nun eine ©iffonana im errieten von ben anbern 
9*oten unterfd^ieben, unb empfmbtid) gemalt tvtrb, ieme^r greift fte ba$ ©e^or 
an. 3e verbrüp^er aber bie ead)e ift, tvet<$e unfer Vergnügen ftö^ret, ie 
angenehmer Umtat un§ baS barauf fotgenbe Vergnügen vor. 3e härter atfo 
ber Verhalt ber ©iffonanaen ift, ie gefälliger ift tyre Siuftöfung. J2$ne biefe 
Vermifc^ung beS <2Bof)tKange$ unb be$ HebelKangeS, tvürbe in ber 9ftuft« fem 
Mittel übrig fepn, bie verriebenen ßeibenf^aften augenbtiKid? &x erregen, unb 
augenbltKtd) tvieber ju ftitten. 

13. §. <2Bie aber ber Vertrug nt<$t immer von einerlei Seftigleit fe^n 
!atm, atfo ^aben aufy von ben ©iffonanaen, einige me^r, einige tveniger QCßirlung, 
unb muf atfo bavon immer eine ftätfer als bie anbere angef^tagen werben, 
©ie 9tone, bie 9tone unb Quarte, bie 9*one unb Gestirne, bie Quinte unb 
Quarte, ftnb bem ©eftfre nic^t fo empfinbti^, at* bie Quinte mit ber großen 
6t#t, bie fatfd)e Quinte mit ber Keinen Se^te, bie fatfdje Quinte mit ber 
großen Sejte, bie Keine 6eptime mit ber Keinen ober großen Serse, bie grofje 



Sßon bem Staöieriften ingbefonbere. 173 

Septime, bie mangelhafte Septime, bie Septime mit ber Secunbe unb Quarte, 
bie übermäßige Serte, bie große SeKmbe mit ber Quarte, bie Kerne Secunbe 
mit ber Quarte, bie große unb bie übermäßige Secunbe mit ber übermorgen 
Quarte bie Heine Serge mit ber übermäßigen Quarte, ©ie erftern erfobern 
atfo belegen beb weitem niebt ben 9lacbbruct im Slccompagnement, als bxe 
tefctern Unter biefen tefitem aber, ift wieber noeb ein Slnterföteb gu macben. 
©te Keine Secunbe mit ber Quarte, bie große unb bie übermäßige Secunbe mit 
ber übermäßigen Quarte, [228] bie Keine Serge mit ber übermäßigen Quarte, 
bie falfcbe Quinte mit ber großen Serte, bie übermäßige Serte, bie mangelhafte 
Septime, bie Septime mit ber' Secunbe unb Quarte, erfobern noeb. me£r 9kcb> 
bruef als bie übrigen, unb muffen beSwegen »on bem Slccompagniften, »ermitteft 
eine« ftärlern SlnfcblagS, noeb Kräftiger »orgetragen »erben. 

14. §. £lm bie Sacbe noeb beutlicfter gu macben, will tcb über bie »or 
erwähnten ©iffonangen, unb über ben Hnterfcbieb ipreS 2luSbruc&, in Qlnfepung 
ber Mäßigung unb QSerftärtung, ein ßjempel beifügen, f. Sab. XXIV, $ig. 1, 
[S. <an&ang] woraus man beutttcb wirb erfeben tonnen, baß baS <£iano unb 
gorte, um bie Effecten geborig auSgubrücfen, beö ber «HuSfüprung, eine« ber 
nbtbigften ©inge fep. Sttan fpiele biefeS Krempel etlicbe mal, fo, tt>ie eS mit 
bem ^)iano, ^ianifftmo, Stteggo forte, Sorte, unb Sortifftmo begeubnet ift: (*) 
^ernacb wieberbole man es in einerleb Starte beS SoneS, unb gebe babeö, 
fowopl auf bie 93erfcbiebenbeit ber 3iffern, als aueb auf bie eigene €mpfmbung 
wobt Slcbtung. 3cb bin »erftefoert, wenn man ftcb nur erft ein wenig, o&ne 
QSorurtpeit, an biefe Strt gu aecompagniren gewönnet fyat, wenn man bie »er- 
gebenen <2Birtungen ber ©iffonangen ernennen lernet, wenn man auf bie 
«aBieberpolungen ber ©ebanlen, auf bie pattenben 9*oten, welcbe bie £eb- 
baftigfeit unterbrechen, auf bie <23etrugSgänge, fo öfter« bei? ben gabengen »or> 
tommen, unb auf bie Quoten, welcbe gu einer fremben Sonart füpren, unb bte 
bureb baS Äreug ober ecKgte b erhöbet, ober aber bureb baS runbe b ernie- 
briget werben, genau Siebt 6«t, «& W» »erftebert, fage icb, baß man alSbenn 
baS =piano, SReggoforte, Sorte, unb #ortiffimo, opne baß eS bagu gefebneben 
ift, febr leiebt wirb erraten Kinnen. 3cb tbeile bem oben gefagten gu tfolge, 
bie ©iffonangen, in Qlnfebung iprer SBirKrogen, unb beS barnacb eingurid&tenben 
<2lnfd)tagS, um mehrerer ©eutlicbeeit Witten, in breb <£laffen ein. ©ie etfte &e- 
geiebne icb mit mesgo forte, bie p>fyU mit forte, unb bie bntfe mit for» 
tiffimo. 3ur erften Glaffe meggO forte fann man reebnen: 
©ie Secunbe mit ber Quarte, 
©ie Quinte mit ber großen Serte, 
©ie große Serte mit ber Keinen Serge, 
©ie Keine Septime mit ber Keinen Serge, 
®ie große Septime. [ 229 1 



174 S)e$ XVII. ÄauptftütfS VI. Slbfönitt 

3ur itofytm dtaffe forte gehören: 

©ie Secunbe mit ber übermäßigen Quarte, 

©te falf^e Quinte mit ber Meinen Se^te. 
©er dritten Gtaffe fortifftmo jäljte man ju: 

©ie übermäßige Secunbe mit ber übermäßigen Quarte, 

©ie Heine Serge mit ber übermäßigen Quarte, 

©ie fatfcfye Qinte mit ber großen Sejte, 

©ie übermäßige Sejte, 

©ie mangelhafte Septime, 

©ie große Septime mit ber Secunbe unb Quarte. 
3<$ f>abe ju biefem «öe^fptete ein Slbagio erwählet, benn biefeS 3eitmaaß 
ift, ju genauer unb beutlt^er SluSbrütfung ber SJerfc^iebenfjeit ber ©iffonanjen, 
ba£ bequemfte. 3cfy fe§e babe^ öorauS, ba^ man bie confonirenben ^ccorbe be£ 
^bagio ju einem Solo m<$t in ber äußerften Starte, fonbern überhaupt mesjo 
piano accompagniren muffe, bamit man ben QSort^eit behalte, wo e$ nöt^ig ift 
f$wäcl)er unb ftärter fpielen ju fönnen. QBenn aber an einigen Orten piano 
ober pianifjtmo babfy gefe^et ift, fo muffen atSbenn, bie barinne t>orlommenben 
©tffonanjen, mit einer proportionirtictyen Starte auSgebrütfet werben, bergeftalt, 
ba^ bfym ^ianifftmo bie ©iffonanjen au$ ber britten (Staffe, nur bie Stärfe 
t>on ber erften, unb be^m ^iano bie Starte Don ber gwe^ten Ctaffe bekommen: 
bie übrigen aber naä) biefem 93erljättmß aud) gemäßiget werben: widrigenfalls 
würbe ber Abfall, wenn fotd)er mit einer atlju großen ioeftigfeit gefd)ä£e, bem 
©ei#re me£r 53erbruß, aU Vergnügen erwetfen. %Ran will burd) biefe 2lrt 
ju accompagniren, eine 9Za<$a|>mung ber 9Kenfc^enftimme, unb fotd^er 3nftru* 
mente, welche ba$ «SBac^fen unb Vertieren be$ SoneS in tyrer ©ewatt $aben, 
aufteilen. <£$ muß aber fcfytity aucfy, be$ biefer Slrt mit bem Stattutymbat ju 
accompagniren, bie gute ^eurtljettungSfraft, unb eine feine (fmpßnbung ber 
Seele, ein QSieleS Wirten. 'Jßem biefe bfybm Stüde fehlen, ber wirb eg barinne 
nifyt weit bringen: e$ fe$ benn, ba^ er fv§ buxfy ein ernftlid)e£ SSemüfcen, unb 
bur<$ J&iete €rfa£rung baju fä^ig machte: weil man burcfy Steiß f# <£r-- 
fenntniß juwege bringen, bur<$ (Srtenntniß aber ber 9fattur ju ioütfe lommen lann. 
(*) 6. b. 2lmnetfung jutn 19. §. beä folgenben Sl&fönittS. [230] 

15. §. 9tocfy ift ju bemerten, baß wenn mehrere ©iffonanjen Don t>er-- 
fd)iebener 2lrt auf einanber folgen, unb ©iffonanjen in ©iffonanjen aufgetöfet 
werben, man aucfy ben 2luSbru<f burdj 93erftärtung beg SoneS, unb 93erme£rung 
ber Stimmen, immer me$r unb me^r warfen, unb june^men laffen muffe. 
©aß aber bie Quinte unb Quarte, bie 9lone unb Septime, bie 9ione unb 
Quarte, unb bie Septime, wenn fte mit ber Se$te unb Quarte abwedelt, ober 
^nn fte über einer burc^ge^enben 9Zote fte^t, leinen befonbern SluSbrutf er* 
fobern, wirb man ni$t allein au£ bem »or^abenben (Stempel, fonbern aucfy, unb 



S3on bem ©taöieriften inSbefonbere. 175 

§tt>ar no<$ t>ielme£r, burd) bie eigene <£rfa£rung unb Smpfmbung fattfam er- 
lernten fännen. ©enn bie ©iffonan^en fmb, tt>ie oben fcfyon gefaget toorben, 
nid)t alle aon gleicher (Sr^eblic^ett: fonbew fte muffen ttrie baß Satj unb 
©etoüra an btn Speifen betrautet werben, ba bie 3unge t>on ber einen Qirt 
immer me^r ^irfung empfmbet, aU oon ber anbern. 

16. §. Sotten aber bie ©iffonanjen t£re gehörige 3Bfefung t$un, baß 
nämtiefy bie barauf fotgenben Sonfonanjen beffo angenehmer unb gefälliger Hingen, 
fo muffen jte nid)t nur, n>ie bisher geleitet worben, eine i>or ber anbern, 
nacfybem tß i£re 2lrt erfobert, fonbern auefy überhaupt gegen bie (Eonfonanaen 
ftärfer angefangen werben, llnb wie ein jeber confomrenber 21ccorb auf 
bre^erle^ 2lrt genommen werben fann, nämticl), baß entweber bie Octat>e, ober 
bie Serje, ober bie Quinte ober Sejte in ber Oberftimme liegen, unb jebeSmat 
eine anbere ^öirfung t£un: fo $at tß and) gleite 93ewanbtniß mit ben biffo» 
nirenben Slccorben. 9Jian fcerfuc^e e$ 5. <£. mit ber Reinen Serje, übermäßigen 
Quarte, unb Sejte, mit bem ©runbtone jugteiefy angefd)tagen, unb neunte einmal 
bk Serge, ba$ anberemat bie Quarte, ba£ brittemat bie Se^te in bie Oberftimme, 
ober man t)erfe£re bie Septime, welche jwo t>on bm Oberftimmen gegen ein- 
anber machen, in bie Secunbe, fo wirb man fmben, ba% bie biffbnirenben klänge, 
totnn fte na^e bety einanber liegen, ttiel harter Hingen, at$ wenn fte weit auS 
einanber liegen. (£$ fömmt bemna^ gerinne auf bie gute «Beurt^eitungäfraft 
beS 5iccompagniften an, baß er bie klänge fo au t>erfe$en wiffe, wie tß jebeSmat 
ber Sac^e ^ef^affen^eit erfobert. 

17. §. 2luf einem (Etairic^mbal mit einem <£la*riere, fann ba£ ^iano burefy 
einen gemäßigten ^nfc^tag, unb burefy bie 93erminberung ber Stimmen, [231] 
baß SERe^o forte bur<$ ^erboppetung ber Octaöen im 'Baffe, baß <5orte burd) 
ibin biefeS, unb wenn man noefy in ber linfen ioanb einige jum $lecorbe gehörige 
ßOttfonaitjen mitnimmt, baß ^ortiffimo aber, burefy gefcl)Wmbe 'Bredjungen 
ber 2lccorbe t>on unten herauf, burdj> ibzn biefe ©erboppelung ber Octat>en, 
unb ber (Eonfonansen, in ber tinfen fianb, unb burefy einen heftigem unb 
ftärlern ^nfcfytag, £ert>or gebraut »erben, $luf einem (Elatric^mbal mit jwetyett 
Glasieren, §at man über biefe« no<$ ben 93ort£eil, jum Spianifftmo fxty be£ 
oberften (Ela&ierS bebienen ju fönnen. Sluf einem ^ianoforte aber, fann alle« 
erfobertidje am alterbequemften bewerf ftetltget werben: benn biefe« 3nfirument 
§at öor allem, xoaß man dlatner nennet, bie jum guten Slccompagnement nötigen 
(figenfe^aften am meiften in jic^: unb Jömmt babe^ btoS auf bm Spieler unb 
feine ^eurt^eitung an. 2luf einem guten ßtasricfyorb fyat e« stt>ar ^n biefetbe 
^3ef(^affen^eit im Spielen, ni^t aber in 2lnfe|>ung ber 2BirHmg, weit baß &ox* 
tiffimo mangelt. 

18. §. 3Bie auf einem jeben 3nftrumente ber 3:on auf »ergebene 2lrt; 
|eruor gebraut werben lann, fo »erhält iß $$ and) glei^ergeftatt mit bemi 



176 ©eS XVII. ioauptftücfS VI. Sibfönitt. 

etamcpmbat: ungeadjtet man glauben fotlte, t>a% eS be^ tiefem 3nftrumente 
ttic^t auf ben Spieler, fonbern nur auf baS Snftrument allein anläme.^ ©enno$ 
gtebt eS bie <£rfa$rung, ba% wenn baS Snftrument balb »on bem einen, halb 
son bem anbem gemietet wirb, ber Son t>on bem einem beffer als *>on bem 
anbern |>erauS gebraut wirb, ©ie Stefane bafcon muß folglich auf ben ^nfc^tag, 
ben ein jeber serf^teben $at, ankommen: ob berfelbe, bep einem jeben Ringer 
mit gleicher Äraft unb 9ia$brud, unb mit bem regten ©ewidjte gefegt, ob 
man ben Seiten bie gehörige 3ett gönnet, bafj fte i^ren Schwung unge$inbert 
ma^en können, ober ob man bie Ringer mit attäugro^er ©elaffen|>eit nieber- 
brüdet, unb tynen nicfct, burd? einen Schneller, eine gewifie Äraft giebt, bafj 
bie Seiten, um ben Son länger ausstatten, in eine länger an^attenbe 3itterung 
»erfe^et werben tonnen, um ben S^ter, fo biefeS 3nftrument *>on Statur £at, 
bafj ftet) bie Söne nic^t, wie auf anbern 3nftrumenten, an einanber »erbinben, 
fo »iel als möglid) ift ju sermeiben. & Umtat aud) triet barauf an, ob man 
mit einem Ringer ftärfer als mit bem anbern ftößt. ©iefeS fann barauS folgen, 
wenn man fid? gewönnet fyat, einige Ringer einwärts §u beugen, anbere aber 
gerabe auSäuftreden: welches nid)t nur eine ungleiche Starte im Spielen t>erur- 
fa^et, fonbern [232] aud> Jjinbertid) ift, gefd>winbe ^affagien runb, beutlic^ unb 
angenehm üor^utragen. 2öie. eS benn bep mausern, wenn er einen £auf t>on 
etlichen 9toten ftufenwetS p machen §at, nic^t anberS Kingt, als wenn er über 
ine 9toten wegftotyerte. ©ewöfmt man ftd> aber gleich anfangs, alle Ringer, 
einen fo weit als ben anbem, einwärts ju beugen, fo wirb man biefen S^ter 
nid)t leid>t begeben. Wan mufj aber Ut> «2luSfüt)ruug ber taufenben 9ioten, 
bie Ringer nid)t fo gleich wieber aufgeben, fonbern bie Spieen berfelben t>ietme|>r, 
auf bem *>orberften Steile beS Saft« £in, nad) pfy aurütfe sieben, bis fte som 
Safte abgleiten. «2luf biefe $trt werben bie taufenben ^affagten am beuttidtften 
herausgebracht. S<§ berufe mi<$ ^ierbep auf baS Stempel eines ber allergrößten 
ßtamerfpieler, ber eS fo ausübte, unb te^rete. 

19. §. <2öenn bie Aauptftimme in einem <2lbagio t>or ber Serje unb Sejte 
bisweiten t>or£altenbe 9*oten machet, ba benn bie öor ber Serse, gur Quarte, 
unb bie i>or ber Sejtfe, gur Septime wirb, f. Sab. XXIII. <5ig- 4, 

{Sab. XXIIL] <5iQ- 4. 

i ir i 1 j 4t r 1 

fo fyut eS feine gute SBirfung, wenn man &u bem ^orfc^tage ber bie Quarte 
tnad)t, bie Serge, unb &u bem ber bie Septime ausmachet, bie Se^te sugtei^ 
anfragt. ®er ^ccompagnift ti>ut atfo beffer, wenn er nur baS, was fonft 



93Mt i>em (Stasneriften inSbefonfcere. yjj 

nod) gum $lccorbe gehöret, anfragt, bie Serge ober Se^te aber erff bety ber 
^uftöfung be3 93orfd)tagg |>Sren läfit: fonft entfielen barauS foldje ©iffonangen, 
bie toeber eine Vorbereitung noefy ^uftöfung bekommen, unb btxti ©e^öre 
folgttd) fe^r unangenehm fallen. [*)] 93e9 btn 93orfcfytägen fo t>on unten ge- 
nommen toerben, toenn t>or ber in ber Sofie tiegenben Serge bie 9?one vorge- 
halten toirb, Hingt bie gugleict) be$ bem Vorfrage mit bem Flügel angegebene 
Serge nicfyt fo übet: tt>enn nur bie gum 2lccorbe ber Joauptnote gehörige Serge 
nityt über, fonbem unter ber Joauptftimme genommen ttrirb, benn biefe n>irb 
atSbenn, anftatt ber Secunbe, gegen ben 93orfcfytag gur Septime oon unten. 

20. §. (Einem jeben dlatrierftrieter, ber bie ^Ser^ättniflc ber Söne t>erfte£t, 
toirb awfy gugleid) befannt fe^n, baf* bie Subf emitone, alS: © mit bem $reug, 
unb € mit bem b, u. f. n>. um ein ^omma unterfc^ieben finb, unb folglich, aus 
9Jianget ber gebrochenen Saften, auf biefem 3nftrumente, einige Ungleichheit im 
Stimmen, gegen bie anbern 3nftrumente, toetcfye biefe Söne in i^rem 93er- 
tyättniffe rein greifen, t>erurfacfyen: gumat [233] toewt fte baß (Etasrier, mit einem 
ber le#tgebad)ten 3nftrumente, im Sinflange fpietet. < 2öeil nun biefe Säne nid)t 
atlemat fönnen »ermieben toerben, befonberS in benen Sonarten, too triet b unb 
viel <&reuge »orlommen: fo tfut ber 2lccompagnift tt>o|>l, toenn er, fo viel als 
möglich ift, fudjet, biefetben enttoeber in bie mittetfte ober unterfte Stimme gu 
verfteden, ober, toenn einer bafcon bie Heine Serge ausmachet, i£n gar toeg gu 
laffen. [**)] ©enn tt>enn befonberS biefe Keinen Sergen, in ber oberften Octa&e 
mit ber Joauptftimme im (EinHange angefcfytagen derben, flingen fte fe^r faul 
unb un&otßommen. 3cfy öerfte^e unter biefen Ileinen Sergen, £auptfäcfylid> baß 
(E, ©, unb <£ ber gwetygeftricfyenen Öctaöe, toenn öor benfelben ein b fte^t, ober 
lürger gu fagen baß <£tß, ®e$, unb ©3. 3$ rechne aber and) frier|)er baß ein- 
gejMcfyene © unb "21, unb ba$ gtoe^geftrietjene ©, unb <E, toenn ein $reug 
baoor fte^t, benn tvznn biefe te^tern grofje Sergen ftnb, fo fcfytpeben fte gu fe|)r 
über jtcfy, unb jtnb atfo gu f>odj>. <£ß ift toaljr, ba% man biefen Xlnterfcfyteb, 
toenn man enttoeber allein auf bem Flügel fptelt, ober tt>enn berfelbe gu einer 
ftarfen 9Jiufif aecompagniret, nid)t fo beuttiefy bemerken (ann: toenn aber oben 
gemelbete Söne auf einem anbern 3nftrumente bm ©nflang berühren, fo laffen 
fte, toeit bie anbern 3nftrumente biefe Sitae in i^rem 93er£ältmffe angeben, ba 
fte hingegen auf bem Glasiere temperiret finb, i^ren Hnterfd^ieb me^r at^ gu 
tt>o£t ^ören: unb ift alfo beffer fte gar gu vermeiben, atß baß ©e^ör gu be- 
teibigen. ^Bem aber allenfalls baß SSJeglaffen nid^t gefällt, ber ne^me biefe 
oben angegeigten Meinen unb großen Sergen, fo tt>ie %<$ t?on bm anbern Sub- 
femitonen gele^ret |)abe, gum n>enigften in ber Siefe, alltoo fte baß @e|>ör nod^ 



[*) 6. ^aft 28 unb 33 i>e# «2lt)agip^ §af>. XXIV. (^n^ang B)]. 
[**) 6. Sab. XXIV. ($lnf)ang B), Saft 8, 35, 36.] 

12 



17 8 ®eS XVII. &auptftü<J« VI. 2tbf$nitt. 

efcer »ertragen Wirb, ©er StnHang tyut obne bem p einem Snftrumente nttbt 
fo gute <2Birfung, aH jw einer Singfrimme. Heberbem tft aiw| Do« Unreine tn 
ber Siefe bem ©ebbre xMft fo em»ftnblicb dt in ber Abbe. <2Ber ftcb bter»on 
«bezeugen teilt, ber ftimme auf einem (Härtere be$ SlügetS etne Qcta»e unter 
ober über ftcb febwebenb, alSbenn ftimme er, auf bem anbern Gta»tere, etne 
6e»te »on bem beben $one mit t>tm tiefen ganj rein. 9Kan »erfuefee herauf 
ben »erftimmten StnHang, unb febe, ob berfetbe bem ©eböre niebt mebr, aU 
bie »erftimmte Qctaoe, mtSfatten wirb. 

21. §. €« ift fd)on »on langen 3eiten ber bie 9*egel gewefen, bafj man 
be»m 6»ieten beS ©eneratbaffeS, bie Äänbe niebt allzuweit »on emanber ent- 
fernen, unb folglich mit ber regten ro$t alljubocb finden folle. ©ie-[234]fe 
9*egel ift »emünftig unb gut, wenn fte nur alleaeit beobachtet würbe, ©enn 
eg tbut eine »iel beffere Sötrlung, wenn bie begleitenben Stimmen auf bem 
<5üget, unter ber Äauptftimme, aU wenn fotdje mit ber Qberftimme, ober wobt 
gar über berfetben, genommen werben. <2Benn bie 'Sitten ba$ 2lccom»agnement 
um eine Öctaoe bober baben wollten, fo festen fte anftatt ber Serje, Quarte, 
Quinte, u. f. w. bie ©eeime, Hnbecime, unb ©uobeeime, über ben <23afj. ©a 
aber swif^en biefen 3iffem rein foteber £lnterfd)ieb ju macben ift, atS 5toifd>en 
ber 6ecunbe unb State, fo rann au<b folcbeS »on ibnen niebt ganj unb gar 
obne Slrfacfee gefebeben feön. 2luS oben gefagten Hrfac^en, barf man einen 
Biotonceltiften, wenn er Solo findet, niebt fo, wie einen <23ioltniften, begleiten. 
Beb bem erftern mufc man mit ber reebten Sanb alte« in ber Siefe firielen: 
unb fofeme ber Bafc, »on bem (Eom»oniften, au$ ilnwiffenbeit etwan s« &«><* 
gefefcet wäre, unb bie &au»tftimme überftiege, fo lann man benfetben ebenfalls 
eine Qcta»e tiefer firielen: bamit bie Quinten niebt in Quarten »erwanbelt 
werben. Beb Begleitung ber Biotine, welche einen großen umfang ber $öne 
bat, mufc ber Slccompagntft Slcbtung geben, ob ber Biottntft »iet in ber auf erften 
Siefe, ober febr bod) äu finden ^<xii: bamit er Weber bie Siefe überfteige, nod; 
beb ber 81$ erften Äobe ju weit entfernet fe». [*)] 

22. §. gßenn ber Bafc in tangfamen 6täcten etliche SKoten auf etnerleö 
$one ju wteberboten bat, wetebe mit ? 2 IS I u. b. gt. bejiffert ftnb, ba benn 
»ermutblicb bie &au»tfttmme bie oberften 3iffern in tbrem ©efange ^at: fo 
Hingt eS febr gut, wenn ber 2lccom»agmft bie oberften 3iftem in ber Stefe 
findet, unb folgtict) bie «ojen, fo bebbe etimmett gegen emanber macben, tn 
Sejten »erwanbelt. 6old>eS Wirb nid)t nur barmeniofer Hingen, fonbern aueb 
mebr einem Srio al« eoto äbntid) werben. [**)] BMll er aber nur bie unterften 

[*) 6. »o ä u bie wm &. 91. ©erber ausgeführte, »on So?». Seb. «acb »etbefferte 
©eneratba^auäfe^ung einer SUWnoirff*« «ioUnfonate bei <pt>. Gpitta, 3- ©. ®a*, IL 9ln- 

f)QUQ G. 1 ffj 

H S. Sab. XXIV. C2lnbang B), «att 8, 13, 16, 30, 31, 44.] 



K 



9Son &em (£fo*>ieriften in^befon&ere. \jq 

3iffern fielen, unh bie, n>et<$e bie J5au|?tftimme |wt, gar tt>eg taffen, fo tff e3 
nocfy bejfer. <2Benn er fotd)e3 bety alten bergteid;>en ©etegenf>eiten beoba^fet, 
unb im £lccompagnement bie atoe^te Stimme $ur oberften, unb bie oberffe §ur 
unterften machet, fo tt>irb bie Äauptftimme niemals serbuntiett: unb ber Soto» 
frierer befömmt baburd) feine gelänge <5re^eit. ©ef<$ie$t aber t>a$ ©egentf>eif, 
fo möchte e$ f^einen, als sollte ber ^ccompagnift t>a# Sfüd mit bem Soto- 
fineter im ilnifon fpieten. [235] 

23. §. Sfött ber regten ioanb mu§ ber «Slccompagnift im $ibagio lieber 
^arpeggiren, nod) metobibS finden: e$ toäre benn ba§ ber Sotofpieter fialtenbe 
Sfoten ober Raufen fyättt. ©ie aecompagnirenben Stimmen barf er nid)t x>ov 
bem <Saffe hervorragen taffen. 3n einem ^Ibagio im gemeinen geraben Sacte, 
iann er au einem jeben 2ld)tt^eite mit ber redeten £>anb anfragen. 3n einem 
^riofo aber, loenn ber SSaf eine gefdjnmtbere SSetoegimg su mad>en $at, fie 
befiele auS ^tt^ eilen, Sed?äe|mt£eiten ober $rio(en, t>on be^berte^ <2lrt 9ioten, 
ftingt eS nifyt fo gut, toenn er ju einer jeben 9?ote mit ber redtfen ioanb an* 
fd)(ägt, als menn er be^ gleiten 9ioten, eine, unb bei) Srioten, yms, öorbe^ 
ge^en tä£t: xotm anberS über ben bur^ge^enben 9?oten feine eigenen 3iffern 
fte^en. 

24. §. SBenn ein Sänger ober Sotofpieter, im $lbagio, eine fange Sftote 
im $one n>ad)fen unb lieber abnehmen täfjt, unb ber ^af unter berfelben eine 
^emeauna öon öerfAt^h^non 9bten &u machen |>at: fo ift eS gut, toenn ber 
^ccompagnift ebenfalls, nad) 9D£aaf*gebuncj ber Äauptftimme, 9?ote mt 9iote 
ftärfer unb nrieber f$tt>ä<$er anfragt 

25. §. <2Benn bie fiaupfftimme, in einem *2lbagio, burd; ein ^aar ge* 
fcfytoinbe punettrte 9ioten, ttxoaZ befonbereS auSjubruden, unb ber 33a£ fotdjeS 
mit tUxt bergleic^en 9toten nac^§umad)en Ijat, fo mu§ ber Slccompagmff biefetben, 
e$ mi5gen Sonfonansen ober ©iffonanjeh fe^n, gan§ öollftimmig unb ergaben 
anklagen. [*)] &at aber bie ioauptfttmme einen traurigen ober fdjmeidjetnben 
©efang, fo mufi ber Stccompagmft im ^Inf^tage ftd) mäfigen, bie Stimmen 
t>ermmbem, unb atfo hfy alten hätten ftd) ber Äauptftimme bequemen, *mb mit 
berfetben alte fieibenf^aften, tbm fo gut atS tt>enn er fetbft Soto firietete, p 
Seraen nehmen, ^äre von htm Somponiften, aum £lngtü(fe, toenig ober gar 
fein Effect auSgebrüdet toorben: fo fann ber Slccompagnift bennod), tt?ec^fel^ 
toeife, einige 9Zoten, nad^ eigenem ©utbefinben, burd^ einen ftärfern 2lttf^tag 
ergeben, unb bie fotgenben lieber mäßigen. ©iefeS lä£t ftd) am beften, be^ 
einer 2le&nB<$leti ober ^Bieber^otung ber ©ebanfen, anbringen, eS gefd)e|)e in 
bemfetben Sone, ober in ber 93erfe$ung, ober, tote bereits gemetbet tsorben, 
toenn ©iffonanaen vorkommen. 



[*) 6. Sln^ang A, 5att 7, erfteä Giertet, ^aft 25, erfteö Giertet.] 



180 ®tä XVII. äauptftüci* VI. Slbfc^titt. 

[236] 26. §. 9ia<$a|mungen, fo au$ laufenben ober melobtöfen ©ängen 
befte^en, tfyun eine beffere 'SBirfung, toenn jte mit ber rechten ioanb in ber £ö|>ern 
©ctas?e mitgefjrielet toerben, als toenn man fte &ottfttmmig aecompagmret. [*)] 
«2luf gleiche $lrt fann man aud) mit bem ilnifon »erfahren. 

27. §. ySmn ber 'Safj feine orbentticfye £age öerlaft, unb in ber ßage 
t>om Senor ettoaS gu fptelcn |>at, n>etc^e^ 5fter£ in ber 6mgmufif fcorsufornmen 
pfleget, fo mufi bie redete ioanb mit toenig Stimmen, unb gang naf>e be$ ber 
linfen ioanb aecompagmren: bamit ba$ folgenbe, in ber ^afjtage, mit befto 
mehrerer cpracfyt au$gebrü<ft derben länne. 

28. §. Sofern, in einem gang langfamen 6tüde, im 'Baffe 93ebingungen, 
toelc^e me£rentf)eit$ mit 6ecunbe Quarte unb ©eyte besiffert ftnb, tjorfommen, 
unb ber ^ccompagnift leinen QJiotoncetl ober anber 93a§inftrument neben fiefy 
l;at, fann berfetbe, o^ne ^ac^t^eit ber ©eneralba^reget, bie gebunbenen OToten, 
mit bm b%u gehörigen ©iffonangen anfragen: toeil ber Son be$ ©tarn* 
ctymbalS ft<$ batb verliert, bie ©iffonan^en aber, oljne ben ©runbton, bem ©e= 
l>&re nad), ftd> in donfonangen t>ern>anbetn, unb folglid^ bie baxunUv gefugte 
SSirfung »erlogen ge^t. 'JBemi etliche gange Sacte auf einem Sone gebunben 
ftnb, Unn gleichfalls ein jeber befonberS angefd)lagen werben. 

29. §. ioat ber ©oloftrieler ba$ 3eitmaafj, be^m anfange, nxfyt fo toie 
er foltte gefaffet: fo mu% ber 2lccompagnift ifym ntcfyt |>inbcrlic^ fetyn, folcfyeS 
naefy feinem ©efaHen gu änbern. 

30. §. lim ba$ 3eitmaa£, befonberS in gang langfamen 6a$en, nicfyt gu 
fcerrüden, mufj fic^ ber Clatrierfjrieter f>üten, ba% er hfybt ioänbe nidtf §u £od> 
ober ungleich aufgebe, unb ba# er bie aecompagnirenben 92oten, al$: 93iert^eite 
ober ^l^tt^eile ni<$t ju furj anklage, unb bie ioänbe gu gefcfynrinb t>om 
diätere abgieße, ©enn toenn er bie ioänbe länger in ber i5i$e, aU auf bem 
Glasiere £ält, fo verliert er ben 93ort£eit, bie Seit btt) einer jeben 9Zote richtig 
abmeffen p lönnen. SOiacfyt er aber mit bm ioänben eine gleite ^etoegung, 
fo bafj er biefelben eben fo lange in ber Äöf>e £ätt, als er jte auf bem dtatriere 
liegen tä£t, fo feilen ftd? [237] bfy btn ^iert^eiten, bie 2ld)ttf)eite, unb be^ 
ben Sl^tt^eilen, bie Ge^ge^nt^eite, richtig unb o|me meteS <?iad)benfen t>on fxä) 
felbft ein: auefy bekommen bie 9Zoten baburd? einen unterhaltenen $lang, unb 
baS 3nftrument nrirb angenehmer, ©a hingegen, toenn biefe^ nicfyt beobad^tet 
toirb, bie Seiten burd) ben gefd)toinben 9?ü(ifalt ber Gebern, an bem er- 
foberlid^en Scfyttmnge §u geitli^ ge|)inbert toerben: unb alfo ber natürliche Son, 
fo im 3nftrumente liegt, mtyt fo ttrie er fott ^erauS lommen fann. SRic^t ju 
gebenden, bafj au^) n>ibrigenfallS unter bm Staccato unb anbern 9^oten fein 



[*) & b%u Qu.' ^Inmerfung gu § 32 MefeS "jabf^mttg.l 



93on Sem Slattiettften tnäbefon&eie. 181 

mm$m 6W6«« n>ürbe - ^ eittem So '' fenuto ahtx ' müffen bie ^ tt9er 9anä 

bii *ur folaenben 9?ote liegen bleiben. 

31 S <2ßenn in einem Slbagio, be 9 einem Sinfc^nitte, bettbe Stimmen 
»auftren' unb bie Oberftimme, mit einer 9iote im Sluffcblage be3 SactS, allem 
Lufangen bat, bie folgenbe 9lote im ttieberfcblage aber eine Quarte, Qutnte, 
6erte ober Septime bi>ber ftebt, allmo ber Solofbieier ®*%W bat, etne wtll- 
tübrticbe Sinterung anzubringen: fo mufc ber Begleiter, beffen erfte 9iote bett 
folcben fallen, gemeiniglich erft mit bem 9tteberfcblag wieber anfängt, fo lange 
märten bis bie Oberftimme bie 9*ote im 9lieberfcblage berühret, unb barf ftcb 
im 3eitmaafe nicht übereilen: weit fotche* be» begleichen Sollen, nicht nach 
ber Strenge genommen wirb. <5at aber bie fiaubtftimme Binbungen, ober fonft 
baltenbe 9*oten, ber Ba$ aber Bewegungen barunter: fo ntufc ber Slccom* 
»agnift t>a§ 3eitmaafc nach ber Strenge beobachten, unb finbet bterbett lern 
Nachgeben ^tatt: weil ber Solofbieter »erbunben ift, ftcb mit t>m Musterungen 
nach bem Baffe ju richten. . 

32 § 2öaS bisher gefaget worben, gebt baubtfacblicb baS Slbagto an. 
Ob nun wobt, in gefcbwinben Stücren, nicht alles nach ber Strenge, bie bei) 
bem Slbagio erfobert wirb, beobachtet werben fann: fo tarnt boeb baS metfte 
»on bem, waS su ber ©iScretion unb bem MuSbructe geboret, auch bett bem 
<Megro angewenbet werben. Äaubtfächlicb aber tömmt eS bett bem Slllegro 
barauf an: bafc ber Qlecompagnift baS 3eitmaa& nach ber grölen Strenge 
halte, unb ftcb Weber fehleren laffe, noch eile, baf er in ber Unten Äanb «ne 
Sertigteit befae alles beutlicb unb rein ju fielen: wo ä u überhaupt bte 3n-- 
ftrumentalmuftr »ortbeilbafter ift als bie Singmuftt: weil bett biefer ntebt fo otel 
kertigteit unb Seuer, als bett jener erfobert werben tarnt, bafc er, wenn »tele 
Mcbttbeile auf einem Sone [238] »ortommen, biefelben mit ber Itnten äanb alle 
anfcblage, nicbt aber, Wie einige au* un 5 eitiger Bequemltcbteit juwetlen, obfon- 
berlicb bett Stngftimmen, tbun, eine anfcblage, unb brett ober wobt gar fteben 
»orbett «reichen laffe, ^ er mit ber rechten Äanb gelaffen unb bleiben ber* 
fabre, bafc er weber gar su »otlftimmtg, noch bie äauptfttmme mtt fptele, bajj 
er nacb turjen Raufen bie Sanbe nicbt S u hoch aufbebe: berat bierbureb ton 
baS 3eitmaafc leicht berrüctet werben, weswegen er mit ber reebten &anb ben 
Slccorb pr folgenben Siote, anstatt ber oorbergebenben fttrjen <£aufe anfcblagen 
fann(*); ba% er mit ber regten Äanb nicbt folebe gefebwinbe Bewegungen 
mache, wobureb er sunt 36gern »erteitet werben lann, unb ber Solofweler an 
fetner ©etowinbigleit berbinbert wirb, t>a% er bie burebgebenben SZoten mebt 
mit bielen Stimmen belabe, ba% er ba« ^»iano«unb Sorte ju reebter 3ett au^ 
brüde, ba.% er bie Ba^noten in ibrer ßage, unb bie 3nter»atle fo, wte fte gefegt 
ftnb fbiele, auch bett benfetben nichts jufe^e, ba§ er enblicb, in Slnfebung ber 
6tärfe unb Scbwäcbe, ftcb nacb ber Starte ber Äauötftimme riebte. 3ft es 



13 2 ®cS XVII. fiauptpdö VI. 'Slbfcbnttt. 

eine glitte, fo mu£ er, wenn biefetbe in ber Siefe feietet, befonberg in 9JM-- 

tönen, i>a$ "Slccompagnement fe^r mäßigen. 

O Siefe* »erffebt ft* nur oon bto* begleiteten SKoten. 3Benn ober ber MW» 

einer Vße ob« eine anbere 9la<$abmung im 5luffcblage be« Sacteg anfangt, fo 

Würben biefe uerbuntett »erben, wenn man über ber »orbergebenben ^anfe ben 

fotgenben Slceorb anklagen wollte. <8eö fotcöen Slmftanben tbut eS beffere <3ßtrtung, 

wenn man ben Sauptfa*, bur$ bie Octaoe böber, mit ber regten Äanb »erbose«, 

all wenn man u)n »otlftimmig accombagniret 

33. §. <33et> einem 9*ecitati» fo auSwenbig gefangen wirb, gefegt bem 

Sänger eine grofce Srleicbterung, wenn ber Qlccompagnift bie erften Söne beS* 

felben beto einem jeben Sinfcbnitte »oraul nimmt, unb ibm, fo 5U fagen, m ben 

SRunb leget, inbem er nämlicb. erftlicb ben Slccorb burcb eilte geföwinbe 93recfcung 

anklagt, bocb fo, b(% be« Sängers erfte 9*ote, wo mogticb, in ber oberften 

Stimme liege, unb gtetcb barauf ein ^aar ber näcbften 3nter»aUe, bie in ber 

Singfttmme »ortommen, einseht nadtfcbtägt, f. Sab. XXIII. $ig. 5. 




©iefeS lömmt bem 6änger, fowobt wegen beS ©ebäcbtntffeS, al§ aucb wegen 
ber 3ntonation, febr su ftatten. <2öa$ fonft nocfe im 9fccttatit> p bemerken, 
unb im Slccompagneinent übttfavipt m beobachten ift, wirb in bem fotgenben 
«Slbfdmitte weittauftiger ge^eiget werben. [*)] 



[*) 6. baju <£b. 6. «ad), <23erfu# über bie wabre 2trt basü ßlaoier ju fbielen II, 
6. 313 ff. unb ©. S. £6btein, ßlauierfcbute II, ®. 154 ff.] 



-J$$*§1$0£-" 



<33on fcen ^Pftic^ten afler Slccompagniften überhaupt 183 



©C« XVII. §ÖU))tftÜ^ [239] 

VIL Slbfönttt 

QSon ben ^fftd^ten ft>eld)e alle begletfenbett S«ftttt^ 
mentiften überhaupt in %lti)t §u nehmen ^at>en. 

1. §. Soll ein Qrdjefter recfyt gute 'SBirftmg tljun: fo muffen mdjt nur 
alle 90tttglieber beffetben mit guten unb reinen Snftrumenten öerfe^en fetyn, 
fonbern jüe muffen biefetben auef) richtig unb gteid)tautenb einstimmen wiffen. 

2. §. <?£ tonnte für einen £leberflu§ angefe^en werben, wenn i<$ wegen 
ber 6timmung bei: 'Sogeninftrumente einige Erinnerungen macfye: benn wa£ 
fc^eint leichter ju fe$n, al$ ein mit *>ier Seiten belogenes 3nftrument in 
Quinten rein gu ftimmen? ba ja ba£ ©e^ßr natürlicher 'JBeife ef)er ba£ 3ntert>al( 
ber Quinte, at$ bie übrigen, begreifen lernet, ©effen ungeachtet teeret e$ bie 
Srfa^rung, baf, wenn and) einige erfahrene QStotiniften, ober anbere 3nftru- 
mentiften, fxd) in biefem Stütfe tyrer ^fKcfyt gemä§ »ermatten, benno<$ ber 
meifte §f>eit, entWeber au£ llntt>iffen^eit, ober au$ 9Za$täfjtgfett, bawiber 
tyanbeft: fo baft, wenn man, bety einem gastfreieren ^ccompagnement, bie 
3nftrumente einzeln unterfuc^en fottte, man ftnben würbe, bafj n\ä)t nur 
faft ein jebeS 3nftrument in fxd) fetbft unrein geftimmet fetyn, fonbern and) 
öftere nici)t jwep ober bre^ mit einanber übereinftimmen würben: welches aber, 
an ber guten Qluöna^me ber SKufil überhaupt, eine grof*e Äinberoifj gu 
Wege bringt [240] 

3. §. 9Ber ba&on beweis »erlanget, ber ftelle fxti) einen gelitten Slatrier« 
fpieter fcor, wenn er auf einem öerftimmten 3nftrumente fielet, unb bemerJe, 
ob bie Hnreinigfeit ber Stimmung einem feinen mujtfalifcfyen ©etyöre nicfyt me^r 
<33eleibtgung ant^un wirb, aU if>m beS Spielers gute 2lrt gu fpieten Vergnügen 
erwedet. @ef$te$t nun biefeS be^ einem einzigen Snftrumente, wo bie 95er* 
boppelung ber Söne nur au£ gweenen (finltängen unb f>ö<i)fteng gwoen Öctasen 
befte^t, xoa$ für eine üble <2Bir!ung muf e£ nxd)t be^ einer gastfreieren SEJluftt 
t^un, wo ber ©nflang fo öielmal öerboppett wirb, wenn bie Snftrumente nx6)t 
mit einanber übereinftimmen. (£g ift gwar wa^r, ba% ein jeber t?on bm 



184 ®e$ XVII. ÄauptfKUB VII. <Hbfd>nitt. 

<23ogemnftrumentiften fein 3nftrument nad) bem ©ef>ßre fpietet, unb bie ginger 
nad) ©efatten, p$e* ober tiefer fe^en fann: allein bie unreine Stimmung wirb 
bod> bann unb wann bur$ bie bloßen Serien, welche man r&äjft m <&** Seiten 
üermeiben lamt, befonberS bie tiefften, auf einem jeben 3nftrumente Serratien. 
HeberbiefeS ift §u fcermut^en, ba% berjenige, welcher ftd) fo tei^tfmrog gewinnet, 
fein 3nftrument feiten re$t rein p ftimmen, aud) id#f sermögenb fd), baffelbe 
re$t rein ju fpieten: weil immer auä einem Hebet baß anbere entfpringt 2öäre 
aud) ein 93iotinift gefeilt genug, bur<$ 93erfe$ung ber Äänbe atteS ju fielen, 
o£ne bie bloßen Seiten §u berühren: fo fann er bo$ md)t öermeiben, bie 
Quintenfprünge mit einem Ringer &u greifen. Sinb nun bie Seiten an unb 
für ftd) ni^t rein geftimmet: fo bleiben biefe Quintenfprünge, in gefd)Winben 
Stüden, gtei^fattS unrein. 

4 §. Hm bie Biotine rec^t rein ju ftimmen, £alte td) bafür, bafi man 
nid)t übet t^un würbe, wenn man ft<$ nad» ber 9?eget richtete, bie be$ Stimmung 
be$ (EtatrierS beobachtet werben muf, nämti^: wenn man bie Quinten, nicfyt, 
wie gefegt, gans rein, ober wo|>t gar über ft<$ fd)Webenb, fonbern metme^r 
unter fb fd)Webenb ftimmete: bamit bie btofen Seiten alle mit bem Statriere 
übereinträfen, ©enn fofern man bie Quinten alte fcfyarf unb rein ftimmen 
will: fo folget natürlicher SBeife, bafj t>on mer Seiten nur eine mit bem 
glasiere gtei^tautenb ift. Stimmet man aber baß «21 p» dtat>iere rein, unb 
tc$t baß <£ sunt <2l ein wenig unter ft<$, bat © sum % unb ba$ © jutn © 
aber, über ftd) fd)Weben: fo werben betybe 3nftrumente gegen einanber überein» 
ftimmen. [241] ©od) will id) biefe SKe^nung r&äjt aU 9Jeget, fonbern nur 
§um weitem 9tad)benfen gegeben ^aben. 

5. §. ©ie <23ta$inftrumente tonnen, bei warmer Witterung, ein wenig 
tiefer als bie Biotinen einftimmen, weit fte ftd) in wäf)renbem Olafen er^ityen: 
ba hingegen bie mit Seiten bejogenen 3nftrumente, ftci> burd) bie <2öärme 
erniebrigen. 

6. §. ©er Son, in welkem bie Or^efter p ftimmen pflegen, ift nad) 
93ef<$affenJ)etten ber Qrte unb Seiten immer fef>r serfc^eben gewefen. ©er 
unangenehme Horton $at einige 3al)r£unberte in ©eutf^tanb ge£errfd)et, 
welches bie alten Orgeln fattfam beweifen. [*)] Vflan $at aufy bie übrigen 
3nftrumente, at3: 93iotinen, 93a§geigen, ^ofaunen, flöten a bec, Sd^altme^en, 
<33ombarte, trompeten, dtarinetten, u. f. w. baxxtafy eingerichtet. 9iad»bem 
aber bie granjofen, nad) tyrem angenehmen tiefem Sone, bie beutf^e Quer- 
pfeife in bie <5töte trat>erflere, bie Sdjattme^ in ben Jooboe, unb bm «Sombart 
in bm <Baffon t>erwanbett fyatttn, %at man in ©eutfd)tanb a\x<$ angefangen, 
ben !>o£en Horton mit bem Kammertöne gu »erwe^fetn: wie auty nunme^ro 

[*) 93eröt t>asu <%l. ^raetoriuö, Syntagma musicum, IL ^etl (1618), 6. 14 f.] 



93 on ben ^fiidjten aEer $lccompagniften überhaupt 185 

einige ber berühmteren neuen Orgeln betoeifen. ©er oenejtanifdje Son ift 
i^iger Seit eigentlich ber £ö$fte, unb unferm alten (Eltone faft ä^nli^. ©er 
römifcfye Son tt>ar, &or etlichen unb jtpan^ig 3al;ren, tief, unb bem ^arifer 
Sone gleic^. *21ni$o aber fängt man an f ben ^arifer Son bem üene^ianif^en 
faft gteid) gu machen. 

7. §. ©ie 93erfc^ieben^eit beg SoneS in freierem man ftimmet, ift ber 
90iuftf fe£r fdjäbtid), ^e^ ber Singmuftf »erurfadjet er bie £lnbequemltd)feit, 
bafj bie Sänger biejenigen ^rien, bie an einem Orte, tt>o bie 6timmung i>od) 
tft, für fte gemalt tt>aren, an einem anbern Orte, tt>o man tief ftimmet, unb 
umgetel;rt, bie $lrien, bie nad) einer tiefen Stimmung eingerichtet jmb, an 
einem Orte, tt>o bie Stimmung £od) ift, faum brausen können. G:£ ttäre 
ba^er fe£r gu wünfcfyen, bafj an allen Orten einerlei $on be$ ber Stimmung 
eingefügt werben möchte. (B ift nid)t ju täugnen, t><$ ber £o|)e Son t>iel 
burcfybringenber ift, aU ber tiefe: er ift aber bagegen be$ Leitern nid)t fo an» 
genehm, rü^renb, unb prächtig. 3d) toill zbm nid)t bie ^art^e^ *>on bem ganj 
tiefen fran5üftfd>en Kammertöne nehmen, ob er gleich für bie glöte tra&erftere, 
t>m [242] Aoboe, ben 93affon, unb einige anbere 3nftrumente ber t>ort^>cil^afteftc 
ift: i$ fann aber auefy ben gan& £ol?en öeneaianif^en Son nid)t billigen, tt>eil 
bie QSlaSinftrumente in bemfetben a%t ttribrig Hingen. 3d) |>alte belegen 
ben beutfe^en fogenannten ^Kammerton, tt>etd)er eine Heine Serge tiefer ift, 
als ber alte d^orton, für ben beften. ©enn biefer ift toeber ju tief, noefy jtt 
$od), fonbern t>a$ Mittel jttnfcfyen bem fran5öfifd)en unb fceneäianifcfyen: unb in 
biefem Knnen fott>ol)t bie mit Seiten begogenen, als bie QBlaSinftrumente, t^re 
gehörige QBirlung tfmn. ©er gan§ tyo^e Son tt)ürbe machen, baf obgleich bie 
gigur ber 3nftrumente bliebe, boefy enblid) au£ ber glitte tra&erftere ttueber 
eine Querpfeife, au$ bem fioboe lieber eine Sc^allme^, au# b$t 93ioline ein 
93iotino piecoto, unb au£ bem 93affon ttrieber ein 93ombart werben toürbe. ©ie 
93taöin|irumente, toelcfye bod) eine fo befonbere Sterbe etneS Qrd)efter$ ftnb, 
tt>ürben Jjierioon ben gräfjten Stäben fyabm. ©em tiefen Sone §abm fte eigentlich 
ityren Hrfprung ju banlen. Qßenn nun öornetymlid) bie Jooboen unb ^Saffone, 
toeld)e jum tiefen Sone gemalt korben, burd) ^erfür^ung ber 9?i$re unb 
ßrffe in bie Sbtyt gelungen toerben muffen, fo werben fte, burefy biefe 53er* 
türsung, burd> unb burd) falfd^. ©ie Öctatjen gef>en auSeinanber, unb ber 
unterfte Son einer Öctat>e tt)irb tiefer, ber oberfte aber $öf>er: fo tt>ie im 
©egent^eite bety alljutoetter 5lu^sie|)ung be^ 9?o^re^ unb 93erlängerung be^ 
©ffe^ [I], bie Octavm jufammen ge^en, unb ber unterfte Son ^6|>er, ber oberfte 
aber tiefer toirb. QE§ §at bamit titn bie ^efcfyaffen^eit tt>ie mit ber gißte, 
toenn man ben pfropf berfelben enttoeber aügutief einfteefet, ober attgutueit au^= 
5ie^t. ©enn im erften gälte ge|>en bie Öctaüen, auf oben gemetbete ^Beife 
auöeinanber, im jtpe^ten aber, geben fte jt<$ ^ufammen. 9Jlan fönnte tfvat 



18 g ®e« XVII. SbmtfßM VII. 3lbfd>mtt. 

allenfalls «cinerc unb engere 3nftrumente, 8«»« ^»xtbtüe beS boben SoneS, 
»erfertigen taffen: allein tote meiften 3nftrumentenmad)er arbeiten nacb tbretn 
einmal angenommenen, nad) bem tiefen Sone eingerichteten ^obeüe, unb bte 
wenigften würben im Stanbe fe»n, bie STCenfur nad) gehörigem 93erbaltm& fo 
ju »erjüngen, ba% baS 3nftrument s»« bod) »&H b°<b <*« aud > l cme 
cReinigiett behielte, ©erietbe aud) enblicb «in« unb baS anbere, fo wäre bod) 
noeb bie Srage, ob bie obgemelbeten 3nftrumente, wenn fte auf ben boben Son 
eingerichtet fmb, nod) eben bie <3Birtung tbun mürben, weld)e fte tbun, wenn 
fte be» ibrem alten ibnen eigenen 90caa^e bleiben? ©ie <£artbettlid)teit für ein 
Snftrument ift jwar an ftcb felbff gut, aber nur fo lange, «IS fte ben anbern 
3nftrumenten niebt 8»«t [243] Schaben gereichet. 3n einigen fetten <2Belfd)= 
lanbS liebt man bie obengebaebte ©rböbung be« SoneS. ©erat in btefem £anbe 
werben bie <33laSinftrumente weniger als in anbern £änbem gebrauchet: unb 
folgte b.at man ba»on nid)t einen foleben guten ©efebmaet, aß »on anbern 
©tagen in ber 3Kuftf. 3n 9*om würben etaS[t]malS bie «StaStaftrumente auS 
ber Äircbe »erbannet. Ob nun »ielteicbt ber unangenehme ^o^e Son, ober bie 
Qlrt fte su fbieten baran Slrfacbe gewefen, taffe id) ba&in gefteUet fe»n. ©erat 
obgteid) ber römifebe Son tief, unb für ben Äoboe »orfbetlbaft war: fo fpieleten 
bod) bamalS bie Äobotften auf foleben 3nftrumenten, bie einen ganjen «on 
$öber ftunben, unb mußten folglid) tranSöoniren. allein biefe boben Snftru- 
mente traten, gegen bie übrigen ttefgeftimmeten, eine fotefee Sßirtung, als wenn 
fte beutfct)e 6cballmeöen wären. 

8. §. <2öegen beS Eingreifens ber Söne auf ben <23ogeninftrumenten, 
unb fonberlid) ber Violine, r~ömmt fe^r »iel auf ein gutes muftlatifd)eS ©ebör 
an. ©iefeS aber rörnmt niebt »on ber 9*atur allein ber, fonbern es mufc aueb, 
bureb bie ©rrenntni§ beS <23erbattS ber Söne, juwege gebracht werben. SEßand)er 
embftabet, bureb baS angebobrne ©ebör, wenn ein anberer falfd) fpielet: wenn 
er aber eben benfelben gebier fetbft begebt, wirb er eS entweber niebt gewabr, 
ober er weis ftd) niebt m belfen. ©aS befte Mittel, ftd) aus biefer Stewiffenbett 
p reiffen, ift baS OTonocborb ober ber ^langmeffer. Qtuf biefem tarnt man 
bie <33erbältniffe ber Söne am aüerbeuttid)ften erlernten lernen. ©S wäre beS* 
wegen nötbig, *a% niebt nur ein jeber Sänger, fonbern aud) ein jeber Snftru- 
mentift, ftd) biefelben begannt machte, ©r würbe baburd) bie ©rtenntntfc ber 
Subfemitone »iel seitlicher erlangen, unb »iel eber lernen, t>a% bie mit einem b 
beseiteten Söne um ein ^omma bbber feön muffen, als bie, weld)e ein ^reus 
»or ftd) b<wen: & a er ftcb, obne biefe ©inftd)t, nur allein auf baS ©ebör, 
welcbes bod) betrügtieb ift, »erlaffen rauf. Äauptfäcbtid) wirb biefeS »on ben 
QJioltatften unb bergleid)en "Sogeninftrumentiften erfobert, als benen, wegen 
6e$ung ber ^nger, Mne ©ränsen, wie ben 'BlaSinftrumentiften, gefe^et werben 
fönnen. €S Würbe aud) mand)er in ber fiöbe retner fbieten, wenn er wü^te, 



93on öett ^fftc^ten atter ^Iccompagniften überhaupt 187 

bafi auf einer Setjte, öom anfange bis in bie &ö£e, t)ie $öne nid?t in einerlei 
3Beite, fonbem immer öerjünget, nämlicfy nctyer unb nä^er an einanber liegen. 
3um Q3ewei$: bie Se^te wirb auf ber ©eige wie auf bem ^ftonoc&orbe in 
ätoeene Steile geleitet: ba benn bie erfte Ääffte baoon bie £>ctat>e an-[242]gtebt. 
Reitet man bie jtoetyte ioälfte ba&on wieber in ^tpeene Steile, fo giebt ber 
erfte Qfytil baöon nod> eine £>cta&e |>ö|>er an: unb fo t>erfwlt tß ftc^> mit bem 
9?effe ber Segte, bis an bm 6teg. <2Bottte man nun in ber xmfytm Öctase 
bie ginger eben fo totxt auß einanber fe^en, aU in ber erften, fo würbe bfy 
einem jeben Sone, anftatt ber Secunbe, bie Serje |)eroor lommen. dß folget 
alfo hieraus, ba% bie Verjüngung, naty bem erften Sone, in gehörigem 93er* 
Sjättniffe tfjren Anfang nehmen, unb fo, big pm (fnbe ber Se^te, fortfahren, 
folglich baß 3nftrument mit trieter 93eurt$eilung gefpietet werben muffe. 

9. §. QBenn bie eigentlichen 6ubfemitone öotfommen, ,ba£ ift, wenn ein 
burd) baß b erniebrigter $on, ft<$ in ben nad)ft barunter tiegenben burd) 
baS $reuj erbeten, ober ein burd) baß $reus erdeter, ftc^ in ben nädjft 
barüber üegenben burd) baß b erniebrigten $on serwanbelt, f. Sab. XXIIL 
gig. 6 unb 7: 

(t*. XXIIL] <Sxq. 6. ffig. 7. 



° f ' r itii? W 5 



fo ift §u merfen, ba#, wie fdjon im vorigen § gebaut worben, ber Son mit 
bem Äreuje, gegen ben mit bem b, um ein 5?omma tiefer fe^n mu#. 3um. 
ß^empel © mit bem ^reuje, mu§ ein ^omma tiefer fe^n als $1 mit bem b, 
<2öenn biefe jwo 9?oten an einanber gebunben ftnb, f. Qäb. XXIIL gig. 6, fo 
mufj ber Ringer be$ bem auf baß b fotgenbefn] 5?reuje, tttoaß surücf gejogen 
werben: fonft würbe bie grofe Ser^e gegen bie ©runbftimme pi fyoty fe^n. 
gotgt aber auf baß Shxu% ein b, f. <gig. 7. fo mu§ ber ginger be$ ber 9*ote 
mit bem b um fo *riet hinauf rüden, alß man tyn bfy bem *>or$ergef>enben 
(%empet jurüd jie^t: wie £ter in ber Öberftimme fcom © mit bem 5?reuj xnß 
21 mit bem b, in ber jwe^ten Stimme som S mit bem 5?reuje xnß g, unb 
in ber ©runbftimme, t>om (£ mit bm $reuje inS © mit bem b, angebracht 
werben muft. <£bm biefeS ift auf aßen 3nftrumenten ju beobachten: baS Qlamt 
aufgenommen, ate auf welkem man bie 93erwanbetung ber 6ubfemitone nid)t 
angeben lann, unb welches beSwegen eine gute Temperatur ^aben mu^, um ju 
be^ben erleibfi^ au Hingen. 3luf ^taSinftrumenten gefc^ie|>t biefe Veränberung 
bmd) ben Qlnfa^, nämti^: auf ber gtöte wirb ber Son bur^ ba$ ^lu^wärtS* 



188 <SM XVII. aa«Hrt|«HÖ VII. 9ttf*««t 

breben erböbet, unb burd) baS ginmärtSbreben emiebriget. %rf bem Äoboe 

be* <*obre* in ben SKunb, «nb feftere* 3ubrüden ber finye n bte J^tebr gung 
aber burd) 3urücf S iebung beö 9lobreS, unb Sfotfaffung ber St^en. [245] 

' SS. 4enn ein Ord)efter gut feun foO, muß eS ftd) ■«• guten «nb 
einem ieben ßtfide, in feiner ** «nb nad) feinen <Sigenfd>aften gemäßen *or= 

tatf befleißigen. «J WA fe M^S ^ r frauti S' ***«« 0&er f ^T ' 

S 'o f Äeinb, ober toie' * fcnft fe 9 n mag, fo muß e* in ber £etbe« ; 

iaft, »eld>e eS auSbrüden fUt vorgetragen »erben. <öat man eme «nce^renbe 

-££» P ^gleiten, fo muß ein jeber meeompagmft, £, "^»J 

nad) bem «Sortrage be* doscertiften richten, unb an aüen «rnftanben Sbetl 

nehmen. <Zi mu^babett leine <?>artbet>üd)reit berrfcben, baß man be* etnen 

feine Arbeit gut, Je« anbern feine Arbeit ffift* äußren »oute: fonbern ein 

eber muß «He* mag ibm oorgeteget »irb, eS fet, gefegt »on mm» motte 

mit eben bem Sifer au* 5 uffibren fud,en, al» M f f«J «*"**"* "£ 

»iE er anberö nicbt ben, einem SKuftru« fo rübmhcbe«, Sbaratter etneö 

ebrticben Cannes »erläugnen. 

11 8 «JßaS 8U Erlangung eine« guten Vortrag« überbau* erfotat 
»irb, tan «nl bem XI. Aaatftfife mit mebrerm erfeben »erben. 9*9* 
ber 93ogenftrid)e, bie ein jebe* etüd erfobert, wirb tm II. ^bfdmttte btefe* 
&Uti»A erflaret: »eil bod) beim tom»agnement auf bie «Sogentnftrumente 

ba« meijte „««»^ ^ . ebeg 6tM unb dnc j ebe £c ibenfcbaft inSbefonbere, 
fonbern aucb ber Ort unb bie 2lbftd)t einer Wtt, geben J>em «Bortrage ber- 
Uta Ä ^geln unb ©nfcbränfuugen. 3. £ CBne «enmuftf erfotat 
mebr 4rait unb (fmftbaftigfeit, a» eine tbeatratifcbe, »eld>e mebr Sreöbett 
Tu «ßt. <2Benn in einer «enmuftf, •" bem Gomponifte«, etmge fredje «nb 
bi am ©ebanien, fo ftd) in bie 5?ircbe „id>t mobt fdjiden, mtt foOten femt et» 
geKte« «orbe«: fo mlffen bie *lceom,agnifte«, befo«ber* aber ^ ^otmtje«, 
Sabin trafen, baß foldje burd) einen befd)eibenen Vortrag, fo mel mogttd), 
»ermäntelt, ge ä abmet, unb fanfter gemacht »erben mögen. 

13 S ©n guter unb ber Sacfce gemäßer «Vortrag, muß ftd) aber aud) 
biö auf bie tomifcbe <®m etftreden. (Sin 3mifcbenfpiel, (Intermezzo) »d** 
etoe Sricatur, ober UZ ©egentbeil oon einer emftbaften Stngmuftf »orftejet, 
unb mau? gemeine« unbuiebrigen, * emftbaften [246] ©eban en t,o„ bem 
Gom^oniften ^ ^ ^ «eine a«bere ^ ate bre SWÄ ««b M 
£ad)en 5«m ©rinbe bat, muß, men« e« feinen 3»e<S «^J*^? 
begleitenben Stimmen, ä «mal in ben lad)erlid)en 5Uten, «^« *****»& 
bafte Oper, fonbern auf eine niebrige, unb gans gemetne <2lrt Qta 
»erben. Sin gleid)e« ift beö einem «aßet »o« gemeinem Charter 8« 

I 



Q3on ben ^fti^tcn aller Slccompagmffett überhaupt 189 

beobachten: weit, wie fd)on gefaget korben, ba« Slccompagnement, nid)t nur an 
bem (frnft^aften, fonbern and) an bem i?omifd?en, ^nt^eit nehmen muft. 

14. §. ®er Vortrag mu£ aber ni$t altem gut, unb jebem Stüde gemäfc, 
fonbern and) be$ allen ^Jütgltebero eine« guten Örc^efter« gleich unb überein- 
ftimmenb fe^n. ^Slan tt>irb einräumen, baf* eine 9*ebe fcon bem einen me£r 
©nbrud at« t>on bem anbern machet. Sollte man eine beutfd)e ^ragöbie, in 
weiter lauter «perfonen, bie in tUn bemfelben £anbe gebogen ftnb, sorfämen, 
mit ßeuten »orftelten, beren SEftunbart unterfd>ieben wäre, at« Sodjbeutfdj, 
9tteberbeutf<$, Oefterreic^, Sc^wabifd), «fcrottfö, ed>wei$erifd>, u. f. w. fo 
tpürbe fot<$er ilnterf^ieb ber $iu«ft>rad>e auci? bie atterernft^aftefte STragbbie 
lä<$erti$ machen. Wtxt ber 3Äuftf fat e$ faft eine gleiche Vewanbtnif, n>enn 
bey fot<$er ein jebe« SOfttglieb feine befonbere $trt §u ftrieten $at 3. 2. Sollte 
man ein Ör^efter au« folgen ^erfonen ^ufammen fe^en, beren einige nur nad; 
itatiämfc^em, anbere nur nad) fransöftfe^em ©efdjmade, anbere- au$er biefen 
be^ben «2trten Mieteten: fo würbe, wenn and) ein jeber in feiner <Hrt gefeilt 
genug wäre, bod? bie SluSfü&rung, wegen ber 95erfc^ieben^eit be« Vortrage«, 
eben biefelbe <2Btrlung t£un, wetd>e oben von ber ^ragöbie gefagt worben. 
3a ber Sd)abt würbe nod) triet größer fe^n: weit bfy ber Sragöbie bod> nur 
einer nad) bem anbern rebet, be$ ber Wnfxt aber, bie meifte Seit, t>on alten 
äugteid? gemietet Wirb. <3Kan glaubet oftmals, t>a%, wenn nur bie Äauptftimme 
mit gefd^ften Eeuten befe^et fefc e« mit bm übrigen md)t M ju fagen £abe. 
<2öie aber ein tt>enig (Sfftg and) bat beften SBebt serbirbt: alfo |if#i#t e* and) 
in ber 9Kuf«, wenn nur einige Stimmen gut, bie anbern aber, unb fottte eS 
and) nur eine einige fe^n, fd?led)t gemietet werben. 

15. §. <£in jeber Soncerttft mu§, wenn er eine 9*tyienftimme fielet, 
feiner ©ef<$tflid>Ieit, bie er im Soncertiren unb im Solofirieten beft^et, auf 
gewiffe 9lrt entfagen, unb fxd) au« ber $re#eit, bie tym, wenn er allein [247] 
hervorraget, erlaubet ift, ju ber 3eit, wenn er nur aecompagniret, fo in fagen 
in eine Sflasere^ verfemen, <£r barf alfo md)t$ ^injufügen, wa« irgenb nur 
bie •aftelobie t>erbunfeln fönnte: befonber«, wenn thm biefelbe (Stimmt me£r at« 
einmal befe^et ift gOßibrigenfatt« würbe er eine grofce Verwirrung in ber 
gjletobie anrieten, ©enn e« ift nic^t möglich ba^ einer ju alten 3eiten be« 
anbern ©ebanfen erraten Wnne. 3. <£. C* ma^te einer nur einen 93orf«^lag, 
ber md)t getrieben wäre, unb ber anbere ftrielte bie 9*ote ftm^et: fo würbe 
baburc^ eine üble ©iffonan^, o^ne Vorbereitung unb ^uflöfung^ »um Vorfc^eine 
fommen, unb bat ©e^ör, befonber« in tangfamen Stüden, fe^r beteibigen. [*)], 
<2Bollte einer bie getriebenen Vorf^Wge nic^t na^ i|)rem gehörigen 3eitmaa|e 

[*) SHefe Unart erhielt pc^ Jebo$ bi« toeit in« 19. 3a$r&unbert 6. £. 6po^r« 
eelbffbiosr^ie L 6. 330 mb ib. 33erfiofc Siterar. Qöerfe II, 6. 63.] 



190 ©e« XVII. ÄmUrtfHWt« VII. Slbfdfrnttt. 

fielen, fonbern bie langen fürs, ober bie furzen lang mad>en, fo würbe folc^ed, 
wegen berer bie mit i£m fielen, eine eben fo übte SBirfung tfrun. ®ie 9tttor= 
nette vornehmlich muf er ofme alten »iBBtydic&en 3ufa$ au«fü£ren. ©iefer 
3ufa$ pf|l nur bem Goncertiften fre$. einige |>aben bie übte ©ewofcnfmt, 
fd)on im 9?itornett jutpeiten aller|>anb ^tfanserepen anaubrtegen, unb vergeffen 
barüber wo&t gar bie 9tofen re$t 5« lefen. SWan^e bef<$tie£en abfonbertief) 
bie <2lrien mit einem vottftimmigen ©rtffe, wo feiner fe^n fotl. ©iefe« freuten 
fte bm 93ierfiebtern abgetemet 5U $aben. 9*o<$ f^timmer ift, wenn fie unmittel- 
bar nad) bem 6<$tuffe ber 2lrie, ein °paar btofce Seiten auf ber Biotine au- 
ftreiben. <2ßenn nun 5. <£. bie «21rie au« bem <£« bur get)t, unb fte probiren 
gleich barauf G unb 51, fo fann man ftd? vorftelten, wa« e« für fd>Sne 
^Birfung tfcue. "• 

16. §. ®a nun fotd^ergeftatt bie Scheit eine« 9r<$efter« £auptfä<$lid) 
barinne befte^t, ba% bie SÜfttgtieber beffetben alte einerlei «Slrt gu fpieten $aben, 
ha von bem 2lnfü^rer beffetben unumgänglich eine gute, unb \tUm Stüde 
gemäße SJlrt §u fielen, erfobert wirb: fo liegt e« aud» einem \tbzn SOfttgttebe 
be« 9rd>efter« ob, fu$ in biefem gälte na<$ bem Qlnfü^rer 5U rieten, feiner 
^nweifung ni$t ju wiberftreben, unb e« ftd) für feine 6d)anbe §u achten, wenn 
man ft<$ einer vernünftigen unb nötigen Suborbination, o£ne welche feine gute 
3RufH befte^en fann, unterwerfen mufc. 9Kan wirb fetten ein feit vielen Sauren 
*ingeri<$tete« Orcfyefter fmben, wetd>e« xtxfyt fowof>t au« guten at« au« f$ted)ten 
fieuten befte^en fottte: wie man am beften wa^me^men fann, wenn man, um 
ein Hein Goncert m ermatten, we$fet«wetfe nur einen Sfceit bavon au«fud?et. 
G« be»[248]fmben ft$ fowofct alte at« junge £eute .barunter. Sßeber ha§ Filter 
nod) bie 3ugenb ber ^itgtieber mad)t ein Ordjefter gut: fonbern bie gute 3ud>t 
unb Örbnung, in welcher fte ft<$ beftnben. G« fann ein alter 9?epieniff, wenn 
er anber« no$ gute Gräfte t>at, unb unter einer guten <2lnfüf>rung erjogen 
worben ift, beffere ©ienfte teiften, at« mancher junger, welker vielleicht me^r 
Vermögen S<$Wterigfeiten au«8ufü|>ren, aber weniger Grfaljrung beft^t, unb 
habfy nifyt fotgfam ift, ft<$ ber gehörigen Suborbination §u unterwerfen. Öefter« 
pflegen fowo^t bie bitten, wenn fte unter einer fctyled)ten <2lnfüi?rung ergogen 
worben ftnb, at« bie 3ungen, wenn fte ft<$ auf i^re gertigfeit im Spielen ju 
viel einbitben, wiberfpenftig ju fe^n: biefe, wegen i^rer vermeinten ©ef^ifti^feit, 
jene aber au« 93orurtf>ett, ober wegen be« Q3oraug« ber 3a£re. ©ie eilten 
meinen öfter«, e« gefep^e i^nen ju viel, wenn fte ft$ einem ^nfü^rer unter- 
werfen folten, ber nicfjt fo reid^ an 3a^)ren ift, at« fte: bie 3ungen aber bitben 
p*§ ein, eben fo viel ©ef^ifti^feit su beft^en, at« §u einem ^nfü^rer erfobert 
wirb: ungeachtet ber ^>fli^ten, bie einem guten $lnfüf>rer obliegen, nic^t wenig 
ftnb. 3Bie fann aber ein Ör^efter befielen, ober sune^men, wenn unter beffetben 
gOtttgtiebem, anftatt ^armonirenber unb biegfamer ©emüt^er, meiftent|)eit« nur 



Q3on ben ^ftic^tcn attev Slccontpagnifien ü&er&aupt 191 

( 2öibctfpenftigJeit / 9teib, £a£, unb Xinge^orfam £errfd)et. <3Bo bleibt ba ber 
gleite unb übereinftimmenbe Vortrag, toenn ein jeber feinem eigenem ^opfe 
folgen ttritt? 

17. §. 3ur Q3efdrberung beS übereinftimmenben Vortrags bienet nod) eine 
9ieget, bie einem jeben, ber ein guter SDfojHuS, unb inS befonbere ein gefeilter 
^ccompagmff werben nritl, angreifen ift: £3 mu£ fie$, fo lange aU er ein 
mufifatif<$e$ Stüd au$sufü£ren t)at, ber 93erftettungSfunff bereif igen. ®iefe 93er- 
fteUungSfunff ift ni<J>t nur ertaubt, fonbern fo gar £i>cfyftnöt£ig, unb tf>ut in 
ber Sittenlehre feinen Schaben, ^er fv§ bemühet, im gangen £eben, feiner 
ßeibenfdjaften, fo t>iel als möglich ift, 9J£eiffer su fetyn, bem ttrirb e$ and) nicfyt 
fcfytper fallen, fid) toenn er fpieten foll, alteseif in ben Effect, roetcfyen ba$ an$* 
jufü^renbe StM »erlanget, gu fe$en. 'SltSbenn tturb er erft rect)t gut, unb 
gleid)fam altejeit auS ber Seele fpieten. ®enn toer biefe löbliche 93erftettung3= 
tunft nicfyt t>erfte£t, ber ift nod> lein toaljrer SiJiuftluS, fonbern nicfyt beffer atS 
ein gemeiner ioanbroerfer: toenn er aucfy alte (Sontrafmncfe au$ bem ©runbe 
»erffünbe, ober auf feinem 3nftrumente alte mögliche Scfytt>ierigleiten §u [249] 
fpieten ttmfjte. SEKanc^er aber übtt teiber bie verbotene 93erftettung3funff im 
gemeinen 2tbzn fe^r ^äufig, bie ertaubte bep ber SD^uftS aber, nur fe^r fetten au&. 

18. §. <£in recfytfcfyaffener SSJiuftfuS muf* nicfyt eigenfinnig, unb auf 
feinen 9?ang nic^t alt^ufe^r erpicht fe^n. 3. S. (Sin gefaxter 93iotinift f)<xt 
jtd> ieineStoegS §u fc^ämen, toenn er im ^atl ber 9?ot£ etoan eine jtpe^te 
Q3iotine, ober gar bie <23ratfefye fielen müf?te. Qttrn biefe erfobern in %er 
$lrt, unb be$ manchen Stücken, eben fon>o|>t einen gef^iften ^uSfityrer, als 
bie erfte QSiotine. ©en beften unb grünblid)ften 9*ang giebt einem brafen 
SftuftfuS feine ©efd)iltid)feit: unb biefe fann er be$ bem einen fotoo^t als bfy 
btm anbzxn jeigen. 

19. §. ©ie genaue ^luSbrüchmg beS ^orte unb ^ianoO, ift eines ber 
nöt^igften Stüde in ber ^uSfülmmg. Sie ^btoec^fetung beS ^iano unb ^orte 
ift eines ber bequemften bittet, nityt nur bie fieibenfcfyaften beutlicfy t>orjuffelten, 
fonbern and) £xd)t unb Qtyatttn in ber SERufil §u unterhatten. 3ßenn fot<$eS 
in gehörigem 93er^ättniffe, unb gu rechter 3eit, von einem jeben beobachtet würbe; 
fo möchte mand)eS Stü<f be^ bm 3u£örem eine beffere ^Cßirfung t£un, als 
öftere ni<$t gefcfyie|>t Sftan foltte glauben ba§ nichts leichter fe^, aU na$ 
Slnjeige jtoeener 93uc^)ffaben, ffarf ober f<$tt>acfy ju fielen. ©ennoc^> ttrirb biefe^ 
fo toenig in *2l<^t genommen, ba% be^ manchem öfters no<$ eine münbti^e Er- 
innerung belegen nött;ig toäre. allein ba ein siemtic^er S^eit ber fogenannten 
Sonlünftter fetbft, toenig ©mpfinbung unb ©efatten an ber yRufit §at, fonbern 
biefetbe nur treibt, um bat>on Unterhalt p fyäbtn: fo nrirb folglich öfters, toeber 
mit £uff, nf><3) mit gehöriger ^ufmerffamleif gemietet, ©ine gute unb ver- 
nünftige Subordination Wnnte biefem Xlebet oiet abhelfen: benn n>o biefe fehlet, 



192 ® e $ XVII. &au»tpdS VII. Slbfcbnitt. 

ba bleibt ein Onftefte, wenn ftd, aud, «od> fo »tele gefcbtfte Seute barunter 
befänben, bocb aüejeit mangetbaft. 

Uno n«* MRqta. «MMte no* «nbere Wörter, dU: »Ä2^&. W« 
mono toeni-r2501qey,) mu, (mebr,) »oran, ober einige, atf: affat, nachgebet, w^e 
SJS2 5 «.«einem einaetnen -Su^aben auSgebrütfet werben, »eil 
STSm ^ "* ** einerie * ^f««9^«#ft«ben ^«be«, «nb man folgluj 
Sirrung «nr Jen mürbe, ©od, »flegt man, wenn nur ein m gefegt ■**££» 
wZ b«unter S u »erfreuen, wetdjeS Mfrt ijt oU bie «nbern. flte^ <2lu*brü<*e « 
mie LnoTsai ober pico forte fdjlägt Qu. »or, tnn SSermirmng ju »erbitten ba« p 
^HnteTbie befteffenbe Ä bie 91ebenwörter aber jebeSmal binter ober »or 
fte 8« fe^en.] 
20 i ©aS Sorte unb <piano muß niemals auf« außerfte getrieben »erben. 
9Kan muß bie Stijtoumente «f* ftarfer angreifen, a» eä ! ibre Statur .tobet: 
benn biefeö würbe, 5 umal an einem «einen Orte, wo bie mim nabe Jeben, 
bem ©eböre febr unangenebm fallen. SKan muß »ietmebr attejeit no^ ben 
cßortbeit übrig p bebalten fuct)en, nbcb ein Sortiffimo ober Jtamfiuno, wenn 
e* nbtbig wäre «tfMMm p ton. O tarn biefe* öfter* ****>*« 
«ortommen: um eine ^ote, wenn aucb nicbt* babet, getrieben ftejt, enftoeber 
3 u erbeben, ober 5 u mäßigen. S>m* man nun auejeit in ber größten Starte 
ober Scbwäcbe gefielet: fo würbe biefer «ortbeil »erlobren geben. 3uge- 
fcbweigen, baß j*otfc$en bem Sortiffimo unb «^ianiffimo mebrere Stufen ber 
Mäßigung M beftnben, als man mit «©orten auSbrütfen lann, unb wetcbe 
nur »ermittelft ber gmbfmbung unb <23eurtbeilung, au« bem «ortrage etne* 
guten Goncertiften «tarnt, unb fobann mit ©iSctetion ausübet »erben muffen 
®a* Sortiffimo, ober bie größte Starte be* SoneS, fann am fugt^ften mit 
bem unterften Sbeile be* «Bogen«, unb etwa* nabe am Stege, ba* ^lamfftmo, 
ober bie außerfte Scbwäcbe ** $one* abcr ' mit öer 6pi * e bcS ^S«"*' uni) 
»om Stege ttfoai entfernet, au*geübet »erben. 

21 § £lm ba* Sorte unb «piano recht au*subrficfen, muß man aucb be* 
tracbten,' ob man an einem großen Orte, wo e* fcbaUet, ober an einem [251] 
Keinen, jumat tabejirten Orte, »o ber Son gebambfet wirb, accompagmre, ob 
bie 3uborer entfernet ober nabe fetm, ob man eine fcbwacbe ober eme forte 
Stimme begleite, unb enbticb ob bie 2in 5 a6l ber accompagnirenben Snftrumenfe, 
ftart, mittelmäßig, ober gering feö. 9ta einem großen Orte, wo e« fcJaUet, muß 
man nacb einem ftarten unb raufcbenben Sutti, ein im«uf •££»»> fotgenbe* 
«^iano nicbt aßsufcbwacö fpielen: weil e* fonft burcb ben 9lact>f3>atl würbe »er- 
Ölungen werben. Sofern aber ba« =plan» eine "©eile anbält, fann man ben 



93on ben ^flictyten aller Slccompagmften überhaupt 193 

Son na<$ unb nacfy mäßigen. 3Bo biefer ümftanb nid)t t>or$anben ift, ba t^ut 
man beffer, toenn man t>a$ piano, be$ ber 9*ote tt>o e$ getrieben i% gleich 
fo nimmt nrie e$ fetyn foll. ^öenn aber auf ba$ piano ein ^orte folget, fo 
fann man bie erfte 9Zote baoon tttotö ftärfer fpielen at£ bie fotgenben. SSep 
Begleitung einer f$n>ad)en Stimme, mu£ ba& piano etn>aS f<$tt>ä<$er fe^n, aU 
bep einer ftarlen, im Slüegro nefjme man e£ fd)tt>ä$er als im $lbagio, in ben 
f)of)en Sbnen ober auf ^n t>ixnnm Seiten fcfytt>ä<fyer aU auf ben biden. 'SBenn 
in einem (Eoncert, fonberücfy n>enn e3 ein 'Jlötenconcert tft, unter bem Solo 
ein <5orte *>orfömmt: jumat tpenn bie ©töte nicfyt in ber £öf>e, fonbern in ber 
Siefe ftrietet, fo mu£ föt^eS nur aU ein SÖfo^o forte auSgefityret tterben: tpie 
benn überhaupt eine ^töte, fo ttrie eine jebe fdjroacfye Stimme, mit Pteter 
SDWfngung begleitet werben mufj. S$ fömmt nur barauf an, ba% ein jeber 
£lccompagnift ^Ic^tung gebe, ob er bie concertirenbe Stimme felbft f)öre. 3ft 
biefeä nicfyt, fo tann er leidet merlen, t>a% ba$ ^ccompagnement ju ftarf fe$, 
unb folglich eine 90Zä£igung erfobere. ®ie Slnsa^t ber begteitenben 3nftru* 
mente mufj enbti$ au$ in Betrauung gesogen tt>erben. ©efetrf e$ Mieteten 
jtPbtf 93iotiniften einerlei piano, eS treten aber fe$3 bapon auf, fo tpürbe 
au£ biefem 'piano ein p>iano affai. ©iengen nod) Pier bapon ab, fo tpürbe 
enblict) ein pianifftmo brauS. Soll nun ba£ piano feinen gehörigen 93er£alt 
tyaben, fo folget au$ obigem, bafj toenn gtoeene 93ioliniften piano fptelen, bereu 
fe(i>^ piano affai, unb jtoötf pianiffimo fielen muffen. aufgenommen an einem 
fe|)r großen Orte, *po ber Son ji<$ vertieret: benn £ter §at man fvfy nacfy ben 
Aauptftimmen, ob fol^e ftarf ober fc^tt>ac^, trompeten ober diäten finb, su 
rieten. 

22. §. < 2Beit aucfy nicfyt alle Snftrumente, befonberä bie 93iolinen, einerlei 
Stärle im Sone £aben, tt>eld)e$ folgttcfy im piano unb ^orte eine [252] £ln-- 
gtetd^eit perurf a$en lönnte: fo mufy ftd) ber Stärkere im ^orte na$ bem 
Sc^tpäc^ero, unb ber Sc^tpäcfyere im piano nacfy bem Startern rieten: bamit 
man ni$t eine Stimme ftärfer aU bie anbere %'bxi, befonberS tpenn fte 9Ja(^» 
a^mungen gegen einanber p fpieten |)aben, unb bie Stimmen nur einfach be= 
fe^et finb. 

23. §. ^Cßenn be^ einer concertirenben Stimme me|)r aU eine Stimme 
Sugtei^ begleiten, fo mu$ unter biefen bie ©runbftimme ftärfer aU bie übrigen 
gehöret tperben. ©n glei^e^ ift in einem Sutti §u beobad>ten, tt>enn anber^ 
bie 9)littelftimmen gegen bie Äauptftimme ober gegen bie ©runbftimme leine 
9Zacfya|>mung, ober fonft in Serjen ober Seiten eine äf>nti($e SERetobie ^aben. 
®enn bie Stimmen tpet^e nur §ur 93erftärlung ber Harmonie bienen, bürfen 
*>or ben ioauptftimmen niemals ^erpor ragen, ©n gearbeiteter, ober in allen 
Stimmen nacfya!>menber ober fugirter Sa$ aber, mu| auc^ pon allen Stimmen 
in einerlei Stärfe gemietet toerben. 

13 



-r 



194 ®e$ XVII. ÄauptftütfS VII. Slbftynitt 

24. §. SBenn unter einer langen 9?ote ein <^orte, unb gXct^> brauf ein 
^iano fte^t, unb fein gSedtfet be$ <23ogenftric^ ffatt ftnbef, fo mu§ biefelbe 
9Zote mit alter 5?raft, unb mit einem ©rüde beS Q3ogen3 angegeben werben, 
aber and) gteid) lieber o£ne 9?üdung be$ <33ogenS im Sone abnehmen, unb 
burcfy ein tertierenbeS ^iano fid) in ein ^iantffimo &ertt>anbetn. ßrg ?ömmt 
bergtetcfyen bann unb toann &or, fonbertid) n>enn eine Stimme im *2luf^eben beS 
SacteS mit einer ftarfen 9?ote anfängt, bie anbern aber im 9tteberf$tage ber* 
gleiten na<^uma<$en £aben, f. Qdb. XXIII. <5ig. 8. 

[Sab. XXIIIJ $ig. 8. f p 



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25. §. ^enn in einem *2lbagio ber Conjertift ben Son batb ^erftärfef, 
balb mäßiget, unb atfo burcfy Statten unb £\<fyt mit Effecte fptetet, fo ifyut 
e$ bie fd^njte «SBirfung, toenn i£m bie Qlccom^agniften in berfetben ^rt gu 
&ütfe iommen, unb i|>ren Son mit iJ?m gugleicfy aucfy serftätfen unb mäßigen. 
©iefeS tft, tt>ie f$on in ben vorigen ^bfcfymtten gejeiget toorben, befonberS htp 
folgen 9fa>ten, n?etc^e biffoniren, ober ju einer fremben Sonart vorbereiten, ober 
einen ^ufent^alt in ber gefd>n>inben ^etoegung *>erurfacfyen, ju beobachten. 
Sollte man btf) folgen hätten alles in einer ^sctibi ober Stärfe fpielen, fo 
ipürbe ber 3u|>brer in eine ^attfmnigfeit *>erfe$et derben, ©rüdet man aber 
ba$ gorte unb ^iano, [253] nacl) ^efdjaffen^eit ber Sad^e, tt>ed)fel$toeife, btp 
benen 9toten, fo jebeä »erlangen, gehörig au$, fo erreichet man ba§, toaS man 
fud)et, nämttd), ben 3u£örer in beftänbiger ^ufmerffamfeit ju erhalten, unb tyn 
au$ einer fietbenfcfyaft in bie anbre ju teufen. 

26. §. <23e9 ^ieber^olung ober 'Slefmttdjtfett ber ©ebanfen, bie <iu$ falben 
ober gangen §:acten befteljen, e£ fe^ in ^hm benfetben Qinm, ober in einer 
93erfe$ung, fann bie ^Oßieber^olung eines folgen Sat*e£ ettt>a$ fcfytoäcfyer, aU 
ber erfte Vortrag berfetben, gefpietet toerben. 

27. §. ©er Htlifon, toeld^er au£ einer orbentticfyen 'Ba^metobte befte^t, 
unb be$ einem ftarf befe^ten Qlccompagnement befonberg gute ^irfung tfmt, 
mufi ergaben, prächtig, feurig, mit 9Zad)brud beg 93ogenS, unb ftärJer im Sone 
als eine anbere SOtetobie, gemietet toerben. ©te bloßen Seiten, befonberS bie 
Quinte auf ber Biotine, finb babti) ju oermeiben. 

28. §. ©n Äauptfatj, (^tma) aumat in einer S^ge, mufj in einer jeben 
Stimme, unb ju aßen 3eiten toenn er un&ermut^et eintritt, mit ^ad^brude 
marliret »erben, befonberS toenn ber Anfang bat>on au§ langen 9ioten befte|>t. 



93on ben ^flid&ten alter Slccompagmften überhaupt 195 

©S finbet babe^ tteber eine S<$mei<$ete9 im Spielen, no<$ einiger nrittfü£rti<$er 
3ufa$ öon 9Zoten ffatt. 5Benn im Fortgänge betr guge feine Raufen t>or bem 
Eintritte *>orf)ergef>en, fann man bie t>or|>ergef)enben 9foten in ber Stärfe beS 
SoneS etttmS mäßigen, ^uf gleiche «21rt muf? man mit folgen 9?oten, hie ent= 
roeber eine ^nlic^feit mit ben 5lnfangSgebanfen £aben, ober bie erft in ber 
SOZitte eines StüdS, als ein neuer ©ebanfe, eingeflößten werben, eß fep im 
§utti, ober unter bem Solo einer concertirenben Stimme, »erfahren. 

29. §. ßigaturen, ober gebunbene 9?oten, fo anß 93iertl;eiten ober falben 
STacten befte^en, fann man in ber Stärfe beß SoneS warfen (äffen: n>eil ent* 
toeber über ober unter bem jtoe^ten Steile fotßer SKoten, bie anbem Stimmen 
©iffonanjen f>aben. ®ie ©iffonanjen aber überhaupt, fte mögen in biefer ober 
jener Stimme beftnbliß fe^n, erfobem allezeit einen befonbern SRac&brutf, f. ben 
12 bis 16 §. beS vorigen Sttfönlttt. [254] 

30. §. <2luS bem toaS bisher gefaget toorben, ift nun gu ermeffen, baf 
e$ bfy toeitem nid)t |>intängli<$ fe$, baß °piano unb <5orte nur an benen Orten, 
tt>o e£ getrieben fte^t, ju beobachten: fonbem baf* ein jeber Qlccompagmft 
auti) wiffen muffe, fotd>e$ an trieten Orten, too e$ nid)t habet) ftel;t, mit ileber- 
tegung anzubringen. Joiergu nun ju gelangen, ift ein guter Unterricht unb fciel 
<£rfa£rung uöt^tg. 

31. §. ®aß 3eitmaajü in einer befonbern 93ottfommenl;eit ju fcerfteljen, 
unb in ber größten Strenge anßbntätn, ift eine «pfßcH fo allen benen, bie aon 
ber SEftuftf <2Berf madjen, unb alfo audj allen guten ^ceompagniften, obliegt. 
Öfjne biefe nrirb bie $lu$fü£rung, befonberS be$ einem sa^treißen <2lccom* 
pagnement, allezeit mangelhaft bleiben. So oiel aber and) hieran gelegen ift: 
fo toürbe man bod) bfy genauer llnterfud^ung fmben, ba£ 93iete im 3eitmaa£e 
nod) nxfyt ved)t ftßer ftnb, o&neradjtet fte ftd) beffen fd)meid)etn, unb stellest 
tyren S^ter felbft ni$t gett>a|>r »erben, fonbem baf? fte fiel) nur na<$ anbexn 
richten, unb auf ein ©erat^etoo^l fielen, ©tefen Segler finbet man nid)t nur 
bfy jungen fieuten allein, fonbem man toxtb and) tooljl öfters gett>af>r, baf? öon 
folgen, tt>etd)e man für gefßtfte unb erfahrne §onfünftter |>ätt, ber eine im 
^acte zögert, ber anbre ft<$ übereilet, ioterburd) nnn fann in einem Orcfyefter 
tuet Hnorbnung angerichtet »erben: sumat toenn fotdje ßeute o^ngefä^r bie 
Äauptfttmmen 511 fpieten, unb anbre anzuführen $aben. 

32. §. ginige galten baß 3ögern ober 9*ad)f$leppen, (trainiren) ober baß 
©ten, (prefftren) für einen 9taturfe£ter. <£ß ift toa^r bafj baß £errftyenbe fo» 
genannte Temperament t)iet ba§u beiträgt: unb ba% ein luftiger ober ^i^iger 
unb £aftiger SJienf^ gum ©ten, ein trauriger, niebergef^tagener, ober ein träger 
fattfmniger 9Jienf(^ aber, §um 3ögern geneigt ift. (fS ift aber and) nid>t §u 
läugnen, bafj man fein Temperament, »enn man anberS barauf ^c^t ^at, öer» 
beffem unb mäßigen fönne. 9Kan |)üte ftd; nur, baf ju bin gebauten ^e^lem 

13* 



196 ©eg XVII. Sauptfttirfä VII. 2U>f#ttttt 

niebt ettoan bie ilnwiffenbeit <Mc# gebe. SKan läuft ©efabr barem 5 u »er- 
fallen, wenn man Die ©ntbeitung ber 9loten, unb ben «ad überbau}*, an- 
fänglicb nid>t burcb nötige ©runbfätje, fonbem mebrentbettS nur au« eigener 
kbtmg erlernen will, wenn tnan ftd) S u aeitig mit Scbwtertgfetten 8« b mm 
man nocb feine Säbigfeit W, eintäR wenn man ftcb 8« «* »<* M<H 
ohne Be=[255]gteitung übet, aucb nur folcbe Stücfe wäbtet, bte man Mb **• 
»enbtg bebten fann: welcbe« aber fowobl am SZotenlefen, aö an ©rfemung 
be« Sacte«, binberticb ift- <HXtt man in biefen bettben Stücfen recbt freier 
werben, f« ift fein anbrer 2ßeg ba 5 u, aU baf* man anfänglicb mebr Rittet-- aU 
Äauptftimmen flrfele, &af man mebr anbre aecompagnire, aU M felbft aeeom- 
»agniren taffe: weil ba« erftere febwerer, aber aucb 8ugt«c& nutzer al« baS 
lefctere ift, ba% man mebr concertirenbe unb gearbeitete, aU metobtöfe Stucte 
finde, baf* man babet? niebt auf ftcb allein, fonbem aucb auf anbre, befonber« 
auf bie ©runbftimme bore, bafc man bie flöten niebt überrufebe: fonbem einer 
ieben ibre geborige ©ettung gebe, unb bajj man bie Äauptnoten fo bat 3erfmaaf* 
eintbeilen, nämlid) bie 93tertbeite im <2Wegro, unb bie Qlcfettbeite im Slbagto, 
mit ber Spitje beö SufjeS ftd) bemerfe, unb bamit fo lange anbalte, m man 
biefe« ÄülfSmittet niebt mebr nötbig W- ^ a « be f^ e 6icrf,e » m V * un& 
X. .öauptftücf. . 

33 §. 9Xan wolle niebt glauben, baf* eS tmt Beobachtung be« Sert- 
maafie« febon feine 9ttcbtigfeit ^aU f wenn man allenfalls nur im 9lieberfcbtage 
be« Sact« mit ben Sftoten eintrift: fonbem eS muf* eine jebe p ber Äarmome 
qebörige 9*ote mit ber ©mnbftimme übereintreffen. ©eSwegen barf man ben 
Sauirtnoten, fte mögen au« 93iertbeilen, Slcbttbeilen, ober Secbsebntbetten be- 
fteben, riebt« an ibrer gebörigen 3eit burcb Jlebereilung abbrechen: bamtt man 
bie burebgebenben ^oten nic^t anstatt ber Äauptnoten bore, unb fowobl bte 
SMobie at« bie Äarmonie ni^t »erbunfett ober »erftümmelt »erbe. _ 

34 §. ©te Raufen erfobem tbr 3eitmaaf* in eben foteber 9<tcbttgfeit, al« 
bie 9*oten felbft. <2Betl man aber bierbet) feinen ^tang boret, fonbem bie 3ett 
ba»on nur in ©ebanfen abmeffen mufj, fo machen biefelben, befonber« bte fur ä en 
aU ^ebttbett-- Secbsebntbeil- unb 3wei> unb bre^igtbeil-^aufen, manebem otel 
ä u febaffen. <2öenn man ftcb aber bte fiau^tnoten in einem Stücfe betmltcb 
mit bem Sufje anmerfet, unb auf bie Bewegung ber übrigen Stimmen, tn- 
gteieben, ob bie ^oten, fo nacb ben Raufen folgen, auf ben 9teberfcf>lag ober 
auf bai aufbeben be« ^e« treffen, genau Sicbtung giebt, babe^ aber ^ 
nur niebt übereilet: fo fann btefe Scbwierigfeit febr leiebt geboben werben. [256] 

35. § Soll ein Stücf eine gute Söirfung tbun, fo mufj e« ntd)t nur tn 
bem ibm eigenen 3eitmaaf*e, fonbem aueb, »om anfange bis 8»w ««be tn 
einerle» Sempo, niebt aber batb tangfamer batb gefebwinber gefpiefet werben, 
©af aber bierwiber febr oft gebanbett werbe, s«get bte tagttebe Srfabrung. 



Q3on ben ^pffoftten aller Slccompagniften überhaupt 197 

Eangfamer ober gefd>winber aufhören als man angefangen $at, ift bfybt§ ein 
gelter: bod> fp 'tat teuere nic*)t fo übel, als ba$ erftere. 3ene£ t>erurfad)et, 
abfonbertid? be^ einem <2lbagio, ba% man oftmals nic^t re^t me|>r begreifen 
tarnt, ob eS im geraben ober ungeraben 3Tacte gefe^et fe$. ioierburd) nun t>er* 
tifd)t bie <3Mobie nad) unb na$, unb man fyoxtt, an beren ftatt, faft nt^tS 
m £armonif<$e klänge, ©iefeS aber serurfac^et ben 3u£örern nid)t allein nur 
gar wenig Vergnügen, fonbem e$ gereichet aud) ber Compofttion felbft überhaupt 
jum größten 9ia<$t|>eite, wenn nic^t ein jebeS QtM in feinem gehörigen $empo 
gemietet wirb. 93i3 weilen liegt e$ an bem Soncertiften: wenn er entweber in 
einem gefd)winben Stücfe bie teilten ^affagten übereilet, unb alSbenn mit btn 
fdjwerern nityt fortkommen fann, ober wenn er in einem traurigen Stüde ftd) 
m btn Effect fo fe|>r vertiefet, i>a% er barüber be3 3ettmaafje3 aergifjt. Öftmate 
aber ftnb auty bie Begleiter an ber 93eränberung be$ Sempo fd>utb, wenn fte 
entweber, nid^t nur in einem traurigen 6tüde, fonbem au<$ n>o^t in einem can- 
tabeln anbaute ober <Megretto, in eine ed)täfrtgiett tterfalten, unb barüber bem 
doncertiften gu iriet nachgeben, ober wenn fte in einem gefc^wtnben Stüde in 
ein allgu^eftigeS ^euer geraten, welches fte sunt eilen verleitet ©inem guten 
^nfü^rer, wenn er anberS bie gehörige ^lufmerlfamfeit $at, wirb e$ leicht fe^n, 
alle biefe £ef>ter gu öermeiben, unb fowo|)l ben doncertiften, wenn berfelbe im 
Sacte nidjt redjt jtdjer ift, als and) bie 9?tyteniften, in Örbnung §u ermatten. 

36. §. ®ie ^ccompagniften muffen aber nic^t »erlangen, baf* ber <£on= 
certift ftd? in ^nfe^ung ber ©eftywinbigfeit ober gangfamfeit, in welker er ba£ 
STempo eines StüdeS §u neuntem ^>at, nad> tynm xxdjttn fotte: fonbem fte muffen 
i^m völlige Sre^eit gönnen, fein Sempo fo &u f äffen, wie er eS für gut be- 
ftnbet. 3u ber Seit ftnb fte nur Begleiter. £3 würbe ein 3eid>en eines un= 
anftänbigen «SauemftolseS fetyn, wenn pweiten, aud) tt>of>l gar einige t>on Un 
testen unter ben 'Jlccompagmften, ft<$ ber ioerrfc^aft über ba$ 3ettmaa£ an* 
ma$en, unb, gumal wenn fte ntc^t »iel [257] ßuft me^r ju fielen fyabm, bat 
Sempo, bem doncertiften jum Sro^, überjagen wollten. ^Birb man aber gewahr 
ba% ba$ 3eitmaaf entweber gefd)toinber ober tangfamer fetyn fott, unb eine 
Slenberung nöt^ig ift, fo mu§ fold)e^ nid)t mit einer ioeftigteit, unb auf einmal, 
fonbem nafy unb na^ gef^e|)en: weil fonft leidjt eine Unorbnung barau^ 
entfte^en fann. 

37. §. *2BeiI bie <2lrt ein ^Ibagio au fpieten erfobert, bo% ber Soncertift 
jt<$ t>on ben begleitenben Stimmen tnelme^r f^teppen laffe, ate ba% er tynen 
»orau^ ge^e, unb e3 alfo öftere ben 6(^ein |>at, aU wotte er ba^ Stütf lang-- 
famer ^aben: fo muffen bie 2lccompagniften fxfy nifyt ixfomd) »erführen taffen, 
fonbem ba^ Sempo feft galten, unb ni^t nachgeben: e^ wäre benn ba% ber 
€oncertift be^wegen ein 3eid)en gäbe. gßibrigenfattS würbe man anlegt in eine 
Sd)läfrigteit verfallen. 



198 3)e$ XVII. ÄattptßttcM VII. 2l&fä>mtt. 

38. §. <2Benn im pflegt* ein 9*itornett mit £ebf>aftig!eit gemietet rcorben 
ift, fo mu§ biefctbe £eb£afttgteit mit bem ^Iccompagnement, bis an« (fnbc be$ 
etüde«, beftänbig unterhatten »erben. 9ftan $at ftd? gleichfalls ni<$t an ben 
Concertiften §u lehren, im ^att er benfetben iöauptfa^ tnetteid>t cantabet unb 
fdjmeicfyetnb vortrüge. 

39. §. 2ßenn in einem tangfamen Stüde fotcfye Sfoten, f. Qab. XXIII. 

3ig. 9. 

[Sab. XXIII.] ffig. 9. 



1 




im Hnifon sorfornmen, fo tann e$ leicht gefd>eljen, ba% man fid) megen ber 
dritter ju lange aufhält, unb ba$ 3ettmaa$ t>errüdet Hm tiefet §u »ermeiben, 
mu£ man eine fotdje ^igur, in ©ebanfen, in srceen gleite Steile treuen, unb 
unter bem ^unete ft<$ eine ©egenbettegung fcorftetlen. 

40. §. ©a# bie gefcfyttrinbeften 9Zoten in einem jeben Stüde Von mä%U 
gern ^entpO ein raentg ungteid? gemietet werben muffen, fo bafj man bie an- 
fd)tagenben, ober ßauptnoten in einer <5tgur, nämtiety bie erfte, britte, fünfte, 
unb ftebente ettoaS langer anhalte, aU bie burd>gci?enben, nämtid) bie sroe^te, 
vierte, fechte, unb adjte, ift im 12. §. be« XI. ÄauptftüdS erßäret n>orben: xä) 
|>abe auefy bafetbft einige Slu&ta^men »on biefer 9Regel beigebracht, toorauf iety 
mic§ atfo f>ier be^ie^e. [258] 

41. §. 3Benn in einem 9tttornett bie te^te 9*ote ein falber Sact ift, unb 
barauf eine ^aufe t>on einem anbem falben Sacte folget, ba§ 6oIo aber erft 
im folgenben Sacte anfängt: fo muf bie (SnbtgungSnote be« 9?itomett$ ni<$t 
ju furj abgebrodjen »erben. SBenn t>a$ 9?itornelt im 9tf eberfd)tage, ba$ fotgenbe 
Soto aber im 2luffc^Iage be« $acte3, mit einem neuen ©ebanfen, e£ fe$ burd> 
ein Q3iert^eit ober ^tttjetf, anfängt, ttei<$e$ bie ^ccompagmften nid)t attemat 
nriffen fönnen, fo fyut ber Concertift Mjjff, toenn er na$ ber 6trenge be$ 
Sacte« anfängt, unb bm 9fäeberfd)tag marliret: bamit feine ilnorbnung ent- 
fielen möge. 

42. §. <2Beit ein gefcf)ttnnbe$ Stüd »on aßen äugleid), unb in einerlei 
©efdjttrinbigfett angefangen werben mufj: fo ift nöt^ig, baf ein jeber t>on feiner 
Stimme ben erften Sact in« @ebäd>tni§ faffe, bamit er auf bm ^nfü^rer fe^en, 
unb mit if>m sugtetd) ba§ Sempo red)t ergreifen fönne. . ©iefe« ift befonber« 
in einem Orctyefter, ober fonft an einem großen Orte, tt>o ba$ ^ccompagnement 
aa|)treid) ift, unb bie Sjrietenben *>on einanber entfernet, n$t|>ig. ©enn »eil 
ber Son in ber gerne fpäter gehöret ttrirb, alß in ber 9tä£e, unb man fxä) atfo 



Q3on ben <=Pflicftfen aller Slccompagniften überhaupt 199 

nityt fo hrie an einem Keinen Orte nad) bem ©c^öre rieten fann: fo mu§ 
man, ni<$t allein im anfange, fonbern aud) öfters be$ weiterem Fortgänge be$ 
Spielend, fofern ftd) etn?a eine Heine Xlnorbnung eräugnen follte, ba§ ©ejtc&t 
mit ju ßütfe nehmen, unb öfters auf ben «2lnfülwr bttden. <3Ber etoa* öon 
ber Biotine t>erffe£t, ttrirb fttf> am beften unb ftdjerften nad) be$ Shtfü^rerS 
<23ogenftric£>e rieten lönnen. könnten aber m<$t alte «Slccompagniften bzn 2ln= 
führet fe^en, ober £ören: fo £at ft<$ in biefem $alte, ein jeber nad> feinem 
9^ac^bar, t>on beS ^nfü^rerS Seite £er, au richten, um in einerlei Sempo 
ju bleiben. 

43. §. <2Bte lange man nacf) einer Fermate, ober ©eneralpaufe, tt>et<$e 
bmd) einen «Sogen, mit bem <£uncte, über einer 9iote ober <£aufe angebeutet 
tturb, inne Ratten folle, ift eigenttid) leine genriffe 9leget gegeben. <23e9 einem 
Solo, toeldjeg nur unter gtoo ober bre$ ^)erfonen gemietet ttrirb, t?erurfad)et 
biefe llngenripeit toenig 9kd)tf>eit, be$ einem aatptreic^en Slccompagnement aber, 
befto mef>r. 9ta<$ einer «einen Stille, muffen alte Stimmen, tbtn fotoo^t, toie 
iß be$>m anfange eine« StütfeS erfobert ttrirb, augteid) lieber mit einanber 
anfangen, ©efc^ie^t [259] biefeS vaäj/t t>on allen red?t genau: fo ttrirb ber 
(EntatDetf ber &eberraf<$ung, fo man |rier nad? einer Keinen 9?u£e erwartet, 
nid^t erreichet. 3<$ ttriH aerfudjen, eine auß ben verriebenen Sactarten £er* 
geleitete 9Seget, bie nur an wenigen Orten eine ^uöna^me leiben bürfte, feft 
SU fe$en, unb t>or3ufd>tagen, nämlidj: 93e^ allen Sripettacten, tt)ie auä) im 
2lllabreoe- unb im 3tt>e$t>iert|>eil- Sacte pauftre man, aufcer bm Sacte vorüber 
baß 9?u£eseid>en ftefrt, no^> einen Sact mef>r. 3m gemeinen geraben £acte 
hingegen, richte man fvfy na<$ ben ©nfdmttten, ob folrfje in baß Sluffjeben ober 
in baß 9tfeberf<$tagen btß <§actß fallen. 95e^ ben erftem fann man noc| einen 
falben, bep bm ledern aber no<$ einen ganjen Sact me^r pauftren: unb biefeg 
ttrirb, ttrie id) glaube, genug, unb ber Slbftdjt be$ domponiften gemajj fe^n. 
©ne allgemeine Beobachtung biefer 9?eget ttmrbe mad)en, ba% man, um gugteid) 
mit einanber lieber anfangen ju fönnen, feinet Weitem <£rinnem$ me£r be= 
bürfte. Sofern bie Fermate unter ber concertirenben Stimme öorfömmt, unb 
ber Concertift babe^ eine Lanier machet, toelc^e er mit einem langen dritter 
enbiget, fo muffen bie begleitenben Stimmen tyre 9loten nt<$f e$er verlaffen, 
biß ber Triller geenbiget ift, ober fte mn^n biefelben jum loenigften, be$ gn» 
bigung btß SriCer^, nod? einmal toieber^olen. ©iefeö ift befonberg p beo- 
bachten toenn bie ©runbnote jtpe^erle^ 'ülccorbe über ft^ $at, unb bie 9lefo- 
tution buvfy bm dritter Deraögert nrirb. hierauf lönnen fte no^) fo lange 
pauffren, n>ie oben gemetbet Sorben. 

44. §. gSe^ (fnbigung einer Äauptcabena, toenn baß fotgenbe $utti im 
^ieberf^lage anfängt, tfmn bie Slccompagniften tt>o|)l, n>enn fte, abfonberli<$ 
be^ Begleitung einer Singjftmme ober eine^ Bta^inftrumentg, au^ ©tecretiotv 



200 <S)ti XVII. Ä«H»tftfid8 VII. 2lbfcf)nitt. 

nicbt m mm äufeerftcn <£nbe be« Sritler« »arten, fonbern benfetten fo 8" Jgsen 
Ärecben «nb liier m ber 3eit, al« 5« fr* h •* «Mft einfaUen. Jen« 
SSc Sm Gänger, al« <Bla«inftrumentiften, tarnt e« pte|t {**&* an 

Wem fehlen: «nb »enn btefe« S0m fr ">**< » «£" f *f *S 
baburcb unterbrochen »erben, Sängt aber ba« «rttt tm aufbeben M «arte», 
«nb nocb unter bem Etiler an, fo f e« nicbt mepr eine ©t«cret,o«, fonbern 
eine Scbutbigteit, ben dritter 8 u unterbrechen. Sleberpaupt aber mufc man ftcb 
Lfte» nacb bem Goncertiften, «nb nact» ber Starte feiner 93wff rtcfeten. (Stntge 
Gänger «nb 3nftr»mentiften, welche g«te fiungen paben, fucpeti ibttrcb lange 
Srttler M« ber Gaben* nocp eine befonbere 93ra»ur p S etgen: [260] man barf 
ibnen atfo baran mcpt pinberlicb fepn. ®a« unterbrechen be« Stiller« nur* 
atfo in bepben Saiten nicpt eper gefcpepen, al« bt« man wcftmhnmt, ba| ber 
Eitler anfängt matt p »erben, ©er Slnfüpter wirb herauf befonber« <2ld)tung 
geben- «nb atfo ift aucp pierbe» ber Slccompagniften Scpulbigteit, bte Qlugen 
o«f ibn 5« »enben, «nb ftcb mit feinem <23ogenftrtcpe p »eremtgen. 

45 § Slacbbem tcb nun bi«per »on bem 3eitmaäfce überpaupt gepanbelt, 
«nb »a« b«U\> m beobachten ift, angemertet pafce, fo befinbe k$ norf> für nötbtg, 
eine 3bee m geben, wie man, te» einem {eben Stücfe in«befonbere, ba« *m 
eigene Sempo opngefäpr erraten tonne. & ift 8»« N* ®*atpen b <* 
3eitmaa^e« nicbt eine« ber leicpteften ©inge in ber SXuftt: befto nbtbtget aber 
märe e«, belegen, fo »iet al« mögticp ift, einige ge»tffe W«f# Pff» 
<2ßer ba »ei*, wie »iel an bem rechten 3ettmaafce, fo etn jebeS 6tuct erfobert, 
gelegen ift, «nb »a« für grofje Sepier gerinne »orgeln rönnen, ber mtrb an 
tiefer =ttotp»enbigteit nicpt 8 »eifetn. SXxttt man piertnne getmffe ^geln «nb 
wollte biefelben gehörig beobachten, fo »ürbe mancpe« etüct, »etcbe« öfter« 
burcb Ui «nrecbte 3eitmaafc »erftümmett »irb, eine beffere 933trt«ng tpun, «nb 
feinem grRnber mepr <2pre machen, al« »ietmal« gefc£)te^t. 3ugefc^»etgen baf 
babnrcb ein Gomponift, in 2lb»efenpeit, fein »erlangte« Sempo, entern anbetn 
ber feine Gompofttion a«ffübren foU, leichter fd>riftticb mtttpetlen tonnte ^e 9 
großen SKuftten giebt e« bie «rfaprung, bafc S « Anfang etne* 6t«cf«, nu*t 
allezeit ba« ^embo »on einem jeben fo gefaffet »irb, »te e« fe»n fott: fonbern 
baf auweiten »o^)l ein, ober mebr «acte »ort.e»geben, beoor alle mtt emanber 
einig werben. 5ßü^te ftcb nun ein jeber ba« gehörige 3eitmaa$ ä «m »«f« 
einiger maa^en »orpftetten, fo »ürben »iele Slnorbn«ngen, «nb «"«««^ l J c 
Qlenbemngen be« 3eitmaafe«, teicbt tonnen »ermieben »erben^ ^Jan »utbe, 
wenn man »on jemanben ein Gtfi« N fbielen öören, ftcb ba« Sentpo beffelben, 
befto teicbter merten, «nb ba« 6tü* 3 u einer anbern 3eit, tn eben bemfelben 
Sempo nacbfpielen tonnen. =0can macbe, «m »on ber 9cotp»enbtgtett fotcber 
gewiffen Regeln noc^ mebr überzeuget *t »erben, bie <?)robe, mk fljfc pnt 
Tempel ein <2lbagio, ein- a»e»= bre»- ober »iermat langfamer, at« e« fepn foU. 



I 



Q3on ben ^Pfticfjten aller Siccompaamften überhaupt 201 

<2öirb man nic^t finben, baf? bie Gelobte m$ unb nad) oertöfdjen, unb man 
enblid? nichts me^r als nur £armomfd)e klänge frören ttrirb? 93e$ einem 
Qtltegro, toetc^e^ mit befonberm [261] fetter gefpielet werben foll, ttrirb einem, 
wenn man e$ um fo »iet tangfamer fielet, als e$ fe$n fott, enbti^ getoi§ bie 
£uft ju fd)lafen ankommen. 

46. §. Sftan ift jtoar fd>on, feit langer Seit, ein, su gettriffer Sreffung 
be$ 3eitmaa£eg, bienttd)e$ bittet auSjufmben bemühet getoefen. Loulie ^t 
in feinen Elements ou Principes de Musique, mis dans ur^ nouvel ordre 
&c. a Paris 1698, [*)] ben ^brifc einer 3Raf$ine, bie er Chronometre nennet, 
mttgetf>etlet 3c$> $<xU biefen $lbri£ ni$t tönnm p fefjen bekommen, unb fann 
atfo meine ©ebanfen md)t völlig barüber eröfnen. 3nsttrifd)en wirb biefe 9Ka-- 
fd>me boefy fcfywerltd) oon einem jeben immer be$ j!$ gefü^ret werben lönnen: 
5ugefd)tt>eigen, ba£ bie faft allgemeine <23ergeffen£eit berfelben, ba fte, fo triel 
man m$&* niemanb fi<$ §u 9?u§en gemalt £at, fd)on einen <33erba^t, toibec 
il;re 3ulängtid)feit unb Süd)ttgleit, erreget. 

47. §. ®a$ bittet welches i$ gur 9ii<$tfd>nur be$ 3eitmaafje$ am bten* 
lichten beftnbe, ift um fo üiet bequemer, ie weniger 3ftüf)e e3 loftet, beffelben 
|rtf|ip §u werben, weit eS ein jeber immer be$ ftd) tjat <$,§ ift t>er ^utS* 
f^tag an i>er &ani> eines gefunden ^enf^en. 3$ toitl mi$ be* 
mitten, eine Einleitung &u geben, wie man, toenn man ftd? nad) tym rietet, eine 
jebe ftdj t>on ben anbem befonberg unterfdjeibenbe «2lrt be$ Seitmaa^e«, otyne 
gro£e Schwierigkeit finben fönne. 3<$ tarnt mic^ stoar md>t gang unb gar 
rühmen, ber erfte p fetm, ber auf biefe* bittet gefallen wäre: fo iriet ift aber 
aud> gettrif , ba§ fid) m§ niemanb bie SRüfce gegeben $at, bie <2lnwenbung 
beffelben beuttid) unb auSfü^rttd) 5« betreiben, unb jum ©ebraud>e ber i^igen 
<3Jiuftf bequem ju ma^en. 3$ tfme ba$ teuere alfo mit befto größerer Sic^er= 
^eit, ba xd) in Slnfefmng ber &auptfad)e, u>ie mir nacl^er erft bdannt worben, 
nx6)t ber einzige bin, ber auf biefe ©ebanfen geraden ift. 

48. §. 3ci> »erlange ni(^t, bafj man ein gan^e^ <StM nad> bem ^uK-- 
f^lage abmeffen folle, benn biefe^ »fac ungereimt unb unmöglich fonbern 
meine Hfit ge^t nur ba^)in, gu jeigen, ttne man gum n>enigften burc^ sn>een 
ober i>ier, fec^« ober ad)t ^ulgf^läge, ein jebe^ 3eitmaaf , fo man »erlanget, 
faffen, unb »or ftd), eine ©rlenntni^ ber »erfd)iebenen Wirten beffelben, erlangen, 
unb ba^er gu toeiterm 9^ad)forf^en Einlaß [262] nehmen I5nne. $>at man ft<$ 
eine Seittang barinne geübet: fo toirb ftc^ na^ unb nad> bem ©emüt|>e eine 
fot^e 3bee »on bem Seitmaa^e einbrütfen, ba§ man nic^t ferner nöt^ig £aben 
wirb, aUegeit t>m ^ulöf^tag ju 9?at^e p gießen. 

[*) 9la$ «itner, QueHenle^on 93b. VI. 230, erf^ien i>aä QBer! 1696 in ^ari* 
(95aßarD). gine gtoeite SluSgabe erfolgte 1698 in ^rnfterbam (9*oger).] 



M 



202 ©e* XVII. JbauptprfS VII. mbf^nitt. 

49. §. <£f>e i<$ weiter ge|>e, mufj id) *or£er biefe unterfd^iebenen Wirten 
be$ 3eitmac$eS ettt>aS genauer unterfu^en. £3 giebt 5tt>ar berfelben in ber 
SRufil fo meierte^, baf eS nic^t mögtid) fe^n ttürbe, fte alte §u beftimmen. 
<£$ giebt aber and) genriffe ioauptarten bason, toorauS bie übrigen hergeleitet 
werben fonnen. 3d> tt>itl fold)e, fo ttrie fte in Soncerten, Srto unb 6olo öor-- 
lommen, in mer klaffen einteilen, unb sunt ©runbe feijen. 6ie finb au£ beut 
gemeinen geraben ober 93ierötert|>etttacte genommen, unb finb folgenbe: 1) bä£ 
SUIegro affai, 2) t>a$ Slltegretto, 3) baS Slbagio canfabtfe, 4) ba3 
$ibagtO affat 3u ber erften Gtaffe rechne i<$: baß Slttegro bi motto, ba£ 
^refto, u. f. tt>. 3u ber atoepten: baß ^Ittegro ma non tanto, non troppo, 
non prefto, moberato. u. f. tt>. ©er britten Glaffe jäfrte ify gu: baß Gantabile, 
«ülriofo, gargtyetto, 6oar>e, ©otee, ^oco anbaxttt, ^ffettuofo, ^ompofo, ^OZae» 
ftofo, alta Sicitianta, 2lbagio fpirttofo, u. b. g. 3ur vierten gehören: ^bagio 
pefante, fiento, fiargo affat, SDZefto, ©rase u. f. tt>. ©iefe ^e^njörter machen 
5tt>ar unter fxd) felbft tt)ieber jebeS einigen Hnterfcfyteb, bo<$ ge^t berfelbe mef>r 
auf ben $lu$bru<S ber fietbenfcfyaften, bie in einem {eben Stüde öorne^mtid) 
I;errfd)en, aU auf ba£ 3ettmaaf* fetbft. Qßenn man nur erft bie t>or£er= 
gemetbeten öier «ßauptarten btß Sempo recfyt in ben 6inn gefaffet §at, fo tt>irb j 
man bie übrigen mit ber 3eit befto leichter treffen lernen: toett ber llnterfdjteb 
nur ein tt>enige£ beträgt. 

50. §. ©a£ SIEegro affai ift atfo, i>on biefen trier ioauptarten be£ 
Sempo, baß gefcfytmnbefte (*). ©a« SltlegrettO ift no$ einmal fo langfam aU 
jenes. ©a£ SlbagtO cattfabite ift noel) einmal fo langfam als ba$ Slllegretto, 
unb baS Slbagio affai nocl) einmal fo langfam aU baß *2lbagio «cantabtle. 
3m Slltegro affai befte^en bie ^affagien au£ 6e$§e£nt£etten ober einge= 
f$tt>an§ten Srtoten, unb im ^Hegretto au« 3tt>e9 unb bre^g^eiten ober #t>fy= 
gefransten Sriolen. ^Oßeit aber bie \%t angeführten ^)affagien me£rent|>eitg 
in einerlei ©ef^ttrinbtgteit gefpietet toerben muffen, fte mögen jttjety* ober bre$= 
gef^tpänget fe^n: fo folget bar=[263]au$, baf bie 9loten fcon einerlei ©eltung 
in bem einen no<$ einmal fo gefc^nrinbe fommen, afö in bem anbern. 3m Wia= 
bre&etacte, freieren bie QBetfc^en: Sempo maggiore nennen, unb freierer, tß fc^ 
ba£ 3eitmaa§ langfam ober gefd)toinbe, attejeit mit einem bur^ftric^enen großen 
C angebeutet nrirb, ^at eö gleite ^etoanbtni^: nur ba^ alle 9loten in bemfelben 
no^) einmal fo gefcfyttrinb genommen tt>erben, atß im gemeinen geraben Sacte: 
baß Sempo mag langfam ober gefd)tt)inb fe^n. ©ie gefc^tüinben ^affagien im 
$ltlegro affai, tt>erben atfo in biefer Sactart in 2ld)tt^eiten getrieben, unb fo 
gemietet atß toie bie auS 6e(^5e^nt|)eilen befte^enben ^affagien btß Slllegro 
affai, im gemeinen geraben Sacte ober Sempo minore, u. f. tt>. ^ie nun ba£ 
^Hegro im geraben Qattt 5tt>o Äauptarten be« Sempo ^at, nämlid) ein ge» 
fd)tpinbe« unb ein gemäßigte«: fo ift e« and) auf gleite 2lrt mit bem Sripel= 









Q3on fcen ^flic^ten aEer ^ccompagniften überhaupt. 203. 

tacte atS: ©ret;triertf>eil- ®re9ad?ttl;eil= Se$Satf)ttt;eil= 3tt>5Ifatf)tt£etltacte, u. f. n>. 
befc^affen. 3. 6. ^enn im ©retytriert^eittacte nur 'Sldjtt^eite, im ©re^acfyt* 
t^eiltacte nur Secfoe^nt^eile, ober im Se3>Sad>tt|>eit-- ober 3tt>ötfad>tt£eittacte 
nur ^tt^eile öorfommen, fo ift fold>eS baS gefcfyttrinbefte Sempo. Sinb aber 
im ©re^iriert^etttacte Sed^efmt^ette, ober eingefd&ttänsete ^riolen, im ©re^-- 
ad)tt£etttacte 3tt>e$ unb bretyfngtfjeite ober 5tt>e^gefd;tt>ättste Srioten, hingegen 
im Sed)Sad)tt|>eil* unb 3ti>ötfac^ttijeütacte Secfoefmtfjeite au befmben: fo ift 
foldjeS baS gemäßigte Sempo, tt>eW)eS noty einmal fo langfam gemietet werben 
mufc, als baß vorige. WM bem *2lbagio &at eS, toenn man nur, bie ju an- 
fange biefeS §. angebeuteten ©rabe ber fiangfamfeit beobachtet, unb auf bie 
£actart, ob eS ^Habre^e* ober gemeiner Sact ift, $l<$t ijat, in biefem 6tü<Se 
weiter feine anbere 6d)tt>ierig!eit. 
(*) <2öaS in vorigen 3eiten rec^t gefrfjtoinb ge^en foHte, ttmrbe faft no$ einmal fo langfam 
geftrielet als heutiges SageS. <2öo Slllegro affai, <£refio, ffuriofo, u. b. m. bäbfy ftunb, 
baS tt>ar eben fo gef^rteben, unb würbe faft nic^t gefd)hnnber gefpielet, aU man 
heutiges §ageS baS $lltegretto fetyreibt unb ausführet S)ie fielen geftfjttrinben 9?oten, 
in btn 3nftrumentalftü<fen ber Porigen beutfd£>en Gomponiften, fa^en alfo t>iel fd>n>erer 
unb gefährlicher aus, als fte flungen. SMe heutigen ffranjofen $aben biefe Slrf ber 
mäßigen ®efcf>tt>inbigfeit in lebhaften (Stücfen no$ größten §$eilS beibehalten. 
51. §. Hm nun auf bie &auptfad)e ju fommen, nämlicfy, n>ie jebe t>on 
ben angeführten «Strten beS SacteS, burd) 93ermitteiung beS ^ulSfcfytageS, [264] 
in t£r gehöriges 3ettmaa£ gebraut derben tarnt, fo ift ju merfen: ba% man 
t>or alten ©ingen, fo tt>of>l baß ju anfange beS Gtüäß getriebene, baß 3eit= 
maa§ anbeufenbe, SBort, als auty bie gefd)ttrinbeften 9ioten, toorauS bie ^affagien 
befte^en, betrachten muffe. <2Beit man nun mtfyv aiß ad)t ganj gefd)toinbe 
^oten, ni<$t wo% eS fe$ mit ber ©oppel^unge, ober mit bm «Sogenftrictye, 
in ber 3eit etneS ^utSfctjlageS ausüben fann, fo fömmt: 
3m gemeinen geraben Sacte: [*)] 
3n einem ^Uegro affai, auf jeben falben Sact, bie 3eit eines ^utSfcfjlageS, 
3n einem <2lUegretto, auf ein jebeS <23iert£ett, ein <3>utSfd)lag, 
3n einem ^bagio cantabite, auf ein jebeS ^tftft^eit ein ^utsfe^tag, 
Unb in einem <2lbagio affat, auf jebeS 2ld)tt|)eit gtteene ^utSfc^täge. 

3m 3lttabret>etacte, lömmt: 
3n einem 'Megro, auf jeben §act ein ^ulsf^tag, 
3n einem 'SMegretto, auf jeben falben Sact ein ^utSfdtfag, 
3n einem Qlbagio cantabite, auf JebeS 93iertf>eil ein ^utSfdjlag, 
3n einem Qlbagio affai, auf ein jebeS 'Siert^eit stt)eene ^utSf^läge. 

[*) ©ie 3ettein^eit bcS normalen ^ulSfd&lagS, t>en Öu. in § 55 biefeS SlbfönittS 
auf bur$f$nititi<$ 80 QBiebc^otungen in ber Minute anfe^t, entfprid^t ber 3a^l 80 auf 
SOZäljelS 9Dletronom. Quan^* $emj>oangaben laffen fity fomit in jefcem einjelnett ^aUe 
un^tpeibeutig gieren. 6. baju aueb bie ^Inmcrfung gu 6. 210.] 



204 ®& xvn - ^auptftütfö VII. «aibfönitt 

<E« giebt, »orne^mtt^ im gemeinen geraten Sacte, eine 2lrt t>on gemäßigtem 
SlUegro, meiere gteicfrfam 8»if*cn bem Sitlegro affai unb bem Slllegretto ba* 
Mittel ift 6ie fömmt öfters in Singfad)en, au$ bep folgen 3nftrumenten 
t>or, meiere bie große ©efd)tt>inbigfeit in ben ^affagien ni^f »ertragen, unb 
wirb me^retttyeit* bur<$ ^oco altegro, <23toace, ober meiftent^eitS nur ^ilegro 
allein, angebeutet, fiier timtat auf bre^ Qk^tt^elle ein <£ul$fcl)tag, unb ber 
s wet)te ^uWf^Iag faßt auf ba$ vierte 2l#tt$eit 

3m Swe^mert^eil- ober gefcfywinben Sec^acfyttf>eiltacte, fömmt in einem 
<2l(Iegro auf einen jeben Sact ein ^utSfdjtag. 

3n einem ^ttegro im 3wölfac(^eittaete, wenn feine 6e<jfoe$nt$eüe &** 
fommen, treffen auf jeben Sact ^weene ^utefc^läge. 

3m ©re^iert^eiltacte, fann man, wenn t>a# Stücf aßegro ge^t, unb bie 
cpaffagien barinne au$ 6eci)5e$nt|>eilen ober eingeräumten Srioten befte|)en, 
in einem Sacte, mit bem ^utöf^tage fein gewiffeS Sempo feft fe^en. WM 
man aber gweene STacte sufammen nehmen, fo ge^>t eS an, unb fömmt attbetm 
auf ba& erfte unb britte <23tert|>eil be$ erften SactS, unb auf ba$ 8tr>e^te 93ier- 
fftf! be$ anbern SactS, auf jebe* ein [265] ^ulSfc^tag, folglich bret) ^>utt- 
fcpge auf fe<$* 93iert^eite. (Steige ^ewanbtmß £at e$ mit bem Sleuna^t- 
t^eittacte. 

6owof)l im gan§ geftf>winben ©ret>oiertf)eit= afö ©re^a^tt^eiltacte, wo in 
ben °paffagien nur fed^S gefd)winbe 9*oten, in jebem Sacte, oorfommen, trifft 
auf jeben Sact ein ^utef^lag. <£$ barf aber bennod) lein Sind fe^n welkes 
^refto fe^n foU: fonft würbe ber Sact um swo gefcf)Winbe 9lote §u tangfam. 
<2ßiß man aber wiffen, wie gefdjwinb biefe bre$ <33iert£ette ober brei Slcfcttyeite 
in einem <£refto fe^n muffen, fo neunte man ba$ 3eitmaaß nad) bem gefc^winben 
3n>e9t)iert^)eiltacte, aßwo *rier 9lcfrtt$ette auf einen ^utef^tag fommen, unb 
finde biefe bre$ 93iert|>eile ober Ql<$tt$eite ^m fo gefd)Wmbe, att bie 2l<$t- 
tfcette in gemelbetem 3we9mert|>etttacte: aläbenn werben bie gef^winben 91oten, 
in be^ben oben erwähnten Sactarten, i£r geistige* 3eitmaa# bekommen. 

3n einem Slbagio cantabite im ©re^iert^eittacte, ba bie Bewegung ber 
©runbftimme au$ £ld>tt|>eilen befte^t, lömmt auf ein jebeS <2ld>tt^cU ein 
cputsfd&lag. <8effe$t aber bie Bewegung nur au$ Q3iert^eilen, unb ber ©efang 
ift m$r artoS att traurig, fo fömmt auf ein jebe* <23ierti?eit ein ^utSfdtfag. 
©od) muß man fty gerinne and), fowo^t na<$ ber Tonart, att na^) bem *>or= 
getriebenen <3Borte rieten, ©enn wenn e$ ein ^agio affai, 9Repo, ober 
fiento ift, fo fommen au^ £ier §weene ^ulöf^täge auf jebe« 93iert^eit. 

3n einem ^Iriofo im ©re^a^tt^eiltacte, tömmt auf jebe« ^c^tt^eil ein 
^ulSfdjlag. 

©n aHa eicitiana im 3wölfad)tt^eittacte würbe p langfam fe^n, wenn 
man 5U jebem 5ld)tt^eile einen ^uttftytag S^ten wollte. ^Cßenn man aber 



Q3on fcen ^fttcfyten atter Slccompagnifien überhaupt 205 

$weene ^Putgfdjtäge in bre$ Steile Reitet, fo fömmt fowof>t auf baS erfte als 
britte 2ld)ttl?eü ein ^uBf^tag. £at man nun biefe bre$ 9toten eingebettet, 
fo muß man ftd> xxifyt weiter an bie Bewegung be3 ^utfeS teuren, fonft würbe 
ba§ britte ^tttjeit au lang werben. 

SBßenn in einem gefcfywinben Stütf e bie ^affagien au£ lauter Arielen 
beftetyen, unb feine §we9= ober brepgef^tpänseten gleiten 9Zoten untertmfcfyet 
finb: fo fann baffetbe, nad) 93etieben, etwas gefd)winber at£ ber ^utöfeirtag 
ge£t, gemietet werben. ®iefe$ ift befonberS be$ bem gefcfywmben Se$gad)t- 
t|>ett-- 9*eunad)tt£eit= unb 3w5tfad)tt^eittacte, ju beobachten. 

[266] 52. §. SöaS td) bi^er ge^eiget f>abe, trifft, wie fc^on oben gefaget 
worben, am genaueften unb am altermetften bfy t>m Snftrumentatftücfen, aU 
doncerten, Srio unb Solo ein. 2Ba£ bie «Jlrien im ttattänifd)en ©efd)matfe 
anbelanget, fo ift jwar waljr, ba% faft eine jebe Pon tynm tyr befonbetel 
Sempo verlanget. <£$ fließt boefy aber fold)e£ me^rent^eiB au$ ben £ier an- 
geführten Pier ßauptarten beg 3eitmaaße$: unb lömmt e$ nur barauf an f baß 
man fowo^t auf ben 6inn ber 3Borte, als auf bie Bewegung ber 9loten, 
befonberS aber ber gefc^winbeften, $lcfytung gebe: unb baß man bep gefcfywinben 
^rien, auf bie ffertigfeit unb bie Stimmen ber Sänger fein ^ugenmert richte. 
(Ein Sänger ber bie gefd>wmben ^affagien alle mit ber 93ruft ftößt, fann 
biefelben fdjwertid) in folcfyer ©efd)Winbtgfeit herausbringen, als einer ber jte 
nur in ber ©urgel marfiret, o|meraci)tet ber erftere por bem ledern, abfonbertiefy 
an großen Orten, wegen ber ©eutttcfyteit, immer einen 93oraug behält, ^enn 
man alfo nur ein wenig (frfa^rung barinne §at, unb weis, ba% überhaupt bie 
meiften Strien nidjt ein fo gar gefcfywmbeS 5empo perlangen, als bie Snftru- 
mentatftüde, fo wirb man baS gehörige 3eitmaaß bapon, o£ne toeitere befonbere 
Scfywierigfeiten, treffen Sonnen. 

53. §. 9ftit einer ^ird^enmuftf $at e$ eben biefelbe 'Sewanbtniß, wie 
mit ben Strien: ausgenommen ba% fowo^l ber Vortrag bfy ber SluSfü^rung, 
als baS 3eitmaaß, wenn eS anberS ftrd)enmäßtg fe^n foll, etwas gemäßigter 
als im Operofttyt genommen werben muß. 

54. §. Stuf bie bisher betriebene < 3S3eife nun, fann man nid>t altein 
jebe 9tote in i£r ge£i$rigeS 3ettmaaß einteilen lernen, fonbem man lann auefy 
babur^, Pon jebem Stütfe, baS redete Sempo, fo wie eS ber (Eompomft Per- 
langet, me^rentljeitS erraten: wenn man nur bamit eine lange unb pietfältige 
(Erfahrung ju perlnüpfen fu$en wirb. 

55. §. 3cfy mu^ nod) etliche Einwürfe im Q3orau§ beantworten, bie man 
wiber meine angeführte 2lrt baS Sempo ^u erraten, Pietleid)t mad^en fönnte. 
5Kan fönnte einwenben, baß ber ^utSf^tag, Weber §u einer jeben Stunbe beS 
SageS, nod) be^ einem jeben SWenf^en, atte^eit in einerlei ©ef^winbigfeit 
ge^e, wie eS bo(^ erfobert würbe, um baS 3eitmaaß in ber JJlufxt richtig bar-- 



206 3)eS XVII. ÄauptftücfS VII. ä&f$ititt 

na<3) §u faffen. Sttan wirb fagen, bafj ber ^utS [267] beS Borgens vor 
ber ^a^eif langfamer, als Nachmittags nad) ber SÄafctjeit, unb beS 9iac^tS 
nocfy gefcfywinber als Nachmittags fcfytage: autf> bafj er bep einem gur Sraurig» 
feit geneigten SEftenfc^en langfamer, als be£ einem heftigen unb luftigen, ge£e. 
<£S fann fepn ba% biefeS feine 9?tcfytigfeit fyat ©em ungeachtet aber f&nnte 
man and) biefjfatlS etwas gewiffeS beftimmen. Wart nef>me ben ^ulSfcfylag, 
Wie er na<$ ber SÖfättagSma^ett bis 2lbenb3, unb gwar wie er be$ einem 
luftigen unb aufgeräumten, boefy babety etwas $t$igen unb flüchtigen ^enfcfyen, 
ober, mm eS fo &u reben erlaubet ift, be^ einem 9D?enfd)en von d)otertfd>-- 
fanguinif^em Temperamente ge£t, 311m ©runbe: fo wirb man ben rechten 
getroffen £aben. (£in niebergefc^tagener, ober trauriger, ober fattfinniger unb 
träger 9ftenfcfy, fönnte allenfalls be$ einem jeben Stütfe baS 3eitmaafj etwas 
lebhafter faffen, als fein <£ulS ge£t 3ft biefeS nid)t £inreicl)enb, fo will ief? 
no<$ was genauerS beftimmen. 9Äan fe$e benjenigen ^ulS, welcher in einer 
Minute o£ngefäf>r ac^t^igmal fd)lägt, &ur 9äd&tf<$nur. Sld&tjtg ^ulSfc^täge, 
im gef<$winbeften Sempo beS gemeinen geraben ^actS, machen vierjtg Sacte 
aus. (fintge wenige ^utSfc^täge me^r, ober weniger, machen |>ierbe$ feinen 
ilnterfc^ieb. 3. £. <5ünf ^ulöfd>Iäge in einer Minute me^r, ober fünfe weniger, 
verlängern ober verfürjen, in vierzig Sacten, jeben Sact um ein Secfoe£nt£eit. 
©tefeS aber beträgt fo was geringes, bafj eS unmöglid^ §u merfen ift. Qöeffen 
'pulSfcfylag nun in einer Minute viel me£r ober weniger Sd^täge mac^t, als 
ad^ig, ber weis, wie er fiefy, fowo^t in 4lnfe|mng ber 93erminberung als ber 
93erme^rung ber ©ef^winbigfeit, §u vergalten |>at. ©efe$t aber and), bajj 
mein vorgefd)tageneS bittet, bem allen ungeachtet, md)t gang unb gar für 
allgemein ausgegeben werben fönnte, ob xd) eS gteid) t^eilS bur<$ meinen eigenen 
^ulSfd^lag, tljeilS bur<$ vielfältige anbere groben, bie id) fowo^t be$ meiner 
eigenen, als bfy frember (Sompofition, unb jwar mit untergebenen beuten 
angeftellet $aU, beweifen wollte: fo wirb eS bo<$ barp bienen, ba£ niemanb, 
ber ftc^ nad) ber angeführten SKetijobe, vor fxd), von ben vier Joauptarten beS 
3ettmaa#eS einen 'Segriftf] gemacht §at, von t>m wahren Sempo eines jeben 
StüdS allzuweit abtozxd)<m wirb, ^an fte^t ja täglich vor ^ugen, wie fe^r öfters 
baS 3eitmaa^ gemiS|)anbelt wirb, wie man nicfyt fetten, zbm baffetbe Qtüd balb 
tnöfig, &alb gefd^winb, balb no<^ gef^winber fjnetet SKan weis, t>o$ an vielen 
Orten, Wo man nur auf baS ©erat|>ewo|>l loS fpielet, öfters aus einem ^refto 
ein Slltegretto, unb aus einem ^bagio ein einbaute ge-[268]mac^et wirb; weites 
bod) bem (Somponiften, welker nid^t aHejeit gugegen fe^n fann, §um graten 
g^ac^eite gerei^et. (?S ift pr ©nüge befannt, ha% wenn ein Stütf ein= ober 
me|>rmal na<$ einanber wieber^otet wirb, abfonberli^ wenn eS ein gefcfywinbeS, 
5. (£. ein ^Kegro aus einem Concert, ober einer Sinfonie, ift, ba% man baS* 
felbe, um bie 3uf>örer nic^t einsufi^täfern, jum awe^tenmate etwas gefd^winber 



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Q5on ben ^ftid^ten aller $lccompagmften überhaupt 207 

fielet, als baS erftemat. ©ef<S)ä|>e tiefet nicl)t, fo würben bie 3u£örer glauben, 
baS 6tü<f fe^ no<$ nic^t §u Qtnbz. QBirb eS aber in einem tttoaä gefd)tt>inbern 
Sempo ttrieber^olet, fo befämmt baS Stücf baburety ein lebhafteres, unb f fo ju 
fagen, ein neues ober frembeS ^nfe^en, toelcfyeS bie 3uf>örer in eine neue 'Sluf- 
mertfamfeit serfetjet. ©ereilt nun biefe ©etpo^n^cit bem StücJe nicf)t §um 
^acfyt^eile, jumat ba fte be$ guten unb mittelmäßigen ^uSfü^rern hergebracht 
tft, unb be$ hfybm gleich gute Ortung fyut; fo toürbe eS auc^ nidjt fcpblicl) 
fe^n, toenn allenfalls ein trauriger ^Kenfdj, ber 9Eftifcf>ung feines «Stufe* gemäß, 
ein Stücf srcar mäßig gefc^tt)inber, nur aber gut ftrietet, unb ein pelziger 
SPienfd? nä^me eS mit mehrerer £ebi>aftigieit. 3m übrigen aber, tooferne jemanb 
noefy ein leichteres, richtigeres, unb bequemeres bittet baS 3eitmaaß 31t erlernen, 
unb au treffen, auSfmben fönnte, fo toürbe er tt>oi?l t£un, tt>emt er md)t fäumete, 
eS ber ^Ößelt begannt 5U machen. 

56. §. 3d£> ttriU bie «2lrt, baS Sempo nad? Anleitung beS ^ulSf^lageS 
5u treffen, noty auf bie franjöfif^e $an§muftt öon toeldjer ici) aud? ettoaS 
§u fyanbdn für nöt^ig finbe, anjuvpenben fuc^en. ©iefe $lrt ber SftufiJ befte^t 
me|)rent|>ettS auS gettriffen (Djarafteren; ein jeber d^aratter aber erfobert fein 
eigenes Sempo: toeit biefe *2Irt t>on 'Sftuftt ntcfyt fo ttnllfü|)rlid) als bie ifatiänifd)e, 
fonbern fe(;r eingefcfyränfet ift könnten nun fort)o^l bie Sänjer, als baS 
Orcfyefter, allezeit einerlei Sempo faffen, fo würben fte tneleS 93erbruffeS über-- 
f)oben fe$n fännen. <£S ift befannt, baß bie meiften Sänjer wenig ober nichts 
x>on ber SEJZufW fcerfte^en, unb oftmals baS re^fe 3eitmaaß felbft nidjt Riffen, 
fonbern ftd) me^rent^eilS nur nad) ber Raffung, in welcher fte fte^en, ober nadj 
i|>ren Gräften rieten, ©ie ßrrfafjrung lehret aud), baß bie Sänjer, bep btn 
groben, n>enn folc^e beS Borgens gefeiten, ba fte noety nüchtern finb, unb 
mit faltem QSlute tanken, feiten baS 3eitmaaß fo lebhaft »erlangen, als bep 
ber ^uSfüfjrung, toelcfye orbentltd^er SBetfe beS «2lbenbS t>or ftd? getyt, ba fte 
benn, t^eits toegen ber guten 9la£rung bie fte s>or|>er 8« ft<$ ge»[268]nommen 
£aben, t^eilS wegen SDfonge ber 3uf$auer, unb auS <£|>rget$, in ein größer 
geuer geraten, als be$ ber <£robe. Jöterburd) fönnen fte nun Ici<i>ttid> bie 
Sic^er^eit in ben ünteen verlieren, unb wenn fte eine Qavabanb^ ober £oure 
tanjen, tt>o bisweilen nur ein gebeugtes 5?nie bm ganjen Äör^er allein 
tragen muß, fo fdjemt i^nen baS Sempo oftmals p langfam §u fe^n. 3u* 
gef^toeigen, baß bie ftanjöftf^e Sanjmuftf, toenn folc^e jtoif^en einer guten 
italiänif^en Oper gehöret tt)irb, fe^r abfällt, mager flingt, unb ni^t bie ^irfung 
fyut, als in einer (£omöbie, n>o man nichts anberS bagegen |>öret. ©eStt>egen 
entfte^t oftmals t>iel Streit stpif^en bm Sängern unb bem Ord^efter: tt>eil bie 
erftem glauben, ba^ß bie le^tern entmeber ni^t im rechten Sempo fpieleten, 
ober i^re SIÄufif nid^t fo gut auSftt^reten, als bie italiänifc^e. <£$ ift 8tt>ar 
ni^t su läugnen, baß bie franjöftfc^e Sangmuftf nid^t fo leicht ju frielen ift, 



208 S>e* XVIL Äouptftütf« VII. ^bfc^mtt. 

aU fl<$ SKan^er einbttbet, unb baß ber Vortrag fk$ t>on ber itattämf<i)en 
<2lrt fe$r unterf^eiben muß, fo fern er jebem (££araftere gemäß fe^n fott. ©ie 
$anjmuftf muß me|>rent!?etl$ ernft^aft, mit einem feieren, bo<$ lurgen unb 
fd>arfen, m#t abgefegten at$ gesteiften «Sogenftrtc^e, gemietet »erben. ©aS 
3ärtXid>e unb (Eantabte ftnbet barinne nur fetten ^tatt ©ie punctirten 9*oten 
werben fcfy»er, bie barauf fotgenben aber fe^r fürs unb fcfyarf gemietet, ©te 
gefct)tt)inben Stüde muffen luftig, ^üpfenb, ijebenb, mit einem gana furgen, unb 
immer burcfy einen ©rud martirten 93ogenftricfye, vorgetragen »erben: bamit 
man ben Schwer beftänbig £ebe unb §um Springen anreise, bem 3ufct>auer 
aber, baS, »a£ ber länger öorftelten »itt, begreiflich unb fühlbar macfye. ©enn 
ber Sana »irtet o^ne SEftuftf eben fosiel, als eine gematete Spetfe. 

57. §. <2Bie nun auf bie 9?i$tig!eit be3 3ettmaaße£ be$ alten ^rten ber 
<3Jiufil Diel anlömmt: fo muf baffetbe auct> bfy ber Sanamuftf auf t>a$ genauefte 
beobachtet »erben, ©ie Sänger \)<xbzn ftcfy |id)t nur mit bem ©e^ßre, fonbem 
au$ mit tyren <5üßen unb £eibeSbe»egungen barnad) ju rieten: unb atfo ift 
leicht au erachten, »ie unangenehm e$ i^nen fallen muffe, tt>enn ba£ Örc^efter 
in einem Stüde batb langfamer, batb gefd)»inber ftrietet Sie muffen i^ren 
gangen Körper anftrengen, befonberg »enn fte fu$ in £ol)e Sprünge eintaffen: 
bie «Büligleft erfobert atfo, baß ft# ba$ Ordjefter, fo *>iel ai§ möglich ift, na<$ 
ifmen bequeme, »etdjeS au$ leicht gefdje^en fann, »enn man nur bann unb 
toann auf ba$ 9tteberfatten ber ^üß e ^Id^tung giebt 

[270] 58. §. (£$ »ürbe ju »ettläuftig fe^n, alle e^araftere, fo im Sangen 
t)orfommen fönnen, au betreiben, unb fyv 3eitmaaß a« bemerken. S<f wilt 
alfo nur etliche »enige anführen, au$ welchen bie übrigen leicht »erben au 
begreifen fepn. 

9Benn bie ^Betf^en, im geraben Sacte, burc^ ba$ große C, fo if)tt an- 
beutet, einen Strich ma^en, fo geiget fot^er, »ie belannt, bm Slllabwetact 
an. ©ie ^rangofen bebienen ftd) biefer Sactart & t>erf$iebenen C^arafteren, 
atS: 33ourreen, Sntreen, 9ttgaubon$, @at>otten, 9?onbeauS, u. f.». Sie 
fc^reiben aber anftatt be$ bur^ftri^enen C eine große 2, »etd^e ebenfalls be= 
beutet, ba% bie 9Zoten no<$. einmal fo gef<$»inb gemietet »erben muffen, aU 
fonft. 3n biefer ^actaxt fo»o£t, als im ©re9*riert£eittacte, be^ ber fioure, 
Sarabanbe, dourante, unb e^aconne, muffen bie ^tt^eite, f o auf punctirte 
93iert^)eile folgen, nic^t na^ i^rer eigentti^en ©ettung, fonbern fe£r furj unb 
fct)arf gemietet »erben, ©ie 9?ote mit bem ^uncte »irb mit ^acfybrud 
marfiret, unb unter bem gurtete ber ^Sogen abgebet. (£ben fo »erfährt man 
mit alten punetirten 9loten, »enn e^ anberö bie 3eit leibet: unb fofeme nafy 
einem ^unete ober einer ^aufe bre^ ober me^rgef(^Ȋnate 9Joten folgen, fo 
»erben fotd)e, befonber^ in tangfamen Stütfen, ni^)t allemal nad) i^rer ©ettung, 
fonbern am äußerften (£nbe ber i|ynen beftimmeten Seit, unb in ber graten 



Q3on ben ^pic^tcn aüer Slccütnpagntfien überhaupt 209 

®efd)tvinbigfeit gefielet, tvie fotcf>e$ in Ouvertüren, Sntreen, unb Furien öftere 
vorBmmt S$ mufi aber jebe von triefen gefc^ttrinben SRoten i^ren befonbero 
«Bogenftric^ bekommen: unb ftnbet ba3 Schleifen tvenig ftatt 

©ie gnfree, bie £oure, unb bie (Souratrfe, [*)] tverben prächtig ge- 
fielet, unb ber «Sogen tvirb be^ jebem QSiertfjeite, e$ fe$ mit ober o^ne ^unet, 
abgefegt ^luf JebeS QSiert^eU tömmt ein ^ulgfc^tag. 

Sine 6arabant)e £at tbm biefetbe 93etvegung, tvirb aber mit einem 
ettvaS annehmlichem Vortrage gemietet 

Sine S|)aconnc ttrirb gleichfalls prächtig gemietet. Sin ^uföf^tag 
nimmt babe^ §tveene 93ier$eile ein. 

Sine ^affecaitte ift ber vorigen gleich, tvirb aber faft ein tvenig ge- 
fci>tvinber gemietet 

Sine Büfette tvirb fe^r fc^meict)etnb vorgetragen, «Sluf jebeS 93iert^eit 
im ©re^viert^etttacte, ober auf jebeS Slc^etl im ©re^aef^eittaete fömmt ein 
^uKfc^tag. 93i$tveiten ttrirb fte nad» ber <^anta-[271]fe9 ber STän^er fo 
gefdjtvinb gemalt, baf* nur auf jeben $act ein ^putSfd^ag fömmt. 

Sine $tme ttrirb mit vielem geuer gefpietet. «2luf stveene 93iert^eite 
fömmt ein ^utefctylag, e$ fe$ im geraben ober im ©re^viert^etttacte, fo ferne 
im tetjtem atve^gefc^tvänste 9*oten vorkommen. 

Sine ^ourtee unb ein 9#gaubon tverben luftig, unb mit einem furjen 
unb leisten <23ogenftri<$e au$gefi$ret Sluf jeben Sact fömmt ein ^ulSfdjtag. 

Sine ©aöOtte ift bem 9?igaubon faft gleich, tvirb aber bo<$ im Sempo 
um ettva£ gemä^iget. 

Sin 9lonbeau tvirb ettvaS getaffen gefielet, unb fömmt o|mgefät>r auf 
ätveene 93iert^eile ein ^utSfc^lag, e£ fe$ im «Mabreve- ober im ©re^vter- 
t^eiltacte. 

©ie ©ique unb ßanarie f>aben einerlei $empo. SBenn fte im Sed)$- 
adjtt^eiltacte ftefjen, fömmt auf jeben Sact ein <£ut$f<$tag. ©te ©ique tvirb 
mit einem furzen unb teilten «Sogenftric^e, bie Sanarie, tvet^e immer au« 
punettrten SKoten tefte^t, aber, mit einem furjen unb f^arfen ^ogenftricfje 
gemietet. 

Sin kerntet ftriele man f>ebenb, unb marüre bie 93tert|>eite mit einem 
ettvaS fdjtveren, bod> furzen ^ogenftri^e, auf ätveene 93iert|>ette fömmt ein 
<3>ut$fc^lag. 

Sin epaffepieb tvirb t|>eit$ ettvaS leichter, t^eitS ettvaS gef^tvinber ge- 
fpielet, als ber vorige. Äierinne gefd)ie£t e$ oft, \>a% ätveene Sacte in einen 



[*) gine ausführliche «Sefc^ef&ung tiefer unb ber toeiter^ht genannten franjäftfe^en 
Sanafovmen bei 3. Sftattyefon, 3>er wtlfotmnene (Sapeümeifter (1739), 6. 224 ff.] 

14 



210 ®e* XVII. ioauptftüc^ VII. Slbftyritt 

getrieben, unb über bie mittetfte 9Zote 5tt>eene Striae gefegt toerben, f. Sab. 
XXIII. ffig. 10. 



[Sab. XXIIL] fftg. 10. 




;:r r i uuj" 



im 5«>e9ten $acte. Sinige taffen biefe gtpeene Sacte t>on einanber abgefonbert, 
unb fc^reiben, anftatt be3 93icrt^>eil^ mit ben Strichen, stoeene <2ld>tt^eile, mit 
einem barüber fte^enben ^ogen: ben Sactftricfy aber fe^en fie bajttrif^en. 3m 
Spielen werben biefe Sftoten auf einerlei $lrt gemacht, nämltd), bie stoeene 
53iert£eile turj, unb mit abgefegtem 93ogen, unb gtpar in bem Sempo als 
tpenn e$ ©re9&iert£eittact toäre. 

(Sin ^ambouriit tmrb n>ie eine 33ourree ober Qftgaubon geftrielet, nur 
ein tpenig gefdjnnnber. 

(fin SDlarfc^ toirb ernft^aft gemietet, <2öenn berfelbe im '•Mabre&e* 
ober ^ourreentacte gefe^et ift, fo fommen auf jeben Sact stpeene ^utö« 
fätäge. u. f. ». [*)] 

[272] 59. §. 3n einem itattänifdjen 9?eäfafft>, binbet fxd) ber Sänger nidjt 
altemal an ba$ 3eitmaa$, fonbern §at bie 9te9$eit, ba£ toaß er vortragen foll, 
naefy eigenem ©utbefmben, unb nacfybem e£ bie 'Söorte erfobern, langfam ober 
gefcfytt>inb au$subrü<fen. [**)] «SBenn nun bie begteitenben Stimmen babe$ ein 
5lccompagnement t>on ^altenben Quoten auSjufüIjren £aben, fo muffen fte ben 
Sänger meljr naefy bem ©e^öre, unb mit ©i£cretion, aU na<$ btm Sacte, 
aeeompagniren. ^efte^t aber baß ^Iccompagnement au§ 9loten bie in t>a$ 
3eitmaa$ eingeleitet werben muffen: fo ift hingegen ber Sänger ioerbunben, 



[*) ©ie ^enutt ber erwähnten ^anjftüde tt>ären bemnaefy, in Sttetronomaa&len (6. 
Slnmerf. su 6. 203) auSgebrücft, fotgenbe: 

Entree, Loure, Courante, Sarabande | , J = M. M. 80; Chaconne |, J = M.M. 160; 

Passecaille | , J = 168; Musette |, J = M. M. 80, f ; ^ = M. M. 80; Furie || # 

I — M. M. 80; f, J = M. M. 160; Bourree, Rigaudon j£, J = M. M. 160; Gavotte 

% (E)/ J = M.M. 120-132; Rondo % \= M. M. 80; f, J = M. M. 160; Gigue, 

Canarie \, j =: M. M. 80 (J. = 160); Menuet |, J — M. M. 160; Passepied | f 

J^ «= M. M. 168; Tambourin $*, \ = M. M. 168—176; Marsch jjj, J = M. M. 80. — 

SHefe "Sempi fmb butrc^fc^nittXic^ äufjerfi lebhaft unb bebürfen, auf bie ^angmufW ber 
älteren b. £. 3o£. Geb. 93a$f$en 3eit belogen, man$e (Sinfdfjränfung. 6. baju bie 5ln- 
mevfung au § 50 biefeS Stbftynittä.] 

[**) ^gt. sunt Solgenben ba$ V. Äau^tft. ber ^oft-^lgricolafc^en ©efangjtyutej 



93on ben ^fftcfyten aller Slccompagniften überhaupt 



211 



ft<$ natf) ben begtettenben Stimmen §u rieten. 'öigtfleiten ttnrb ba£ 2lccom* 
pagnement unterbrochen, fo, ba£ ber Sänger bennocfy ^re^eit beKmmt, na<$ 
QBitttü^r §u recitiren, unb bie begleitenben Stimmen fallen nur bann unb tt>ann 
ein, ttämtidj) be£ ben (£tnfd)nitten, toenn ber Sänger eine ^eriobe geenbiget fpt 
Sier muffen Me 'Slccompagmften mcfyt warten, biö ber Sänger bie te§te Stytbe 
ausgebrochen §<xt f fonbern fie muffen fcfyon unter ber florierten ober i>or£attenben 
9Zote einfallen, um bie £eb|>aftigfett beftänbig 311 unterhatten. Sofern aber bie 
Biotinen anftatt ber 9iote im 9tteberfcfylage eine furje °paufe £aben, unb ber 
Sßa% eine 9lote aorfcfytägt, fo mufj berfetbe mit einer Sicfyer^eit unb Äraft 
einfallen, befonberS be$ ben (labenden, benn ^ier fömmt e£ auf bm ^afi am 
meiften an. ©iefer muf überhaupt be$ alten dabengen be£ t^eatratifct)en 9?e- 
citattoS, e£ mag ein mit Biotinen begleitetet, ober nur ein gemeines fetyn, feine 
5«)0 9^oten, tpetcfye me^rentljjettS auS einem fallenben Quintenfprunge beftetjen, 
unter ber legten Sptbe anfangen, unb nicfyt ju tangfam, fonbern mit fieb^af» 
tigfeit anklagen, ©er dtaoierift fyut biefeS burcfy ein sotlftimmtgeS ^ccom- 
pagnement, ber 93iotoncettift unb Gontramolonift aber bur$ einen furjen ©ru<f 
mit bem unterften Steile be$ Cogens.; fxt tt>ieberf>olen ben Strich, unb nehmen 
bfybt 9loten rücfoärtS. «SBenn in einem lebhaften 9?ecitatiö bie begteitenben 
Stimmen, bety ben (2mfd)nitten, taufenbe ober fonft turje 9?oten £aben, toetcfye 
präcijritant gemietet werben muffen: unb im 9tfeberf$tage eine ^aufe florier 
jtefri: f. <£ab. XXIII. fffg- 11. 



[Sab. XXIIIJ 

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Wo. 11. 



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212 ©e£ XVII. ÄauptftütfS VII. Slbfönitt. 

fo muffen <m<$> £ter bte Stccompagniften ni<$t warten, fcü ber Sänger bie le^teS^tbe 
*>6Hig ausgeflogen jiot, fonbern f$ott unter ber sor|>attenben 9*ote anfangen: 
bamit ber feurige Effect beftänbtg unterhatten werbe. 9fä<$t &u gebenden baß 
fte auf biefe 2W ßt*# atteseit, jumat in einem weitläufigen Örd>efter, genauer 
5ufam-[273]men treffen werben, wenn tynen bie *>orte$te S^tbe be« Sänger« jur 
9fi<$tf$nur bienet. 

60. §. ©iefe« ift e« nun, wa« t<$ »on ben ^ftic^ten ber ^«fü^rer ber 
9*ipienfttmmen absu^anbetn, für nöt|>tg erachtet £dbe. 9Äan famt barau« ab- 
nehmen, t>a% e« mfy fo gar leicht fe^, gut au accompagntren, unb baß Joon 
einem Or^efter, wenn e« anber« »ortreffli^ fe^n will, fe^r *>iet gefobert werbe. 
©a nun aber fo met son bemfetben verlanget wirb: fo liegt e« aud) wieber, 
*>on ber anbern Seite, ben Gomponiften ob, i^re Gompoftttonen fo einzurichten, 
ba% ein gut Ord)efter bamit au$ <£$re einlegen «rate. SJian^e Gompofttton 
ift entweber fo trogen, ober fo bijarr, f^wer, unb unnatürlich, baß and) ba« 
befte Ör^eftcr, ungea^tet alter SERülje, ÜpMf e«, unb guten SBtlten«, feine gute 
<3Birfung bamit l?er*>or bringen lann, unb wenn e« au<$ au« ben gefc^ifteften 
ßeuten beftünbe. <£« bringt einem föm Gomponiften großen <23ort£etl, wenn 
feine (Eompofttion fo bef^affen ift, baß fte aud) oon mittelmäßigen ßeuten au«- 
gefü^ret werben fann. 6in <£ompomft ^anbett bemnadj am oemünftigften, wenn 
er fxfy nad» ber ffSfrtflfctt eine« jeben rietet. Sft feine Arbeit fe£r gefeilten 
ßeuten gewibmet, fo fann er fretytid? etwa« mehrere« wagen: fott fte aber alt* 
gemein werben, fo muß er ftd? ber ßetdjtigfeit befleißigen. 3nfonber£eit muß 
er bebaut fe^n, für bie Sänger natürti^, ftngbar, unb Weber §u £od) no$ m 
tief §u fe^en, unt> irrten pm ^em^oten, unb 8 ur beutß^en. ^«fpradje ber 
<2öorte, 9*aum ju taffen. ©ie (gigenföaften jebe« Snftrument« muß er fö 
befannt machen, bamit er nid)t wiber bie 9Zatur berfetben tttoat fdjreibe. «Jür 
bie <23ta«ittftrumente barf er nid)t gar p frembe Tonarten wägten, worinne bie 
wenigften geübet ftnb, unb wel^e fowo^t an ber 9*einigfeit unb ©eutlidjfett be« 
Spielend, at« au<i überhaupt am guten Vortrage Äinbemiß t>erurfa<$en. ©en 
£lnterf<$ieb &wifd)en 9lipten= unb Sotoftimmen muß er wo$t beobachten. 3ebe« 
StücE fu<$e er fo ju ^arafteriftren, ba^ ein jeber ba« Sempo bason leicht erraten 
fönne. ©amit ber SiuSbruä »on alten auf einerlei $lrt gef^e^en fönne, muß 
er bat ^piano unb Sorte, bie Triller unb Q3orfc^täge, bie 'Sogen, ^uncte, 
Striae, unb alle^ xoa$ über ober unter bie 9loten ge|)i5ret, auf« genauefte be» 
jei^nen, nidjt aber, wie manche, bie *>om ^ogenftric^e feine ^enntniß, ober 
feine ^tfamfeit barauf ^aben, t^un, i>aß Sd)teifen ober Stoßen be« Rogens 
witt=[274]fü|>rti^ taffen: gerabe alö ob alle« auf bem Glasiere, wo man mit bem 
95ogen ni<$t f^teifen fann, au«gefü|)ret werben foUte. Gr muß belegen bie 
Sopiften, wet^e in biefem Stüde, bem Somponiften sum 9^a^t^eite, entweber 
aut «nwiffen^eit, ober au« ^a^täßigfeit, »per* bie größten Segler begeben, 



<2Bie ein 'SKuftEuä unb eine 9Kufi£ ju beurteilen fe«. 213 

baju anhatten, bafc fte alle*, fo tute er eS oorgefcbrieben §at, aufs genauefte 
na^fcbreiben, ba§ fte bie i?o»fe ber 9coten nicbf aweifelbaft, fonbern re$t mitten 
auf bie £inien ober 3tt>tf^enräume feiert, ba§ fte bie Querftricbe beutticb 
madjen, unb bie Einten red)t beutticb aussieben, ba% fte atleS übrige, waS ber 
£om»omft angemerkt Ut r eben fo, unb an biefelben Orte btafe^en, tote es in 
ber Partitur ftebt, abfonberticb baS tforte unb ^tano, unb bte "Sogen über 
ben 9loten, t>a% fte niebt glauben, eS gelte gtetcb oiet, ob über jwo, bre», »ier, 
ober mebr 9toten ein Sogen ffebe, ober gar feiner: wefcbeS boeb ben Sinn beS 
domponiften febr oeränbern ober »erniebten fann, ba% fte aueb be$ ber 6ing- 
muftf bie <2Sorte reebt tefen, unb beutltd) unb richtig abfebretben. <£nblicb mufj 
bie Äanb beS Gompontften tefertieb, unb feine 6cbreibarr beutticb fe^n, bamit 
fte feiner befonbern SrHärung nötbtg babe. Serbält ftcb nun ein Gomponift 
in aßen 6tücfen auf fotebe SBeife, fo $at er aueb ein 9*ecbt, üon ben «u* 
fübrern einen folgen Vortrag, tt>ie icb ibn bier ber ßänge nacb befebrieben $abe, ju 
f obern: unb baS Orcbefter wirb fo wobt ibm, als er bem Orcbeffer, <£bre macben. 



®a$ XVIII. $>auptftM. 



[275] 



9Sie ein SOtuftfuS unb eine SRnftf %u benrt^etten fe%. 

1 § ®S ift »o|>t feine SBiffenfcbaft jebermannS Hrt^eüe fo fef>r unter- 
worfen als bie 3TCuftt <£s febeint als ob nicbtS lei<*>ter wäre, als biefelbe ju 
beurteilen. 9ttcbt nur ein jeber SKuftfuS, fonbern aueb ein jeber ber ftcb für 
einen ßiebbaber berfetben auSgiebt, will gugleicb für einen Siebter beffen, waS 
er tyivtt, angefe^en femt. . r . 

2. §. SERan begnüget ftcb «lebt allemal, wenn etn jeber »ort benen, welche 
ftcb boren lafien, bat, waS in feinen Gräften ftebt, bertwr p bringen bemübet 
ift' fonbern man »erlanget oftmals mebr au boren, als man felbft niemals ju 
boren gewobnt gewefen ift. ©tagen ober foieten in etaer Serfammtung mebt 
alte in gleicber Q3ollfommenbett: fo leget man oftmals nur einem alten Sorsug 
beti, unb bätt alte anbern für gering, obne ju bebenfen, bafc ber eine in biefer, 
ber anbere in jener <2lrt, j. <£. einer im <Hbagio, ber anbere im Qlttegro, ferne 
Serbienfte baben fonne. 9Jcan erwägt ntebt, bajj bie Stanebmlicbfeit ber =Kuftf, 
niebt in ber ©tetebbeit ober Slebnlicbfett, fonbern in ber <23erfcbiebenbeit beftebe. 



214 XVIII. &cu4*ftü<l 

^Bentt eS mögtttf) wäre, ba% alle Sonlünftter, in gleicher Stätte, unb in gleichem 
©efc^made fingen ober fpiclcn lönnten, fo würbe, wegen langete einer an= 
genehmen Abwertung, ber gröfjte 3$eit beS Vergnügens an ber Wlufxt nic^t 
empfunben werben. 

3. §. SDfan rietet fv§ fetten nad) feiner eigenen (fmpfmbung, welches 
bodf) no$ baS ftd>erfte wäre: fonbern man ift nur gleich begierig ju vernehmen, 
[276] welker t>on benen, bie ba fingen ober Rieten, ber ftärffte fe$: gtei<$ als 
ob eS möglich wäre, bie QSßiffenf^aft verriebener ^erfonen auf einmal ju 
überfein, unb abaumeffen, wie etwan gewiffe ©inge, bie nur tyren <3Bert£ unb 
93oraug auf ber <2Bagfdl)aate ermatten, ©em nun, ber auf folctye 5lrt für ben 
ftärfften ausgegeben wirb, f>öret man allein au. ©in, öfters mit ^Iei§, von 
tym na<$täfng genug ausgeführtes, nodj barju nid)t fetten fe^r fdt)ledf)teS Stütf, 
Wirb als ein ^unberwerf auSpofaunet: ba hingegen ein anberer, be$ feinem 
mögti<$ften Steige, mit welchem er ein auSerlefeneS Stüd au$8ufüf>ren ftd> be- 
mühet, faum einiger Augenblicke von $lufmerlfamfett gewürbiget wirb. 

4. §. <2ftan gönnet fetten einem SftuftJuS bie gehörige 3eit, feine Stärfe 
ober Sd^wädje 5u seigen. 9D?an bebenfet auti) nid)t, ba# ein SftuftfttS md)t 
jeberjeit im 6tanbe ift, baS n>a$ er verfte^t £ören §u taffen: unb ba% öfters 
ber geringfte Itmftanb i£n teid)t aus atter feiner ©elaffen^eit fe$en fann: ba% 
eS folglich bie Bttligleit erfobert, tf>n me£r atS einmal %ü fjören, bevor man 
fein ilrt^eit über i£n fällen Witt, yflantytv SWupfti* ift verwegen, unb §at 
vielleicht ein ^aar Stütfe, worinn er feine ganje $ä$iglett aeigen fann, unb fo 
ju fagen feine gange ^iffenfdjaft auf einmal ausfluttet: bafj man tyn atfo 
ein für aKemat gehöret f>at. (Ein anberer hingegen, ber nid)t fo verwegen ift, 
unb beffen QOßiffenf^aft ft<$ au<$ nic^t, wie bfy jenem, in ein <paar Stüde 
einfd^ränfen lä&t, $at nid)t benfetben 93ort£etf. ©enn bie meiften 3u£örer über» 
eilen fiel) leicht in ber Beurteilung, unb laffen ftd) burdl) baS, was fte jum 
erftenmate Ijören, gar au fe£r einnehmen. ioätten fte aber bie ©ebutb unb bie 
©etegen^eit einen jeben öfter au |>ören: fo würbe eS nicfyt atteaeit einer großen 
<Emfi<$t brausen, fonbern man bürfte nur o^ne 33orurt£eit auf fein eigenes 
©efü^I Sichtung geben, unb fe^en, welker in ber <5otge baS meifte Vergnügen 
machte. 

5. §. 3n Anfe^ung ber (Eompofttion ge£t es nicf)t beffer. SfRan will 
nid)t gern für unwijfenb angefe^en fe^n, unb bod) füllet man woljl, baf* man 
nifyt aHeaeit red)t au entf^eiben fä|>ig fetyn möd^te. ©eSwegen pfleget gemei- 
niglich bie erfte Stage biefe au fe^n: von wem baS Stü<S verfertiget fe$, um 
ftd) mit ber Beurteilung baroa<$ rieten au fönnen. 3ft nun baS Stüd von 
einem folgen, bem man fd>on im Q3orauS feinen Bepfalt gewibmet $<tf, fo 
wirb eS fogtei^ o^ne Bebenlen für fd)ön erltäret. [277] ginbet ft^ aber baS 
©egent^eit, ober man $at oieHei(i)t wiber bie ^)erfon beS BerfafferS etwas ein» 



QCßic ein 9JtojttuS unb eine 9Xuftf §u beurteilen fei). 215 

guwenben: fo taugt aud) bat gange Stüd nt#t$. SBottte ftd) jemanb hiervon 

l^anbgreiftid) überzeugen, fo bürfte er nur gwel) Stüde, von gleicher ©üte, unter 

anbern Flamen, t>a ber eine im Grebit, unb ber anbere im ^ÄBcrebit fte^t, au«* 

geben, ©ie Slnwiffen^eit vieler ^eurt^eiter würbe ftd) gewi£ batb entbeden. 

6. §. ©iejenigen 3u$örer, welche befdjeibener ftnb, unb ß$ bod) fetbft 

nict)t bie 2inftd)t gutrauen, eine Sadje beurteilen ju fßnnen, nehmen oftmals 

tyre 3uflud)t 5U einem 9Kuftfu^, unb glauben beffen <2Borten, Mi einer unum* 

ft5pd)en <2öai>rfjett. (£« ift waf>r, burd) ba« ^nftfren Meter guter SRuftlen, 

unb burd) bat Hrtljett, wet<$e« erfahrne, aufrichtige unb geteerte Sonfihtftter 

bavon fällen, fann man einige <£rfenntni§ erlangen: gumat wenn man gugteid) 

nad> ben &rfad)en, warum ba« Stüd gut ober fd)ted)t fc9, fraget. ©iefe« 

würbe atfo eine« ber gewiffeften bittet fetjn, um nid)t gu festen, Altern ftnb 

benn alle bie, fo von ber SÖZuftf SBerf machen, and) gugteid) Sttuftfverftänbige, 

ober < 2Kujtlgete$rte? Äaben nid)t fo lotete barunter i$re <2öiffenfd)aft nur als 

ein Äanbwert erlernet? (£« fann atfo leicht gefd)e$en, ba§ man ftd} mit feinen 

fragen an ben unrechten wenbet, unb baf ber SKuftfu« tUn fowo|)l, at« 

mattier fiieb^aber, au« &nwiffen$eit, au« ©ferfud)t, ober au« 93orurtf>eit unb 

ed)mei<$ete9 entfd)eibet (Sin fotdjer ^ugfyrud) ge$t benn, wie ein ßauffeuer, 

gleid) weiter, unb nimmt bie llnwiffenben, Wetd)e ftd) auf ein fold)e« vermeinte« 

Öralel berufen, bergeftatt ein, bafj enbtic^ ein SJorurt^eit barau« erwäd)ft, 

weites nifyt leicht Wieber au«gutitgen ift. Heber biefe« fann aud) nid?t einmal 

ein jeber SDiufttu« fctyig fe^n, alle« wa« in ber SQfatftf vorkommen fann, gu 

beurteilen. ©a« Gingen erfobert feine befonbere ©nftd^t. ©ie 93erfd)iebeni)eit 

ber Snftrumente ift fo grof, ba# eine« 9!Kenfd)en Gräfte unb £eben«geit nid)t 

gureid)enb fetyn würben, aller iljre <£igenfd)aften einfefjen gu lernen. 3d) ge» 

fe^weige fo vieler ©inge, welche man hfy richtiger ^eurt^eitung ber 6ompo* 

fttion gu verfte^en unb gu beobachten $at dxn öeb^aber ber SJZuft? muf atfo, 

e^e er ft$ bem ilrt^eite eine« Sonfünftter« anvertrauet, guvor wo|>l prüfen, ob 

berfetbe au<$ wiritiety im Staube fe^, richtig gu urteilen. 93e^ einem ber feine 

<2ßiffenf$aft grünbli^ erlernet £at, ge^t man fixerer, att bfy einem, ber nur 

feinem guten Naturelle gefotget ift: wiewohl bat le^tere amS) eben nxfyt gang 

ju verwerfen ift ^Gßeil and) [278] ni<$t leicht jemanb von Effecten fo fre^ ift, 

ba§ er ni(^t bann unb wann fo gar wiber feine eigene <£rlenntnif urteilen 

follte: fo mu£ ft^ ein fiieb^aber ber ^uftl au^) in biefem Stücle, be^ bem 

urteile eine« Sontünftler«, in 2l^t nehmen. (£« giebt einige, benen faft nid)t« 

gefällt, at« toa$ fte fetbft gemattet ^aben. QBe^e atfo allen anbern Stfiden, 

bie nid)t i^rer berühmten ^eber i|>r ©afe^n ju banlen fyahtn. ^Benn pe ja 

6<$anbe falber ft^ genöt^iget ftnben, eine Sad^e gu loben: fo gefegt e« bo^ 

wo^l mit einer folgen 2lrt, wobur^ fte ftd) verraten, ba§ i^nen ba« ßoben 

fd)Wer falle. Rubere hingegen toben aEe« o|)ne Hnterfe^ieb: um e« mit nie» 



2Jg XVIII. Äauptftttcf. 

manbcn §u öerberben, fonbern p# jebermann gefäEig p machen. 9Jlanc^cr neu 
angejenber SRuftfuS |Sft nichts für fd)5n, att tt>a« w* feinet 9fteifter$ <&> 
ftnbung gefloffen ift 3Rand>e* domponift fachet feine ffi^rc in lauter fremben 
<2Kobutationen, in bunfetn SMobteen, u. b. gl. <Me3 foU be$ i£m auffer* 
orbentlid) unb ungewollte*) fe^n. (Er Ja* fxd) and) wo^l/ t^ei« bur<$ feine 
übrigen »fettigen Berbienfte Beifall erworben, fyäU aud) bur<$ anbere bittet 
ganger erf^tic^en. <2öer wollte btefem, unb benen bie tyn btinblingS oer- 
e^ren, sumut^en, etwa« fcf)5n ju Riffen, wa$ md?t mit biefer ©enfart übereil 
ftimmet? ®ie <2ltten Kagen über bie melobif^en "iHuSfc&weifungen ber feuern, 
unb bie Steuern »erlaben ba$ trodene SBefen ber eilten. <£$ giebt aber beffen 
ungead^tet aud) nod) bann unb wann fotd)e Sonftinftter, bie eine Sacfye, oljne 
g3orurt^eit, unb nad) tyxtxn wahren <2Bert£e einfe^en, bie ba$, xoaß ju toben 
ift, loben, unb ba$, xoaß ju verwerfen ift, serwerfen. Solchen SDlufttgete^rten 
tarnt man am ftc^erften trauen, <fm re<$tf$affen geteerter unb gefeilter 
^KufttuS aber, §at fi# fotgli<$ fefrr 5" W™, ^f er au * Effecten leine Hn- 
gere<$tigteit begebe, unb ftd) ni^t etwan gar ben ^rofefftonSneib einnehmen 
taffe: benn fein ilrt^eil tann jwar baß ridt>tigfte, aber aud) sugtetd), wegen beß 
(ErebitS worinne er fte^t, baß gefä^rtid)fte ftyn. 

7. §. ©a nun bie Siftuftt eine fotd)e <2Btffenfd)aft ift, bie nid>t nact> 
eigener ^^antafe^, fonbern ^Un fowoftf at« anbere fc^ne <2Biffenfd?aften, nadj 
einem, bur<$ gewtffe 9legetn, unb buref) triele (Erfahrung unb grofe Hebung er- 
langten unb gereinigten gute ©efdjmatfe, beurteilet werben muf , ba berjenige, 
welker einen anbern beurteilen will, wo nic^t mejr, bo<$ tUn fo x>iet atö ber 
anbere »erftef>en fotlte, ba biefe ©igenfdjaften be$ benen, bie fxd) mit <33eur* 
Leitung ber Sftuftt abgeben, fetten [279] anzutreffen ftnb, weil *rietme£r ber 
größte S^eil mm i^nen, burd? ilnwiffen^eit, 93orurt^eile unb Vlfftctm, welche 
einer nötigen Beurteilung fe|>r ^inberü^ fmb, befcerrfdjet wirb: fo tfyatt 
mancher oiel beffer, wenn er fein Urteil bfy fxd) behalten, unb mit mehrerer 
^ufmertfamteit ju^ören wollte, wofern er anberS nod) ©efallen an ber SOiuftt 
§at 3Benn er me^r, um bm *2lu^fü^rer, ba wo tß nityt nöt^ig ift, p be* 
urteilen, al^ um an ber SRujtl Vergnügen au ^aben, surret: fo beraubet er 
ft<$ fre^wiüig btß grölen «Jette« ber £uft, bie er fonft bafcon empftnben 
?5nnte. ^enn er wo^l gar, e^e ber 9WufWu« fein Stütf geenbiget $at, fd^on 
bemühet ift, feine fallen gEJZe^nungen feinen Watybaxn aufjubringen, fo fe^et 
er nid)t nur ben SDZuftfu« baburd) anß feiner ©elaffen^eit, fonbern auö) aujfer 
Staub, fein Qtüä mit gutem fielen au enbigen, unb feine ^igfeit, fo wie 
er fonft wo^l fönnte, §u geigen. ®enn wer wirb wo^t fo unempfmbtief) fe^n, 
unb gelaffen bleiben tonnen, wenn man Jier unb ba, be$ bm 3u|>5rem, mi$- 
fättiger 9?linen gewahr wirb? ®er un^eitige Beurteiler aber fte^t immer in 
©efajr, gegen anbere, bie ni^t feiner ^e^nung ftnb, unb trieEeid^t me^r at^ 



<2Bie ein ^RufKuS unb eine SKufit ju beurteilen fep. 217 

er »erftefcen, feine Unwiffenbeit ä u »erraten, unb lyat alfo »on feinem Urteile 
feinen Wn 8 u gewarten. STCan fann bierau* fcbtüfeen, wte föwer e* »oUenbS 
fe», baß 2lmt eines mufttalifcf>en 5?unftricbterS über ftcb p nebmen, unb bem- 
felben mit €bren »orsufteben. 

8 S <33e» ber muftfalifcben Beurteilung, wenn fte anber« ber Vernunft 
unb ber BiUigfeit gemäß femt foll, bat man aUe ä eit »omebmlicb auf breite» 
etMe fein «Uugenmerl au richten, nämlicb: auf i>a$ Sfüci fetbft, auf ben 2luS» 
fübrer beffetben, unb auf bie 3ubbrer. ©ine fcböne eompofttion fann burcb 
eine fcblecbte "2lu«fübrung »erftümmelt werben, eine fcblecbte gombofttton aber 
benimmt bem «Hu^fübrer feinen <23ortbeii: folglich muß man erft unterfucben, 
ob ber "2lu#fübrer ober bie gombofttion an ber guten ober fcbie^ten <2ßirfung 
fcbulb feö. 3n ^Infebung ber 3ubbrer fömmt, fo wie in Slnfebtmg be$ SEftu- 
ftfuS, febr »ieteS auf bie »ergebenen ©emüt^bef^affenbeiten berfetben an. 
9ETCanc&er liebet t>ai ^rä^tige unb ßebbafte, mancber t>a$ traurige unb Sief- 
ftnnige, mancber baS 3artticbe unb fiuftige, fo wie einen jeben feine Neigungen 
tenfen. SOcancber beft^t mebrere ©rfenntniß, bie bingegen einem anbern mteber 
febtet. Sftan ift nicbt allemal gleich aufgeräumt, wenn, man ein ober anbere« 
Stücf bat erftemat boret. <£$ tarn Öfterg gefcbeben, baß un$ [280] beute ein 
Stücf gefällt, welches wir morgen, wenn wir un« in einer anbern Raffung be« 
©emütbeö befinben, taum augfteben rönnen: unb im ©egentbeüe fann un$ beute 
ein etücf juwiber fe»n, woran wir morgen »iele Scfeönbeiten entbecfen. SS 
fann ein Stücf gut gefe^et femt, unb gut auSgefübret werben, eS gefallt beffen 
ungeachtet nicbt einem jeben. ©in fcbtecbte* Stücf mit einer mittelmäßigen 
<2lu$fübrung fann »ielen mtSf allen, bocb rann eS aucb wieber nocb einige ßteb- 
baber finben. ©er Ort, wo eine SJiuftr aufgefübret wirb, tann ber richtigen 
«Beurteilung fe^r »iele joinberniffe in ben <2Beg legen, 3Jcan boret 5. ©. eine 
unb eben biefelbe SUZuftr l)mtt in ber Stäbe, unb morgen »om SBeifen. 
, 93e»bemale wirb man einen Stnterfcbieb baU\) bemerfen. "30« fönnen ein 6tücf, 
baS für einen weitläufigen Ort, unb für ein sablretcbeS Orcbefter beftimmet 
ift, am gebörigen Orte auffübren boren. ®* «** un * ungemein gefallen. 
Äören wir aber baffelbe Stücf ein anbermat in einem 3immer, mit einer 
fcbwac^en Begleitung »on Snftrumenten, »ielleicbt aucb »on anbern <£erfonen au«, 
fübren: e$ wirb bie Äälfte feiner Scbönbeit »erlobren baben. ©in Stücf ba« 
un« in ber Kammer faft bezaubert lyattt, fann un« bins«9«»/ Wenn man e8 
auf bem tytattv boren follte, faum mebr lenntlicb fe^n. SBoUte man ein im 
franjöftfcben ©efcbmacfe gefe^ete« langfameö 6tücf, fo wie ein italiänifcbe« 
«Zlbagio, mit »ielen wit«übrftcb<m Sanieren au*aieren, woßte man bingegen ein 
italiänifcbc« Qlbagio fein e[b]rbar unb trocten, mit frönen lieblichen 5:riaern, im 
fransöftfeben ©efebmaete, auöfübren: fo würbe ba« erftere ganj unlenntbar 
werben, i>a$ ledere bingegen würbe fefer »tart unb mager «ingen, unb be»be 



218 xviil Amflaa. . 

würben folglich webet ben ^ran^ofen nod) btn Statiänew gefallen, (£s mu§ 
alfo ein jebeS Stütf in feiner gehörigen 2lrt gefpielet werben: unb wenn biefeS 
nic^t gefegt, fo finbet and) feine Beurteilung ffaft ©efe$t aud), bafy ein 
jebeS Stütf in biefen betyben «Slrten, nad) bem i£m eigenen ©efctymatfe gefpietet 
würbe: fo fann bo<$ baS franjöfifc^e öon feinem 3tatiäner, unb baS itatiänifc^e 
t>on feinem ^ranjofen beurteilet werben, weil fte bepbe &on Borurtetlen für 
tfyv £anb, unb für t|>re 9iattonatmufif, eingenommen jtnb. 

9. §. 3<$ fltattbe, ba% mir nun ein jeber einräumen wirb, baf* ju nötiger 
unb bittiger Beurteilung eines muftfalif^en Stü<fS, nityt wenig <£mfxd)t f 
fonbern faft ber $öcfyfte ©rab ber muftfatifc^en c 2Biffenfc^aft erfobert werbe, 
ba% weit me^r ba%u gehöre, atS nur fetbft tttoa$ fingen ober fpielen $u fönnen, 
ba% man folglich, wenn man beurteilen will, forgfättig um [281] bie ^enntni^ 
berjenigen Regeln bemühet fe^n muffe, welche bie Bernunft, ber gute @ef<$matf, 
unb bie $unft an bie ioanb geben. (£S wirb mir weiter hoffentlich niemanb 
abftreiten wollen, ba% weit nicfyt ein jeber, ber fvfy bod) ntdjt fetten ju einem 
Beurt^eiter ber SKuftf aufwirft, mit biefer Srfenntnifj ausgerüstet ift, folglich 
babuxfy ber SD^uftf, ben Sonfünfttern, unb bm Zkbfyabtxn ber 9Kuftf, wet^e 
babur<$ in einer beftänbigen £lngewt§eft ermatten Werben, großer 9iac$t$eU 
erwad&fen muffe. 

10. §. 3$ will mict) bemüen, bie t>orne$mften ©genf^aften eines »oll* 
fommenen SonfünftterS unb einer wof>tgefe$eten SÖtfuftf, burcb gewiffe Stterfmaate 
fennbar ju ma^en: bamit fowo^t Sonfünftter, als ßiee^er ber 9Jiujtf, jum 
wenigften eine Anleitung fyahm mögen, nad) welker fie iee Beurteilungen 
aufteilen, unb welkem SftuftfuS, ober welkem muftfatifc^en etütfe fte ieen 
Beifall mit 9?e<$te geben fönnen. ©n jeber, ber beurteilen will, fuc^e baS» 
felbe babe$ immer o|me Borurteite, o|me Effecten, unb hingegen mit Bittigfeit 
8U unternehmen. SÖfam gee be^utfam unb übereile ftd) ni<$t. 90lan fee auf 
bie <5ad)t fetbft, unb taffe ft<$ md>t bur<$ gewiffe 9iebenbinge, bie gar nid)t • 
baju gehören, btenben: j. <£. ob einer t>on biefer ober jener Nation fe^, ob er 
in fremben fiänbern gewefen fe$ ober n\d)t, ob er ftd) t>on einem berühmten 
SWeifter einen Scfyotaren nenne, ob er be$ einem großen, ober Keinen fierm, 
ober be$ gar feinem in ©teuften ftee, ob er einen mufffalifc^en ffi&arafter, 
ober feinen $a&e, ob er greunb ober ^einb, jung ober alt fe^, u. f. w. Heber- 
eupt wirb bie Billigfeit nicfyt leicht Übertritten werben, wenn man, anftatt 
t>on einem SDluftfuS, ober von einem Stüde ju fagen: e$ tdUQtt tticfytö, nur 
fagen wollte: eS gefällt mir triebt ©aS teuere i)at ein jeber cßlafy *u 
fagen: weit man niemanben zwingen fann, baf t£m eine 6ac^e gefallen 
muffe. ®aS erftere aber fottte man billig nur ben wirfti^en SQZuftfoerftänbigen, 
wet^e attenfallS ben ©runb tyre« StatfyOt m beweifen fdjulbig ftnb, attein 
übertaffen. 



: 



<2öie ein 9ftufifu3 unb eine 9ftuftE 51t beurteilen feip. 219 

11. §. [*)] <33on einem guten Sänger tturb erfobert: ba£ er ^auptfäd)* 
li$ eine gute, £elte, reine, unb von ber 5tefe bis in bie Joö^e burcfyge^enbS 
egale Stimme fyaU, treibe oljne bie, aus ber 9iafe unb ber ©urgel ober bem 
Äalfe (gola) entfyringenben &auptfe£ter, unb tveber $eifd>er nod) bumpfi<$ fe$. 
®ie Stimme unb ber ©ebraud) ber <2Borte ift ba$ einzige, tvoburd) bie Sänger 
vor ben 3nftrumentiften einen QSorgug erlangen. [282] (££ tvtrb ferner erfobert: 
ba% ein guter Sänger ba$ hälfet mit ber Bruftftimme fo ju vereinigen ttriffe, 
bamit man ni$t bemerken fönne, tvo bie tetjte aufgäret, unb ba£ erftere an* 
fängt, ba% er ein gutes ©c^ör, unb eine reine 3ntonation fyabt, um alle Söne 
in ttjren 93er£ättniffen rein angeben §u fönnen, ba% er ba$ fragen ber Stimme, 
(il portamento di voce) unb bie Haltungen auf einer langen ^ote, (le messe 
di voce) auf eine angenehme Qlrt ju machen ttriffe, ba$ er folglidrbabe^ eine 
^eftigfeit unb Sid)er|>eit ber Stimme bejt^e, nnb nityt, bep einer nur mäfjig 
langen ^u^attung, entiveber bamit anfange ju gittern, ober aber, tt>enn er 
ben Son verftärfen ttrill, bm angenehmen $lang einer SSJJenfdjenffimme, in ba$ 
unangenehme $retfd)en einer 9?ot;rpfeife vertvanbele: welches abfonberlid) einigen 
jur ©efcfynrinbtgfett aufgelegten Sängern ni<$t feiten begegnet. 93on einem 
guten Sänger tvirb tvetter erfobert: baf er einen guten dritter fcfytage, ber 
nidjt meefert, and) tveber p langfam, no<$ in gefcfytvinb ift, ba% er bie gehörige 
QBeite be$ SrttterS tvot;t beobad)te, unb unterfdjeibe, ob berfelbe au$ ganzen 
ober falben Sönen befte^en foKe. <£in guter Sänger mufj femer: ein gute 
QluSfyradje £aben. ®ie 3Borte muf er beutlid) vortragen, nnb bie Setbft= 
lauter a e unb in ben ^affagien nict)t auf einerlei $lrt auSfyrectyen, unb 
unverftänbttc^ machen. OBenn er über einem Selbfttauter eine Lanier 
machet, mufj man immer biö gum (£nbe, benfetben, nnb feinen anbern Selbft- 
tauter mit barunter vernehmen. ^Ind) be^m 'SluSfpredjen ber Wörter mu# er 
jtcfy fyüttn, bie Selbftlauter mit einanber ju vertvedjfetn, unb ettvan ba& e in a 
unb ba$ in u gu vertvanbeln, bamit er nic^t g. <£. im 3taliämfd)en ettvan 
gemtura anstatt genltore auöfpre^e, nnb biejenigen, tvetcfye bie Spraye ver* 
fteJjen, jum £a<tym verleite. 93e^ bem i unb u barf bie Stimme md)t ab- 
fallen: über biefen bfybtn Selbfttautern barf man in ber Siefe feine tveit* 
läuftigen, unb in ber ü>öf>e gar feine Sanieren madjen. Sin guter Sänger 
mu£ eine.^ertigfeit im 9totentefen unb- im treffen £aben, unb bie Regeln be$ 
©eneratbaffeS verfteljen. ©ie Söne in ber &5$e barf er tveber mit einem garten 
«Slnfdjlage, no<$ mit einem heftigen Joanne ber <33ruft auSbrütfen, nod? toeniger 
aber ^erau^^euten: al« tt>obur<$ bie 2lnmut^ ftc^ in eine Brutalität vertvanbelt. 

[*) 3um Solgenben fie^e an% Qu.' Urteile über berühmte geitgenöfftf^e 6änger 
unb Sängerinnen in feiner eetbftMogra^ie (9Jlar^urg, a. a. O.). bitten 5lulgug barauS 
in ^enbel-9leifmannö 9Kuf. ^onverfation^le?ifon, Slrt ^Oefang". 93gl. au(^ bat te$te 
Äauptftüce von ^oft-5lgricota« ©efangf^ule.] 



220 XVIII. Äouptftürf. 

<2Bo bxt 2Borte erfobem genriffe £eibenfd?aften auSjubrücfen, mufi er bie Stimme 
ju rechter 3eit, bo<$ o^ne «2lffectation, §u ergeben unb §u mäfjtgen tviffen. 3n 
einem traurigen Stüde barf er nicfyt fo viele Srißer unb laufenbe Sanieren 
anbringen, als in einem cantabeln unb luftigen: benn [283] £terbur<$ tt)irb oft- 
mals bie Sd?6nf>eit ber SSJlelobic verbunfelt unb vernichtet. <£r mu§ vielmehr 
ein 2lbagio rü^renb, auSbrüdfonb, f^meid)etnb, anmutig, an einanber £angenb, 
unterhalten, mit Zxfyt unb Statten, fo tvo|>l burd> baS °piano unb gorte, als 
buvd) einen, ben Porten unb ber Sftelobie gemäßen, vernünftigen 3ufa$ ber 
Sanieren, fingen, ©aS Jltegro muf er lebhaft, brillant, unb mit ßei^tigJeit 
ausführen, ©ie ^affagien mufj er runb heraus bringen, folcfye and) tveber gar 
ju $art ftofjen, nod? auf eine la^me unb faule 3lrt fc^tetfen. 93on ber Siefe 
Bio in bie £ö|>e mu§ er feine 6timme ju mäfigen, unb babfy gtt)tf(^en Sweater 
unb Kammer, and) jurifcfyen einem ftarfen unb fd^tvac^en 'Slccompagnement 
einen itnterf^ieb au machen Riffen: bamit fxd) baß Singen in btn £o£en Sönen 
nid)t in ein Sdjre^en vertvanbele. 3m 3eitmaafje mu# er ftcfyer fe^n, unb nifyt 
biStveiten eilen, biStveilen unb abfonbertid) in ben ^affagien, &5gern. ®en 
^tfjem muf? er &u rechter 3eit, unb gefcfytvinb nehmen. Sollte tym and) ber- 
felbe etoaS fauer gu nehmen tverben, fo mu£ er fotd)eS bod), fo viel mSgli<$, 
ju verbergen fucfyen, burctyauS aber nifyt fxd) babuvd) auS Um Qactt bringen 
taffen. (Snbüd) mu§ er bat, tvaS er von Justierungen sufe^et, auS fxd) felbft, 
unb nid)t, nrie bie Reiften, als ein ^apage^, burd) baß ©ef>ör von anbern ju 
SU erlernen fuc^en. ©n Sopranift unb Senorift fönnen fxd) tveittäuftiger in bie 
SluSsierungen eintaffen, als ein <2lltift unb 93afjtft ©ie be^ben le§tem fteibet 
eine Me Einfalt, baß fragen ber Stimme, unb ber ©ebraud) ber ^ruftftimme 
viel beffer, als bie äufj erfte &%, unb ber überflüfftge 3ufat» von 9ftanieren. 
<£d)tt Sänger fjaben btefeS ja allen 3eiten als eine 9?egel angefe^en, unb 
auSgeübet. 

12, §. KJinben ft$ alle biefe <£tgenf$aften an einem Sänger, tt>a$ freiließ feiten 
ift, fo verbient er ben Sftatnen eines Sttrtuofen mit Qtegt] [284] 

13. §, ilm einen 3ttftrumertftften beurteilen su tonnen, tvirb erfobert, 
baf* man, vor allen ©tngen, bie (£igenf<tyaften, unb bie bamit verknüpften 
Sd)tvierigfeiten ber 3nftrumente verfiele: bamit man nid)t baS Schere für 
leicht, unb baß geilte für fdjtver £alte. 93iele ©inge, fo auf einigen Snftru- 
menten fd^tver, unb oftmals unmbgtic^ finb, ge^en hingegen auf anbern ganj 
teid)t an. <2S fann beStvegen nid^t ein jeber 3nftrumentift von eines anbem 
feinen ^erbienften ein ilrt^eit fällen, tvofern er nid)t eben baffetbe 3nftrument 
ftrielet. (fr tvirb fonft me^rent^eitS nur baS, tvaS i^m auf feinem 3nftrumente 
fd^tt)er vortbmmt, an btm anbern betvunbem, unb hingegen baS, tt>aS i^m felbft 
lei^t fällt, be$ btxn anbern für nid^tS Ratten. %Ran betraute aber nur einmal 
ben ilnterfd^ieb, ber ftd) gtvifc^en gett>ijfen 3nftrumenten, tvet^e boety in einigen 



cffiie ein «DtafWuS unb eine «KujW ju beurteilen fep. 221 

etücfen einanber abnlict, ftab, befinbet. <3Kcm erwäge j J ben a»terfcbieb 
^ifcben einet Coline «nb Ofote b'amonr, 8 tt>ifc^en ta -Bratfcbe bem 93tolo«cell 
ber iiola ba ©amba, «nb bem Gontr«t»oton, 8 n»fcben bem fioboe «nb bem 
qßaffon, jwifcfeen ber £aute, ber Sbeorbe, «nb bem ^nboltn 8 wtf<$en ber 
SJerftSe «nb ber &Me a bec, 5 mi^en ber Srom£ete «nb bem SBalb- 
bome, 8 »ifcU bem €l«»icborb, bem ©atncmnbat, bem ^«noforte «nb ber 
S. 51 mirb fmben, bafc «ngeacbtet ber Qletmlicbtett bie ftcb b« 8 mtfcben 
Set hoch ein jebeS, auf eine befonbere «nb H)m eigene <M, tracttret «erben 

3nftr«menten femt, bie gar leine Slebnlicbreit mit einanber fcaben. 

14 § [um ba« nacfcuweifen, erörtert Qu. ä iemßc& utnffänbti<b belannte funb* 
mentale Slnterfcbiebe ber flöten- unb. «Wintern«. 285] 

f2861 15 § 2ßa$ atfo allen benen, bie eine Sinftcbt in bte SKuftf hoben, 
«n einem 3nftrume«tiften pfammen 8 u beurtbeilen übrig bleibt, um nur «, 
folgen altgemeinen ©ingen, bie bie meiften 3nftr«menttften mtt etnanber ^gerc t n 
haben, ©ie «Beuttbeiler tonnen Sprung geben: ob ber 3nftr«menttft fem 
3nftr«ment rein ftiete, «nb einen guten Son bercmö 8 u bringen wtffe, ob er baS 
Snftrument mit gehöriger ©elaffenbeit «nb Slmmttb ftiele, ober °* er eS auf 
eine ra«fcbenbe 3lrt im Sone übertreibe, ob er einen guten «Bogenftttcb ober 
3«ngenftU, a«cb tfertigfeit in ben Ringern, «nb egale g«te Sntlerjabe^ ob er 
fm Saafe ?cber f£ ober ob er bie <?>aff«gien »eiche ihm Jtoer faUen, 
SÄ«» Ä leiten gefcbtoinber friele, folglich ba* 6t«cr nie* fo enbtge 
3 er eS angefangen i>at, «nb ipm bie Slccomhagni^en belegen nachgeben 
muffen, ob er ein jebe* etücr in feinem gehörigen 3ettmaajje 8 « ^fttelen ttnffe, 
Tber ob er alle* tt>«S QU*» hei^t in einerlei ©efcbminbtglett fmele ob fem 
6 P klen nur a«S eiterigsten, ober a«dj 8 ugleicb «* ^f^ÄÜ 
er nur *ern>unberung 8 u ernten, ober auch 8 u gefallen unb 8 u rubren fucb*, 
ob er auSbrücfcnb ober raltftnnig feiele, ob fein Vortrag heutig fe», ob er 
baburcb einer fchlechten Gom^ofttion aushelfen, «nb jte 8 « »erbeffern mtffe, 
oJerob er bur* «a «oiele* Fünfteln «nb Rieben ber *oten etne g«te 6£e 
»erbunfele, «nb ben ©efang unbegreiflicb mache: »eiche« lerere man ambef n 
bemerken an«, toen« man baffelbe 6tü<* oon mehr <M emer ^>erfon abfuhren 
höret. =0ian beobachte femer: ob ein 3nftr«mentift M Qlllegro nttt £eb^ g- 
feit «nb Srertigleit, nett, reinlich, «nb bie «^affagien bannne runb «# *** 
fmele ober ob er bie ^oten n«r überrufchele, unb »o$l gar emtge a««laff^ ob 
2 *a* ^Ibagio «nte^ott» «* 9 e 8 ogen, ober ob er * f»A» «nb m >&** 
ob er ein iebe* ^Ibagio mit folcben Sanieren a«« 8 « 8 teren »tffe, bte bem Effecte, 
«nb bem Se gemaf ftnb, ob er t>aU^ £icbt «nb Sctarten beoba^te ober, 
ob er am ohne unterzieh mit Sanieren überba«fe, «nb tn etnerie^ Sarbe 
fpiele ob er bte Äarmonie »erftehe, »m bie Sanieren barnacb etn 8 wnchten, ober 






222 XVIII. iöauptftütf. 

ob er nur au* bem ©e^re nad> ©utbünlen faiele, ob tym alles tt>a$ er unter* 
nimmt gerade, unb fowo^l mit ber äarmonie aU mit bem 3eitmaa§e autreff e, 
ober ob er nur auf ein ©eratfcewofct fpiele, unb eine Lanier gut anfange, aber 
[287] fd>ted>t enbige. ©a$ Spielen großer Schwierigkeiten trifft man häufig, 
aud) fo gar be$ gana jungen ßeuten an: ba§ meifter^affe Spielen beS 21bagio 
aber, tt>eld>e^ eine grünbti^e einfielt in bie Aarmonie, unb tuete Beurteilung 
erfobert, fmbet man nur be$ geübten unb erfahrnen SonKinfttero. VRan unter- 
fuc^e femer an einem 3nftrumentiften: ob er in einem »ermifefcten, ober nur in 
einem 9Zationalgefd?ma<Se ftriele, ob er au$ bem Stegreife, ober nur ba$ tt>a$ 
er ftubiret £at, §u fielen wiffe, ob er bk Se$funft t>erfte&e, ober ob er ftd? 
nur mit fremben Stütfen bereife, ob er alte Wirten &on Stütfen gut ftriele, 
ober nur btejenigen bie er felbft gefegt $at, ober bie für tytt gefegt worben 
fmb, enbltcf) ob er bet> bm 3uf;örero eine befteinbige Slufmetffamfeit ju unter- 
halten, unb ein Verlangen tyn öfter au £ören au erweefen wiffe. Sitte biefe 
fcort^ettyaften ^ennjeic^en, wenn fte ftd) be^fammen ftnben, aerbienen £ob, bie 
entgegen gefegten aber, bleiben. <2Bill man wiffen Welches 3nftrument *>or 
anbern letzter au erlernen fei), fo ne^me man gu einem ni^t gana unftc&ern 
^ennaei^en, bafj baSjemge, auf welchem man tnete berühmte 2mtt achten 
fann, feister au erlernen fe^, als bat, worauf §toar au<$ t>iete ftrielen, wenige 
aber gtfitfli<$ fortfommen. 

16. §. ©ie (£ompoftttOtt, unb bie 2iuSfi$nmg einer SÖSuftt im 
©anjen richtig au beurteilen, ift nod> weit f^werer als bat vorige. Äierau 
wirb ni<$t nur erfobert, ba$ man einen oottfommen guten ©efdjmatf beft^e, 
unb bie Regeln ber Se$funft t>erfte^e: fonbern man mu£ and) »on ber 2lrt 
unb ©genfcl)aft eine* jeben StütfeS, e$ fe$ im ©efc^made biefer ober jener 
Nation, ju biefer ober jener <2lbft<$t verfertiget, eine hinlängliche <£infxd)t $aUn, 
bamit man nid)t eine Sad>e mit ber anbern »erwirre, ©ie Slbft^ten, worinne 
jebeS Stütf gefegt worben, tonnen fe£r oerf^ieben fe^n: Weswegen ein Stüd 
au einer 2Ibft^)t gut, au einer anbern aber f<$te<$t fe^n tann. 

17. §. (Ein jebeS Stütf, naty allen feinen ©genf^aften, mSbefonbere au 
unterfu<$en, würbe f>ier viel au weittäuftig fepn. 3$ mufc tm<$ atfo bemühen, 
fner nur bie t>orne£mften bat>on in ber J?ürae au berühren. 

18. §. ©ie g^uftf ift mttt>ab^ <23ocat» ober SnftrumentatmufW. 9lur 
wenige Stüde aber ftnb ben Singftimmen allein gewibmet, vielmehr §at bie 
3nftrumentatmuftt an ben meiften eingftimmen au»[288]glei$ anä) i^ren S£eit, 
unb ift bamit aerbunben. «Be^be Wirten aber ftnb ni$t nur überhaupt, in i^ren 
2lbft<$ten, unb folgli^ au^ in i^rer Einrichtung, gar fef>r von einanber unter- 
Rieben: fonbern an$ jebe &ttteremt£eilung berfetben, iat wieber il^re befonbern 
®efe$e, unb erfobert i^re befonbere Schreibart, ©ie 93ocatmuftf ift mtto^v 



<2Bie ein ^KuftfuS unb eine «aKuftt su beurteilen fe$. 223 

ber ^ircfye, ober bem Sweater, ober ber Kammer gettribmet ®ie Snftrumentat-- 
muftf finbet an alten biefen bret) Orten aufy tyren f&%* 

19. ■§. ©ie ^it^enmufif mu$ man auf svoe^erte^ Qlrt befragten, 
nämlid): att bie römif(^fat^o(ifc^e, unb aU bie proteftantif^e. 3n ber 
römifdjen $ir<$e fommen t>or: bie SOieffe, bie Stetyerpf atmen, bag 
§e ®eum taubamuS, bie ^ufjpfatmen, bie Requiem ober Seeten-- 
meffen, einige Sypmrxi, bie loteten (*), bie Öraforia, Soncerfe, 
©infomen, ^aftoraten, u- b. m. [*)] 3ebe$ t>on biefen etütfen %at 
toieber feine befonbem ^eite in ft$, unb mu£ na^ feinem (£ntstt>e<fe, unb 
nac^ feinen Porten, eingerüstet fe^n: bamit nicfyt ein 9?equtem ober ^Jiiferere 
einem ^1 ©eum, ober einer ^uferfte|>ung$muftt, ober in ber SSJleffe ba3 Rtym 
betn ©toria, ober ein SOtotet einer luftigen Opernarie, ä^ttli^) fep. <£m 
Oratorium, ober eine bramatifd) abge^anbelte getftttcfye ©efd)id)te, unter- 
Reibet ftcfy nur me|>rent£ett$ bur<$ ben 3n|>alt, unb einigermaßen burd) ba$ 
9*ecitatfo, oon einer t£eatratifd)en STOufB. llebetfjaupt aber toirb in ber Äir^cn- 
rouftl ber ^at^otif^en me^r fieb^aftigteit anzubringen ertaubet, ili in ber 
^roteftanten i^rer. ®o<$ ftab bie 2lu3fc*)toeifungen, bie aufteilen |nerbe9 be- 
gangen toerben, tfettetc^t niemanbem atö bm domponiften be^umeffen. 
(*) ©ie loteten oon ber atten 3lrt, melße au$ aielfttmmig, unb o&ne Snftrumente, im 
(Eapellftyl, gefegten biblifßen Gprüßen, be$ benen autoeilen ber SantuS ftanu* etneS 
G^oratgefangeS mit eingeflößten ift, befte^en, ftab in ber römifßfat^olifßen $irße 
toenig, ober gar ntßt me$r gebräußttß- ©ie ^ranaofen nennen aUe tyre ^irßenftücfe, 
o$ne Slnterfßteb: des Motets. 93on bfybtn Slrten ift $ier bie 9*ebe nißt. 3« Statten 
benennet man, heutiges SageS, eine lateinifße geiftttße 6olocantate, toelße au3 
jtDoen Strien unb jtoe^en 9tecitattoen befielt, unb ftß mit einem &alletuja fßtteftt, 
unb weiße unter ber SXeffe, naß t>em Grebo, gemeinigliß oon einem ber beften Sänger 
gefungen toirb, mit biefem tarnen, ©iefe oerfte^e iß $ier. 

[289] 20. §. 93e^ ber ^ircfyettmuftf ber ^rotefianf et! fommen t>on oben 
eilten etücfen tto$ *or: @in ^eit »Ott ber SSReffe 1 , ttättt(i<$ t*a$ 
S^rte uttb baö ©toria, t>a& ^agttificaf, t*a$ m ©euttt, einige 
^f atmen, unb bie Öratoria, mit toetc^en bie, au$ 1>tm ^rofaifc^en bib- 
uferen Se^e, mit Untermieten ^rien unb einigen poetifc^en 9?ecitati»en, be- 
Menben ^paffiongmufilen einige «ematiWftytft ^aben. ©a^ übrige befte^t 
auö 9D^uftlen über toiUfü^rß^e $e£te, bie meiften« im Sanfatenftpte, mit 
Untermieten biblif^en Qpvüfytn toel^e nad) 2lrt ber ^fatmen aufgearbeitet 
toerben, gefe^et finb. ©er Sejt f>iert>on ift enttoeber auf bie Sonn» unb <5eft» 
tag^eöangeßen, ober auf gettriffe befonbere ilmftänbe, aU Srauer« unb Srauung^- 

[*) Sn Statten pflegte bie 9tteffe mit einer Snftrumentalfmfonie eingeleitet su werben 
(f. meine ©efß. be« 3nftrumental!on8ertg 6. 28.). ^ongerte mürben teiU pm Äoßamt 
(bei ber Hebung ber iboftie), teiB gtoifßen ben beiben teilen »on Oratorien vorgetragen, 
^aftoralfmfomen fommen in ber ^ßßei^naßt^aeit oor.] 



'i 



224 XVIII. Äauptftücf. 

muftlen, gerietet, ©ie ^nt^emS ber Sngtänber werben gemeiniglich na<$ «2lrt 
m ^fatmen aufgearbeitet, toetl fte gri^tentljeit« au« bibtifdpen <2Borten befte^en. 

21. §. £ieber£aupt n>irb jur 5?ir$enmuftf, fte möge befte|>en tporinn fte 
tootle, eine entsafte unb anbäd>ttge 2h* ber (Eompojttion, unb ber Sluöfü^rung, 
erfobert. 6ie muf? *>om Operoftyle fe^r unterfdjieben fepn. <£« wäre 5« wünfd)en, 
ba£ fotefce«, um ben babe$ gefugten <£ntswe<f §u erretten, allemal, befonber« 
*>on Un (Sompontften geprig beobachtet würbe. Bep Beurteilung einer £te<$e* 
muftf, welche entweber sunt ßobe be« 5lHe#5<$ftett aufmuntern, ober §ur Slnba^t 
ertoeden, ober §ur Sraurigfett bewegen folt, mufi man 5lc^t |>aben, ob bie 
Slbjk&t, fcom anfange bi« gum <£nbe beobachtet, ber d^aralter einer jeben 2lrt 
unterhalten, unb nichts, wa« bemfetben suwtber ift, mit eingemietet toorben fe$. 
&ier §at ein Gompomft ©etegen|>ett, feine Starte fowofjl in ber fogenannten 
arbeitfamen, at« in ber rü^renben unb einne^menben Sdjretbart, (biefe ift aber 
ber Wfte ©rab ber muftfattfdjen ^tffenf^aft,) *u geigen. 

22. §. 9Kan wolle ni($t glauben, ba§ bfy ber ^ir^enmuftl lauter foge* 
nannte ^ebantere^ sorlommen muffe, ©ie £eibenf^aften, ob gleich i£re ©egen* 
ftänbe untergeben ftnb, muffen £ier fotoo^l, ja no<$ forgfättiger al« auf bem 
S^eat^er, erreget werben. ©ie ^Inba^t fe^et tynen nur f>ier bie ©rängen. Sin 
Somponift, ber in ber ^ird?e nid)t rühren fann, wo er eingef<$räntter ift, wirb 
baffelbe auf Um Sweater, wo er [290] mehrere ^re^^eit $at, gen>i§ nod> weniger 
SU t£un sermögenb fe$n. <2ßer aber ungeachtet einige« 3wange« f<^on ju rühren 
peil, son bem fann man ftd), wenn er völlige <5re^eit §at, nod) iriet ein 
garere« t>erfpre<$en. 3öürbe alfo too^t bie f^le^te <2lu«füf>rung ber ^ir^en- 
muftfen, an öieten Orten, ein ^tnreic^enber <23ewegung«grunb fe$n lönnen, fo 
gleich alle ^irc^enmuftfen at« etwa« ungefällige« s« verwerfen? 

23. §. ©ie t^eatratifc^e 9Rufif befte^t entweber au« Öpem, ober 
^Ctftoraten, (Scpferftnelen,) ober Sttiföeitfptefen, (3ntermessen.) ©ie 
Opern ftnb entWeber wirßidje Srauerfpiele, ober Srauerfpiete mit einem fri$|>= 
tic^en (Enbe, welche ben §ragi!omöbten ä|>ntic^ ftnb. Ob wo£t eine jebe ©attung 
ber t^eatratif^en StMe tyre eigene unb befonbere Schreibart erfobert: fo be« 
bienen ft<$ bocl> bie Somponiften me^rent^etl«, um tyren einfallen trältig ben 
Sügel gu laffen, gerinn vieler <5re^eit, wel^e fte aber beffen ungeachtet nic^t 
*>on ben <Pfli<$ten, ft(^ fowo|)t an bie Sporte, al« an bie Sigenf^aften unb ben 
3ufammen^ang ber Sad^e p binben, frep fprec^en tann. 

24. §. <2Ber bie SDZuftf einer Oper grünbti^ beurteilen Will, mufc unter» 
fu^en: ob bie Sinfonie mtxo^ mit bem 3n$atte be« ganjen Stücke«, ober 
mit bem erften 2lcte, ober %\xm toenigften mit ber erften Scene einen 93er|>alt 
|>abe, unb bie 3ul#rer in ben Effect, wetzen bie erfte Äanbtung in ftc^ §at, 
er fe^ äörtli^, ober traurig, ober luftig, ober £eroif<$, ober ttmtenb, u. b. m. 
ju t)erfe$en t>ermögenb fe? (*). ®l ift 5« beoba^ten: ob m 9?ecitatiio 



M r. 



<2Bie ein 9!ÄufW»$ « nb eine 5KM f w * u t ) « urt ^ eiten f e 9- 225 

natürlich, fprecbenb, auSbrüdenb, unb für bie Sänger Weber ju tief, nod> 8" M& 
gefefcet fett, ob bie Vitien mit folgen 9*itornetten »erfeben fe^n, bie ftngenb unb 
auöbrücfenb ftnb, um »on bei ^olge,' in ber ^ürje, einen <23orfd>mact ju geben, 
nicht aber nad> bem attgemeinen Sd)lentrian ber wetzen SllltagScomüoroften, 
wo ba« gtttornett »<>« ««««> unb ba« übrige »on einem anbern gemacht ju 
fe»n fcbeint =Wan gebe bett S3eurtbeilung einer Oper ferner Siebt: ob bie 
Wien fingbar fettn, unb babett ben Sängern ©elegenbeit geben, tbre $äbtgtett 
*u zeigen, ob ber Gomttonift bie ßeibenfdjaften, fo wie e« bie Materie erfobert, 
auSgebrüctet, eine jebe »on ber anbern wobt untergeben, unb an ibren ge- 
börigen Ort gebracht ^aU r ob er einen jeben Sänger, »om erften bis sunt testen, 
obne <I>artbe»ttcbfctt, nad) feiner 9>*olte, Stimme, unb tfäbigteit eingeHetbet habt, 
ob er bat Sttlben-[291]maafr fo wie e« bie <£oefte unb bie Sluef»rad)e erfobert, 
gcbörig beobacbtet baU, ober ob er nur, wie e« »tele macben, obne 9lotb, Wttt- 
tübrlicb bamit »erfahren fe», unb juweiten lange Gliben in rurje, unb (urje tn 
lange »erwanbett habt: wobureb bie -Borte nicht nur »erftümmett werben, 
fonbern aueb Wobt gar eine anbere 93ebeutung betommen. ©iefen fehler ftnbct 
man öfter« bett fotd)en, »on wetzen man eS am wenigften »ermutben fottte. 
€r entftebt entweber au« 9iad)täfcigfeit, ober weil bem Gomöoniften nid)t gleich, 
in ber Sit, eine bequemere unb ben «Borten gemäßere <3Ketobie bat einfallen 
motten, ober weil berfetbe bie Sprache ntd)t »erftanben bat (**). S3ett S3e* 
urtbeitung einer Otter bat man weiter ju beobachten: ob ber (Somttontft bte 
©nfebnitte ber 9Rebe, in ben Strien, unb abfonberlicb in ben 9*ecttati»en wobt 
beobacbtet habe, ob er ftd) bett ben <23erfe$ungen gewiffer Börter wobt gehütet 
baU, ben <23erftanb berfetben ju »erbuntetn, ober gar bai ©egentbeit baoon ju 
fagen, ob bie Strien, beren Sejt gewiffe Slcttonen erfobert, auSbrüctenb, unb fo 
gefetjet fettn, ba$ bie Sänger 3eit unb ©etegenbeit haben, ibre Slcttonen mtt 
©emäcbticbfeit anjubringen, ob bie Sanger aber auch ntcbf in maneber Sine, bte 
einen heftigen Slffect in ftcb &ätt, entweber burd) a%tgefd)WinbeS SluSfttrecben 
ber «Borte, wie ebebem bett ben ©eutfd)en üblich war, jum Scbnattern »erlettet, 
ober burd) attjulange, über jebe Stttbe gefegte, Sioten, am lebhaften Vortrage 
ber Borte, unb an ber Slction gebinbert werben, ob in bergteid)en f»red)enben 
Strien, bie «^affagien ber Singftimme, wetebe gar nicht babin gehören, unb bat 
geuer ber Station hemmen, »ermieben worben. 9Äan fuebe enbticb ju erforfeben: 
ob ber Gomttonift, in Slnfebung be$ 3ufammenbange« ber ganjen Sad>e über- 
bauöt, eine jebe Slrie an ibren reebten Ort gefegt, unb, bamit nid)t etttebe 
Strien in einertett Sone ober Sactart gteieb auf einanber folgen möcbten, bte 
»erfebiebenen Son= unb Sactarten, ben Borten gem% m »ermifeben gefuebet 
babe, ob er ben &au»td)arafter be# Stücfe«, »om Slnfange bi« zum (£nbe 
unterbatten, aud) eine broöortionirlicbe ßänge babe» beobacbtet babe, ob sute$t 
bie meiften 3u£örer bureb bie =öluftr gerübref, unb in bie im Scbaufaiete »or- 



'■'? 



226 XVIIL Joauptftttcf. 

geftelteten ßeibenföaften verfemet werben, fo ba% ftc enbttd), mit einer <33egierbe 
bie Oper öfter* ju £ören, ben Sd?aupta§ vertaffen. ^inben ffc$ alle bi^er er* 
a^tten guten Sigenfd>aften in einer Oper betyfammen: fo fann eine fotcfye Oper 
für ein Sfteifterftüd gehalten derben. 
(*) f. ^iewon mit Sfte^rerm ten 43. §. biefe* äauptftütf*. 

[292] (**) Hnter atüttn finbet man in einer genriffen eerenafe: La Vittoria d'Imeneo be- 
nennet, welche 1750. in 3taUen neu ift aufgefü^ret toorben [*)], fo wie in ben übrigen Herten 
ü)re* ^erfaffer*, &enmnbern*tt)ürbige 93e^fpietc t>iefcö $e$ter*, unb tfvav von ber ffeber 
eine* <2Betfa>n, ber enttt>eber feiner eigenen 9ttutterfprac$e ni$t mächtig su fe^n, ober 
&um tt>enigften auf ben (Sinn ber QBörter, unb auf feeffen SluSfcrutf, gar feiten 2l($t au 
fyabtn fä)eint 

25. §. ^Se^ Beurteilung ber Strien in* befonbere aber, ttrirb f\<fy beffen 
ungeachtet bod) noefy SOfancfyer betrügen fönnen: tveit bie Reiften immer nur 
naefy i^rer eigenen (Smpfmbung urteilen, unb aHein biejenigen Strien für bie 
beften Ratten, tvelcfye iljnen vor&ügli<$ gefallen, ©ie Einrichtung einer Oper 
erfobert aber, baj* um be* Sufammenfxmge* be* ©anjen mitten, nicfyt alle 
Slrien t>on gleicher Befc^affen^eit ober Stärfe, fonbern von verriebener Slrt 
unb 9Zatur fe$n muffen. Sie erften von ben recitirenben ^erfonen muffen, 
ni<$t nur in Slnfe^ung ber <poefte, fonbern autf) ber SRujtf , vor ben te^tem 
einigen QJorjug behalten, ©enn gteicfy tvie ein ©emälbe, tvet<fye* au* lauter 
gleichförmigen frönen Figuren befte^t, ba* Sluge ntcfyt fo einnimmt unb reiset, 
at* tvenn etliche 'Jiguren von geringerer S<fyönf>eit mit barunter vorfommen: 
fo befömmt au<$ oftmal* eine fiauptarie nur at*benn erft tyren rechten @tan&, 
tvenn fte jttrifcfyen ju>o geringere eingeholten ttrirb. 9tad)bem bie @emüt£*be» 
f Hafenzeiten ber Su^örer unterf Rieben pub, nacfybem ttrirb and) i£r ©efcfymatf 
an ben Slrien untergeben fetyn. (Einem ttrirb biefe, einem anbern jene Slrie 
am beften gefallen. Sftan barf flefy alfo gar nid)t ttmnbern, tvenn bem einem 
ba*jenige gefällt, tvoran ber anbere gar nid)t* angenehme* finbet, unb tvenn 
folglich bie SSeurtfjeilung eine* ©tücfe*, unb befonber* einer Oper, fo verhieben 
unb ungetvif* au*fd)lägt 

26. §. SBenn man eine ©ingmuftf, tvetc&e p gettriffen Slbfic^ten, ent* 
tveber für bie 5?ir<$e, ober für ba* Sweater verfertiget tvorben ift, unb nun 
in ber Kammer aufgefü^ret ttrirb, beurteilen tvilt, f>at man großer 93e$utfamfett 
von nötigen. ®k ilmftänbe, tvelcbe bamit an bem Orte i^rer 95eftimmung ver» 
fnüpfet getvefen fmb, bie verriebene Slrt be* Vortrage* unb ber Slugfü^rung, 
fotvo^t in Slnfe^ung ber Sänger, at* ber Snftrumentiften, ingleic^en, ob man 
ba^ ganje <2öerf in feinem volllommenen Sufammen^ange, ober nur ftüdtoeife 
etxotö bavon ftöret, tragen fotoo|)l ju einem guten, al* ya einem f^te^ten Er- 
folge, fe^r viel hfy. ©ne [293J Slrie mit Slction, tvelc^e auf bm Qfoattv 

[*) 91aä) bemann, Opern^anbbu^, n>urbe dm Oper biefe* Flamen* von ^3atbaffare 
©aluppi 1750 in ^urin aufgeführt.] 



i 



Söte ein ^ujtfuö vmb eine 9ttuftf au fceurt&eiten fcp. 227 

einen befonbero Smbrutf gemacht £at, wirb in ber Kammer be$ Weitem nityt 
fo gefallen, at$ auf bem Sweater; bmn §kv mangelt eines ber wef entließen 
Stüde berfetben, nämtid) bie Action, unb bie bamit verbunbenen £lrfad)en ber» 
felben: eS wäre benn, ba% man buvd) Erinnerung biefer ©inge, fxtf) no<$ eine 
lebhafte 93orftettung bavon ju machen xt>ixfU. Eine anbere Arie hingegen, 
beren ^orte eben nichts befonbero aüSbrücEen, bie aber boefy einen gefälligen, 
unb für ben Sänger vorteilhaften ©efang in fvfy $at, auefy von bemfetben auf 
eine gute Art vorgetragen wirb, ift vermögenb, bie vorerwähnte Arie, in ber 
Kammer, ju unterbrütfen, unb bep bm Su^rern einen 93orgug ju ermatten, 
fiierbe^ lann man nun wo$t fagen, bafj bie teuere me^r als bie erftere gefalle, 
ni^t aber ba£ fte beSwegen beffer fe$. ©enn be^ bm Arien mu§ man ni<$t 
fowo^t auf ben ©efang allein, als vielmehr aud) auf bie «SJorte, unb berfelben 
AuSbrud fe£en. (£me Arie mit ftarfer Action mu# über biefeS me^r fprec^enb 
als ftngenb fetyn, unb erfobert folglich einen guten Sänger ber sugteid) ein guter 
Acteur ift, wie nifyt weniger and) einen erfahrenen Componiften. 

27. §. <2öirb aber eine Serettate ober SatttCtfe auSbrücötd) für bie 
Kammer gefe^et: fo pfleget biefer ^ammerftyl fo wo£t vom i?ircl>en» at$ vom 
^eatratft^le untergeben ju werben, ©er ünterfcfyieb befte^t barinne, baf ber 
Äammerftyt me^r ßeb^aftigfeit unb ^re^^eit ber ©ebanfen erfobert, at$ ber 
i?tr#enft$l, unb weit feine Action baUq \tatt finbet, me^r Aufarbeitung unb 
^unft ertaubet, at$ ber S^eatratftyt. ©ie Sföabrigafe, welche, naä) Art ber 
°3>fatmen, mit vielen Singftimmen, mef>rentf>eil$ ofme 3nffrumente, arbeitfam 
aufgeführte Smgftüde fmb, £aben and) in ber Kammer tyren ^tat*. Sticht- 
weniger getreu £ier£er bie ©uetten unb ^ergeften o^tte S^ftrumente, 
unb bie Sotoccmtafett 

28. §. <2Benn man eine Snftwmenfalmufif rec^t beurteilen will, muf 
man ni$t nur von ben ©genfc&aften etneS jeben Stücfä, welches babe^ vor» 
fömmt, fonbem auefy von btn 3nftrumenten fetbft, wie fc^on oben gefaget worben, 
eine genaue 5?enntni§ £aben. ES fann ein Stütf, an unb für fi<$, fowo&t bem 
guten ©efd)ma<fe, aU ben 9?egetn ber dompofttion gemä#, unb atfo gut gefe^et 
fetyn, bem 3nftrumente aber ^uwiber taufen. 3m ©egentf>eite fann ein Stü<l 
bem 3nftrumente swar ge-[294]mäfj, an fxtf) fetbft aber nichts nü§e fetyn. ©ie 
Singmuftf §at gewiffe ^ort^eite, beren bie 3nftrumentatmuftf entbehren muf . 
^Se^ jener gereichen bie ^orte, unb bie 9DZenfdE)enftimme, ben Eom^oniften, 
fowo|)t in Anfefmng ber ©rfinbung, aK ber Ausnahme, #\m größten 93ort^eite. 
©ie (Erfahrung giebt biefe^ |)anbgreifli^, wenn man Arien, in Ermangelung 
ber 9Kenf(^enftimme, auf einem Snftrumente ftrieten ^öret. ©ie Snftrumentat- 
mufil fott o^ne ^orte, unb ofynt 'SDlenfefyenfiimmen, aUn fowo^t gewiffe ßeiben- 
fcfyaften au^brüden, unb bie 3u^5rer au$ eine in bie anbere verfemen, aU bie 
QSocatmufif. Soll aber biefeä ge^rig bewerffteHiget werben, fo bürfen, um 

15* 



228 XVIII. Äauptftücfc 

ben ^Ränget ber 3öorte unb ber 9Ö£enfd)enftimme 31t erfe^en, tpcber ber (Eom* 
ponift, nod) bcr ^urfityrer ^ötgerne Seelen Reiben. 

29. §. ©ie t>oroef)mften Stütfe ber 3nftrumentalmufti, tt>obe$ bie Stng-- 
ftimmen nißtr §u t£un £aben, fmb: bar Sottcert, bie Ouöertüre, bie 6in* 
fottie, ba# Quatuor, bar 5rio, unb bar (Soto* unter biefen gtebt er immer 
Stoeperte^ Wirten, be^ (Eoncertr, be^ $rio, unb be^ Solo. SDtan £at Concerti 
groffi, unb Concerti da camera. ©ie §*io ftnb enttoeber, tt>ie man fagt, ge- 
arbeitet, ober galant. <£bm fo t>er|)ätf er jtß mit t>m Solo. 

30. §. Sie doncerten £aben i^ren Sirfprung t>on ben 3taticinero. 
^OretK foll bie erften gemalt £aben. [*)] ©in SottCerfO groffb befte^t aur 
einer 93ermifd)ung t>erfd)iebener eoncerttrenber 3nftrumente, alttoo immer %tt>fy 
ober mehrere 3nftrumente, beren 2ln§a^)I fvfy aufteilen tt>o£l auf aßt unb noß 
brüber erftredet, mit einanber concertiren. ^Sety einem SlattttnetCOttcetf tyin* 
gegen bepnbet fiß nur ein einziger eoncertirenber Snftrument. 

3L §. ©ie gigenfßaften einer SoncetfO Qtoffo [**)] erfobem, in einem 
jeben Sa$e beffelben: 1) ein prächtiger 9?itornelt §um anfange, toelßer me^r 
{jarmonifß aU metobifß, me^r ernfßaft aU fßer^aft, unb mit ilntfon t>er= 
mifßet fe^, 2) eine gefeilte 93ermifßung ber 9Zac^a^mungen in t>m concer- 
tirenben Stimmen, fo ba% bar Ö^r batb burß biefe, balb burß jene 3n= 
ftrumente, un^ermut^et überraget n?erbe. 3) ©iefe 9iaßa|>mungen muffen aur 
turnen unb gefälligen ©ebanfen befielen. 4) ©a^ brillante muf$ mit bem 
Sßmeißelnben immer abtoeßfeln. 5) ©ie mit» [295] telften Suttifa^e muffen 
lurs gefaffet fepn. 6) ©ie ^Ibtoeßfelungen ber concertirenben 3nftrumente 
muffen bergeftalt eingeleitet fe^n, baf* nißt einer gu triet, unb bar anbere ju 
tpenig gehöret toerbe. 7) ©ann unb tpann mu£ naß einem Srio, ein lurjer 
Solo, üon einem unb bem anbern 3nftrumente, mit eingeflößten werben. 8) 93or 
bem Sßluffe muffen bie Snftrumente eine furge SBieber^olung beffen, fo ftc - 
Einfangs gehabt $aben, maßen, unb t>a§ le^te £uttt mu£ 9) mit ben er« 
|>abenften unb präßtigften ©ebanfen aur bem erften Qfttoroelt, ftß enbigen. 
<£in fotßer Goncert erfobert ein sa^treißer ^ccompagnement, einen großen Ort, 
eine ernfßafte $iurfü|)rung, unb eine mäßige ©efßnrinbigleit. 

32. §. ©er Soncerfe mit einem concertirenben 3nftrumente, ober ber 
fogenannten ^ammercottcerfe, giebt er gteißfatlr ffvo ©attungen. ginige 
verlangen, fo nrie bar Goncerto groffo, ein ffarfer, bie anbern aber ein fßtoaßer 
'Slccompagnement <2Birb folßer nißt beobachtet, fo ttyxt tt>eber einr noß bar 
anbere feine ge^5rige ^öirftmg. Qlur bem erften 9?itomett fann man abnehmen, 

[*) Äiergu unb pm ^otgenben f. meine ©ef$i$te ber SnftrutnentaKonjcrt^ (1905), 
6. 29 ff.] 

[**) 93gl. |)iet5u bie in ben ©enfmätem beutf^er §onfunft bemnä^ft (1907) jur 03er- 
öffentüc^ung tommenben 3nftrutnentaWonäerte.] 

1 
I 



qßie ein SKufHua unb eine SKufW 8" beurteilen fet?. 

t>on *>a$ für einer ©attung ba« Soncert fty. SUIe* tva^ emft^aft, prächtig, 
unb me^r f>armonif<$ at« melobifct) gefegt, auct> mit meiern ümfon untermtfe^et 
iff , wobe^ bie Äarmonie fi$ nfc&t su Sichtweiten ober <23iert|>eiten, fonbern §u 
falben ober ganzen Sacten twänbert, beffen <2lccompagnement muf ftarl befe^et 
werben. 3Ba« aber au« einer flüchtigen, ftyerjfcaften, luftigen ober ftngenben 
gjeetobie befielt, unb gef<$wmbe 93eränberungen ber Harmonie machet, fyut mit 
einem f$wa<$ befe^eten ^ccompagnement beffere 2Bttfung, at« mit einem ftarfen. 
33. §. ein ernjtyafte«, ober für baS ®rof?e gefe^efeS emfaefyeS 

Soncerf »erlanget im erftett Sc$e: 1) ein prächtige« unb mit allen Stimmen 

m$l abgearbeitete« 9tttornetI, 2) einen gefälligen unb begreifen ©efang, 

3) richtige 3mttationen. 4) ®ie beften ©ebanfen be« 9?itornelt« lönnen jet- 

gtiebert, unb unter ober awifd)en bie Solo oermif^et werben. 5) ®ie ©runb- 

ftimme mu£ wo|>ttttngenb, unb ba^mäfcig fe^n. 6) SKan ma^e ttt$t me^r 

<30tittetftimmen, at« e« bie ioauptftimme ertaubet: benn e« t^ut oftmat« beffere 

qßitfung, wenn man bi* Joauptftimmen fcerboppett, at« wenn man bie 3ftittel= 

ftimmen hinein jttwigt 7) ®ie Bewegungen ber ©runbftimme unb ber 9Düttet= 

ftimmen bürfen bie joauptftimme, weber an ibrer £eb£aftigfeit öer^inbern, [296] 

no<$ fte übertäuben ober unterbrü<fen. 8) 3m 9«tornett mu§ man eine pwpm* 

tionirli^e £änge beobad)ten. (£« mufj baffelbe wenigften« au« jweenen $>aupt= 

feilen befreien. 3er gwe^te Sljeit ba&on, mu£, weit man iljn am Snbe be« 

Sa$e« wieber|>otet, unb bamit ftyltefjet, mit ben fünften unb prä^tigften 

©ebanlen au«gefleibet werben. 9) Sofern ber StefangSgebanfe t>om 9litornelI 

nid)t ftngenb, no<$ §um Solo bequem genug ift: fo mu£ man einen neuen 

©ebanfen, welker jenem gan§ entgegen ift, einführen, unb mit ben 'älnfang«-- 

gebanfeti bergeftalt serbinben, baf man nicfyt bemerken lönne, ob fotefye« au« 

9Jot£, ober mit gutem Bebaute gefd>e£en fep. 10) ©ie Sotofä^e muffen tf>eit« 

ftngenb fe^n, tfyM mu£ ba« S^mei^etnbe mit brillanten, metobifd)en, unb 

^armonif^en, bem 3nftrumente aber gemäßen ^affagien, untermifd)et, mSfa m 

ba« geuer bi« an« Snbe ju unterhatten, mit furjen, lebhaften, unb prächtigen 

$uttifä§en abgewedelt werben. 11) ©ie concertirenben ober Solofä^e bürfen 

nid)t su ftirj, bie mittetften Sutti hingegen, m$t ju lang fe^n. 12) ®a« 

<accompagnement unter bem Soto mu£ nie^t fote^e Bewegungen |>aben, wet^e 

bie concertirenbe Stimme »erbunletn fönnten, e« tnu% »ietme^r immer wet^fet«- 

weife batb au« sielen, balb au« wenigen Stimmen befte^en: bamit bie Äauptftimme 

bann unb wann £uft bekomme, ft(^ mit mehrerer ^re^^eit $eri>or ju t^un. £id)t 

unb Schatten mu§ überhaupt immer unterhatten werben. <2Benn e« bie ^affa- 

gien leiben, ober man fte fot^ergeftatt su erftnben wei«,, t>a% bie begteitenben 

Stimmen barunter tttt>a€ bekannte« au« bem Qfttometl anbringen fönnen: fo 

t^ut e« eine gute Söirfung. 13) 9J?an mu§ immer eine richtige unb natürtid)e 

gjlobutation beoba^ten, unb feine attjufrembe Tonart, wet^e ba« ©e|)ör 



230 XVIII. Ämiptpüe*. 

beleibigen tonnte, berühren. 14) ©a« Metrum, auf wetdl)e« man in ber 6e|- 
ftmft überhaupt ein genaue« Qlugenmerf ju riefen |>at A muß au<$ ijter genau 
Beobachtet werben. ©ie dafür, ober bie dtnfcfynitte ber 9ttelobie, bürfen im 
gemeinen geraben Sacte ni<$t auf ba« jtoe^te ober trierte 93iert|>eil, unb im 
Srtyeltacte mcfyt auf bm britten ober fünften Sact fallen. Sftan muß ba« 
Metrum, fo wie man e« angefangen $at, e« fe$ ju ganjen ober Ratten ^acten 
ober im Srtyettacte §u jtoeen, tner, ober atyt $acten, 31t unterhalten fu$en: 
weit aufferbem bie fünfttictyfte dompofttton mangelhaft wirb. 3m ^ripettacte 
wirb, be$ einem 'Slriofo, wenn in bemfetben bie SEftelobie öftere «Slbfdfymtte leibet, 
bie dafür §u brety unb gtoeen Sacten nad> einanber jugetaffen. 15) ©ie 
^affdgien barf man bur<$ bie §!ran«j>ojttion, nid^t [297] in einerlei 5lrt bi« 
jum SEel verfolgen: man muß fcielme^r ju rechter 3eit unsermerft abbrechen, 
unb fte t>erfür*en. 16) 3lm dnbe barf man jtd) m$t übereilen, ober ju Iura 
abf^nappen: man muß baffetbe melme^r wofrt au befeftigen fudje«. SD^an barf 
mcfyt mit lauter nmm ©ebanfen fließen: man muß trietme^r bie gefälligften 
©ebanfen t>on bem, tt>a$ Dörfer gehöret worben, im legten 6otofatje wieber!?olen. 
17) dnbtidj muß man im testen Sutti, mit bem a^ten Steile t>om erften 
9litomell, bat «Slllegro, fo fürs al« mögltd) tft, befd^ließen. 

34. §. 3u bem erften Sat»e eine« prächtigen doncert«, fcfyiden fity nidjt 
atte Sactarten. Soll berfetbe lebhaft fe^n, fo fann man bm gemeinen geraben 
£act, wo bie gefd>winbeften Sftoten au$ 6ed)ae£nt|>eiten befte|>en, barp nehmen, 
unb bie dafür auf bm ätzten Sfceil be« £acte« fallen laffen. 6oß gebauter 
erfter $£eil jugteid) präd^ttg fe^n: fo erwähle man ein längere« Metrum, beffen 
dafür allemal einen ganzen 5aet einnimmt, unb nur auf bm 9Zieberf<$lag be« 
Sacte« fallt 60II ein bergteid)en erfter Ga$ aber ernftyaft unb prächtig fepn: 
fo tarnt man, in ber gemeinen geraben Sactart, eine Bewegung t>on mäßigerer 
©efcfywinbtgteit, tt>o bie gefdjwmbeften 9loten au« 3toe^ unb bre)pßtgtf>eilett 
beftefien Wnnen, unb bie dafür auf ben gtoe^ten <$$& be« Sacte« fällt, ba§u | 

ertönten, ©ie atoetygefdjwänaeten puncttreten 9ioten werben £ier jur ^ra^t 
be« 9^itorneH« ein 93iete« beitragen. 90ftt bem <2ßorte: «Slllegretto, fann man 
bie Bewegung beftimmen. ©iefe «2lrt 9ioten fann man aud> im gemäßigten > 

Qlltabrefcetacte fc^reiben. 9D?an muß nur bie ^tt^eile in Q3iert^eile, bie 
6e<$ae£nt|>eite in Sl^tt^ette, unb bie 3toe9- unb bre^ßigt^eite in ee^je^nt|)eile i 

öertt>anbetn. ©ie dafür aber lann al«benn allemal auf bm Anfang eine« feben 
Sacte« fallen, ©er orbentUd^e ^llabreüetact, beffen gefc^toinbefie 9ioten au« 
Ql^tt^eUen befte^en, ift nrie ber 3n>e^öiert^eiltact anaufe^en, unb f<$i<Jet ft^) 
be«toegen beffer jum legten, at« a^m erften 6a^e: tt>eit er, tt>enn man nxtyt ,:» 

immer gebunben unb loollfrtmmig barinne arbeitet, me^r ©efäHige« al« ^rä<i>= 
tige« au«brüdet. ©er Sripettact wirb überhaupt wenig a utn c ^ en Sa $ c 
gebrandet: e« wäre benn ber ©retytriert^eiltact, wtt €>td)i$nfyälm t>ermifc^et, 



QBie ein SttuftfuS unb eine 3ÄufW gu beurf&eüen fep. 231 

»obe$ bie <23e»egungen ber SRittelftimmen unb ber ©runbftimme au« Ql^t- 
Reiten beffünben, unb bie ioarmonie fxd) me^rent^eil« nur §u ganzen 
Sacfen änberte. [298] 

35. §. ©a« SlbagtO muß f# überhaupt, im mufilaliftfjen 9*etmgebäube, 
in ber Sacfart, unb in ber Tonart, *>om erffen «illlegro unterfdjeiben. @e$t 
haß SlUegro au« einer ber großem Tonarten, 5. f. au« bem Gbur: fo lann 
baß Slbagio, na<$ belieben, au« bem (Imoll, ©moll, Slmoll, ^bur, ©bur, 
ober aud? © moll gefegt »erben. ©e£t aber ba« erfte Sttlegro au« einer ber 
Heinern Tonarten, 5. <E. au« bem dmoU: fo Jann ba« <2lbagio ent»eber auß bem 
<£«bur, ober ff moll, ober ©moll, ober £l«bur gefegt »erben, ©iefe folgen 
ber Tonarten auf einanber fmb bie natürlichen, §)a« ©epr »irb baburd) 
niemat« betetbiaet, unb biefer «Ser^alt gilt be$ allen Sonarten, jte mögen tarnen 
|>aben [»eltf>e] fte »ollen. SBer aber ben 3ul#rer auf eine empfinblictye unb unan- 
genehme 2lrt überragen »ill: bem fte^t e« fre$, außer biefen Tonarten, folc^e 
p »eisten, bie iljm nur allein Vergnügen machen ftnnen. 3u m»enigften »irb 
große «Sefmtfamfeit babfy erfobert 

36. §. ilm bie £eibenfd)aften m erregen, unb »teber *u fttHen, giebt 
ba« 'Slbagio me^r ©etegen^eit an bie ioanb, al« baß SlUegro. 3n vorigen 
3eiten »urbe baß $lbagto mefcrent^eil« fe^r trotfen unb platt, unb me^r 
$armomf<$ al« melobifd? gefegt. ®ie domponiffen überliefen ben ^«füfjrern 
baß f »a« t>on i^nen erfobert »urbe, nämli^ bie SÖtaobie jtngbar su machen: 
»etd)e« aber, o^ne fielen 3ufa$ öon Sanieren, nicfyt »ol>l angieng. [*)] (£« 
»ar alfo bamat« triet leidster ein *2lbagio gu fe$en, al« §u fpielen. <2öie nun 
leicht §u erachten ift, txxfy ein folcfye« <2ibagio nic^t allemal ba« ©lud gehabt 
$at, in gefeilte Äänbe p fallen, unb bafj bie ^«fü^rung feiten fo gelungen 
ift, al« e« ber <33erfaffer tyattt »ünfdjen mögen: fo ift au« folgern Siebet baß 
®utt gesoffen, baß man feit einigen 3eiten angefangen £at, ba« <2ibagio me|>r 
fmgenb ju fe^en. Äierburc^ erlanget ber (Somponift me^r <££re: unb ber Slu«* 
fü|>rer brauset »eniger $opfbre<$en«: ha% ^Ibagio felbft aber lann ni^t auf 
fo öielerle^ ^rt, »ie e^ebem oft gef^a^, öerftettet ober »erftümmelt »erben. 

37. §. < 3BeiI aber ba« 2lbagio, unter ben ber 9Kuftf nityt lunbigen 3^ 
^örern, gemeiniglich nxfyt fo »iele ßieb^aber finbet, al« baß "2lHegro: fo mu£ 
ber domponift fold^e«, auc^ benen in ber <2JtufM nxfyt erfahrenen 3u^örem, auf 
aße mögli^e SBeife gefäEig m ma*en fu^en. (£r §at öorne|)mli^ folgenbe 
Regeln babe^ »o^I ju beoba^ten. Er muf f\<5) 1) fo»o^l in ben [299] 
9ütornellen, al« in ben Solof^en, ber mögli^ften ^ürje befleißigen. 2) ©a« 
9?itornell muß melobif^, ^armoniö« unb au«brü(fenb gefe^et fe^n. 3) Sie 



[*) 6. ba§u ba$ fc^on oben ertod^nte, t>on ^ifenbcl (?) »eraierte ^Ibagio QJbalbi« 
in eammztb. ber 3. HL ©. VII, ibeft 3.] 



232 XVHI - &au$)tftü& 

Sauptftimme mu$ einen folgen ©efang |>aben, ber §war einigen 3ufa$ Don 
Sanieren leibet, bo<$ aber au<$ o^ne benfetben gefallen tann. 4) ©er ©efang 
oon ber ioauptftimme muf, mit btn baawifc^en oermifci)ten Sutttfä^en, concer- 
tiren. 5) ©tefer ©efang mu£ eben fo rü^renb unb au*brü<Jenb gefegt werben, 
al* wenn Söorte barunter getreten. 6) ©ann unb wann muf etwa* mm 
9tttomell angebracht werben. 7) Sftan barf nid)t in alljutriele Tonarten aus- 
weisen, at* welche* an ber 93erlürsung am meiften ^tnberli^ ift. 8) ©a* 
^ccompagnement unter bem Solo mu£ mefjr platt, at* ftguriret fe^n: bamit 
bie Äauptftimme ni^t ge^inbert werbe, «Halterungen $u mad)en, fonbem völlige 
^re^eit behalte, mit «Beurteilung, unb auf eine vernünftige 'Strt, viel ober 
wenig Sanieren anzubringen, <£nbtid> mu£ man 9) ba^ <2lbagio bur<$ ein fotc&c* 
«Beiwort *u cfyarafteriftren fud)en, welche* ben barinne enthaltenen Effect beutti* 
au*brütfef; bamit man ba* erfobertidje £empo leicht erraten I5mte. 

38. §. ©a* te^te SlÜegro eine* (Eoncert* mu# ft<$ nid)t nur in ber 
<2trt unb 9*atur, fonbem aud) in ber $actart, vom erften 6a$e fe£r unter* 
Reiben. So ernft^aft i>a$ erfte fe^n foll, fo fci>erat?aft unb luftig mu$ hingegen 
ba$ teuere fe^n. ©iefe nac^benannten ^aetarten, at*: 1, 1, l f, §, V ^«ct, 
fännen ^ierbe^ gute ©ienfte t^un. 9Ziemat* muffen in einem Concert alle bre^ 
6ä$e in einerlei Sactart gefe^et werben: fonbem wenn bie erften jweene 6ä$e 
im geraben $acte fte^en: fo mufc ber te^te im Sripettacte gefegt fe^n. 3ft 
aber ber erfte im geraben, nnb ber wfytt im Sripettacte: fo fann ber le^te 
fowo^l im Tripel- al* im 3we$oiert$eiltacte gefegt werben. 9ftemat* aber 
barf er im gemeinen geraben Sacte fte^en: weit biefer m ernftf>aft wäre, unb 
ft<$ alfo eben fo wenig sunt testen 6a$e f^iefen würbe, at* ber 3we9t>iertf>eil* 
ober ein gef^winber Sripettact bep bem erften Sa^e eine gute Ortung t$un 
würbe, m bürfen and) nxd)t atte bxfy 6ä$e i^ren Anfang in eben bemfelben 
STone nehmen: fonbem mnn bie Öberftimme be$ bem einen im ©runbtone 
anfängt, fann fte be$ bem anbem in ber Serge, unb be^ bem britten mit ber 
Quinte anfangen, ©er te^te Sa$ ge^t $war au$ ber Tonart be* erften: bod) 
mu§ man in ^nfefmng ber SEftobulattonen ftd) %nttn, [300] ba$ man im testen 
Sa$e bie Tonarten nidjt fo nad) einanber berühre, wie im erften Sa^e gefd>e|>en 
ift: um bie ^e^nti^feit &u vermeiben. 

39. §. 3m testen Sa$e mu£ überhaupt 1) bat 9tttornetl fur^, luftig, 
feurig, bod) babfy *ma$ tänbetnb fe^n. 2) ©ie Äauptftimme mu§ einen ge= 
fälligen, pc^tigen unb teilten ©efang f>aben. 3) ©ie ^affagien muffen leicht 
fe^n, bamit man nic^t an ber ©efc^winbigfeit ge^inbert werbe. 9Äit ben ^affa- 
gien im erften Qa^ aber, bürfen fte feine ^nti^Ieit $aUn. 3. ®. ^Benn 
bie im erften Sa^e au* gebrochenen ober ^arpeggirten 9Zoten befte^en, fo fönnen 
bie im ledern Sa$e ftufenweife ge^en, ober rollenb fepn. Ober wenn im erften 
ea$e «rioten ftnb, fo fönnen bie ^affagien im legten 6a^e au^ gleiten 9Zoten 



QSöic ein Söiufttu* unb eine 9SKufit au beurteilen fcp. 233 

befielen: unb fo baS ©egent$ett 4)[®aS Metrum mufc auf baS ftrengfte 
beobachtet werben.1 ©enn je «tejer unb geföwinber bie ^aetarten ftnb: je emp- 
fmblicl)er iff eS, wenn bawiber ge^anbelt wirb. jjSte Säfur mu£ alfo im 1- unb 
im gefc^winben J- I- unb § «acte . aDejeit auf beti Anfang beS atzten £acts, 
bie &aupteinfä)nitte aber, auf ben vierten unb a^ten Sact fallen. 5) ©aS 
Accompagnement barf nici>t ju voltftimmig ober überhäufet fetmj SS mu§ 
vielmehr auS folgen 9*oten befte^en, torf$t bie beglettenben Stimmen, o^ne 
grofje «Bewegung ober 9Jlü|)famfeit, l)erauS bringen fönnen: tt>ett ber le^te Sa$ 
gemeimgtid) fe£r gefcljwinb gemietet wirb. 

40. §. Hm au$ be$ einem Soncert eine proporttonmtcpe £ättge §u 
beobachten, tarnt man bie Hf>r babet) §u 9?at^e aie^en. ^Qtnn ber erfte 6a$ 
bie 3eit von fünf Ginnten, baS <2tbagio fünf bis fec^^ Minuten, unb ber le$te 
Sa$ bre$ bis vier Minuten einnimmt: fo fyk baS gange doncert feine gehörige 
gängeH SS ift überhaupt ein größerer Vorteil, wenn bie 3u£örer ein Stücf 
efjer p Iura, als p lang finben. 

41. §. 3Ber nun ein folcl^S Sondert p machen weis, bem wirb eS nic^t 
fc^wer falten, au<$ ein f^era^afteS unb flehtet tänbelnbeS &ammerconcett 
au verfertigen. SS würbe alfo unnijt^ig fe^n, Pierson befonberS ju Rubeln. 

42. §., Sine ÖUöerfüte, welche jum anfange einer Oper gemietet 
wirb, erfobert einen prächtigen unb gravitatifrfjen Anfang, einen brillanten, 
[301] ®0 ausgearbeiteten &auptfa$, unb eine gute Vermif^ung verriebener 
Snftrumente, als Äoboen, flöten, ober gßalbf^rner. 3^r ilrfprung ftmmt von 
bm ^rangofen $er. 2Mt) M bavon gute dufter gegeben. ®o<$ ^aben i|n 
einige beutfcfye Sompomften, unter anbem Vornet)mlid) ÄCtttM unb ^elematttt, 
barinne weit übertroffen. SS ge^t bm Stanaofen mit i^ren Ouvertüren faft, 
wie ben 3tatiänem mit i^ren Soncerten. 9*ur ift, wegen ber guten 3ötrfung 
welche bie Ouvertüren fyutt, au bebauern, baf jte in ©eutfd)lanb nic^t me&r 
üblid) ftnb. [*)] 

43. §. ©te italtänifdjen 6mfomett, welche mit Un Ouvertüren gleiche 
Ql6ft<$t fcaben, erfobem a^ar, in Anfefmng ber ^radjt, tbm btefetben Sigen* 
fc^aften. ©a aber bie meiften von folgen Somponiften verfertiget werben, bie 
tyren ©eift me$r in ber Sing- als Suftrumentatmu^tf geübet £aben, fo giebt eS 
bis i^o nur no$ fe|>r wenige 6infonien, bie alle Q3oUfommen^eiten beft^en, 
unb beSwegen au einem guten dufter bienen fönnten. SS fc^eint autveiten, 
als wenn eS bie Operncomponiften be^ Verfertigung ber 6infonien fo mac^eten, 
wie bie 9£Rater be^> Ausarbeitung eines Sonterfe^eS, als wel^e fv§ ber übrig 
gebliebenen Farben bebienen, um bie ßuft, ober t>aß ©ewanb bamit auSaumaten. 

[*) e. txttu Ä. 9?iemannö ^luffaft über bie fransöftWe Ouvertüre im ^ufifattfd^en 
Wochenblatt 1899.] 



234 XVIII. Sauptftüct. 

3nbeffen fotlte bod) fciEig eine Sinfonie, tt>ie oben fd)on gebaut korben, einigen 
3ufammen^ang mit bem 3nf>alte ber Oper, ober jum toenigften mit bem erften 
Auftritte berfetben fyabm, unb ni<$t aUejeit mit einem luftigen kerntet, tt>ie 
me|>rent£eit$ gefd)ie|>t, f$lie§en. 3<$ bin $tt>ar nicfyt ttrillenS Pierson ein dufter 
fcorjufcfyreiben: toeil man nicfyt alte Slmftänbe, bie be$ bem anfange einer jeben 
Oper *>orfommen fönnen, in eine (Elaffe bringen fcmn. ©effen ungeachtet glaube 
ity bo<*>, baf? gerinne fe$r leicht ein bittet ju finben toäre. <B ift ja eben 
ni$t not|>n>enbig, ba% eine 6infonie öor einer Oper altejeit au§ bre$ Säljen 
befte^en muffe: man lännte ja auefy tooljt mit bem erften ober tfvfytm Sat>e 
fcfyltef en. 3. ®. ©er erfte auftritt hielte £eroif<$e ober anbere feurige fieiben* 
fc^aften in ftd>: fo Unnte ber Scl)tufj ber Sinfonie mit bem erften Sa$e 
gefcfye|>en. tarnen traurige ober verliebte Effecten barinne fcor: fo fönnte man 
mit bem jtte^ten Sa$e aufhören. Äielte aber ber erfte auftritt gar feitte 
befonbern Effecten in ftcfy, fonbern biefe fämen erft in ber ^olge ber Oper, ober 
am £nbe *>or: fo türmte man mit bem britten Sa$e ber Sinfonie fcfyliefjen. 
5luf fote^c $lrt tyatte man ©ele*[302]gen£eit, einen jeben Sa$ ber Sad)e gemäfj 
einsurid)ten. ©ie Sinfonie aber bliebe bod) nod> and) ju anbem ^Ibficfyten 
brauchbar. [*)] 

44. §. <£in öuatUOt, ober eine Sonate mit bre$ concertirenben 3nftru= 
menten, unb einer ©runbftimme, ift eigentlich ber ^robierftein eines eckten dontra» 
punetiften, aber auefy eine ©etegen^eit, toobe^ mancher, ber in feiner ^iffenfcfyaft 
ni<$t recfyt gegrünbet ift, ju ^aHe fommen fann. ©er ©ebraudj baoon ift nodj 
niemals fe^r gemein geworben, folglich tarnt er au$ nicfyt allen fo gar befannt 
fe^n. <£$ ift 5u befürchten, ba£ enbttci> biefe *21rt fc>on Sftuftt ba$ Sd)idfal ber 
oerlo|)renen fünfte toerbe erfahren muffen. 3u einem guten Quatuor gehöret: 
1) ein reiner trierftimmiger Sa$, 2) ein £armonifd)er guter ©efang, 3) richtige 
unb Iur§e Smitationen, 4) eine mit trieler Beurteilung angefteHete 93ermifd)ung 
ber concertirenben 3nftrumente, 5) eine recfyt baftmäfnge ©runbftimme, 6) fotcfye 
©ebanfen bie man mit einanber unteren fann, nämti<$, ba% man fott>oji)l 
barüber als barunter bauen tonne, toobep bie SCftittetftimmen gum toenigften 
einen leiblichen, unb nid)t mißfälligen ©efang begatten muffen. 7) «SÄan muf 
nityt bemerken lönnen, ob biefe ober jene Stimme ben 93oraug §aU. 8) ©ne 
jebe Stimme mu£, toenn fte pauftret fiat, nic^t als eine ^Dfättelftimme, fonbern 
als eine &auptfttmme, mit einem gefälligen ©efange ttrieber eintreten: bod) ift 
biefeS md)t t>on ber ©runbftimme, fonbern nur t>on bm bre^en concertirenben 
Oberftimmen ju t)erfte|>en. 9) Söenn eine S^ge wrlömmt, fo mufj biefelbe, 

[*) 93gl. baju bie Stabführungen be3 ©rafen Silgarotti über bte ^rogrammouöerture 
im Essai sur Topera (1771, Überfettung be$ 1755 erfc^tenenen ital. Original; beutfe^e 
Übetfe^ung „93erfu^über bie ^r^iteftur . . unb mufttal O^er^ (1769) 8. 239 f.). Sluffattenb 
ift, bog Qu. ber ^ammerftnfonie ber frühen 3Rann£enner Gc^ule ni^t gebend.] 



<2öie ein SKuftfuS unb eine 93htftt gu beurteilen fe$. 235 

mit allen irier Stimmen, nad) allen 9?egeln, meifter^aft, bod? aber baber; fcr;tnad£aft 
auSgefüfyret fe^n. 

<5tÜ)$ getoiffe Quatuor für unterfcfyiebene 3nftrumente, meiftent^eitS 
<5löte, Soboe, unb «Sioline, meiere £err ^efematttt fd)on t>or aiemltcty langer 
3eit gefe^et %at, bie aber nid)t in Tupfer geffo<$en korben fmb, Wnnen, in biefer 
<2lrt *>on 9Kuftf, üoraüglid? fc^öne dufter abgeben. 

45. §. £in §*io erfobert gtoar nidjt eine fo mü^fame Arbeit, als ein 
Quatuor, bod) aber t>on Seiten be$ Somponiften faff eben biefelbe 3Biffenfcf;aft, 
n>enn e$ anberS t>on ber regten 'Slrt fe^n folt. [*)] ©oef; ^at eä biefeS sorauS, 
bafj man barinne galantere unb gefälligere ©ebanlen anbringen frmn, aU im 
Quatuor: tt>eit eine concertirenbe Stimme weniger ift SS mu£ alfo in einem 
Srio 1) ein fotdjer ©efang erfunben toerben, ber [303] eine fingenbe 9ieben-- 
ftimme leibet. 2) ©er Vortrag be^m anfange eineä jeben Sa^eS, befonberS 
aber im <2lbagio, barf nid>t ju lang fe^n: toett fot<$e$ be$ ber 2öieberf>otung, 
fo bie §tt?e^te Stimme madjet, es fety in ber Quinte, ober in ber Quarte, ober 
im Sinftange, tetd)tticfy einen £leberbru£ ertteefen fönnte. 3) J?eine Stimme 
barf tttoaö Dormagen, welches bie anbere md)t nadjjmacfyen Ibnnte. 4) ©ie 
Smttationen muffen fürs gefaffet, unb bie ^paffagien brillant fe^n. 5) 3n 
QBieber^olung ber gefäHigften ©ebanlen mu£ eine gute Qrbnung beobachtet 
werben. 6) ^e^be Jöauptftimmen muffen fo gefe^et fetyn, ba% eine natürlidje 
unb toopKingenbe ©runbftimme barunter ^tatt ftnben fßnne. 7) Sofeme eine 
<5uge barinne angebracht ttrirb, muf* fetbige, tUn mie be^m Quatuor, nid)t nur 
nad) ben Regeln ber Sc^funft richtig, fonbern aud> fd)tnad£afi, in allen 
Stimmen auSgefü^ret toerben. ©ie 3tmfcr;enfä$e, fie mögen au$ ^affagien 
ober anbern 9ta<$a^mungen befte^en, muffen gefäßig unb brillant fe^n. 8) Obtt>o^t 
bie Sergen- unb Sejtengänge in ben be^ben J5auptftimmen eine 3ierbe be$ Srio 
fmb, fo muffen bod) biefelben nid)t sunt SDtiSbraucfye gemacht, noefy bis gum 
(fiel burdj>gepeitfd)et, fonbern öietme^r immer burd) ^affagien ober anbere 9?ad)= 
a^mungen unterbrochen toerben. ©a3 Srio muf enblid) 9) fo begaffen fe^n, 
t>a$ man faum erraten fönne, toelcfye Stimme *>on betyben bie erfte fe$. 

46. §. Sin S>oIo [**)] 8u machen, £ätt man heutiges SageS für feine 
5?unft me^r. ^aft ein jeber 3nftrumentift giebt ft$ bamit ab. &at er felbft 
leine ©rfinbung: fo belntft er fxd) mit entle^neten ©ebanfen. ^tet eö tym 
an 5?enntni^ ber Som^oPon^regeln: fo täft er fxty ben 93a£ t>on einem anbern 
t>a%u ma^en. ioierbur^) fommen nun, anftatt guter dufter, »iete 9Jii^geburt^en 
gum 93orfd)eine. 

[*) ^ine ^lu^wa^l älterer 9Kuftertrtog in Ä. 9^iemann^ Sammlung „Collegium 
musicum" (95reitfopf & Äärtel).] 

[**) darunter ift gemeinhin jebe 6onate für ein Soloinftrument mit Klavierbegleitung 
üerftanben.] 



236 XVIII. Äauptflttc*. 

47. §. <£$ ift eben nic^t eine fo gar leiste Sacfye, ein gutes Solo ju 
machen. €$ giebt <£omponiften, welche bie Se^funft soEIommen *erfte|>en, aud? 
in soltftimmigen Sßerfen glücffid» fmb, aber fd)ted)te 6oto machen. <2inbern 
hingegen geraden bie Solo beffer, als bie üoUftimmtgen Sachen, ©lüdtid) ift 
ber, bem be^beS gelingt. 60 wenig aber, um ein gut Solo 3U fetjen, eben 
nöt|)tg ift, alte bie innerften ©e^eimmffe ber Compofttion ju beft^en: fo wenig 
ge$t eS and) an, o^ne twn ber &ar-[304]mome tttt>a$ 31s t>erfte£en, wa$ ©e= 
fd>etbe^ in biefer %xt &u ^ege ju bringen. 

48. §. 6otl ein Solo bem domponiften unb bem $lu$fül)rer (£f)re machen, 
fo muf: 1) t>a§ SlbagtO beffelben an unb sor ftdE> fingbar nnt> auäbrüdenb 
fe^n. 2) ©er ^lu^fü^rer mu£ ©etegen^eit $aben, feine 93eurt$ettung3fraft, 
grfmbung, unb ©njt$t ju geigen. 3) ©ie 3ärtttd)leit mufj bann unb mann 
mit ttxoa$ ©eiftreic^em sermifcfyet werben. 4) SDfan fetje eine natürliche ©runb- 
ftimme, worüber teicl)t p bauen ift 5) <£in ©ebanie mu^ Weber in bemfetben 
Sone, nofy in ber SranSpofttion, p trietmat wieber|)otet werben: benn biefeS 
würbe nidjt nur bm Gpteter mübe machen, fonbern and) ben 3u^i5rern einen 
diel erweden tonnen. 6) ©er natürliche ©efang ntu| ^weiten mit einigen 
©iffonansen unterbrochen werben, um bfy ben 3u£örern bie ßeibenfd^aften 
gehörig §u erregen. 7) ©aS ^bagio mu§ nicf)t $u lang fe^n. 

49. §. ©a$ erfte ^UegtO erfobert: 1) einen ftie^enben, an einanber 
f;angenben, unb etwas ernft^aften ©efang, 2) einen guten 3ufammen£ang ber 
©ebanfen, 3) brittante, nnb mit ©efange wof>t »ereinigte ^affagien, 4) eine 
gute Örbnung in 5Bieber|)otung ber ©ebanfen, 5) fc^öne au^gefuc^te ©änge su 
<£nbe beS erften 3^eit3, welche sugteirf) fo eingerichtet fe^n muffen, ba# man 
in ber SranSpofttion t>m legten S^eil wieber bamit befristeten fimne. 6) ©er 
erfte $$eit mu£ etwas für^er fepn als ber ie$te. 7) ©ie brillanteften ^affagien 
muffen in ben testen 3^eit gebraut werben. 8) ©ie ©runbftimme muf natürlich 
gefegt fe^n, unb fotd)e Bewegungen machen, wet^e immer eine fieb^aftigfeit 
unterhatten. 

50. §. ©a$ gtt>e^)te SiHecjro fann entweber feijr luftig unb gefc^winb, 
ober moberat unb arioS fe^n. 9ttan mufj $<$ beSwegen naci> bem erften richten. 
3ff baffelbe ernft^aft: fo fann ba$ te^te luftig fe^n. 3ft aber bat erfte lebhaft 
unb gefcl>winb; fo lann baö le^te moberat unb ario^ fe^n. 3n <2lnfe^ung ber 
<33erf^ieben^eit ber STactarten, muf ba«, tt>a# oben t>on ben doncerten gefaget 
worben ift, aud) |>icr beobachtet werben: bamit nid)t ein Qa% bem anbem 8|mticl> 
werbe. 6ott überhaupt ein Solo einem jeben gefallen, fo mu£ e^ fo eingerichtet 
fe^n, baf bie ©emüt^neigungen eine^ jeben 3u|)5rer^ barinne i^re 9la^rung 
finben. (£ö mu§ Weber [305] burd?ge£enb$ pur cantabet, noc^ burc^ge|)enb^ 
pur lebhaft fet)n. 60 wie ftd) ein jeber 6a$ »on bem anbem fefjr unterf^eiben 
muf , fo mu£ anö) ein jeber 6a$, in ft^ fetbft, eine gute <33ermif$ung wm 



<2Bie ein <3KufiIuS unt> eine "SRuftt ju beurt&eilen fe». 237 

gefälligen unb brillanten ©ebanten &aben. ©enn Der fcbönfte ©efang tarnt, wenn 
t>om anfange WS jum (£nbe nict)t3 anber« »orfemmt, enblidj einfcbtafern: unb 
eine beftanbige Eebbaftigfeit, ober lauter Scbwierigtett, macben jwar 93er- 
»unberung, fte rubren aber ntcbt fonberticb. ©ergleicben 93ermifcbung unter- 
gebener ©ebanten aber, ift niebt nur bebm 6olo allein, fonbern ötetmebr aueb 
beb allen mufttalifcben Stücfen ju beobachten. 2Bemt ein Gompomft biefe reebt 
ju treffen, unb babureb bie ßeibenfebaften ber 3u£örer in 93ewegung ju bringen 
weis: fo 'tarnt man mit 9?ecbte oon tym fagen, baß er einen £o$en ©rab be$ 
guten ©efcbmactS erreichet, Unb, fo ju fagen, ben mufttalifcben Stein ber Reifen 

gefunben fyaU. 

51. §. ©iefeS ftnb nun bie »orne&mften eigenfetjaften ber Äauptgattungen 
mufttaltfcber Stücte, wetebe ftd? be» jebem berfelben, nacb feiner ^rt, finben 
muffen, wenn e$ ein Kenner für gut unb be« 93eöfaU$ würbig erftaren fo«. 
<£* wirb aber immer boeb noeb eine ^nsabt oon Subörern übrig bleiben, benen 
e$ niebt möglieb fe»n wirb, fo biet ©inftebt in bie SKuftt 8« erlangen, att 
beren nötbig ift, um bie biSber angefügten &enn 5 eicben ber ©üte eine« Stücte« 
an bemfetben bemerken gu tonnen, ©ergleicben 3u$örer muffen ftcb atfo nur 
an gewiffe, niebt bie ^erfon ber «auSfübrer, fonbern bie <3Ruftt überhaupt 
betreffenbe Siebenumftänbe galten, welcbe einigermaßen aueb ein 3eugniß »on 
ber ©üte eine« StücfeS ablegen tonnen. Sie werben am jteberften geben, wenn 
fte, beb großen <23erfammlungen, (es muffen aber folebe 93erfammtungen fettn, 
bie au« feiner anbern «Hbftcbt, als nur um «TOuftt 8« boren, angefteltet ftnb, 
unb wo bie «Kaftt niebt als ein bloße« Siebenwert angefeben wirb, «erfamm- 
lungen, wo bie 3ubörer fowobt au« Kennern, al« ber SKuftt Hntunbtgen be- 
fielen,) inbem ein Stüct gefungen ober gefielet wirb, auf bie =Dci[e]nen unb 
©eberben ber 3ubÖrer «Hebung geben, unb ju bemerten fueben: ob nur einige, 
ober ber größte Sbeil ber Slnwefenben jur lllufmertfamtett erwectet werbe, ob 
einer bem anbem feinen ©efallen ober SDciSfallen p erlernten gebe, ob ft$ 
einige ben Shtffübrem ber Sftuftt nähern, ober »on tbnen entfernen, ob baity 
gefebwiegen ober taut gefaroebett werbe, ob man mit bem ibpfe ben Sact 
martire, ob man ben 33erfaffer be« Stüct« m »iffen be- [306] gierig fe», ob 
uon ben Qlnwefenben, wenn ba« Stücf ju ©nbe ift, ein Verlangen gejeiget 
werbe, baffelbe noeb einmal su boren, ©nblicb muffen fte aueb ibrer eigenen 
<£m»ftnbung in tttoai naebgefcen, unb unterfueben, ob bie ange^örete SÖluftt fte 
felbft gerübret $abt r wenn fte aueb gleicb niebt allemal bie Stefane ba»on fagen 
tonnen, finben ftcb nun alle bie bter bemelbeten »ortbeitbaften Hmftänbe be» 
einer SÖcuftt: fo tann aueb efat ber 9ETCuftt niebt tunbiger 3ubörer fteber febtüßen, 
ba% i>a§ Stüct gut gefegt, unb gut au«gefübret worben fe». [*)] 

[*) ©ie ^lottpeit biefer mufitatif^en Bauernregeln geigt Qu. auf Slugenblicte »on 
feinen fonft fo ftrengen tttnftteriWen ©runbfä^en entfernt.] 



238 XVIII. ÄauptfiM. 

52. §. ©er unterbiet) be$ ©ef^matfeg, ber ftd? btp t>erfd>iebenen 
Nationen, welche an t>en gDBiffenfc^afeen überhaupt ©ef^mad fmben, ni<$t fo* 
wol)t m 2lnfeljung t>e« <2öefentlic$en, ati t>ielme£r bei 3ufäWgen ber 3Ruftt, 
äußert, fyat in bie mufifatif^e «Beurteilung ben griffen ©nfluf?. <£i tft atfo 
nßt^tg, biefen Hnterfd?ieb be^ ©efc^matfei, in ber SRujtl, no$ cttt>a« Weit- 
läufiger 8u unterfud^en: ob {$ gleich f<$on im Vorigen, an t>erfd)iebenen Orten, 
wo ei nötfrig war, ettoaj bat>on angefü^ret fyabt. 

53. §. Sebe Station, bie anberi m<$t ^u ben barbarifd?en gehöret, fyat 
§war in tyrer 3ftuftf ttoa«, bai tyr t>or anbem 9oqflgli$ gefällt: ei ift aber 
tfcetli nidjt fo fe£r t>on anbern untergeben, t&eili nic^t t>on fold)er <£r£ebti$- 
lett, ba$ man ei einer befonbem Slufmerffamleit würbig fd)ä§en Kannte. 3t»fy 
93i5Ker in ben neuern 3eiten aber, £aben ftc^ befonberi, md)t nur um bie «2lui-~ 
befferung bei muftfalifc^en ©efd)marfei öerbient gemalt, fonbern au<$ barinne, 
nad> Einleitung if>rer angebo&rnen ©emütpneigungen, soraügtid) *>on einanber 
untergeben, ©tefei ftnb bie Staliämv, unb bie ^van^m. Slnbere 
Nationen |>aben bem ©efdjmatfe biefer be^ben <33ö«er ben meiften «BetfaU 
gegeben, unb entWeber biefem, ober jenem nachfolgen, unb etwai baöon an- 
Sune^men, gefud>et. ioterburd) fmb bie gebauten be^ben 935«er aud; verleitet 
worben, ft<$ gleicfyfam ju eigenmächtigen Stiftern bt§ guten @ef<$matfei in 
ber Sftuftf aufjuwerfen: unb weil niemanb t>on ben Sluitänbem lange 3eit 
ni<$ti bawtber emauwenben gehabt \)<xt, fo fwb fte gewiffermafcen, einige 3af>r- 
|>unberte fcinburd), wirftid? bie muftfalifd^en ©efe^geber gewefen. 93on tynen 
ift tyxnad) ber gute ©efd^maef in ber SEftuftf auf anbere 93ö«er gebraut worben. 
[307] 54. §. ©a£ in ben alten 3eiten, bie g^uftf, fo Wie bie anbem frönen 
<2Biffenf$aften, wenn wir nid)t bii gu tyrem erften itrftrunge aurütf fteigen 
motten, *>on bm ©rieben auf bie 9?ömer gefommen fe$, ba§ fte ferner nad> 
bm Untergänge ber ^ra^t U§ alten 9*omi, lange 3cit faft im Staube ber 
93ergeffen^eit gelegen £abe: ift gewifc. < 2öetc^e Nation aber juerft lieber an- 
gefangen £abe, bie SÄuftf bem Untergänge ju entreiffen, unb in tyrer erneuerten 
©eftalt wieber ^aufteilen: biefei ift vielem Streite unterworfen, (£i n>ürbe 
inbeffen, be$ einer red)t genauen unb eigentlichen ilnterfu^ung, ber Sluifprud) 
*>ermut£lid> jum «Bort^eile ber 3taliäner auifatlen muffen, Stehet) ift eine 
lange 3eit ba§u nöt^ig getoefen, um bie SWuftf ju berjenigen Slnnä^erung ber 
93oafommen|>eit ju bringen, toorhme fte i$o fte|>t. (£i fann gu getoiffen 3eiten 
biefe, ju gewiffen 3eiten aber eine anbere Station barinne tttvaß weiter fort- 
gerüdet, bie anbere aber if>r wieber na^gefolget fe^n. ^aifer Äarl ber ©ro^e 
f(^on, erlannte, bep feiner Qlnwefen^eit in 9?om, ben weiften SonHinftlern, 
äumal in 2lnfe£ung ber Singfunft, ben <prei# p / unb lief fogar beren oiele 
naty feinem Äofe fommen. ®r bemühte ftd) feine SJZuftf nac^ ber ^elf^en 
i^rer einsuri^ten. 



: 



•t 



<2öie ein 9Huft*u$ unb eine SDiufil 8« beurteilen fe$. 239 

55. §. ^cm f>af gegrünbete Xlrfacfye §u glauben, ba§ lange nacty ^aifer 
^arte be£ ©rofjen 3eiten, bie SO^uflJ, bety ben 3taliänern unb Stanjofen, bet> 
Weitem nirf)t fo untergeben getvefen fe^, als t#ger Seit. Wlcm tveiS, ba§ 
£ülfy[*)], tt>et<$en bie ^ran^ofen f aft als einen muftfattf^en SSefe^aber anfel;en, 
unb feinem ©efdjmatfe no<$ bi$ i§o burci) gang ^ranfrei^ «Se^fatt geben, Ja 
benfelben, tvenn ettvan einige tyxix ßanbSleute bavon abgeben »ollen, forgfältig 
ttrieber £er§uftetlen, unb ungeänbert im Scfytvange au erhalten bemühet fmb, ein 
<2öetfd?er getvefen ift 3<$ tvtll angeben, t>a% biefer berühmte <3ftann, tveil er 
fe$r jung na^ ftranfteic^ gekommen ift, ft<$ ber vorigen fransöftfdjen SKuftf 
einiger ma§en bequemet, unb i^ren @efct)ma<f angenommen £abe. 9tiemanb 
tt>irb aber bart|wn fönnen, t>a$ e$ if>m möglich getvefen fety, btn feiner Nation 
eigentümlichen ©efc^mad, tvovon er bo<$ fcfyon ettvaS in SBetfcfylanb begriffen 
fyattt, ober sum tvemgften fein ©enie, gän^lid) %u verleugnen, 3ille$ tvirb barauf 
hinaus laufen, baf* er Un ©ef^matf ber einen Nation mit ber anbern i^rem 
vermifc&et f>abe. ©a aber feit fiütfys §obe, ber @efd)ma<J in ber Whf% 
tt)ie Jebermann begannt ift, be$ ben Staliänem [308] fxty immer fo merflid) 
geänbert §at, be$ bm ^ranjofen hingegen immer ^n berfelbe geblieben ift: fo 
fyat ft<$ auty ber £taterfd)ieb atvifd)en bfybtn, feit biefer 3eit, erft rec^t immer 
me^r unb meljr ge^eiget. QBir motten benfelben ettvaS nä^er beleuchten. 

56. §. ©ie Neigung ber StCttiäner pr 93eränberung in ber 9ftuftf, fwt 
btta toafyxm guten ©ef<$ma<fe viel «Sorbett gefdjaffet Wieviel beräumte gro^e 
(Eomponiften f>at man nictyt, bis aum <£nbt ber erften breiig 3af)re biefeä 
3a£r$unbert$, unter tynen aufsutvetfen gehabt? Seit bem ein ^)iftOcd)i [**)], 
gegen bag (£nbe be£ vorigen 3a|>r£unbert$, feine Singfdmlen eröfnet, unb barauf 
ber < 2öclt fo viele brafe Sänger mitget^eitet f>at, ift in tbzxx biefen breiig 
erftern 3af)ren be$ i^igen SecutumS, bie Singfunft auf bm £öd)ften ©tyfel 
geftiegen, unb faft alles, tvaS nur bie menfcfytidje Stimme von 9?ü|>renbem unb 
«SertvunbernStvürbigem hervorbringen fann, burcfy untergebene, mit 9*e$t 
beräumte Sänger, ge^eiget, unb in Ausübung gebraut tvorben. ^ie viele 
©elegen&eit $<&m nxfyt bie guten (Somponiften ba^er genommen, bie Sing- 
compofttion and) immer me£r unb me£r &u verbeffem. Terelit [***)] unb feine 
9ta<$folger fuc^eten biefen, auf eine rü^mli^e «2lrt, in ber 3nftrumentatmufif 
na^jueifern (*). 

(*) ©iefen itatiänif^en ©ef^macf, fo tt>ie er big auf ben oben gebauten 3eityunct, 
in Stalien, burc^ fo viele grünbli^e Männer nac^ unb nacty aufgebraßt, unb naß- 
ge^enbö burß einige berühmte ^luölänber, toelße biefen gefolget fmb, noß roe£r in^ 



P) ^u« giorenj, 1633—1687; geft. in ^ari«.] 

[**) 1659—1726. eehte ©efangfßute, au« »etßer Antonio 93entacßi at« tetexxtentfttv 
eßüler hervorging, begrünbete er in Bologna. S)aS 3a^r fteJ?t nißt feft.] 
[***) 1653—1713.] 



240 XVIII. Sauptftüct 

Seine gebraut Sorben, fcerfte^e id> sorsügttrf), Wenn td> bei ttaUäntftyen ©efci>tnacf3 
ertt><u)ne. 

57. §. 3ebo$ bie <23eränberung be$ ©efd)made$ in ber SRujH \)<\t ftd>, 
o^ngefä^r feit ben fünf unb 5Wan§ig te$tt>ergangenen Sauren, bep t>m %£m* 
fünftlern ber weiften Nation, au^ auf eine gang anbete 2lrt gewtefen. 3n 
ben gegenwärtigen 3eiten unterftyeibet ftd) ber ©efcl?mad if>rer Sänger unb 
3nftrumentiften überaus fe^r son einanber. Sie ftnb barinne gar nicfyt mein? 
einig. Obwohl bie itatiänif^en 3nftrumentiften, *>or anberer 93ö«er i|)ren, ben 
QSort^eit *>orauS |>aben, ba£ fte in tyrem £anbe, son Sugenb auf, fo triet ©uteS 
fingen £5ren: fo gewönnen fte ftd) in ben i^igen 3eiten bemtoc|>, einen öon ben 
Sängern fo feijr untergebenen ©ef^madansune^men, baf man fte faum für 
einerteö 93otd Ratten foHte. ©iefer ünterfc^ieb aber befielt größtenteils im 
Vortrage, [309] unb in einem überhäuften 3ufa$e ber wil«ü|>rticf)en Sinterungen. 
<£r %at son einigen berühmten Snftrumenttften feinen ilrfprung genommen, wetd>e 
ftd» t>on Seit ju 3eit in ber Se^iunft, befonberS aber auf tyxm 3nftrumenten, 
burcl) SluSfüljrung meler Schwierigkeiten, $ert>orget$an £aben. Sie muffen aber 
batet) aufy t>on fo untergebener ©emüt^bef^affen^eit gewefen fepn, baf? ber 
eine baburd) auf biefen, ber anbere auf einen anbem ©efefymad »erführet 
worben, melden nad>gef>enbS tyre ganger immer weiter fortgepflanzt I)aben: 
fo t>a% baburd» enblid) au$ einem grünbtic^en, ein freier unb bizarrer ©efcfymad 
entftanben ift ©ie <£iferfud»t, wet<$e in Qöelf^tanb 8Wtf<$en ben Sängern 
unb 3nftrumentiften, unb swifd;en ben 3nftrumental- unb 3?ofatcomponiften 
immer ^errf^et, fann aud? ttm$ m ^^fer Slbfonberung beigetragen ^aben. 
©ie Sänger motten ben Suftrumentiften ben 93ott£eit nid)t gönnen, burd? ba$ 
Sangbare, fo wie fte, }u rühren: fte maßen ftd» o^ne bem, o^ne £lnterfd)ieb, 
eines SSorsugS über bie 3nftrumentiften an. ©tefe aber wollen jenen ntd»t$ 
nad>geben; fte fu^en alfo, ob e$ ntd»t möglich fe$, mit einer anbern <2lrt, eben 
fo gut als jene, ju gefallen. ©abur<$ ftnb fte aber, jum Stäben be$ waf>r= 
iaftig guten ©ef^madeö, faft auf haß ©egent^etl verfallen. 

58. §. 3tt>eene fcerü^mfe tombcuftifc^e SSiolimffen, welche o^n- 
gefä^r t>or etlichen unb bre^tg Sauren, nid)t gar lange na<$ einanber, angefangen 
£aben befannt §u werben, $abm ^iersu tnfonber|>eit »tel beigetragen [*)]. ©er 
erfte war lebhaft, reic^ an grfhtbung, unb erfütlete faft bie |>atbe ^^ mit 
feinen Soncerten. Obwohl §oretti [**)], unb na$ if>m (£oretti gerinne einen 
Anfang gemacht fyatUn; fo brachte er fte bo$, nebft bem Slttrinom [***)], in 

rTÖemeint ftnb ^ntonio93it>atbi (16 . .-1743) unb©tuf e^pe^artini (1692—1770)/ 
toie auö ber folgenben <£&ara?terifttf ^ert>orge^t] 

[**) ©er ^olognefe ©iufeppe ^oreUi (16..— 1708), ber G^ö^fer be$ mobemen 
^SioUnfonsertö.] 

[***) ©er ^enetianer ^omafo mtfeinoni (1674—1745), einer ber tattraftigften 
cy^rberer beö inftrumentaten ^onsertfttlS net>en Q3it>albi.] 



: 



3öie ein 9ftufifu$ w*b eine Ws*W 5« beurteilen fe^. 241 

eine beffere ^orm, unb gab baöon gute dufter. Sr erlangete and) baburd), 
fo n>ie (Soretlt bur$ feine ^toötf Solo, einen allgemeinen Grebit jH|ute$t aber 
verfiel er, burefy altautneteS nnb tägtid>e£ Somponiren, unb befonber« ba er an« 
fieng t^eatratifc^e Singmuftfen §u »erfertigen, in eine £ei(^tftnnigfeit unb ffre$« 
f>eit, fon>o|>I im Se^en, aU Spielen: n>egtt>egen ami) feine letztem (Soncerte ni<$t 
me£r fo öiel 'Sepfalt serbteneten, aW bie erfternj Sftan faget öon i£m, bafj er 
einer son benen fe$, bie ben fogenannten tomBarbif^ett ©eftf)macf, toetdjer 
barinne befielt, bafj man bi£tt>eiten, t>on jtoo ober brety furjen 9loten, bie an* 
fcfylagenbe fürs machet, unb hinter bie bur^ge^enbe einen ^unet fe$et, 
f. V. joauptft 23. § [G. 22], unb tt>etd)er ©ef<$ma<J o£ngefä|>r im [310] 3af>re 1722 
feinen Einfang genommen £at, erfunben fyabm [*)]. (B fcfyeint aber biefe Schreib* 
art, n>ie einige SDZerfmaale ju erfennen geben, ber S<$otlänbifcfyen SQiuftt ettt>a$ 
ä^nlt$ su fetyn, fie ift aud> fd)on tt>o£t stt>an§ig 3a$re t>or i^rem ^uffommen 
in 3talien, son einigen beutfcfyen Somponiften, £ter unb ba, ob too^t nxtfyt fo 
häufig, angebracht korben: folglich fimnte fie bety bm 953elfd)en nur als eine 
9?ad)af>mung ber i^tbenennten angefe^en toerben [**)]. ©em fe$ nun toie ifjm tooHe, 
fo fyat bod) biefe 93eränberung ber 2lrt §u beuten, bm Qtbafytm berühmten 
93ioliniften, t>or feine ^erfon, in ben testen 3eiten feinet £eben3, t>on btm 
guten ©efd>ma<fe faft ganj unb gar abgefül?ret 

59. §. ©er anbete ber oben ertoä|mten betyben tombarbifcfyen 93iotiniften, 
ift einer ber erften unb größten SEfteifter Scbtmerigtetten auf ber Q3iotine ju 
ftrieten. (fr §at, ttrie man oorgiebt, fid) einige 3a£re ber muftfaüfd>en ©efeH* 
fd^aft gan§ unb gar entzogen, um einen au£ i^m felbft fKef*enben ©efdjmacf 
l>en>or ju bringen- ©iefer ©efcfymatf ift aber fo geraden, ba% er ntcfyt nur be£ 
porigen feinem, in gettriffer $lrt, ganj entgegen ift, fonbem and) im Singen 
unm&glicfy nacfygea^met »erben fann, folgtid) nur benen 93iotiniften, bie t>on ber 
toafjren guten Singart soielleic^t toenig (Empfmbung £aben, allein eigen bleibt, 
^ie aber jener bnvti) bie 93iel|>eit feiner muftWifdjen 3Berte in eine ßeic^t- 
finnigfeit unb ^rec^^eit serftel, unb bur$ fotd)e fxd) &on bem ©ef^maefe ber 
anbern merfftd) unterf($ieb: fo ift biefer hingegen, in Slnfe^ung ber Singart, 

[*) ©erber (9leueö ^onfünftterle^on) crflärt btc Kanter: ff ^)ad 93efonbcre biefe« 
©efe^maefö befielt einzig unb attein in ben uerf^obenen Qltjenten, ober in fcetn ^empo 
rubato, t)efl"en ft$ bie ^5ioliniften Je^t ^äuftg bebienen. QEßenn man 5. ^5. fca£ QÖßort 
2ehtn alfo fingen lägt, bafj 5n>ar bie Gilbe fie» auf ben Stteberftytag Ummt, aber eine 
turge 9^ote enthält, unb hingegen bk Gilbe »ben, eine lange 9lote, aber im ^luffc^lag". 
qSafieletP^fi (©ie 93ioline unb ü)re ^eifter, IV. ^ufl. G. 117) bemerk richtig, ba% ber lom 
barbifd^e ©efe^tnaef bereit« b^n 93u>iinft>ielern be« 17. 3a|)r|)unbert« (^iagio 9Jlarini, ©iot>. 
"33att. ffontana, ^areo HceeHini) befannt n>ar.] 

[**) ^uc^ bie ungarif<$e 9^ufif fennt ben lombarbifc^en ©ef^mad. Aufgabe einer 
Gpe3ialunterfud)ung wäre, b^xx tnutmagtidjen 3xifammen^ang biefer brei Wirten beöfetben 
anfsnbetfen.] 

16 



242 XVni. ibauptftüd 

ober x>ielme£r bur<$ Verbannung beS ©uten unb ©efälligen fo biefelbe £at, &on 
allen anhztn gan§ unb gar abgegangen, ©eSwegen §at and) feine Sompofition 
ntdjt, mit ber t>orertoä£nten, ein glei<$eS 6d)tdfal erhalten. (?S ftnb in ber* 
feiten faff nichts als trotfene, einfältige unb ganj gemeine ©ebanlen ansutreffen, 
tt>el<$e ft<$ allenfalls beffer sur tomifcljen, als jur ernftyaften gftuftf, fäitfen 
motten. 6ein (Spielen £at 8tt>ar, toeit eS etttmS neues p fetyn gefcfytenen, bfy 
benen, bie baS 3nftrument &erftel?en, triel Verttmnberung, bep anbem aber befto 
weniger ©efatten ertoetfet ilnb toeit er trieterle^ <2lrten unb 6<$tt>ierigfetten 
beS Vogenftric^eS erfunben [*)], tooburcf) fein Vortrag ftcfy t»on allen anbem 
unterf Reibet: fo ift eS benn aucfy gefcfyeljen, ba% öerfcfyiebene beutfcfye Violhriften, 
auS 9Ieugierigleit, aber nic^t titn gu i^rem Vorteile, unter feine Snformation 
geraden ftnb. Viele fjaben feine *2lrt §u fpieten angenommen unb beibehalten: 
einige hingegen |>aben biefelbe, toeit fie na<$»[311]$ero burcfy bie gute 6ingart 
eines beffern überzeuget toorben, ttrieber tterlaffen. ^Cßie aber nur fetten eine 
(Sopety bem Hrbilbe gang <i£nlt<$ ttrirb, man aber oftmals in bem Scholaren ben 
Sfteifter su työren glaubet, unb jenen auf biefeS feine ilnloften ^u fcfyä$en pfleget: 
fo fcmn eS gar tt>o|>X fe$n, bo% einige t>on biefeS berühmten Viotimften feinen 
©polaren, bereu er feit geraumer 3eit eine jiemli^e $lnja$t gebogen, ein Vieles 
ju feinem 9^ac^t|>eite bepgetragen £aben. Sie Jjaben trielleidjt, enttoeber feine 
Qlrt ju fpieten nicfyt rec^t begriffen, ober fie ftnb burd? bie Verfcfyteben|>eit ber 
©emät^Sart verleitet toorben, biefelbe nocfy bijarrer ju machen, unb atfo benen, 
bie ttueber üon il;nen gelernet fyabm, in einer öiel öerfcfyltmmerten ©eftalt bep* 
anbringen, ^olgtic^) ift n>of>I ju glauben, baf er felbft Vieles, an llnterfd^ie-- 
benen, bie ft<$ rühmen in feinem ©ef^macfe $u fpieten, nicfyt gut Reiften toürbe [**)]. 
(£3 ift belegen einem jeben jungen 9KufttuS an^urat^en, nirf)t e£er na<$ Statten &u 
get;en, als big er baS ©ute t>om 93öfen in ber 9Ruftf §u unterf^eiben toeiS: benn wer 
nid)t t)on muftfalifcljer < 30ßiffenfc^aft etmaS mit hinein bringt, ber bringt audj, jumal 

[*) <2öo|>l eine Slnftrielung auf Martinis bogentedmifc^e ©tubie „L'art de Parchet" 
(Variationen über eine <£orelttf$e ®at>otte).] 

[**) ©ie Säuberung, bie Quan$ im vorigen § *>on Vfoalbt, in btefem § *>on Martini 
entwirft, fd>eint ni<$t frei &on 'parteilid&teit <£r felbft leugnet an anberer Stelle (öelbft« 
biograpiie in 9)?arpurgS £>ift.»Irit. 33eitr. I, 205) ben beftimmenben <£inffofj ni^t, ben 
93iöalbiS geniale Violittfonserte i. 3- 1714 auf u)n übten, ©ie ^ritif über Sartim — 
benn nur für biefen treffen bie Bemerkungen su — befrembet um fo me&r, als über beffen 
Bebeutung fc^on um 1752 bie Sitten gef^loffen waren, ©a 93i»albiS ^onjerte t>tn Statut 
i^reS 6c^öpferS überbauerten unb no<$ lange na^ beffen Sobe bie <£raeugmffe anberer auS 
bem ftelbe fc^lugen, mag Qu. nic^t gan& o^ne 9Zeib ft^ feiner erinnert fcaben. ®ie Ab- 
neigung gegen Sartim entfprang t^ieUeic^t berfelben Slrfac^e; freiließ fyattt Qu. fc^on im 
3a$re 1723 (6elbftbiogra^^ie, a. a. O. 6. 221) über tyn geurteilt „fein Vortrag toar ni$t 
rü^renb unb fein ©ef^mad nia)t ebel, »ielme^r ber guten Singart ganlj entgegen/' QBie 
bem auc§ gewefen, Qu. benu^t t>xt (Gelegenheit, eine ßanje für baS £)eutf$tum ein- 
äulegen unb feine ßefer »or frititlofer 9lac^äffung beS gremblänbifc^en ju toamen: ein 
Vorgehen, baS u)m banfbar gutgefc&rieben fei] 



2öie ein 9ttufifu$ «nb eine Sttufit" $u beurteilen fett. 243 

i$iger 3eit, fdjmerlidj ttm£ mit &erau$. <2in ange^enber SftufxtuS mu# ferner, in StaUen, 
immer me$r von Sängern, al$ öon 3nfrrumentiffen, gu profttiren fu^en. QDBen aber 
nityt etoan baö 93orurt£eit »erteitef, ber finbet nunme^ro ba§, toa$ er fonft in Statten 
«nb in ftvantvtity ft# fyattt a« 9tut$en machen fimnen, in SJeutfd&tcmb. 

60. §. 3<$ |>a6e bie &or|rin ernannten bepben berühmten, unb, in me£r 
als einer Betrachtung, trafen Männer nid)t angefügt, um tbre 93erbienfte au 
fd)ä$en, ober bat, tt>a$ fte toixWfy ®ute$ f>aben, au serftemern. 3d) &abe eg 
nur getrau, um einiger mafen bm ilrfprung au entbeden, »o$er e£ gefommen 
ift, bafj bie heutigen tt>etfd)en Snftrumentiften, befonberg aber bie Biotiniften, 
me£rentf>eit$ einen befonbern, ber guten 6ingart fo fe&r entgegen fte^enben 
©ef^mad angenommen fyabm: ba bo<% ber tt>a£re unb gute ©eftfjmad altgemein 
fepn follte. (Einigen unter tywn fehlet e* a^ar toeber an ber (Etfemttnifj, nocl) 
an ber (fmpfinbung beffen, tt>a$ §um guten Singen gehöret: bennoef) fudjen fte 
folcl)e$ auf i^ren 3nftrumenten nie^t naci>aua|>men: fonbern, n>a$ fie ify btn 
Sängern für toaS 93orfeep$e* Ratten, ba$ pnben fte auf bem 3nftrumente au 
f$le$t, unb ju gering. Sie loben btn Sänger, n>enn er beutlid) unb au£- 
brücJenb fingt, fte hingegen ftnben if für gut, toenn fte auf bem 3nftrumente 
bunfel unb ofme ^uSbrutf firielen. Sie bittigen an bem Sänger einen mobeften 
unb fd>mei<$etnben Vortrag, ber irrige hingegen [312] ift uritb unb fred). 9JZa^et 
ber Sänger, im Slbagio, ni(^t mef>r < 2lu$aierungen, afö e£ bie Sacf)e leibet, fo 
fagen fte, er finge meifter^aft: fte hingegen überhäufen bat «2lbagio mit fo sielen 
Sanieren unb toilben fiäufen, bo$ man e$ ef>er für ein f$era|>afte$ ^lllegro 
galten follte, unb bie <£igenfd)aften beS <2lbagio faft gar nid^t me£r baran toa&r- 
nehmen fann. 

61. §. 9ftan ftnbet aud), ba% bie i^igen itattäntfdjen 93ioliniften faft alle 
in einerlei ©efd>made fpielen: tt>oburd> fte ft<$ aber &on tyren <23orfa|>ren ntd)t 
auf bie befte «2lrt unterf<$eiben. ©er «Sogenftrid), toelc^er auf biefem 3nftru= 
mente, nrieber 3ungenftof auf «SlaSinftrumenten, bie fieb^aftigfeit ber muftfatif djen 
5lu$fara<$e nrirfen mufc, bienet tynen öftere nur, toie ber <33tafeba« bep einer 
Satfpfeife, ba& 3nftrument auf eine te^ernbe Slrt Itingenb au machen. Sie 
fudjen bie größte Sd^ön^eit ba, n>o fte niefct w ftnben ift, nämli^ ht ber 
äu^erften Äö^e, am €nbe b& @riprete^[*)], fte ftettern barauf immer in bie 
Äitye, toie bie SKonbfüc^tigen auf ben ©ädjern ^erum, unb öerabfäumen barüber 
ba$ toa^re Sd)i5ne, ba$ ift, fte berauben ba§ 3nftrument me^rent^eilS feiner 
©rat>ität unb ^nmut^, toetc^e bie bi(fen Seiten au urirfen fä^ig ftnb. ©a^ 
Qlbagio frielen fte au ftt%, unb ba* 2ltlegro au Wläfrig. Sie Ratten e* im 
^llegro für toa$ befouber*, eine SKenge 9loten in einem 93ogenftricf)e ^erau* 
fägen. ©ie dritter fc^tagen fte enttt>eber au gef3>tt>inb unb aittemb, ober too^l 
gar in ber Serae, toel^e* fte bo^> be^ ben Sängern für einen gelter Ratten. 

[*)] 93gl. Cocatetti^ „ea^ricci^.] 

16* 



244 xvm - &auptP tf - 

mt einem <2Borte, ibr Vortrag unb i$re <Urt ju fpieten ift fo Raffen, ba$ 
TmZ alfwoUte ein gefeilter 35iolinift, einen g«n 5 «toaterifc^en auf etne 
mSL Zt, »orftetlen ©iejenige« 3u*orer, welche oon gutem ©efjmade 
fmb Ä - te wegen öfter* «ue <Kfi»e «nwenben, «m b«* ««*« 8« ^ergen. 
Senn bergige« neumobif«,e itatiänif^e Winifte« «ifo, in entern &*** 
«Ig 9lit,ieniften gebrauchet werben fotten, fo »erberben fte gemetntgltcl, mebr, 

als fte ©ute« ftiften. 
cffian tonnte belegen gewiffe beriete Or#efter, beten <2JlitgKeber tnit gtattanern »er- 
S<Ä, S le^f'iele anfübte«. 9Kan tan« in benfeö-e« bemerlen, *«* »^ «*»«» 
rinTbTibnen f onft nngewobnte, «norb«u«g, ober ««gteiö)er *ortrag oerfpüret wirb, 
Xe meJreWe«* «on einem o 9 ne Otogen «nb Ob«« feielenben »er berrujr* 
Säte nun oüLfoI» ei« 9 «fe* Qrd>efter b«* »«glü* treffen, ^ einen fo^e« 
Statiäner wie icb «m biet befcbrieben b«be, angeffibret 8 « werben: fo W* man :Wg 
riZlmmlw gewarten, d* Da» [313] baffetbe feinen »orige» ©tan S gä«jli<b 
S Ln S. 5 Ä i t <*T» W Orieftet, wet*e* baoo« befreit bleibt 3« 
oerwunbern aber ift, baf, fotd>e itatiänifcbe 3«fte«me«tifte«, »on benen b«er b,e gfcbe 
nSS beö foUen W«erft«nbigen Setfau «nb &&> finben »o« wel $en .man 
eS araHerwenigften *tS*m foBte, be 9 foid,e« Sontünftfern oere« ©nW «nb 
«erdlter ©efcbmatf, über bergigen bijarre «0 p fbieten, M» wert ergaben ift 
SwS Te einige« ©efaue» öaran fmbe« ahmten. Oftmol* gefegt e* wobt nur a«* 
SJerfteUang, ober wer wei* au* wa« «oeb für anbern Stefanen. 

62 s. Snbergompofiftonberi^genitattömfc^enSnftrumcnfiften, 
wenige ba»on abgenommen, ftnbet man mebr Srecbbeit unb verworrene ©ebanten, 
al* «Bettelten»*, Vernunft, unb Srbnung. 6ie fueben 8 war «tel _ Statt* 5« 
erftnben fte verfallen aber baburd> in »iete niebertraebttge »rfjmm* ©ange, 
bie mit bem, m$ fte noeb ©ute* untermitoe«, wenig f^WW**&* 
bringen nf*t mebr fofafte rübrenbe SMobieen »or dtt ebebem. 3»re ©runb* 
frimmen ftnb weber »räcbtig noeb melobifcb, unb baben fernen fonberltcben 
3ufammenbang mit ber &**&*«*. 3n ibren TOetfttmmen ^ finUt man 
meber Arbeit, noef) ttwa* gewagte«, fonbern nur etne «^ *""£ ^* 
in ibren 6oto fßnnen fte einen «Saf, ber pweiten einige ^Wfr**WW* 
machet, niebt au«fte^en. 6ie lieben e* »ietmebr, wenn ber «Sa^ fem troden 
ein^ergebt, nur feiten anfcbiägt, ober immer «f *^*|~ **g*fS 
geben »or, ba^ ber doncertift babureb am wenigften bebectet werbe 6 te febamen 

ftcb aber »ietleicbt m f«ß«, W fr-** ®® mt0 ^ m au ^ ^°^ e **!*?' 
ober fe^en taffen, bamit ber, ber Äarmonie unb ibrer Regeln gan 8 unlunbtge 

cßiJofe, «iebr fo oft ©efabr taufe, feine MM« ?.""+* JS?? 

ganzen ^erbatt ber 6ac^e, unb auf ba« Metrum, geben fte wentg ^tung. 
3n ber Wbulation nebmen fte ftcb »» »iel gre 9 be«t. f* ^ *•** 
ßeibenfebaften fo auo ä ubrücten unb ju »ermifeben, Wte e« tn ber Stngmuftr 
üblieb ift. gj» einem <2Borte, fte baben ben ©efebmad U)rer gjorfabren, m 
ber 3nftrumentatmufir, »war »eränbert, aber niebt »erbeffert. 



*3 



<2Bte ein 9Kuftfu3 unb «tae gjtufit §u beurteilen fet). 245 

63. §. 3n ber Q3ocatcompofifion ber heutigen ^aftonaftfattätter 
|p bie 9lotte ber Singftimme ba« <33efte. hierauf ttenben fte btn metften steift, 
fte mad>en fte bem 6änger bequem, unb bringen barinne nid)t feiten ar-[314]ttge 
Einfälle unb 'ituSbrüde an. Oefter« aber verfallen fte aud) babeip in ba$ 
9tteberträcf)tige unb ©emeine. <2ßa« bie «Begleitung ber 3nftrumente betrifft, 
fo untertreibet fte ftd) n\6)t iriet öon ber im vorigen §. betriebenen 3nftru- 
mentalcompofttion. ©a« 9litorneil ift metftent^ett« fe$r föUäft, unb fc^eint 
manchmal gar nid)t p biefer Sirie ju gehören, ©a« richtige 1«P P 
aud) fe£r öfter«. CS ift p bebauern, ba£ bie meiften ber t^igen italiänif^en 
Öperncomponiften, beren einigen man ba« gute Naturell ntd)t abftrec^en tonn, 
h u frü^eitig, e^e fte nod) toa« fcon ben Regeln ber Se^funft öerfte^en, für 
ba« Sweater §u ^reiben anfangen, i>a% fte ftcf> nadjgeljenbS trl$t mefcr, ttrie 
i^re <33orfa£ren traten, bie 3eit nehmen, bie Se^unft au$ bem ©runbe ju 
ftubiren, baj? fte t>aUt) nackig fmb, unb me^rent^eil« §u gefc^ttinb arbeiten. 
3$ getrauete mir eben nid)t ba« ©cgent^eit ju erwifen, teemt jemanb be- 
haupten tuottte, ba% fte t>teUeid>t no<$ fc^te^ter fe^n würben, sofern md)t ein 
unb ber anbere grofte Somponift unter tyren norbifd>en SKadjbam, abfonberttd) 
ein berühmter 9Kann[*)], bem fte ben wahren guten unb vernünftigen ©efd^mad 
in ber Singmuftf faft abgetreten p tjaben fd)einen, iljnen nod>, burd) feine 
häufig in 3tatien aufgeführten eingfpiete, mit guten (Simpeln vorgienge, unb 
baburc^ öfter« ©etegen^eit gäbe, ftcf> mit feinen Gebern au«sufd)mü<fen. 60 
triet ift gett>i#, t>a% bie ^nja^t ber guten ingebo^rnen lt>elfc£>en domponiften, 
t>or me$r unb meniger at« stpan^ig 3a$ren, bur$ ba#, nifyt gar lange nad) 
einanber erfolgte, frü^eittge <Hbfterben breper jungen (Eomponiften, tt>etd>e einen 
^ervorragenben ©eift fpüren tieften, unb grofte Hoffnung gaben, aber alte bre$ 
nid)t völlig pr 9leife gekommen fmb, einen ftarfen <33ertuft erlitten $at ©iefe 
untergeben ft<$, in tyrer 2lrt w benfen, mertti^ von einanber. ©er eine 
$ief : Capelli [**)]. ©iefer tt>ar jum <£räd)tigen, feurigen unb ^remben auf- 
gelegt, ©er anbere tt>ar: PergoleFe [***)]. ©iefer fyattt tum Sc^metc^elnben, 
Särtti^en unb <2lngene£men viel Naturell, unb begeigte babe^ viel guten bitten 
8 ur arbeitfamen Sompofttion. ©er britte ffefs Vinci [f)]. <Sr war lebhaft, 
retd^ an (Srftnbung, angenehm, natürlich, unb öfter« fe|>r gtüdtic^ im «StuS« 
brude: n>e«toegen er au<$ in furjer Seit, bur$ nidjt alt^uöiete Singftriete, in 
ganj 3tatien, f(^on einen allgemeinen «epfalt eworben fyattt. 9tur f^ien fym 



f) 3o|>. Sibotp^ ibaffe.] 

n ©ioöanni 9^aria Gapetli, ßitner (QueUentesüon) üerjei^net 7 Opern.] 
[***) ©iot). 93att ^ergotefi (1710—1736), ber ^omponifi ber „Serva padrona."] 
[f) ßeonarbo Q3inci (1690—1732) Slomponift öon über 30 Opern, bie Qu. W%1 
nur aum fletnften ^eite betannt gewefen pnb.] 



Ä 



246 XVIII. Souptpüd. 

bie ©ebutb, unb bie £uft aur forgfältigen 2lu$befferung feiner ©ebanfen, etoaö 
ju festen. 

[315] 64. §. ilebrigenS, tvenn man bie <5e^ter ber Somponiften, von bem, 
tvaä fte ttrirlti<$ ®utt$ f>aben, abfonbert, fo fann man bm 3tatiänern überhaupt, 
bie @efd)ifti$feit im Spielen, bie ©njtd>t in bie SD'iuftf, bie reiche ©cfinbung ferner ! 

©ebanfen, unb bafj fte e$ im Singen p einer großem Q3ott!ommen^eit gebracht 
£aben, alß irgenb eine anbete 9iation, nidjt abfpre<$en. S^ur Stfyabe, ba% feit i 

einiger 3eit, bie meiffen i^rer Snftrumentiften altjutveit von bem ©efcfymade be$ 
Smgen# abgegangen fmb: tvoburd) fie nityt nur 93iete, bie tljmen nac^ua^men 
fudjen, »erführen, fonbern aud> fo gar manchen Sanger verleiten, bie gute 
Singart ju verlaffen. <£$ ift ba|>er nid)t ofme ©runb $u befürdljten, ba$ ber 
gute ©efcfymatf in ber ^JZuftf, tveldjen bie 3tattäner eljebem vor hm meiften 
93ßHern vorauf gehabt |>aben, fid) bety i^nen na$ unb nad£> lieber verlieren, 
unb anbern gänjlid) ju Steile »erben Wnne. (finige vernünftige, unb von 
93orurt^eiten befreite ttalicmifefye SOfoftfverftänbige gefte^en btefeS fetbft ju. 
Sie motten nod) barju behaupten, bafj fold^eS, fotvo|)l in ^nfe^ung ber dorn- I 

pojttton, als ber *2lrt $u fpielen, bereite gefd)e|>en fety. ®em fety aber ttrie i£m J 

tvolle, fo bleibt ben 3taliänem boefy bie gute Singart, tvelc^e jtd) aud) fogar 
genriffermafjen bis auf i^re ©onbelnfü^rer ausbreitet, vor aßen anbern Göttern 
nod) eigen. 

65. §. <Be^ ben ^remgofen fmbet p«| baS @egentf>etl von bem, tvaS 
id) von ben 3tatiänern gefaget fyabt. ©enn fo ttrie bie 3tatiäner in ber Sftuftt 
faft ju veranberti$ ftnb, fo ftnb bie Srangofen barinne ju beftänbig, unb ju 

fftavif<$. Sie binben ftcfy attjufe^r an genriffe (Styaraftere, tvetdje stvar zum J 

Sänge unb p StinHiebern, aber nidjt gu ernft^aftern Stütfen t?ort^ci(^aft ftnb: 

tveStvegen audf) baß 9taue be$ i^nen öftere alt ju fe^n fd)etnt. ®ie 3ttft?U* 

metttiften pflegen ftd) gtvar mit ^uSfüfjrung großer Sdjtvierigfeiten, unb mit 

vielen 'SluSsierungen im ^Ibagio, ntcfyt tveit einptaffen, boefy tragen fte i£re Sad)e 

mit vieler ©eutltd)feit unb 9?einigleit vor: tvomit fte %um tvenigften bie guten I 

©ebanfen beS (Eomponiften ntd)t verberben. <2Begen i^reS beuttid^en Vortrages, ■ 

ftnb fte in einem Örd^efter, <d$ 9^ipieniften, beffer ju gebrauchen, at$ bie 3tatiäner. 

(£S ift ba|)er einem jeben ange|)enben 3nftrumentiften, abfonbertic^ Clavieriften 

ju ratzen, ba# er mit ber fransi5ftfd)en 2lrt ju fpielen ben Anfang ma<$e. 

(fr tvirb baburd^ nic^t altein, bie vorgetriebenen 9^oten, unb bie Keinen $lu$* j 

äierungen, reinlich unb beutlid) vortragen lernen, fonbern aud), mit ber [316] 

3eit, ben franjöjtfd)en Stimmer mit ber italiänifdjen S^mei^ele^ ju vermif^en, 

fä|)ig tverben, uxü> eine um fo viel gefälligere <2lrt ju fpielen erlangen. 

66. §. ©ie fran^öfif^e $lrt gu fingen ift fo befdjaffen, ba% babutö) 
niti)t, tvie bfy ben 3taliänem, gro^e Q3irtuofen fönnen gebogen tverben. Sie 
erf(i)öpfet baß Vermögen ber menf^tic^en Stimme be$ Weitem nitfyt 3|>re 






2öie ein ^uftfuö unb eine 9ttuftf au beurteilen ftf, 247 

Stiert ftnb me^r rebenb als fingenb. 6ie erfobem faft me^r «Jertigfeit ber 
3unge, im Sprechen ber QBörter, als ©efcfyiftid)feit ber kttyi* ©er 3ufa$ ber 
SDZanieren ttrirb t>on bem (Eomponiften t>orgef<$rieben: folglich fjaben bie SluS- 
fü^rer nid)t nöt^tg bie Harmonie §u t>erfte|>en. ©ie ^affagten finb be$ i^nen 
im Singen faff gar mcfyt üblidj: n>cit jte vorgeben ba$ i^re Sprache biefelben 
nicfyt ertaube, ©te Strien »erben mejjrent^ettS, wegen langete ber guten 
Sänger, fo gefe§et, ba% jte ein jeber, wer nur will, nad^ftngen fann: welches 
Zwar folgen £ieb£abem ber SKuftf, bie nid)t iriel baoon &erfte|>ett, ein 93er- 
gnügen machet, ben Sängern aber feinen fonberlidjen Vorzug giebt. ©3 bleibt 
tyren Sängern nichts befonbereS eigen, att bie gute Slctton, welche fte ttor anbern 
QJöHern »orauS traben. 

67. §. 3n ber Sompofitiott »erfahren bie ^rartgofen feljr gewiffentyaft. 
3n tyren j?ird)enmuftfen finbet man jtt>ar me$r ^Scfc^eiben^eif, aber auefy mtyv 
Sroden&ett, als in ben ttaliänifd>en. Sie lieben bie natürlichen ©änge metjr, 
at$ bie djromatifdjen. 3n ber Sittetobie finb fte treuherziger cXi bie 3taliäner, 
benn man lann bie <5otge ber ©ebanfen faft immer erraten: an ©rfinbungen 
aber finb jte ntd)t fo reiefy aU jene. Sie fe^en me^r auf ben SluSbru«* ber 
SBörter, ate auf einen rei§enben ober fcfymeicfyetnben ©efang. So wie bie 3ta» 
tiäner bie Soweit ber Compojttion, größten S^eilS, nur in ber Äauptftimme 
anzubringen fucfyen, woburefy jtoar bie ©runbftimme bann unb wann Joerabfäumet 
ttrirb: fo legen hingegen bie ^ranjofen meistenteils me|>r Schimmer in bie ©runb- 
ftimme, als in bie fiauptfttmme. 3£r Slccompagnement ift me^r ftmpet, als 
ergaben. 3£r 9*ecttatit> fingt ju met, bie Strien hingegen zu wenig: weswegen 
man in einer Oper nxä)t allemal erraten fann, ob man ein 9?ecitatto ober ein 
Slriofo £öre.[*)] Sofern auf ein franz3jtf<$e$ 9*ecitatio eine zärtliche Slrie folget, 
wirb man ganz unb gar eingefdjläfert, unb vertieret alte Slufmerlfamlett: ba 
boty ber ©ntzwetf einer Oper [317] erfobert, bafj bie 3u£örer beftänbig mit 
einer angenehmen Slbwe<$fetuttg unterhalten, unb immer au# einer £eibenfd)aft 
in bie anbere serfeijet, ja ba§ bie fieibenf^aften felbft bisweilen auf einen 
gewtffen ©rab ber Stärfe getrieben werben, unb tt)ieber abnehmen foßen. ©iefeS 
lann aber ber ®t<$ter, o£ne «Be^ütfe beS ©omponiften, nid)t allein beweri- 
fteöigen. ©o<$ waS ben franzßftfcfyen Opern, wegen beS geringen SlnterfcljiebS, 
ber ft<$ jwifcfyen 'Strien unb 9?ecttatii>en finbet, an ber £eb|>aftigfett abgebt, baß 
erfe^en bie (tyoxt unb Sänze. SBenn man bm ganzen 3ufammen^ang einer 
franzöjtf^en Oper genau betrautet, fo foltte man faft glauben, als wenn bie 
aUzu(tynlt<$e 93ermifd)Uttg ber Strien unb 9?ecitattoe mit ffteifj fo eingeri^tet 



[*) 6. baju bie „93etra^tungen über bie Oper* be$ Remond de St. Mard, überfe^f 
unb mit za^ltei^en, ^äufig auf Quan^ ^Sejug ne^tnenben 2lntnerftmgen öerfe^en t>on 
3o^). QOßil^. Äertet (1757).] 






248 XVIII. Äouptftüd. 

Würbe, um bie ©&6re unb %$Mtit befto me^r ju ergeben. Slngea^tet nun btefe, 
fowo^l aU bic Musterungen be$ Sd^aupta^eS, nur il# ein 9*ebenwetf einer 
Oper anaufe^en finb, wie benn abfonberltd) bie C^öre in bm italiänifc^en Opern 
wenig geartet werben: fo ftnb fte nichts befto weniger faft bie größte 3ierbe 
ber franaöftfd>en Singfpiele. <£§ ift unftreittg, ba% bie SRufil ber ^ansofen, 
fict>, gu bem in feiner 93ollIommen$eit betrachteten Sangen, triel beffer fd)i<Jet, 
at$ feine anbere: t>a hingegen bie ttaliänifd)e pm Singen unb Spielen eine 
beffere <2Birlung t^ut, als sunt Sanjen. ©oc$ ift aud) nid)t ganj ju täugnen, 
ba£ man in ber fransi5ftf^en 3nftrumentatmuftf, öorne^mfid) aber in Üjren 
cfyaralteriftreten Stüden, wegen beS an einanber ^angenben unb concerttrenben 
©efangeS, viele gefällige unb annehmliche ©ebanlen antrifft, bie ft<$, im 
ttaliänifcfyen ©efcfymade, mit prächtigen unb erhabenen ©ängen fef)r wo|)t t>er-- 
mtfe^en taffen. 

68. §. <2ltle itatiänifc^en Opern finb, wenn man fte im ©anjen betrautet, 
aud) nid)t lauter SWeifterftüde. Öbgleid) i$re vome^mften Opernbtcfyter, ftd), 
abfonberlid) feit bem anfange biefeg 3a£rl?uttbert$, alte 'Sftüfje gegeben $aben, 
bie Singfpiele von vielen MuSfcfyweifungen §u reinigen, unb bem vernünftigen 
©efdjmade be$ franjöftfdjen $rag5bient£eaterg, fo viel als möglid) ift, ä^ntid) 
ju machen, ob man wo^l in 3talien eine Stenge vollkommen fd)öner Opern- 
poefteen aufguwetfen §at: t>a hingegen bie ^an^ofen, in i^ren meiften Opern, 
noefy immer an ben fabeln Heben, unb an einer SJlenge unnatürtidjer unb 
abenteuerlicher QSorfteltungen ftd) beluftigen: fo werben bod> nod) in Stauen, 
fowofrt burd? manche ^oeten, als burefy bie (Somponiften unb Sänger, grofce 
^e^ter begangen, ©te ^oeten verbinben 5. (E. bie Mrien nid>t allemal mit ber 
[318] &auptfad)e: fo bafj mandje 2lrie, bie mit bem Q3origen nid)t ben gehörigen 
3ufammenf)ang fyat, nur von o£ngefä|>r eingefd)oben ju fe$n fcfyeint. 3Ratu$mai 
mag eg einigen ©intern wo^t an ber Beurteilung ober an ber (fmpftnbung 
gefettet £aben: guweilen aber fann e£ fe^n, ba§ fte bem Gomponiften ju ©ef allen, 
unb nad) gewiffen 92ebenabftd)ten $aben biegten muffen: wenn nämtt$ bie ^orte 
niebt bequem in bie 3ftufif §u bringen gewefen ftnb, woran ber °Poet Scfyulb 
ift, ober wenn etwan ber (Eomponift eine *2lrie fd)on fertig §at, beren «SEßorte 
ftd) nid)t an ben Ort, wo fte ^infommen fotl, fcf)iden, unb ber ©icfyter atfo eine 
^arobie barüber machen mu§, weld)e fre^tid) ntd)t allemal sunt beften gerätlj. 
93i$weilen muffen ftd) bie ©ic^ter nur bemühen, 9£orte mit folgen Selbft* 
lautem auSfünbig ju machen, bie ftd) gut ju ^affagien fd)iden: woburd) benn, 
wenn bie ©tc^ter nid)t reid) an 93eränberung ber ©ebanfen unb ber Qlu^brürfe 
ftnb, bem 3ufammen|)attge ber Sad)e, unb ber Sd)5nf>eit ber ^oefie, frepli^ 
ni(^t aCegeit geraden wirb. ©0$ wirb man wa^rne^men, ba§ bie großen 
Opernbic^ter, ben einzigen SKefaftafio aufgenommen, gemeiniglich be^ Weitem 
nid)t fo bequeme Mrien gur SDhtftf machen, at^ bie mittelmäf igen, ©tefe muffen 



gßie-ein gjtofttti« unb eine 9Kufif §u beurteilen fet>. 249 

ftd> bem (Eomponiften mfy bequemen, toenn fie anberg fortlommen motten: jene 
aber motten ftd), aud) öfter« nie^t einmal in billigen unb notfwenbigen StüdEen, 
aum g3ort^cüe ber flp, son tf>rer öerme^nten £öf>e $erab taffen: ob e$ 
gleich gar n>o$t mögli* ift, ba^ bie ^oefte unb gjiuftt tfd) mit einanber fo 
vereinigen fömten, bafj leine babety p furj fomme, toie nur nod) erft füralid), 
in einem eigenen beulen QBerfe: »Ott ber mnftfatifdjetl ^Oejfc, mit be« 
fonberer ©rünbticfyfeit ift gegeiget korben. [*)] 

69. §. ®ie ^ranjofen legen bm 3taliänem, md£)t ganj unb gar o|me 
©runb, aur £aft, bafj fte in ben Qlrien, ofme ünterfrf)ieb, p rnet ^affagien an- 
bringen. <£$ ift 5tt>ar xoofyt, ba% tt>enn e£ ber 6inn ber QOBorte erlaubet, unb 
ber Sänger bie ffä$ig!ett beftft, <£affagien lebhaft, egal, runb, unb beuttid) 
tyerauS §u bringen, bie ^affagien eine auSne^menbe 3ierbe im 6ingen ftnb. 
m ift aber au^ ni^t §u läugnen, ba§ bie3tatiäner gerinne breiten ju n>eit 
ge|>en, unb toeber einen ünterfdjieb ber SBorte, noefy ber Sänger mad&en, fonbern 
nur me^rent^ettS ber ^ergebrad^ten ©ett>ofm|>ett, o|me Beurteilung, nadjge^en. 
©ie ^affagien mögen tx>o|>l SlnfangS, einigen guten Sängern §u ©efalten, fo 
häufig eingefügt Sorben fe^n, um bie ©ef<$i«ic^eit i^rer Äe|>le au a^S™. 
<£§ ift [319] aber na<$fjer ein ^tSbraud) barauS ertoa<$fen, fo ba$ man glaubet, 
eine «Slrie o^ne ^affagien fe$ nid^t f<$ön, ober ein Sänger ftnge ni$t gut, 
ober tauge gar nichts, n>enn er nic^t au<$ gteid), tote ein 3nftrumentift, otele 
fdjtoere ^affagien ju machen ttriffe: o^ne au bebenden, ob ber Sejt ^affagten 
ertaube, ober triebt <£§ ift abfonberlid) mct)tS ungereimter, ati toenn in einer 
fogenannten <2lctionarte, toorinn ein ^o^er ©rab beS Effects, er mag Itagenb 
ober roütenb fe$n, liegt, unb bie mef>r fyredjenb, at$ flngenb fe^n fottte, tnete 
°paffagien oortommen. ©iefe unterbrechen unb aermcfyten an biefem Orte ben 
ganaen ^luSbrudE ber Sae^e: au gefd)toeigen, bafj bergteid^en «Strien bep fielen 
Sängern unbrauchbar toerben. Sänger, toetdje bie ^ä^igfeit |>aben, ^affagien, 
mit oöttiger Stärfe unb o|me ^tfyUx ber Stimme, runb unb beutti<$ £erau$ 
au bringen, ftnb rar: ba hingegen iriete Sänger, o$ne biefe @ef<$iHi<$feit unb 
9*aturgabe S u beft^en, benno^) gut fe^n lönnen. e^e man au einer fiei^tigfeit 
in ben ^affagien gelanget, mu| ein großer Slei§ unb befonbere Hebung t>or£er 
ge^en. diejenigen Sänger aber, toet^en, ungea^tet atleS angetoenbeten ^lei^eö, 
bie 9latur boc^> biefe ßei^tigfeit »erfaget, bürften nur, anftatt ba% fte ft^, um 
bie SEKobe mit au ma<i>en, mit ^affagien martern, i^re 3eit auf etoa« beffer« 
tpenben, nämlicfy fc^madE^aft unb au^brädenb au fingen, tt>etd)e$ fonft öftere 
babe^ serfäumet tt)irb. ^u« ber übertriebenen £uft ^affagien au fingen, entfte^t 
aufy öfter« noc^ baß Hebet, bafj um einiger Sänger miEen, benen au^iber au 
fct>n bie 3?tugbeit nid)t aüemat erlaubet, bem <£omponiften, unb bem ©ic^ter, 

[*) <£t>r. ©ottfrieb Traufe, „Q3on ber muftfattfd>en ^oefie^, Berlin, 1752— 53.J 



250 XVIII. fcauptftüti 

bie fivfyfyät orbentlid) ju benfen benommen wirb, ©od) e$ f^eint, baf? i$o, 
ber an ben meiften Orten in SBetfdjtanb eingeriffene Mangel fertiger Sänger, 
ben ^affagien öfter! faft gar §u enge ©rönnen fetjen werbe. 

70. §. 2)er Hrfa<$en, warum ni<$t alle Opern in 3tatien vernünftig unb 
gut auSgefü^ret werben, fann e$ nocl) viel mehrere geben. Saugt votlenbS bie 
ganje (frfmbung unb StuSfüfjrung ber Oper, von Seiten beä ^oeten, ntd)t viel, 
benn metyt einmal alle Materien fmb ber SEKuftf bequem: fo fann e$ and) bem 
beften (Eomponiften fe^t fdjtagen, weil er felbft burd) bie ^oefte nid)t angefeuert 
wirb. SBenbete er auty alle feine Gräfte an, um etwas ®utt$ £eroor ju 
bringen, fo fann beffen ungea^tet feine ßompofition boety nid)t ben erwarteten 
QJe^fatt ermatten: weit bie Reiften, bisweilen au$ 3rrt$um, ben guten ober 
f$te<$ten (Srfotg einer Oper md)t bem ^oeten, fonbern bem (Somponiften allein 
jufd)reiben: [320] ob gleid) ber eine eben fo tnet als ber anbere beitragen mufi, 
wenn bie Oper, von Seiten ber 93erf affer, voltfommen fe^n foH. <Sme gute, 
unb burd) ben ®t<$ter wofrt ausgeführte Materie eines SmgfpietS, fann eine 
mittelmäßige 9EJiuftf ergeben: eine f$te$t abge^anbelte hingegen, fann »er- 
urfa^en, ba£ eine barüber fe|>r wo£l gefe$ete SKuftf, wenn man fte öftere $öret, 
93erbru£ unb lange <2Beile machet: befonberS wenn bie Sänger unb Slccom- 
pagniften bat 3tyrige mcfyt and) gehörig baju beitragen. 

71. §. ^enn aber ber ^oet eine gute Materie gewartet, unb fetbige 
naty alter möglichen QBa^rf^einti^feit au$gefü|)ret l>at, wenn er bie ©jaraftere 
ber aufgeführten Sperfonen wo£l von einanber untergeben, unb fotd^e, fo viel 
als m8gti$ ift, ben <5ä£igfeiten, bem Sitter, ben ©emütJjSnetgungen, unb ber 
©eftott ber Sänger gemäfj eingerichtet §at, wenn er einen jeben fo fprecfyen 
läfjt, wie es btm (Efmraftere, ben er »orftettet, juWramt, wenn bie 9ledtath>e 
nidjt gar ju weitläuftig, unb bie SBorte ber Strien md)t ju lang noefy ju $o$- 
trabenb ftnb, wenn in ben Slrien swar aufteilen einige, mit ber <3fluftf bequem 
nad^jumatenbe ©tei^nijfe, oorneljmtidj unb unumgänglich aber bie Sprache ber 
£eibenf<$aften, eingefügt worben, wenn bie £eibenfd)aften, fo wof)t an if>rer 
au* unb abne^menben Stärfe, di an if>rer 93erf<$ieben£eit, gef<i)ift mit einanber 
abwedeln, wenn bequeme 93erSarten au ben Strien erwählet worben ftnb, wenn 
auty auf bie jum Singen soraügtid) bequemen <2Bi>rter eine vernünftige Sibftdjt 
gerietet worben, bie ungef^iften aber nad) SÖiöglidjfeit »ermieben ftnb, wenn 
ferner ber domponift einen gereinigten ©efdjmacJ, unb ba$ Vermögen $at, bie 
£eibenfd?aften, ben Porten gemäf, mit ber SJiuftf au$aubrü<fen, wenn er einen 
jeben Sänger md) feiner Stärfe, nnb ofme ^art^e^lidjfeit eingefleibet $at, 
wenn er atteS in feinem gehörigen Sufammen^ange wo^l mit einanber »er-- 
bunben, baUq aber eine billige Äürae beobad^tet $at, wenn bie Sänger i^re 
9Men bem vorauftettenben S^araftere, unb ber Slbft^t be« Somponiften gerna^, 
mit (Srnft unb ©fer au^fü^ren, wenn bie Slccompagniften ber ^orf^rift btß 



QBie ein SKuftfuö unb eine 9fluft! gu beurteilen fe$. 251 

domponiften, unb tyrer ^fli^t naepommen, toemt enbltd) bie ^uSaierungen beS 
$£eaterS unb bie Ballette mit bem 3n£alte ber Oper tt>o|>i übereinftimmen: 
fo ift fein 3n>eifel, ba£ ni$t eine fotd)e ttaliänifdje, ober nad) itatiänif<$er 2lrt 
eingerichtete Oper, jebermann gefallen, unb für eines ber angene^mften Sd>au* 
fpiele gehalten werben fömte. 

[321] 72. §. hierüber aber fcmn toeber ein 3tatiäner, nod) ein granjofe, 
tt>enn er jumal niemals auS feinem ßanbe gekommen, unb nur immer einerlei *2lrt 
t>on 9)luftl gewönnet getoefen ift, ein rtd)tigeS Urzeit fällen, ©n jeber n>irb 
bie, tt>el<$e feiner ßanbeSart gemäft ift, für bie befte Ratten, unb bie anbere t>er* 
achten. (£S urirb \§n immer, enttoeber eine lange ©etooljn^eit, ober ein ein* 
gemurmeltes 93orurtt)eit t>er£inbern, baS ®utt beS ©egent|>eitS, unb baS Sd)le<$te 
feiner ^art^ ein^ufe^en. ©n britter hingegen, toenn er anberS (Einfielt 
unb (£rfenntnif? beft^et, unb unpart&epifdj ift, lann tyierbe^ ben ftcfyerften ^uS- 
f<$lag geben. 

73. §. 3n Statten ftttb meines SBiffenS niemals, lieber franäöftfd)e 
Opern bffenttid), nod) 5lrien ober anbere franjöfifc^e Singftütfe inSbefonbere 
aufgefüllt, nod) weniger franjöft^e Sänger ba|>in berufen Sorben. 3n 
<5ranfreid) hingegen $at man, jtoar feine italiämfd)e Oper öffentlich bod) 
aber italiänif^e ^rien, Goncerte, §rio, 6olo, u. b. m. inSbefonbere auf* 
gefü^ret, and) italiänifdje Sänger ba^in lommen taffen, unb unterhalten: 
mooon unter anbern baS italtänifcfye doncert an ber Sutllerie, unb t>erfd)iebene 
neuere 93orfälle 3eugnif* geben. 3n ©eutfcfylanb finb f<$on t>on mefyv als 
ftebenjig 3a£ren f>er, fotoo!j>l franjöjtfcfye als itatiänifc^e Opern, unb, t>on nod) 
langem 3eiten ^er, anbere, in be^bertety ©efdjmade verfertigte Sttuftlen, öffent* 
tid) unb inS befonbere aufgefÜ&ret toorben: fotgli<$ §at man fi<$ auefy italiänifcfjer 
unb franjöftfdjer Sänger baju bebienet. 9fod)bem es aber bie 3taliäner im 
©efc^matfe immer toeiter getrieben $aben, bie Sranjofen hingegen immer auf 
einer Stelle geblieben finb: fo §at man faft feit 20 ober 30 Sauren, auf er 
btn Balletten, toeber franjöjtfc^e Opern, nod) anbere »on biefer *2lrt 9)Zujt! in 
©eutfc^lanb me^r gehöret. Son>o|>t bie im italiänifcfyen ®efd)matfe gefegten 
Opern, als Suftrumentalftöde, finben nicfyt nur bis itjo in ganj ©eutfe^tanb, 
fonbern auefy in Spanien, ^ortugaH, (Englanb, ^ofrfen unb 9*u$lanb 93e9faU. 
©er S^anjofen üjre Spraye, Schriften, ^oefie, Sitten, ©ebräucfye, 9DZoben, 
unb n>aS fie fonft ©uteS vorzubringen ttriffen, urirb von ben meiften europäifc^en 
936Hern, befonberS aber von ben ©eutfdjen, geliebet: nur bie Wufxt nic^t me^r 
tt)ie e|>ebem, ausgenommen &on einigen jungen ßeuten, beren erfte QluSftu^t 
nad) ^ranfreic^ ge^t, unb bie aKba ettoan ein 3ttftrument ju [322] fpielen an» 
fangen, bie franjöfif^e SJiuftf aber bequemer ju fpielen finben, als bie itatiänifd)e. 

74. §. t^Ran $at fxti) jtpar feit etli^en unb jtoanjig 3a|>ren, infonber^eit 
in °pariS, bemühet, ben italiänifc^en ©ef^maef mit bem franaäjtfd&en 5U »er» 



252 X vin - Sxmptftücf. 

mifd)en.[*)l <Mein man fürtet »on bem guten Erfolge bi« Je no<b feine 
fonberlicben SKerfmaale. 3n ber Singmuftt entfd)ulbiget man ftct> tmme, : mtt 
ber Sprache, ba$ btefetbe a u ber italiänifcben Singarf ntd>t bequem fe». W 
letcbt aber bat eS nod) an gefeilten domponiften, unb guten Sängern geilet, 
um eS gehörig in« <2Berf 5 « [«*«• ^an & at i a wo6t üBet beB ^ e r *f m * 
länbtfcbe <2Borte, welche be» ben ffranjofen nocb weniger im drebtte fteben, mtt 
gutem (Erfolge im italiänifcben ©efc&macte SRuftf gefetset, warum fotlte «I benn 
nid)t aucb über bie fo febr beliebte fran 8 öftfct>e Spraye angeben? Um ben 
#ranjofen biefe« <33orurtbeil ju benebmen, foltte man burcb einen dompontften, 
ber in ber italiänifcben 9lrt eine fcböne Slrie ju machen »ei«, unb ber bte fran- 
8 öftfd)e Sprache fo gut, at« bie itatianifcbe »erftebt, über franjöftfcbe Söorte, 
bie nad) ber italiänifcben QBeife eingericbfet wären, eine Qlrie »erfertigen, unb 
biefetbe burcb einen guten italiänifcben Sänger, ber aber eine gute fransöftfd>e 
<2lu«fprad)e haben müfcte, abfingen laffen. 3>iefe« fönnte p einer ^robe bienen, 
ob bie Scbutb an ber Sprache, ober an ber SlnWiffenbeit ber franjöftfchen 
domponiften liege, wenn SOcuftr im italiänifcben ©efchmacJe ftcfa nicht jur fran- 
aöftfcben Sprache fehleren will. 

75. §. 3n ber 3nftrumentatmuftt möchten e« bie ^ranjofen nod) eher p 
ttmaS bringen, wenn fte fowobt in Slnfebung ber dompofttion, al« ber «Aus- 
führung, gute dufter »on anbern 93ö«ern bc» ftch hätten: ober wenn ihre 
domponiften, Sänger, unb 3nftrumentiften mehr Zktyt&tv wären, anbere fiänber 
ju hefuchen, um eine »ernünftige 93ermifchung im ©efebmacce p machen. So 
lange fte ftch aber noch »on 33orurt$eilen »or ihr eigene« fianb beberrfeben 
laffen, aud) feine regten echten unb guten Q3ettfptete »on 3tatiänern, ober anbern 
Nationen, bte fd>on in einem »ermifebeten ©efebmacce fe^en, ftngen ober fpielen, 
in ihrem ßanbe haben, fo lange fte ben »ermifebeten @efd)macf in anbern 
Sänbern nid>t ju erlangen fueben: werben fte entweber bleiben wie fte »or langen 
3eiten gewefen ftnb, ober e« ftebt m befürchten, ba£ fte, wegen beS Mangels 
guter dufter, wenn fie ja wa« neue« einführen wollen, au« ber attju-[323]gro^en 
STCobeftie, enbticb in eine befto größere gredjbeit »erfatlen, unb ben ihnen immer 
nod) eigen gewefenen netten unb heutigen 93ortrag, in eine bizarre unb bunfete 
<2lrt au fpielen »erwanbeln möd)ten. <23e» einer neuen unb fremben Sad)*, wettbet 
man mebrenfbettS niebt 3eit genug pr ilnterfucbung berfelben an, fonbern man 
fällt gemeinigiid) »on einem äufcerften dnbe auf« anbere: abfonbertieb wenn e« 



D 5r Souperin gab 1724 SnfrrumentattrioS unter bem Sitel „Les goüts reunis ou 
nouveaux Concerts, augraentes de l'apotheose de Corelli" berau« unb eröffnete fein 
„Concert instrumental" »om 3«b« 1725 mtt einer Ouuerrilre mit ber Ueberfd)^ „Apollon 
persuade Lulli et Corelli que la reunion des goüts francais et Italien (!) dort faire la per- 
feefion de la Musique."] 






<2ßie ein SKufttuS unt> eine 3Rufi£ ä« beurteilen fet?. 253 

auf bie <2ßabt junger Statt anfömmt, welcbe burcb alles, wo« nur neu ift, »et, 

fctenbet werben lönnen. ' 

76 § SBottte man enblicb bie italiättifcbe unb fransoftfdje <?£attonal- 
muftf wenn man jebe »on ber beften Seite betrachtet, in ber Äürje cbarafteriftren, 
unb ben Sinterfcbieb be$ ©efcbmacteS gegen einanber galten, fo mürbe biefe <23er. 
gteicbung, meines <£racbten$, obngefabr atfo ausfallen: 

€>ie 3fatiätier ftnb in ber SotnpofxflOn uneingefcbränfet, pracbttg, leb- 
haft, auSbrütfenb, tiefftnnig, erbaben in ber ©enfart, ttwaö bizarr, fre», »er- 
megen, frecb, auSfcbwetfenb, im <%lttmm juweiten nacbläfftg, fte finb aber aud> 
ftngenb, fcbmeicbetnb, äärtticb, rübrenb, unb reicb an (Srfinbung. 6ie fcbreiben 
mebr für Kenner aU für fitebbaber. ©ie ^ransofcit ftnb in ber Sompoflfton 
ä»ar tebbaft, auSbrücfenb, natürlich bem publicum gefällig unb begreiflieb, unb 
richtiger im Metrum als jene, fte ftnb aber Weber tiefftnnig nocb fübn, fonbem 
febr eingefcbränfct, fEla»ifcb, ftcb felbft immer äbnltcb, niebrig in ber ©enfart, 
trotfen an grfmbung, fte wurmen bie ©ebanfen tbrer «orfabren immer wieber 
auf, unb fcf>reiben mebr für ßiebbaber als für Kenner. 

©ie italiänifc^e (Singen* ift tiefftnnig, unb tünftficb, fte rübret, unb 
fe$et sugteici) in Q3erwunberung, fte befdjäftiget ben muftfolifcben <23erftanb, fte 
ift gefäüig, retjenb, auSbrfic&nb, reicb im ©efcbmatfe unb 93ortrage, unb »er- 
fe^et ben 3ubörer, auf eine angenehme Slrt, auS einer ßeibenfc^aft in bie anbere. 
©ie fcansöfif^e 6ingatt ift mebr ftmpel als fiinftlicb, mebr f»retf>enb als 
ftngenb, im QluSbrucfe ber ßeibenfcbaften, unb in ber Stimme, mebr übertrieben 
al$ natürlich im ©efcbmad e unb im Vortrage ift fte arm, unb ftcb/ felbft immer 
äbnlicb, fte ift mebr für ßiebbaber als für SETCuftfoerftänbige, fte fcbtcfet ftcb 
beffer ju Srtntttebern als ju ernftbaften Strien, unb beluftiget jwar bie Sinne, 
ben muftfalifcben <23erftanb aber läftt fte ganj müfig. [324] 

©ie itattämfdje 9itt SU fptelen ift wittfübrltcb, auSföweifenb, gefünftett, 
bunfel, audj öfter« fredb unb bijarr, fc&wer in ber Ausübung, fte erlaubet »iet 
3ufa§ »on Sanieren, unb erfobert eine aiemlicbe Äenntnifj ber Äarmonie, fte 
erwecfet aber be» ben ilnwiffenben mebr <23erwunberung als ©efallen. ®ie 
franäöftf(^e <5pklavt ift fHaöifcb, bocb mobeft, beutticb, nett unb reinlicb im 
Vortrage, leicht nacbjuabmen, nicbt tiefftnnig nocb bunfel, fonbern jebermamt 
begreiflieb, unb bequem für bie ßiebbaber, fte erfobert nicbt »iel ©tfenntnife 
ber Harmonie, weil bie SluSjterungen ntebrentbeitS »on bem gomponiften 
»orgefebrieben werben, fte »erurfadbet aber be» ben 9Kuftr»erftanbtgen wenig 

g^acbbenlen. 

<mt einem "©orte: bie itatiänifebe 9ttuftf ift wtlltübrlicb, unb bte franjöftfcbe 
eingefcbränlet: baber eS be» biefer mebr auf bie Gom»ofttton als auf bie SluS- 
fübrung, be$ jener aber, faft fo »iel, ja be$ einigen Stücfen faft mebr, auf bie 
SluSfübrung, aU auf bie dom»ofition antbmmt, wenn eine gute 'EM ung erfolgen fott. 



254 XV11I. SouptfiKicf. 

®ie itatiäniföe Singart, ift i^rcr Vlxt au ftneten, unb bie franaöftf^e Slrt 
au fielen, iljrer Singart öorjujie^en. 

77, §. ®ie <£igenf<$aften btefer freien 3Kuftf arten, fönnten atpar no<$ 
tt>eitläuftiger au*gefu£ret, unb nocl) genauer unterfu<$et werben, eitlem tiefet 
tt>ürbe x>ietme£r in eine eigene unb befonbere 9tö$croMung bat>on, ate £ter£er 
ge^ren. 3nanrifd?en fyäbt ify mt$ bo<$ bemühet, bie t>ornef>mften SBa^etten 
unb ^ennaei^en berfetben, unb be$ baxwifötn befmbli<$en ilnterföiebeS, in ber 
^ürae ju bemerfen. 3d> taffe einem jeben bie <5re^eit, au* bem angeführten 
ben Sdjlufc au a*ef>en, tt>et<$er @efd>macf x>on bfybm mit 9Se<$te ben 93oraug 
t>erbiene. 3$ fyaU aber au ber «Billigkeit meiner £efer t>a$ Vertrauen, bafc fie 
mi<$ um fotriel Weniger frierbe^ einer ^art^ticttfeit befd)ulbigen werben: ba 
ba*jemge, tt>a* i<§ etn?an fetbft öon ®ef<$macfe erlanget |mbe, fon>o!?t au* bem 
franaäftfdjen at* au* bem itatiänifctyen geftojfen ift, ba t<$ bepbe ßänber, in ber 
au*brücflid?en Slbftc^t, mir baß ©ute t>on be^ben in ber 3ttufB au 9iu$en au 
machen, bur^reifet bin, unb ba xd) atfo t>on be^ben SWuftfarten einen «2lugen- 
unb O^renaeugen abgeben fann. 

78. §. <3Benn man bie 9Äufif ber ©eutfc^en, *on mef>r at* einem 
3a£r|>unberte £er, genau unterfu^et: fo flnbet man %tt>ax, ba% bie ©eutfc^en e* 
fdjon t>or geraumer 3eit, nic^t nur in ber f>armonif<§ richtigen Setjftmft, fonbern 
[325] au<$ auf bieten 3nfirumenten, fe|>r tt>eit gebracht Ratten. 93om guten 
@ef<$ma<Je aber, unb t>on frönen SMobteen, ftnbet man, aufer einigen alten 
Äir^engefängen, menig SJierftnaate, fonbem t>ielme£r baf* fon>o£t if>r @ef<$ma<f 
at* i£re SJietobteen, länger at* be$ i^ren SKadjbarn, aiemti<$ platt, trotfen, mager, 
unb einfältig gett>efen. 

79. §. 3f>re (&>mpofttion toar, ttrie gefagt, $annmrif$ unb »otlftimmig 
aber m<$t melobifc^ unb reiaenb. 

6ie fügten me&r Kmfttid), at* begreiflich unb gefällig, me£r für baß 
@eft$t, afö für ba* @e£ör au fe|en. 

©ie gana eilten brauten, in einem aufgearbeiteten Stüde, au i>iete unb 
au überftüfige (Sabenaen na<$ einanber an: inbem fte faft axxß feiner Tonart in 
bie anbere, o£ne soor^er au cabenairen, au*autt>etc|en pffegeten: bur<$ toel^e Stuf* 
rid)tigfeit aber ba* ©eftfr fetten überraget nmrbe. 

€* fettete tynm an einer guten <3Ba$t unb 93erbinbung ber ©ebanfen. 

®ie £eibenf<$aften au erregen unb au ftiUen, ttmr i^nen etma* unbefannte*. 

80. §. 3n i^rer ©ingmufil fu^eten fte meljr bie bloßen Wörter, a!$ 
bm Sinn berfetben, ober ben iaxaxt serlnüpfeten Effect, au^aubrütfen. <33iete 
gtaubeten biefertpegen fd^on eine ©nüge geleiftet au $äbm, tt>enn fie a- ©. bie 
QBorte: Äimmet unb Äölle, bur^ bie äu^erfte Äö^e unb Siefe ausbrüteten: 
tt>obur<$ benn oft t)iet ßä^erli^e* mit unterlaufen pflegete. 3n 6ingftü«fen 
liebten fie fef>r bie äu^erfte &%, unb tiefen in berfetben immer ^Borte au*- 



: ; 



3öie ein 9flufifuS unb eine SKuftf ju beurteilen fe$. 255 

fj>re<$en. Joterju mögen bie ^alfetftimmen ertt>a$fener SDiannegperfonen, meieren 
Wc Siefe gemeiniglich befd>tt>erßd) ift, einige lirfacfye gegeben $aben. ©en 
Sängern gaben fie unter gef<$ttnnben 9toten siete <2Borte naety einanber auS^u* 
fprectyen, tt>et$e$ aber ber ©genfd)aft be$ guten SingenS junriber ift, ben 
Sänger berljinbert bie Söne in üj>rer gehörigen Scfyön|)eit £eroor ju bringen, 
unb f\tf) t>on ber gemeinen 9?ebc atljutbemg unterf<$eibet(*). 3f>re Singarien 
beftunben me£rent£eü$ au$ tfoo 9?ej>rifen, jte toaren fe^r furg, aber au<$ fe£r 
einfältig unb trotfen. 

(*) Obgleich einige wenige ©eutfcfye, bur$ ^ac^mung beS itattänifeben ©ef$macfeS, 
biefen ffetjter, welker nur in ber tomifd&en 9Kuftf eine Gcfyönbeit ift, abgeleget $aben: 
fo ift er boc§, au$ p itjiger 3eit, no<$ niebt gän^lia; ausgerottet [326] 

SSMe bie Gingart ber ©eutf^en in ben alten 3eiten befa^affen gewefen fe$, lann man, 
noeb biö auf biefe Gtunbe, in ben meiften Gtäbten, an ben ££or« ober Ga)utfängcw 
abnehmen, <Diefe bringen eS jwar im 9totenlefen weiter, als biete galante Gänger 
anberer 93öt?er: altein mit ber Gtimme wiffen {ie faft gar ni$t umaugeljen. Gie fingen 
baf>er meiftentbeitS o$ne ßictyt unb Glatten, in einerlei Gtärfe beS §oneS. £)te Sftafen» 
unb ©urgetfe^ter kennen ftc faum. ©ie Bereinigung ber Bruftftimme mit bem ffalfet 
ift itynen eben fo unbetannt, atS ben 5ran&ofen. 9ftit bem dritter begnügen fie ftcb fo, 
wie u)n bie 9Zatur giebt. Q3on ber itatiänifd&en Gd&meicbete^, welche bureb gef<$teifete 
9toten, unb bureb baS Qkrminbern unb Berftärfen beS $oneS gewirfet wirb, fyaben 
fie wenig (gmpftnbung. 3b* unangenehme^, übertriebenes, attjuraufc^enbeS Gtof en mit 
ber Bruft, wobe$ fte ftcb bie ^ertigfeit ber <S)eutfc$en bau b auSaufprecben re^tf^affen 
p 9^u^e macberi, unb beb aßen 9toten: b<* b« ba $a boren laffen, berurfacbet, bafj bie 
^affagien alle gebadet Hingen, unb ift oon ber $lrt, mit welker bie welfcben 33ruft* 
ftimmen bie ^affagien vortragen, weit entfernet ©en fimpeln ©efang Mengen fie nieftf 
genug an einanber, unb öerbinben benfetben nid&t bureb borbaltenbe Sftoten: weswegen 
u)r Bortrag febr troefen unb einfältig Hingt <k$ fehlet biefen beutf^en Dorfangern 
3tt>ar meber an natürlich guten Grimmen, nod> an ber Sä^igfeit etmaä $n lernen: e^ 
fehlet ü)nen bielmebr an ber guten Hntertoeifung. S)ie Cantoreg follen, megen ber mit 
ü)rem ^mte immer »erfnü>feten G^utarbeiten, gugleic^ ^albe ©ele^rte fe^n. ©eötoegen 
toirb öftere be^ ber QBa$l me^r auf ba$ letztere, aU auf bie QBiffenfa>aft in ber 
9Kufif gefe|>en. €)ie na$ folgen ^bftd^ten ermatteten SantoreS treiben beätoegen bie 
^ufi?, bon ber fie obnebem fe^r menig toiffen, nur atS ein 91ebenmerf. Qie münf^en 
nichts me^r, alö balb burdj eine gute fette 3)orfafarre, bon ber Getute, unb a«9^i^ 
oon ber ^Rnfxt ertöfet au werben. 5i«bet fid^ au^ ja noc$ fyiev unb ba ein Kantor, 
ber ba$ Geinige oerfte^t, unb feinem mufttatifc^en kirnte re$tfc§affen ooraufte^en £uft 
$at: fo fu<$en an bieten Orten bie Öberften ber Gd^ule, einige geiftlic^en ^luffeijer ber- 
fetben, unter benen biete ber SÖfttfft auffä^ig finb, nidjt aufgenommen, forno^t ben 
(£antor, als bie Gemüter, an ber Ausübung ber ^ufif $u ^inbem Qlu$ fogar in benen 
Gäulen, toetd^e, befage i^rer ©efe^e, bau^tfäd^lid^ in ber ^Ibftc^t geftiftet morben fmb, 
ba% bie 9Kufif barinne ooraügtid) foll gelebret unb gelernet, unb musici eruditi ge« 
Sogen werben, ift öfters ber bur$ ben Borfte^er unterftü^ete 9?ector ber abgefagtefte 
^einb ber 90^ufit ©erabe als wenn ein guter £ateiner unb ein guter 9ftufiruS ©mge 
mären, beren eines baS anbere not^toenbiger Qöeife aufbebt. 0ie mit ben Santor« 
bienften berfnu>feten Bortbeile, finb an bieten, Ja an ben meiften Orten, fo gering, 
bafj ein guter 9KufifuS Bebenfen tragen mujj, einen folgen ©ienft, o^ne 9Zot^), an* 



256 XVIII. ÄauptfiüU 

äune^men S)a e* nun, auf fotc&e Slrt, in £>eutf$lanb an guter Simoeifung, »orne^m« 
Uc^ in ber g3ocahnu|W, fehlet, Da berfetben auä) no<$ baju an fielen Orten unüber» 
fteiglia> Äinberniffe in ben <2öeg geleget tr-erben: fo fönnen au# ni<$t leicht gute 
Gänger exogen n>erben. <£$ ift beo biefen ümftänben au t>ermut£en, ba§ be$ ben 
©eutfe^en bie gute 6tngart niemals fo allgemein »erben bürfte, als beö ben 3taliänern, 
be» [327] welchen, fa>on oon oieten 3eiten £er, bic^faUö bie beften Slnftatten oor- 
Rauben finb: e$ wäre benn, ba§ grofje Ferren QSorf^ub träten, Gingfcfyulen anzulegen, 
in melden bie gute unb ea)te italiämfäje 6ingart gele^ret würbe. 

81. §. ©ie 3nftrumentatmuft! ber ©euf feiert in ben vorigen 3etten 
fa£ me^rentljeilg auf bem Rapiere fe^r bunt unb gefällte!) au3. Sie fcfyrieben 
öiele brety* oier unb me^rmat gefctyroänäten 9^oten. 5Beil fte aber btefetben in 
einer fe^r getaffenen ®efd)tt)inbig!eit austreten: fo Hangen i^re Stüde beffen 
ungeachtet nxfyt lebhaft, fonbern matt unb fcfytäfrig. 

Sie gelten tne^r t>on fd)tt>eren al$ teilten StMen, unb fuefyeten mel?r 
93ertpunberung gu ertt>e<fen, als gu gefallen. 

Sie beflijfen ftd) me|>r, t>tn ©efang ber Spiere, 5. (£. be$ ÄufuB, ber 
9?a$tigatt, ber Somnz, ber <2ßa<$tet, u. f. *. auf tyren Sitftrumenten mty 
5umad)en, toobe^ ber trompete unb ber £er>er awfy nid)t tergeffen tourbe; aU 
ber ^ftenfcfyenftimme na^sua^men. [*)] 

QefterS war ein fogenannteg Quobtibet, toobeip enttveber in Smgftüden 
ta^ertic^e 2öorte, oijne 3ufammen$ang, tjorfamen, ober, in SnftrumentalftMen, 
bie Sangtoetfen gemeiner unb nteberträdjtiger Srinftieber unter einanber ge- 
mifcfyet tourben, i^r angeneljmfter 3eit&ertreib. 

<2luf ber ©eige ftrieteten fte me^r fjarmonifc^ aU metobtfd). Sie fetjeten 
t>iele Stüde, 1005U bie Biotinen umgefttmmet toerben mußten, ©ie Seiten 
tt>urben nämltd), naefy ^nsetge be£ Somponiftett, anstatt ber Quinten, in 
Secunben, ^erjen, ober Quarten geftimmet, um bie «2lccorbe befto leichter m 
£aben: tpclc^e^ aber bety ben ^affagien eine nicfjt geringe Schwierigkeit m$* 
urfa^ete. [**)] 

3£re 3ttftrumcntalp.de beftunben meiftent^eite au$ Sonaten, °partieen, 
Sntraben, 9)iärfrf)en, ©affenfjauero, unb fielen anbern oft tädjerttcfyen Qfyaxät= 
teren, bereu ©ebäcfytnif? i$o x>ertof^en ift. 

®aS QlÜegro beftunb mel;rentl;eite öom anfange bi^ ^um (Snbe au^ lauter 
^affagten, ba faft immer ein 5act bem anbern ä^nti^ toar, unb Don einem 
Sone 3um anbern, buvfy bie Sran^pofttionen, tt>ieber|)otet tourbe, tpet^e« aber 



[*) ©emeint finb offenbar 3o$. 3af. SöavtyerS ^iolintoerfe „Scherzi da Violino 
solo con il Basso Continuo" (1676) unb „Hortulus chelicus" (1694), tt>eld>e Vlaty 
a|>mungen fola>er Hrt enthalten unb bon Öu. früher in Bresben ftubiert toorben waren 
(6elbftbiogrcu;^ie, a. a. O.)] 

[**) ©ie fogen. Gcorbatura, bie namentlia? ff. &. 'Siber in feinen 93iotinfonaten 
öertwenbet] 



QBie ein SSJlufiluö unb eine Sftufü §u beurteilen fe$. 257 

enbtid) not|>tt>enbig einen (£!el t>erurfad>en mufjte. OefterS blieben fte nifyt 
länger aB nur toenige Sacte bety einerlei Sempo: fte sermif^eten *>tetme|>r, 
in einem Sa$e, balb ettt>a3 £angfamere3, halt) lieber ettoaS ©efctjttrinbereS, 
mit etnanber. 

[328] 3§x <2Ibagio £atte me^r eine natürliche Joarmonie, als gute SDtetobie. 
6ie machten barinne aud) tt>enig Sanieren, auf er baf* fte bann unb tt>ann bie 
fprmgenben 3ntert>atte mit taufenben 9Zoten auSffitteten. ©ie 6^tüffe i^rer 
langfamen 6tü<fe toaren einfältig. Slnftatt ba£ man t^tger 3eit, tt>enn man 
8. (£. im £ f<$tie£en ttitt, ben Triller auf bem © ober & fd)tägt: fo f^lugen 
fte benfetben auf bem G, ttetc^em fte bie 3eit einer puncttrten 9iote gaben, unb 
liefen ba§ £> aU eine fur§e 9tote nur ftmpet $5ren; ber (fnbigungSnote G aber 
ttmrbe noct) eine, um einen Son tji^er fte|)enbe 9Zote, at$ ein befonberer Sterrattj 
<mgefci)teifet. 3f>re Saben^en toaren o£ngefä|>r in ber ^ugfüfjrung fo befc^affen, 
ttrie Qab. XXIII. ffig. 15. 

I^ab. XXIIL] ffig. 15. 

tr 



fte/ cj i rc'^ 1 



mit 9*oten auSbrütfet §u fef>en ift. 93on t>or|)altenben 9Zoten, tt>et<$e ben ©efang 
an einanber ju binben, unb, auf eine angenehme %xt f bie (Eonfonansen in ©iffo* 
nan§en ju aernmnbeln bienen, ttmften fte ttenig ober gar m<fytg: tt>e$tt>egen if>re 
<2lrt ju ftrieten ni$t rüfjrenb nod) reijenb, fonbem platt unb trotfen toar. 

93ielerle^ Snftrumente, öon benen man i§o Jaum nod) bie tarnen tt>ei£, 
toaren be$ i|men üMxd). <£$ ift ba|)er ju vermuten, ba% man, tt>egen Q3iet|>eit 
berfelben, mefjr £lrfa<$ gehabt £abe i^ren $bf0, al* tyti ©ef$tHi<$lett im 
spielen, ju bettmnbern. [*)] 

82. §. 6o fd)tecfyt e$ aber in ben zotigen Seiten, be$ alter grünbtic^en 
<f infid)t ber beutfcfyen (Eomponiften in ber Joarmonie, mit tyrem, unb ber beutfcfyen 
Gänger unb 3nftrumentiften if>rem ©efc^made au$gefef>en $aben mag: fo ein 
anbereS ^nfefjen $at tß bocf) nunmehr nacfy unb na$ bamit gewonnen, ©enn 
toenn man aud> t>on ben ©eutf^en nicfyt eben fagen fann, i>a% fie einen eigen- 
tümlichen, unb t>on ben anbern 9?ationatmuftfen fxfy ganj unterf^eibenben 
©efcfymad £er*>or gebraut Ratten: fo ftnb fte hingegen befto fähiger, einen anbero, 
tteldjen fte nur toollen, an^une^men, unb Riffen ftcfy bat ®xxtt »on alten Wirten 
ber au^tänbif^en 'zöluftf p 9Zut>en ju machen. 

[*) Qu. urteilt über bie Sftujft ber älteren ©enerationen al^ Vertreter be^ arifto- 
tratif^en „galanten" 6tilö unb fommt fomtt gu einer einfeitigen fumtnarif^en Qlble^nung 
.berfelben. 6eine 93emerfungen zeugen awfy bereite für baö fc^totnbenbe 93erftänbni^ ber 
^unft ber 3ol>. <3eb. 93ac^Wen Seit] 

17 



258 XVIII. Äauptftücf. 

83. §. (ES ftengen fcfyott im vorigen 3a$r|mnberte, feit ber 9?£itte beffetben, 
einige berühmte Männer, welche t^eitS Stauen ober ^ranfreiefy fetbft befuget, 
unb barinne profitiret Ratten, t^eitS aber auef) bie arbeiten unb bm ©efc^macJ 
ber serbienten «ZluSlänber 511 Puffern nahmen, an f bie ^uSbefjerung beS muft- 
Iatif<$en ©ef$matfe£ p bearbeiten, ©ie Orgel- unb (Etamerfpteler, unter ben 
ledern t>orne$mli<$ ^roberger, unb nad) tym [329] ^ad)f>eföet unter ben 
erftern aber 9*einfen, ^Ufte^ube, 93ru^nö, unb einige anbere, festen faft 
am erften bie fcfyma<f|>afteften Snftrumentalftücfe i^rer 3eit, für $re 3nftrumente* 
^bfonberttcfy würbe bie &unft bie Orgel JU fptelen, tt>elct>e man großen 
S|>eitS öon ben Sftebertänbern empfangen £atte, um biefe Seit fc^on, *>on ben 
obengenannten unb einigen anbern gefcfyiften Scannern, fe£r tt?eit getrieben. 
<£ nbttdj $at fte ber bewunbernSwürbige 3o^cmn (Sebafticm 'Bacfy , in bm 
neuern 3eiten, ju tyrer größten 93ollfommen^eit gebraut. 9iur ift ju wünfd)en, 
ba§ biefetbe, nad) feinem *2lbfterben, wegen ber geringen ^n^t berer, bie nod) 
einigen Steif* barauf toenben, fv$) nicfyt ttrieber bem abfalle, ober gar bem j 

Untergänge nähern möge. * | 

'Sflan tatxn gwar nic^t läugnen, bafj eS in gegenwärtigen 3eiten unter ben £>eutfc§en oiele i 

gute (EUwterfpieler gebe: t>ie guten Organiften aber fmb anu)o in ©eutfd&lanb otel 
rarer, als bor biefem. (£S ift toafyv, ba% man no$ $ier unb ba einen unb bzn andern I 

brafen unb gefegten Orgelfpteter finbet. Willem eS ift audj eben fo gewig, bafj man I 

öfters, fo gar in manchen Äauptfirc^en groger Stäbfe, bh Orgeln oon folgen, burc^ 
orbenttietye QSocation ba^u berechtigten Stümpern miS^anbeln Iwret, welche faum Werfy 
wären, 6acfpfeifer in einer ©orffc^enfe ju fepn. <£S fegtet fo totit, ba% bergleicfyen !4 

unwürbige Organiften etwas oon ber dompofttion oerfte^en fottten, bafj fte otelmefjr | 

nic^t einmal einen wo^lftingenben unb richtigen 33a§ ju ber Gelobte emeS (S^oralS ] 

auSfinben tonnen, gefc^weige ba% fte bagu sunt wenigften no$ 3W0 richtige Mittel- ji 

ftimmen gu treffen fä^ig wären. 3a nid>t einmal bie ftmple SOtöobie etneS Choral- j 

gefangeS lernten fle. OefterS ftnb bie blöfenben (Surrentjungen ü)re 93orfänger unb 
9ttufter, nac$ beren $e$lem fte bie 9ttelobien, wo£l aUe Monate, immer wieber aufs 
9leue ber|>unsen. Unter Orgel unb (Slaoicimbal machen fte feinen Hnterfc^ieb. £>aS 
ber Orgel eigene §ractament ift ifmen fo unbekannt, als bie $unft ein gefeiltes 93orfpiet 
öor einem ©efange gu machen: ungea^tet eS nxtyt an gefto^enen unb getriebenen 
duftem fehlet, woraus fte be^beS, wenn fte wollten, erlernen könnten. 6ie gießen 1 

lieber u;re eigenen, auS b^xn Stegreife erfc^nappeten ©ebanfen, ben beften, mit 93er» 
nunft unb Heberlegüng ausgearbeiteten Orgelftürfen berühmter Männer, oor. ^flit 
i^ren ungefcf)iften botfpfeifer^aften Koloraturen, welche fte jwif^en i^btm (Sinfctynitte 
eines d^oralS ^erle^ern, mad^en fte bie ©emeine irre, anstatt i^ren ©efang in Orbnung 
5U erhalten. Q3on^ ber ^rt wie man baS ^ebal brausen foK, $at mancher ni^t einmal 
reben $ören. ©er Keine Ringer ber linfen Äanb, unb ber linfe ffufj, fte^en be^ Dielen 
in folc^er Q3erbinbung mit einanber, ba§ niemals einer, o$ne beS anbern Q3orwtffen 
unb Hebereinftimmung, einen ^:on ausschlagen ftc^ getrauet. 3c^ Will nietyt einmal 
gebenden, wie fte öfters eine o^nebem fc^led;t genug ausgeführte ^irc^enmuftf, burc^ 
i^r etenbeS ^ccompagnement, noc^ fc^lec^ter machen. Schabe! wenn ©eutf erlaub btn 
Storjug beS S3eftt>eS guter Orgelfpieler nac^) unb nac§ wieber oerlieren foHte. ffre^lic^ 
geben bie, an ben meiften [330] Qvttn, gar ju geringen 93efolbungen eine f$lec$te 2luf= 



QOßic ein SJtafitoS unb eine 9Hufrf §u beurteilen feö. 259 

munterung ju bem gJeifje in ber OrgeforifTenfc^aft ffreplitfc wirb au$ mancher ge* 
f^tfter Örganift, bur$ t>zn <ood)mut£ unb (figenftnn einiger feiner geiftlid&en 33efe$t$- 
fjaber, mebergefcftfagen. 

84. §. ©en merlwürbigften 3eitpunct, worinne abfonbertic^ ber ©efd^mad 
ber ©euff^en, in Slnfe^ung ber ©ocatcompofttion, angefangen $at, eine befjere 
©eftatt ju gewinnen, fönnte man o£ngefä£r um ba$ 3a£r 1693 fe^en, als ju 
welcher Seit, nad) be$, um bie Vert^eibigung unb bie ©ef<$t<$tg&mbe ber 
SKttp! au$nef>menb verbieneten Äerrn SKatt^efon^ ^eri^te, im muftfatifd^en 
Patrioten, 6. 181. unb 343. ber Gapeltmeifter Souffer bie mm ober ttati- 
änifdje 6ingart in bm &amburgif<$en Opern eingefügt £at Um eben biefe 
3eit fteng ber berühmte 9*em^>arb Reifer an, ftd? mit feinen Operncompo* 
fitionen ^ervorsutfmn. ©iefer festen su einem, mit reicher (frfmbung ver- 
fttityfeten, attQtmfym fmgenben <2Befen gleic^fam gebogen 8« fe^n, er bekhtt 
atfo bie neue Singart bamit auf eine vorsügttd)e <2Beife. 3£m §at ber gute 
©efd)ma<S in ber 3RujH in ©eutfcfytanb, unftreitig, viel ju banfen. Sie in 
Hamburg unb £eipjig na<$ biefer Seit jiemlid) lange in btü^enbem 3uftanbe 
gewefenen Opern, unb bie berühmten (Somponiften, welche, sugteid^ nebft Reifem, 
t)on 3eit ju 3eit, ungeachtet ber öftere fc^led^ten, unb ni^t fetten gar nieber- 
trädjttgen Sejte, für biefelben gearbeitet £aben, fjaben su bm ©rabe be3 guten 
@ef<$made$, in wettern bie 9ftufrt in ©eutfdjtanb gegenwärtig fte^t, gute 
Vorbereitungen gemacht. <£$ tonnte als ein Heberftuf? angefefien werben, wenn 
ity biejenigen großen Männer, welche ftd? in ben ^genannten 3eiten, fowoljl 
in ber ^ir^en- $£eatrat= unb 3nftrumentatcompofttion, als aud) auf 3nftru- 
menten, unter ben ©eutfc^en berühmt gemacht f>aben, unb bereu einige ent* 
fdtfafen, einige nod) am £^Un finb, alle mit tarnen anfuhren wollte. 3<$ bin 
verftd)ert, ba% fte in unb au£er ©eutfd)lanb fd>on alte fo Mannt ftnb, bafj 
t&re tarnen, meinen muftftiebenben fiefem, o^ne vieles 9*a<$benfen, gleich U\)* 
falten werben. 6o viel ift gewtfj, ba£ i^nen biejenigen, welche ju unfern 
3eiten in ber Sontunft hervorragen, bm größten ©anl fc^ulbig ftnb. 

85. §. 93e^ allen biefen 95emü^ungen brafer Sonfünftter aber, fanben 
fxti) in ©eutfd)tanb bod> nod> immer unterfd^iebene Äinberniffe, welche bem 
guten ©efdjmade im <2Bege ftanben. «Solan war SfterS nid?t fo bemüht, bm 
[331] (grfinbungen biefer berühmten Männer bm gehörigen Verfall ju geben, 
unb tymn nadfoufolgen, wie e$ wo£t $Mt fe^n fotten. 9ln vielen Orten be- 
kümmerte man ft^ ni<^t einmal barum: fonbern blieb immer be$ bem Sitten 
fte^en. 3a tvaä nofy me|>r ift, e^ fanben ft<$ vielmehr unterf^iebene ^Biber- 
fadjer, wel^e, au$ einer ungereimten 2kU su bem 5lttert|)ume, f<^on barinne, 
weit bie Aufarbeitungen gebadeter Männer von ber alten 2lrt abgiengen, ilrfad^e 
genug s« §<&** glaubten, alles at$ Sluöfd^weifungen su verwerfen. SBie lange 
ift es £er, ba% man nod) bie alte Söeife, in ©eutf^tanb, mit großer &i$e, 



17* 



260 XVIIL Äauptftttc*. 

obgleich beffo fdj)tt>ad)ern ©rtmben, $u t>ertf>eibtgen fud;te? 93iete, bie aud) nod) 
£uft gehabt Ratten $u profttiren, Ratten tt>eber ba$ Vermögen, an folcfye Orte 
in reifen, tt>o bie SRiffK im Store n>ar, nod) attcl) ftd) 9ftuftfatten *>on ba $u 
serfc^reiben. (£3 ift nid)t 51t täugnen, ba£ burd) bie einfü^rung be$ (£an= 
tatenftytS, in bie 5?ircfyen ber ^roteftanten, bem guten ©ef$macfe aufy ein be- 
fonberer 93ortf>eit §ugett>ad)fen ift allein ttrie öiet ^iberfprucfy $at e$ ni$t ju 
übernrinben gefoftet, e^e bie dantaten unb Oratorien in ber $tr<$e einen feften 
%v^ J?aben faffen fßnnen? 93or wenigen Sauren gab eS no$ dantoreS, bie in 
tyrem mefjr at§ fünfzigjährigen 2lmte, ftd) nod) nicfyt fyattzn ixbtxtoxnbm fönnen, 
ein ^irc^enftüd t>on ^etemannen aufzuführen. <£S ift bat;er nic^t gu t>er- 
nmnbern, wenn man $u gtctdt>er 3eit an einem Orte in ®eutfd)tanb gute, am 
anbern aber feljr unfd)tnadf>afte unb ungefat^ene SfKuftf angetroffen f>at. 3Ber 
nun t>on ^uStänbew ttti>a, ^um llngtüde, an einem ber te^tern Orte 902ufif 
gehöret fyattz, unb alte ©eutfeljen |riemad) beurt^eitete, ber tonnte ftd) fretytt$ 
wn ityrer SDZuftf nid)t bie $ortij>eiIf>afteften begriffe machen. 

86. §. ©Je 3tatiäner pftegeten t>or biefem bm beutfdpen ©efdjmad in ber 
SOiuftf: un gusto barbaro, einen bartmrifcfyen ©ejfc^matf, 5U nennen. 
9Zad)bem e£ ft<$ aber gefüget, baf? einige beutfdje Sonfünftter in 3tatien gewefen, 
unb altba ©etegen^eit gehabt |>aben, fcon i^retr Arbeit, fon>o|)t Opern ali 3nftru= 
mentatmuftf mit ^e^fatte aufzuführen, ba nrirfticfy bie Opern, an tt>etd)en man 
in 3tatien p itjtgen Seiten bm weiften ©efcfymad, unb stt>ar mit 9?ed)te, finbet, 
t>on ber $eber eines ©eutfdjen ^ertommen: fo f>at fiel) baS 93orurt^eit nad) 
unb nad) t>ertof>ren. ©od) mufj man auc^ fagen, ba£ bie ©eutfd)en fott>o|>t 
ben 3tattänero, at§ aufy eines ^ei(§ ben ^rangofen, n>egen biefer t>ortf)eit- 
^aften 93eränberung t£re£ ©efd)made$, ein 93iete^ ju banfen Ijaben. £$ ift 
bdannt, [332] bafj an *>erfd)iebenen beutfdjen &i>fen, aU: in 2Bten, ©reiben, 
«Sertin, i>anno*>er, Sftüncfyen, $lnfpad), u. a. m. fcfyon t)on ^unbert 3a^ren ^er, 
itatiänifd)e nnb franjofifc^e ß!omponiften, Sänger unb Snftrumentiften in ©ienften 
geftanben fmb, unb Opern aufgefüfjret |)aben. (£§ ift bdannt, ba% einige grofje 
Äerren »iete t>on i^ren Sonfünftlern na<$ 3tatien unb ^ranfeei^ £aben reifen 
laffen, unb ba§, toie tefy fc^on oben gefaget §abe, öiete ber Q3erbefferer be^ 
©efd^madel ber ©eutf^en, entn>eber eine^, ober be^be biefer £änber befuget 
|)aben. ©iefe |)aben atfo, fott)o|)t t>on bem einen aU x>on bem anbern bm 
©efcfymad angenommen, unb eine fotdje Q3ermifc^ung getroffen, tt>eld>e fte fä^ig 
gema^et §at, nic^t nur beutf^e, fonbern auö) itaüanifc^e, fransBfif^e, unb 
engtänbifct)e Opern, unb anbere Singfpiete, eine jebe in tyrer Sprache unb 
©ef^made §u componiren, unb mit großem 93e^falte aufaufü^ren. ^Beber öon 
btn itatiänifcfyen nod) fran3öfifd)en SonJünftlern tann man bergtei<$en fagen. 
9?i(^t ba% e$ i^nen am Satente baju fettete: fonbern toeit fte ftd^ tt>enig ^ü^e 
geben, frembe Sprachen &u erlernen, toeit fie atlpfe^r *>on 93orurt^eiten ein» 



ÜSIf eine 9ftufi£u3 unb eine 9ftufi£ gu beurteilen fe$. 261 

genommen fmb, unb toeit fte ftd) md)t überreben lönnen, baf aufer tymtt, unb 
o|me t^re Sprache, ettvaS ©uteS in ber Gingmuftf hervorgebracht derben Ißnne. 

87. §. <2öenn man au$ verfci)iebener 93öt?er i^rem ©efd)macfe in ber 
QJiujtl, mit ge|)i$riger Beurteilung, ba3 ^Sefte su tväf)ten tveiS: fo fließt barauS 
ein t)ermifrf)fer ©efc^macf, tveld)en man, o|me bie ©rängen ber 33efd)eiben|)eit 
p überleiten, nunmehr fef>r tvo^t: ben bettffcfyen ©efcf)macf nennen {önnte: 
nicfyt allein tveif bie ©eutfd)en perft barauf gefallen fmb, fonbern aucf>, tveil 
er fct)on feit fielen 3a£ren, an unterfcfyiebenen Orten ©eutfcfytanbeS, eingefügt 
korben ift, unb nocf> blühet, auct) tveber in Stalien, nod) in ^ranfreicfy, nocfy in 
anbzxn £änbem mißfällt 

88. §. Sofern nun bte beuffd)e Station von biefem ©efctjmacfe nid>t 
lieber abgebt; tvenn fie jtd) bemühet, tvie bi3l;ero il;re berühmteren (Eomponiften 
getrau £aben, barinne immer weiter nad^uforfctjen, tvenn itjre neuange|>enben 
Sotnponiffen ficfy me|)r, als i^iger 3eit leiber gefct)ie|>t, befleißigen, nebft itjrem 
vermieten ©efcfymacfe, bie 9?egetn ber Se^funft, fo tvie itjre 93orfaI)ren, 
grünbttd) p erlernen, tvenn fie fiel) nicfyt an ber puren 9JMobie, unb an ber 
Verfertigung t^eatratifcfyer [333] <Jlrien altein begnügen, fonbern ftc^> fotvotjt im 
Äircfyenfttyte aU in ber 3nftrumentatmufif aud) ixbm r tvenn fte tvegen (Einrichtung 
ber Stücfe unb tvegen vernünftiger 93erbinbung unb Vermifc^ung ber ©ebanfen, 
foIrf>e (£omponiften, n>etd>e einen altgemeinen Beifall ermatten, jtcfy §u duftem 
vorftellen, um ityrer Vltt gu fetjen, unb it;rem feinen ©efcfymacfe nac^jua^men: 
boefy bafj fie fiel) *><&*§ nicfyt genauen, tvie e£ von fef>r vielen gefcfyte^t, fvfy 
mit fremben Gebern §u fcfymücfen, unb ettva ben iöauptfa#, ober bm ganzen 
3ufammenf>ang, von biefem ober jenem au^ufcfyreiben, ober auf§utvärmen, tvenn 
fie vielmehr i^re eigene (ErfmbungSEraft bran ftreefen, um i^r latent o^ne 
9?act)t$eit eines ^Inbem ju geigett, unb aufzuräumen, unb um nicfyt, anstatt 
domponiften §u tverben, immer nur (Eoptften su verbleiben, tvewt bie beutf^ett 
SttftTUtnentiften ftcfy ni$t, tvie oben von ben 3taticmero gefaget tvorben ift, 
burefy eine bigarre unb lomifct)e ^rt auf 3rrtvege führen taffen: fonbern bie 
gute Singart, unb biejenigen, tvetcfye in einem vernünftigen ©efdjmacfe Rieten, 
Sunt 9Kufter nel;men, tvenn ferner bie QtcHifixiVt unb bi^ ^ran§ofett bm 
©eutfd)en in ber 93ermifcl)ung be£ ©efc^made^ fo nae^a|)men tvotlten, tvie bie 
©eutfe^en i|)nen im ©efcfymacte nact)gea|)met ^aben, tvenn biefe^ alles, fage ict>, 
einmütig beobachtet tvürbe: fo Ii5nnte mit ber 3eit ein aEgemeinet guter 
©ef^matf in ber ^Ulnfli eingefü^ret tverben. <B ift auc^ tiefet fo gar 
untva|>rfd)einlicfy nic^t: tveit n>eber bie 3tatiäner, no<^ bie ^ranjofen, boc£> me|)t 
bie £ieb|)aber ber 9)lufif, aU bie Sonfünftler unter i^nen, mit i^rem puren 
9^ationatgefc^ma(Je fetbft me^r rec^t juf rieben finb, fonbern fc^on feit einiger 
3eit, an getviffen au^länbifcl)en Gompofttionen, mef>r ©efallen, al$ an fyxtn 
inlänbifd)en, bezeiget fyäbm. 



262 



XVIII. SflRtdHU 



89. §. 3n einem ©efcfymade, welker, fo Wie ber ttjige beutfd^e, aus 
einer 93ermif<$ung be§ @efd)ma<Seg &erfrf)iebener Böller beffc^t, fmbet eine jebe 
Nation zttoaä bem irrigen ä£nfitf)eg, welches il)r atfo niemals mißfallen fann. 
Stufte man aud? §fef% in Betrachtung aller, über t>m llnterfdneb be$ ©e- 
fdjmatfeS bi^er angeführten ©ebanlen unb Erfahrungen, bem puren italiänifdjen 
©efcfymade, $or bem puren fran^öfifdjen, einen Boräug einräumen: fo ttrirb bo<# 
lebermann eingeben, weit ber erfte mct>t mef>r fo grünblx^, als öor biefem ift, 
fonbern fe|>r f^ec^> unb bizarr geworben, ber anbere hingegen gar §u ftrnpel ge= 
blieben ift, ba£ be3 wegen ein, t>on bem ©uten be^ber Wirten 5ufam-[334]men-- 
gefe^eter unb »ermifd)ter ©efc^mad, unfehlbar allgemeiner unb gefälliger fe^n 
muffe, ©enn eine SDZuftf, welche nid)t in einem einjelnen Sariot, ober in einer 
einzelnen ^rooins, ober nur x>on biefer ober jener Nation allein, fonbern t>on 
bieten Bölfern angenommen unb für gut erfannt wirb, Ja, auS ben angeführten 
llrfad>en, nid)t anberS als für gut ernannt werben latm, mufc, wenn fte fö 
anberS auf bie Vernunft unb eine gefunbe (fmppnbung grünbet, au£er allem 
Streite, bie befte fet)n. 



e 9$ © s. 




Gegiftet 

ber t>ome^mfteji 6ad)etL 



©ie römtfc^e 3a$l reifet auf baS äauptpcf; t>ie beutfc^e 3iffer auf ben §. — Qöenn aber 

5*00 römiftye 3a$ten bepfammen fte^en, fo geiget 5tt>ar bie größere baS Joauptftütf, bie Heinere 

aber i>en $lbf$nitt beffelben an. — ©aS (S bedeutet bie Einleitung. 

[<3He »om & er ausgebet fcerrityrenben 3«fä$c ftab in [] ßefe^f. ^utfiöferucC innehat» biefe* besetzet 
t>a$ 93otfommen in Slttmetfungen. Gin * Gebeutet, bafj t>e* &ett. $ifcfd)nitt in öes 9*euauSaafce fortfletafien ober 

mit im Sludge mitgeteilt ift] 



SL 

Slbne^men ber 6tär?e beS ^oneS, f. ^on. 

Slbpg eine Heine toefentlic&e Lanier, VIII. 4. 

Slccom^agnement einer ioauptfttmtne, XVII. 
n>o eS am beften erlernet »erbe, XVII. 
iv. 12. auf bem Glaüic^mbal inSbefonbere, 
XVII. vi. 1. u. f. eine« 9*ecttatioS 

XVII. vii. 59. 

2lbagio, bie <2lrt baffelbe auszuführen ift 
gtoeperle^ XIV. 2. hne eS auszuführen ift 
XIV. 5. u. f. bie untergebenen Wirten 
beffelben XIV. 7. baS 3eitmaafj biefer 
<2lrten XVII. vii. 49—51. tote eS &u be- 
gleiten XVII. vii. 25. 37. auf btm glügel 
inSbefonbere XVII. vi. 28. 30. 31. beffen 
Vortrag auf Bogeninftrumenten XVII. 
n. 12—14. eine« (SoncertS XVm. 35—37. 
eine« Golo XVIII. 48. toie eS in alten 
3eiten gefe^et tourbe XVIII. 36. 

— cantabile fein 3eitmaafj XVII. vii. 49—51. 

— bi tnolto beffen Vortrag XIV. 8—16. 
93ogenftri$ XVII. n. 26. 3ätmaa% 

XVII. vii. 49—51. 

— ftriritofo beffen Vortrag XIV. 18. 19. 
93ogenftrt<$ XVII. vn. 26. 

Ad libitum f. Fermate. 
Gleitern fehlen oft in (Srtoä^lung ber £ebenS= 
art ber ^inber <£. 3. 



Qlffecten f. £eibenf(^aftett. 

Slffettuofo fein 93ogenftrid> XVII. u. 26. 

'ZUbinoni ein »elfter Somponift XVni. 58. 

[Algaroiti, Graf S. 234 Anm.] 

SWabreoetact toie er bejei^net toirb V. 13. 
XVII. vn. 50. fein 3eittnaa§ XVII. vn. 

50. 58. 

^llla 6iciliana f. 6iciliana. 

Stttegretto beffen Bogenftrtd) XVII. n. 26. 
3eitmaa§ XVU. vn. 49-51. 

QlUegro oerf^iebene Wirten beffelben XII. 
1. 2. toie e« auSsujiu)ren ift xn. 3. u. f. 
<23ogenftri<$ babe$ XVU. 11. 26. XVII. iv. 5. 
$intnertungen be£ beffelben Begleitung 
XVU. vn. 38. für baS (Haoier inSbefonbere 
XVII. vi. 32. baS 3eitmaafj ber »er» 
ftfjiebenen Wirten beffelben XVU vi. 49—51. 

2lUegro, erfteS eines (SoncertS fürs ©rofce 
XVin. 33. 34. eines 60I0 XVIE. 49. 

— le^teS eines doncertS XVIII. 38. 39. eines 

eoio xvm. 50. 

Slttftimme dritter berfelben IX. 6. Slnm. 
anbaute beffen Vortrag XIV. 21. Bogen» 

ftric^ XVII. 11. 26. 

2lnfang eines 6tüdeS, ^Inmerfung babfy 

XVn. 1. 5. XVm. vii. 42. 

Anfänger in ber 9Kuftf f. SftufifuS unb 

^lötenftrieler. 



264 



9Regifter ber sorne^mften Ga$en. 



2lnfül?rer ber 9ftufif finb oftmals fd)led)t 
begaffen <g. 8. XVII. 1. 2. Mf eigen» 
f Raffen eines guten XVII. 1. 3. u. f. 

*2infa$ auf ber fflöte traserftere IV. 6. u. f. 
tüte er §u erlangen IV. 8. u. f. Sinber- 
niffe beS guten IV. 6. 8. 15. auf bem iooboe 
unb ffagott VI. $hu). 1. 4. 

Slnfdjfag eine fo genannte tmulül;>rlid>e Shtf- 
§ierung XVII. 41. gartet betont Gingen 

XVin. 11. 

$lnfcf>lagenbe 9foten f. 9?oten. 

2lnt&etn* ber (fngellanber XVIII. 20. 

Application f. «ffingerorfcmung. 

£lpplicatur auf ^ogeninftrumenten, f. mezzo 
manico. be£ (£ontra&iotoniften XVII. v. 6. 

Wirten ttne fte §u beurteilen finb XVIII. 25. 
26. mit Slction XVIII. 24. 26. 69. fran- 
§öftfd)e XVm. 6Q. ttaliäniföe 63. 

Slnofo beffen Vortrag XIV. 20. 33ogen- 
ftriel) XVH. ii. 26. 3dtmaa% XVII. vn. 51. 

2tt$em$olen Regeln baöon VII. 1. u. f. XII. 

13. XIV. 12. 

Slufmunferung sunt Reifte in ber ^uftf 
<£. 8. XVI. 33. 

[2luffteEung be$ ÖrdjefterS, f. Orc^efter.] 

'JluSbrucf im Gingen ift nötl>ig XVm. 69. 

— ber 2eibenfd)aften VI. i. 11. XI. 15. 16. 

XII. 24. 25. 
^uSfyradje ffe^ler berfelben beim Gingen 

XVII. 11. 

*2lu$aie$en ber Mittelfrühen ber ff löte I. 13. 

^lu^ierungen n>ef entließe VIII. 1. u. f. 

IX. 1. u. f. XII. 26. 

— »üBfi&rßc&e XII. 27. XIII. 2. u. f. menn 
fte angubringen ftnb XHI. 9. XIV. 14. 
XVII. iv. 3. finb immer abjutoedjfetn 

XIII. 29. bürfen nidjt übereilet werben 

XIV. 16. aßsu^äufige werben »ertoorfen 
XI. 6. 7. 18. bunfle e. b. 93orftcf>t bie 
babety nötljig ift XVI. 24. tt>o fte &u t>er- 
meiben ftnb XVH. in. 6. XVII. iv. 3. 
XVII. vi. 7. 23. XVII. vn. 15. m fte 
bety einem doncert tonnen angebracht 
werben XVI. 27. beü einem Quatuor 
XVI. 24. beö einem Golo XVI. 29. beö 
einem ^rio XVI. 24. be^m concertiren 
mit einer Gingftimme XVI. 30. 



Slu^ierungenBeifpiele bat>on über alle Wirten 
ber 3ntert>aEe XIII. ll.u.f. über33inbungen 
XIU. 28. 29. über bie $albe <&aUn% XV. 
33. 34. über bie (£inf$nitte ber 9Mobie 
XHI. 35—39. über bte ffermaten XIII. 36. 
über langfame punetirte 9Zoten XIII. 40. 
über ein gangeS Slbagio XIV. 23. 24. unb 

41-43. 

— be$ Sweater* XVIII. 71. 



33. 



33a$ (3o^ann 6ebaftian) feine Slrt bie 

ffinger auf bem ©tariere §u fefjen XVII. 

vi. 18. §at bit Srgelfunft gur 93oG= 

fommenljett gebracht XVIII. 83. [S. 93 

Anm. S. ij6 Anm. S. 210 Anm.] 

[Bach, Phil. Em., S. 94 Anm. S. 135 Anm. 
S. 169 Anm. S. 182 Anm.] 

33änbe auf bem 93iotoncell XVII. iv. 11. finb 
auf bem (Sontraöiolon nöt^ig XVII. v. 4. 

Ballette XVIII. 71. 

Barre (la) ein fransöftfcfyer ff lötenftrieler I. 6. 

Bafj f. ©runbfttmme. 

SSaftzt toie eS auf t>m fflügel §u aecom- 
^agniren XVn. vi. 27. [XIII. 11. 34.] 

Baffon beffen llrfprung XVII. vn. 6. ttne 
er 5U galten ift *VL Sln&. 6. beffen 31«. 
fat> VI. ^n^. 1. u. f. <23efd)retbung unb 
©ebraud) be£ 3ungenftofjeS auf bemfelben 
VI. SW§> 1. u. f. Triller auf bemfelben 
IX. 6. ^Inm. toie ber §:on barauf pl)er 
ober tiefer gemad)t ttrirb XVII. vn. 7. 9. 
tt>oburd) er unrein nnrb XVII. vn. 7. 

Baffoniften ffe^ler berfelben *VI. 2lnl). 5. 
tyr <3Ma$ be^ einer 9ÄufW XVH. 1. 13—15. 

Bafftimme Triller berfelben IX. 6. ^Inm. 

Battement eine Keine tt>efentUcl>e Lanier 

vm. 15. 

*Bau intoenbiger ber ff löte, tt>aS er §um 
^one bettträgt IV. 4. 

«Bauernftolft in ber 9)luftl fc^äblid) 

XVH, vn. 36. 

Begleitung einer Äauptftimme f. ^ccom- 
pagnement [unb 9^ipieniften.] 

53efc|)eiben^eit, %\xv Unzeit affectirte wirb 
getabelt XVI. 32 



9Regifter ber öorne|>mften 6ac$en. 



265 



[^efe^ung beä Örd)efter$, fie$e Orc^cftcr.] 

Beurteilung einer SOfaifft wie fie angufteHen 
XVIII. 1. 8.9.10. $el)terbabet)XVIII.2— 6. 

S3ett>egung be3 §acte$ f. 3eifmaafj. 

Beifall ber 3ul)örer Wo$u er bienet XVI. 33. 

[Biifcr, F. H. ' S. 2j6 Anm.] 

BiEigfett ift be$ Beurteilung einer ®i§f 
§u beobachten XVIII. 7—10. 

Blutungen in ber ©runbftünme u)r Vor- 
trag XVH. iv. 8. XVII. vi. 28. auf bem 
Sauget XVE. vii, 29. willft^rlic^e Uni* 
Sierungen barüber Xin. 28. 29. 

Bla^inftrumente f. 3nftrumente. 

Blaset txn frans$fifd)er SJtötenfpieter I. 6. 

Boc&trillev IX. 3. 

Bogen über t>m SKoten VI. 1. 10. 11. XVII. 
ii. 12. mit bem Erntete XIII. 36. 

— ber 3nftrumente, feine Stärfe unb 
Gcf)Wäc$e XVII. n. 28. wo er auf jebem 
3nftrumente su führen XVII. n. 28. beä 
BioIonceHS XVII. iv. 1. 

Bogemnftrumente f. 3nftrumente. 

Bogenftrid? fielen bat>on XVII. 6. XVII. 
ii. 3—28. auf ber Bratftf>e mSbefonbere 
XVII. in. 7. u. f. auf bem (Sontraöiolon 
XVII. v. 5. auf Hm Biotoncell inSbe« 
fonbere XVII. iv. 2. 9. 10. btt) ber fran» 
Söftfc^en ^ansmufif XVII. vii. 58. ber 
neumobifd)en italiänifc^en Bioliniften 

XVIÜ. 61. 

Bombart L 5. XVH. vn. 6. 

Bourree u)r 3eitmaa§ unb Vortrag 

^VE. vn. 58. 

Bratfc^e dritter auf berfetben IX. 6. Qlmn. 
wo ber Bogen barauf su führen ift 

XVH. ii. 28. XVII. in. 9. 

Bratfc^ift beffen ^tat» be» einer SKup 
XVH. i. 13—15. feine ^pic^ten 

XVE. m. 1. u. f. 

Brillant f. 6$immer. 

Bnu)n$ ein Örgelcomponift XVm. 83. 

*Bruft u)re Bewegung trägt etwas jum §one 
ber Srtötc be$ IV. 25. ©ebrauc§ berfetben 

VI. i. 11. 

*Bruftftimme menfcp^elV. 17. 18. beren 
Borstige XVII. vn. 52. 

[Bünbe f. Bänbe.] 



Büffarbin ein fransöfifc^er fflötenfpieter 1. 6. 
Bur/telmbe ein Örgetcomponift XVIÜ. 83. 

<L 

Habens XV. 1. tyr Urftrung XV. 2. 9KiS» 
brauet XV. 3. 4. 6. <2lbftd)t XV. 5. u)re 
Setter XV. 18. u)r 6c!)lufj XV. 29. 36. 
was bie ^ccompagniften txxbfy gu be- 
obachten tyaben XVII. vn. 44. 

— einfache XV. 9. Slnwetfung basu XV. 

7—18. 

— boppelte XV. 9. ^ntoeifung basu XV. 

19—31. 

— fyalU XV. 32. 33. 34. 
(Säfur ber SMobie XVIII. 33. 34. 39. 
danarie ü)r Bortrag XVH. 7. 58. 
(EantabUe bejfen Bogenftrid) XVII. n. 26. 

Bortrag XIV. 20. 

Gantatcnftt)t in ber &ira)e XVTIL 19. 20. 

Wirb in ©eutfcfytanb eingefiu)ret XVIII. 

85. in ber Kammer XVni. 27. 

ßantoreS XVHI. 80. $lnm. eigenfmmge 

XVIII. 85. 
fiapeUi dn italiänifc^er Gompomft, fein 

praeter XVIH. 63. 

Gljaconne ü)r Bortrag XVH. vn. 58. 

C^orfc^üter beutfe^e XVIH. 80. 2lnm. 
Horton XVII. vn. 6. 

Chronom6tre öon Mr. Loulie XVH. vn. 46. 
ßlairic^mbat beffen 'ptat* be$ einer 9ttuftf 

XVII. i. 13—15. t>erf$iebener §on 
beffetben XVH. vi. 18. 

Gtaoierift feine ^ftfcEjten be^m 31ccompagne« 

ment XVH. vi. 1. u. f. berühmte beutfe^c 

XVIIJ f 83. 

domponiften ange^enbe muffen Hxx kontra- 
punet grünbli<$ erlernen <£. 16. XVin. 88. 

— beutfe^e Erinnerung an biefelbefn] (£, 15. 
XVHI. 88. berühmte werben angefiu)ret 
XVHI. 84. §aUn ben ©efd)macf »er« 
beffert XVIII. 83. 84. $aben bon t>tn 
SluSlanbern 9hu)en gesogen XVHI. 83.86. 
ü)re Borsüge XVIII. 86. Bor&üge eine£ 
berühmten XVIH. 63. 

— gute u)re <Pfti<$ten XVH. vn. 60. 

— italiänifc^e einige fttyltv berfetben <£. 14. 

XVIII. 24. 62. 63. 68. große XVHI. 56. 



QSegifter ber oowe^mften <5ad)en. 



Gomponiften Öpero- XVIIL 24. 71. berühmte 
beutfo)e XVni. 84. bürfen nid)t par- 
t$epif<$ fet?n XVIIL 71. ffe^ter ber 
heutigen »elften . XVin. 63. 68. 

— fet^ftgeu>a^>fene i|>re ftfyUv <£. 14. 15. 

X. 21. 

— untoiffenbe, i|>re ffel;ler (£. 20. 
Gompofttion i^re (Erlernung tt>irb angeraten 

X. 18. XVII. iv. 7. tt>ie ftc ju beurteilen 
ift XVIII 5. 16. u. f. 

— ber alten ©eutfc|>en XVIII. 79. 80. 

— 3nftrumental* ber heutigen 3taliäner 

XVIII. 62. 

— 93ocal» toirb oerbeffert XVIII. 56. ber 
ffranaofen XVIII. 67. ber heutigen 
3taltcmer XVIII. 62. 

Soncert beffen Hrforung XVIII. 30. 93er« 

befferung XVIII. 58. untergebene Wirten 

beffelben, e. b. tyre SSefc^reibung XVIII. 

30—40. n>a$ für n>iimU;rlicl)e Vlnä» 

äierungen bäbfy ftatt fmben XVI. 27 für 

einen großen Ort XVI. 18. XVIII. 31. 

33—40. für einen Keinen Ort XVI. 19. 

XVIII. 41. nne eS auf bem fflügel p 

begleiten XVII. vi. 5. 

Goncertiften iljre ^flidtfen f. gtotenfaieler. 

finb in einem guten Orcbefter m eniefoen 
XVH. i. 12. 
Concerto grosso feine (£igenf$aften 

XVIII. 30. 31. 
Gontrapunct toaS barunter oerftanben toirb. 

(£. 16. beffen Stufen, e. b. beffen <3KiS= 

brau$. e. b. 
Gontraoiolon mu§ 93cmbe i)aUn XVII. v. 4. 

too ber 33ogen barauf ju führen ift XVII. 

n. 28. XVJI. v. 5. rechte ©röf?e XVII. 

v. 2. 3. dritter IX. 6. <2lnm. 

Gontraoiolomft beffen 93ogenftric!) inSbe* 

fonbere XVII. v. 5. ^fli^ten XVII. v. 

1. u. f. <£la$ be$ einer Sttufif XVH. i. 

13—15. 
Gopiften u)re ^flidjten XVn. vn. 60. 

GoreHi nrirb gerüijmet XVni. 56. 58. feine 

(Sonaten toerben angefü^ret XV. 2. 

\Couperin, Fr. S. 252 Anm.] 

(Sourante n)r Vortrag XVII. vii. 58. 

Gouffer ein berühmter beutfcfyer Gomponift 

xvm. 84. 



Gurrentjungen in beutfcfjen Gtäbten XVIIL83. 
[GuftoS V. 27.] 

©. 

©ämpfer ü;r ®ebrau$ XVII. 11. 29. 30. 
tt>eld)e bie beften fmb, e. b. 

* Räumen ©ebraucl) berfelben be$ Haltung 
ber giöte II. 3. 4. 

©eutf$e tyv ©efdjmacf in ber SWuftf in t>m 
vorigen 3eiten XVIIL 78—82 in ben 
ü)igen 3eiten XVIII. 83—89. tyre alte 
Gingart XVHI. 80. Slnm. u)re alte 
3nftrumentalmuftf XVIIL 81. 

©eutfcfje Gomponiften f. Gomponiften. 

*©i aim 2irt beg 3ungenftofje$ VI. 2. beffen 
Q3efd)retbung unb ©ebrau$ VI. 1. 1. u. f. 
Gtütfe fo bagu bienen X. 6. auf bem 
Äoboe unb 33affon VI. <2lm;. 2. 

©tebe muftfalifd)e <£. 14. 

*©ib'll eine 3lrt beö 3ungenfto#eS fie^e 
©oppelpnge. 

*©iri eine 2lrt be3 3ungenftofjeS, VI. n. 7. 8. 

©iScant f. 6opran. 

©igeretion be^m ^Iccompagnement tt>o fte 
^tatt finbet XVII. vi. 31. XVII. vn. 44. 59. 

©iffonangen, u)re untergebenen 9Btrrungen 
XVII. vn. 12—16. i£r untergebener 
Vortrag XVH. iv. 7. XVII. vi. 12-16. 

©otee beffen 93ogenftrid) XVII. 11. 26. 

©oppelfc|)lag eine Heine tt>efentli$e Lanier 

VIII. 14. 

*®oppeläunge ober 3ungenfto§ mit bib'U VI. 
2. beren ^efdjreibung unb ©ebrauefy VI. 
m. 1. 2. 4. 5. auf ber fflöte VI. 1. 9. 
VI. in. 3. 7. u. f. tt>a$ für 6tücfe ba§u 
bienen X. 8. toag babety ju oerfjüten ift 
X. 9. beren ©ebrauefy auf t>^m 33affon 
VI. 2lm). 3. 

Double f. ©oppetf^laa,. 

©uetten beren liebung nrirb einem Anfänger 
angeraten X. 14. für bie Gingftimme 

xvni. 27. 

©unM^eit be$ Q3ortrageö X. 19. XI. 6. 7. 

©ur$ge^>ettbe 9^oten f. Sftoten. 

[©t)nami! beö 95ortrag^ XIV. 25 ff. XVII. 
n. 13 ff. ber ©iffonan§en XVII. vi. 12 ff. 
beim Orcljefterfaiel XVII. vn. 19 ff.J 



9Segifter t>er oowe^mften Sachen. 



267 



(Eigenliebe ift im 3aumc gu Ratten, (£. 20. 
übetgeorbnete, beren (Schaben c. b. 

(figenfmn fc^ablid) XVII. vn. 18. 

©len beö bcr muftfalifcfyen Ausführung ift 

8U oermeiben XII. 5. 6. 7. bittet batoiber 

X. 9. Xn. 5. XVII. vn. 32. 

©ngebilbete QSirtuofen (£. 14. 20. 

©nflang unllfü^rlid&e Äußerungen barüber 
XIII. 12. XIV. 26. 

(Einfclwttte, ber 93töobie f. dafür, ttnllfü^r* 
lia> Äußerungen barüber Xin. 35—39. 
be£ 9Secitafio3, tt>aS beö Begleitung ber- 
felben su beobachten XVII. vn. 59. 

©ntljeilung ber Sftoten in ben §act, nüe fie 
ju erlernen V. 17 u. f. ift ein nötiges 
Stücf beg guten Bortragg V. 16. XVII. i. 5. 

(Eintritte be$ £auptfa$e$ XVII. vi. 32. 

XVTI. vii. 28. 

Embouchüre f. 2lnfa$, unt> 9ftunblo$. 

Entrde Ü)r Vortrag XVII. vn. 58. 

(Erfahrung ift nöt^ig beö ber SQZuftf. <E. 14. 

XVII. vi. 14. 

(Erfmbung ber giöte traoerftere I. 1. 2. 

(£ß be3 BafjonS XVII. vn. 7. 

ffagott f. S3affim. 

^agottift f. 93af[omft. 

* hälfet beffen ©ebrauc$ IV. 17. 18. 

^etnbe tt>o&u fte bienen XVI. 33. 

Fermate, n>iIttüf)rU^e Sinterungen bar- 
über Xin. 36. Ü)r Hrforung XV. 2. im 
anfange eine* 6tücf3 nrie fte su machen 
unb anmusteren ift XV. 35. Anmerkungen 
über u)re 9Dß<u)rung XVII. vn. 43. 

^ertigfett, auf ber glitte toie fte §u erlangen 
ift X. 10. 9Dft3braucf> berfelben XVI. 16. 

Flügel f. (Haöic^mbat. 

Ringer toaS für toeldje jur fflb'te gefc&icft 
ftnb, (2. 4. 18. ü)re Bezeichnung *II. 1. 
toie fte be^m giötenfjnelen su fetten ftnb 
II. 3. u. f. einige 3tti3bräuä>e berfelben 
beöm ^lötenfaieten IL 7. 8. 9. X. 3. nne 
fte auf bem Glasiere su galten ftnb XVII. 
vi. 18. ber Knien äanb, u)r ©ebraud^ 
auf Bogeninftrumenten XVII. n. 32. 



pffinger^altung auf bem Plattier XVII. vi.18.] 

^mgerorbmmg auf ber fflöte tra&erfiere III. 
4. u. f. auf bem iooboe, ift oon jener 
unter f Rieben III 12. 

fftftel f. hälfet. 

<e?leifj erfe^et oft ben Mangel beö Unterrichts 

<E. 3. 

^löte traoerfiere ü)r Slrfprung *I. 1. 2. nnrb 
bon ben ^rangofen oerbeffert I. 4. 6. 
toorauS fte »erfertiget tt)irb I. 18. ü)re 
©attungen I. 16. nrirb in §>eutfd;lanb 
beliebt I. 7. ttrie fte 5U reinigen I. 19. 
U)ie i^re Gtücfe jufammen §u fe^en ftnb 
*n. 2. Ü)re Haltung beöm Olafen II. 2. 
u. f. XVI. 10. gleichet ber menf$lid)en 
£uftrö$re *IV.l. 17. nrie ber §on barinne 
genüget nnrb IV. 2. 4. tt)r intoenbtger 
Bau. IV. 4. ü)r Anfa$ IV. 6. u. f. tt>ie 
fte ein^uftimmen ift. XVI. 2—10. nrie ber 
§;on barauf p^er ober tiefer nrirb XVII. 
vn. 9. tooburety fte unrein hrirb XVII. 
vn. 7. fann gar too|>l rein geftrielet 
toerben IX. 10. n>ie ityre HnoolTfommen» 
tyeiten gu oerbeffern ftnb *IV. 16. 23. toaS 
barauf fd)toer &u fielen ift XVIII. 14. 
Ü)re Ausübung fcfyabet ber ©efunb^eit ntd)t 

<£. 21. 

glotenift f. gWtenftrieler. 

*^l5tenma($er, ff^ler ber meiften IV. 4. 

XVH. vn. 7. 

"cflötenftrieler ein ange^enber feine 9?atur- 
gaben unb (Etg enf d)aften (S. 4. u. f. toaS 
er §u beobachten fyat X. 1—22. n>ie lange 
er täglich fpielen muffe X. 23. getyler ber 
meiften <£. 9. X. 10. 

* — mec|)amfd)e IV. 14. i^re ^ler IV. 16. 

— ein concertirenber toaö er bei öffentlid>cn 
9^uftfen gu beobachten ^at XVI. 1. u. f. 
fein ^la^ bafelbft XVH, 1. 13-15. 

$orte unb feine unterfc^) iebenen ©rabe be^m 
Qlccom^agnementtoerbenbef ^rieben XVII. 
vn. 19—30. tyvt Bezeichnung XVTT. vn. 
19. toie fte auf bem dtatriere auögebrücfet 
toerben XVII. vi. 17. Slbtoec^felung ber- 
felben mit bem ^iano f. §:on. 

'Jranädftfd^ 9Äuftl f. ^ufif unb Oper. 



268 



Gegiftet; ber oorne^mften 6arf)ctt. 



"tjransofen fyc&tn bte fflöte traoerfiere &et> 
beffert I. 4. 7. ttyre ffc^ter im Gingen 
*IV. 17. tyre Slrt be3 Slbagio auszuführen 
XIV. 2. 3. 4. u)r 23ogenftrtß be^m $lccom» 
pagnement wirb angepriefen XVII. n. 26. 
fyabzn sunt ^eit ben ©efßmacf in ber 
STCuftf oerbeffert XVIII. 53-55. *v ©c 
fßmaef in ber »p Wirb betrieben 
XVin. 65—67. 74. 75. unb mit bem 
italicmifßen oergtißen XVIII, 76. 89. 

Cfrec&beit, if>r SluSbrucf in ber 9ttuft! XÜ. 

24. 26. 

greunbe berfelben Qöertl) XVI. 33. 

groberger nin berühmter beutfßer (Staoier- 
componift XVm. 83. 

9ugen mu$ ein Anfänger in ber Sftuftf 
fteifjig Rieten X. 14. Regeln bon ber- 
felben SiuSfü^jrung XVn. vn. 23. 

"güfjgen ber «5^te, beffen Leitung wirb 
oerworfen 1. 14. f ann nißt wo$t oerlangert 
werben I. 16. 

gurßtfamfett ift einem SKuftfuS fßäbtfd) 

XVI. 13. 

gurte U)r Vortrag XVII. vn. 58. 



©. 

\Galuppi, Bald. 5. 266. Anm.] 

©aootte ü)r Vortrag XVII. vn. 58. 

©elaffenljett ift bei ber muftfalifßen Stab- 
führung nöt^ig XVI. 14. 

©ele^rfamfeit u)r 9?u$en be» ber SOfotfH 

<£. 19. 

*©eltung ber 9*oten V. 8. 

©eneraföafj beffen Qöiffenfßaft ift einem cm- 
ge^enben auftrug nöt^tg X. 18. püt*. 
fe^ung beSfetben XVH. vi. 19 ff.] 

©enerafyaufe f. Fermate. 

[Gerber, H. N. S. 178 Anm.] 

©efßmacf in ber < 3Jtajtt ift unterfßiebtiß 
XVII. 52. 53. »er Ü)n in t>tn vorigen 
Seiten auSgebeffert $at XVIH. 53. 55. 
$at naß unb naß angenommen XVIII. 
54. sermifßter ift ber befte. XVin. 
87—89. allgemeiner guter wie er ent- 
ftc^en fönne XVIII. 88. 



©efßmatf beutfßer in ^n vorigen 3citen 
XVIII, 78— 82. in ben ü)tgen3eiten XVIII. 
83—89. waS er fep XVIII. 87. merfwürbig- 
fter 3eitpunft feiner 93erbefferung XVIII. 
84. toirb mit Hnreßt barbarifß genennet 
XVni. 86. Äinberniffe beffelben XVIIL 
80. 5lnm. 85. 

— fran^fifßer wirb betrieben XVIII. 
65—67. QSorfßtäge §u beffen Q3erbeffe- 
rung XVni. 74. 75. wirb mit bem ita- 
licinifßen öerglißen XVni. 76. 89. 

— italiänifßer wa3 man fo nennen tarnt 
XVIII. 56. ber vorigen gtatiäner XVIII. 
56. ber heutigen italicmifßen 3nftrumen« 
tiften XVIII. 57—62. wirb mit bem fran« 
SÖftfßen öergltßen XVIII. 76. 89. 

— lombarbifßer, wer Ü)n aufgebraßt §at 
XVIII. 58. wa£ er ift V. 23. 

[©efang, fte^e Sing-.] 

[©efßißte, furge, beS giötenfaieR L 1 ff.] 

©efßwinbigfeit in ber QluSfüijrung ift nißt 

8 u übertreiben X. 3. XII. 8. XIV. 16. 
©ique tyr Vortrag XVII. vn. 58. 

©fottiS f. Äopf ber Suftrö^re. 
Gola f. ©urgel. 

[Graupner -, Chr. S. 94 Anm.] 

©raoe wie eS sorjutragen ift XIV. 17. beffen 

33ogenftriß XVII. n. 26. 

©rimaffen finb ju t>ermeiben X. 3. 

©runbftimme wo fte witffürliße SiuSsierutt- 

gen leibet XVII. iv. 3. bie gißten 

u)rer SiuSfüljrer be^m 9Recttatto. XVII. 

vn. 59. 
*©urgelftimme IV. 1. 

Gusto barbaro XVIII. 86. 

&. 

Äänbe wie fie auf bem <$la»\tymbäl auf- 
geben ftnb XVII. vi. 30. 
fiänbel ein berühmter beutfßer Gompomft 

XVIII. 42. 

Saltung einer 9*ote wie fte ju maßen XIV. 

10. was ber Slccompagnift t><tf)fy aubeob- 

aßten W XVI1 - ^ 24 - 

Harmonie beren Erlernung wirb angeraten 

X. 18. XVII. iv. 3. XVII. v. 1. 

Äarpeggiren wo eS nißt ftattpnbet XVII. 

vi. 7. 23. 



Gegiftet ber öome^mften Sachen. 



269 



[Hasse, Joh. Ad. S. 94 Änm., S. 24s Anm.] 

* Sauden mit ber <Bruft be^>m giötenfaielen 

IV. 25. VI. 1. 11. VI. in. 11. 

ioauptnoten fhtb nici>t 31t t-erbunteln XIII. 7. 

Äauptfc^ eines StiideS, beffen Vortrag 

XII. 23. XIV. 14. XVII. in. 13. XVII. 

vi. 32. XVII. vii. 28. 

[Heinichen, D. Generalbasschule S. 196 Anm.] 

Ämberniffe be3 <2Bacpu)um£ in ber 9ttufu* 

<£. 7. 8. 14. 20. 

Äoboe bcffen Urfarung I. 5. XVII. vu. 6. 

oeffen Slnfat) VI. <2ln*>. 1. ttrie er su galten 

ift VI. SUu). 6. beffen ftingerorbnung tft 

t>on ber auf ber glöte untergeben III. 

12. 3ungenftofj auf bemfelben VI. 2hu). 

1. u. f. ttrie er unrein ttrirb XVII. vu. 7. 

wie ber ^on barauf $ö$er ober tiefer 

wirb XVII. vu. 9. dritter auf bemfelben 

IX. 6 Sinnt. 

Äoboiften tyv ^laß be$ einer SKuftf XVII. 

1. 13-15. 

Sotteterre le Domain ein franjöftf^er glitte« 

nift *• 6 - 



3. 



Smitationen f. 9^a^a^mungen, 

Inganno XVII. vi. 11. 

3nftmmente wie fte be^ einer 9ftuftf 5« be- 
fe^en ftnb XVII. 1. 13—17. i^re Eigen- 
f^aften muft ein Gomponift serfte^en 
XVn. vu. 60. ber »origen 3eiten XVTL 

vn. 6. 

— <23la^ ttrie fxe su ftimmen ftnb XVH vn. 
5. wie fte su bämpfen XVII. n. 30. 

— 33ogen- muffen gut belogen fepn XVII. 
11. 1. wie fte ju ftimmen ftnb XVII. vn. 
1__4. wie fte rein su ftrielen ftnb XVII. 
vu. 8. 9. wie fte s« bämpfen ftnb XVTL 

11. 29. 

Snftrumentalmuftl U)re sorne&mften Wirten 

XVIII. 28. u. f. ttne fte su beurteilen 

ift e. b. 

— altbeutf^e XVIII. 81. 

— fransöfifd;e XVIII. 65. 93orf$läge 5 u 
ü)rer QSerbefferung XVIII. 75. 

— italiäniWe XVIII. 56. 57. 62. 



Snftrumentift ange^enber f. ^lötenftrieler 
beffen 9^aturgaben <£. 4. 

3nftrutnenttften wie fte be$ einer 9ttufi£ su 
ftelten ftnb XVII. 1. 13—17. wie fte su 
beurteilen finb XVIII. 13—15. 

— beutf$e Erinnerung an bie ifjigen XVIII. 
88. ber vorigen 3eiten XVin. 81. 

— fransöftfd&e i^re Eigenföaften XVIII. 65. 

— itatiänifd^e u)re g^ler IX. 4. XVIII. 
57—62. fcfyaben bem guten ©ef^mad'e 
XVIII. 57—62. rieten in guten beutfe^en 
Or^eftern Unheil an XVni. 61. 5lnm. 
werben oft sur Slnseit in 6d)ut) genom- 
men XVIII. 61. Sinm. 

3nftrumentmad)er tyre ffe^tcr XVII. vn. 7. 

Sntermesso f. lomif^e 9Kufü\ 

3taliäner u)re $lrt t>a$ $lbagto auSsufü^ren 
XIV. 2. 3. 4. ü)re QSorsüge im Gingen 
*IV. 17. XVIII. 64. ü)r «Bogenftrid) be^m 
Slccompagnement wirb wiberraü)en XVII. 
11. 26. ^aben t>an ©efetymad in ber ^uftt 
»erbeffert XVIII. 53—56. ftnb barinne 
Sur Q3eranberung geneigt XVIII. 56. 57. 
tyr ©efcfymatf in ber Sftuftr" ttrirb be- 
trieben XVTH. 56—62. mit bem fran- 
SöftWen »erglühen XVTII. 76. 

3taliänifc^e domponiften unb Sänger f. 
(Somponiften unb Gänger, 3nftrumentiften 
f. 3nftrumentiften. 



i?älte ü)re QSirfung auf bie Snftrumente 

XVI. 3. 6. 
^ammerconcert XVIII. 30. 32—41. 

^ammermufil Stellung ber SluSfü^rer baUi) 

XVII. 1. 15. 
$ammerftt)l XVIII. 21. 22. 27. 

Kammerton XVII. vn. 7. 

^arl ber @ro#e liebt bie SKuftr* ber <2Bel- 

Jc^en XVIII. 55. 

Reifer (9?eüu)arb) ein berühmter beutf<$er 

Öperncomponift XVIII. 84. 

Kenner ber Sftuftr* xoaä für Stücfe *>or u)nen 

S u ftrielen ftnb XVI. 20. 21. 

$ennsei$en, sufäUige ber ©üte einer 9ttufff 

xvni. 51. 



270 



Gegiftet ber aorne^rnften 6ad>en. 



*5?imt beffen Bewegung bfym fflötenblafen 

IV. 9. u. f. 

5?ir$enmuftf tyre untergebenen Wirten unb 

<£igenf$aften XV1H. 19—21. u)r 93or- 

trag XVII. vn. 12. tpaö beö tyrem 3eif- 

maafje ju beoba<$ten XVII. vn. 53. 

XVIII. 21. 

^tr^enft^t XVin. 21. 22. 27. 

*&lappe an ber fflöte traöerftere ü)re (£r- 
fmbung I. 4. wirb in 3)eutf$lanb ein- 
geführt I. 7. ber öftesten <£rfmbung I. 8. 
9lu$en III. 8. 9. feine barf sur Streit 
eröffnet werben II. 9. 

^netyen ber <5fytm auf 33ogeninftrumenten 

XVTI. n. 31. 

i?omifdje Sftuftf ü)r Vortrag XVII. vn. 13. 

*5?opf wie er beim gtötenfyielen 5U $ a ften 
ift II. 5. 

*5?oj>f ber menfepc^en ßuftr5f>re IV. i. 
beffen ©ebrau3> be^m ffalfet IV. 17. 

*5?opfftM berate traöerftere I. 10. fann 
geleitet tperben I, 15. 

[Kratze, Chr. Gott/r. S. 249 Anm.] 



ß. 



[ßagenwec&fel auf ber Violine XVII. n. 33.] 

ßänge eines doncertS XVIH. 40. 

ßarg&etto beffen QSortag XIV. 21. 

ßargo beffen Vortrag unb SSogenftrid) XVn. 

n. 26. 

ßeljrmeifter in ber SKuftf ift nöt^ig X. I. 
bie Gdjulbigfeiten beöfelben <S. 9. 10. 11. 
16. geiler XI. 8. tnuf* ni$t oft abge- 
»e^felt werben €.1 1 . auf ber fflöte g.9—1 1 . 

ßetbenfc&affom wie fte in ber 3ttuftf ju er- 
regen unb $u ftitten fmb VIII. 16. XV. 
18. XVH. vi. 10-13. wie fte in einem 
6tücfe m erfennen unb ju unterfcfjeiben 
ftnb XI. 15. 16. ü)r Sluöbrutf XII. 24. 

ßento affat beffen Vortrag XIV. 8—16. 
93ogenftric& XVH. n. 26. 

fiidtf unb (ofyaütn in ber SRuftf, ein $$eii 
beffelben XIV. 9. 

ßieb&aber ber Sftuftf, i&re $e|>Ier im ttv» 
feilen XVQI. 1—7. 

ßigaturen f. <23inbungen. 



*ßtppen welche sunt fftötenbtafen gefcf>itft 
fmb (£. 14. tyre ffe^ter IV. 7. i£re Be- 
wegung hfym fflötenblafen IV. 8 u. f. 
19. u. f. i$r ©ebrau$ beim Olafen be£ 
Äoboeö unb be$ 33affon$ VI. 2ln$. 2. 4. 5. 

[Locatellij P. S. 243 Anm.] 

[Löhlein, S. Klavierschule S. 169 Anm. 

S. 182 Anm.] 

ßombarbtfdjer ©efe^ntaef f. ©cfdjmacf. 

Loulie* fein <£$ronom6tre wirb angefü^ret 

XVII. vn. 46. 

Loure ty v Vortrag XVII. vn. 58. 

*ßuftr%c menf^Uc^e, wie ber Son barinne 
|)er»4)rgebra^t wirb IV. 1. 17. 18. 

2uUi) XV. 2. XVIII. 42. 55. 

ßuftigleit, u)r SluSbrutf in ber <%luf\t XII. 

24. 26. 

9ftabrigat XVIII. 27. 

Maestri itaMnifdje (£. 14. 

[9D?agniftcat, in ber proteftantifdjen $ir$en- 
muftf XVHI. 20.] 

SKameren Keine wefentlic^e VIII. 14. u. f. 
muffen nid)t überhäufet werben VHI. 19. 

XI. 18. 

^ftannigfafttgfetf beS Vortrages wirb aus- 
führlich erläutert XIV. 25—43. 

\Marcello, Benedetto S. 93 Anm.] 

\Marpurg, F. W. Generalbass- und Klavier- 
schule S. 169 Anm.] 

SKarfc^ fein Vortrag XVII. vn. 58. 

Watttx (Nicola) XV. 2. 

SEftatt^efon feine Q3erbienfte um t>xe gftuftf 
XVIII. 84. 85. [Generalbassschule , S. 169 
Anm. Vollkomm.Kapellmeister ,8.209 Anm .] 

*9ftenf$enftimme wie fte ben $<m hübet 

IV. 1. 

Wtnutt fein Vortrag XVH. vn. 58. 

Messa di voce wie fie ju machen ift XIV. 
10. wie fte mit bem (Hairic^mbal au be- 
gleiten. XVTI. vi. 24. 

Sfteffe $Kuftf batet) XVm. 19. 

Mesure f. Sact. 

93ietaftafto ein großer O^embi^ter XVIII. 

68. 



Gegiftet ber ooroe|mtften 6ad>en. 



271 



Metrum muftfatifd>eS XVIH. 33. 34. g^ler 
bawiber XVni. 62. 63. 

Mezze tinte XIV. 25. 

Mezzo forte tüte eS auf bem Glaoicömbal 
auSsubrücfen XVII. vi. 17. wie es be- 
gegnet wirb XVII. vn. 19. 

Mezzo manico XVII. n. 33. 

*93{ittelftüc!enber SJlöte traoerftere 1. 9. was 
be^m JuSemanberjie^en berfelben &u be- 
obachten I. 13. 

^ftorbant eine Keine wef entließe Lanier 
VIII. 14. wo er au sermeiben ift XVII. 

n. 12. 

loteten, wag fte fmb XVHI. 19. 

Mouvement f. 3eitmaaf . 

{Mozart, Leopold, Hinweis auf seine Violin- 
schule, S. ijy Anm. S. ijf Antn. i.] 

Büfette tyr Vortrag XVII. vn. 58. 

* cßlunbloti) ber <5löte traoerftere, beffen ©röfje 

IV. 11. Regeln *>on Öeffnung beffelben 

IV. 8. 11. 13. 15. 

gXufici, alte, tyre ffe^ler XVII. l 5. XVII. 
vn. 16. junge, tyre ffe^ler XVI. 16. 
XVIII. i. 5. 12. XVII. vn. 16. große, 
ü)re $e$ler XVI. 23. 

9ftuftf Wie fte §u beurteilen iff XVIH. 1. 
u. f. etwas »ont Hnterfc^iebe ber alten 
unb neuen XVII. 3. tyre ffeinbe XVHI. 
80. $lnm. Hnterfc^ieb beS ©efc^macfeS in 
berfelben XVHI. 52. u. f. 

SJiuftf ber S>eutf$en XVIII. 78-86. 

— frana5fifc|>e ift fflaoifc^ X. 13. 19. XVIH. 
76. ift gut für Anfänger X. 13. wirb 
mit ber italiänifc^en *>ergli$en XVIII. 76. 

— italiämfdje ift fre$ X. 13. 19. XVIII. 
76. in 5tanrrei<$ XVIII. 73. wirb mit 
ber fransöfifc^en oerglic^en XVIII. 76. 

— 5?ir$en f. ^irc^enmuftl. 

— J?omtfd)e f. 5?omifc$e gRupf. 

— ^eatratifc^e f. S^eatraUfd). 
^ujtfen öffentliche, waS ein Soncertift babe^ 

au beobachten $at XVI. 1. u. f. 

^ftufifuS, ein ange^enber, feine WatnvQaben 
unb ßigenfcfyaften S. 4. u. f. ein gebo^rner 
wer eS feö <£. 5. wie einer ju beurteilen 
ift XVHI. 1-15. 



9?acl)atymungen XV. 23—28. was beö beren 

Vortrag §u beobachten XVH. in. 13. 

XVIII. iv. 3. XVII. vi. 26. 

^ac^forfc^en eifriges in ber 9ttufi? wirb 
angeraten (£. 12. beffen ©egenftänbe (E. 17. 

9iad?f4)tag beS Trillers IX. 7. wo er nid)t 
ftatt finbet XV. 35. 

*9^afenftimme IV. l. 

Sfoturgaben erfetjen oft ben Mangel beS 
guten £lnterri$tS <£. 3. 11. muffen wo$l 
geprüfet werben (£. 6. fmb allein nic^t 
^inreic^enb einen guten 9ttuftfuS §u machen 
<£. 14. woburcfy man bem Mangel ber- 
felben au Äülfe fommen fann XVIH. vr. 
14. eines Giompontften (£. 4. eines 3n- 
ftrumentiften e. b. eines 9ftpteniften <£. 7. 
eines Gängers <£. 4. 

9?oten ü)re ©eltung V. 8. muffen in ber 
JuSfü^rung fcon einanber unterfd^ieben 
werben XI. 12. welche oorne^mlicf) im 
Vortrage ju ergeben finb XVII. n. 15. 

XVII. m. 13. XVII. iv. 7. 9. XVII. vi. 
10. 16. anfc^Iagenbe XI. 12. bur$- 
ge^enbe XI. 12. gefc^Wmbe ü)r 93or- 
trag VI. m. 1. 15. XI. 12. XVH. vn. 
40. ü;r S3ogenftri$ XVII. n. 8. u. f. 
lange ü)r Vortrag XII. 18. 19. XIV. 
10. XVII. n. 15. XVII. ni. 13. lang- 
fame pwictirte willflu)rlid)e Justierungen 
barüber XIII. 40. puncttrfe u)r Q3ortrag 
IV. 17. V. 21. 22. 23. VI. n. 3. VIII. 
8. 9. XII. 24. XVII. n. 13. 16. XVII. 
iv. 10. XVII. vn. 58. fynfoptrete ü)r 
23ogenftrtcf> XVII. n. 8. 

Sftotenlefen, fertig! eit barinn ift nöQrig &17. 

XVIII. 11. Mittel baju ju gelangen. X. 14. 

O. 

Octaoen wie fie auf ber Slöte ^erauSju- 
bringen ftnb * IV. 14. 18. 19. wie fte auf 
93laSinftrumenten unrein werben XVII. 

vn. 7. 

©ctaoenfprünge, willfltyrlictye Justierungen 
barüber XHI. 21. unb XIV. 33. 

Oper erfobert einen . erfahrnen (£ompomften 
(£. 15. ü)re öorne^mften guten (Eigen- 



272 



gtegifter ber t>owe$mften Gacfyen. 



f haften XVIII. 24. 25. 71. beutfc^e 
in ßeip^tg unb Hamburg XVIII. 84. 
frati35fif^e wirb betrieben XVTII. 67. 
ü)re ffc^ter XVIII. 68. in ©eutfd>tanb 
XVIII. 73. ttatiänifc&e it>rc gefrier 
XVIII. 68. Urfacfren berfelben XVIII. 
70. tff in anbero £änbern beliebt XVIII. 73. 
Öperncomponiften f. (Somponiften. 
Opernpoefie wie fte begaffen fe^n foH 
y XVIII. 71. 

Opernpoeten tfrre Segler XVin. 68. 70. 
Ü)re ^ffidtfen XVIII. 71. 

Spernfttot wirb gemtebrauetyet & 15. 

Oratorium XVIII. 19. 20. 

©refrefter wie e£ in Örbnung s« erhalten 
XVII. i. 5. 6. wie eS §u befe^en unb &u 
fteflen ift XVII. i. 13—17. wie ei §u 
üben ift XVII. i. 11. [Gcfrbnfreit be$ 
<Drd>efter»ortrag$ XVII. vn. 16 ff.] 

Örbnung in ben muftfalifc*>en ©ebanren f. 14. 
Organiften berühmte beutf^e XVIII. 83. 
gute fangen an rar gu werben XVIII. 83. 
fd)led)te e. b. 
Örgelfunft *>on wem fte bie S)eutfd)en emp- 
fangen fraben XVIII. 83. wer fie gur 
93oüfommen^eit gebraut \)at XVIII. 83. 
Ort träqt met *ur SluSnafrme ber 3RujW Ui) 
XVIII. 8. 25. 26. 
Ouvertüre u)re <Sigenfd>aften XVIII. 42. 

^ad^elbet (3ofrann) ein berühmter beutfd)er 

Sonfünftler XVIII. 83. 

<öat#e9lic&feit htt) ber muft?alifc*>en <2Iu$» 

fübrung XVII. i. 10. XVII. vn. 7. ber 

Gomponiften XVin. 29. 71. 

^affagten wie fte auSsufüfrren fmb X. 8. u. f. 
XII. 4. 16. fmb fleißig gu üUn X. 10. 
wie fte auf bem fftügcl au$5ufü?>ren f mb 
XVIL vi. 18. f^were für bie "Jlöte 
XVIII. 14. für bie Biotine, e. b. wie 
fxe ein Gänger au$8ufül)ren frat XVIII. 
11. ü)r SfliSbraud) im Gingen XVIII. 69. 

,c Paffecaiae il>r Vortrag XVII. vn. 58. 

^affepieb fein Vortrag XVII. vn. 58. 

roaffiongmufiten in ber proteftantifefren 
■ u XVIL 20.] 



[^aftorateS (Gcpferfpiete), eine Gattung 
ber Oper XVIII. 23.] 

Pausa generalis f. Fermate. 

Raufen it)re ©ettung* V. 10. 24. 93orftd)t 
bei; beren 2lu$füt)rung XLI. 12. XVIL 
i 5 XVII vn. 34. betont aecompagnirten 

gwkrt» XVIL yn - 59 - 

^aufiren Erleichterung beffetbenXVII.vn.34. 

gebauten mulWaßfc&e XVI. 23 - 

epergotefe ein itaMnifcfrer Gomponift fem 

^arafter XVIII. 63 - 

* pfeifen beS göinbeS auf bem 93affon, wte 

e3 gu serfrüten ift VI. «2lnl). 5. 

* pfropf im SSopfftücfe ber SJtöte traserftere, 

beffen 9Zu^en I. 10. 11. 12. IV. 26. 

<3M)itibert ein frangöftfe^er giötenfpieter 1. 6. 

^iattifrmo XVIL vi. 17. 

°piano beffen untergebene ©rabe, unb 
3etc*)en berfelben XVIL vn. 19. betmt 
<2lccompagnement XVn. vn. 19. 30. wie 
e3 auf htm Statric^mbal au^ubrücfen 
XVIL vi. 17. Wie e$ mit bem «Sorte 
abwe^feln muffe f. $on. 

^ianoforte ein 3nftrument XVIL vr. 9. 17. 

Pince f. Vorbaut. 

\PisendeL Joh. G. S. 94 Anm. S. 96 Anm. 

1 S. 2ji Anm\ 

^Mftocdn ein öortreffüc&er itaUänifcfjer Gang- 
meifter XVHL 56. 

^iföicato wie e3 gu machen XVIL n. 31. 
<£oefte, muftfatiföe xvm. 68. 71. 

^ompofo beffen <23ogenftrtd) XVIL n. 26. 
[Port de voix 3ÖEL 31 J 

<=0radbt, beren SluSbrucf in ber Sölufff XII. 

- 24. 26. 

«ErätoriuS C3ftic$aet) wirb angefül>ret I. 3. 

[S. 184 Anm.] 
^refto 33ogenftricfr babet) XVIL n. 26. 
q&ropretäten fransöftfefre in ber 3lu$füfrrung 

* VIII. 18. 

«Pfataen xvin - 19 ' 2a 

«EuÖfcfrlag ift ein Mittel ben §act emau- 
Reiten V. 17. fann eine 9li^tfd)nur beö 
3eitmaa§e$ fe^n XVII. vn. 47. u. f. 

<Tmnct hinter einer 9lote, feine ©ettung unb 
<2lu^brutf V. 9. 20—23. über einer 9*ote, 
beffen SluSbrucT VI. 1. 11. XVI. n. 12. 27. 

^unetirte 9loten f. 9^oten. 



Gegiftet ber &owe$mften 6ac$en. 



273 



Quavtenfyrünge, nriltfü|>rlid>e ^lu^sicrungen 
darüber XIII. 23. unb XIV. 35. XIII. 34. 38. 

Quartpten L 17 - 

Quatuor <£tgenf$aften eines guten XVIH. 
44. toat für tt>tlttü$rlt$e Sanierungen 
Ubfy ftatt finden XVI. 24. Regeln ^uv 
Stabführung beffelben XVII. m. 14. 

Querste f. glitte traserftere. 

* Querpfeife I. 3. 

Suintenfprünge, tx>iaftu)rtt$e Sanierungen 

darüber XIII. 21. 39. XIV. 33. XIII. 24. 

unb XIV. 36. 



9?. 

9*ecitath> Regeln ba*on IV. 17. tf)eatralifc&e$ 

tt>ie eS au begleiten ift XVII. vi. 33. 

XVII. vn. 59. ber ffrangofen XVIH. 67. 
3*eblid)feit beö ber muft?atif<$en Stabführung 

XVII. i. 10. 
9teinfen ein berühmter Organift XVHI. 83. 
*9*einigfett Der <5Wte IV. 4. 24. äinberniffe 

berfelben IV. 15. 

* Reinigung ber Slöte I. 19. 

Reifen ift einem SflufffuS nüfcli$ C 3. XVII. 

i. 4. 93orft$tigteit t>äbfy XVIII. 59 Sinm. 
[Requiem, in ber t#©l &frcf>e XVIH. 19.] 
[Remond.de St Mard S. 24J Anm.] 

9ttgaubon fein Vortrag XVn. vn. 58. 
9ttj>ieniften, ü)re Staturgaben <2. 7. u)re 

^fltci&ten XI. 8. XVII. gute fmb rar 

XVII. 4. 5. alte, tyre $e$ler XVn. 1. 5. 

XVH. vn. 16. junge, tyre ffe^ler XVII. 

1. 5. XVII. vn. 16. Regeln be$ guten 

SSortragS für fle XL 8. XVH. vir. 10 u. f. 

[f. au$ 51ccompagnement.] 
9ttjriem>ioliniften inSbefonbere f. SlJiolmiften. 
9tttornell, n>ie e$ sorautragen ift XVH. n. 

26. XVII. vn. 41. tyxafyt beffelben XVIH. 

34. Segler beffelben in Strien XVIIL 24. 

leibet feine mittfürtic^en Sinterungen 

XVn. vn. 15. 

*9fa>^r am £oboe unb S3affon, beffen S3e- 

fc^reibung unb ©ebrauc^ VI. Sln$. 2. 4. 5. 
9fotttbeau fein Vortrag XVn. vn. 58. 

[Rousseau, J. J. S. 134 <&»*•] 



6. 

Saal, tt>ie bie Sta3flu)rer einer Sftuftf barinne 
5« fteHen fmb XVII. l 14. 

Sänger feine 9Zaturgaben (£. 4. feine t>or- 
ne^mften <£igenf$aften XVIH. 11. 12. 69. 
muß bie Regeln be$ Slt^ent&olenS tt>o?>t 
öerfte^en VII. 1. u. f. mufj bie iMmn 
Sanieren gut gu madjen tt)iffen VIII. 1. 
u. f. mufj einen guten Triller fragen 
IX. 1. u. f. fein tytai} be$ einer Kammer« 
muftf XVn. 1. 14. mie ü)m baS 9^ecitatit> 
au erleichtern XVII. vi. 33. tt>a$ beti 
beffen ßabenaen öon ben Slccompagniften 
ju beobachten XVII. vn. 44. tt>ie bequem 
für ü)n au componiren ift XVII. vn. 60. 
tt)ie er m beurteilen ift XVIII. 11. 12. 
mu§ ni$t bur<$ ^artl^tic^eit unter- 
brächet werben XVIIL 71. 

Sänger, beutf^e, u)re Sfe^ler XVIIL 80. 

_ Sinnt, franaöftfd&e, tyre $e$ler IX. 3. 

XVHI. 66. Miänif$eu)re93oraügeIV. 

17. XVUI. 76. ffe^ler berfelben VIII. 

19. XVIIL 11. 

Sangtneifter, ein berühmter, XVIIL 56. 

Sarafcanbe, Ü)r Vortrag XVH. vn. 56. 

Scata f. Sonteiter. 

Sd&aufyießunft, mu§ ein ßomponift »er- 
fte^en & I* 

Sd&immer in ber Stabführung, toaS u)n be- 
färbert Vin. 15. 18. IX. 1. XU. 14. 

Scf)lüffel an ber ffläte tra&erftere f. Mappe 

*_muföalifc&e V. I- 2. 

Sd)tu§ ber Gabenaen XV. 29. 36. 

Sc|tnei$ete9 SN StoSbrucf in ber 9Jlufit 
XU. 24. 26. XVII. n. 26 

♦Schraube am ifcpfftütf ber $löte I. 11. 

Schulen, Verfaß ber Wtxfxt in btn beutfe^en 
XVHI. 80. Slnm. 

*S$tt?ei$erpfeife " I- 3. 

S$ttri$en be$ 9Jhmbe£ bet?m ftlötenbtafen, 
ttrie ü)m abau^elfen XVI. 13. 

Sc|)tpung ber (Seiten XVII. v. 4. 

Secunbengänge, twillfü^rlic^e Slu^aierungen 

brüber XHI. 13-20. unb XIV. 27—32. 

XIII. 28. 29. 30. 33. 

6erenate XVIIL 27. eine fc$led>t in 9ttuftf 
gebrachte XVHI. 24. [Slnm. 2. 

18 



274 



9*egiper ber borne^mpen Sachen. 



Septimenfprünge, wiH«i£rti$e Studie« 

Hingen barüber XIII. 21. unb XIV. 33. 

XIII. 26. 27. unb XIV. 38. 39. 

Sejtenfprünge, wiH«u)rliä)e SluSaierungen 
brüber XIH. 25. unb XIV. 37. 

Seiten muffen gut fe&n XVII. vn. 1. wie 
P$ bie $bne Darauf bedungen XVH. 

vn. 6. 

alla Skiliana, beffen Vortrag XIV. 22. 

[XVII. n. 9.] XVn. vn. 9. 3eitmaa§ 

XVII, vn. 51. 

«Sinfonie, ü)re @igenf$aften XVI1L 43. 

Singart Der alten S)eutf#en XVIII. 80. 
Slnm. franaöpfctye toteb befä)rieben XVHI. 
66. 76. italiämföe XVHI. 76. neue wirb 
in 5>eutf$lanb übriger XVIII. 84. 

Smgcompoptton wirb berbeffert XVIII. 56. 

Singfunft, u)r QBa$$t$um XVIH. 56. ift 
angef>enben Suftrumentiften ju erlernen 
nötyig X. 18. 

Singmupf, Ü)re ©attungen XVin. 18—27. 
wie pe au beurteilen, e. b. toaß be$ 
ü)rem 3ettmaape au beobachten XVII. 
vn. 52, ber alten 3>eutfä)en XVIH. 80. 

Soabe, bt^eti 33ogenftru$ XVII. n. 26. 

Solo <2igenf$aften eineö guten XVIII. 46 
—50. wa$ für wittfm)rli$e SluSaiesungen 
habt) ftatt finben XVI. 29. Regeln au 
beffelben Begleitung XVTt. m. 16. XVII. 

vi. 7. 

Solocantaten xvni. 27. 

Solofpielen auf bem 93iolonceU XVil.iv. 12. 

Sopran, b^en Triller IX. 6. 2lnm. 

Sorbinen, ü)r ©ebrau# XVII. n. 29. 30. 

[Sorge, G. A., Generalbassschule S.iöp Anm.\ 

Softenuto bt^m 33oa,enftrid> XVII. n. 26. 

wie eß auf bem (Slabtere p begleiten 

XVTI. vi. 30. 

©^ielart £lnterf#ieb ber franjöjif^en unb 
italiänifdjen X. 19. 

Spielen, aüaubunteS wirb beworfen Xin. 
9. übermäßige* auf Snftrumenten ift 
f$8bti$ X. 23. 

Spraye, franaöpf^e, ob pe jur itaUäniföen 
SKupt bequem feto XVIH. 74. 

Sprachen, au$tanbif$e, muß ein SDhtfttuS 
lernen & 19. 



Sprünge, wie fie borautragen pnb XII. 17. 

auf bem Baffon* VI. 2ln&. 3. bürfen auf 

benSSaßinftrumenten nia)t oerfeijet werben 

XVII. iv. 5. XVII. v. 6. 

Sprünge, tt>ie pe mit bur$ge$enben 9^oten 
wiHfü$rti$ aufzufüllen pnb XIH. 42. 43- 
in bie §erae, willfiu;rtu§e $lu$8ierungen 
barüber XHI. 22. unb XIV. 34. xni. 

24. unb XIV. 36. XIII. 31. 37. in bie 
Quarte, bergt XHI. 23 unb XIV. 35. 
XIIL 34. 38. in bie Öuinte, bergt. XHI. 
21. unb XIV. 33. XIII. 24. unb XTV. 
36. XHI. 39. in bie Se^te, bergt. XIH. 

25. unb XIV. 37. in bie Septime, bergt. 
XHI. 21. unb XIV. 33. XHI. 26. 27. unb 
XIV. 38. 39. in bk Octabe, bergl. XHI. 
21. unb XTV. 33. 

Staccato, be^en Vortrag XVII. n. 27. 
Stärfe, ab' unb $une$menbe be$ 3;one$ f. 

$on. 
Stellung, ber 2iu$pu)rer be$ jeber 3Rufif 
XVH. i. 13—15. 

Stimme, menf$li$e, u)re iöauptfe^ter im 
Singen *IV. 1. XVIH. 11 

Stimmung, ber $on berfelben ift unter* 
Rieben * I. 9. XVIH. 6. 7. reine ift not^ 
wenbig XVI. 2. XVn. vn. 1—3. wie pe 
in einem Örc&efter ju erhalten XVH. i. 8. 

— ber ^föte, wie pe mit anbern Snftru- 
menten gleich ju erhalten* IV. 26. XVI. 

2-9. 
[Stolze^ G. H. S. 94 Anm\ 

Strich, auf 93ogeninftrumenten pe$e 53ogen- 

ftrid?. 
Striche über ben 9fa>ten, toa& pe bebeuten 
XI. l 10. XVII. n. 12. 27. 
*Structur, inwenbige ber fflöte traberpere 

rv. i. 4. 
Stubien pnb einem SSRupfuS bientic^ <£. 19. 
*Stü<£e ber ftl&tz traberpere I 9. 

— mufilaßfc^e, welche §ur Xtebung ber An- 
fänger bienen X. 5. 13. pnb forgfältig ju 
wägten XVI. 17.— 23. für einen gropen 
Ort XVI. 18. XVHI. 31. 32. für einen 
Keinen Ort XVI. 19. XVIH. 32. fe£r 
fdjwere bor wem pe au fpieten pnb XVI. 
21. gute pnb p fammeln X. 21. 



Gegiftet ber frome^rnften Sachen. 



275 



6ubfemttone, tute fte auf 33ogen* unb 93la$- 
inftrumenten $erau$ au bringen ftnb XVII. 
vn, 9. nwS ber Gtatrierift belegen au 
beobachten §at XVII. vi. 20. 

6uborbmation, bißige, ift be$ einem Örd)efter 
nöt^ig XVn. 1. 7. XVIL vn. 16. 

Stmfopation f. Koten. 



§act, beffen 93ef$retbung unb Einfettungen 
V. 11.— 14. toie bie Gattung beffetben au 
lernen V. 16—26. 33ort$eile baau X. 14. 

«abelfuc&t XVI. 33. 

Talent, mufifatiföeä, f. Sftaturgaben. 

Sambourin, fein Vortrag XVII. vn. 58. 

Sranamufuv frana&Ttföe, ü)r *erfd>iebene$ 

Seitmaafj, 93ogenftrid> unb Vortrag XVH. 

vn. 56—58. 

[Partim, ©iufeppe. Sein Brief über Violin- 
technik an M. Lombardini-Sirnten. S. ij8 
Anm. <£(>ara!tertfttt feinet GphU unb 
feiner 9ttufif XVHI. 59.] 

$elemann feine $rio toerben angepriefen X. 
14. 15. feine $ird>enftücfe XVIII. 85. 
übertrifft bie Sfranjofen in feinen Öut>er» 
türen XVIII. 42. feine Quatuos XVIII 44. 

Temperament $at einen ©nftufc in bie SWufft 

XVIH. 55. 

Temperatur beä (StaaterS XVII. vn. 9. 

Tempo maggiore XVII. vn. 50. 

Tempo minore XVII. vn. 50. 

[$empo, fie^e 3eitmag.] 

Senor beffen dritter IX. 6. Slnm. 

Tenuta f. Messa di voce. 

^eraenfprünge, tt>iHfm)rtid)e Sanierungen 

barüber XIII. 22. unb XIV. 34. XIII. 

24. unb XIV. 36. XIII. 31. 27. 

5eraentriller IX. 4. 

Seraett. XVni. 27. 

^eatraltfc&e^uftf^reöattungettXVni^. 

S^ema f. Sauptfa$. 

3$eorbift, fein <£ta$ in einem Örcfcefter 

XVH. i. 13. 

*$:i etneSlrt be3 3ungenftofjeS auf ber fttöte 
VI. 2. ü)re 35efd)reibung unb @ebrau$ 
VI. i. l. u. f. ift fleißig 5 u üben X. 3. 



wa$ für etücfe baau btenti$ fwb X. 5. 
auf bem Äoboe unb SSaffon VI. $ln£. 2. 

*Sirt, eine Slrt be$ 3ungenfto§e$ auf ber 
fftöte VI. 2. beffen 93efc$reibung unb 
©ebrauc$ VI. n. 1. u. f. n>a$ für etücfe 
baau bienen x. 7. 

Söne, ü)re 3a£t unb Benennung *III. 2. 3. 
tt)ie fte auf ^ogenhtftrumenten rein au 
greifen ftnb XVH. vn. 8. 9. 

— $<xlbi ü)r ünterfc^ieb III. 5. 8. Vortrag 

XVIL n. 14. XVII. vi. 11. 

— §o%e, toie fte auf ber ftm* traöerftere 
^erauöaubringen ftnb *1V. 13. 14. X. 3. 
im Gingen XVIII. 11. 

$on, mte er in ber menfcpcfyen ßuftrityre 
entftefct *IV. 1. 3eugung beffetben in ber 
fttöte traüerfiere IV. 2. 4. ber gefäUigfte 
auf ber fflWe IV. 3. Hrfadjen ber <33er» 
fc$ieben§eit beffetben auf ber ^löte IV. 
4. 5. 25. ioinberoiffe be$ guten auf bem 
«Baffon IV. $ht&. 5. auf bem kontra- 
öioton XVIL v. 2. 3. 4. guter auf t>m 
(Elat>icttmbat XVII. vi. 18. 30. auf 93ogen» 
inftrumenten XVIL n. 28. ab» unb au- 
ne&menbe Stärfe beffetben, n>ie fie au 
ttrirfen IV. 22. X. 3. ü)r ©ebraud> bfy 
einer concertirenben Stimme nnrb be- 
trieben XII. 18. XIV. 9. 10. 11. XIV. 
24—43. n>o fte heqm Slccompagnement 
anaubringen XVIL n. 34. 35. XVII. m. 
11. 12. 13. XVIL vi. 24. 25. XVH. vn. 
30. toie fte auf 33ogeninftrumenten au 
toirten XVIL n. 28. 32. toie fte auf bem 
dlatric^mbat $erau$aubringen XVIL vl 

9. 17. 

— ber Stimmung im Örd&efter ift »erfc^ieben 
XVIL vil 6. <£>arifer XVH. vn. 6. 7. 
römtfdjer e. b. üeneaianifc&er XVn.vn. 
6. n>etd)er ber befte fe$ XVH. vn. 7. 

Tonarten, *V. 4. ü)re »ergebenen Qßßir» 
fungen XIV. 6. flnb ein ^ennaeic^en ber 
&errf#enben ßeibenfe^aft eines 6tücfeS 

XL 16. 

— fc^toere, n>enn man barauS fpielen foH 

XVI. 21. 
5on!ünftIer f. SKuftfuS. 

Tonleitern pi. 2. 3. V. 6. 7. 

18* 



276 



Gegiftet: ber fcotnetyrnften 6a$en. 



Soretfi, toirt) für t>en (Srfmber ber Goncerte 
gehalten XVIII. 30. 58. 

[Tosi-Agricola, Hinweise auf deren Gesangs- 
schule, S. 210 Anm, 2. S. zip. Anm.] 

SranSpofittonen ber ^affagten X. 16. 

Triller ift nottywenbig IX. 1. Erleichterung 
beffelben IL 4. 7. beffen rechte ©efdjwinbig- 
feit IX. 2. 3. 6. <£igenfcf>aften IX. 5. 7. 
$e£ler IX. 3. 4. 9*ac§f$lag IX. 7. 93or- 
fcijlag IX. 8. 9. 10. in ber §ers wirb 
serworfen IX. 4. 33ogenftric§ be^m Triller 
XVII. n. 24. fleißige Hebung beffelben 
wirb angeraten X. 10 ^efcfyreibung 
aller Stiller auf ber Sflöte IX. 11. 12. 

— falber VIII. 14. XII. 14. wo er Statt 
finbet XIII. 32. 

— be»m ©cfytuffe ber Saben&en XV. 36. 
Wenn tyn bie *2iccom}>agmften &u unter- 
treten #aben XVII. vn. 44. 

$rio <£igenf<$aften eineö guten XVIII. 45. 
ftnb einem Anfänger bienlid) %u Rieten 
X. 14. oon ^elemannen werben ange« 
^riefen X. 14. 15. Regeln $u 3lu3fiu)rung 
ber $rio XVn. in. 14. 16. XVII. vi. 6. 
S3orjtc*)tigfeit batet) XVI. 24—26. 

^riolen ü)re 33efd[)reibung V. 15. ü)re <£m« 
Teilung gegen punetirte ^oten V. 22. u)r 
Vortrag XII. 9. 10. wiöfu^rliclje StuS* 
gerungen brüber xni. 32. 

Trompeter & 21. 

[Türk, D. G. r Klavierschule S. 169 Anm.] 

£1. 

Sleberfe^en ber Unten &anb auf 93ogen» 
inftrumenten f. mezzo manico. 

Hebung aor jtd>, Regeln baju X. 3. 5. 13. 
eines Örc^efterä XVII. 1. 11. 

Umgang mit getieften £euten ift nü$li$ 
£3. XVII. 1. 4. 

Htttfon wie er öorjutragen XVII. n. 24. 
XVn. v. 6. XVII. vn. 27. 39. wo er 
gute SBirfung tyvA XVin. 31—32. 



9J. 

*93aueanfon wirb wiberleget 
QSeränberungen f. Slu^terungen. 
Q3erbefferung einiger 93la£inftrumente I. 5. 



IV. 14. 



QSermifc^ung be§ muftfalifc^en ©efd)mac?e§ 
XVIII. 87. 88. 89. 
93erfteaung3funft, löbliche XVII. vn. 17. 
Vibration f. «Schwung, 
bittet, ein italiänif#er (£otm>onift, fein 

e^arafter XVin. 63. 

93ioline mu§ gut begogen fe^n XVII. n. 1. 

wie fte §u ftimmen ift XVI. 7. XVIL vn. 

4. wo ber 93ogen barauf ^u führen ift 
XVIL n. 28. wie fte rein su ftrielen ift 
XVIL vn. 8. 9. tt>a$ barauf unbequem 
ift XVIII. 14. dritter auf berfelben IX. 6. 

93iotfmften wie fte be$ einer 9Jluftl %tx fteHen 
ftnb XVIL l 13—15. u)re ^flic^ten beöm 
^Iccompagnement XVIL n. 2. 

— heutige itatiättifc$e, ü)re ffe^ler XVIII. 
58—61. rieten Shtyeit an XVni. 61. 

— ütottnt berühmte fiombarbtfcbe werben 
c^arafterifiret XVIII. 51—60. 

^ioton f. Sontraototon. 

93tolonift f. Gontratnolottift. 

93u>lottceff, wie er $u be$itf)tn ift XVII iv. 1. 
wo unb wie ber Q3ogen barauf &u fuhren 
ift XVH. n. 28. XVIL iv. 2. SriKer auf 
bemfelben IX. 6 ^tnm. Dom Soloftrielen 
barauf XVIL iv. 12. wie e$ mit bem 
Glaoiere &u begleiten XVIL vi. 21. 

QSioioncetttft, beffen ^taf* beto einer Söhtftf 
XVU. 1. 13—15. feine <£flt$ten XVH. 

iv. 1. u. f. 

93irtuofen, eingebilbete <£. 14. 20. 

Vittoria d'Imeneo eine f<$led)t componirete 
Gerenate XVin. 24. 

QStoace, beffen 93ogenftri$ XVn. n. 26. 

' [Q3i»albt, $lnt S. pj Anm. S. 231 Anm. 

q>arafterifti? feiner 9^uftf XVIII. 58.1 

QJocatmuftf f. 6tngmufü. 

QSorfc^lagen ber rechten ioanb auf bem 
<£laöiere beö furzen Raufen XVH. vi. 32. 
be^m 9lecitatiö XVIL vi. 33. 

SSorfd^lag, eine Keine wefentli^e 9Ranier 

vin. 

9Sorfc|)läge, pnb not^wenbig VTH. 1. i^re 
93egei(^nung VIII. 2. ü)r ©runb VIII. 3. 
ü)r Vortrag VI. 1. 9. VIII. 4. ^3ogen« 
ftri^ babe^ XVIL n. 19—23. anf^lagenbe 
cöorf^Xäge VIII. 5. 7. bur$ge$enbe, VIII. 

5. 6. 95orf#läge beö ^unetirten 9loten 



Gegiftet; ber t>ome$mften ©ad?en. 



277 



VIII. 8. 9. be$ drittem VIII. 10. IX. 
8. 9. 10. ü)r eigentlicher ei$ VIII. 12. 
ein (frempet baaon VIII. 13. wo fte Statt 
ftnben XIII. 32. wo fte nicf>t Statt fmben 

IX. 13. muffen ni$t §u puftg angebracht 
werben VIIL 9. was ber (Slaoierift be$* 
liegen be^m $lccompagnement p be- 
obachten t>at XVÜ. vi. 19. 

Vortrag, mufifatifcfyer wirb mit bem in ber 
9*ebefunft üerglicfyen XL 1. 2. 3. ber ge- 
fc^teifeten 9toten auf ber ffföte VI. i. 10. 
ber punctireten 9*oten V. 21. 22. 23. ber 
93orfc*>Ktge VI. t 9. VIII. 3. u. f. [XVII. 
n. 19 ff.] beto ber ^ird)enmuftf XVII. vii. 

12. bett ber tomifdjen Sftuftf XVII. vn. 

13. be$ ber Sanamuftt XVII. vn. 58. 
ber neumobifcfyen italiänifcfyen Qßiolintften 

XVIIL 60. 61. 

— gleicher in einem Orc^efter XVII. 1. 7. 9. 
10. wie er au erlangen XVII. i. 11. 

— guter, ein S^eit beffetben VIIL 18. bie 
oorne^mften <£igenfd>aften bejfelben XL 
10—20. ift nötyig X 22. XI. 5. im Sibagto 
XVI. 5. u. f. im <Megro XII. 3. u. f. 
auf t>tm (Etatricambal XVn. vi. 5. auf 
bem (Sontraoiolon in3be£.nbere XVII. v. 
8. ber9tfpiettiftenXI.8.XVILvn.iO-18. 

— fdj>lec|>ter XI. 6. 7. beffen ^ennaeic^en 

XI. 21. 
Q3orur$ett, barf ni$t beü «Beurteilung 
einer Sttuftf fcerrfcben XVIII. 2—5. 10. 
oon ber <S$äbftcf)teit beö fflötenfpielenä, 
wirb wiberleget €. 21. wtber bie 9ftög- 
lictyfeit be£ QtonftrielenS ber fftöte, wirb 
wiberleget IX. 10. 

QBadtfen ber 6tärfe beS $one$ f. Son. 
^Sßärme, u)re 3Btr?ung auf bie Snftrumente 

XVI. 3. 6. 



< 3QBa^I / ber ßebenSart ift be^utfam anaufteffen 

<£. 1. 3. muftlalifc^er ©ebanfen <f. 14. 

ber 3nftrumentiften ju einem Örc^efter, 

ffe&ier baUi XVII. 1. 2. 

^Balb^orntften, ü)r ^latj be^ einer ^ftufif 

XVII. i. 13. 15. 

[Wallher, Joh. Jak S. 2/6 Anw.] 

[9Bieber^ofuttg§5et$en. V. 27.] 

33orte, wie in ber 6ingcompofttion bamit 

umauge^en IV. 17. <2lnm. XVni. 71. 80. 

^nm 



3. 



3äj?ne eines fflötenfpieterS <£. 4. IV. 7. 

Setzen, muftfatifdje, werben erMret III. 3. 

V. 27. 

3eitmaafj, waö e3 fe$ V. 11. wer beffen 
©lei$gewi$t be$ ber 9ftufif am beften 
unterhalten tann XVII. iv. 6. XVIL v. 1. 
93ort$eüe a** beffen Haltung auf bem 
gtügel XVIL vi. 30. bie unterfd&iebenen 
Wirten beffelben werben betrieben XVÜ. 
vn. 49. 50. Regeln baoon XVIL vn. 31—44. 
wie bett jebem 6tüde t>a$ rechte an- 
treffen XVIL vn. 45. u. f. ff e^ler fo batet) 
»ergeben XVIL vn. 32. 45. 

3§§tm in ber SiuSfityrung XVIL vn. 32 

[Soppa, otta XVIL h. 9.] 

3u^örer finb öon einem (Soncertiften in Be- 
trachtung au %it$tn XVI. 20—23. woau 
ti)r Beifall bienen fott XVI. 33. 

3utte£men ber (Stärke be$ SoneS f. Son. 

3unge, ü)r ©ebraud) beim Olafen ber fftöte 

VI 1. 

*3ungenfto£ [ba3 $ier$er ©e^örenbe tarn 
in ber VlwaußQäbe burc^weg in ffortfaU.] 

3totWettfarbett, mufiMifcH XIV. 25. 

3tt>if#enfriel f. 5?omif$e SDiufrf. 



5>*ucf t>ott 9?abem & Ätße itt CefM«. 



3folj<mg. 



[<£nt&atonl> t>ie 9taei»tat>eUm XVII— XIX unD XXIV.] 




Anhang A (s.s. m« Tab. XVII -xix. 

Adaffio. [Generalbaßaussetzung vom Heraugeber] 

Tab. XVII. 




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AnllcL!l£r B. (S. g. HS.) Tab. XXIV. JGeneralbaßaussetzTingvom Herausgeber] 



Affettuoso di molto. 
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